Indiana Tribüne, Volume 28, Number 128, Indianapolis, Marion County, 21 January 1905 — Page 5

Stifts ctta Tribuns, 21. Januar

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ooo ooo preise geliefert von A. B. MEYER & CO. Pennsylvania Anthracits $7.50 Pocahontas Lump . . 5.50 Smokeleß Lump 5.50 Ohio Cannel ump 5.50 Ohio Cannel Egg 5.50 Kanawha Lump 4.50 Pittsburg Lump 4.50 Brazil Block........... ............. 4.25 Hocking Valley 4.25 Straight Creek Lump 4.50 Straight Creek Egg 4.25 (Zreene County, No 4, Vein Lump .... 3.50 Greene County, No. 4, Vein Egg 3.50 Jackson Ohio Lump 5.00 Oven Coke Egg 5.50 Gas tzouse Lump Coke 5.50 GaS House Crushed Coke 6.00 Eztra.Bnechaung wo solche zetrazen werde müsse. Ueber Schillers Räuber und die Zürcher Studenten wird geschrieben: Von jeher fühlte sich die studentische Jungmannschaft besonders zu den Schiller'schen Räubern hingezogen, und d Karl Moor hat es gern zen Studentengenerationen angethan. Bei der Kunde von fünf oder sechs derbummelten Semestern fühlt sich die studentische Jugend immer freudig' bewegt, und nicht nur die " Figur des grotzenSünders Karl allein, auch seine fröhlichen Brüder gehören zu jenen Beständen des Schiller'schen Sturmdramas, die sich im Herzen der studirenden Jugend ein- für allemal einen dauernden Platz gesichert haben. Matkowsky, der große deutsche Tragöde, ist bei der siudirenden Jugend gerade deshalb nicht wenig beliebt, weil er bei Studeuten - Aufführungen schon öfter den Karl Moor gespielt hat. Die reichsdeutschen Studenten begnügen sich nämlich mit der Darstellung von Karl Moors Gesellen, sie wirken nur als Choristen mit, und die Hauptrollen liegen immer in den Händen von Berufsschauspielern. Die Zürcher sind in neuerer Zeit die ersten, die jede Rolle mit einem Vertreter ihres Standes besetzt hatten. Nur die Amalia. die einzig weibliche Rolle, lag in den Händen einer Berufsschauspielerin. Auch Zweifler müssen zugeben, daß das kühne, Unterfangen recht hübsch gelungen ist. Wer nicht gerade fertige dramatische Leistungen erwartete, mußte den strammen Verlauf der Vorstellung loben, der heilige Eifer verdeckte das Unzulängliche, und so dürfen die Zürcher Studenten sich einer recht stottlichen akademischen Räuber - Aufführung rühmen. No. 1 W. Washington Str (Merchants National Bank) Ein europäisches Department. Wechsel, Creditbriefe und Postanweisungen auf alle Städte Euroöäö. Schiffsscheine nas und vo Eurova. 71r und verkauf ausländischen Geldes. 1 -g Die Behörde für öffentliche Arbeiten bestätigt den Bericht der Kommissäre. Die Kommissäre, welche von der Stadt und der Wasser Compagnie ernannt wurden, berichteten nach einer strengen und umfang reichen Prüfung des städtischen WasserS folgendermaßen: Wir sind einstimmig der Ansicht, taß das Wasser welches den Consumenten wäh rend der Periode dieser Untersuchung geliefert wurde, guten gesundheitlichen Charakters war ; daß daS Wasser von Privat-Brunnen einer der wichtigsten Factoren der.Ent ftehungS-Nrsachen dieser (Typhus) Epidemie Periode war.Die Kommissäre empfehlen die Condem nirung von Privat-Brunnen und Aborten, und empfehlen, daß Verbindungen mit Ab zugskanälen hergestellt werden sollen roo immer sich solche befinden. Der ganze Be richt der Kommissäre ist in Druck und wird auf Anfrage abgeliefert oder mit der Post versandt. Die Qualität des WasserS, wie solches von dieser Gesellschaft geliefert wird, und wie durch diesen Bericht festgestellt, ist für alle Bewohne? der Stadt zum PrivatGebrauch empfehlensverth. Indianapolis Wäger Co.

