Indiana Tribüne, Volume 28, Number 118, Indianapolis, Marion County, 10 January 1905 — Page 6

Judiana Tribüne, 10 Januar

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v ! ( AlutWnreinigKeit entsteht durch eine schleckt, Veschaffenheit tti Magenl. Gebraucht i Dr. August Kocnlg's y u amburger Tropfen den großen deuischcn Dlutreinigcr. H Ci reinige den Magen und beleben die Leber, wo durch reines Blut entsteh. Warum nicht Ihr Heim.. anstehend machen, durch den (Zebrauch eines . . . . Garland Ofen... .... uno .... Range... Dieselben übertreffen alle andern in Schön heit. - Dauerhaftigkeit, Heizkraft und Spar sn!eit im Kohlen Verbrauche. Dieselben werden mit Vergnügen erzeigt, w wilug's ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straße. 3 gooftiiuiirnn W.H. BURTON,;; Rechtsanwalt, j; (Früher Konsul in Teutschlind.) Deutscher Mvokat und Notar.:: Praktizirt in allen Gerichtshöfen ! ! btt Ver. Staaten. ; '. 13 State Lise Gebäude.-! GCHOM BfflLU COLLEGE OF s.lUSIC, 550 Nord Meridian Str. .Gnls jetzt eröffnet.... Teg' Schüler soniie auswärtige Schüler, welche bier im College völlige Aufnahm Aschen, können zu jeder Zeit einfetten. Gi Bsdenu gut ausgerüstetes Institut, voll' fclssij w allen Abtheilungen deS Lernen Ux Kunst der Musik und den verlsandter C2r.n. atalog frei. Edward Taylor, Direktor. Dichmann Lk (Jrabhorn, .Fabrikant 5os keinea.. Schau-Kästen. Giat Ladentische und Cigarren-Tische '622 Ost Washington Strafte. lttTC$one3Jtata is.

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Europäische Nachrichten.

Frete Städte. Hamburg. Der berüchtigte Einbrecher Julius Wriedt, der u. a. bei Senatur Hayn einen Einbruch verübt hatte, wurde von der Strafkammer zu sechs Jahren Zuchthaus und Polizeiaufsicht verurtheilt. Der hiesige Pastor Körner ist das Opfer eines Raubmordversuchs geworden. Spät Abends erschien bei ihm ein BuchHandlungsreisender, der ihn umUnterstützung und einen Empfehlungsbrief bat. Als der Pastor sich an den Schreibtisch setzte, um diesen Wünschen nachzukommen, erhielt er mit einem eisernen Gegenstand mehrere Schläge auf den Kopf. Auf seine Hilferufe ergriff der Mörder die Flucht, wurde aber auf der Straße ergriffen. Der Thäter wurde als der Bücherreisende Jsermann festgestellt. Der Pastor ist schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. . Als der Landmann Schmidt aus Talkau von Bergedorf aus mit seinem Fuhrwerk auf der Heimfahrt begriffen war, wurden die Pferde scheu und gingen durch. Schmidt fiel vom Wagen und erhielt von einem Pferde einen Hufschlag an den Kopf. Die Verletzung war leider so schwer, daß der Tod eintrat.' Bremen. Der 55 Jahre alte Dachdecker Kasten tödtete in der Küche seiner Wohnung am schw. Meer 131 seine um zwei Jahre ältere Frau durch einen Schuß in den Hinterkopf und verletzte sich selbst durch einen Streifschuß an der linken Brustseite unerheblich. Anscheinend 'durch Verschulden von Kasten ist das Eheleben der beiden Leute schon seit längerer Zeit getrübt gewesen. Der 26 Jahre alteMaschinist (Schüler des Techniturn!) Sohnke aus Wilhelmshaöcn, der