Indiana Tribüne, Volume 28, Number 123, Indianapolis, Marion County, 16 January 1905 — Page 4
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Judlana Tribüne,
Jndiana Tribüne. HnanlgeAeien von der Otttnrtctft . Indianapolis, Ind. vnry O. Thudiu Präsident. GeschSftSlocal: No, 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 2S. twtered at the Poit Office oi Indianapolis a sccond dass matter.
Ueber das Wissen. In der Januar Nummer der Deutschen Rundschau" veröffentlicht Adolph Heß Auswahlen von bislang ungedruckten Schriften des Grafen Leo N. Tolstoi, von welchem der folgende Auffäß, die Ursache falschen Wissens ist die falsche Perspective in der man sich die Gegenstünde vorstellt," von außer gewöhnlichem Interesse ist. Wahres Wissen besteht darin, daß wir wissen, daß wir- das wissen, was wir wissen und das nicht wissen, was wir nicht wissen, sagt ConsuciuS. Falsches aber daran, daß wir glauben, das zu wissen was wir nicht wissen, und das nicht zu wissen, was wir wis sen.' Und eS kann keine genauere De sinition des falschen Wissens geben, welches unter uns herrscht. Mit dem falschen Wissen unserer Zeit nimmt man an, . daß wir das wissen, was wir nicht wissen können, und daß wir das nicht wissen, waS wir allein wissen. Einem Menschen mit falschem Wissen kommt eS vor, als ob er alles das wüßte, was ihm in Raum und Zeit erscheint, und als ob er daS nicht wüßte, was ihm in seinem vernünftigen Be wußtsein bekannt ist. Einem solchen Menschen kommt eS so vor, als ob das Heil überhaupt und fein Heil die für ihn am wenigsten erkennbaren Dinge seien. Als beinahe ebensowenig erkennbar erscheint ihm seine Vernunft, lsein Vernunftbewußt' sein; als etwas mehr erkennbar er scheint ihm sein Ich als lebendes We sen als noch; mehr erkennbar erscheinen die Thiere undPflanzen, und als am meisten erkennbar erscheint ihm die todte,, unendlich ausgedehnte Materie. Etwas ähnliches geht mit dem Sehen des Menschen vor 'sich. Der Mensch richtet den Blies unbewußt stets auf die entferntesten, und deswegen in bezug auf Farbe und Umriß ihm am ein fachsten erscheinenden Dinge: auf den Himmel, Horizont, ferne Felder, Wül der.... Diese Dinge erscheinen um so bestimmter und um so einfacher, je weiter sie entferntlsind; und umgekehrt; je näher ein Gegenstand ist, um so komplizierter erscheinen seine Umrisse ' und seine Farbe. Wenn der jMensch die Entfernung der Gegenstände nicht zu bestimmen, dieselben nicht perspektivisch anzu ordnen wüßte, sondern die größte Einfachheit undBestimmtheit in Um rißund Farbe als höchsten Grad der Sichtbarkeitibezeichnen würde, so würde als das Einfachste und Sichtbarste einem solchen Menschen der unendliche Himmel erscheinen; als schon weniger fichtbar würden ihm die komplizirteften Umrisse des Horizontes erscheinen; als noch weniger sichtbar würden ihm die lu Bezug auf Farbe und Umriß kom plizirtm Häuser und Bäume erscheinen; als noch weniger fichtbar würden ihm feine vor den Augen fich bewegenden Hände erscheinen, und als Unsichtbarstes würde ihm.daS Licht erscheinen. Ist nicht dasselbe mit der falschen Erkenntniß deS Menschen der Fall ? Da5, waS ' ihm unzweifelhaft bekannt jft i. sein Vernunftbewußtfein er scheint ihm unerkennbar, weil eS nicht einfach ; das aber, was unzweifelhaft " unerreichbar für ihn ift: die unbegrenzte ewige