Indiana Tribüne, Volume 28, Number 127, Indianapolis, Marion County, 20 January 1905 — Page 4
Judtana Tribüne, 20 Januar 1905.
Indiana Tribüne. HerauSgkktden von Ux utberg C. Indianapolis, Ind. Harry O. Thndinm ' Präsident. SeschäftSloealt Sko. 31 Süd Delaware Straße. Telephone ses.
h.t tered at the Pot Ofice oi Indianapolis as aecond dass matter. John Mitchell. Die Angriffe, welche gestern in der Convention der Grubenarbeiter gegen John Mitchell gemacht wurden, erm nern ledhaft an die Vorgänge auf dem Parteitag in Dresden, auf welchem Be bel in beinahe gleicher Weife angegriffen wurde. Das Ergebniß wird das gleiche wie drüben fein, die Koblen grüber Genoffenschaft wird darunter gerade so leiden wie die socialistische Partei in Deutschland litt. Während flch jedoch der Angriff in Dresden ge gen das diktatorische Auftreten Bebelö wandte, wird Mitchel in kraffer Weife des VerrathS an den Interessen der Arbeiter beschuldigt. Die Anklage ge. gen Mtchell stützt sich nur auf Worte, Beweise hatte Her? Randall für seine Angriffe auf Mitchell nicht vorzubrin gen. Die Fblge davon wird sein, daß die Stellung des Herrn Mitchell nur noch mehr befestigt wird. Auch wir glauben, daß Herrn Mitchell durch diese Beschuldigungen ein bitteres Un recht geschah. Doch das ist das Schick fal von Männern im öffentlichen Leden. Wer sich auf den Markt stellt, fei gewiß daß man Prüfe, feines Wuchfes Gradheit oder Schiefe" sagte man schon in den Zeiten des klassischen AI terthumS. Daß die Gewerkschaftler bittere Er. fahrungen mit Leitern, denen sie ver trauten, machten, ist ja bekannte Sache. Man erinnere sich nur an den famosen Sam Parks der gegen Baarzahlung Seitens gewisser Bau Unternehmer Streiks anordnete, oder aufhob, sowie der Enthüllungen in der letzten Sitzung der CarpenterZ Union in New Vort. in welcher nachgewiesen wurde, daß Mit glieder. der Exekutive für Lieferungen -von Drucksachen In einem Jahre $2Ö,000 mehr bezahlten, als ein hochgerech neter reeller Preis betrug und behauptet wurde, daß sie in einem betrügeri fchen Einverftändniß mit dem Lieferan ten waren. DaS Unglück bei allen diesen Sachen ist, daß aus Anhänglich keit gegen die Exekutive Anträge um eingehende Untersuchung niedergestimmt wurden und dann die Sache auf sich beruhte. Wären die Mitglieder frei von aller Schuld gewesen, so hätten sie darauf bestehen müssen, daß die Untersuchung angestrengt u. mit größter Genouigkeit durchgesührt'werde. Solchen Vorgängen ist wohl auch der Angriff auf J?hn Mitchell zuzuschreiben. Er wird, wie alt ihn .kennen, darauf be stehen, daß die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen durch unparteiische Comites genau untersucht werden, denn er in seiner Stellung kann nicht dulden, daß der geringste Zweifel an seiner Ehrlichkeit vorherrscht. Daß die Stimmung der Gruben arbeite? in den 'Anthracitdistrikten der Genossenschaft gegenüber, eine laue ist, erscheint durchaus nicht befremdend. Die armen Leute hatten während der letzten Zeit sehr viel durch Zumachen gelittm und fanden nicht, den Rückhalt an der Genossenschaft, den sie mit Recht zu erwarten hatten. Es nimmt keinen großen Rechen meifter Ausgaben und Einnahmen zu computiren und es liegt auf der Hand, daß die Zinsen deS großen Verband Vermögens mehr als genügend fein soll ten, um alle laufenden Ausgaben zu decken, wenn nicht die VerwaltungS Maschinerie zu verschwenderisch bedacht ist. Daß Herr Mitchell letzteres zu verhüten wissen wird, davon sind wir eben so überzeugt wie davon, daß er die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen nicht auf sich, beruhen lassen, sondern beweisen wird, daß dieselben völlig auS der Lust gegriffen sind. Repräsentant Ayres, der die Anti TreatVorlage eingereicht hat, wird in der letzten Campagne schwer haben blu ten müssen. Die einzigen Ueberzeugungsmittel, denen die Herren ' Gesetzgeber irgend welche Wichtigkeit beimessen, scheinen ElsenbahnpSsse oder sonstiges Greifbares zu fein. Die Mucker sind ungemein rührig und die Deutschen sollten nicht schlafen.
