Indiana Tribüne, Volume 28, Number 128, Indianapolis, Marion County, 21 January 1905 — Page 3

Jndlank Qribüne, 2l. Januar 1905.

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er Kohlenstreik

Gibt Anlaß zu einer Debatte in dem dcntscnch Reichstage. Gen. Stössel vou Shanghai nach Marseilles abgereist. Amerikaner vom Kaiser empfangen. Finanzreformen in Mazedonien. Neuwahlen in Ungarn. Hamburger Dampfer gescheitert.

Teutschland. Reichstag. Berlin, 20. Jan. Im Reichstage kam heute der Streik im Kohlenreviere zur Sprache. Der Sozialdemokrat Hue schilderte die traurige Lage der Arbeiter mit leb haften Farben. Er besprach die Geführlichkeit der Arbeit, die langen Stunden bei kärglichem Lobie und schließlich mancherlei Chicanen. So z.B. seien auf der Königsgrubc in einem Monat 1424 Kohlenwagen zurückgewiesen worden, weil in den Kodlen zu viel Steine u. s. w. seien. In einer anderen Grube seien von. 865 Wagen 300 zurückgewiesen worden u. s. w. ES wurde behauptet, daß der Erlös aus solchen zurückgewiesenen Wagen zu philantropischen Zwecken verwandt werde, aber die Arbeiter hätten keine Kontrolle über das Geld. Die sanitären Zustände in den Gru den, sagte Herr Hue, seien scheußlicher wie je. DaS Gesetz, welches doppelte Schichten verbiete, werde ganz außer Acht gelassen, so daß die Leute, von der Frühstückspause abgesehen, 16 Stunden zu arbeiten hätten. Die TodeSrate sei im Jahre 1836 75 Prozent auf das 1000 gewesen, in 1900 126 und in 1903 147. Im Jahre 1896 litten von von 100 Leuten 51 an der Wurmkrankheit, in 1893 53, in 1900 63, in 1903 71. Herr Hue appellirte an die Regie rung zu interveniren; ob sie nun inter Venire oder nicht, jedenfalls seien die Streiker entschlossen, für ihre Ziele Opfer zu bringen und zu leiden. Kanzler v. Bülow sagte, im Vordergründe stehe das öffentliche Interesse. Er habe schon erklärt, die Regierung habe zwei Pflichten. Die erste sei, daß Ruhe und Ordnung unter allen Um ständen aufrecht erhalten würden. Er erkenne die Erklärung des Herrn Hue an, daß die Streiker selbst entschlossen seien Ordnung zu halten, aber trotzdem wolle er erklären, daß die volle Macht der Regierung zur Anwendung gelangen würde, wenn der Lohnkrieg in Excesse ausarten solle. Speziell sei eS die Pflicht der Regierung die persönliche Freiheit zu schützen. DaS Recht auf Arbeit werde gegen jede Art von TerroriSmuS geschützt werden. Der Kanzler kam auch auf die Konsolidation des Kapitals zu sprechen und sagte: Wir stehen gegenwärtig vor einem der schwierigsten Probleme, daS in an deren civilisirten Staaten ebensowenig gelöst ist, wie bei uns. Ich verweise Zie auf die Ber. Staaten, wo Syndikate und Trusts zur höchsten Entwlckelung gelangt stnd, wo eine weise Regierung und ein weiser Präsident be reits versuchten, den Staat vor Scha den zu bewahren." Lebhaften Widerspruch erregte es bei den Sozialisten, daß Bülow behaup tete, ste benutzten den Streik zu politischen Zwecken. Handelöminifter Möller gab zu, daß die Berichte der Grubenbesitzer über Ausschreitungen der Arbeiter sensatio nell übertrieben worden seien. Stötzel von der CentrumsPartei sagte, die Weigerung der Grubenbe sitzer. mit den Delegaten'zu konferiren, sei eine Schande. Der konservative Führer v. Nor. mann erklärte Namens seiner Partei, sie lehne eZ ab auf Einzelheiten der Beschwerden der Arbeiter einzugehen, bevor dieselben die Arbeit wieder auf genommen hätten. Ostindien. JapanischeSchiffe. Pulo Penang, 21. Jan. Bier japanische Kriegsschiffe sollen bei den Lankawa-Jnseln, 40 Meilen nörd lich von hier gesehen worden sein. Amerikaner beim Kaiser. Berlin, 20. Jan. Kaiser Wil. Helm gab heute Abend seinen jährlichen diplomatischen Empfang, dem auch der amerikanische Botschafter Tower und seine Gattin beiwohnten. Vorgestellt wurden dem Kaiferpaare der MarineAttache der Botschaft, Kapltänleutnant Wm. L. Howard und Gattin, Frau

