Indiana Tribüne, Volume 28, Number 121, Indianapolis, Marion County, 13 January 1905 — Page 3
Jndlana Tribüne, IS. Januar 1905
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Uncntschlosftnheit Des Zarcn bezüglich der Maßregeln zur Beruhigung seiner Unterthanen. Japanische Verstärkungen bei Mulden Regeln der internationalen Kommissson zu Paris. Cuxhaven soll von der Hamburg'Amcrika Linie aufgegeben werden. Die russische Anleihe in Berlin überzeichnet.
Nukland. Verworrene Zustünde'. St. Petersburg, 12. Jan. Dem Anscheine nach neigt die Regie rung zur Ansicht, daß das Ansehen im Auslande und die Lage im Innern die Fortsetzung deS Krieges verlangen bis ein ehrenvoller Friede geschlossen wer. den kann. Darüber hinaus aber herrscht eine unbeschreibliche Verwirrung der Ansichten besonders über die augenblicklichen Erfordernisse im Innern. Der Zar will Witte als Berather haben und dessen Antagoniften Swiatopolk MirSky nicht gehen lassen. Letzterer beharrt bei der Ansicht, daß das Ver trauen deS Volkes in die Durchführung des Reform'ManifefteS von höchster Wichtigkeit ist. daß aber diese Durch, führung unmöglich ist, wenn sie den Bureaukraten überlassen wird. ES steht fest, daß der 3. Paragraph deS Manifestes, wie eS von Swiatopolk. MirZky entwürfen wurde, trotz feines Proteste? gestrichen' wurde. Dieser Paragraph bestimmte eine Vertretung der ZemstvoS im Reichsrathe. Der Rücktritt Swiatopolk'MirLky'S wird nur als eine Frage der Zeit betrachtet, wenn auch die starke Verein! gung von Macht in Händen Witte'S dem Zaren nicht angenehm ist. Daß Witte der richtige Mann am Steuer des russischen StaatSschiffeS wäre, wenn ein Sturm losbrechen sollte, bezweifelt Niemand. Die Ve hörden halten Krawalle in den Bevöl kerungszentren für möglich und daß die .Proganda der That" mit ihren Vom. ben wieder auftritt, wird sogar für wahrscheinlich gehalten Die große Masse der Bevölkerung, besonder? aber auf dem Lande, ist verhältnißmäßig theilnahmloZ. Sie empsindet schmerz, lich die Lasten deS Krieges und den Verlust von Angehörigen, darüber hinaus geht ihr Interesse nicht. Stösse! soll berichten. St. Petersburg, 12. Jan. Das Kriegsminifterium erklärt. Gen. Stössel sei mit seinen Leuten nicht in Kriegsgefangenschaft nach Port Arthur gegangen, weil er dem Zaren einen ausführlichen Bericht über die Berthe!digung Port Arthur'S zu erstatten habe. Contre.Admiral DochinSky wird einen Bericht über die Flotte bringen. 4 sudmarine Boote. L i b a u. 12. Jan. Hier sind 4 submarine Boote auS den Ver. Staa. ten angekommen. Sie werden mit der Bahn nach Wladivostock geschickt wer den. Keine Versöhnung. HelsingforS. Finland. 12. Jan. Die Municipalbehörden haben e- abgelehnt, die Aushebung von Rekruten zu übernehmen und der Gouver neur hat an ihrer Stelle russische Be amte ernannt. Japan. Kriegsmaterial erbeutet. Tokio, 12. Januar. Gen. Rogi berichtet, daß die Auslieferung von Kriegsmaterial zu Port Arthur beendet ist. ES setzt sich wie folgt zusammen: 50 permanente Forts, 546 Kanonen, davon 54 schweren, 149 mittleren und 343 kleinen Kalibers, Kanonenkugeln 82.670, Munition 30.000 Kilo, Ge wehre 35,252, Pferde 1,720, Schlacht. schiffe 4. außer der SebaZtopol. die vollständig gesunken ist, Kreuzer 2, Kanonenboote und Kanonenvootzer störer 14. Dampfer 10 u. f. w. außer kleinen Dampfern, von denen 35 nach keinen Reparaturen benutzbar sind. DerErfolg zuPortAr. t h u r. T o k i o, 12. Jan. Nach den neue, ren Nachrichten erweist sich der Erfolg der Japaner zu Port Arthur als bedeu - tender, wie man anfänglich glaubte. Die Stärke der Besatzung wird auf ursprünglich 50,000 Mann geschätzt. Außer den bereits gemeldeten Gefange nen werden noch etwa 13,000 Verwundete nach Japan gebracht werden. Gen. Nogi wird vorläusig nicht nach Tokio kommen. Japanische Verstärkungen. Berlin, 12. Jan. Die Neuesten Nachrichten veröffentlichen eine Depesche