Gefetzvorlagen, welche eingereichtfmd.
um die Nicholfon.Bill in einer für alle liberal gesinnten Bürger empfindlichen Weife zu verschärfen, liegen der LegiS latur vor. Sie werden auch angenom men werden, wenn das Deutschthum nicht mit aller Energie dagegen auf tritt. Also fort mit der Lethargie uud aufgewacht, Deutsche! Gewerbsmäßige Lobbyisten haben sich, sogleich nacy ihrer Ankunft, beim Gouverneur zu melden und ihr Vorha ben anzugeben; sie dürfen keine Eisen bahnpässe austheilen und müssen innerhalb 30 Stunden die Stadt ver lassen." Diese kurz und bündige Regel hat Gouverneur Folk von Missouri an die gefetzgebende Körperschaft in Jefferson City gesandt und damit Entsetzen unter den Professionellen" verbreitet. Er handelte, während die Gouverneure anderer Staaten nur die Existenz der Lobby beklagten. Ihm ist es bitterer Ernst, dem Unwesen zu steuern, bei den anderen sind eS schöne Worte. Er geht von dem Grundsatze aus, daß Vertreter von Privatinteressen mit derselben Strenge aus den Räumen der Gesetz gebung wie auS Geschmorenenzimmern ausgeschloffen werden sollten. Die Lobbyisten mögen vor den be treffenden Comites zur anberaumten Stunde ihre Aussagen für oder gegen machen, aber in die Abstimmung dür fen sie nicht eingreifen noch den Gesetz gebern Geschenke machen. Folk wird ebenso Muster'Gouverneur sein wie er MusterKreiSanwalt war und jeden falls auch ein Muster.Präsident fein. Die als sehr friedlich und besonnen geltenden Bergleute des rheinisch'west phälischen Kohlenreviers sind, nun wirklich zum GeneralStreik getrieben worden. Durch den Streik werden 270,000 Kohlengräber betroffen. Hält j der Ausstand auch nur wenige Wochen an, so sind schwerwiegende Folgen für die größten deutschen Industrien un vermeidlich. ; ' s ' . Das Charakteristische an dieser Kraft Probe zwischen Kapital und Arbeit ist die absolute Skrupellosigkeit, mit wel cher der KohlenTruft, der 50 Procent der deutschen Gruben controllirt, seine Angestellten zum Streik gezwungen hat. Einfach jede Forderung wurde schlank weg verworfen. Da in diesem AuS stände die Bergleute deS christlichen Verbandes und die der Hirfch-Dunker' fchen Gewerkschaft Schulter an Schul ter mit der sozialistischen und der pol Nischen Organisation kämpfen, fo wird es klar, daß die Gewissenlosigkeit der Kohlenbarone keinen friedlichen' Aus gleich wollte. Die schreienden Miß. stände, insbesondere die Ueberfluthung der Gruben und die ungerechte BeHand lung der Arbeiter, sollen weiter be stehen. Selbst die amerikanischen Koh lenbarone haben das Gottesgnaden thum der Kapitalsmacht nicht cynischer und brutaler aufrecht erhalten. Was sagt aber nun das Reich, was sagt Preußen zu dieser Gestaltung der Dinge? Jetzt ist die Gelegenheit da, zu beweisen, daß man der Situation gewachsen ist. Zu warten, bis der Streik infolge der Erschöpfung der Ar beiter zusammenbricht, wäre ein Ver brechen gegen das Gemeinwohl, ein Verkennen der staatlichen Pflichten, deren Wesen durch monatelange Be leuchtung zu Ungunsten des Trusts selbst den staatserhaltenden Blättern klar geworden ist. Das rheinisch-west phälische Syndikat hat die Arbeiter ge knechtet, die Produktion mit Willkür lichen Mitteln eingeschränkt, die Regie rung als Kohlenproduzent kaltzustellen versucht, viele Zechen lahmgelegt, den Ankauf von Hibernia Aktien als Anarchie von oben" hingestelli. Tau sende von Angestellten entlassen, die Verkaufspreise erhöht, den kleinen Händler ausgeschieden. Die Sünden des Trusts stinken zum Himmel. ES heißt, daß der Kaiser ein lebhaftes In. teresse an der Beilegung des Streikes nehme. So möge sich die Monarchie diese Gelegenheit, die Sozialdemokrtie zu bekämpfen, nicht entgehen lassen. ES ist eine Probe auf Herz und Nieren. lMyrgM'Journal.) - Der Lahrer Hinkende Bote ttaleuder für 1905 ist durch nusere Ofstce zu beziehen. Bauerlaubnißscheine. Frau Charles R. Williams, Repara turen, No. 724 Nord Capital Ave., $2829. Burnett . LewiS Lumber Company, Fabrikgebäude, Gürtelbahn und Chelby-Straße, 01100. Wa bafh Realty Company. Anbau, Wafh ington und ShelbyStr., $500.
