Indiana Tribüne, Volume 28, Number 122, Indianapolis, Marion County, 14 January 1905 — Page 6
Jndiana Tribüne, VI. Januar 1905
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Europäische Nachrichten
)7 ZkrUtekdeutsche gtaatctx. Apoldcr. Das Friedrich Linke'sche Ehepaar feierte das Fest der goldenen Hochzeit, desgleichen Schneidermelster Bohm und Frau. G er a. Die Tochter eines hiesigen Fabrikanten, Fräulein Luise Feistkorn, wurde todt aufgefunden. Sie ist durch das vom Badeofen ausströmende Leuchtgas vergiftet worden. Hrldburghausen. Einem der tüchtigsten und beliebtesten Lehrer unseres Technikums, Ingenieur Keßler, ist aus Anlaß seiner 25jährigen Thätigkeit an genannter Anstalt von Schülern derselben ein Fackelzug gebracht worden, an den sich auch ein von Bürgern gut besuchter Kommers angeschlössen hat. Jena. Der yrivatgelehrte Dr. Fritz Kögel ist hier im Alter von 44 Jahren gestorben. Er hat sich als Herausgeber von Friedrich Nietzsches Werken und Nachlaß einen Namen gemacht. N ö m h i l d. Im Walde am großen Gleichberae wurie der Spartasscnverwalter Teubner von einem Arbeiter überfallen, niedergeschlagen und seines Geldbeutels mit 2200 Mark in Gold und Silber beraubt. Der Thäter ergriff sofort die Flucht. R u d o l st a d t. In einem heftigen Streit mit seiner Ehesrau schlug der Landwirth Kießling in Solsdorf mit einem Beile feine Frau auf den Kopf und zertrümmerte ihr den Schädel. Kießling durchschnitt sich mit einem Rasirmesser beide Halsschlagadern. Er ist seinen Verletzungen erlegen. U m m e r st a d t. Das Fest der goldenen Hochzeit konnten Töpfer Albin Sauerbrey und Frau feiern. Weimar. Im Hofe des Gutsbesitzers Zimmer in Eßleben gerieth das vierjährige Söhnchen, das einzige Kind des Dr. Zimmer aus Eoburg, welcher seinen Bruder besucht hatte, in die in voller Thätigkeit befindliche Maschine, so daß ihm das eine Bein gebrochen und gequetscht wurde. Das arme Kind wurde vom Vater sofort in das hiesige Sophienhaus überführt, wo ihm das Bein oberhalb des Knies abgenommen werden mußte. W i l d u n g e n. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten Sanitätsrath Dr. Karl Nörig und Gemahlin. Sachsen. Dresden. Generalleutnant von Vroizem, bisher Kommandeur der 23. Division, ist zum kommandirenden General des XII. Armeekorps, an dessen Spitze bisher der jetzige König Friedrich August stand, ernannt worden. Der langjährige Handelslammerprasident Geheimer Kommerzienrath Hultsch ist gestorben. Der ehemalige Kupferstecher und Museumsoberaufseher a. D. Ernst Lanze ist im Alter von ziemlich 86 Jahren hier verschieden. Er war eins der ältesten und treuesten Mitglieder des hiesigen Männerges angvereins LiederkreisHarmonie". Im Jahre 1844 hat er diesen Verein mit gegründet. Aü erb ach. Tödtlich verunglückt ist der beim hiesigen Seminar - Neubau beschäftigte Handarbeiter Schädlich, verheirathet und Familienvater. Er trat auf dem Gerüst im zweiten Stock fehl und verletzte sich bei dem Sturz so schwer, daß er kurz nach dem Unfälle verschied. E h e m n i tz. Bedeutenden Schaden hat der hier kürzlich