Indiana Tribüne, Volume 28, Number 127, Indianapolis, Marion County, 20 January 1905 — Page 5
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Ayres Bulletin
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" Zerzensruhe. Novelle von C. Thaler. Klein Ruth ging ' bedrückten Gemüths aus dem Hause, und sinnend, traumverloren, gleich einerNachtwandleitn, schritt das Mädchen, den schweren Schulranzen auf den rüstigen Schultern, die Gasse hinab. Wie lange hatte sie sich aus diesen Tag gefreut! Schon vor Monaten war ihr von den Eltern versprochen worden, daß sie am Tage nach ihrem zehnten Geburtstag allein zur Schule gehen dürfe. Nun hatte sie geschlagen, diese langersehnte Stunde; allein Ruthchen konnte sich der Erfüllung ihres stolzen Wunsches nicht freuen. Sie wußte es ja kaum, daß sie unbegleitet durch die Straße schritt. Wie hätte sie sich, über irgend etwas freuen können! Hatte doch lieb Mütterchen über ihrem Zwist mit Papa vergessen, sie vor dem Weggehen zu küssen. An der Straßenecke blieb Ruth siehen, um nach dem Erkerfenster zurückzublicken, aus dem ihr die Mutter freundlich nachzuwinken pflegte. Indeß zeigte sich heute das von reichem, schwarzem Haar gekrönte mütterliche Gesicht nicht. Seufzend ging das kleine Mädchen weiter und fuhr fort zu grübeln. Ruth war so vertieft in ihre Gedanken, daß sie an dem Schulhaus vorbeiging, ohne es zu bemerken. Sie schritt weiter und weiter, bis ihr endlich eine hochgewachsene schlanke Dame den Weg vertrat. Ruthchen, was machst du hier zur Schulzeit?" fragte die Dame erstaunt. Das Kind sah verblüfft um sich her. Ach Gott!" rief es, ich hatte so viel zu denken, dan ich die Schule ganz vergessen habe." Die Dame sah das Kind forschend an. Du bist blaß. Ruthchen. Komm, ich führe dich nach Hause." Ruth schüttelte den Kopf. Ich muß um fünf in die Klavier-, schule." Die Dame sah auf ihre Uhr und sagte dann: Es ist noch nicht dreiUhr; komm mif mir, wir trinken zusammen Kaffee." Dabei nahm sie die Qand der Kleinen, legte sie auf ihren Arm und drücksie zärtlich an sich. Stumm wanderten die beiden durch die Gassen. Frau Mathilde merkte wohl, daß das Mädchen Thränen in den Augen hatte, allein sie that, als sähe sie es nicht. In Frau Mathilden's behaglicher Wohnstube war der Kaffeetisch schon gedeckt. Setze dich. Rulhchen," sagte Frau Mathilde freundlich. Hier hast du Kaffee und Kuchen. Nun iß tapfer, damit du wieder Farbe in die lieben Wänglein bekommst." Ruth trank 'gierig den Kaffee, um ihren brennenden Durst zu löschen. Von dem Kuchen aber aß sie nur einen einzigen Bissen. . Warum ißt du nicht. Herzchen?" Ich kann nicht ich kann wirklich nicht!" So komm ans Fenster, sieh dir das bunte Treiben auf dem Kai an." Frau. Mathilde beobachtete die Kleine von ihrem Platz am Kasfeetisch. Es betrübte sie, daß das Kind unglücklich schien. War ihr doch Ruth als gemüthvolles, zärtliches Kind und als Tochter' ihrer liebsten Jugendfreundin tief ans Herz gewachsen. Leise trat sie ZU der Kleinen hin und fragte sie: Woran denkst du. Ruthchen?" Frau Mathilde, darf man sich das Leben nehmen, wenn man Jemand einen Gefallen damit erweist?" Kind, Kind, stelle keine so sündhaften Fragen! Wie kommst du darauf?" Die Eltern sagen so oft: O, wenn das