Materie, scheint ihm sehr erkenn bar, weil sie ihm bezüglich ihrer Ent. fernung von'ihm einfach erscheint. Thatsächlich ist eS gerade umgekehrt. Vor allem und unzweifelhafter als alles andre kann jeder Mensch kennen und kennt thatsächlich daS Heil, nach dem er strebt; dann kennt er ebenso unzweifelhaft die Vernunft, die ihm dieses Hell anzeigt; dann kennt er fein thierisches Wesen, daS dieser Vernunft untergeordnet ist, und dann sieht er, aber kennt nicht, alle anderen Erscheinungen, die sich ihm in Raum und Zeit darstellen. Nur dem Menschen mit stiner kom plizirten Vorstellung vom Leben scheint eS, daß er die Dinge um so. besser kennt, je genauer sie durch Raum und Zeit bestimmt werden; in Wirklichkeit kennen wir genau nur daS, was weder durch Raum noch Zeit bestimmt wird, das Heil und das Vernunftgesetz. Die äußeren Gegenstände kennen wir
um so weniger, je weniger unser Be wußtsein an der Kenntniß theilnimmt, auf Grund deren ein Gegenstand in Raum und Zeit nur bestimmt wird. Je ausschließlicher ein Gegenstand also in Raum und Zeit bestimmt wird, um so weniger erkennbar (begreiflich) ist eS für den Menschen. DaS wahre Wissen des Menschen endet mit der Erkenntniß seiner Per sönlichkeit, seines Lebewesens. Dieses Lebewesen, daS nach dem Heil strebt und dem Vernunftgesetz untergeordnet ist. kennt der Mensch ganz unabhängig von seiner Kenntniß alles dessen, was nicht feine Persönlichkeit ist. Er kennt sich wirklich in diesem Lebewesen und kennt sich nicht deshalb, weil er etwas Räumliches und Zeitliches ist (im Ge gentheil; als räumliche und zeitliche Erscheinung kann er sich niemals ken nen), sondern deshalb, weil er etwas ist, das zu seinem Hell dem Vernunft Gesetz untergeordnet sein muß. Er kennt sich in diesem Lebewesen als etwas von Raum und Zeit Unab hängiges. Wenn er sich nach seinem Platz in Raum und Zeit fragt, so zeigt sich ihm vor allem, daß er miten in einer nach beiden Seiten unendlichen Zeit steht, und daß er das Centrum einer Kugel ist, deren Oberfläche überall und nir gendS ist. Und gerade dieses außerge zeitlichste und außerräumlichste Ich kennt der Mensch wirklich, und bei die sein seinem Ich endet sein wirkliches Wissen. Alles, was sich außerhalb dieses seines Ich befindet, kennt der Mensch nicht, sondern kann er nur beobachten und äußerlich mit Einschrän kung bestimmen. Nachdem er sich zeitweilig von der Kenntniß seines Ich, des Vernunft Zentrum, daS nach dem Heil strebt, d. h. seines außerräumlichen und außerzeit lichen Wesen, freigemacht hat, kann der Mensch zeitweilig bedingt zugeben, daß er ein Theil der sichtbaren Welt ist, die in Raum und Zeit erscheint. Indem der Mensch sich so in Raum und Zeit in Zusammenhang mit andern Wesen betrachtet, vereinigt er seine wahre innere Kenntniß seines Ich mit der äußeren Beobachtung feines Ich und erhält von sich eine Vorstellung als von einem Menschen überhaupt der allen andern Menschen ähnlich ist. Durch diese bedingte Kenntniß seines Ich erhält der Mensch auch eine ge wisse äußere Vorstellung von anderen Menschen, kennt sie aber nicht. Die Unmöglich eines wahren Kennt niß der Menschen für den einzelnen geht schon daraus hervor, daß er solcher Menschen nicht einen, sondern Hun derte. Taufende sieht und weiß, daß es Menschen gibt, gab und geben wird, die er niemals sah und nicht