herrschende orkanartige Sturm angerichtet und auch Menschenleben gefordert. Am Schloßteich an der Matthesstraße wurde der 67 Jahre alte Privatier Kaufmann vom Sturm an einer abschüssigen Stelle in den Teich geschleudert und ertrank. In der Voigtstraße wurde ein größerer Schulknabe von einem vom Wind herabgcworfenen Eisentheil so schwer am Hinterkopfe getroffen, daß er neben anderen Verletzungen ein..: Schädelbruch erlitt. ' G r i m m a. Auf dem oberenBahnHofe gerieihen der Maurer Reiche und der Dachdecker Albert in Streit, bei welchem dem Erstgenannken von dem Dachdecker Albert ein Stück des linken Ohres abgebissen wurde. Reiche fand Aufnahme im Stadtkrankenhaufe und ist an der erhaltenen Verletzung gestorben. Der Dachdecker Albert, welcher Reiche ein Ohr abgebissen hat. nt m Hast genommen worden. Hartmannsdorf. Feuer zerstörte die Scheune, das Seitengebäude und einen Theil des Wohnhauses vom Günther'schen Gute. Leipzig. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der Stiftstraße der Gohliser Vorstadt. Die Frau des Arbeiters Kunert legte ihr 14 Tage altes Töchterchen auf einen Tisch, um die Wäsche der Kleinen zu wechseln. Der Tisch, auf welchem eine brennende Petroleumlampe stand, gerieth in's Schwanken, die Lampe explodirte und das brennende Petroleum ergoß sich auf das Bettchen .des Kindes. Vor Schreck wurde die Frau ohnmächtig, und als Nachbarn herbeieilten, um den entstandenen Brand zu dämpfen, fanden sie die Kleine bereits leblos vor. Frau Kunert hat nur ganz leichte Hautwunden davongetragen. M e e r a n e. Fabrikant Bruno Schmieder, Inhaber der Firma W. u. H. Schml.der, die zu ven angefehensten Firmen der sächsischen Textilindustrie gehört, ist hier aestorben. Rossen. In dem alten Fabrik-
gebäude der Lederfabrik von Jutzger brach Feuer aus, wodurch ein Theil des Gebäudes zerstört und etwa 1500 fertige Häute vernichtet wurden. Andere Stöße von Häuten sind angekohlt und zum Theil auch werthlos geworden. Sachsendorf. Das Anwesen des Gutsbesiners Franz Vabriscb wurde eingeäschert. Wohnhaus und Scheune brannten total nieder, wäh:end das Seitengebäude nur theilweise vom Feuer zerstört wurde. t&ctfetxarxnfiabt. Darmstadt. Der Großherzog hat dem Schauspieler Ludwig Wagner aus Anlaß seines 25jährigen Dienstjubiläums das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmllthigen verliehen. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierten Hofbuchdruckereibesitzer Rudolf Wittich senior und dessen Gemahlin, geb. Grandhomme. Büdesheim. Das Fest der silbernen Hochzeit feierten die Eheleute Lorenz Schiefersiein von hier. Gießen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen dem Mitgliede, der freiw. Gail'fchen Feuerwehr Philipp Lang.