Kind nicht wäre! Und da dachte ich dachte ich" Heftiges Schluchzen erstickte ihre Worte. ' Herzlich umschlang Frau Mathilde das Kind, nahm es auf den Schooß und suchte es zu trösten. Liebes, thörichtes Kindchen, wer wird denn so einfache Worte derart mißverstehen? Mama wird dir das heute Abend noch alles erklären, und jetzt laß dir zeigen, was ich für dich habe." Sie holte ihr Schmuckkästchen herbei und nahm ein goldenes Armband daraus hervor. Gott schütze dich" stand darauf, ein Porte-bonheur" aus alten entschwundenen Tagen des Glücks. Ruth's Thränen versiegten. Ein erstes Armband ist für ein , kleines Mädchen nichts Geringfügiges. Frau Thilde sah, daß der Schmerz des Kindes bis auf Weiteres verflogen war. Beruhigt führte sie Ruth in die Klavierschule. Ehe sie diese verließ, nahm sie aber dem Kinde das Bersprechen ab, nach Hause zu laufen, sobald der Unterricht zu Ende sein würde. , Als Ruth im Hausthor verschwunden war,, fühlte Frau Thilde, daß die Last, die ihr durch die Worte des sensitiven bekümmerten Mädchens auf das Herz'gewälzt worden, nicht von ihr gewichen war. Es drängte sie, mit Ruthchens Mutter zu sprechen und diese zu warnen, und sie beschloß, es noch heute, es', gleich zu thun. Das Mädchen, das ihr die Wohnungsthür bei Fellner's öffnete, ließ die Hausfrkundin unangemeldet in daS Wohnzimmer treten. . Klara befand sich nicht darin. Frau Thilde legte Hut und Kragen ab und
pochte an die Thür, die n das Schlafzimmer ihrer Freundin führte. Wer ist da?" fragte Klara scharf. Mach auf!" ' Der Schlüssel wurde im Schlosse umgedreht, die Thür aber nicht geöffnet. DaS verrieth qoqU Versnmniung. Thilde trat ein, nahm gelassen auf dem Sopha am Fußende der Messingbetten Platz und betrachtete stumm die Freundin. Klara hatte sich in die Fensternische zurückgezogen. Was hat es gegeben?" fragte Frau Thilde. Was es immer gibt," sagte die junge Frau, indem sie auf der Fensterscheibe einen etwas kriegerischenMarsch zu trommeln begann. Ach Klara, Klara, laß das leidige Streiten. Du erzielst nichts damit." Ich bin so thöricht, zu hoffen, daß die eifersüchtigen Auftritte seine Liebe zu mir wieder anfachen werden. Noch vor einem Jahre konnte ich ihn immer wieder durch leidenschaftliche Borwürfe vom Abweg zurückreißen." Das ist immer so, liebe Klara. Die' Liebe erlischt nicht plötzlich. Die hoch aufflackernden Flammen legen sich in der Ehe; die Gluthen verglimmen allmählich, aber die Liebe hat noch die Kraft, einigemal vorübergehend aufzuflammen, bis sie endgültig erstirbt und erkaltet. Da heißt es, klug und stolz sein; da heißt es, sich einen edeln Ersatz suchen, sich mit Kameradschaft und Freundschaft begnügen. Zur Liebe kann man Niemand zwingen, Klara." Das ist aber sehr traurig. Thilde," meinte die junge Frau. Während sie langsam vom Fenster wegging und sich ihrer Freundin näherte, sagte die andere: Es ist Weltenlauf, Klara, nur Weltenlauf. Nichts ist bleibend, alles verwandelt sich: auf den Lenz folgen Sommer, Herbst und Winter. Aber jede Jahreszeit hat ihre Freuden;man muß sie nur zu finden, zu genießen verstehen." Das Leben verklären kann doch nur die Liebe," sagte Klara. Die Liebe in ihren verschiedenen Erscheinungen ja," erwiderte die ältere bedeutungsvoll. Leider