Indiana Tribüne, Volume 28, Number 119, Indianapolis, Marion County, 11 January 1905 — Page 6
Jndiana Tribnnc. II. Januar 1905.
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Europäische Nachrichten '.Jrovinz Brandenburg. Berlin. Durch den Einsturz eZnes überlastetenGerüstes sind vor Kurzem fünf Arbeiter Namens Riedel, Masdorf, Schmidt, Weber und Hoffmann auf dem Neubau des FriedrichsRealgymnasiums in der Mittenwalderstraße No. 34 verunglückt. Der Vorsitzende der Berliner GastwirtheInnung Franz Golecki, Inhaber des der Fleischer - Innung gehörigenEtablassements Vismarcksäle", Neue Grünstraße, ist plötzlich an Blutsturz gestorben. Der noch nicht 52 Jahre zählende Mann war wegen seines liebenswürdigenWesens sehr geachtet und beliebt. Der Gastwirthe - Innung gehörte er seit 1885 an und bekleidete viele Jahre das Amt des Schriftführers der Innung sowie des Vorstehers der Fachschule. Mit Lysol vergifteten sich das Dienstmädchen Klara Nie-
M, das bei einem Gastwnth in der Koppenstraße in Dienst war, und der Postschaffner Karl Werner aus der Grogörschenstraße 22. Der letztere, der verheirathet ist, war, wie er auf einem Zettel vermerkt hatte, wegen unqlücklicher Liebe in den Tod gegangen. Steckbrieflich verfolgt wird der frühere Pollzennspektor Drager, der rn der Kommandantenstraße ein PrivatDetektivinstitut betrieb, seine Familie und sein Geschäft im Stich ließ und mit seiner Maschinenschreiberin und Kassirerin Fräulein P., der Tochter eines Hausbesitzers in Friedrichsberg, durchbrannte. Bor den Augen der Eltern todtgefahren wurde der drei Jahre alte Sohn Ernst des Tischlers Krug aus der ReichenbergerStraße 51. Die Leute gingen die Grunauerstraße entlang und überschritten auf der, Hobrechtsbrücke den Fahrdamm. Als Krug die andere Seite schon erreicht hatte, riß sich der Knabe auf derBrücke vor einem Obstwagen, mit dem Möbel gefahren wurden, von feiner Mutter los, lief unter die Pferde und wurde umgerannt. Ein Rad ging ihm über den Kopf und zermalmte ihm den Schädel. Im Eircus Busch tödtlich verunglückt ist der 28 Jahre alte Kutfcher Eugen Schellmann, der erst seit fünf Monaten verheirathet war. Schellmann hatte in dem Schaustück Südwestafrika" die Pferde, die Gefchütze in die Manege ziehen, anzufeuern. Eines dieser Pferde des zweiten Geschützes schleuderte den Mann gegen die Logenbrüstung, so daß er zwischen diese und das Geschütz eingeklemmt wurde. Der Verunglückte erlitt dabei so starke Quetschungen, daß er starb. Potsdam. Mit Lysol vergiftet hat sich im benachbarten Neuendors die in der Großbeerenstraße wohnende, in Hirschberg i. Schl. geborene Kaufmannswittwe Jda Sessous. Frau Sessous lebte in guten Verhältnissen und hatte,' bevor sie das Gift zu sich nahm, auf einen Zettel ihren letzten Willen niedergeschrieben. Ihr etwa 21,000 Mark betragendes Vermögen vermachte sie ihrer Tochter. D a l l d o r f. Einen furchtbaren Tod fand die Ehefrau des Schmiedearbeiters Finke hier. Die im 26. Lebensjahre stehende Frau war bei ihrem Schwager, Landwirth Güßow, im Dorfe Rosenthal bei derBedienung der Dreschmaschine aushilfsweise beschäftigt. Sie gerieth plötzlich mit den Kleidern in die Transmission der DreschMaschine und war, ehe auf ihre Hilferufe die Maschine zumStehen gebracht werden konnte, in einem Augenblick vor den Blicken der Mitarbeitenden in die Höhe gezogen und schrecklich zugerichtet. Der Tod trat auf der Stelle ein. G r a n s e e. Hier erschoß aus UnVorsichtigkeit der 13jährige Sohn des Malermeisters Funk seinen 16 Jahre alten Bruder. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der Thäter entfloh und blieb die. ganze Nacht dem elterlichen Hause fern. Jüterbogk. Durch Explosion einer auf dem hiesigen Schießübungsplatze aufgefundenen, noch nicht krepirten Granate wurde in der Vorstadt Damm der Arbeiter Neumann, der mit ihr herumhantirte, getödtet. . S ch w.e d t. Ein Großfeuer hat eine große Anzahl Wohnhäuser und Nebengebäude eingeäschert. Acht Famitten sind obdachlos. S p a n d a u. Von einer RangirMaschine überfahren und getödtet wurde auf dem Lehrte? Güterbahnhof der Warter Melis beim Ueberschreiten eines Geleises. Provinz Hstprenßen. Köiigsberg. Der Maler Ernst Reimann, der wegen Ermordung des Rentiers Rahlke am 18. Juni dieses Jahres von dem hiesigenSchwurgericht zum Tode verurtheilt worden war, ist auf dem Hofe des hiesigen Gerichtsgefängnisses durch den Scharfrichter Schwietz aus Breslau mit dem Beile enthauptet worden. A l l e n st e i n. Ein Unfall ereianete sich kürzlich in Dorf Jadden. Die 18iaqnqe Bentzerstochter Krause war bei der Wartung der Kinder einer abwesenden Besitzerfamilie behilflich. Als sie vom Speisesind etwas Mehl hinabreichen wollte, fiel das Spind um und bedeckte die Krause. Diese erlitt dadurch so schwere Verletzungen, daß sie am folgenden Tage starb. E y l a u. Ihre eiserne Hochzeit begingen die Altsitzer Karl Klein'schen Eheleute in Rositten;- das Jubelpaar erfreut sich trotz seines hohen Alters
von 82 und 88 Jahren besonderer RU-
stigkeit. Fischhausen. Der auf dem hiesigen Landrathsamt beschäftigte Schreiber Lukas hat sich mittelst eines Revolvers erschossen. Der Grund der traurigen That soll in einer Liebesaffäre zu suchen sein. Heiligenbeil. Auf dem Wege von Schwanis nach Ludwigsort ist der Arbeiter Rehberg aus Rippen durch den Fleischer Schlobinski aus Schwanis mit einem Fleischermesser derartig zugerichtet worden, daß er imKrankenhause zu Heiligenbeil verstarb. Der Thäter ist verhaftet worden. L a b i a u. Der emeritirte Lehrer Schützler in Nemonien feierte seinen 90. Geburtstag. Er ist fast 60 Jahre lang an der Schule in Nemonien als alleiniger Lehrer thätig gewesen und erfreut sich noch körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische. Seine Frau ist 89 Jahre alt. R a st e n b u r g. Grobe Ausschreitungen ließen sich hier mehrere ländliche Reservisten, die hier zur EontrolVersammlung erschienen waren, zu Schulden kommen. Sie lärmten in den Straßen, überfielen einen Lehrling und bearbeiteten' ihn mit Stöcken derartig, daß er aus mehreren Wunden blutete und zum Arzte geführt werden mußte. ' Die Attentäter wurden dingfest gemacht. S ch w a r z e n a u. Bei dem LandWirth Stachowiak in Lesniewko brach Feuer aus, wodurch das Wohnhaus, der Stall und die Scheune eingeäschert wurden. Leider ist bei dem Brande auch ein siebenjähriges Kind des Besitzers in den Flammen umgekommen. Provinz