Frank Wiborg mit Tochter Sarah, Frl. . Elizabeth DaviS, Tochter des Contre-AdmiralS ChaS H. Davis. Bengalis" verloren. Hamburg, 20. Jan. ES ist hier die Nachricht eingelaufen, daß der Dampfer Bengalia" der Hamburg-Amerika-Linie, welcher am 7. Dezbr. von Barry nach Bata'via abfuhr, an der Küste von Madagascar gescheitert ist. Die Mannschaft konnte sich wahrscheinlich retten, das Schiff selbst ist verloren. Es zählt 485 Fuß in der Länge, umfaßt 4010 Registertonnen und ist 1898 in Glasgow erbaut worden. Ein weißer Rabe. Düsseldorf, 20. Jan. Der Oberbürgermeister Marx lehnte eine Gehaltserhöhung von 6000 Mark mit dem Bemerken ab, daß er volle Befriedigung für feine Thätigkeit finde, da er sehe, daß das ihm anvertraute Gemeinwesen glücklich entwickle. Wunderdoktoren. Berlin, 20. Jan. Zu dem Falle deS Wunderdoktors, der in Thüringen bei Kirchgandern sein Wesen treibt, wird heute ein Seitenstück gemeldet. Nahe Erlangen hat sich ein einfacher Bauer mit einem Vermögen von einigen hunderttausend Mark zur Ruhe gefetzt, das er durch seine Wunderkuren" erworden hat. Der betreffende Bauer stammt aus dem oderfränkischen Orte Willersdorf. Er.stieg einige Male in der Woche im Lamm" zu Erlangen ab, einem kleinen, viel von Landleuten besuchten Gaghaus. Einen Tag ordinirte" er auch im Kreuz" zu Jürth. Der Andrang za dem Heilkünstler war in beiden Orten außerordentlich, groß. Alle Schichten der Bevölkerung kamen zu ihm, selbst Leute aus Hochschulreifen. Dampfer für Rußland. Kiel, 20. Jan. Der große hol-

ländische Schleppdampfer Ewart-Zee" ist von Consul Diederichsen an Rußland verkaust worden und bereits nach Libau abgegangen. Er wird wahrscheinlich das 3. russische Pacisic-Ge-schwader nach dem Osten begleiten. China. Stössel abgereist. Shanghai, 20. Jan. Gen. Stössel und viele der auf Parole ent lassenen russischen Offiziere reisten heute mit dem Dampfer Australian nach Marseilles ad. Türkei. Reform in Mazedonien. Konstantinopel, 20. Jan. In Uebereinstimmung mit dem öster-reichisch-russifchen Reformplane für Mazedonien haben die Botschafter Oesterreichs und Rußlands der Pforte einen Plan für die Finanzverwaltuug der 3 mazedonischen VillajetS vorgelegt. Derselbe trifft Bestimmungen über die Kontrolle der Einnahmen und Ausgaben durch Jinanzinspektoren und Zivilagenten und die Einführung eines regulären Finanzbudgets in jedem Villajett. Für Mazedonien. London, 20. Jan. DaS Balkancomite" hat an den Präsidenten Roofevelt das Ersuchen gerichtet, die Bemühungen Großbritanniens zur Einführung wirksamerer Reformen in Mazedonien zu unterstützen. Oesterreich'Ungarn. Neuwahlen in Ungarn. Wien, 20. Jan. Die Neuwahlen für das ungarische AbgeordnetenHaus find jetzt im Gange. Wie zu erwarten war, hat die tiefgehende politische Währung im ganzen Lande zu mehrfachen blntigen Zusammenstößen geführt. Bis dahin waren 2 Todte und 27 Verletzte zu verzeichnen' Dem AuSgange der Wahl siebt man überall mit höchster Spannung entgegen. ES hat den Anschein, als ob die Obftruction nicht so gut abschneiden werde, wie ste vor einigen Wochen in Prahlers schen Worten verkündete. . Siegt die Regierung, so wird Premier Tiöza zweifellos eine Äera fruchtbaren pollti-