Groß-Gerau. Im hiesigen Bahnhof verunglückte der 40 Jahre alte Hllssbremser B:gom aus Gernsheim. Er wollte den Hemmschuh unter eine rollende Wagenabtheilung schieöen, wurde aber dabei umgestoßen, wobei ihm beide Beine abgefahren wurden. Groß-Winternheim. Letztens wollte der Landwirth Johann Schweickart seine Dienstmagd wecken, erhielt aber auf mehrfaches Klopfen und Rufen keine Antwort. Als man nachsah, fand man das Mädchen mit etwas Blut vor dem Munde todt in seinem Veite liegen. Ein Arzt wurde sofort gerufen, welcher aber mit Sicherheit die Todesursache nicht feststellen konnte. Deshalb fan.d die gerichtliche Leichenschau und Untersuchung statt. Mainz. Das 3V2 Jahre alte Kind des Bäckermeisters Beisiegel spielte im Bett mit Streichhölzern. Dabei fing das Nachtkleidchen des Kindes Feuer. Das Kind erlitt so schwere Brandwunden, daß es bald verstarb. O f f e n b a ch. Vor Kurzem wüthete in der Gemeinde Bieter ein größeres Schadenfeuer, das offenbar böswilliger Brandstiftung seine Entstehung verdankte. Mehrer? an GrubenVerwalter Schneider daselbst gerichtete Drohbriefe kündiglen weitere Brandfälle an. Als die Briefschreiberin wurde die Barbara Geßner, geb. Kesselrinq, zu BZeber ermittelt. Unter der Wucht des Beweismaterials mußte Frau Geßner das Geständniß ablegen, sowohl den Brand gelegt, als auch die Drobbriefe abschrieben zu haben. Selbstverständlich wurde sie alsbald in Haft genommen. g3cncro. München. Im Alter von beinahe hundert Jahren entschlief hier Prof. Weishaupt, der s. Z. an der Solothurner Kantonsschule (Schweiz) erfolgreich gewirkt hat. Im hohen Alter von 87 Jahren ist Gustav Falter, Begründer und Theilhaber des weit über Münchens Grenze hinaus bekannten optisch - mechanischen Geschäftes G. Falter & Sohn, hier, gestorben. In einem Hausgange an der Zieblandstraße wurde der 27jährige Student Ferdinand Dürr aus Mindelheim tödtlich vom Schlage getroffen. Ansbach. Blutvergiftung infolge Nichtbeachtung einer geringfügigen Verletzung führte den Tod des in weiten Kreisen bekannten hiesigen Spediteurs -S. Engerer herbei. Bamberg. Das BahnwärterHäuschen an der Nürnberger Straße brannte nieder. Der krank im Bette liegende Bahnwärter Wagner und sein sechzehnjähriger Sohn kamen in den Flammen um. .Zwei andere Kinder und seine Ehefrau erlitten so erhebliche Verletzungen, daß sie später verstarben. Der der Brandstiftung an dem Bahnwärterhäuschen verdächtige 15jährige Fabrikarbeiter Wolfgang Nikol wurde verhaftet. E h a m. Wegen Mordversuchs am eigenen Vater wurde der ledigeDienstknecht Joseph Kagermaier von Scherlau durch die hiesige Gendarmerie verhaftet. F e l d a ; i n g. Der Hausbesitzer Aloys Schmid hyt sich im Friedhof durch einen Revolverschuß entleibt. Das Motiv zu dieser That soll darin zu suchen sein, daß sich Schmid" wegen eines Fußleidens das Bein amputiren lassen sollte. O b e r k o tz a u. Majoratsherr und Fideikommisinhaber der Kotzau'schen Besitzungen, Patronaisherr von Oberkotzau, Kautkndorf und Gattendorf, ist im 82. Lebensjahre verschiedem Seebruck. Gütler Paulschneider von Stöttham fuhr über den steilen Truchtlachingerberg, verlor die Herrschaft über sein Rad und Mrzte so unglücklich' daß er nach kurzer Zeit verschied. Würzburg. Im hiesigen Bahnhose wurde der verhenathete Stationsdiener Jgnaz Scherpf von der Maschine eines badischen Zuaes erfaßt uno verart zu Boven geworfen, da? ihm die Wirbelsäule gebrochen wurde und der Tod sofort emtrat.