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Erundeigenthums ' Übertragungen.

Melissa I. Cornelius an. John H.; Schelley, Lot 21. Block 18, Nord Indianapolis, 30 bei 125.9 Fuß, ver. bessert, nordöstliche Ecke von Elision und 23 Str. $1.285 Marion Trust Company an Kent A. Coopcr, Lot 9, Washington Boulevard Abb. 50 bei 131.5 Fuß, vacant, Ost feite von Washington Boulevard, süd lich von 33. Str. $1,000. Mary R. Owenö an Benjamin D. Miner, Lot 16, Block 10, Brnce Baker Add.. 40 bei 40 Fuß. verbessert, süd. westliche Ecke der 24. und YandeS Straße. 81,850. Marion Trust Co. an Fred Miller Brewing Co., Hälfte von Lot 57. HannaS Erben Add., nordöstliche Ecke von Dorman und Pratt Str.H416 67. John Rieger u.A. an dieselbe, dieselbe. $2500. Fred Cline an F?ederick D. Willis, Lot 93, Wileys Sub., Außenlot '162 u. A., zwischen Blake und 10. Str. $1000. Derselbe an Ella M. Tinney, Lot 103, dieselbe. $1000. Urbine Stackhouse, an Hugh Stackhouse, LotS 13 und 14, Downey & Ohmers Woodland Park, südlich von University Rve. $5000. Jasper N. Wunder an David M. Perry, LotS 1 und 2, Block 6, North Indianapolis, südwestliche Ecke von 30. und Clifton. $3500. William C. Van ArSdal an Emily Cox, Lot 22 und Theil von 23, Bruces Add., südlich von 25. Str. $12,000. Thomas W. Ward an Frank Ward. Lot 17 in Braden's Subd., Brett u. A. Add.. 31.25 bei 181 Fuß, verbessert, Südseite der 14. Str., nördlich von West Str. $800. Ollver Royster, Administrator, an William C. Johnson, dreiviertel Interessen. Lot 11, WileyS Sub., Outlot 161, 40 bei 135 Fuß, westliche Seite West Straße, nördlich von Jndiana Avenue, $1,875. Josephine Northam an Sarah Lavett, Lot 67, Clarkr Add., Haughville. 37 be! 150 Fuß. westliche Seite Shef. field Ave.. $700. Elsie F. Hancock an Ella N. Schall' Theil von Lot 64, Bruce Place Addition, Westseite des Broadway, südlich von 22. Str. $3350. Oliver Walker an Jacob Hartman, Lot 4. Neumeyer'S Add., 50 bei 135 Fuß. südwestliche Ecke der 10. Straße und Parker Ave. $1,000. Emmett F. Carson an Martha I. Moore, LotS 44, 45 und 46, BigneyS Subd., östlich von Bigney Avenue. $1500. Derna E. Harding an Marthena Jenning, Lot 112, ShoemakerS Sud. Oak Hill, Ecke 25. Str. und Parker Ave. $500. JameS F. Johnson an Holtman Richardson, Theil von Lot 42, 43 und 44, Block 1, Nordseite Add., westlich von Park Ave. $1000. Christian Schmidt an Jesfie Myers. LotS 69, 70 und 71, Purcell'S Eub division, JoneS' Addition, 30 bei 120 Fuß jede, verbessert, Südoft.Ecke von 25. und Bond Str., $2500. JameS M. Huntinaton an Carl Sonnenschmidt je, Theil von Section 3, Township 15, Range 5, Warren Township, Charles Topv an Carrie K. Topp, LotS 40, 41, 42 und 50 in HoltzmanTopp'S Subd., 33.33 bei 143.15 Fuß jede, vacant, nahe North Str. und Eastern Ave. $1,400. Asa G. MyerS an Edwin E. Shel. ton :c, LotS 39 und 40, Block 19. North Indianapolis, 60 bei 125.9 Fuß, verbessert, Nordweft.Ccke von 27. und Rader Str...S1700. Bauerlaubnißlchein e. G. M. Hurst, Reparaturen, 712 Oft 21. Str., $225. Jda Holland, Cottage. Roach, nahe Jsabelle Str.. S800. John Holland, Cottage. North. Western Ave., nahr 24. Str., $800. Perry und Bock, Wohnhaus, 1106 Jefferson Ave., L2.000. A. H. Nordykcy Reparaturen, 1708 Broadway, $1,000. Jeffersonville. Die StrafAnstalt ist jetzt voller, als je. Sie hat 1,040 Insassen. Freitag wurde Doug las Shucraft, der vor etlichen Wochen entlassen war, wieder aus Wayne County eingeliefert, um 13 Jahre zu verbüßen. Qaxantixtt Nur für Hämorrhoideu. Kitzelnde, blinde, blutende oder hervor stehendeHamorrhoiden. Ihr Apotheker erstat tet daS Geld zurück wenn PAZO OINTMENT zu kuriren verfehlt in 6 bis 14 Tagen. 60c.