schen Schaffens einleiten können. Erhält das Radau-Element wider Erwarten die Oderband, so geht Ungarn wahrscheinlich schweren Zeiten entgegen. Nukland. Kartätschen. Affaire. St.. Petersburg, 20. Jan. In dem vorläufigen Berichte, welchen Großfürst SergiuS Nikolajewitsch über die Kartätschen'.Affaire abstattete, heißt eS, daß die betreffende Batterie in ihren Munitionskästen Kartätschen für einen Nothfall, wie Aufruhr, in Bereitschaft hatte. Eine dieser Ladungen muß vor dem Salutschuß im Geschützrohre gesessen haben. Die Kanoniere find derhastet und eS werden Nachforschungen über ihr Vorleben angestellt. Man weiß nicht, ob sich etwas von Bedeutung herausgestellt hat. Polizeiproklamation. St. Petersburg, 20. Jan. Heute Morgen wurde im Polizeibote", der einzigen Zeitung, die heute erschien, eine Proklamation veröffentlicht, die alle Versammlungen, Paraden u. f. w. verbietet und alle Gutgesinnten auffordert, Versammlungen fern zu dleiben, da die Behörden entschlossen sind, Menschenansammlungen, welche die öffentliche Sicherheit gefährden auSein-, anderzutreiben. UntersuchungS-Kom-Mission. St. Petersburg, 20. Jan. Es ist . eine Untersuchungs'Kommisflon unter dem Vorfitze Generalleutnants Khitroro, Kommandeurs der GardeArtillerie, ernannt worden, um festzu stellen, woher und wie der KartätschenSchuß gestern über den Zaren weg gefeuert wurde. Die vorsichtige Presse. St. Petersburg, 20. Jan. Bezeichnend für die russische .-esse ist es, daß sie die Feierlichkeiten auf der Newa bis in's Kleinste beschreibt, die Gefahr aber, in der der Zar schwebte, nur mit kurzen, vorsichtigen Worten erwähnt. AuSAdelSkreisen. St. Petersburg, 20. Jan. Die Fürsten Droutsky, . Sabolinsky, Diubansky, Sabolinsky und .Schamanöky haben als Vertreter des Adels vom Gouvernement Mirk den Minister des Innern Swiatopolk-MirSk ersucht, gleiche Rechte für alle Nationalitäten und Klassen des Reiches einzuführen. Der Minister hat erwidert, daß die Sache bereits beschlossen sei. Vorsichtsmaßregeln. St. Petersburg, 20. Jan. Die Regierung hat weiteres Militär herangezogen. Patrouillen durchziehen die Straßen, um die erregten Massen in Ordnung zu halten. Die große Demonstration, die füe Sonntag vor dem Palaste geplant war, wird nicht geduldet werden. Eine Arbeiter-De-putation, die dem Zaren zu Tfarskoje Selo eine Petition überreichen wollte, wurde nicht vorgelassen. Es ist nicht mehr abzustreiten, daß der Streik einen politischen Charakter angenommen hat, doch ist die Regierung der Zuversicht, die Sachlage beherrschen zu können. Alle Zeitungsdruckereien sind geschlossen, ebenso ein Wasserwerk und ein elektrisches Lichtwerk. ES werden auch Streiks in Moskau, Kiew, Charkow, Kitschinew und anderen Städten im Innern des Landes besürchtet. Viele Ausländer bereiten ihre Abreise vor. Arbeiterpetition. ' S t. Petersburg. 20. Jan. In Arbeiterversammlungen zirkulirt zur Unterschrist' eine Petition an den Zaren, die bittere Beschwerde über die Lage der Arbeiter und ihre Beraudnng der Menschenrechte enthält. Sie drückt Anhänglichkeit an den Zaren aus und schließt : Habe Erbarmen mit uns. Laß uns leben. Wenn Du uns in dieser Lage läßt, ziehen wir vor zu sterben. Außer Betrieb. St. Petersburgs 20. Jan. Durch Streiks wurden heute außer Betrieb gesetzt die AlexandrowSky Maschinenwerke mit 7000 Mann, die Steiglitz Thornton Bcmmwollspinnerei mit 300 Mann, ferner die StaatsDeftillerie, die Keller & Beckmann Destillerie. die russisch - amerikanische Gummifabrik, die Neckhoff Seifenwerke, die Neue Baumwollspinnerei, die StaatS-Spielkartenfabrik, die Vargunine Papiermühlen, die AtlaS-Maschi-nenwerke und zahlreiche kleinere Unter-nehmen.