Westprenßen. D a n z i g. Die 22jährige Dirne Emma Lanz wurde, als sie mit einem Mann auf dem Fischmarkt spazieren ging, von einem Schlosser angesprochen. Ohne weitere Veranlassung zog sie darauf ein Messer und stieß es dem Schlosser in die Brust. E b i n g. Beim Verladen von Eisenbahnschienen fiel der Arbeiter Zimmermann in den Elbingfluß und ertrank. Friedland. Die Stadt beging d3 50jährige Jubiläum ihres Bestehens. Die Gründungsurkunde wurde am Sonnabend nach Martini 1345 durch -Hochmeister Winrich von Kniprode ausgestellt. K o n i tz. Infolge von Schneeverwehungen entgleisten zwischen Löbau und Zajonczkowo drei Wagen eines Personenzuges. Die Strecke war erst nach mehreren Stunden wieder fahrbar. Der Schnee lag mehrere Fuß hoch. Die etwa 20 Personen, die sich in den drei Wagen befanden, kamen mit dem Schrecken davon. Marienburg. Ein Einbruchsdiebstahl ist in der Wohnung desFuhrhaltereibesikers Rhode verübt worden. Die Einbrecher drückten eine Fensierscheide ein, gelangten so ins Comptoir, bemächtigten sich desGeldschrankes und schleppten denselben auf ein benachbartes Feld. Da es ihnen jedoch nicht gelang, den Schrank zu erbrechen, so warfen sie ihn in einen Graben der Kleinbahn, wo der Geldschrank aufgefunden und dem Eigenthümer wieder zurückgegeben wurde. M o ck e r. Böttcher Müller wurde am Bett in seiner verschlossenen Wohnung erhängt aufgefunden. M., der verheirathet und Vater mehrerer Kinder ist, hat die That wahrscheinlich im Zustand geistiger Umnachtung begangen. Putzig. Die Schmiedemeisterfrau Strehlow aus Menkewitz wurde beim Viehfüttern im Stalle von einem Pferde in den Unterleib gebissen und starb nach mehreren Tagen an den Folgen dieser Verletzung, die man anfänglich wohl nicht genug beachtet hatte. Fünf unversorgte Kinder beklagen den Tod der Mutter. Provinz j3?mm?trrr. Stettin. Hier erschoß sich in einem Gasthofe auf der Oberwiek der in der Warsowerstraße wohnende Friseur Preußler mit einem Revolver. Unglückliches Familienleben soll nach einem vorgefundenen Briefe Grund zu der That sein. B u s o w. Seine diamantene Hochzeit feierte das Jünglng'sche Ehepaar im Kreise von ungefähr 50 Kindern, Enkeln . und Urenkeln. Der Jubelbräutigam steht im 91. Lebensjahre. K ö s l i n. Der 22jährige Kellner Otto Lange aus Kolberg, der in Haft genommen wurde, weil er sich imSommer d. I. auf dem dortigen Stadtfelde an einem 12jährigen Mädchen, das Gänse hütete, unsittlich vergangen hat, wurde wegen Sittlichkeitsverbrechens zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt. N e u st e t t i n. Der Lampenputzer JohannWutzke von hier wurde auf dem hiesigen Bahnhofe beim Ueberschreiten der Geleise von emem einsahrenden Personenzuge ersaßt, übersahren und sofort getödtet. Es liegt eigenes Verschulden durch grobe Unachtsamkeit vor. Rummelsburg. Der Eiqenthümer Reinh. Mielke aus Abbau Treblln arbeitete mit Dreschkasten und Roßwerk. Sein Ljähriger Sohn lief beim Antrieb in das Göpelwerk und war sofort eine Leiche. V a r z i n. Im Maschinengetriebe der Varziner Papierfabrik Fuchsmllhle" verunglückte der langjährige Werkführer Leistikow, wodurch der Tod sofort eintrat. Leistikow hinterläßt die Frau mit mehreren kleinen Kindern.