gewahr wird. . Hinter den Menschen, noch weiter von sich entfernt, sieht der Mensch in Raum und Zeit Thiere, die sich von den Menschen und untereinander un terscheiden. Diese Wesen wären für ihn vollständig unbegreiflich, wenn er nicht die 'Kenntniß vom Menschen überhaupt hätte; so aber zieht er vom Begriff Mensch die Vernunfterkenntniß ab und erhält auf diese Weise auch von den Thieren eine gewisse Vorstellung; aber diese Vorstellung ift für ihn dem Wissen noch weniger ähnlich, als seine Vorstellung von den Menschen über Haupt. Thiere die allerverschiedensten, sieht er schon eine ungeheure Anzahl, und je größer ihre Menge, um so we Niger ist augenscheinlich ihre Kenntniß möglich. - Weiter von sich entfernt sieht der Mensch die Pflanzen, und : die Verbreitung dieser Erscheinungen in der Welt ift noch größer, und ihre Kennt niß für ihn noch unmöglicher. Noch weiter entfernt, hinter Thieren und Pflanzen, sieht der Mensch in Raum und Zelt die leblosen Körper und die wenig oder gar nicht dlfferen zierten Formen der Materie. Die Materie begreift er am allerwenigsten. Die Kenntniß der Formen der Materie ist für ihn schon ganz indifferent; er kennt sie nicht nur nicht, sondern stellt sie sich nur vor namentlich, da die Materie ihm in Raum und Zeit un endlich erscheint."
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Kleine Betrachtung.
Neben dem elenden Muckerthum, das Wagenladungen von bornirten Temperenzvorlagen unserer jetzigen Legislatur zuführt, giebt eS noch eine Klaffe von meist grauhaarigen und kahlköpfigen Moralisten, die ihr zweckloses Dasein mit dem Schreiben von HeirathZbillS ausfüllen. Ein Segen für die Menschheit wäre eS, wenn alle diese Tugendhelden" und weise Männer sich ein anderes Feld für Arbeit suchen würden, als daS von ihnen bereits schon lange ausgetretene. Papier ift willig und geduldsam und so kommt es, daß thurmhohe Stöße von Makulatur der tagenden LegiS latur wiederum zugegangen sind, die in langweiligen und endlosen AuSeinandersetzungen daS Reinigen und Flicken" unserer Heirathsgesetze unter, nehmen wollm. Alle diese Bills zielen darauf ab, die Gewährung der staatlichen Koncefsion zur Befestigung eines HerzenSbun des zu erschweren. Reich ist die Blumenlese von Blöo sinn, die in dieser sogenannten Hei rathSbillS zu sinden ift. Verlangt da z. B. einer dieser weisen Männer, daß nur Abstinenzlern die Heirathslicenz ausgefertigt werden soll. Wer Schankwirthschaften, diesen Vorplatz der Hölle besucht, darf nach der Anficht dieses Tugendhelden kein liebes Weibchen als sein eigen heim führen und ein Heim gründen. Schreck lich! Neben dem Countyclerk soll in Zu. kunft ein gar gelehrter Doctor stehen, so verlangt es eine andere Bill, der alle um eine Heiraths Licenz nachsuchende Liebespärchen auf ihre leibliche und geistige Beschaffenheit un tersuchen soll und feststellen muß. ob j alles in Ordnung ist und dem Sinne dieser fürsorglichen Bill entspricht. Wenn auch kein Mindestmaß festgesetzt ift, wie beim Militär, und die Langen und und die Kurzen, sowie die Dicken und die Dünnen heirathen dürfen, so enthält gerade diese Bill so viele Be. stimmungen, daß es einem ganz Angst und Bange allein beim Durchlesen der selben wild, sodaß wir aus diesem Grunde darauf verzichten, ste hier wei ter aufzuführen. In anderen Bills wird