Indiana Tribüne, Volume 28, Number 120, Indianapolis, Marion County, 12 January 1905 — Page 6

Jttdiana Tribüne, l2. Januar 1903.

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Im Reich des Lachsherzogs. VZcMllin, der AZabob von 3an Juan Eiland. Jnselchen mit interessanter Geschichte. Einst durch Schieds. spruch des deutschen Kaisers den Ber. Staaten erhalten. Xie großartige Lachs-Industrie vom Pnget-Tund. JameS G. Blaine's 80pfündiger Ore gon-Lachs. Unter den mancherlei Geschäftsmoguln in unserem Lande ist derjenige, welchem man im Publikum den Titel Lachs - Herzog" oder Herzog von San Juan" beigelegt hat, keiner der letzten, und aus seinem Reich lassen sich viele interessante Dinge erzähle. Wenn man großartige Fischgeschichlen hören will, die zugleich den Vorzug haben, wahr zu sein.so wende nicm sich vertrauensvoll an James S. McMillin, so heißt nämlich dieser Herzog mit seinem gesetzlichen Namen. Vielleicht gibt es in unserem großen Land noch Manche, welche ihn weder seinem Namen, noch seinem Beinamen nach kennen. Aber dies ändert nichts an die Thatsache, daß er der Nabob einer der wichtigsten unserer Inseln in Puget - Sund ist, einer Insel, welche einmal beinahe die Ver. Staaten in einen Krieg mit Großbritannien verwickelt hätte, aber auch in sonstiger Beziehung von bemerkenswerther Bedeutung ist. Jener Streitfall, an dessen Erledigung das Deutsche Reich durch seinen alten Kaiser betheiligt wurde, möge nachstehend kurz skizzirt sein. Das Eiland San Juan, das bedeutendste der gleichnamigen Gruppe, liegt unmittelbar unter der Grenzlinie der Ver. Staaten und Britisch - Columbias. In den betreffenden alten Verträgen war bestimmt worden, daß die Grenzlinie am 49. Breitegard entlang nach dem Puget-Sunde und von da an der Schiffs-Fahrstraße durch diesen Sund nach den Ocean hinaus laufen sollte. Nun liegen die San Juan - Inseln zwar auf der südlichen Seite dieser Fahrstraße; aber die Vriten entschieden sich dafür, die FahrRoute etwas weiter südlich durchgehen zu lassen, womit diese Inseln ein Theil der britischen Besitzungen geworden wären. Die Amerikaner dagegen betrachteten die Inseln hartnäckig als Vesitzthum der Ver. Staaten. Längere Zeit indeß nahm dieser Streitfall keine acute Gestalt an, bis schließlich ein, an sich sehr unbedeutendes Vorkommniß ihn dahin brachte, so unbedeutend aber auch so folgenschwer, wie weiland das Geschnatter der Gänse im römischen Capital. Es wohnten auf der Hauptinsel Amerikaner und Briten und bebauten das Land, soweit es anging. Einem der britischen Bewohner gehörte ein Schwein, und dasselbe wühlte eines Tages einem Amerikaner die Kartoffeln aus dem Boden; dafür schoß Letzterer das grunzende Borstenthier nieder. Das machte viel böses Blut und trieb zu einer Entscheidung der Frage, wem die Insel eigentlich gehöre. Der Schweinsbesitzer brachte die Sache vor dem Gouverneur von Vritisch-Colum-bia, und dieser schickte sich an, Truppen nach dem Schauplatz zu senden, um den amerikanischsJ Missethäter" zur Prozessirung nacq Victoria zu bringen. Andererseits aber sandte der amerikanische Gouverneur des Territoriums Washington den Capt. James Pickett dorthin, um Solches zu verhindern. Capt. Pickett derselbe, welcher später den berühmten Angriff zu Gettysburg machte kam mit einerCompagnie Truppen nach San Juan und eröffnete dem Befehlshaber des, ebenfalls dort eingetroffenen . britischen Kanonenbootes, wenn die Briten zu landen versuchen würden, so werde er auf sie fcuern,und derKneg würde fertig sein. Die Briten wollten die Sache vor einer gründlichen Untersuchung nicht auf's Aeußerste treiben und ließen das Landen bleiben. Doch damit hatten die Streitigkeiten noch keineswegs ein Ende, sondern traten erst in den Vordergrund. Der Präsident der Ver. Staaten sandte den General Winfield Scott nach der Insel, um die Wirren, die sich noch auf andere Privatstreitigkeiten ausdehnten, wenigstens vorerst beizulegen. Es wurde denn auch ein vorläufiges Abkommen erzielt, wonach die Briten die nördliche, und die Amerikaner die südliche Hälfte der Insel unter Controlle