Die Gartenkonkurrenz.

Ekizze von S. Fahrow. Der Mensch kann Alles,' was er will." Alles? Ausnahmslos?" Ausnahmslos! Natürlich darf er nichts wollen, was nach den Naturgesetzen unmöglich ist! Zum Beispiel, daß ein Baum die Wurzeln nicht in die Erde senkt oder ein herabfallender Apfel in der Luft schweben bleibt." Hm! Auf diese Art kann man alle Mißerfolge entschuldigen." Ich sprach nur von Naturgesetzen . . . ." Ach, das ist auch etwas Schwankendes Gott sei Dank werden ja immer neue Naturgesetze entdeckt." Nun ja, dann lernt man also die neuen dazu und erweitert wiederum die Möglichkeiten seines Wollens." . Ach, darauf läuft doch für Sie Alles hinaus; Sie sind ein unglaublich energischer Mensch." O, so energisch wie ich könnten Sie auch sein!" Ich? Ei, Herr Nachbar, das, was ich meine Willenskraft nenne, benamsen Sie meistens Eigensinn!" Weil Sie zuweilen Unmöglichkeiten wollen! Zum Beispiel haben Sie es sich in den Kopf gesetzt, daß Ihr Garten schöner blühe als der meine und das ist unmöglich." Warum, Herr Major?" Weil weil ich ein besseres Erdreich habe als Sie! Es ist das erste Mal,, daß ich Ihnen das verrathe. Aber es thut mir nachgerade leid, Sie so unnöthig sich abplagen zu sehen. Deshalb rathe ich Ihnen, abzulassen und mir den kleinen Trost in meinem einsamen Junggesellenthum zu gönnen, daß ich da Sie so viel Anderes vor mir voraus haben den schöneren Garten besitze." Ja, das könnte Ihnen so passen! Wo ich doch gerade in meinem einsamen Wittwenthum keine größere Freude als meinen Garten kenne!" Frau Brunding lächelte schmollend und verließ die Hecke, an der sie bisher mit ihrem Nachbar geplaudert. Dieser Nachbar, der Major a. D. und Rentier Bentorp, brachte sie manchmal zur Verzweiflung. Er war ihr immer um einen Schritt voraus, und in den drei Jahren, die sie nun schon so dicht neben einander lebten, hatte sie ihn aufrichtig bewundern gelernt.. Was immer der Mann unternahm, das gelang ihm! Er hatte das Land neben ihrer Villa gekauft und nach eigenen Plänen ein Haus darauf errichten, einen Garten anlegen lassen. Gerade vor drei Iahren ward Alles fertig, und er zog ein, nachdem er noch die Balkons, die Veranda und Loggia mit einem Reichthum hängender Blüthengewächse geschmückt hatte. In dem Garten hatte er nur einige alte Pappeln und Obstbäume vorgefunden; doch mit großem Geschick waren die Pappeln ein wenig zugestutzt worden, so daß sie Cypressen glichen, und zwischen diesen hohen, schmalen Bäumen sprang über weiße Sandsteinstufen eine Quelle. Am Rande erhob sich wirkliches Cypressengebüsch und eine Marmorbank schloß diesen, den italienischen" Theil des Gartens ab. Weiterhin wuchsen Dutzende von edlen Rosen, ein Arkadengang von blauen Schlingpflanzen führte zum Hause, und überall auf unglaublich saftigem