HU rätsklliafte Botschaft. Eine heilere Episode aus dem russtsch-japani-schen Kriege von Karl Pauli, Charlottenbürg II. Der Gouverneur von Port Arthur war wüthend, er hatte seinen besten und gewissenhaftesten Kundschafter, Iwan Petrowitsch, den gerissensten aller Spione, der im 'japanischen Kriegsministerium wie zu Hause war, nach Tokio geschickt, um sich über den Stand der Dinge Gewißheit zu verschassen. Die Japaner führten eine sehr stolze Sprache, wenn auch niemand in ganz Rußland im Ernst daran glaubte, daß die gelben Affen es je wagen würden, das Zarenreich anzugreifen, der Gouverneur eines so vorgeschobenen Postens hatte mehr zu leisten als nur zu glauben, er hatte sich zu überzeugen, und nun ließ dieser Petrowitsch nichts von sich hören. Es war zum Verzweifeln! Von Tag zu Tag hoffte er auf Nachricht, es kam keine, endlich, als er schon die Hoffnung aufgegeben, von dem Abgesandten je Kunde zu erhalten, meldete man ihm eines Tages mitten in einer Generalstabssitzung, daß der Bote von Iwan Petrowitsch Taaschkiest eingetroffen sei. Sofort einlassen!" rief der Gouverneur und gleich darauf trat unter unzähligen Bücklingen ein Chinese ins Zimmer. Es war Sing Lu, der Bote von Taaschkiest. Sing Lu war ein kleiner Mann von elend kümmerlichem Körperbau; trotz seines Alters, das sich etwa auf 40 Jahre belaufen mochte, hatte er das Aussehen eines zwölfjährigen Knaben. Der Gouverneur musterte die fragwürdige Erscheinung mit einem unzweideutigen Lächeln, während die Offiziere unverhohlen ihr Erstaunen über die eigenen körperlichen Vorzüge Sing Lus zum Ausdruck brachten. Der Chinese achtete nicht darauf, unruhig und ängstlich irrte sein Auge von einem zum andern, und er fuhr heftig zusammen, als ihn der Gouverneur anredete: Du kommst von Iwan Petrowitsch Taaschkiest?" Sing Lu knickte wie ein Taschenmesser zusammen und antwortete in leidlichem Russisch: Wenn Deine edle Erhabenheit es nicht verschmäht, dem blöden Stammeln meiner plumpen Zunge zu lauschen, so dürfte mein verfaultes Mundwerk Deinen süßen Ohrmuscheln wohl Kunde geben können." So sprich!" sagte der Gouverneur ungeduldig. Der Chinese trat einen Schritt vor, machte eine Verbeugung gegen die Anwesenden und sagte: Ich heiße Sing Lu, mein Vater hieß Titu-Lan und meine Mutter" Das interessirt uns nicht!" unterbrach ihn der Gouverneur, sag' uns, wo und wie Du mit Iwan Petrowitsch zusammengekommen bist." Sing Lu warf einen Blick mitleidigster Verachtung auf den Barbaren, der so wenig von seiner Sitte und den Regeln des Anstands wußte, daß er über die Einleitung einer Erzählung glaubte hinwegsehen zu dürfen. Aber wo sollten die Leute Kultur und Bildung auch her haben, gingen sie doch noch in Thierfellen gekleidet und wohnten in Erdlöchern, als in China schon eine hohe Kultur blühte; hatten jene als Sprache doch erst ein halbverständliches Grunzen, als die chinesischen Poeten schon kunstvolle, herrliche Gesänge dichteten. Er schwieg einen Augenblick und hob dann weit ausholend von neuem an: Wenn die Größe Deiner herablassenden Würde " Zum Teufel, laß Deine vermaledeiten Phrasen!" schrie der Gouverneur, den die Weitschweifigkeit . des Asiaten zur Verzweiflung brachte und sag, was Du von Iwan Petrowitsch weißt." Sing Lu zitterte, er verstand den Gouverneur nicht recht, glaubte aber, der Russe sei böse, weil der Chinese nicht höflicher gewesen fei. Das mußte er vor allem gut machen, deshalb verbeugte er sich dreimal tief und fagte: Mein elender Leiche nam zittert in allen Fasern, und mein wurmstichiges Herz zuckt unter den Geißelschlägen, mit denen Dein allumfassender Geist in unschätzbarer Huld es zu würdigen die unaussprechliche Güte hatte, meine verschimmelten Knie