von Mukden, daß nach russischen Nach richten die dortige japanische Armee durch 363 Belagerungsgeschütze von Port Arthur und 32.000 Mann ver. stärkt wurde. Die japanische Armee ist jetzt 333.. 000 Mann stark und hgt 1254 Ge schütze. Frankreich. Internationale Kom. Mission. Paris. 12. Jan. Die Jnter. nationale Kommission zurUntersuchung deS NordseeZwischenfalleS hat Franzö sisch für die offizielle Sprache erklärt. Die Zeugenverhöre sind öffentlich, die Berathungen geheim. Zuerst werden die englischen Forderungen und dann die russiche Antwort gehört werden. Dann haben die respektive Anwälte das Wort. Die Schlußsitzung und Verkündigung des Urtheils werden öffentlich sein. Deutschland. Cuxhaven aufgegeben. F r a n k f u r t a. M., 12. Jan. Eine Depesche von Hamburg an die Frankfurter Zeitung" bringt die über, raschende Nachricht, die Hamburg. Amerika-Linie sei zu der Ansicht ge. langt, Cuxhaven, wo sie seit 1891 für Hafenanlagen $1, 875,000 ausgegeben hat, sei als Terminus nicht geeignet. Die Dampfer der Gesellschaft werden künftig bei Hamburg anlegen. Werft von Wilhelms h a v e n. Berlin, 12. Jan. Der Han. noverfche Courier" berichtet, daß vom ReichS'Marineamt eine bedeutende Er Weiterung der Werft von Wilhelms haven angeordnet worden sei, um Re-
paraturen von Kriegsschiffen mit be sonderer Schnelligkeit ausführen zu können. Seit Weihnachten feien zu diesem Zweck Tag und Nacht Doppel schichten eingeführt worden. In Anbe tracht der augenblicklichen politischen Lage sei der Befehl ergangen, daß jedes Kriegsschiff jede Stunde zur AuS. fahrt bereit sein müffe. D r. P a a s ch e. Der Hamburgische Korrespondent" und andere Blätter verlangen heute den Rücktritt deS nationalliberalen Abgeordneten Dr. Paasche vom Posten deS zweiten VizePrüsidenten des Reichs. tags, weil er jüngst in einer Rede zu Kreuznach behauptete, die Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien seien in den letzten Wochen so gespannt gewesen, daß beinahe ein Krieg auSgebrochen wäre. Russsische Anleihe über. zeichnet. Berlin, 12 Jan. Die Zeich, nungen der russischen Anleihe waren so groß, daß die Liste sofort geschloffen wurde, nachdem sie heute aufgelegt war. Professoren Austausch. Berlin, 12. Jan. - Die Dis. kussion über den Vorschlag des Kai. serS, welchen er dem Botschafter Tower beim NeujahrSempfang machte, dahin gehend, daß Professoren amerikanischer und deutscher Universitäten VorlesungS. kurse austauschen sollten, dauert in der deutschen Presse noch immer sort. Die Blätterftimmen sind zumeist skeptisch gehalten. Die Frankfurter Zeitung" veröffentlicht eine Zuschrist aus Gelehr tenkreisen, in welcher eS heißt, die deutsche Jugend empsinde kein Bedürf. niß, von amerikanischen Dozenten Be lehrung zu empfangen. Ferner wird auf die überaus schlechte Bezahlung der deutschen Professoren hinzewiesen, waS sich als äußerst beschämender Faktor geltend machen müßte, wenn amerika nische Kollegen zu dem gedachten Zweck herüberkämen. Verkehrsverbesserung. Berlin, 12. Jan. . Die Stadt hat ihren langwirrigen Prozeß gegen die Straßenbahngesellschast gewonnen, die gestützt auf ihre Konzession, der Stadt das Recht beftritt den Bau un terirdifcher Bahnen in Straßen zu ge statten, wo Bahnen auf der Oberfläche sind. Eine Privatgesellschaft will theil weise mit städtischer t Hilfe eine neue Linie bauen, welche der Verkehröstau ung im Innern der Stadt abhelfen soll.