hier in der Rheinstraße wohnte, ist in der Nähe des Eilgutschuppens beim Hauptbahnhof von einem Zuge überfahren und sosort getödtet worden. Lübeck. Der Circus Reuterkrug (Variötö - Theater), ein mächtiger Holzbau in der Moislinger Allee, der rund 3000 Personen faßte, ist niedergebrannt. Der königliche MusikDirigent a. D. Hohenwald vom Ratzeburger Jäger-Bataillon No. 9 war aus seiner hiesigen Wohnung verschwunden und wurde seitdem vermißt. Die Vermuthung, daß der Verschwundene in einem Anfalle von Schwermuth sich selbst das Leben genommen haben könnte, ist zur Gewißheit geworden. Der Vermißte wurde als Leiche im Grönauer Gehölz gefunden. Die sofort benachrichtigte Kriminalpolizei stellte fest, daß der Unglückliche sich erhängt und erschossen hatte. Es ist mit Bestimmtheit geistige Umnachtung als Ursache der That zu betrachten. Schweiz. Appenzell. Im Alter rn 44 Jahren starb hier Regierüngsrath Signer, Oberleutnant und Chef des Militärdepartements, nach längerer Krankheit. C h u r. Hier starb Domherr Joseph Müller von Hospenthao, Subregens des Priesterseminars. G l a r u s. In der Sägerei HeftiAlbrecht im Fly bei Wesen brach Feuer aus, das so rasch um sich griff, daß die ganze Sägerei ein Raub der Flammen wurde. Lugano. Das alte städtische Spital wird demnächst abgerissen; auf den Platz kommt sehr wahrscheinlich das neue Postgebäude zu stehen. Ein in Rom ansässig Bürger von hier, Emilio Maraink, hat dem GemetnDerath 100,000 Francs zur Verfügung gestellt für den Bau eines neuen Spitals, unter der Bedingung, daß in W.tm eine Kinderabtheilung eingerichtet werde. Heerreich'ngarn. Wien. In seiner Wohnung, 8. Bezirk, Josefstädterstraße 27, ist der älteste Diener in der Familienfideicommis - Bibliothek Josef Zörner im Alter von fast 70 Jahren gestorben. Der 32jährige Bäckergehilse Johann Frkous, Margarethen, Schallergasse 33 wohnhast, hat sich in einer hiesigen Badeanstalt in der Badewanne ertränkt. Er hat sich in ein Tuch gehüllt und die Enden des Tuches innen mit einer Spagatschnur verknüpft. Dann tauchte er unter. Er blieb so lange unter Wasser, bis er ohnmächtig wurde und schließlich ertrank. In den Taschen seiner Kleider fand man einen kleinen Geldbetrag, mehrere Pfandscheine und ein neues Rasirmesser. Arbeitslosigkeit dürfte das Motiv der That sein. Auf dem Döblinger Gürtel stieß ein Motorwagen der städtischen Straßenbahnen beim Ueberfetzen der Hauptstraße so heftig an den einspännigen Milchwagen de Barbara Sraninger an, daß die Lenkerin Elisabeth Nemetz vom Bock geschleudert wurde. Sie erlitt schwere Verletzungen. An dem Unfall soll der Motorführer schuldtragend sein. Durch eigene Schuld wurde auf der Währingerstraße die 46jährige Köchin Cäcilie Mayor von einem Motorwagen ..iederg'stoßen und erheblich verletzt. Sie wurde in's. Allgemeine Krankenhaus gebracht. Großes Aufsehen erregte auf der Währingerstraße der Selbstmordversuch eines jungen Mannes, der sich vor einem rollenden Wagen auf die Schienen warf. Der Lebensmüde ist der 23jährige Knecht Jgnaz Wundsam aus Steinbach bei Schrems. B r ü n n. Am 23. August d. I.