nahmen. Weiterhin aber wurde die Streitfrage Zur endgiltige Schlichtung an den nachmaligen Kaiser Wilhelm, den Großvater des jetzigen deutschen Kaisers und damals einfach König von Preußen, verwiesen, und derselbe entschied, daß die directe SchiffsFahrstraße durch den Sund nördlich von San Juan laufe. Hierdurch wurden diese Eilande amerikanischer Besitz und sind es bis zum heutigen Tage unbestritten geblieben. In den mannigfachen ofsieciellen amerikanischdeutschen Beziehungen sollte auch dieses Capitelchen nicht ganz vergessen werden. San Juan, daö Haupt-Eiland, hat nur eine Ausdehnung von 14 bei 5 Meilen, bildet aber den nordwestlichen Eckstein der V.er. Staaten. Es ist das Centrum einer gewaltigen Lachsische-rei-Jndustrie geworden und hat schon an sich einen öesonderenWerth dadurch, daß der größere Theil der Insel reiner Stein ist, ja thatsächlich reiner Marmor, aus welchem der beste Kalt in der ganzen amerikanischen Pacific-

Region hergestellt wird. Das Eiland enthält mächtige Fabriken und Oefen zur Kalk - Bereitung, und diese gehören keinem Anderen, als dem Lachs-

; Herzog James S. McMillin, ' der ' übrigens auch noch sonstige Eisen im Feuer hat. Das Lachsgeschäft bleibt freilich seine Haupt-Trumpfkarte. Es zst :m Einzelnen wiederum etwas anderen Charakters, als die LachsfangIndustrie von Oregon oder BritischColumbia oder Alaska, während das allgemeine lachsverzehrende Publikum meistens keinen Unterschied zwischen ihnen oder zwischen ihren Produkten macht. Auf 50 Millionen Dollars hat man den jährlichen Gesammtwerth der Fischereien - Produkte von Gewässern der Ver. Staaten beziffert, und der Lachs liefert einen höheren einzelnen Beitrag hierzu, als jeder andere Fisch in diesen Gewässern. Der Lachs-Fang am Pu-get-Sund allein hat heute einen Werth von etwa 5 Millionen Dollars im Jahr. In den Oregoner Schiffen wurden im Jahre 1902 mehr als 24 Millionen Pfund Lachs gefangen, und von der Alaska - Lachsfischerei kann man mit Bestimmtheit sagen, daß sie jedes Jahr mehrere Millionen einbringt; dabei ist sie noch bedeutender Entwicklung fähig. Was nun die Insel San Juan betrifft, so liegt dieselbe gerade am Pfade von Millionen Lachse, welche jedes Jahr vom Ocean hereinkommen, um im Sllßwasser der Flüsse zu laichen. In dieser Beziehung haben hier die Lachsfischer einen besondern Vortheil, welcher mit den Lebensgewohnheiten der Thiere unmittelbar zusammenhängt. Es ist nicht allgemein bekannt, daß der Lachs, nachdem er einmal seine lange Reise welche Wochen in Anspruch nimmt! vom Salzwasser nach den Quellgewässern der Flüsse angetreten hat, keine Nahrung mehr zu sich nimmt, sondern während der ganzen Zeit von seinem eigenen Fett leben muß. Dies hat naturgemäß zur Folge, daß Fische, welche man weit stromaufwärts fängt, sehr mager sind und nicht den feinen Geschmack derjenigen haben, die man frisch aus dem Meere fängt. Die Lachsfänger von San Juan bekommen den Fisch, während er noch ganz frisch und fett !st;mancheLiebhaber und Kenner schätzen, daher gerade die dort gefangenen Lachse am höchsten, obwohl dieselben nicht so auffallender Größe sind, wie manche andere Sor-. ten. Das Lachsfang - Geschäft für diese Localität ist ein verhältnißmäßig neues. Denn lange Zeit hindurch war Die Lachsfischerei des Westens fast ausschließlich auf den Columbia-River beschränkt, von wo der berühmte Chinook - Lachs kommt, der erste, welcher übrjiupt zu Markte - gebracht wurde, und noch heute der bekannteste. Die meisten Riesenexemplare sind und waren Chinook-Lachse. Solche von 40 Pfund Gewicht sind nichts gerade Seltenes, und hin und wieder wird sogar einer gefangen, der 80 Pfund wiegt! Ein solcher fcurde seinerzeit dem Staatsmann James G. Blaine verehrt, als derselbe auf dem HöhePunkt seiner Popularität in Oregon. stand; der Fisch langte in gutem Zustand in der Bundeshauptstadt an und wurde unzerschnitten an ver Tafel servirt! Zu den besten und zahlreichsten der Puget - Sund - Lachse gehören die Sockeyes", und besonders beliebt sind die Tyee" oder Königssalme. Die ersteren wiegen 5 bis 7 Pfund oder darüber, je nach der Saison. Unbeschadet der Gewohnheiten, welche allen Lachsen gemeinsam eigen sind, hat jede der verschichenen Spielarten ihre besondere Natur und ihre eigenen Manieren, wählt sich ihr besonderes Heim und ihren besonderen LaichPlatz. Während die Chinook - Lachse direct nach den Flüssen zustreben und nur dort gefangen werden, tummeln sich die Sockeyes" auf ihrem Weg nach den Strömen gemächlich im PugetSund herum, und hier werden Millionen derselben frisch vom Ocean her gefangen. Vielen Bewohnern unseres Ostens" plauderte jüngst der besagte LachsHerzog würde es nur wie ein phantastisches Märchen vorkommen, einen halben Tag durch eine Schule von Fischen hindurch zu segeln, welche so dicht ist, daß sie eine förmliche Decke für die ganze Meeres-Oberfläche bilbet! Und doch haben wir das gar manches Mal unfern San Juan erlebt. Was würden Manche von Flüssen denken, welche von einem Ufer zum andern dicht gepackt mit Lachsen sind, so dicht, daß, wären die Thiere nicht so glitscherig, und daö Masser nicht so dicht, man über ihren Rücken von einem Ufer zum andern schreiten könnte? Ich habe das mehr als einmal noch in neuester Zeit gesehen; in den Küstengegenden dieser Nachbarschaft ist man freilich von früher her gewohnt, darin nichts Wundesbares zu erblicken. Und was würden Viele von LachsBottichen denken, welche 60 Fuß lang, 40 Fuß breit und 40 Fuß tief sind. Bottiche so groß, daß man einen vierstöckigen Geschäftsblock von 40 Fuß Front hineinwerfen könnte und dieser ganze Raum gepfropft voll öon Lachsen? Nun, wir haben Dutzende solcher Bottiche! Wir schütten die Fischmassen zunächst in Flachboote und befördern sie damit nach unseren Einmachereien, von wo sie nach allen'Theilen der Welt versandt werden. Unsere

Lachs - Ausfuhren sind jetzt grö-

ßer, als unsere Holz - Ausfuhren an Geldwerth, und sie steigen von Jahr zu Jahr noch mehr! Wer noch weitere Wunder unseres Geschäftes kennen lernen will, dem kann ich solche in San Juan vor die ungläubigen Augen führen." , Es will sehr viel heißen, die LachsIndustrie des Staates Washington mit seiner Holz - Industrie zu vergleichen, in der gegenwärtig etwa 37 Millionen Dollars anaeleat sind, und welche ungefähr 25 Millionen D. an Löh- j nen jährlich auszahlt und dabei erst in ! w l r i r ry i . n . ? oer snnoyeil lvrer nlwmiung zu ueHeu scheint. Die obigen stolzen Worte des Lachs-Herzogs beziehen sich wie gesagt, auch nur auf die Ausfuhr dieser Fische. Immerhin waren in den Washingtoner Fischereien nach letztem Bericht schon über 6 Millionen D. anSiegt, und die Lachs-Fischerei dieses Staates, resp, des- Puget - Sundes, hat diejenige von Oregon bereits überflügelt und beschäftigt ungefähr 10,000 Personen mit einem Jahreslohn von .mehr als 3 Millionen D. James McMillin aber ist der Großmogul dieser Industrie, welche für den Staat Washington erst recht jugendlich ist. Noch sei Einiges über die Methode der Lachsfänger von San Juan gesagt. Dieselben benlltzen heutzutage große Fischfallen, jedoch