legen wir Frauen im Allgemeinen auf die landläufige Liebe, auf das selige Hangen und Bangen, das Himmelhoch jauchzend zum Tode betrübt sein" viel zu viel Werth. Auf diesem Gebiet sollten wir uns die Männer zuu: Beispiel nehmen." Ja, ja, du hast recht," sagte Klara mit nachdenklicher Miene. Ich werde den thörichten Liebesträumen entsagen und mich irgendeinem Beruf widmen." Nein,-Klara, das wäre gefehlt! Du hast mich mißverstanden. Einen Beruf darfst du nicht ergreifen" ' Das sagst du, eine berufsthätige Frau!" Ach, das ist bei mir etwas ganz anderes. Ich besaß nie ein Kind. Ich durste meine Fesseln sprengen; ich durfte den Mann abschütteln,- der mich zur Sklavin, zumSpielzeug, zur Märtyrerin machen wollte. Du aber! Die köstlichste Blüthe der Frauenliebe, ist die Mutterliebe. Die sollst du in deinem Herzen hegen und pflegen,' der sollst du leben." Ruth bedarf keiner so romantischen Liebe. Sie hat ihre Schule, ihre Freundinnen, ihre Spiele und ihreAnstchtskarten." Du verkennst sie, Klara. Sie hat manches jawohl euer Wohlstand macht es euch möglich, der Kleinen viel Angenehmes zu bieten; allein es fehlt ihr das Wesentliche: die Herzensruhe. Durch eure ewigen Streitigkeiten ist sie beunruhigt. Es fehlt ihr beim Lernen die nöthige Aufmerksamkeit und heim Spiel die rechte Herzensfreudigkeit." Nun erzählte sie der betroffen Lauschenken, was sich am Nachmittag zugetragen, und wie bitterlich Ruthchen geweint hatte. Klara schlug beide Hände vor's Gesicht und stützte ihre Ellbogen auf die Knie. Weinte sie, oder sann sie nur nach? Frau Thilde meinte, dieses reumüthige Sinnen könne klein Ruth nur zu gute kommen. Darum küßte sie Klara leise auf den Scheitel und ging. Regungslos blieb Klara sitzen, ein unruhig fluthend'es, schmerzliches Gefühl im Herzen. Da pochte es leise an der Thür, und eine süße Kinderstimme fragte bittend: Darf ich hinein?" Die Mutter sprang zur Thür, riß sie auf und schloß ihr Kind stürmisch ans Herz. Goldenes Ruthchen." rief die Mutter und umarmte das Kind inniger als je zuvor im Leben. Da sie feinfühlig wie alle Kinder war, entging Ruth die wärmere Umarmung nicht. Hast du dein Ruthchen noch immer ein klein wenig lieb?" Nicht ein klein wenig, Närrchen! Was für dumme Fragen stellst du? Komm, Herz, du mußt das Abendbrot zu dir nehmen." Ist schon geschehen, MamacheI. Aber eine kleine Aufgabe muß ich noch machen. Wenn du dich zu mir setzest, werde ich so freudig arbeiten." Bald saßen die beiden. einand;r gegenllber, das Kind bei seiner Rechen aufgäbe, die Mutter mit einer Handarbeit. Ruth arbeitete emsig, allein von Zeit zu Zeit sah sie zu ihrer Mutter hinüber. Blieb diese ernst, so trat ein flehender. zärtlicher Blick in die Augen des Kindes; lächelte aber die Mutter,' so
mckte'Ruth der Mutter mit verklärter Miene zu. Papa wird gleich nach Hause kommen, Kindchen." O, da muß ich mich beeilen," sagte Ruth . und kritzelte eifrig weiter. Nach wenigen Minuten drückte sie das Löschpapier auf die feuchten Schriftzüge und klappte das Heft zu. : - -; ' . 