stieg in einem hiesigen Hotel ein unbskannte? ausweisloser Passagier ab, der sich in den Meldezettel als Johann Samek, Tischler aus Olmütz. eingetragen hatte. Die in Wien gepflogenen Recherchen zur Feststellung der Identität des Unbekannten haben nun zu einem positiven Ergebniß geführt. Ein dort in der Kohngaffe No. 19 wohnhaftes Stubenmädchen . erkannte in der- ihr vorgezeigten Photographie ihren vermißten Bruder, den 38jährigen Schlosser Josef Smolka aus Suchonitz. H r u s ch a u. Ein Verschiebe: des Jdaschachtcs, Namens Johann Rysch, gerieth zwischen die Puffer zweier Kohlenwagen und starb auf der Stelle. Rysch war 43 Jahre alt und verheirathet. Kremsier. In der hiesigen Zuckerfabrik wurde der Arbeiter Zamohil beim Bedienen einer Maschine vom Treibriemen erfaßt und am Kopfe schwer verletzt. Mannsberg. Der Zuckerbäckerlehrling Johann Drtilek . aus Mannsberg bei Znaim feuerte vor der Wohnung der Taglöhnerin Marie Lang in Klein-Teßwitz, die von seinen Liebesanträgen nichts wissen wollte, einen Revolverschuß gegen seine rechte Schläfe ab und verletzte sich lebensgefährlich. Meran. Im nahen Dorfe Algund wurde die 67jährige TraubenWirthin Philomena Ennemoser, welche das Haus meist ganz allein bewohnte, im Gastzimmer ermordet. Ein im oberen Stockwerk einlogirter Taalöhner hörte Lärm und fand, als er Nachschau hielt, die Wirthin erschlaaen im Gastzimmer. Da alles Geld fehlte und Thüren und Kaslen ausgerissen waren, vermuthet man Raub mord. Von dem Thäter hat man sei ne Spur. Salzburg Die Hoffnungen, die Leiche des beim Gtörhause am Unk:loerg verunglückten Professors Straubinger noch vor Eintritt des Schneefalles aufzufinden, sind nun endgittig aufgegeben worden. Sternberg. Der Knecht Josef Rcinisch wurde, als er mit seinem mit Sand beladenen Wagen über eine die beiden Ufer des Schäferbaches verbindende Brücke fuhr, zwischen Gefährt und Geländer eingeklemmt und derart schwer verletzt, daß er binnen wenigen Minuten verschied. giixembitYQ. Ehnen. Beim Dreschen gerieth der 25jährige unverheirathete Küfer Mathias Marx in die Maschine, wobei ihm der Zeigesinger der linken Hand abgerissen und die ganze Hand arg beschädigt wurde. Hesp'e ringen. Der 13jährige Sohn der Wittwe Theves, welcbtt beim Ackerer Muschang in Diensten ist, gerieth mit dem Kopf zwischen das Gestell der Dreschmaschine und die Mauer. Da der Raum zwischen dem Gestell und der Mauer blos einige Centimeter beträgt, wurde dem Knaben die Haut förmlich vom Kopfe ge-trennt.

Der Prozeß. Ein Grössist hat einen wichtigen Prozeß in Berlin, kann aber im Termin nicht anwesend sein und beauftragt seinen Advokaten: Telegraph!ren Sie mir sofort nach Breslau, wie das Urtheil ausgefallen ist. Um zwölf Uhr fällt die Entscheidung in günstigem Sinne, und fünf Minuten darauf telegraphirt der Advokat nach Breslau: Die gerechte Sache hat gesiegt!" Worauf sogleich das Gegentelegramm aus Breslau eintrifft: Sofort Berufung einlegen!" Großundgröße r. Denken Sie sich nur, mir ist ein kleines Malheur passirt: Meine Frau ist mir durchgegangen!". So, das nennen Sie ein kleines Malheur?.., Was wäre denn dann ein großes?" Wenn sie wiederkam'!" Ausgenützte Situat i o n. Ich weiß nicht genau, hab' ich Sie nicht erst vorige .oche hinausgeworfen?" 5ausirer: Vielleicht Vroschüre gefällig: Wie erlange ich ein gutes Gedächtniß"?" VerzeihlicherJrrthum. Hausherr (zur Köchin): Sagen Sie, hier riecht's so miserabel, die Asphaltsieder sind wohl im Hofe?" Köchin: Nein, das nicht, aber die gnädige Fraa kocht heute selber." Im Bilde geblieben. Du, der Graf wird sich wohl cm uns heranplätschern wir sind ja Goldsische!"