beugen sich, vom Glück eingeknickt, daß sie es wagen durften, meinen verhunzten Oberleib vor Deine göttergleiche Person tragen zu dürfen." Und nun erzählte er in gleich gewundener Weise, untermischt mit hundert Ausdrücken der Erniedrigung für sich selber und zweihundert Vergleichen bezüglich der Charakter- und Gei steseigenschaften des Gouverneurs und der anwesenden Offiziere, daß er mit Taaschkiest in einem japanischen Ge fängniß zusammen getroffen sei. Taaschkiest habe dort wegen eines Diebstahls gesessen, er selbst unschuldigerweise, wegen eines Betrugs, den ein anderer ausgeführt. Taaschkiest habe ihm eine Botschaft in einer fremden Sprache eingelernt und ihm eine hohe Belohnuna versprochen, wenn er dieselbe dem Gouverneur überbringen werde. Zitternd vor Aufregung und Unge duld .hatte der General den endlosen Sermon über sich ergehen lassen, jetzt sprang er wuthend auf und schrie:
Jawohl, diese Belohnung soll Deinen goldstrotzenden Diamantfingern von
meinem elenden. Diebszangen ausge-
zahlt werden, aber nur, wenn Du diese Botschaft ohne Deine vermaledeiten Zuthaten klipp und klar ausrichtest. sonst, das schwöre ich Dir, werde ich Deine erhabene Rückseite von meinen ekelhaften Kosaken mit vertrockneten Knuten bearbeiten lassen, daß Deine göttergleiche Hinterfront aussehen soll wie ein dem Morgenroth entsprossenes Veilchen, das merke Dir! Also, was laßt mir Taaschkiest sagen? Als sich Sing Lu solchergestalt persifliert sah, zog eine noch tiefere Verachtung wie früher gegen alle Fremden in sein Herz ein. Er beschloß nunmehr, daß diese Leute sich nicht mehr an dem Blumenstrauß seiner Rede ergötzen sollten, deshalb sagte er kurz: Das läßt dir Taaschkiest sagen, und das hat er mich gelehrt, dir auszurichten: Trautdembo ten nichtzu sehraber lohnti hngut, derkrie gisthie rbe schlos senesach etreff schnel lvorke ehru ngen so nstsi dn allen nse rebes itz ung enhie rve rl oren." Sing Lu hatte die Worte heruntergeleiert wie ein Kind eine auswendig gelernte Arbeit aufsagt. Jetzt schwieg er. Die Offiziere sahen erstaunt einander an. Keiner hatte von dem ganzen langen Satz etwas verstanden, als die Worte Tokio und Gren. Der Gouverneur war sprachlos, er ließ Sing Lu nochmals den ganzen Auftrag wiederholen, aber es wurde kein anderes Resultat gezeitigt. Man rieth hin und her, man stellte hundert Fragen an Sing Lu, aber es war keinem möglich, den Sinn der Rede zu enträthseln. Schließlich gab man es auf, sich zu verständigen. Da aber Sing Lu in dem Besitz der Botschaft einer Person war, der man nicht unbedingt trauen drufte, so sperrte man ihn einfach ein. Das gehörte wahrscheinlich mit zu der versprochenen Belohnung. Monate sind vergangen. Was niemand geglaubt, der Krieg ist ausge brochen, und was unmöglich schien, die Japaner sind Sieger. Die russischen Armeen sind geschlagen, die russische Flotte theils vernichtet, theils zerniert, Port Arthur belagert und eingeschlossen. Und das alles wäre vermieden worden, wenn man zur rechter Zeit Nachricht erhalten haben würde, wenn man vorbereitet gewesen wäre, Truppen und Vorräthe gehabt hätte. Aber warum hatte man keine Nachricht erhalten? Wo war Iwan Petrowitsch Taaschkiest? Todt? Als Spion gehangen? Aber er war nicht todt, eines Tages war er da, lebendig da, trotz Bekagerungsarmee und Wachtposten. Was kümmerten die Iwan Petrowitsch; wo er durchkommen wollte, kam er durch, und so stand er eines Mittags vor dem Gouverneur. Aber um Gotteswillen, Väterchen, was