Mitchell angegriffen.
D:v Präsident der Kohlengrä. der bleibt die Antwort nicht schuldig. Niesige Ausregung unter den Delezaten. Die gestrige Sitzung der Unlieb Mine WorkerS National Conventionwar eine der sensationellsten, die je von dieser Vereinigung abgehalten. Sie stellte selbst die denkwürdige Versamm lung vorigen Jahres, in der John Mitchell die Grubenleute der Weichkoh. len Bergwerk Distrikte zu Überreden versuchte, einer- Herabsetzung ihrer Löhne von 5.55 Prozent behufs Ab. Wendung eines drohenden Streikes zu zustimmen, völlig in den Schatten. Ein Vertreter der Lokal Union in Dietz, Wyo., Robert Randall, nahm kurz nach Eröffnung der Convention das Wort und griff in seinen AuSein andersetzungen den Präsidenten Mit chell auf das Schärfste an. Er be schuldigte denselben, zur Zeit deS be. ftandenen Streikes in Colorado zu Gunsten der Feinde, der Grubenleute operirt, mit den Bergwerksbesitzern ge meinsame Sache und Bestechungen zu dem Zwecke angenommen zu haben, die gut stehenden Angelegenheiten der Grubenleute an die Bergwerksbesitzer zu verkaufen. In diesem betreffenden Theile seiner Rede sagte Robert Randall ungefähr Folgendes: Hr. Mitchell,. warum haben Sie die Grubenleute, die betreffs Erlangung des achtstündigen Arbeitstages, -Ver besserung ihrer Löhne und menschen würdigen Schaffung ihrer LebenSver hältniffe in einen allgemeinen Ausstand traten, plötzlich zum Abbrüche des Streiks und zur Wiederausnahme der Arbeit beordert, obfchon die Gestaltung des Streiks Erfolg versprechend war?" Ferner beschuldigte er Mitchell, daß er dann nach Denver gegangen wäre, um seinen Süudenlohn einzuheimsen. Wörtlich fährt dann Randall fort: Mit üppigen Banquetten und theu ren Weinen haben sie sich ebendaselbst von ihren Gastgebern, der Peadody League, den KoblenGesellfchaften und der CitizenS Alliance bewirthen lassen, die dann mit ihrer Unterstützung jeg licke Hoffnung betreffs ein Gewinnen unserer guten Sache auf lange hin ver nichtet haben. Zum Schlüsse seiner Rede nannte Randall den Präsidenten Mitchell einen Verrüther und einen Windheloten, der auf zwei Achseln trüge; statt einzig und allein die In teressen derZGrubenarbeiter Union zu vertreten. Die vonZpersönlichen Angriffen wim melnden Ausführungen schloffen mit dem Satze, daß Mitchell'S ganze Per fönlichkeit sowie sein Wirken ein Krebsschaden für die Organisation sei, der früher oder später ausgemerzt wer den müßte. Diese von dem Vertreter derder Local Union in Dietz, Wyo., gehaltene Rede verfehlte ihre Wirkung nicht, zündent wirkte sie und erhitzte die Gemüther der Delegaten, die nur mit großer Mühe von Präsident Mitchell davon abgehalten werden konnten, den anklagenden und schmähenden Sprecher durch Johlen und Zischen an der Be endigung seiner Rede zu behindern. Unter den vielen Entgegnungsreden, die durch Randalls Sprechen hervorge rufen wurde, ist die Erwiederung des Präsidenten Mitchell am bemerkenS. werthesten. Ueber eine Stunde sprach Mitchell, der durch die gegen ihn er hobenen Beschuldigungen sichtbar tief ergriffen war. Zunächst skizzierte er in ernstlicher Weife die allgemeine Lage vor und nach dem Beendigung des Stri'ieö in den Colorado'fchen Kohlen feldern. Dann kam er auf eine den Gruben arbeitern der nördlichen Diftricte er theiten Vorschlüge, die zur Annahme der von den Bergwerksbesitzern gemach, ten Anerbietungen und zur Wiederauf nähme der Arbeit riethen, zu sprechen. Lediglich im Jntereffe der streikenden und theilweise in Noth befindlicher Grubenarbeiter habe er (Mitchell) einen derartigen Schritt empfohlen. Sollten ie ähnliche Verhältnisse unter ähnlichen Umstünden wieder eintreten,dann würde er unter allen Umständen und ohne Scheu genau so wieder handeln, . Nach Mitchell ergriffen die Vice.Prä fidenten T. L. LewiS and Patrick Do lan von PlttSburg das Wort, denen sich W. R. Fairley, der damalige Führer im Colorado Streik, sowie W. B. Wilfon. Secretär und Schatzmeister I bet Grubenleu!eVereinigung, anschlös