ersucht, daß der Ehehimmel Liebenden bis zur Voll endnng ihres 21. LcbensjahreS der schloffen bleibe. Wir könnten noch viele derartige Ge setzentwürfe hier anführen, die unsern liebenden Hoosiern und Hoosterinnen vielleicht große Sorgen bereiten wür. den. Doch wir Zeitungsmänner haben ein fühlendes, vergändnißreiches Herz und statt zu ängstigen, wollen wir lic ber noch einige tröstende Worte unseren Mittheilungen hinzufügen. j Laßt diese Fanatiker ruhig weiter wühlen. Helfen wird es Ihnen nichts. Unsere Gefetzgeber werden in dem Ver beffern der jetzt bestehenden Heirath gesetze, die ja in mancher Beziehung wünschenSwerth ist, sich gewiß nicht durch diese Bills beeinfluffen oder leiten laffen. Auch sie standen oder stehen unter dem Regime des Liebesgottes und wissen genau, wie eS Liebenden zu Muthe ist. Sie werden gewiß nur Bestimmungen treffen, die lediglich im Interesse des Gemeinwohls beider Theile, die in den Stand der Ehe zu treten beabsichtigen, liegen. Grundeigenthums Übertragungen. John L. Reagan :c. an Esther I. Reagan, Theil deS nordöstlichen Vier telS von Section 21. Township 15, Range 2, 70 Acres, Wayne Township, 53000. John L. Reagan an dieselbe, Theil des südwestlichen Viertels von Section 14, Township 15, Range 2, Wayne Township, 82840. Jay G. Vöß an Robert W. Moore, Lot 29, Crane'S Nord.Addition, 40 bei 110 Fuß, verbessert, Südseite von 18. Straße, öftlich von Mill Str., $600. ' Wlllard Ä. Schrader an Louis P. Blumlein, Lot 7, Haughey Mapleton Addition, 40 bei 132 Fuß, vac., West, feite von Illinois Str., nördlich von 33. Straße. $500. M e h-l k l o ß e z u S u p p e. Ein Hühnerei dick Butter wird zur Sahne gerieben, dann gibt man nach und nach hinzu: ein ganzes Ei, einen Eidotter, Muskat oder gehackte Petersilie, Salz und zwei gehäufte Eßlöffel feines Mehl, rührt die Masse fünf Minuten lang stark, sticht mit dem Thcelöffel Klöße davon ab und kocht sie zehn Minuten lang. ' .
Allerlei sür'S Han5.
Vorhänge rahmgelb zu färben. Man nehme ungefähr 10 Gramm Rbabarberwurzeln, übergieße sie mit 1 Pint kochendem Wasser und setze zu diesem Aufguß, nachdem er durch ein Tuch geseiht ist, die Stärke zu, in welcher man die Gardinen steift. Rhabarber färbt schöner als Safran. Ofenruß ist ein vorzügliches Düngemittel für Pflanzen. In eine Rinne um die Rosenstöcke hcrumgestreut und mit Erde bedeckt, wirkt er Wunder. Er muß jedoch immer extra eingegraben werden. Er vertreibt auch von Pflanzen dasUngeziefer, wieErdflöhe und Blattläuse. Das Bestreuen der Pflanzen mit Ruß muß bei trüUm Wetter vorgenommen werden. Uebrigens ist auch Holzasche ein sehr gutes Düngemittel; ausgesiebte Seinkoh lenasche macht schweren Boden leicht. Schwarze Spitzen reinigt man mit Alkohol, indem man sie in die Flüssigkeit taucht und so lange hinund herzieht, bis sie schäumig werden; wenn sie sehr staubig waren, gebraucht man eine zweite Dosis Alkohol, drückt sie aus, schüttelt es, zieht die Spitzen aus, legt sie zwischen braunes Papier gerade und glatt und beschwert sie bis sie trocken sind. Man bügelt sie nicht. Apfelsinen. Je reifer eine Apfelsine wird, desto gelber wird sie. Der .Händler stellt die Güte einer Apfelsine dadurch fest, daß er sie drückt, wie man einen harten Gummiball drücken würde. Kann man durch hartes Drücken einen kleinen Eindruck machen, der aber beim