Die (SoldauSsuyr. Obschon die Ausbeute der Gold, vergwerke in den letzten Jahren eine ganz gewaltige war und alle Erwartungen weit übertraf, dauert doch de: Kampf um das gelbe Metall in vielen Ländern der Erde fort. Die Bebölkerung vermehrt sich und Ackerbau. Gewerbe und Handel stellen an den Geldmarkt immer höhere Anforderun gen. Und da fast alle großen Rationen das Gold zu dem einzigen Wähcungsmetall gemacht haben, wird das selbe mehr und mehr verlangt. Der gesammte Goldvorrath der Erde wird verschieden geschäht. Wahr scheinlich beträgt er etwa $4,500,000.-' 100. Er würde viel größer sein, Irena nicht ein ansehnlich:? Theil des gelten Metalles zu Jndustriezwecken verwen det würde. Niemand kann sagen, wie viele Goldmünzen alljährlich eingeschmolzen werden, um Schmucksachen herzustellen. Deshalb läßt sich auch der Werth alle? in Umlauf befindlichen Goldmünzen nie ganz genau feststellen. DurchBerechnunzen unseres FinanzMinisters waren im Jahre 1893 in den Vereinigten Staaten Goldmünzen im Betrage von 700,000.000 im Schatzamt, in den Banken und in .Umlauf. Heut wird dieser Vetraa auf
N.360.000.000 veranschlagt, obschon in diesem Jahre ein starker Golrabfluß nach Europa und Mittelamerika stattgefunden hat. Und auch nach Ostasien wegen der japanischen Anleihen. Wir haben an die Panama - Gesellschaft in Paris allein 40.000.000 und an die junge Republik auf der Landenge von Panama Z10,000.000 bezahlt, beziehungsweise diele Summe verfügbar gemacht. Das ist aber nur ein Theil .des Goldabflusses, welchen wir im Jahre 1904 zu verzeichnen hatten. Im Ganzen verloren wir in dem am 31. Dezember zu Ende qegangenen Jahre rund Z120.000.000 an Gold. Davon gingen am 9. Mai allein Z9.000.000 nach Europa und im selben Monat im Ganzen Z43.000.000. Wäre dieser Abfluß im Jahre 1898 eingetreten, als unser gesammter Vorrath nur Z700.000.000 betrug, so hätte daraus eine Krisis entstehen können. Seit jenem Jahre hat sich aber der Goldbetrag in den Vereinigten Staaten nahezu verdoppelt und wir können deshalb den Verlust von Z120.000.000 verschmerzen: zumal wir dafür Gegenwerthe erhalten haben. Diese bestanden großentheils in Actien und Schuldscheinen, die In den Händen von Europäern waren und die hier für Gold verkauft wurden. Und wer eine Schuld bezahlt, verbessert seine Güter." Wir sparen jetzt alljährlich große Summen an Zinsen, welche bisher über den atlantischen Ozean wanderten. Von dem Ueberschuß, welcher sich außer der vorschriftsmäßiaen Goldreserve von Z150.000.000 im Bundes'chatzamt befindet und der an Z140.000.000 bet.räqt. sind immer noch Z80.000.000 Gold. Der Abfluß an gelbem Metall an die großen Banken Europas und an 5avan braucht uns deshalb nicht mit Beloraniß zu erfüllen, obsckon wir die Geldanlage in japanischen Bonds für keine gute halten. Die Japaner in Korea. Es giebt weder einzelne Menschen noch ganze Völker, welche alle Tugenden gepachtet haben, oder mit allen Fehlern behaftet sind. Vorzüge und Fehler sind vertheilt wie Licht und Schatten' in einer Landschaft. Die Japaner haben sich in dem jetzigen Kriege als vaterlandsliebend und tapfer: 'aber auch als falsch und gewissenlos erwiesen. Sie versprechen uns und den Europäern int Falle ihres Sieges jetzt du' Politik der offenen Thür" in Ostasten; aber in China predigen sie den Grundsatz: ..Asien für die Asiaten". Recht trübe Erfahrungen mit den Japanern haben die Koreaner gemacht denen der Mikado ein unfreiwilliges Aündniß aufdrängte und dann d! koreanischen Soldaten in das japanische Heer preßte. Die Koreaner sah.'n der japanischen Invasion von vornherein mit Mißtrauen entgegen: denn vor zehn Jahren veranlaßte der Gesandte Japans die Ermordung der Kaiserin von Korea, weil diese nicht ein politischzs Werkzeug des ostasiatischen Jnselreiches werden wollte. Den noch wurden die Japaner v.'rhältnißmäßig wohlwollend aufgenommen, als sie vor zehn Monaten in Korea landeten. Zwischen Russen und Japanern begünstigten die Koreaner letztere. 