5 Da erscholl im Flur- die Klingel. Das Kind räumte rasch leine Bücher in die Schultasche. undKlara entfernte das Schreibzeug vom Tisch. Die Thür ging geräuschvoll auf, und auf der Schwelle erschien der Herr des Hauses, ein stattlicher, breitschultriger Mann mit schwarzem, lockigem Haar und braunem Vollbart, glühenden Augen und genußsüchtig schwellender Unterlippe. Guten Abend!" sagten Mutter und Kind fast einstimmig. Guten Abend!" gab er zurück, indem er seinen Hut auf den nächsten Stuhl stellte. Warum ist das Mädel noch auf, Klara? Kinder ihres Alters gehören um diese Stunde ins Bett." Sie wollte dir noch gute Nacht" sagen," erwiderte Klara. So, so, also komm!" sagte er ziemlich freundlich. Das Kind sprang herbei und reichte dem Vater die Lippen zum Kusse. Gute Ncht, Kleine, und jetzt geh schlafen." Das Kind stand betrübt und verschüchtert. Klara, du brauchst mir kein Abendbrot bringen zu lassen. Ich bin in die Oper geladen." Damit ging er in das anstoßende Schlafzimmer und drehte das elektrische Licht auf. ' , Klara legte ihre Hand liebkosend auf den Scheitel des Kindes. Geh in dein Zimmer, Herz, und fange an, dich auszukleiden. Ich komme bald nach." Vergiß das ja nicht. Mutterchen. Ich schlafe nicht eher, als bis du mir einen Gutenachtkuß gegeben hast." Ich komme bestimmt," sagte Klar: und trat zu ihrem Gatten in das Schlafzimmer, während Ruth durch die andere Thür davonlief. , Wer hat dich geladen?" fragte Klara. . Die Baronin von Möhren." Ah!" Wie meinst du?" fragte er scharf. Ich meinte gar nichts - ich habe nur ein ganz gleichgültiges Ah" ge sagt." ' Er sah sie überrascht an, sagte aber nichts, sondern fuhr fort, seine wohlgepflegten Hände zu waschen. Klara legte ihm die Kleidungsstücke, dtt er brauchte, auf's Bett, und er begannj sich für das Theater umzukleiden.!'. ' chanke, danke," sagte er höflich. Sehr freundlich, daß du mir behilflich bist. Die Baronin thäte das nicht o gewiß nicht! Sie würde dort auf dem Sopha sitzen, und ich müßte nm meine sieben Sachen selbst suchen. Eine moderne Frau, weißt du, pikant, nicht liebenswürdig, nicht gütig, aber verteufest schön und interessant.. Ileörigens. bist du auch in die Loge geladen, aber' ich habe höflich abgelehnt. Das ist kein Umgang für meine Frau. So, nun bin ich fertw. Halt! Die Halsbinde sitzt- schief!" rief er und nestelte vor dem Spiegel an seiner Kra watte. Klara lehnte mit verschränkten Armen gelassen an der Kommode und blickte ihren Gatten unverwandt an, ruhig und leise verächtlich. Sie fühlte kein Bedürfniß, aufzubrausen. Es war so still geworden in ihrem Herzen, so wonniz still, so selig mütterlich. Was stand sie noch hier? Drüben lag ihr goldenes Kind und sehnte sich nach ihr, während sie hier nicht von Nöthen war. Zögernd schritt Herr Fellner nach der Thür. Plötzlich wandte er sich um und sagte: Wenn du willst, bleibe ich noch eine Weile bei dir." Und dann?" 'Dann gehe ich zur Baronin." Geh lieber gleich!" Wie du willst gute Nacht." Gute Nacht." Er ging. Klara starrte nach dem Ausgang des Zimmers und horchte, bis dieWohnungsthür zugeschlagen wurde. Dann legte sie die Hand auf ihr Herz. Es zuckte doch noch schn:erzlich drinnen, eine letzte Schwäche. O! Wenn das Kind nicht wäre ich liefe auf und davon." . Daging die Thür zum Nebenzim mer auf, und eine kleine Lichtgestalt im wallenden Nachthemd mit einem Glorienschein von glänzendem Goldhaar über dem lieblichen Kinderantlitz erschien auf der