R u s s i s ch e K r a n k e. T-o k i o, 20. Jan. ES wird gemeldet, daß in Port Arthur 18.556 kranke und verwundete russische Gesangene sind, 3,657 davon gehören zur Marine. . , Quartier für Gefangene. Tokio, 20. Jan. "Die japanische Regierung ist nun in der Lage, 35,000 Kriegsgefangene aus Port Arthnr etc. unterzubringen. Fünftausend werden in Tangakhaya, 20.000 in Hama Tora, der Rest in 'kleineren Gruppen an verschiedenen Plötzen einquartiert. Lieutenant Mirsky wird streng behandelt werden, weil er fortwährend Fluchtversuche macht. Als Prise erklärt. Nagasaki, 20. Januar. Der britische Dampfer Lathington wurde von dem Prisengericht zu Sasebo für konsiszirt erklärt. Der Lathington wurde am 12. Jan. in d'er Tauschima Meerenge von japaNischen Torpedobootzerstörern! beschlagnahmt. Japaner nach Norden. D a l n y. 20. Jan. In Mukden ziehen die Chinesen massenhaft aus, weil fie einen baldigen Angriff befürch ten. 40,000 Japaner von General Nogi'ö Armee in Port Arthur find nach Norden marschirt, um sich Feldmarschall Oyama'S Truppen anzuschließen. Frankreich. Streich Castro's. Paris, 20. Jan. Von Caracas, Venezuela, ist aus guter Quelle die Nachricht gekommen, daß Präsident Castro beabsichtigt, auf die Vorstellungen der Ver. Staaten eine jablebnende Antwort zu geben. Der Präsident hat für 14 Tage Caracas verlassen, offenbar um einer sofortigen Antwort aus dem Wege zu gehen. Schweden und Norwegen. D i p l o m a t e n - D i n e r. Stockholm, 20. Jan. Der Gesandte Thomas und feine Gattin gaben heute Abend zu Ehren des neuen englischen Gesandten Sir Rennel Rodd in ihrem He!m ein Diner.