Rasen blühten Beete voll herrlicher Blumen. Aber meinen Spargel macht er mir doch nicht nach!" sagte Malve Brunding. Das hat er von seinem fasse ren" Erdreich! Spargel und Salatkartoffeln und knusperigen Salat' Alles. was er gern ißt das gedeiht viel besser auf meinem Sand, als auf seinem Mergel." Was -Frau Malve aber nicht wußte, und was auch dem willensstarken Major selber ein Geheimniß war. das wußte jemand anders in der Stadt. Und dieser hatte es durch Zufall entdeckte Frau Brunding war nicht nur eine vermögende, sondern eine recht ansehnliche Wittwe.- Weißes, welliges Haar um ein rosiges, jugendliches Gesicht, eine Gestalt, die zwar nicht ganz einer hüftenlosen Secessionsperson glich, aber doch schlank zu nennen war, und dazu ein heiteres Temperament, alles dies fand nicht nur der Major Bentorp reizend, sondern der Doctor Weiß ebenfalls. ' Nun wollte aber die verständige Frau gar nicht mehr heirathen. Sie lud ihre verschiedenen Verehrer ebenso wie ihre Freundinnen und Verwandten abwechselnd zu Tisch und amüsirte sich damit, die Welt zu beobachten. - Jeder hatte doch seinen kleinen Spähn", sie selbst ja nicht ausgenommen; und es war zu interessant, zu sehen, wie jeder danach trachtete, diesen Spähn zu befriedigen. Der ihre war der gärtnerische Ehrgeiz! Auf Blumen- und F'ruchtausstellungen Diplome und Preise zu erhalten, das war ihre höchste Freude. Und nun schlug sie seit drei Jahren dieser unermüdliche Major auf allen Linien! Nachdenklich saß sie gegen Abend auf ihrer Veranda, als der Doctor Weiß erschien. Frau Brunding war zwar nie krank, aber der Doctor war doch ihr Hausarzt, und deshalb kam er zuweilen ungerufen mit heran. Frau Malve klagte ihm ihr Leid. Sie wisse es nun, derMalor habe es ihr gesagt, daß sein Erdreich so viel besser sei als das ihre. Daher seine Er-

folge! . . Ach, Gott bewahre!" sagte der Doctor. Nawas denn? Was wissen Sie denn davon, Herr Doctor?" Und nun erzählte er. Er habe einen Brunnenmeister in Behandlung, einen alten Mann, der das ganze Terram in der Stadt und Umgebung kenne. Und der habe ihm anvertraut, daß warme Quellen unter dem Garten des Majors liefen. Diese seien es also, die den Garten .so ungewöhnlich fruchtbar

machten. Wenn Frau Brunding solche Quellen durch ihr eigenes Land leiten könnte, dünn würde sie mindestens ebenso schöne Blumcn und Bäume haben, wie ihr Nachbar. Uebrigens wisse aber kein Mensch davon, der Major auch nicht. Wie ist das möglich?" fragte. Frau Malve, die zuerst ganz sprachlos zugehört hatte. Nun der alte Brunnenbauer sagte, es seien ganz werthlose Quellen; vor dreißig Jahren hat man einmal das Wasser untersucht, es enthält aber nicht das kleinste Mineral, was die leidende Menschheit von den üblichen zwei Dutzend Krankheiten befreien könnte, wie das auch die schwächste Badequelle in der Regel thut auf dem Papier! Das Wasser ist eben nur simples, lauwarmes Wasser." Frau Brunding versank in Grübeleien. Wegstibitzen konnte sie doch dem Major seine Quellen nicht aber vielleicht konnte sie ihn überlisten. Das Betragen der schönen Wittwe war in den nächsten Tagen dem Major gegenüber merkwürdig verändert viel freundlicher und nachgiebiger. Der Major zog daraus den übereilten Schluß, daß sie