sen. Alle wiesen entrüstet die AuSsüh jungen RandallS zurück. An der Hand von Forster'S zeigten sie, wie schmählich fick die Colorado'er Grubenarbeiter während der Zeit ihres Streikes gegen die United Mine Wor kerö National Organization benommen hatten. Unerhörte Forderungen hätten dieselben an die Organisation gestellt und unter allen möglichen Vorwänden genug Geld erpreßt, um täglich Turkey essen zu können. Den ColoradoBerg. Werksarbeitern seien viel mehr Subftl. senS'Gelder gezahlt worden, wie seiner Zeit den streikenden Steinkohlen'Berg. werkS.Arbeiter. Bezeichnend für die Gesinnung dieser Streikenden sei die folgende Thatfache: Infolge der fort währenden Jammerklagen und Noth, schreie hätte die Organisation den in Colorado in den Ausstand Getretenen Zelte zugesandt. Statt sich für diese Fürsorge dankbar zu erweisen, hätten dieselben die ungeheure Frechheit ge. habt noch die Zahlung eines täglichen Lohnes für das Aufschlagen dieser Zelte zu verlangen. Alle diese letztge nannten Redner gaben an, daß Ran dall'S Mittheilungen sich nicht auf Thatfachen stützten und deshalb das hohe Ansehen und dem vorzüglichen Rufe, deffen Mitchell sich bei der Orga nisation erfreut, zu erschüttern nicht geeignet seien.
Ans den Gerichten. Bundesgericht. Der Fall der Consumers GaS Trust Company von Indianapolis, die' von der Regierung der Ver. Staaten die Rückerstattung der von ihr gezahlten Steuern verlangt, wurde gestern vor Richter A. B. Anderson verhandelt. Der Bundesrichter gab zu vergehen, datz nach seiner Ansicht die bestehenden Steuergefetze auf die Naturgas fabri zierenden Gesellschaften keine Anwen dung finden könnte.- Eine entgültige Entscheidung hat Richter Anderson je doch bis jetzt noch uicht abgegeben. Criminalgericht. Im Criminalgericht wurde vor Rich ter Alford und den Geschworenen der Fall des der Brandstiftung angeklagten Harry Murphy zur Verhandlung ge bracht. Murphy ist der Jnbrand setzung der Central Chair Fabrik be schuldigt. Als Geschworene wurden sechs Männer aus der Stadt und sechs von außerhalb derselben erwählt. Eine große Anzahl Zeugen wurden von bei den Seiten vorgeladen und aller Wahr, scheinlichkeit nach, geurtheilt, wird der Prozeß nicht vor Wochenfrift beendet. Polizeige richt. George Farlow, unter Anklage der Bigamie verhastet, wird am kommen den Dienstag zum Verhör gelangen. Frau Jessie Cooper, 453 W. Washing tonStr., und Frau May Farlow, 617 Maxwell Str., machten beide auf ihn als ihren Gatten angeblich Ansprüche. N e u e K l a g e n. Eine interessante Geschichte angeb licher Grausamkeiten bringt Ethel P. Offenbacker in ihm gegen Harley S. Offendacker gerichteten Scheidungsklage vor die Oeffentlichkeit. Gleich am Tage ihrer Heirath wurde sie angeblich von ihrer Schwiegermutter mit dem Ver merke empfangen, daß das Essen kalt werde; am selben Nachmittage gab wie sie sagt, ihre Schwiegermutter ihr schon einen Eimer und sagte ihr, daß derselbe zum Melken der Kühe für sie refervirt sei. Ein kleines Zimmer mit einem Eingange durch die Küche wurde ihr eingeräumt,' wie sie angiebt, und ihr Gatte solljihr Vorwürfe gemacht haben, daß sie dieArbeiten nicht so gut wie seine Mutter ausführe, obgleich sie erst 17 Jahre alt war. Zum Besuche ihrer Eltern soll ihr der Gatte die Stunden