Forderungen der Koh
l e n g r ä b e r. Essen, 12 Jan. Die Vertreter der Kohlengräber.Unions haben hier in einer Versammlung folgende Förderungen aufgestellt. Für 1905 ein neunstündiger ArbeitZ. tag, einschließlich der Zeit zur Ein. und Aussaht in den Gruben, für 1906 ein Arbeitstag von 8 Stunden. Schaffung von KomiteS der Grubenarbeiter zur Vertretung ihrer Interessen. Verkauf der Kohlen an die Bergleute zu den Produktionskosten. Diese Forderungen werden morgen dem Verband der Grubenbesitzer zu Dortmund vorgelegt werden, mit dem Ersuchen, nm eine Antwort bis Mittag, den 16. Januar, andernfalls am 17. Januar ein ollgemeiner Ausstand er. folgen soll. Propaganda Dowie'S. Berlin, 12. Jan. Die Agenten Elijah Dowie von Zion City, erneuern ihre Propaganda in Deutschland. Sie sind in Berlin. Dresden. Lübeck, Stet, tin u. s. w. thätig. Ihr Hauptzweck ist Auswanderer nach Zion City zu locken. Deutsch - österreichischer Handelsvertrag. Berlin, 12. Jan. Graf von Balleftrem, der Präsident des Reichs, tags, machte dem Senioren-Konvent die Mittheilung, der Reichskanzler Graf von Bülow hoffe, daß der Han delsvertrag zwischen Deutschland und Oesterreich noch vor dem Ende dieser Woche vereinbart sein werde, worauf alle neuen Handelsverträge dem Reichs tag zu gleicher Zeit zugehen würden. Damit hat sich die Hoffnung erfüllt, daß der Ankunft der diplomatischen Unterhändler aus Wien und Budapest in Berlin ein baldiger Abschluß der VertragS'Verhandlungen folgen würde. AuS dem Kohlenreviere. Berlin, 12. Jan. Dfc Regie rungSbahnen bringen, in Vorbereitung auf einen längeren Streik, Kohlen die für Privatparteien bestimmt find in ihre eigenen Lager. Die Polizei mußte letzten Abend bei der FelicitaS-Mine zu Bochum zwischen Union und Nicht'Unionleuten ein schreiten. Verschiedene Personen wurden verwundet, 5 verhaftet. Oesterreich'Ungarn. Koerber'S Integrität angezweifelt. Wien. 12. Jan. Die Zeit" be hauptet, der ehemalige Ministerpräfi. dent Dr. Koerber, welcher am 31. De zember durch den Freiherr Gautfch von Frankenthurn ersetzt wurde, habe in großem Umfange Würden und Titelschacher betrieben. Er habe den Erlös zur Bestechung der Presse ver. wendet und Ernennungen zum Herrenhause deS NeichSrathS vielfach für eine halbe Million Kronen an Großindu strielle verkauft. Sowohl der Brauer Mautner wie der Kohlengrubenbesitzer Gutmann hätten ihre Sitze sich gekauft. Die Nachricht wird allgemein für im. glaublich erklärt, weil Dr. v. Koerber den Ruf größter Integrität genießt. Ekuador. Präsidentenwahl. Guayaquil, 12. Jan. Die Wahlen, bei denen eS nicht ohne Kra walle abging, wurden gestern beendet. Lizardo Garcia wurde zum Präsi. denten von Ecuador gewählt und wird am 10. August sein Amt antreten. Transvaal. I r h a n n e S b e r g. 12. Jan. Der Transvaal Leader" veröffentlicht einen vorläufigen Auszug aus dem Be richt des KomiteS für Angelegenheiten der Eingeborenen. Derselbe zeigt, dvß daS Komite vollständig damit einver standen ist, eine gewiffe Besch.änkung deS Wahlrechtes der Farbigen eintreten zu lassen, das sich als eine ernste Ge. fahr erweisen wird. Der Bericht wird verschiedene Methoden zu diesem Zwecke empfehlen und erklären daS der gegen wältige chaotische Zustand nicht on dauern kann. Cuba. GelbeSFieber. Havana, 12. Jan. Zwei oder drei Frauen, die am 5. Jan. mit dem Dampfer Dora-von Colon hier an kamen, wurden nach dem Seuchenhause gebracht und find am gelben Fieber gestorben. Mehrere Mitglieder deS amerikani schen Verbandes für öffentliche Ge sundheitSpflege. der gegenwärtig feine Jahresversammlung hier abhält, wohn ten der Todtenschau bei und bestätigten die Diagnose.