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Aus dem Kornboden. Humoristische Erzählung von Marie Stahl Nun. Weckern, was halten Sie von ihm? Macht sich was?" Fräulein Sylve von Lüttwitz stand im Kuhstall von Wengersdorf und betrachtete mit zärtlichem Stolz ein munteres, braunes Stierkalb. Frau Becker, die alte Wirthschafterin, sah zur offnen Stallthür hinaus auf den Hof. Grade gegenüber war eine Dampfdreschmaschine in Thätigkeit, und ein junger Mann im elegan ten Jagdkostüm beaufsichtigte die Arbeit. Die rechte Forsche fehlt noch," erwiderte die Weckern. .Mein Gott, Weckern, Sie verlangen zu viel. Er ist doch noch so jung," rief Sylve in gekränktem Ton. Na, na," meinte die Weckern, schcen anzusehn is er ja wie' Bild, ville zu scheen for's Metier. Aber das sind mehrstens nicht die Brauchbaren." Oho, ich werde schon was aus ihm machen, Weckern! Ich habe den reizenden Kerl zu gern, solch einen netten hatt' ich noch nie " Jotte doch, wenn's so steht, Fräulein, das is freilich was anders! Na ja, zum Verlieben is er ja woll und kann auch 'n recht braver Mann für Sie werden " . Himmel, Weckern mein braunes Stierkälbchen sind Sie v'errückt geworden?" Ach herrjeses, Fräulein Sie sprachen doch eben von unserem neuen Herrn Volongtähr!!" Jetzt setzte sich Sylve auf das nächste Strohbündel und lachte, daß ihr die Thränen herunterliefen. Der ganze Kuhsiall wurde lebendig bei diesem tollen Lachen. Frau Weckern hielt sich die Seiten; .die Mägde lachten beim Melken, der alte Kuhhirt beim Füttcrn, ohne daß sie wußten warum; die Hühner, die im Dung kratzten, gackerten laut, und die Kühe fingen an zu brüllen. Als das Mißverständnis aufgeklärt war. gab Frau Weckern zu, das braune Stierkälbchen sei ein Prachtexemplar. Jetzt man alle Tage 'ne ordentliche Portion Korn mang sein Futter, Fräuleinchen, dann können Se Staat mit ihm machen.. Aber Korn darf ich ja die Kälber nicht futtern," bemerkte sie mit Bedauern. . ' Das werde ich ihm' bald verschaffen," erwiderte Sylve. Frau Becker erzählte, der Herr Inspektor habe es rund abgeschlagen. Dann stehlen wir uns das Korn," erklärte Sylve energisch. Das wird ein Hauptspaß! Wer von den Herren theilt früh den Knechten das Pferdefutter aus?" Der Herr Volongthär," berichtete die Wirthschaften. Na der!" sagte Sylve geringschätzig. Der merkt doch nichts." In diesem Augenblick kam der Besprochcne in den Kuhstall. Hier geht es ja lustig zu," sagte er neugierig, kann ich nicht mitlachen? Warum haben Sie denn so gelacht, gnädiges Fräulein?" Er stand jetzt neben Sylve, die noch auf dem Sirohhaufen saß. Sie lachte ron neuem, die Hände vor dem Gesicht. Die Leute waren wieder an ihre Arbeit gegangen, und Frau Becker hatte sich eilig in den Milchkeller verfügt. O, es gab ein kleines, nettes MißVerständniß, worüber wir lachten." brachte sie endlich, nach Fassung ringend, hervor. Aber wissen Sie, was Frau Becker von Ihnen denkt?" Da bin ich neugierig! Die alte Dame scheint hier Autorität zu sein." Bill Waldner sah Sylve an und dachte, sein Vater hätte nichts Besseres thun können, als ihn hierher auf die Freite zu schicken. Die war ja einfach zuckrig und