der Dunkel heit empfohlen haben, damit sie das Tageslicht zu Arbeiten auf der Farm verwerthen könne. Ich war krank, sagt sie, dennoch wurde mir besohlen, seiner Mutter zu dienen, die sehr genau war. Mein Gatte, als ich endlich aufstehen konnte, sagte mir, ich solle die Maul efel und da5 übrige Vieh füttern.da ihm nicht wohl fei und er ließ mich später 5 Stunden in einem kalten Nebenge bäude allein Zeug waschen. Seinem Neffen wurde erlaubt, sich die Lecker bissen vom Tische zu holen, mir ver sagte er dieses jedoch, indem er agab, daß ich wie ein Schwein äße. Als ich den Vorschlag für eine eigene Woh nung machte, erhielt ich die Antwort von meinem Manne, daß er für keine Frau seine Mutter verlassen werde. 1 Zeug kaufte er ihr angeblich auch nicht.
einmal, als er ihr ein Kattunkleid an schassen wollte, legte sein: Mutter Pro. teft gegen dasselbe ein. Die Frau ver langt Scheidung und $3500 Alimente. Liziie A. Parnell sucht Scheidung von George W. Parnell. Als sie uuf einer Leiter stand, sagt sie, machte er sich ihre hilflose Lage zu Nutze und drohte sie voll oben herabzustoßen und ihr den Hals anzuschneiden. Wüh rend er diese Drohung ausstieß, giebt sie an, schärfte er sich sein Messer. Samuel Bornftein, ein Althändler, wurde durch Friedensrichter Nickerfon gestern nach der Jail gesandt, weil er in Flaschen, die mit dem Stempel einer Brauerei versehen waren, Handel trieb. Die Brauerei versucht den Handel in Flaschen die mit Privalmarken versehen sind, aufzuheben und reichte deshalb gegen den Händler die Beschuldigung ein. Bornstein weigerte sich die $10 nebst Kosten zu zahlen, sandte aber, nachdem er in der Jail angelangt war, nach einem Bürgen. Robert L. Darter sucht Scheidung von Catherine Darter. Als Schei nungSgrund giebt er an, daß feine Gattin ihn unter Verdacht der Untreue hatte, ihn des intimen UmgangeS'mit Dienstboten bezichtigte und sogar mit Selbstmord drohte. Jennie Martin wünscht, von Wm. Martin geschieden zu werden. Sie be schuldigt ihn des böswilligen Verlas. senS und giebt an, daß er mit Ella Haywood nach LouiSville gegangen fei. Trunkenheit und grausame Behand lung wirst Hattie Leachman ihrem Gat ten Harry Leachman vor. Sie ersucht um Scheidung. John E. Likenö, ein Angestellter eines Virginia Ave. Grocery Geschäftes, reicht gegenZfeine Frau Julia H. LikenS eine Scheidungsklage ein, laut welcher der Weg der Ehe gerade für ihn nicht mit Rosen bestreut war. Das Paar heirathete sich imiZOktober 1898. Er giebt an, daß seine Frau häusig ihre Hausarbeit vernachlässigte und ihn oftmals mit nicht gerade schönen Na men titulirte, sie weigerte sich auch an geblich die Mahlzeiten zu kochen und ließ das Hauswesen, während sie sich bei Tag und Nacht in der Stadt umhertrieb, im Schmutz vergehen. Auch beschuldigt er sie, im Hause, während seiner Abwesenheit, schlechte Gesellschaft gehalten zu haben. Das ihr zum Be gleiche der HauSauSgaben überwiefene Geld, sagt er, habe sie vergeudet. James B. AdamS, der am 27. Ok tober 1904, als er in seiner Ofsice daS neue Telephon zu benützen im Begriffe stand, einen elektrischen Schlag erhielt, der ihn für längere Zeit an '3 Bett fesselte, hat die Indianapolis Telephone Co. auf $5000 Schadenersatz verklagt. Sarah M. Springer, Verwalterin des Nachlasses von William A. Sprin ger, der am 4.'Mrz 1903 ai der Oft 10. Straße von einem Zuge getroffen und getödtet wurde, hat die C, C. C. & St. L. Eifenbahn-Gefellfchaft auf Zahlung von 810,000 Schaddenerfatz verklagt. Gertrude Justice reichte gegen Edgar Justice, einen Angestellten der AtkinS Sägefabrik eine Klage auf Zahlung von Unterhaltsgeldern ein.