D i e spanische Herzogin Villahermosa befindet sich im Besitz tU nes Porträts von Velasquez, das Don Diego Arellano vom Hofe Philipps IV. darstellt. Für dieses werthvolle Gemälde bot ihr jüngst ein reicher Amerikaner Z300.000, aber fie lehnte sein Anerbieten ab, mit folgender Begründung: Ich liebe die Kunst und verachte das Geld; damit andere nach meinem 2de nicht das thun, was ich jetzt abschlage, werde ich das Bild dem Prado - Museum in Ma drid vermachen." Ein merkwürdiger Brauch in dänischen Häfen, der wiederholt von Schiffern anderer Rationalität getadelt worden ist,, dürfte end lich beseitigt tverden. Bisher veranstalteten die Schiffe und Fähren der Staatsbetriebe am Abend des Johannistages und des Sylvestertages beim Verlassen des Hafens ein regelrechtes Feuerwerk. Es liegt auf der Hand, daß vorüöerfahrende Schiffe, denen der Brauch fremd war, die Lichterscheinungen als Signale auffaßten. Da durch konnten bedenkliche Mißverständnisse eintretend Dänemark beabfichtigt jetzt, die Sitte, die wohl kein zweites Land kennt, abzuschaffen. Ein schweres Jagdunglück wird aus Albersdorf in Holstein gemeldet. Dem Jagdpächter, Rentner Usens, wurde beim Uebersteigen eines Zaunes durch eine Schrotladung der ganze Hinterkopf weggerissen. I5r war sofort todt und hinterläßt eine Wittwe und drei Kinder. Ein weiterer Jagdunfall ereignete sich bei einer in Reinharz auf Wittenberger Flur veranstalteten Treibjagd. Einer der Theilnehmer, der Amtsrath Hertwig von Domäne.Pretzsch. schoß auf einen fliehenden Hasen, traf aber unglücklicherweise den als Treiber' fungirenden, 12jährigen Schulknaben Tesch aus Reinharz, Uz sich auf kurze Zeit von seiner Th'a tigkeit zurückgezogen hatte und in einer Schonung sein Vesperbrod verzehrte. Der Knabe wurde so' schwer verletzt, daß er noch in der Nacht in der Wohnung seiner Eltern, wohin man ihn sofort gebracht hatte, verstarb. Er war der einzige Sohn des auf der genannten Domäne beschäftigten Kutschers Tesch.. Die gerichtliche Untersuchung ist einaeleitet. Nach einer Singstunde die die Schulkinder in Röxe bei Stendal Abends besuchten, legten sich . vier Knaben, um die' zwölfjährige, allein auf dem Heimweg befindliche Tochter des Kutschers. B. zu erschrecken, in einen Hinterhalt und sprangen, als das Mädchen die Stelle in der Dunkelheit passirte, plötzlich gemeinsam hervor. Das ahnungslose Mädchen erschrak so sehr, daß es fast vollständig gelähmt worden ist und nahezu die Sprache verloren hat. '

Jttm Fcldzug geacn di? Hottentotlcn. Man schreibt aus deutschen Koloniolkrcifen: Die Meldung Trothas über einen für uns verlustreichen Angriff des Vandenführers Marcga auf die Beste Warmbad bringt endlich etwas Licht über den wirklichen Stand der Dinge im süolichen Theil von Deutsch-Süd-westafrika. Die Thatsache, daß die Hottentotten Warmbad angefallen haben, selbst nachdem eine gegen früher immerhin beträchtlich zu nennende Anzahl' von Truppen besonders auf Marcnga losgelassen worden ist, giebt Aufschluß .zunächst über den Kriegs plan der Hottentotten. Sie wollen die Orte Warmbad, Keetmanshoop und Gibeon nebenbei gesagt die drei .ein zigen Plätze, wo eine Handvoll Äeiße: bisher sich niedergelassen, alles .andere waren nur Militärstationen. in ihre Hände bekommen und zerstören, um so der Truppe jeden Stützpunkt zu rauben und die deutschen Streitkräste zu zersplittern. Im Felde sind größere Truppenverbände angesichts der Trockenheit des Landes unmöglich. Zum anderen legt der Angriff der Hottentotten auf Warmbad davon Zeugniß ab, welches Selbstvertrauen sie beseelte Mißglückt ihnen der Versuch dennoch, so sind sie vor Unterwerfung sicber, da ihnen jederzeit der Uebertritt über .die engglische Grenze offen steht, und der Anschluß an die in der Kapkolonie in Eingeborenenreservaten lebenden verwandten . Stämme sicher ist, wie in Warmbad beim Kapitän der Bodelzwarts vorgefundene Schriftstücke beweisen. Drittens erhellt aus dein Angriff auf Warmbad: Wenn schon Marenga allein vor Warmbad über 300 Gewehre stark erscheinen konnte, so stehen den duetschen Truppen jetzt wenigstens 3000 bewaffnete Hottentoten, .in Van. den aufgelöst, gegenüber. Daraus kann wohl ungefähr berechnet werden, wie lange der Feldzug dauern, und welch: Opfer er noch fordern wird. Marenga wird nach der Ueberzeugung aller, .die ihn persönlich kennen, für die deutschen Truppen ein zweiter Witboi werden. Auch bei ihm ist Ehrgeiz die Triebfeder .zur Empörung gewesen und hat ihn verhindert, sich denFriedensbedingun gen zu K'alkfontein am 27. Januar d. I. zu unterwerfen. Seit jener Zeit hat er ununterbrochen mit dem deut