lntrr Kannibalkn. Uusregcude Vrlednikse von Schiffbrüchige an der euguweaküfte. Der Kapitän Reid von dem Liverpooler Segelschiffe Aigburth," das vor etlichen Monaten unfern der Küste von Neu-Guinea unterging, ist neulich mit seinen übrig gebliebenen Gefährten in der Heimath angelangt. Ueber seine Erfahrungen mit den dortigen Menschenfressern erzählte er Folgendes: Ich verließ das sinkende Schiff mit sieben meiner Gefährten in einem kleinen Boote, und erreichte Long Island. Dort wurden wir von 50 Kannibalen angegriffen, die mit Pfeilen und Bogen bewaffnet waren. Sie befühlten uns, ob wir fett genug zum Essen wären. Ich hatt: jedoch eine Flinte, die ich von Zeit zu Zeit lud und entlud, um den Wilden zu zeigen, daß mit mir nicht zu
spaßen wäre. Vorsichtig zogen wir uns in das Schiffsboot zurück; ich war der letzte und ich erwartete dabei jeden Augenblick, einen Pfeil in den Rücken zu bekommen. Aber unsere Angreiser waren zu sehr erschreckt und begnügten sich mit der Beschlagnahme des halben Vorraths an Lebensmitteln lm Boote. Es waren große, wilde Geseilen, me noch schrecklicher aussahen, weil sie durch Nasenlöcher und Ohrläppchen gezogene Knochenstücke trugen. Ganz andere Erfahrungen machte je-; doch die Mannschaft eines anderen Bootes. Die Eingeborenen waren so freundlich und behandelten fie so gut. daß die Mannschaft in Versuchung kam, das Anerbieten der Eingeborenen anzunehmen und dort zu bleiben. Siebzehn Meilen von unserem LandungsPlatz aber waren vor Kurzem deutsche Missionäre ermordet worden. Wenn die Bekehrten die Missionsstationen verlassen und zu ihren Stammen zurückkehren, fallen sie gewöhnlich sehr schnell wieder in die alte Barbarei zurück. Fleischspeisen find sehr selten wegen der m Neuguinea herrschenden Fliegenpest, die ein Thierleben dort unmöglich macht. Selbst Vögel bleiben nicht dort. Die Eingeborenen halten deshalb ständig Umschau nach schiffbrüchigen Seeleuten, die getodtet und gegessen werden. Gewöhnlich werden die Schiffbruchigen bewogen, den Eingeborenen zu folgen, .indem ihnen gesagt wird: Der Missionär wünscht Euch zu sehen, kommt mit." Ein anderer Schiffbrüchiger von der Aigburth," der Matrose Ellis, theilte mit, daß er ebenfalls mit etlichen Kameraden in die Hände von Menschenfressern siel. Diese gaben ihren Gefangenen reichlich zu essen und mästeten sie systematisch, bis sie fett genug waren. Dann wurden fünf der Gefangenen ausgewählt und. das Schlachtfest angerichtet. Ein benachbarter Stamm