frisch wie ein Apfel! Wer mit solch einer scheußlichen Schürze, solch einem Wetterdach von vorweltlichem Strohhut und solchen unmöglichen Kalbsledernen vom Dorfschuster so na, so zum Küssen aussieht, der ist gut und kann so bleiben! Wenn sie erst seine Frau wäre, wollte er ihr die Küchenschürze, das Wetterdach und die Kalbslederner, schon abgewöhnen. Die alte Dame", die allerdings für mich höchste Autorität im Kuhstall ist, meint, Sie wären viel zu scheen for's Metier. Und det wäre selten was Brauchbares." Und wieder lachte Sylve ihr lustig tolles Lachen. Na, Kuhhirt will ich ja auch'nicht werden," erwiderte Bill etwas gereizt. Wenn unsere Kühe Gemsen wären, würden Sie besser hierher passen!" rief Sylve kichernd und lief davon. Er sah ihr wüthend nach, wie sie singend über den Hof sprang. . Pachen." sagte .Sylve schmeichelnd nach dem Mittagessen und folgteHerrn von Lüttwitz mit der Schlummerrolle in sein Zimmer bis zu dem braunen Ripssofa, auf dem er Siesta zu halten pflegte. Pachen!" Na, was denn? Was soll's? Schon .wieder 'ne Bergnllgungspartie! Wird nichts!" Aber Pachen, ich denke ja gar nicht an Vergnügungspartie! Ich möchte bloß alle Tage ein paar Metzen Korn für die Kälber haben. . Die Veckern sagt, dann könnten wir Staat mit ih nen machen." Unsinn,"-brummte Herr von Lüttwitz. die olle Veckern ist verrückt mit den Kälbern. In vierzehn Tagen werden die beiden großen verkauft und die rieinen haben's noch nicht nöthig. Ob ich mit Korn mäste oder nicht, darum

zahlt mir der Escheberger keine einzige Mark mehr." Sylve schlich hinaus, doch als eine halbe Stunde später Herr von Lüttwitz auf dem .Ripsbraunen schnarchte, raschelte es ganz leise an seiner Thür, und aus der Portiere heraus langte eine Hand nach dem großen Schlüsselbrett an der Wand, das allerlei gewichtige Schlüssel trug. Mit schnellem Griff faßte diese Hand einen von den größten, der auf einem angebundenen Brettchen die Etikette Kornboden" zeigte. Herr von Lüttwitz schnarchte ruhig weiter. Am folgenden Sonntag war Erntefest bei Lüttwitzens. Einige von den Nachbarfamilien wurden dazu geladen, die letzte Kornfuhre kam bekränzt und geschmückt, mit sechs Pferden bespannt, vor das Herrenhaus gefahren, das ganze Hofgesinde . und das Dorf war dabei und der Herr Pastor hielt eine Rede. Man sang Choräle, brachte viele Hochs aus, und der Inspektor blieb in seiner Rede stecken. Dann gab es eine Festtafel auf der Scheunendiele und hernach tanzte man auf dem großen' Lindenplatz. Sylve und ihre Freundinnen trugen weiße Kleider und hatten rothe Asterkränze in den Haaren. Bill Waldner war ein sehr flotter Tänzer, aber es half ihm lveder sein schneidiges Tanzen, noch die verführerische Eleganz seines taubengrauen Civils mit dem rothseidenen Taschenwchzipfel Sylve behandelte ihn schauderhaft. Trotz wonniger Hochsommernacht, trotz all der Lust und Gluth. die ringsumher jauchzte und lohte, trotz des hochgehenden Lebens- und Liebesrausches. der aus der heißathmenden Menschenmenge stieg trotz all der lockenden, selig trunkenen Weisen, die Hörner und Trompeten zum schwarzblauen Himmel emporschmetterten, und der magischen