'Das ist verläßlichen Berichten ufolge jetzt anders geworden. D Japaner behandelten die Koreaner mit offenkundiaer Mißachtung, wirthschafteten gewaltthätiq und erbitterten letztere. Sollten die Russen von Wla diwostok aus wie es den Anschein hat einen Angriff auf tte Halbinsel machen, werden sie wahrscheinlich bei den Koreanern Unte stützung finden. Und das würden sich dieJapalier selbst zuschreiben müssen. Die eidgenössische Bundesversammlung wählte zum Bundesgerichtspräsidenten: Monnier (Neuen bürg); zu Bundesrichtern: Dr. Schurter (Zürich), Dr.Afsoltcr (Solothurn). Picot (Genf), und Dr. Schmid (llri). Oberrichter Lang (Zürich. Sozialvemo: krat). welchen die radikal-demokratische Gruppe vorgeschlagen hatte, fiel durch; von 193 Stimmen erlangte er nur , 70
Der Fall von Port Arthur. Nach einer Belageruna von 327 Ta-
gen had General Stoessel auf den einmüthigen Wunsch seiner UnterbefehlsHaber hin Port Arthur den Japanern übergeben; nachdem er zuvor all; russischen Kriegsschiffe und Vorrathsr,user m die Luft gesprengt, oder m Brand gesteckt, auch die Hafeneinfahrt durch versenkte Schiffe gesperrt hatte. Tokioer Zeitungen machen dem tapferen Vertheidiger der Festung einen Vormurf daraus, daß er diese Zerstörungs-Maßregeln theilweise erst dann ausgeführt hätte, nachdem er seine Bereitwilligkeit zur Uebergab? der Festung ausgesprochen. Dieser Vorwurf erscheint unberechtigt. So lange der Vertrag, welcher die Bedrn gungen der Ueberaabe feststellte. Nicht unterzeichnet war, blieb Stoessel Herr in Port Arthur und es war seme Pflicht, alles Kriegsmaterial zu zerstören, anstatt dieses m die Hände des Feindes auszuliefern. Die Japaner überfielen Port Ar thur, ehe der Krieg erklärt war und sie haben daher wahrlich kein Recht, HerrnStoessel wegen der Erfüllung seiner Pflicht als Befeblshaber in der belagerten Festung der Treulosigkeit zu beschuldigen. Es scheint, daß die Lage der Besatzung viel übler war, als man außerhalb Port Arthur's annahm. Ter Schlußbedarf ging zu Ende und die Zahl der dienstfähigen Mannschaften war so zusammen geschmolzen, daß eine Ablösung derselben unmöglich wurde. Die Leute hatten in Folg: dessen fünf -Tage hinter einander im Feuer gestanden und waren schließlich bis zum Tode erschöpft.- Sie konnten nicht mehr weiter kämpfen und wären am Ende von den kampfesfrischeren Japanern einfach abgeschlachtet worden. Stoessel hat deshalb, wie alle russischen Befehlshaber deutscher Abkunft, seine volle Schuldigkeit gethan. Das Heer und die Flotte des Zaren hatte und hat keine tüchtigeren Befehlshaber, als Keller, Stackelberg. Kaulbars, Stoessel, Beckmann, Rennenkampf, Gripenberg und Voelkersam. Das Aushalten bis zum letzten Mann, zu welchem General Stoessel entschlossen war, hätte ja sehr heroisch ausgesehen; aber das Hinschlachtenlassen von 9000 bis 10.000 Mann ermatteter Truppen wäre ein Bravourstück" gewesen, zu dessen Ausführung der Kommandant auch nicht vom militärischen Standpunkte aus verpflichtet war. Er handelte deshalb vernünftig. als er nach Erschöpfung aller seiner Kräfte den Vorstellungen seiner Unterbefehlshaber Gehör schenkte und die so ruhm.eich vertheidigte Festung dem Feinde übergab. Die Japaner hatten schon am 12. Februar verkündet, daß in längstens 14 Tagen Port Arthur in ihrem Besitzsem würde und sie haben den Fall