iedoch, der den Fuhrer des Schiffes, Kapitän Reid, gefangen genommen hatte, griff aus unbekannten Gründen die Kannibalen an und befreite die Gefangenen. Ellis und seme Gefährten waren dadurch im letzten Augenblicke dem Tode entronnen. Sie lagen bereits qebunden auf dem Festplatze, in dessenMitte ein großes Feuer mit einem mächtigen Rost darüber schon entzündet worden war. - Ein Lehrer Grönlands. In Godthaab im dänischen Westgrönland wurde jüngst in feierlicher Weise ein Denkmal enthüllt, das dem Andenken eines Deutschen, S. Kleinschmidt, gewidmet ist, eines Mannes, der sich um die Erforschung der grönländischen Sprache außerordentlich große Verdienste erworben hat. Kleinschmidt wirkte anfänglich als Missionar der Herrnhuter in Grönland, trat dann in den Dienst der dänischen Regierung und wurde als Lehrer am Seminar in Godthaab angestellt, um junge Grönländer als Katecheten auszubilden. So wirkte er 40 Jahre in Grönland und hat die Ehre, Regeln für den Bau der schwierigen Sprache aufgestellt zu haben. Seine Schreibweise wurde gründlegend und ist in allen Lehranstalten Grönlands in Gebrauch. Außer mit Sprachstudien beschäftigte sich Kleinschmidt mit Kartenaufnahmen und Meteorologie. Kurz vor seinem Tode im Jahre 1888 erhielt er die goldene Verdienstmedaille. Kein Forschungsreisender, der Grönland berührte, hat unterlassen, Kleinschmidt einen Besuch abzustatten, sonst jedoch war er völlig zum Einsiedler geworden. Bei der Denkmalsenthüllung waren die Grönländer in Festtracht versammelt. - Wirthshaus-Aristokra-t i e. Der Rathskeller zu Gera, Thüringen, galt bisher ohne Widerspruch für die älteste Schankstätte Deutschlands und auch, als der. Keller" im Jahre 1887 sein 400jähriges Bestehen feierte, blieb diese Behauptung unwidersprochen. Jetzt wurde aber festaestellt, daß Der Löwe" in Adorf allein seit 1440 in dem Besitze einer Familie (Klarner) sei und der Schwarze Adler" in Nimritz (Sach-sen-Weimar) bereits im Jahre 1483 in Akten genannt wurde. Einen Pflanzerverein im Viömarck-Archipel haben die im Vismarck-Arckivel ansässigen Pflanzer zur Wahrung und Vertretung gemeinsamer Interessen gegründet. Dem Verein gehören sämmtliche im Bismarck-Archipel domizilirten Grundbesitze? mit Pflanzungsinteressen oder deren Bevollmächtigte als stimmfähige Mitglieder an. ' Es werden auch Pslanzungsbeamte in den Verein aufgencmmen, jedoch ohne Stimmberechtigung.
Preisgekrönte Dichter. Tic diesmaligen Empfänger des No: bclprciscs für Literatur.