haben Sie gemacht, wie konnte uns Japan so überraschen? Ich hatte Sie doch unterrichtet!" Du, Iwan Petrowitsch? Du, wann, wo?" Aber ja! Ich wurde gleich in den ersten Tagen in Tokio als Spion erkannt und unter dem Vorwand, ich hätte gestohlen, eingesperrt. Ich wußte, daß ich nicht mehr herauskam, und lehrte einen Chinesen, das, was ich Ihnen sagen lassen mußte. War er nicht hier?" Ja, aber er sprach eine Sprache, die niemand verstand." Es war deutsch! Sie verstehen doch deutsch, Sie und die meisten Offiziere?" Gewiß!" Nun also! Ich wollte ihm die Nachricht nicht russisch oder chinesisch anvertrauen, er hätte uns verrathen können! Wo ist der Chinese?" Hier, ich lasse ihn holen!" Bald darauf trat Sing Lu ein. Er war noch magerer. Als er Taaschkiest sah, weinte er. Iwan Petrowitsch tröstete ihn und versprach ihm seine Freiheit wieder, wenn er die Botschaft noch einmal aufsage. Ohne Zögern begann er: Trautdembo tennichtzu sehraber lohnti hngut. Derkrie gisthie rbe schlo senesach etreff tschne lvorke hru ngen so nstsi nd alleu nse rebes itzung enhie rve rl oren." Und das verstehen Eure Excellenz nicht?" rief Iwan Petrowitsch, als der Chinese geendet hatte. Nein", sagte der Gouverneur. Aber das ist doch reines, klares Deutsch, ein wenig auseinandergerissen sind die Worte freilich, aber wenn man's aufschreibt, versteht man's gleich. Bitte schreiben Sie doch. Excellenz." Der Gouverneur schrieb. Als er fertig war, nahm Iwan Petrowitsch einen Bleistift und theilte das Geschriebene durch Bleistiftstriche. Dann gab er dem Gouverneur den Zettel und sagte: Bitte lesen Sie!" Und der Gouverneur las: Traut dem Voten nicht zu sehr, aber lohnt ihn gut, der Krieg ist hier beschlossene Sache, trefft schnell Vorlehrungen sonst sind alle unsere Besitzungen hier verloren." - Eine Weile noch blickte der Gouverneur auf das Papier, dann hob er den Kopf und sagte seufzend: Wie wäre alles vermieden worden, wenn ich das gleich so gemacht hätte! Du siehst, Iwan Petrowitsch, von wie wenigen Bleististstrichen oft das Schicksal der Welt abhänat."
Ir???cge etncs Tycatcragentett. Nach langer Irrfahrt landete in Moabit der Theateragent Engelbert Sprmger, der kürzlich der Straikammer des Landgerichts zu Berlin vorgeführt wurde, um sich wegen Unter- -schlagung einer Summe von 10,000 Kronen in österreichischen Staatspapicren zu verantworten. Der Angeklagte betrieb in Berlin eine Theateragentur, zu deren Unterhaltung ihm seine Tante die Mittel vorgestreckt hatte. Später beabsichtigte er, ein Variötötheater zu eröffnen, die Vorbedingung für den Abschluß eines Vertrages war aber die Stellung einer Kaution von 20,00 Mark. Da die Tante selbst keine Gelder mehr zur Verfügung hatte, schrieb die 62jährige Dame an ihren Schwager, den Oberpostmeister Franz Pochmann in Neustadt (Böhmen), er möge sofort nach Berlin kommen ,da sich ihm Gelegenheit biete, einem glänzenden' Unternehmen beizutreten. Der Ober Postmeister kam auch wirklich, reiste aber bald wieder zurück. Die Tante ließ aber nicht locker, sie interessirte ihren Schwager fortgesetzt für das Geschäft und fuhr eines Tages kurz entschlössen in Begleitung tes Angeklagten zum Oberpostmeister nach Neustadt. Dieser gab schließlich 10.000 Kronen in österreichischen Staatspapieren an die Tante. Die gute Frau ließ sich aber schon auf der Heimreise mit geringer Mühe durch den Angeklagten überreden, ihm die 10,000 Kronen zu überantworten; weder sie noch der Onkel Oberpostmeister haben sie wiederge sehen. Die Theateragentur mußte Springer bald wegen schleckten Geschäftsganges schließen. Er begab sich nach Centralamerika und von dort nach Afrika und Transvaal, trat in englische Dienste und machte den Feldzug gegen die Buren mit. Von England ging er nach Baltimore. Hier erfuhr er, daß die Tante eine Strafanzeige gegen ihn erstattet habe. Er fuhr schleunigst über Liverpool nach Hull. setzte sich mit seiner Tante in Verbindung und bewog sie zur Zurücknahm: des Strafantrages. Dann kam er wie Wr rtsrsft Nerlin prnffnpfp mik rtmtm