Schwelle.. Mein Kind! Mein Ruthchen!" Das Kind flog in die weit geöffneten Arme der Mutter und brach in heftiges Schluchzen auö. Kind, Kind! Warum weinst du so bitterlich? Schau, ich habe dich so lieb, so lieb" ' Ach nein. Mutterchen! Du sagst doch immer: Wenn das Kind nicht wäre!" ' - Ja, ja, ich sage daö oft aber du darfst die Worte nicht mißverstehen. Ich meine damit nur: Wenn Ruthchen nicht wäre, möchte ich nicht auf der Welt sein. Wenn ich Ruthchen nicht batte, wäre ich eine arme, arme Frau. Aber durch dich, durch dein zärtliches kleines goldenes Herz bin ich reich, so reich." -
E i n e 17j a h r i g e Fabrikarbeiterin zu Elberfeld versuchte ihren eigenen Vater dadurch zu vergiften, daß sie vergifteten Weizen unterMilchreis mischte, den der Vater als Mittagbrot mit in die Fabrik nahm. Der Vater entdeckte die Körner und machte der Polizei Anzeige, die das ungerathene Geschöpf verhaftete. Der Vater hatte der Tochter Vorwürfe gemacht, weil sie sich acht Tage lang umhergetrieben hatte. Eine erstaunliche Wi derstandskraft hat Frau Vera Tingener, die an der revolutionären Bewegung in Rußland vor mehr als zwei Jahrzehnten einen hervorragenden Antheil genommen hat, bewiesen. Frau Tingener ist jetzt, wie aus Petersburg gemeldet wird, nach 22jähriger Gefangenschaft aus der Festung Schlüsselbürg entlassen worden, wo sie wegen politischer Verschwörung eingekerkert war. Die hartgeprüfte Frau ist trotz der langen Kerkerstrafe geistig und körperlich gesund geblieben. Von einer ungewöhnlichen Verkehrsstörung wird aus Verlin erzählt: Ein junges Mädchen war beim Ueberschreiten des Fahrdamms an der Ecke der Jnvalidenstratze und der Brunnenstraße mit dem hohen spitzen Absätze des Schuhes am rechten Fuße in die Ritze der Weichenzunge gerathen, und der Schuh klemmte sich so fest, daß das Mädchen sich nicht von der Stelle zu rühren vermochte. Es mlßte sich infolgedessen der Fußbekleidung entledigen. Die Versuche des Straßenbahn - Personals, den Schuh herauszuziehen, waren vergeblich; er mußte buchstäblich aus der Schiene herausgestemmt werden. Für die Dauer dieser Zeit, etwa eine Viertelstunde, war der gesammte Verkehr sür die Straßenbahnlinie nach dem Gesundbrunnen und nacx der Invalidenstraße gesperrt. DieEntführung eines sechzigjährigcn Mannes von feinen eigenen Kindern trug sich dieser Tage im Dorfe Winningen in Pommern zu. Der alte Herr wollte zum zweiten Male heirathen. Die Vorbereitungen zur Hochzeit und der Polterabend verliefen, wie berichtet wird, ohne Zwischenfall, ebenso der Hochzeitsmorgen. Als sich gegen Mittag das Brautpaar zur Kirche begeben wollte, fuhr draußen noch ein Wagen vor. Zuerst glaubte man, es wären noa verspätete Hochzeitsgäste; aber eswären tie erwachsenen Söhne des Bräutigams. die ihren Vater noch für einen Augenblick sprechen wollten. Nach einer kurzen heftigen Unterredung, die draußen vor demHause geführt wurde, bestiegen schnell Bräutigam und Söhne das Fuhrwerk und fuhren in schnellster Gangart davon. Vergeblich warteten Braut und Hochzeitsgäste auf die Rückkehr des Bräutigams. Der Meister der berühmten Straßburger Münsteruhr ist übertrumpft. Ein Pariser Uhrmacher Leroy hat in sieben Jahren erreicht, wozu der Münstermechaniker ein Menschenalter