Nachlassen des Druckes wieder verschwindet, so ift die Apfelsine, wie. sie sein soll. Röthlichbraune Apfelsinen sind fein, verderben aber leicht. Wenn man Apfelsinen in der Kiste kauft, und dies ist die beste Art, wenn man viele braucht, so sollte man eine umgepackte Kiste, keine Originalverpackung kaufen. Dünnschalige, hellfarbige Apfelsinen sind die empfehlenswertesten. Die Apfelsinen von California, Florida und Arizona sind im Allgemeinen die besten, um roh gegessen zu werden, während sich die Messina - Apfelsinen mehr für's Einmachen eignen. . . Kamillenthee. Dieser sollte in jeder Hausapotheke vertreten fein. Dieser Thee besteht aus der Blüthe der echten Kamille, die von ähnlichen Blumen leicht schon durch den Geruch zu unterscheiden ist. Diese Blüthen sind eines der ältesten und am häufigsten angewandten Hausmittel. In keinem Haushalte sollten sie fehlen. Sie werden innerlich und äußerlich vielfach angewandt. Bei Erkältungen, besonders wenn diese von Fiebererscheinungen begleitet sind, bei Leib- und Magenschmerzen, Krämffen und Blähungen leistet der Thee qanz ausgezeichnete Dienste. Auch zu Klystiren und dergleichen kann derselbe verwandt werden. Säckchen, die mit den getrockneten Blüthen gefüllt sind, sogenannte Kamillenkissen, verschaffen bei rheumatischen Zahnschmerzen und Zahngeschwüren meist Linderung. Margarine - Butter läßt sich selbst für das geübteste Auge schwer von Naturbutter unterscheiden; es ist daher rathsam, vorerst eineKleinigkeit davon der Feuerprobe 'zu unterziehen. Zu diesem Zweck bestreicht man unbeschriebenes Briefpapier mit btt betreffenden Butter und zündet es an; verbreitet sich dann ein unangenehmer, brandiger Talggeruch, so bandelt es sich um Kunstbutter, während Naturbutter bei demselben Prozeß einen aromatischen Geruch entwickelt." Außerdem fetzt sich Margarine beim Auslassen und Braunwerden als fester brauner Bodensatz am Gefäß fest, während die oberen Fetttheile hellgelb bleiben. Der oben erwähnte eigenartige Geruch läßt auch hierbei keine Täuschung zu. vrelnigur. g von Fällern, in welchen verschiedene Branntweine, auch Kirschenbranntwein, aufbewahrt wurde, ist nicht so leicht zu erzielen, da die Faßdauben von dem Branntwein zu stark imprägnirt erscheinen. Es wird folgende Methode empfohlen: Das betreffende Faß wird mit dünner Kalkmilch ausgeschweift, und zwar so, daß das Faß im Innern vollständig vom Kalke überzogen wird. Nach ein paar Tagen wird , der KalkÜberzug mittelst Wasser abgewaschen. das Kalkwasser entfernt und wird jetzt das Faß ordentlich ausgedämpft; nachher wird es mit kaltem Wasser ausgespült. Feine Haarpomade. Man schütte 50 Gramm Olivenöl, 50 Gramm Rizinusöl und 10 Gramm gelbes Wachs in einTöpfchen und lasse letzteres so - lange auf einem heißen Heerde oder Ofen stehen, bis das Wachs geschmolzen ist. Alsdann füge man noch 3 Gramm eines belie-' bigen ätherischen Oeles (Bergamotteol u. s. w.) hinzu und gieße die noch heiße Flüssigkeit in ein reines Töpfchen, beziehungsweise eine Büchse. Warnung. Ins Geöjrg' wollen Sie? Lassen Sie sich warnen; da ist ein Freund von mir auch verunglückt!" Abgestürzt?" Nee? aber von der Zahnradbahn ist er überfahren worden!" Unverdünnter Salmiak ist das trefflichste Reinigungsmittel für Lampenorenner, durch das der häßliche Rußbrand im' Nu entfernt wird.