Gelde der Tante abermals eine Theateragentur, und diese wurde stilleTheilhaberin. Da machte ein neues Ereigniß dem Geschäft vorzeitig ein Ende. Die Tante erklärte ihm. daß sie fliehen müsse, da sie ein Verbrechen begangen habe und verfolgt werde. Darauf schloß der Angeklagte sein Geschäft und fuhr mit der Tante nach Amster dam. Er knüpfte aber mit der Wirthin seiner Tante ein Liebesverhältniß' an, und um sich dafür zu rächen, zeigte die Tante den Neffen bei der Polizei an und behauptete, er habe ihr in der Nacht das Sümmchen von 25.000 Mark gestohlen. Dies ergab sich zwar sofort als Erfindung, aber die Polizei brachte beide über die Grenze nach der deutschen Stadt Elten. In - Elten wurden beide ins Gefängniß gesteckt, und dort erhängte sich die Tante. Der Angeklagte wurde nach Emmerich transportirt und dort 12 Tage in . Haft behalten.- da dorthin gemeldet wurde, daß er 150 Kronen unterschlagen habe. Per Schub ging es dann nach Berlin, , und das Schöffengericht verurtheilte ihn wegen dieser Unterschlagung zu 14 Tagen Gefängniß. Nach seiner Entlassung fuhr er nach Rotterdam, und als er dort mehrere Tage vergeblich auf Geld von seinen! Brüder geioartet hatte, ging er zur Polizei und ließ sich wieder nach Elten über die Grenze schaffen. Von dort richtete die Polizei eine telegraphische Anfrage nach Berlin und erhielt Haftbefehl. Der Onkel Oberpostmeister hatte nämlich inzwischen den Tod der Tante erfahren und Strafantrag wcgen Unterschlagung der 10.000 Kronen gestellt. Springer wurde nacb Moabit geschafft. Im Termin bestritt der Angeklagte seine Schuld und behauptete, daß ihm die Abmachungen, die der Oberpostmeister mit der Tante getroffen, völlig unbekannt gewesen seien. Die 10.000 Kronen, glaubte er. seien ihm zur völlig freien Verfügung überlassen worden. Der Staatsanwalt beantragte neun Monate Gesangniß. Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung. Der Vorsitzende ersuchte aber den Angeklagten, nun N'ch etwa zu denken, d'zß der Gerichtshof ihn für völlig unschuldig halte: seine Schuld sei nur nicht genügend erwiesen. und seine Untersuchungshaft habe cr durchaus verdient. In derGeneralversammlung der Wiener Bürgervereinigunz hielt der Bürgermeister Dr. Lueger eine Rede, woin er die Errichlung ein?r neuen Art Bürgerwehr ankündigte, die aus den Söhnen der Wiener Bürger zusammengesetzt werden soll, und die als Gegengewicht gegen die Organisa-' tion der Sozialdemokra'en. insbesondere. gegen ihre Manifestationen auf der Straße gedacht ist. In Schwerin - Wismar ist nun also nach zwiefachem heißen Ringen der nationalliberale Bewerber, Geheirnrath Büsing, gewählt worden: der sozialdemokratische Gegenkandidat blieb um 2002 Stimmen in der Minderheit. Bei der Stichwahl im Vor jähr erhalt der kcnservatiie Kandidat Dröscher nur 11.730 Stimmen, der Sozialdemokrat 11.607. Bei die ' ser jetzigen 'Stichwahl ist nicht nur dzg beträchtliche Anwachsen der Sthirai für Büsing. sondern auch der Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen bemerkenswerth, obwohl de? Wahlkreis von drn ersten Koryphäen der sozZaldemokratischen Partei unablässsa bearbeitet worden war.