anderer Art, als diejenigen am Columbiafluß. Die letzteren haben bekanntlich die Gestalt von Rädern, welche der Strom selber dreht, und beim Auf- und Niedergehen fangen sie die Fische, reißen sie in die Höhe und schütten sie in das Boot, mit welchem diese Fallenräder in Verbindung stehen. Dagegen bilden die Lachsfallen von San Juan eine Reihe großer herzförmiger Pferche, mit einem Wall von Netzen ringsum. Die Fische kommen in die Pferche und schweifen vom einen in den andern, versuchend, aus diesem Labyrinth zu entrinnen, bis sie schließlich in ein gewaltiges Netz von der Gestalt eines Bottichs gelangen, das ihrer 30.000 bis 40.000 zugleich faßt. Es ist schon vorgekommen, daß im Ganzen über 100,000 große Lachse in einer solchen Fisch falle waren!' Diese Lachsfang - Methode rechnet, wie alle anderen auch, mit den unwiderruflichen, jedes Jahr ganz gleichen Gewohnheiten dieser Thiere, - wenigstens der einzelnen Gattungen. Diese bewegen sich stets in festgeschlossener Masse nach dem Süßwasser hin wo alle Lachse geboren sind und nach vierjährigem Ocean - Leben zurückkommen, um ihren Laich für eine neue Generation abzulegen und sie lassen sich durch nichts von ihrem Curs abbringen, wenn sie es irgendwie noch ermöglichen können, denselben einzur)alten. Man kennt diesen Curs genau, und es werden darnach Wellenbreche? gebaut, an deren Ende sich die herzförmigen Fallen befinden. Die Fische stoßen auf Die Wellenbrecher und schwimmen, ihren Weg verfolgend, in die Falle hinein und endlich in das große Netz. Natürlich muß das Netz sehr stark sein, um diesen Myriaden schneidiger Fische standzuhalten. Es ist an mächtigen, etwa 100 Fuß langen Pfählen befestigt, welche in den Grund getrieben sind. Wenn das Netz tüchtig voll ist, so wird dasselbe entleert, indem man das eine Ende in die Höhe zieht und die Fische in die Jlachboote oder Prahme kollern läßt. Die Art, wie die gefa'ngenen Fische weggeschafft werden, erinnert sehr an das Wegschaffen von Schlamm, ebenfalls in Prahmen, . von den Baggerbooten, so massig geht hier Alles zu! Dampf-Schleppboote ziehen die Prahme schließlich nach den Einmachereien. Mitunter auch werden beim Entleeren der Niesennetze die Fische mit besonderen Schöpfnetzen herausgelöffelt, welche mit einer DampfMaschine in ähnlicher Weise betrieben werden, wie ein Pfahl-Einrammungs-Apparat. Man hat schon öfter die Frage aufgeworfen, ob nicht bei so massenhaften und unheimlich systematischen Wegfangen gleichviel ob dasselbe nach Washingtoner oder Oregoner oder sonstiger Methode betrieben wird die Lachse bald so sicher ausgerottet sein müßten, wie die Büffel! Der Lachs - Herzog gibt auf diese Frage folgende Antwort: Durchaus nicht. Ein einziger Fisch legt Zehntausende von Eiern, und wenn auch nur ein kleiner Theil der Eier zur Ausbrütung gelangt nachdem die betreffenden Fische trotz aller Hindernisse bis zum Laichplatz gekommen sind, was einer gewissen Anzahl stets gelingt gibt es reichlich genug Nachwuchs, daß der Bestand wenigstens nicht'bedroht ist. Auch beschützen wir derzeit den Lachs, und die Regierung hat an den Quell-Gewäs-sern Brut-Anstalten eingerichtet, wo jedes Jahr Millionen junger Fische producirt werden. Ferner .unterhält der Staat Washington jetzt 19. große Brüt - Anstalten, welche in der letzten Saison ungefähr 38 Millionen LachsEier in die Ströme ausgesetzt haben! Alle diese Millionen sind jetzt Fische, die sich auf dem Weg nach dem Ocean befinden und zu ihrer Zeit in unsere Fallen laufen werden, um einen Theil der Fischfleisch - Nahrung unseres Landes und der ganzen Welt zu bilden. Das ist ein ebenso großartig angelegter, wie praktischer Plan." Man sieht, bei diesem Geschäft gibt es nur Berechnungen nach Millionen.