Kreise, die Kimspähne und Pechfackeln mit irrenden, flirrenden Lichtern um die alten, leise rauschenden Linden zogen. Und trotz der lauschig verschwiegenen Plätzchen unter den tiefhängenden Lindenzweigen. Sylve," sagte Annemarie von Escheberg, Du nnd der Bill Waldner ich weiß thu' man nicht so mir machste nichts vor." Der?" rief Sylve und lachte unnatürlich grell. Seit acht Tagen stehle ich Korn vom Boden für meine Kälber, und er merkt's nicht!" U?.d wenn er es doch merkt?" fragte Annemarie nachdenklich. Nimmst Du ihn dann?" Ach, laß mich doch in Ruh!" rief Sylve und wurde roth bis über die Ohren. Sie lief davon, aber hinter einer Linde versteckt, sah sie heimlich zu Bill hinüber. Schade, schade, dachte sie. Ja - wenn er's doch noch merkt? Weckern," sagte Bill Waldner ein paar Tage später zu der alten Wirthschafterin, eine von Ihren Mägden stiehlt mir Korn. Ich Hab's lange gemerkt, aber ich kann den Dieb nicht fassen. Es ist ein Weib, ich seh's an den kleinen Fußtapfen da, wo ich die Kleie streute. Möchte bloß wissen, wie die auf den verschlossenen Boden kommt." Jotte doch, Herr Volongthär, S'e sei'n doch nich so dumm, wie wir Sie taxirten!" rief Frau Weckern. Fräuleinchen meinte, se könne Ihnen den halben Kornboden wegtragen, ohne daß Sie's merkten!" Und nun bcichtete sie die ganze Geschichte und wollte sich todtlachen. Bill war nicht sehr entzückt über Sylves hohe Meinung von seinen Fähigkeiten. - . Gut, gut, ich werde ein Auge zudrücken und mich so dumm stellen, wie Fräulein Sylve mich taxirt," erwiderte er, aber nur unter der Bedingung, daß Sie kein Wort von meiner Entdeckung verrathen. Lassen Sie auch nur eine Silbe verlauten, dann zeige ich Sie bei Braunefeld an!", Braunefcld war der erste Inspektor, vor dem sich Frau Becker mehr fürchtete als vor dem Herrn. Sie versprach also zu schweigen wie das Grab. Am folgenden Nachmittags als die Leute und Beamten zum Hofthor hinaus auf das Feld gezogen waren und Herr von Lüttwitz die übliche Siesta hielt, kam Sylve auf Umwegen über den Hof und schlüpfte unversehens durch die leeren Pferdeställe auf den großen Kornboden. Unter 'ihrer großen Schürze hatte sie einen leeren, kleinen Sack verborgen, den füllte sie schnell an einem der mächtigen Kornhaufen, die, sauber abgetheilt, mit schmalen Zwischengängen, die Bodenviele bedeckten. Dann eilte sie an eine der Luken auf der Rückseite des Gebärdes, die auf den Gemüsegarten hinaussahen. Auf einen leisen Pfiff antwortete Frau Becker von unten, worauf Sylve ihr den gefüllten Sack zur Luke hinauswarf. Die alte Wrthschafterin schlich mit der Beute durch den Garten nach dem Kuhstall, und Sylve trat sorglos den Rückweg an. Doch' was war das? Die Thür, die sie nur angelehnt gelassen, war fest verschlossen! Sylve stand erschrocken und rathlos! Wie war denn das möglich? Es war doch niemand in der Nähe gewesen, sie Halle ja Braunefeld und Waldner zum Hofthor hinausgehen gesehcn! Wieder und wieder rüttelte sie leise an der Thür, ohne jeden Erfolg. Dann setzte sie sich auf einen Balken und überlegte. Fatal, sehr fatal; wenn