gebrauchte, und er hat ihn auch dadurch übertroffen, daß er die Uhr als kleine Taschenuhr herstellte, wodurch die Schwierigkeit der Arbeit beträchtlich erhöht wurde. Eine Taschenuhr aus 975 Stücken mit 24 Gehwerken, das dürfte Wohl unerreicht sein. Die Uhr zeigt an: Tage, Daten, Schaltjahre Jahreszahlen auf 100 Jahre hinaus, Mondwechsel, Jahreszeiten, Sonnenwenden, die Tageszeit von 123 Städten sowie Sonnenaufund Untergang. Außerdem ist darin enthalten ein Zeitmesser, ein Minutenund Stundenzähler, ein Wärme- und Feuchtigkeitsmesser der Luft, ein Varometer und ein Höhenmesser, der Höhen bis zu 5000 Meter angibt, ein Kompaß, ein Repetirwerk der Stunden, Viertelstunden und Minuten mit Glockenspiel. Innen ist noch ein zweites Gehäuse mit einer beweglichen kleinen Himmelskarte; die Sterne gehen jeden Tag 236 Sekunden weiter zur mittleren Zeit vor: bis zur vierten Größe sind die Sterne auf dieser Karte verzeichnet, auf der man das tägliche Himmelsbild der nördlichen und südlichen Halbkugel sehen kann. Eine furchtbare Familientragödie spielte sich in dem Dorfe Neustadt bei Stolpen in der Sächsischen Schweiz ab. Die dort wohnende bejahrte Wittwe Heintzmann war mit ihrem erwachsenen Sohne, der in einer Knopffabrik beschäftigt war, in Streit gerathen, weil dieser tagsüber nicht zur Arbeit gegangen war. Infolge dieses Streites beschloß der Sohn, seinem Leben ein Ende zu machen. Er verschaffte sich auf noch nicht aufgeklärte Weise Cyankali, that dasselbe in ein gefülltes Wasserglas, zeigte letzteres der. Mutter mit den Worten: Siehst du, Mutter, ich vergifte mich!" und trank das Glas chalb leer. Die nichtsahnende Mutter glaubte natürlich nicht an den Ernst dieser Worte und setzte das nur halbgeleerte Glas ebenfalls an die Lippen und trank es leer. Inzwischen that da3 starke Gift schon seine Wirkung bei dem Sohne. Er brach zusammen und starb vor den Augen ber entsetzten Mutter. Aber auch diese spürte schon das Gift. In ihrer Todesangst stürzie sie auf die Straße, um zu ihrenVerwandten zu eilen. Aber auch sie brach zusammen und hauchte kurz nach dem Ende ihres SohneZ ebenfalls ihren Geist aus. Das entsetzliche Drama rief unter den Einwohnern des Ortes eine überaus heftige Aufregung heryg ... . . s- :
VT VT l?M OOOVUWWOOO preise geliefert von B. MEYER & CO. Pennsylvania Anthracits. $7.50 Pocahontas Lump .... 5.50 Smokeleß Lump ... K50 Ohio Cannel Lump 5.50 Ohio Cannel Egg &50 Kanawha Lump 4.50 Pittsburg Lump 4.50 Brazil Block 4.25 tzocking Valley 4.25 Straight Creek Lump 4.50 Straight Creek Egg 4.25 Greene County, No 4, Vein Lump.... 3.50 Greene County, No. 4, Vein Egg 3.50 Jackson Ohio Lump 5.00 Oven Coke Egg 5.50 Gas House Lump Coke 5.50 GaS House Crushco Coke 0.00 E5traVerechnung wo solche getrazea werden müssen. Die Behörde für öffentliche rbetten bestätigt den Bericht de? Kommissare. Die Kommissäre, welche von der' Stadt und der Wasser-Compagnie ernannt wurden, berichteten nach einer strengen und umfang reichen Prüfung des städtischen Wassers fclgendermaßen: Wir sind einstimmig der Ansicht, daß das Wasser welches den Consumentcn wäh rend der Periode dieser Untersuchung geliefert wurde, guten gesundheitlichen Charakters war ; daß das Wasser von Privat-Brunnen einer der