Das Obengesagte kann übrigens nichts an der Thatsache ändern, daß in manchen Jahren sich doch der Lachs-Be-stand schon erheblich vermindert hatte. Doch scheinen die neuerlichen Schutzund Nachzüchtungs-Vorkehrungen, namentlich die letzteren, ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Uebrigens ist es nicht der Mensch allein, welcher ein Todfeind des Lachses ist. Zu den größten Bedrohern der Lachsgattung gehört die gewöhnliche Bachforelle, , welche dem weiblichen Lachs folgt und derart unter ihm schwimmt, daß sie die Eier, sowie dieselben abgelegt werden, auffressen kann. In der That ist es, während ein Lachszug im Gange ist, beinahe unmöglich, solche Forellen zum Anbeißen zu veranlassen, weil dieselben gewöhnlich schon von Lachs-Eiern überfüttert sind! Unter allen diesen Umständen erscheint die Ausdauer des Lachses ein Kampf um's Dasein wirklich wundervoll.

Allerlei Aberglaube. Bilder aus dem täglichen Leben. Im hofwärts gelegenen Extrazimmer eines feinen Restaurants ist nach Mitternacht noch eine größere Anzahl junger Herren versammelt, welche den besseren und besten Gesellschaftskreisen angehören. In der Mitte des Zimmers steht ein hellbeleuchteter Tisch, um den die meisten Anwesenden sich geschaart haben. Hinter dem Tische, den Würfelbecher in der Hand, sitzt der Bankhalter, vor sich ein großes Tableau, auf dem die Zahlen 2 bis 12 recht deutlich zu sehen sind. Man jeut lustige Sieben"! Dichter Cigarrendampf füllt das Zimmer. Weinflaschen und Gläser stehen auf kleinen Tischen neben den Spielern; im Ecksopha sitzen zwei Jünglinge, die eine Anzahl guter Schläge gemacht haben, bei Sekt uno Austern, und .der ältere von ihnen deklamirt in beginnender Weinseligkeit: Wer nie sein Brot mit Kaviar aß, wer nie die kummervollen Nächte bei Austern und Champagner saß, der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte." Sonst ist es recht still im Zimmer. Ein älterer verschlafen dreinschauender Kellner geht diskret ab und zu. Die Würfel rasseln, und jeder Wurf wird mit beifälligcn oder tadelnden Worten begleitet. Jeder Spieler hat sein Prinzip; der eine setzt nur auf die Achtfeite, wo er auf 3, 6, 8, 10 oder 12 zu gewinnen hofft, der andere nur auf der entgegengesetzten Seite oder nur auf die Sieben. Mancher läßt jedesmal den Satz nebst dem Gewinne, stehen, mancher aber nimmt das ganze Geld fort und waat nie zu doubliren. Ein Dritter schiebt jedes gewonnene Geldstück in die Westentasche und bestreitet, wenn bei ihm ein Freund borgen will, hartnäckig, mehr zu besitzen, als vor ihm auf dem Tische liege. Ein anderer Jüngling spielt schon längere Zeit Abend für Abend nur mit zehn Mark, weil er zur Zeit nicht mehr besitzt und auch dieses Geld nur geborgt hat, er jeut im Armenrecht", wie einer der mitanwesenden Juristen bemerkt. Wem gehört dieses Geld?" fragt der Bankhalter und berührt dabei ein Fünfmarkstück. In demselben Augenblick wird es von dem Spieler lautlos zürückgezogen. Soll dieses Zehnmarkstück auf der 3 und der 5 stehen?" fragt der Bankier. Dasselbe Resultat. Sobald Jemand das gesetzte Geld berührt