der Festung von Zeit zu Zeit immer wieder als nahe bevoresthendvorausgesagt. Aber Stoessel hielt in meisterlicher Weise das russische Gibraltar" und Rußland hätte eigentlich in der langen Frist von fast zehn Monaten Zeit genug gehabt, die bedrängte' Stadt zu entsetzen. Daß es nicht geschah, dafür kann man den russischen OberbefehlsHaber nicht verantwortlich machen. Als Kuropatkin Kriegsminister war. hat er wiederholt auf rechtzeitige Verstärkung der Streitkräfte des Zaren in der Mandschurei gedrungen: aber vergeblich. Der Vizekönig Aleziew glaubte eben so wenig wie die leitenden Geister in St. Petersburg, daß die Japaner es wagen würden, Rußland anzugreifen. Jene hatten sich aber auf den Krieg seit Jahr und Tag sorgfältig vorbereitet und als dann ihr Anqriff erfolgte, fehlte es den Russen in Ostasien fast an Allem, dessen man zu einem großen Kampfe bedarf; sogar an der nöthigen Vorsicht. Die russische Flotte in Port Arthur wurde ohne Kriegserklärung Lberrumpelt und sch.oer geschädigt. Zur Beförderung v-n Truppen. Kriegsmaterial und Lebensmitteln hatte man nur die eingleisig sibirische Aahn und wären die Jap ner so schnell und schneidig vorgerückt, wie die Deutschen 1870. dann gäbe e?.. heute keine russische Armee in der Mandschurei. Natürlich tauchen jetzt wieder Nachrichten von einem nahe bevorstehenden Friedensschlr.tz auf und den-apanern Würde nach der für sie glorreichen Einnähme von Port Arthur das Aufhören der Feindseligkeiten sicher sehr gelegen kommen. Aber wir glauben, wie wir an dieser Stelle schon wiederholt eri'lärt haben, nicht daran, daß Rußland Frieden schli ßen wird, ehe es als Sieger aus diesem blutigen Kriege hervor gegangen ist. Schon die Rücksicht auf ferne Großmachtstellung macht eine solche PolZi.k nothwendig. Es hat jetzt feinen schwerfälligen Mobilmachungsplan in Bewegung gesetzt, .es baut energisch an der Herstellung eines zweiten Geleises für die sibirische Bahn und es darf darauf rechnen, daß seine größere militärische und finanzielle Ueberlegenheit alsbaso zur Geltung kommen wird. Deshalb alten wir die Fortdauer des Kriegs für wahrscheinlich. Die Stadtverordneten Darmstadts beschlossen die Bildung einer Grunderwerbskasse nach den Vorbildern in Frankfurt, Düsseldorf und Gießen. Das Stammvermoaen soll aus Verwiesenen städtischen Grundstücken im Ankaufswerth von 1,008,000 Mark und einer Baarsumme von 142.000 Mark bestehen.
Sibirischer Pclzlianttcl'.
Tic Schwikriglcitcn dcS Handels mit Rauchwaaren in Rußland. Jrbit, der Mittelpunkt des yelhandcls. Ta) kostbare JsbelfeU ZtUcne Fuchsarten Ter amtschatka-Biber Zobel Jnillationen. Den ersten kaufmännisch betriebenen Pelzhandel besaß Kanada, wo bereits 1628 eine französisch-kanadische Pelzkompagrne in's Leben trat. In Rußland dagegen wurde ein organisirter Pelzhandel erst 1643 eingefuhrt. Zwar kannte man lange vor der Entdeckung Amerikas bereits den großen Pelzreichthum Sibiriens, aber nur wenige der kostbaren Felle gelangten im Tauschhandel über den Ural in das moskowitische Reich. Wilde kriegerische Nomadenvölker hinderten jedes friedliche Vordringen der russischen Kaufleute. Im Februar des genannten Jahres 1643 konnte in Jrbit, Sibirien, die erste Messe abgehalten werden, deren Bedeutung, namentlich für den Pelzhandel, von Jahr zu Jahr stieg. Der Handel mit Zobelfellen ist eins der schwierigsten Kapitel in der RauchWaarenkunde. Selbst Fachleute fallen oft genug herein, und es gehören viele Jahre ununterbrochenen Studiums dazu, um die Waare mit Sicherheit taxiren zu können und gegen alle gaunerischen Kniffe, deren es unzählige gibt, gefeit zu sein. Man färbt (schmiert) die Felle, räuchert