sich doch noch zu überlegen beginne, ob sie seinen Werbungen nicht lieber nachgeben solle. Daß dies aber durchaus nicht der Fall war, sollte er noch erfahren. Die Zeit der jährlichen Badereise für den Major war gekommen, und er mußte, da seine Willenskraft" nicht ausreichte, um ihn schlank zu machen, nach Marienbad abdampfen. Diese sechs Wochen benutzte Frau Brunding für ihre ehrgeizigen Zwecke! Sie ließ den alten Brunnenmeister kommen, dessen Adresse sie Doctor Weiß verdankte, und fragte ihn nach allen Richtungen hin aus. Da hörte sie denn, daß die Bohrungen vor dreißig Jahren, die ein Spekulant unternommen in der Hoffnung, eine 'heilkräftige Quelle ersten Ranges zu finden daß diese Bohrungen auch einestarke warme Ader auf einem unweit gelegenen Platz entdeckt halten, der nur eine, öde, häßliche Schuttabladestelle war. Denn natürlich," sagte der Vrunnenrncister, trinken kann man das lauwarme Zeugs nicht, und das Geld zur Drainage hatte nicht Jedermann." Drainage! Das war gerade, was Frau Brunding beabsichtigte! Sie kaufte auf der Stelle jenen wüsten Platz, hielt Besprechungen mit allerlei Fachleuten und Handwerkern und ließ Röhren legen, welche die warmen Quellen zu ihrem Garten leiteten. Und nutt'wurde eine unterirdische Drainage in dem Garten selbst gelegt. Das kostete ein Heidengeld! Denn alle die kleinen Gräben wurden überdeckt, so daß man von -außen nichts von ihnen bemerken konnte! Und dann wieder grüner Rasen darauf! Schon in diesem Herbst bemerkte der Major, daß die Blumen und Bäume seiner Nachbarin 'ungewöhnlich lange und reich blühten und trugen. Frau Malve lächelte vor sich hin. Sie wußte, im nächstenSommer würde sie endlich ihren Konkurrenten schlagen; denn nun hatte sie ja dasselbe bessere Erdreich" wie er! Und obendrein hatte sie ihre Spargel- und Frühkartoffelbeete natürlich gelassen, wie sie waren. Es kam wirklich so, wie sie gehofft hatte, im nächsten Jahr. Nun sagen Sie mir, gnädige Frau," sagte der Major zu ihr, ob ich nicht ein Muster von Liebenswürdigkeit bin! Sie haben mir sowohl auf der Mai - Ausstellung wie beim JahresPreisgericht alle ersten Preise wegge--schnappt. Und dennoch bin ich nicht giftig, sondern verehre Sie mehr denn je!" -. Ja," lächelte Frau Brunding, Sie sehen nun, daß ein ernster Wille selbst Naturgesetze überwindet! Ich wollte Sie in hortikultureller Hinsicht besiegen . . . ." Aber Sie haben mich ja schon längst in jeder Hinsicht besiegt! Strengen Sie nun noch Ihr Wollen dahin an, mich zu heirathen!" Das geht nicht, lieber Freund! Damit. würde ich den Doctor Weiß zu sehr kranken.'" Was? Was g:ht mich Doctor Weiß an? Was geht er Sie an?" Recht viel! Ihm habe ich es nämlich indirekt zu danken, daß mein Garten jetzt dem Ihren gleichkommt." - Ach! Bitte, erklären Sie mir doch " ' Kommen Sie heur' zum Abendbrot herüber, dann erkläre ich es Ihnen.' Der Doctor kommt auch." Am Abend kam der Doctor, und zwar wie gewöhnlich um eine Viertelstunde zu früh. Er hatte eine ähnliche Frage wie der Major an Frau Brunding gerichtet und ebenfalls eine ablehnende Antwort bekommen. Lieber Freund: hatte sie gesagt, ich kann Sie nicht Heiräthen, das würde den Major Bentorp zu sehr kränken." Was geht Sie der Major Bentorp an?" ' .