Mistral alS Tialektdicht,r Tie Fklibres. Munlsicen; deS Poeten VchegaraYA Ve deutung als Dramatiker Interessante ansbahn deS Dichters. Die diesmalige Ertheilung des Nobelpreises für Literatur an den Iranzosen Frederic Mistral und den Spanier Jose Echegaray gibt uns Anlaß, die beiden in letzter Zeit des Oefteren genannten Dichter dem Leser in Wort und Bild vorzuführen: Frederic Mistral wurde 1830 in der Provence geboren und lebt zur Zeit als Maire (Bürgermeister) in dem Dorfe Maillane. Er dichtet in der Mundart seiner Heimath und hat aus seinem ureigenen Gebiete Wundervolles geschaffen. Wer sich in seine Werke vertieft, findet, in ihnen Werthe, die in ihrer Art sich den größten Schätzen der Weltliteratur vergleichen lassen. Die öffentliche Aufmerksamkeit erregte Mistral zuerst im Jahre 1859 durch sein Idyll" in zwölf Gesängen, das zwei Jahre später von der Akademie zu Paris preisgekrönt wurde. Gounods Oper machte das Werk in den weitesten Kreisen bekannt, und dasselbe wurde in fast alle Kultursprachen übertragen. Später folgte Mistrals Hauptdichtung, das romantische Epos Mireio," dessen vor einiger Zeit vollendete Uebersetzung in's Schwedische den S V " Sf 51 Frederic Mistral. ' äußeren Anlaß zur Auszeichnung des bescheidenen Poeten mit dem Nobelpreise gegeben haben mag. Mistral ist der Begründer des ethnographischen Museums in Arles. Neben seiner hervorragenden dichterischen Thätigkeit hat er sich als Haupt der Felibres bekannt gemacht, eines Bundes, der für Wiederbelebung der altprovencalischen Sprache und Herstellung einer südfranzösischen Literatur wirkt. Dieser Wirksamkeit ist es zuzuschreiben, daß es jetzt eine ganze Menge Zeitungen und Zeitschriften in provencalischer Sprache gibt. Die ihm zugefallene Hälfte des 140,853 Kronen (537.243) 'betragenden Nobelpreises für Literatur hat Mistral, der kinderlos ist, zur Restaurirung eines von der Stadt Arles dem ethnographischen Museum geschenkten Palastes bestimmt. Jose Echegaray ist gegenwärtig der volksthümlichste Dramatiker Spaniens. .Sein bedeutendstes Werk ist das auch in's Deutsche übersetzte Drama Galeotto." Echegaray, der heute bereits 71 Jahre zählt, ist mit allen Vorzügen seines Volkes begabt. Seine Phantaste trägt ihn mühelos durch blühende Gefilde lyrischer Stimmungskunst, und meisterhaft weiß er die Jrrg'änge seelischer Konflikte zu lösen. Echegaray bildete sich zum Ingenieur aus und wurde Professor für Physik und Mathematik an der Ingenieurschule zu Murcia. Vom Dichter war zu jener Zeit noch nichts zu spüren; er schrieb lediglich fachwissenschaftliche Ab. Handlungen. Und als Echegaray während der Revolution 1863 die Profesfür aufgab, that er dies nicht, um zu? Jose Echegaray. Feder, sondern um zum Schwerte zu greifen. . Echegaray wurde in die Cortes gewählt und war von 1873 bis 1874 Handels- und Unterrichtsminister. Erst nachdem wandte er sich der Dichtkunst zu. Er war schon 42 Jahre alt, als in Madrid sein erstes dramdtisches Werk über die Vühne ging.'
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Japanische Cöchlcrerzichnng. Ei kaiserliches Lyeeun, und die Lehrgegen, Näude deS Institutes. In vornehmen japanischen Kreisen gibt man die jungen Damen, auf ein Lyceum, dessen Unterhaltungsosten die Kaiserin aus ihrer Schatulle bestreitet. Wenn alljährlich die Preisvertheilung stattfindet, so erscheint sie persönlich und leitet den feierlichen Akt. Die junge Japanerin lernt auf dem Lyceum Geschichte, Geographie, Englisch und Französisch, Literatur und Kunst, das Hauptgewicht wird aber auf ganz andere Dinge gelegt. Da bleibt beispielsweise das Schreiben bis in die höchsten Klassen hinauf das wichtigste Fach. Denn wer unter den Frauen Japans nicht wirklich schön schreiben kann, gilt nicht als vornehm. Tes Ferneren lernen die Schülerinnen die Kunst, sich schön zu machen. Die Erziehung einer Japanerin, die in der Pflege ihres Körpers nicht bewandert ist, gilt als unvollkommen. 