schen Gouverneure in Fehde gelegen, was aber .der Oefentlichkeit bisher verschwiegen wurde, anscheinend, um keine Zweifel an dem Erfolge der Leutwein' sHn .Friedenspolitik" aufkommen zu lassen. Der. Feldzug gegen die Hottentotten wird zweifelsohne der an .Ueberraschungen reichste und mit großen Verlusten verbünde sein. Die Grausamkeit der Hottentotten wird die Greuel der Hcrero noch in den Schatten stel len. Dies erhellt schon aus der Thatsache.daß sie sich an Missionären vergreifen und uuchdie Buren schonungs los niedermetzeln. Angesichts dessen dürfen wir auch kaum mehr hoffen, von den verstreut wohnenden deutschen Ansiedlern noch einen am Leben zu wissen. Derselbe. Den fast stets überflüssigen, ge. schmucklosen und so ost übertriebenen Gebrauch des Fürwortes derselbe" macht die folgende kleine Erzählung lächerlich die der Zeitschrift d?s Allg. Deutschen Sprachvereins entnommen ist. Adolf war Angestellter in einem Geschäfte. In demselben befanden sich auch einige Verkäuferinnen; mit einer derselben war derselbe verlobt. Dieselben hatten sich kennen gelernt, als dieselben daselbst das Waarenlager aufnehmen mußten. Dieselben hatten längere Zeit daran zu thun, da dasselbe sehr umfangreich war. und da dieselben nicht allein den Bestand desselben, sondern auch den Werth desselben festzustellen hatten. Dabei wurde derselbe von der Li'ebensWürdigkeit derselben derart ent ückt, daß derselbe um die Hand derselben bat und dieselbe von derselben auch erhielt. Seitdem trafen dieselben sich allabendlich nach dem Verlassen des Geschäftshaufes draußen unter einem Balkon desselben, woselbst dieselben unter dem vorspringenden Dache desselben Schutz gegen das Wetter fanden. Eines Abends hatte derselbe unter demselben schon einige Zeit auf dieelbe gewartet, wobei derselbe ungeduldig unter demselben hin- und herging., als von dem Dache desselben einigeTropfen auf den Hut desselben niederfielen, wo durch derselbe beschmutzt wurde. Als derselbe denselben verdrießlich zu teinigen suchte, kam dieselbe endlich, aber derselbe begrüßte dieselbe wenig freundlich. Anfangs sah dieselbe denselben verwundert an, als dieselbe aber sah, was dem Hute desselben geschehen war, nahm dieselbe demselben denselben ab, um denselben zu reinigen, worauf dieselbe demselben denselben daselbst zurückgab. Dieselbe blickte denselben freundlich an, und bald lächelte auch seinerseits derselbe dieselbe freundlich an. Heiter plaudernd zogen dieselben von dannen. Spurlos verschwunden ist der- 24iährige Leutnant zur See ' v. Wittgenstein, der zuletzt in Kiel stand. - In Konsk (Russisch-Polen) wurden der Oelfabrikant Scheinfeld und dessen Gattin Nachts in ih .er Wohnung ermordet und beraubt.