oder auch nur berührt, gilt es dem Spieler als verloren Spieleraberglaube, der auch nicht erschüttert wird,- wenn os Stück gerade gewonnen haben würde. Wer kennt nicht den Aberglauben bei der Lotterie, dem Lotto, ja sogar beim Skat, wenn der im Pech Sitzende den Stuhl umdreht, um endlich bessere Karten zu erhalten, oder denPlatz wechselt u. s. w.? Ob gerade oder ungerade Nummern mehr Glück bringen, kleine oder größere Zahlen mit recht vielen 7 oder 5, darüber kann man oft wunderliche Ansichten zu hören bekommen, die um so siegesgewisser vorgetragen werden, als thatsächlich oft in einer Lotterie alle größeren Gewinne nur auf gerade oder nur auf ungerade Nummern .fallen, wie man es als Spiel des Zufalls öfter beobachten kann. Zwei Jäger verlassen den kleinen Babnhof, um im nahen Walde auf Rehböcke zu pirschen. Sie müssen ein Dörfchen passiren, und gleich am Eingange begegnet ihnen em altes Weib. Jeder weiß, was jetzt passirt. Die Grünröcke rrwidern den Gruß der Alten nicht und gehen brummend weiter. Noch drei alte Mütter kreuzen ihren Weg. Nun reißt den Jägern die Geduld. Der Aeltere macht kurzum Kehrt, denn heute ist der Pirschgang vergeblich. Vier alte Weiber auf einmal, wo schon eines genügte, um alle Jagdaussichten zu vereiteln! Der über den Weg laufende Hase, das begegnende alte Weib bringen Pech, Jung-, frauen Glück, ein alter Jägeraberglaube. Der Möbelwagen muß bestellt werden. Familie Müller will die neugebaute Villa beziehen. Also," beginnt der würdige Hausherr, dann bestelle ich den Umzug auf den 1. August." Um Gotteswillen," ruft die Schwiegermama, der erste August fallt, ja

auf einen Montag! Montag wird nicht wochenalt. Nein, wir ziehen am zweiten, am Dienstag; Dienstag ist der beste Tag in der Woche. Wißt Ihr auch, warum? Na natürlich, Ihr Heiden wißt wieder von nichts. Vom Dienstag, dem dritten Schöpfungstag, steht zweimal in der Bibel: Und Gott sah, daß es gut war." Es bleibt bei Dienstag. Auch das neue Mädchen darf beileibe nicht Montag oder Frei tag eintreten, das leidet die Hausfrau nicht, das Mädchen thäte es aber auch ohnehin nicht. Endlich sind Müller's Möbel in der Villa angelangt. Aber o Entsetzen! die Betten des EhePaares stehen so, daß die Fußenden nach der Hausthür zeigen. Das darf nicht sein. Das erinnert nämlich daran, daß der Todte mit den Füßen voran aus dem Hause getragen wird. Schleunigst werden die Betten anders gestellt. Gottlob, daß man das Schreckliche noch zur rechten eU entdeckt hat. Endlich ist alles eingerichtet. Man hat das erste Mittagessen zu sich genommen. Der jüngste Sproß sagt: Ich esse nichts mehr" die Großmutter fügt hinzu: .für dieses Mal," damit man nicht glaubt, es sei die letzte Mahlzeit des Kleinen gewesen. Schließlich beim Zubettegehen konstatirt der Papa, daß es ihm in der neuen Wohnung sehr gut gehe, und seine Frau klopft dreimal unter ihre Waschkommode und sagt dabei feierlich: Unberufen, dreimal unter den Tisch geklopft." So hat jedes Haus seinen Aberglauben. Stapellauf! Ein Schauspiel, das sich Niemand im Orte entgehen läßt. Alle Stellen, die einen Blick