Ein königlicher Hauswirlh. Ein hoher Miethsherr, mit welchem seine Miether sehr wohl zufrieden sein sönnen, ist König Eduard VII. von England. Eine ganze Anzahl von englischen Schlössern, die vom Adel des Landes bewohnt werden, gehören nämlich eigentlich zum Besitz des Königs, wofür dieser alljährlich einen Miethsbetrag erhält, der meist mehr originell als einträglich zu fein pflegt. Manche dieser Verträge des betrefsenden Miethers" mit der Krone gelten für ewige Zeiten, alle aber datiren schon weit zurück, lveshalb der oft höchst wunderliche Miethspreis" auch nach gutem alten Brauche entweder nur symbolisch oder ganz praktisch-reell gehalten ist. Zum Beispiel hat der Abmiether von Schloß Buckland in der Grafschaft Kent, der einen ewigen Miethskontrakt besitzt, eine sehr originelle Miethe zu bezahlen. Zur RUckerinnerung an die einstigen blutigen Wirren der englischen Zönigsfamilien Jork und Lancasikr. den Krieg der rothen und der weißen Rose (14531483). muh der Miether dem König alljährlich die erste rothe Rose, die in den zum Schloß gehörenden Gärten gepflückt wird, übersenden. Kriegerischer gehalten ist der symbolische Miethspreis, den jedes Jahr am 18. Juni, der Schlacht von Waierloo, der Bewohner der Burg StratfieldsFsaye, der Herzog von Wellington, den König zu entrichten hat, nämlich ein kleines Fähnchen in den französischen Farben. Die gleiche Miethe" muß der Herzog von Marlborough, der ewige" Miether von Schloß Woodstock, zahlen, und zwar stets am 2. August, dem Jahrestag der Schlacht von Blenheim, einem Dorf im bayerischen Schwaben, wo 1704 im spanischen Erbfolgelrieg sein berühmter Ahne, der große Staatsmann und Feldherr Marlborough, die Franzosen besiegte. Die Fahne zeigt die blau-weiße Farbe Bayerns. Weniger poetisch, jedoch gehaltreicher ist der Miethspreis des Bewohners von Schloß Bonburg, welcher seinem hohen Herrn Vermiether nach altem Brauch zum Osterfeste 140 Hühner und 1300 Eier zu übersenden hat.
Ein DiMkrngcricht. Der bayerische Regierungsrath FreiHerr v. P. war in den 60er Jahren Bezirksamtmann in einer Stadt Niederbayerns und führte über die dortigen selbstherrischen Gäubauern ein strammes Landrichterregiment. Aber die Herrlichkeit dauerte nicht lange, und der gestrenge Herr war bald seines Lebens nicht mehr sicher. .Die Bauern thaten ihm jeden nur möglichen Schabernact an. Unter anderen Abenteuern, die er bestehen mußte, war wohl eines der schwersten der Sprung über die Stecken." Bor einem Dorfe paßte eines Nachts ein Rudel Bauern auf fein Fuhrwerk auf. Als er herangekommen war, fielen sie den Pferden in die Zügel und befahlen dem Bezirksamtmann, auszusteigen. Bei dem Ungestüm der weit überlegenen Macht und bei der Kenntniß des Charakters dieser Bauern stieg der Amtmann aus dem Wagen. Was wollt Ihr denn von mir? Ich kenne Euch und rathe Euch, mich in Ruhe zu lassen!" Die Bauern, die im Gesicht geschwärzt waren, lachten in die finstere Nacht und in das noch finstere Gesicht des Amtmanns und riefen ihm zu: Du kennst uns nicht! Mach keine Umstände! Du bist vom Femgericht verurtheilt, über den Stock zu springen; also spring!" Die Prozedur ist in der Gegend nicht neu. Die