Recht viel! Seiner Konkurrenz habe ich doch eigentlich meine Erfolge zu verdanken. Uebrigens kommen Sie doch zum Abendbrot, Herr Doctor, der Major kommt auch." Und da saßen sie nun alle drei in dem reizenden Speisezimmer, das auf eine runde Loggia auslief. Die Loggia war beinahe überwuchert von der blauen Schlingpflanze, die vom Garten heraufkroch. Klimmende Rosen nickten dazu herein. Es war eine blühende Pracht ringsum, und die eiskalte Sektbowle schmeckte gut in solcher Umgebung, ebenso wie die sclbstgezogencn Nierenkartoffeln und der splitterige Salat. Frau Malve theilte während des Mahls dem Major das Geheimniß der Quellen und ihrer List mit. Sie war eben doch eine aufrichtige Natur. Und nun," schloß sie, ihr Glas erhebend, wollen wir in friedlicher Nachbarschaft weiter neben einander leben. Der Doctor baut sich ja jetzt ein Haus da drüben auf meiner rechten Seite. Und was unseren Familienstand betrifft, werthe Freunde, so glauben Sie mir nur, das Sprichwort hat schon recht: Heirathen ist gut, aber nicht heirathen ist besser!" Prosit, meine Herren!" Die beiden Herren machten gute Miene zum bösen Spiel. WaS blieb ihnen denn auch anderes übrig? . Ein Bettler. Bon E. Osten. Der Familie des Eisenbahnsekretärs Ring war ein großes Glück widerfahren. Eine alte Dame, welche jahrelang bei Rings gewohnt hatte und während ihrer schweren Krankheit von Frau Julia Ring aufopfernd gepflegt worden war, war gestorben und hatte dieser den größten Theil des nicht unbedeutenden Vermögens hinterlassen. Tante Wildau" unter diesem Namen war die alte Dame in der ganzen Nachbarschaft bekannt gewesen hatte, sich mit ihren Kindern vollkommen überwarfen. Sie stand ganz allein in der Welt da, und man hätte vielleicht von der Existenz ihrer Kinder gar nichts erfahren, wenn nicht von Zeit zu Zeit von einem in Wien lebenden Sohne beim Polizeirevier die Anfrage eingetroffen wäre, ob die Mutter noch lebe, da er im Falle des Todes zur Erbschaftsregulirung nach Berlin kommen wolle. Hierauf erschien jedesmal ein Schutzmann in der Wohnung der alten Wildau, um zu konstatiren, daß sie thatsächlich noch am L:ben sei. Frau Julia, welche der Dame allerlei kleine Dienste leistete, wurde bald ihr Liebling, und schließlich entwickelte sich zwischen den beiden Frauen ein so intimes Verhältniß, daß sie eine gemeinsame Wohnung bezogen. Ebenso wie von Frau Julia wurde Tante Wildau aber auch vonHerrn Ring und dessen beiden Töchtern verehrt sie gehörte ganz zur Familie. Ueber die Person der Frau Rinz herrschte in dem großen Verwandtenund Freundeskreise zweierlei Meinung. Die eine Partei behauptete, daß sie eine überaus kluge, die andere Partei, daß sie eine überaus gutmüthige Frau sei. Die Leute scheinen Klugheit und Gutmüthigkeit als zwei Charaktereigenschaften anzusehen, die sich nicht sonderlich miteinander vertragen. Aber darin schienen sie alle einig zu sein, daß diese Frau mit jedem gut auskomme, daß Jedermann gern mit ihr verkehre, und daß sie keine Feinde besitze. Als' nun Frau Wildau noch vor Vollendung ihres 75. Jahres ihren Tod herannahen