sie, um sie dunkler zu machen, denn die du....'lsten Zobel sind die werthvollsten, oder man entnimmt einer Anzahl schadhafter Felle die dunkelsten Theile und näht aus diesen neue dunkle Felle zusammen, deren Nähte inwendig mit einer dünnen, feinen Haut überklebt werden, so daß man den Betrug auch nicht sofort merkt, wenn man das Fell umkehrt. Die amerikanischen Zobel können sich an Feinheit. Farbe, Weichheit und Schönheit des Haars nicht mit den sibirischen messen; sie sind auch minderwerthig und stehen im Preise viel tiefer. Der sibirische Zobel gehört allerdings auch zur Familie der Marder. Aber er ist ein Uebermarder," an den das Geschlecht der profanen Marder nicht heranreicht. Er unterscheidet sich auch auf den ersten Blick wesentlich von den übrigen Mardern. Er hat einen viel kürzeren Schweif" und im Vergleich zu dem Edelmarder zeigt seine Kehle viel weniger Gelb. Die Dichte, die Feinheit des Haares, der unvergleichliche, seidige Glanz des Pelzes, dessen Farbe in allen Nuancen von Braun bis fast Schwarz und bis völlig Silberig vorkommt, machen das Zobelfell zum begehrtesten Pelzwerk der ganzen Welt. Die Heimath des sibirischen Zobels erstreckt sich vom Ural bis zum östlichen Eismeer und südlich herab bis etwa zum 58. Grad nördlicher Breite. Die theuersten Sorten kommen aus dem Lena- und nördlichen Amurgebiet. Der Preis des Zobels richtet sich nach der Farbe; dunkle Pelze kosten per Stück Z5 bis Z6; ganz dunkle Z20 bis Z100; es sind aber auch schon Z250 für einzelne Prachtexemplare bezahlt worden. Den Zobelpelzen am. nächsten kommen im Preise die seltenen Fuchsarten, unter denen der Schwarzfuchs obenan steht. Er kommt aber so gut wie gar nicht mehr vor, das heißt als richtiger Schwarzfuchs, schwarz vom Kopf bis an die unterste weiße Schwanzspitze, sondern höchstens als. halb oder dreiviertel schwarzer Silberfuchs, welch letzterer in Jrbit ganz ansehnliche Preise erzielt, wo man für ein Exemplar Z152, oft auch Z520 bezahlt; geringe nicht reine Felle sind aber auch schon für 845.60 bis Z152 zu haben. 2 Marderpehe, die in Jrbit gleichfalls auf den Markt kommen, sind auch sehr begehrt, besonders der Kolinsky der sehr billig ist (Preis etwas über einen Rubel (1 Rubel gleich 76 Cents) und sich vortrefflich zu Zobelimitationen eignet. Eines der schönsten Pelzthiere ist der Kamtschatkabiber, der mit Tausenden bezahlt wird. Er.ist nämlich so selten geworden, daß die russische Regierung Schonzeit für ihn angeordnet hat. Sehr lebhaft war in den legten Iahren in Jrbit der Handel mit Hermelinfellen, die, in Päckchen zu zehn Stück verschnürt, .mit umgewendeten Fellen verkauft werden. Der Käufer fühlt nur-mit den Fingern nach, ob die kleinen umgedrehten Felle genügenden Inhalt (Haare) haben. Die Farbe beurtheilt er nach den herausstehenden weißen Schwänzchen mit schwarze? Spitze. Haben sie einen Schimme? von Gelb, so sind sie minderwerthig oder unbrauchbar. Neuartiger Krankenwagen. Ein neuer Krankentransportwagen wurde dieser Tage in Wien erprobt. Der neue Verwundeten- und Krankentransportwagen besteht im Wesentlichen aus vier einzelnen, einrädrigen, fahrbaren Tragbahren, auf welchen je zwei Verwundete vom Gefechtsfel'oe durch zwei Mann auf den Hilfsplatz gefahren werden. Diese vier Tragbahren werden, ohne die auf ihnen liegenden acht Verwundeten zu berühren, zu einem Transportwagen, dem Multiplex." zusammengebaut, welcher sodann mit einem Paar Pferden zum Feldspital weiterbefördert werden kann. Alle dem Ernstfalle angepaßten Manipulationen mit dem neuen Transportwagen wurden exakt ausgeführt, und es erwies sich die große Leistungsfähigkeit der neuen Erfindung.