Brazil. Bei Knightövtlle er. folgte ein Zufammenstoß zwifchen dem Centerpoint Eisenbahn und dem West, gehenden Special Frachtzuge No. 10. Der Eisenbahnarbeiter Thomas FiseHaber wurde schwer verletzt. Schuld an dem Unglück trug der dichte Nebel, der über den Eisenbahngeleisen hing. Mardi Gras, Florida, der Süden. Spezial AnSflng für'Nndiana Tonri fien über die Pennsylvania Linien. Zu sehr angenehmer Zeit für eine Reise nach dem Süden kommt der spezielle Mitt Winter Ausflug für Jndiana Touristen, eine nicht kostspielige Reise für GesundheitSuchende nach den berühmten Ausflugsorten von Florida und des Südens, infchließlick zweier VergnügungStage der bekannten Mardl Gras Festlichkeiten zu New Orleans. Ein massiver Pullman Zug verläßt den Jndiana poliS Union Bahnhof am 27. Februar um 7 Uhr Abends über die Pennsylvania Linien. Punkte von Jntereffe der Route entlang schließen in sich die berühmten Schlachtfelder Lookout Mountain, Chickamauga, Atlanta, Savannah, die Marschroute von Sherman nach dem Meer. . Die Tour'umfaßt Ormond, der berühmte Winteraufenthaltsort: St. Augustine mit seinen alterthümlichen spanischen Bastionen ; Pensacola, von Marine Interesse; Paß Christian, das Newport des Süden, Mobile, Birmingham, Nashville, mit genügend Zeit zur Umschau. Zwei Tage Aufenthalt in New Orleans wabrend des Mardi GraS. Elf Tage in dem sonnigen Süden, entfernt von dem Eis und Schnee des Nordens und der Kostenpunkt einschließlich Pullmans nur $55. Da die Schlafstellen zeitigst im Vor aus bestellt werden sollten so sprechen Sie bald vor oder schreiben Sie an 23.28 Richardfon, Assistant . General PaffagierAgent, Indianapolis, er wird alle Fragen bereitwilligst beantworten. .
JBcrüsjrnte ikfancnuiflcn. ßcldcnmnthZge Thaten in Kriegen der alten und neuen Zeit.
Port SlrtyurS Fall-Troja, Karthago und Aerusal,,. Furchtbare englische Verluste. Im ttrimseldzuge-Tragwclte der Geschütze und ihre erste Benützung. Im Hinblick auf den nunmehrigen Fall von Port Arthur, dessen Besatzung 157 Tage lang in heldenmüthigster Weise den ebenso unerschrockenen und kühnen Belagerern gegenüber Stand hielt, dürfte die folgende Zusammenfiellung berühmter Belagerungen des Interesses nicht entrathen: Vor Troja haben die Griechen zehn Jahre gelegen, bevor sie die vielthorige Feste bezwängen. Karthago hielt sich am Ende , des dritten punischen Krieges, 146 v. Chr., ein Jahr lang; es wurde noch bei der Erstürmung von den Bewohnern Schritt für Schritt gegen die Römer vertheidigt und schließlich in Flammen gesteckt. Im Jahre 70 n. Chr. berannten die Römer unter Titus viele Monate vergeblich Jerusalem.. Schließlich wurde die alte, so vielen heilige Stadt von Grund aus zerstört. . Richard I. von England verlor vor Atton, das er zwei Jahre belagerte, 6 Erzbischöfe, 112 Bischöfe, 40 Grafen, 500 Barone und 300,000 Krieger. Bei der Belagerung von Calais im Jahre 1347, bei der die Gemahlin des franzosischen Königs Philipp den König Eduard III. von England um Scho-' nung des Lebens der Bürger von Calais bat, kamen zum ersten Male Kanone.i zur Anwendung. Die Hauptstadt der Insel Kreta ergab sich 1669 nach 24jähriger Belagerung den Türken, die während dieser langen Kämpfe mehr als 200,000 Mann verloren. Auch Gibraltar ist der Schauplatz zweie: denkwürdiger Belagerungen geWesen, als Frankreich und Spanien ihre stärksten Streitkräfte