'Dann lernt sie die Kunst, . die Blumen zu hegen, lernt aus Chrysanthemen, Rosen, aus blühenden Zweigen der Obstbäume und anderen bunten Kindern der reichen Flora Japans kunstvolle Gewinde und Arrangements formen. Ihr Auge lernt die Farben richtig wählen und mischen, kurzum, es ist ein ganzes Stückchen Kunstempfinden, das, da der kleinen Japanerin anerzogen wird. Dazu erfährt sie die Geheimnisse des Theekochens, des Kuchenbackens, und alle Woche laden die jungen Mädchen während ihrer dreijährigen Schulzeit des Nachmittags ihre Freundinnen zum Thee ein. Oft ist er nicht gut gemacht, oder die Kuchen sind verbrannt; dann amüsiren sich und lachen die Kleinen von Japan; es gehört nicht viel dazu, so eine niedliche Japanerin zum Lachen zu bringen. Viele von den Mädchen lernen auch Klavierspielen, andere lernen Koto, das japanische Nationalinstrument. Neben diesem kaiserlichen Institut für die höheren Töchter" Mt eö auch französische und amerikanische klösterliche Anstalten, wo die jungen Mädchen einfach und im westländischen Sinne erzogen werden. Ueberall aber lernen sie guten Ton und höchste Sittenstrenge. Chinesischer Aberglaube. Die Finsterniß des chinesischen Aberglaubens ist immer noch sehr groß. Der verstorbene Li Hung-Tschang berichtete vor etwa zehn Jahren während einer bösen Heuschreckenplage offiziell nach Peking, die zahlreichen Krabben am Gestade des Gelben Meeres müßten sich in Heuschrecken verwandelt haben, weil die
große Zahl dieser verheerenden Thiere sonst einfach nicht zu erklären wäre! Hierzu .hat der in mancher Beziehung sehr aufgeklärte Generalgouverneur Tschang Tschih-tung in Wutschang jüngst ein Seitenstück geliefert. Die genannte Stadt wird von einem Berge durchzogen' der der Schlangenhügel heißt. Er ist dem Verkehr sehr im Wege, da nur an einer einzigen Stelle die Hauptstraße durch ihn hmdurchgeführt ist, während man sonst überall auf steilen Pfaden über ihn hinüberklettern muß. Als nun kürzlich Tschang Tschih-tung eine Reise nach Peking unternahm, ließ sein Stellvertreter TuanFang eine breite Straße quer über den Berg anlegen, die für Wagen benutzbar war. Als Tschang zurückkehrte, wurde er von einer lästigen Hautkrankheit befallen. Die herbeigerufenen chinesischen Aerzte schüttelten bedenklich die bezopften Häupter und erklärten, die in dem Berge wohnende Schlange sei sehr erzürnt über den durch die neue Straße verursachten Einschnitt in den Hügel, und das hätte die Hautkrankheit verursacht. Tschang Tschih-tung ließ darauf sofort den betreffenden Einschnitt, so gut es gehen wollte, durch allerhand Schutt verstopfen, um die Schlange zu besänftigen. Ob er seine Hautkrankheit daraufhin losgeworden ist, verschweigt die Geschichte. Ueber eine Schneiderst a d t in Polen berichtet der Globus": Ein merkwürdiges GewerbeCentrum im Gouvernement Pietrkow, Polen, bildet das etwa 13 Meilen von Lodz entfernte Städtchen Brzeziny (spr. Bresin), Unter den 7669 Einwohnern dieses Städtchens befinden sich nicht weniger als 4000 Schneider, meist Juden, die fertige Herrenkleier spott-' billig liefern. Man bekommt dort einen ziemlich guten Anzug zu einem Preise, der zwischen 3 und 14 Rubeln (1 Rubel gleich 76 Cents) schwankt. Eine Menge Kaufleute strömt alljährlich aus dem Innern Rußlands und aus dem fernen Osten nach Brzeziny zusammen, und jährlich liefern die dortigen Schneider im Durchschnitt für 3.000,000 Rubel Anzüge. Die Uniform btx japanischen Armee wird bei der Mobilmachung vereinfacht, die Jnfan-terie-Offiziere legen die sie vor den Gemeinen und Unteroffizieren auszeichnenden schwarzen Brustschnüre ab, die ganze Kavallerie verliert die rothen und die Artillerie die gelben Schnüre. Die Uniformen sind einfach. Es gibt z. B. nur eine Art von Kavallerie; ihre Mannschaften tragen rothe Hosen und schwarze Röcke. Die Infanterie und die Artillerie sind ganz schwarz. Im Sommer ist die ganze Armee in Khaki ' gekleidet, das nach den Erfahrungen d:s Krieges von 189493 an Stelle des weißen Zeuges eingeführt wurde.