Bauern stellten sich in einer Reihe in meterlangen Entfernungen auf und hielten ihre sechs Fuß langen Stecken in einer Höhe von einem bis anderthalb Fuß über dem Boden. Spring, Amtmann!" ertönte der .Ruf der unerbittlichen Urtheilsvollstrecke?, und was wollte er machen? Er sprang über die fünfzehn Stecken. Schnaufend und pustend bestieg er dann unter dem, höllischen Gelächter der Bauern den Wagen und fuhr davon, froh darüber, daß er die Sprünge so gut fertig gebracht. Im anderen Fall hätten ihm die Bauern das Fell voll gehauen. Am meisten ärgerte ihn. daß alle Nachforschungen nach den Thätern vergeblich waren. Dcrstret. Der Herr Professor ist zu einer wis.senschaftlichen Versammlung gefahren. Nach einigen Tagen erhält seine jugendliche Frau einen Brief mit folgendem Schluß: ...Dich, liebe Elsa, und Deinen Herrn Gemahl bestens grüßend, bin ich Dein Adolar." Leider. E r st e r E h e m a n n : Was sagt denn Deine Frau, wenn Du Abends spät und etwas beschwipst nach Hause kommst ?"-HZ weiter: Sie ist einfach sprachlos." E r st e r : Ach, Du - glücklicher Mensch!" Zweiter: Ja, aber sie sagt blos so." ' ' Unter den Hörern im Seminar für oriltalische Sprachen der Berliner Universität befinden sich auch 16 Offiziere, welche sich auf höheren Befehl . dem Studium der japanischen Sprache widmen müssen. "
VeimEZndockendeS deut schen Kriegsschiffs Baden" im Trockendock 2 der Kaiserlichen Werft -zu Kiel wurde, nachdem der Ponton geschlössen, die überraschende Entdeckung gemacht, daß sich ein Seehund, ein überaus kräftiges Thier, unfreiwillig mit hatte eindocken lassen. Der vorwitzige Geselle, der schon längere Zeit den Fischern in Kiel und Umgegend schwere Sorgen bereitet hatte, wird nun solange in seinem Gefängniß ausharren müssen, bis das Dock ausgepumpt ist. Alsdann wird er sich aber nicht wieder seiner Freiheit ersreuen können, da man beabsichtigt, ihn in dem Bassin des Bärenzwingers im Werfterholungsparke unterzubringen. In dasErdölgebietder Lüneberger Heide, insbesondere in das Wietzer Oelgebiet, machte die in Hannover tagende Deutsche Colonialgesellschaft unlängst einen Ausflug. Unter Führung des Bergingenieurs Dziuk wurden die dortigen Anlagen eingehend besichtigt. Aus dem erläuternden Vortrage des führenden Ingenieurs ist die erstaunlicheThatsache zu entnehmen, daß , die Wietzer Oelfelder heute schon den fünften Theil des gesummten Erdölbedarfes Deutschland's zu decken vermögen; ja, man glaubt sogar, daß'
bei vollstandlger Ausnutzung des gesammten Oelgebietes der Lüneburger Heide genug Erdöl für Hanz Deutschland geliefert werden kann; in dieser Beziehung würde Deutschland also vom Auslande unabhängig werden können. E i n origineller Theater - Skandal, ereignete sich in Brest bei einer Galavorstellung. Als die in einer Loge sitzende Gemahlin des ersten Munizipaladjunkten, Madame Vibert, unten im Parterre eine Frau bemerkte, welche sie beharrlich zu fixiren schien, rief sie in einer zornigen Aufwallung sofort den dienstthuenden Schutzmann, mit dem Befehl, diese fortzuschaffen. Natürlich erhob die Bedrohte unter dem Beifall des Publikums geharnischten Einspruch, so daß der Beamte, obwohl seine