wichtigsten Factorm der Ent stehungs-Ursachen dieser (Typhus) Epidemie Periode war." Die Kommissäre empfehlen die Condem nirung von Privat-Brunnen und Aborten, und empfehlen, daß Verbindungen mit Ab zugskanälen hergestellt werden sollen wo immer sich solche befinden. Der ganze Be richt der Kommissäre ist in Druck und wird auf Anfrage ak geliefert oder mit der Post versandt. ' Die Qualität des WasserS,wie solches von dieser Gesellschaft geliefert wird, und wie durch diesen Bericht festgestellt, ist für alle Bewohner der Stadt zum Privat-Gebrauch empfehlenswerth.. Indianapolis Wasser Co. Ein 13jähriges Mädchen wird in London fast in jeder Woche als Dolmetscher zu Gerichtsfchungen herangezogen. Sie ist, wie es heißt, die einzige in London, die in solchen Fällen helfen kann, wo Litauer zu vernehmen sind, hat aber auch jetzt mehrfach vor anderen Dolmetschern' den Vorzug erhalten, wenn es sich um die Vernehmung von Polen handelt. Ihr Litauisch lernte sie von ihren litauischen Eltern, und Polnisch war sozusagen ihre Landessprache. Nun ist es aber im höchsten Grade auffallig, daß die Kleine, die erst wenige Jahre in England ist, das Englische so vollkommen rein spricht, daß jeder sie für eine Engländerin halt. Ihr Vater, ein einfacher Pantoffelinacher, ist klug genug, einzusehen, welche Vortheile der Kleinen aus ihrem Sprachtalent erwachsen können, und hat sie. zur weiteren Ausbildung in eine deutsche Schule im Osten Londons geschickt. ' Die Strafkammer zu Neisse verurtheilte den Kaufmann Georg Griesdorf aus Berlin wegen versuchter Erpressung und Beleidigung des Generalmajors von Jssendorf zu sechs Monaten Gefängniß. Griesdorf hatte an den General drei Briefe ohne Unterschrift geschrieben, worin er drohte, daß er von Herrn von Jssendorf und der Gattin eines Hauptmanns eine Skandalgeschichte enthüllen und eine Broschüre unter dem Titel Die Perle der Garnison", herausgeben werde wennn er nicht 2000 Mark erhalte. Griesdorf gab an, er habe den General nur ärgern wollen, weil ihn dieser, als er 1898 als Einjähriger diente und der General damals sein Regimentscommandeur war, einmal bestraft hatte. EinOpfer desKartenlegens ist die 32jährige Frau eines Musikers in Berlin geworden. Die Frau des MusikersRosch wurde plötzlich irrsinnig und drohte, in dem Haufe alles zu zertrümmern. Auch an der Droschke, mit der sie nach Herzberge übergeführt werden sollte, zertrümmerte sie Wagenscheiben. Erst nach längeren Bemühungen gelang es, die Ueberführung der Kranken nach der Irrenanstalt zu bewerkstellige. Einer Hausbewohnerin gegenüber hatte die Bedauernswerthe vor einigen Tagen geäußert, daß ihr die Kartenlegerin geweissagt habe, ihr Mann, der Musiker, liebe sie nicht mehr und halte es mit einer anderen. Frau R. glaubte sich nun stets von der angeblichen Nebenbuhlerin, die es überhaupt nicht gab, verfolgt urld'trug in den letzten Tagen ein aufgeregtes Wesen zur Schau, das schließlich in Irrsinn ausartete. Gute Zuversicht. Dein Mann hat ja Dir nun den Willen gethan. aber Du hättest ihn wegen des HuteS nicht so drangsaliren sollen. Schließlich wird er rabiat und läßt sich scheiden." Haha! Mit dem Hut krieg' ich sofort einen neuen Mann!"
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