fühlte, ließ sie den Justizrath Werner zu sich rufen und setzte ein Testament fest, in welchem ihren Kindern nur je ein Pflichttheil zugesprochen- wurde.' Den größten Theil ihres Vermögens, namentlich auch ihre werthvollen Möbel und Schmuckgegenstände, mochte sie in Gegenwart des Justizraths Frau .Julia Ring zum Geschenk , also in einer von keiner Seite anzufechtendenForm. Es klingelte. . Frau Julia öffnete die Thür. Ein Bettler stand vor derselben und bat um eine kleine Gabe. Frau Ring gehörte nicht zu den Personen, welche armen, unglücklichen Leuten einfach die Thür vor der Nase zuschlagen, um sie draußen sieben zu lassen. Das verbot ihr das gute Herz schon zu einer Zeit, da sie mit dem bescheidenen Gehalt ihres Mannes allein wirthschaften mußte, geschweige denn jetzt. Sie gab dem Bettler nicht nur, einen Groschen, sondern reichte ihm, da sie gerade mit der Bereitung des Mittagessens beschäftigt war, eine warme, kräftige Suppe und ein großes, mit Butter bestrichenes Stück Brod. Diese freiwillig gereichten Gaben, wie das freundliche Wesen der Frau machten dem Bettler ein wenig Muth. Ach, wenn doch einmal ein Mensch," sagte . er, einem zwei Mark geben möchte, daß man einen kleinen HausirHandel anfangen könnte und nicht zu betteln brauchte." Dieser Stoßseufzer würde sicher vor anderen Thüren keine Beachtung gefunden haben. Frau Julia erwiderte jedoch: Aber Mann, können Sie denn mit zwei Mark einen Handel beginnen?" Ja, gewiß es würde schon ge

hen; aber wer giebt em?.n denn so viel Geld?" . Ohne Zweifel gehörte der Bettler zu den ganz Schlauen. Hin und wie der mochte doch wohl der eine oder andere darauf reinfallen und zwei Mark opfern, die natürlich in der nächsten Kneipe in Bier und Schnaps umgesetzt wurden. Wer kennt nicht dieses Bettlervolk! Frau Ring schloß hinter sich die Thür und sprach zu dem Manne, der auf einer Treppenstufe. Platz genommen hatte: Na, warten Sie einmal, ich werde hier oben mit einer Frau sprechen die giebt vielleicht etwas." Frau Ring war nämliche nicht so leichtsinnig, das Risiko allein zu übernehmen denn ihre Klugheit verhinderte sie doch, dem Herzen allein die Entscheidung zu überlassen. Sie stieg nun zu ihrer Freundin eine Treppe empor; aber diese ließ sich doch nicht so schnell breitschlagen, um sofort die Hälfte des Betrages zu opfern Da jedoch Ju-lia an ihr gutes Herz appellirte und der Freundin bedeutete, dafc sie hier ein gutes Werk thun' könne so rückte diese schließlich mit einem Fünfzigpfennigstück heraus.' Frau Ring stieg nun in etwas deprimirter Stimmung die Treppe wieder hinab; es kam ihr nun plötzlich auch vor, daß sie nun doch nicht sehr klug handle, da dieFreundin das Projekt zur Eröffnung des Handels nicht mit der gleichen Begeisterung aufgenommen. Als sie sich aber unten dem Bettler gegenüber sah, der inzwischen den Teller mit großem Heißhunger geleert und das Brod vollständig verzehrt hatte, da gewann ihr gutes Herz wieder die Oberhand. Es fuhr ihr blitzschnell der Gedanke durch den Kopf, daß sie selbst durch die Güte einer Frau zum Wohlstand gelangt sei, und