Auftraggeberin ihm mit sofortig, ger Entlassung drohte, jedes Einschreiten ablehnte.' Als Madame Vibert sich wieder in der Loge zeigte, erhob sich das ganze Parterre und brüllte ironisch die Marseillaise. Auch flogen Apfelsinenschalen und andere Geschosse zu ihr hinauf, bis sie es vorzog, schleunigst' das Weite zu suchen. " Ueber die Restauration des Löwen von Chäronea' wird uns aus Athen berichtet: Das Denkmal. das ganz aus Marmor besteht, wurde im Jahre 335 v. Chr. von den Griechen zu Ehren der böotischen Söldaten errichtet, die drei Jahre vorher in der Schlacht bei Chäronea Philipp von Makedonien heldenmüthig Widerstand geleistet hatten.... Der Name des Bildhauers ist unbekannt. Der Löwe wurde durch ein Erdbeben vom Piedestal geworfen und zerbrochen. Das Werk des unbekannten Bildhauers bestand aus fünf Stücken; seltsamerweise war der Marmor ausgehöhlt, wahrscheinlich um den Schwerpunkt zu verschieben, denn der Körper wurde ohne die Hilfe der Vorderpfoten gestützt. Die Restauration der Statue, die der griechische Bildhauer Sochos unternommen hatte, machte große: Schwierigkeiten. Das Denkmal war in tausend Stücke gebrochen und nur der Kopf, der mehr einem Hunde wie einen? Lö?en ähnlich ist, war unversehrt geblieben. Man kannte daher weder die Umrisse noch die GrößenverHältnisse des Löwen, und nur nach unendlicher Mühe und Zusammenpassung der Hauptstücke gelang es Sochos, annähernd die ursprüngliche Form wiederzuerhalten. Eine Versteiqeruna mit Hindernissen fand unlängst in Berlin statt. Ein Auktionator hatte die freiwillige Versteigerung eines Wagens angekündigt und zur festgesetzten Zeit fanden sich eine Anzahl Bieter ein. Auch der Versteigerer war da, aber dQs Versteigerungsobjekt fehlte noch. Es dauerte jedoch richt lange, so wurde ein mit einem vorzüglichen Pferde, bespannter' Fleischerwagen auf den Hof gefahren und to Auktionator übergeben. Das Gespann wurde nun zu einem billigen Preise einem Händler zugeschlagen. Eben wollte der Käufer die Zahlung bewirken, als eine Frau auf dem Grundstück erschien, sich auf den Bock des Flelscherwagens schwang und davon fahren wollte. Natürlich entstand ein lautes Halloh und der Käufer des Wagens fiel dem Pferde in die Zügel. Es kam zu einer erregten Auseinandersetzung. Schließlich stellte stch heraus, daß das Fuhrwerk Eigenthum der zuletzt erschienenen Schlächterfrnu war. Die Besitzerin des Wagens hatte bei einem in der Nähe wohnenden' Kunden eine Bestellung entgegenzunehmen und zu diesem Zwecke das Fuhrwerk kurze Zeit ohne Aufsicht auf der Straße stehen lassen. Ein Gauner ' oder ein Witzbold' eigener Art hat nun wohl die Gelegenheit benutzt, in der Erwartung auf ein Trinkgeld den Fleischerwagen als den zu versteigernden nach der Pfandkammer zu bringen. Als die Schlächterfrau nach etwa zehn Minuten ihr Fuhrwerk suchte, machte einSchutzmann sie darauf aufmerksam, . wohin dasselbe gekommen sei. Der Ueberbringer deö Wagens hatte sich während .du Auseinandersetzung schleunigst entfernt. Natürlich mußte die Versteigerung rückgängig gemacht werden. Bald darauf erschien dann, der erwartete Wagen, und nun konnte die richtige Auktion vonstatten.gehen.