auf das mit Flaggen reich geschmückte Schiff gewähren, sind lange vor der festgesetzten Stunde besetzt. Fast alle Stützen, die denSchiffskörper halten, sind fortgeschlagen, noch einige Axthiebe und er wird sich in Bewegung setzen. Zuvor aber nehmen die Erbauer, Meister und Gesellen, Capitän und Roeder den Hut ab zum Gebet. Dann klingt noch einmal die Axt und erst langsam, dann immer . schneller gleitet das schmucke Schiff in die aufrauschenden Wellen, die den Ankömmling freudig begrüßen. Die Zuschauer, die stundenlang auf diesen nur Sekunden dauernden Moment gewartet haben, rufen Hurrah!" und der Capitän sieht in dem glatten Ablauf eine Gewähr für zukünftige glückliche Reisen. Wie oft dieser Aberglaube schon getäuscht hat! Ein beim Ablauf sitzen gebliebenes und beinahe durchgebrochenes Schiff fährt noch heute, und ein glatt abgelaufenes wurde schon am ersten Tage in der Nordsee so zugerichtet, daß es als fast völliges Wrack in Cuxhaven eingeschleppt werden mußte. Der Aberglaube der Matrosen ist allgemein bekannt, wenig bekannt ist es aber, daß die großen Schiffahrtsgesellschaften genöthigt sind, darauf Rücksicht zu nehmen. So leicht ist kein Matrose zu finden, der eine überfeeische Fahrt am Montag, namentlich aber am Freitag antreten möchte. Freitags mit den kleinen Dampfern nach England oder nach der Ostsee zu fähren, verschlägt ihm nichts, aber über den Ocean? Sämmtliche großen Dampfer des Norddeutschen Lloyd fahren hin und zurück an allen Wochentagen über den Ocean, aber nie Freitags oder Montags! Dies gilt aber nur für den Abgangshafen hüben und drüben. Man sehe sich nur einmal die Fahrpläne des Lloyd und anderer Gesellschaften an, und man wird unsere Mittheilungen bestätigt finden. Slus der Unterwelt.

Dschingiz Khan: Nun, ich kann sagen, ich habe Hekatomben von Mcns schen in den Tod geführt. Napoleon: Was ist das im Vergleich zum glatten Spiegel des Meeres! So wie ich hat keiner so viel Menschen geopfert. Cholera: Die College mögen nicht so wichtig thun, bin ich etwa vielleicht ein frommes Lamm? Pest: Frommes Lamm?! Davon ist keine Rede; jedoch werdet ihr ohne weiteres meine Priorität anerkennen?! Alkohol: Gar keine Anerkennung! Mir gegenüber seid ihr nur bescheidene Anfänger. Ich bin der zerstörende Orkan der Menschheit! Die Wahrheit: Ich aber, ich verheere das Glück und die Illusionen der Menschheit. Die Granaten der Japaner sind nicht im Stande. Port Arthur in Schutt zu verwandeln. Wie viele Millionen Luftchlösser habe ich schon zerstört!! Pluto (stürzt herein): College, habt ihr schon gelesen?! ' Alle: Was giebt's? Was ist geschehen? Pluto: Soeben kam Beelzebub aus der Schlacht bei Jantei. Hier der Rapport, leset! (Alle lesen ihn.) Luzifer: Ich glaube, geehrte Collegen, ich verdolmetsche den Herzenswünsch Aller, wenn ich beantrage, Zar Nikolaus zum Ehrenpräsidenten vorzuschlagen. . Alle: Hurrah, College Nikolaus! Hurrah! Ausgebeutet. Richter: Wie kamen Sie, Herr Zeuge, mit dem Angeklagten zusammen?" Zeuge: Er suchte in der 'Zeitung einen Sozius zur Ausbeutung einer Entdeckung unddie Entdeckung war ich."