daß der Bettler am Ende durch Schicksalsfügung gesandt wäre, um ihr eigenes Herz zu prüfen. Mit raschem Entschlüsse gab sie dem Bettler aus. ihrer eigenen Tasche zwei Mark und fügte das Fünfzigpfennigstück der Freundin noch hinzu. Der Bettler dankte mit einem großen Schwall vor Worten und verschwand nun schleunigst. Sie sah ihm noch vom Balkon, aus nach, um zu beob'achten, ob er etwa von Schutzleuten abgefangen werde oder in der nächsten Kneipe verschwände. Bald darauf kam Herr Ring mit einem Vetter nach Haus. Die Herren waren in guter Stimmung, und als man sich zu Tisch gesetzt hatte, konnte sich Frau Julia nicht enthalten, zu erzählen, wie es ihr mit dem Bettler ergangen sei. Sie wurde nun von den Männern tüchtig ausgelacht. Es gebe genug Gelegenheit, Gutes zu thun, aber es fei doch die größte Thorheit, dem . ersten besten dahergelaufenen Bettler einen solchen Betrag auszuhändigen, den dieser doch nur versause. Auf das Geld käme es nicht an, aber es sei nicht gut gethan, Bettelei und Faulheit in so freigebiger Weise zu unterstützen. - Es mochten etwa drei Wochen vergangen sein, da klingelte es wieder an Frau Ring's Thür zu einer Zeit, da ihr Mann im Dienst war. Juliaöffnete und siehe da der Bettler stand wieder vor der Thür. Im ersten Moment erschrak sie ein wenige aber bald darauf bemerkte sie, daß er sauberer gekleidet war, als bei seinem ersten Besuch. Vor sich hatte er ein Kästchen mit Toilettenseife, welches an einer Schnur über die Schulter ge--hängt war. Julia freute sich nicht wenig, daß der Mann das Geld so ver-. nünftig angewandt. Ohne Zweifel kam er nun, ihr auch seine Seifen an zubieten. . Gute Frau," sprach der Händler, indem er mit zwei Fingern in seinen Kasten faßte, hier sind die 2 Mark: 60 Pfennige, die Sie mir .vor drei Wochen geliehen haben. Äas Geld' hat mir Glück gebracht." Frau Ring war keines Wortes mächtig das hatte sie nicht erwartet. Wer könnte sich auch ' rühmen, daß ihm in Berlin noch ein zweiter Bettler dieser Art begegnet wäre? Aber Mann ich habe Ihnen das Geld geschenkt ich freue mich, daß es Ihnen Nutzen gebracht hat , daß es Ihnen heute besser geht." Sie konnte nicht weiter sprechen .so tief ergriffen war sie. Der andere sah ihr mit seinen hellen Auqen dankbar und treuherzig in'ö Gesicht. Dann brachte sie dem Händler ein Stück kalten Braten, ein Stück Brod und kaufte ihm etwas von seinen Vorrathen ab. Der Händler ging. Frau Julia aber fiel tief erschüttert in einen Stuhl und weinte heftig. So fand sie ihr Gatte, der zu Tisch nach Hause kam. Und als er vernommen, was. sich ereignet, da drückte er viele heiße Küsse auf die. Stirn seiner Frau.

Vorsichtig. . .Wenn mich der Direktor sieht, drückt er sich immer!" Er gehtJhnen offenbar auf Vorschußweite aus dem Weg." seiner' Unterschieb. Aber, Kellner, was soll denn das heißen? Ich bestellte einen Matrosenbraten, und Sie bringen mir ganz das-' selbe, was ich gestern unter dem Titel Burgunderbraten" hatte. Ich entdecke da keinen Unterschied!" .O doch! Beim Vurgunderbraten sind die Kartoffeln links, beim Matrosenbraten rechts!"