in's Feld führten, um den Engländern diesen Schlüssel zum Mittelländischen Meere" zu nehmen; 1779 wurden Angriffe zur Erstürmung der Feste unternommen; doch sie wurden abgeschlagen. Zwei Jahre beschoß eine stattliche Anzahl von Schiffsbattirien mit schweren Geschützen den Felsen, doch die britische Garnison zerstörte die Geschütze durch 1 V V L ein myiges nomoaroemenl. owoyt die Verbündeten 47 Linienschiffe, 10 schwimmende Batterien mit 212 Geschützen, außerdem 12.000 Mann und 1000 Kanonen zu Lande gegen die Feste führten, obgleich sie täglich 6000' Kugeln in die Stadt schössen, wurde Gibraltar doch nicht eingenommen. Langwierig und verlustreich waren, auch die zwei Belaaerunqen von Kars' von denen die eine im Krimkriege statt-" fand und bei der die Russen nach' einer heldenmüthigen Vertheidigung . durch den englischen General Williams Sieger blieben. Im russisch-türkischen Kriege 1877 auf 1878 fand die zweite Belagerung statt, in der die Stadt von den Russen in einem zwölfstündigen Kampfe mit einem Verlust von 7500 Mann erstürmt wurde. Die wichtigste unter all diesen Belagerungen war die von Sewastopol im Krimkriege, die am 28. September 1854 mit dem Anrücken der verbündeten französisch-englischen Armeen begann. Die Festung hielt sich fast ein Jahr, während furchtbare Kämpfe stattfanden und ein eisig kalter Winter und die Cholera die Reihen der Verbündeten lichteten. Schon bei diefen Belagerungen erwiesen sich die Mauern als ziemlich unnütz. Die Zeiten waren vorüber, da man zunächst Bresche schoß, dann mit Faschinen die Laufgräben überbrückte und darauf zum Sturm vorging. Die äußeren Forts haben allein noch Wichtigkeit. Beim Feldzuge in Italien 1859 wurden zuerst gezogene Kanonen 'benützt, und seitdem hat sich die Tragweite der Geschütze enorm gesteigert. Die Kanonen Napoleons I. bestrichen nur eine Fläche von etwa 1650 Fuß; 1870 trugen die Kanonen 20.000 bis 23.000 Fuß, und heute reichen sie 7.5 bis 8.5 englische Meilen weit. Da können Mauern nichts mehr nützen. Vielleicht die berühmteste Belagerung und die heldenmüthigste Vertheidigung , während des Krieges 187071 war die von Belfort, dessen Mannschaft unter einer mörderischen Kanonade, bt 63 Tage dauerte, sick 105 Taae lana kielt, erst auf Veranlassung von Jules Favre kapitulirte und der freier Abzug mit allen kriegerischen Ehren gewährt wurde. In den allerneuesten Kriegen sind die Belagerungen von Ladysmith, die 113 Tage, Kimberley.die 126 Tage, und Mafeking, die 218 Tage dauerte, zu erwähnen. DaS ttaatSgefahrliche Kochbuch. Ueber einen reizenden Schelmenstreich der russischen Censurbehörde wird folgendes berichtet: Ein russischer Staatsrath wollte kürzlich seiner Gattin ein Kochbuch schenken. Er bezog ein solches aus Berlin. Das Buch mußte die Censurbebörde vaMren. -Der Censor vrüft den Inhalt mit kritischen Blicken, da plötzlich stößt er auf ein umfangreiches Kapitel, in dem die verschiedenen Arten von Auflauf- behandelt werden. Eine Anleitung zum Aufkauf, jetzt, wo es in Rußland sowieso in allen Schichten der Bevölkerung gährt das hätte gerade noch gefehlt! Also rasch die Druckerschwärze herbei und das Kapitel, Auflauf" wurde geschwärzt. Nachdem so das Kochbuch feiner Staatsgefährlichkeit entkleidet war, konnte es ohne Bedenken dem Adressaten übermittelt werden. Der Censor hatte wieder einmal das Vaterland gerettet.