man sie, hier abfaßte! Wahrscheinlich hatte jemand die angelehnte Thür bemerkt und zugeschloffen mit der Vermuthung, Herr Waldner habe aus Versehen die Schlüssel stecken lassen. Himmel, wenn derjenige nicht ehrlich war und die Schlüssel behielt, dann stand ja der Kornboden dem ganzen Dorf offen! Wenn das Pachen erfuhr, das würde ein schönes DonnerWetter geben! Da konnte sie nun auf dem stickigen Boden sitzen bis heute Abend! Und dann die Bl Wenn sie nur wenigstens Gesellschaft hätte! Und plötzlich wie eine Ueberrumpelung, kam ihr der Gedanke: wie hübsch müßte es sein für zwei, die sich lieb haben, hier auf dem Balken beieinander zu sitzen, wo niemand und nichts sie störte. Und der alte Boden so dämmerdunkel mit den flirrenden Sonnenlichtern in den Luken und die gurrenden Tauben auf dem Dach. Schade, schade, daß Bill Waldner solch ein schlechter Landwirth war und nicht einmal merkte, wenn man ihm das Korn vom Boden stahl! Nein, so einen konnte sie nicht heirathen, vor dem konnte sie keinen Respekt haben! Aber was für blaue Augen er hatte und wie er sie angesehen auf dem Sindenplatz beim Erntetanz! - Nein, so konnte sie nicht sitzen bleiben, sie kam ja wahrhaftig auf dumme Gedanken! Jetzt fiel ihr ein in einem Seitenverschlag des Bodens war eine Fallthür, durch"die man auf einer Leiter direkt in Braunefelds Schrankkammer gelangte. Vielleicht fand sich von dort ein Ausweg! Sie fchlich nach der Fallthür, doch es war stockfinster in diesem BodenWinkel. Mit großer Mühe hob sie die schwere Thür und wollte vorsichtig in das Dunkel hinunterspähen nach einer Leiter da fühlte sie sich von zwei starken Armen umfaßt und eine wohlbekannte Stimme rief drohend: Halt, Du Dieb! Habe ich Dich endlich?" Aber Herr Waldner lassen Sie mich doch los ich bin's ja!" flüsterte Sylve zu Tode erschrocken. Fällt nur ja gar nicht ein! Ich lasse Dich nicht mehr los Gott sei Dank, daß ich Dich endlich habe!" antwortete er und schleppte sie mit festem Griff an das Licht. Da sahen sich beide an und lachten, und er ließ sie erst recht nicht los. Donnerwetter, das ist ein Fang!" sagte er. Ich kann doch meinem eigenen Vater Korn stehlen, wenn ich will!" rief sie, mit dem Fuß stampfend und sich sträubend. Aber er las in ihren Augen, daß er sie ganz und gar gefangen

hatte. Und :ch kann doch den Dieb strafen!" flüsterte er mit heißem Athem und küßte sie auf den trotzigen Mund. Da lag sie ganz :ll an seinem Herzen, und der atte Boden mit den Spinnennestern an den Querbalken wurde zum Königssaal aus dem Märchen, in dem der schöne, tapfere Prinz die gefangene Prinzessin erlöst. Und Du hast es wirklich gleich gemerkt, daß ich Korn stahl?" fragte Sylve, als sie glückselig die Jodentreppe hinunterstiegen. Gleich am ersten Tag," erwiderte er mit Selbstgefühl. Da stieg ein Seufzzr der Erleichterung auch ihrem Herzen jetzt brauchte sie sich ihrer Liebe nicht mehr zu schämen. Der längste und der kürzeste Namen. Ein Franzose hat an der Hand von Standesamtsregistern aus der ganzen Welt, die sich über einen Zeitraum von. fünfzig Jahren erstrecken wie der gute Mann übrigens zu diesen ünschätzbaren Dokumenten gekommen ist, bleibt sein Geheimniß herausgefunden, wer den längsten und wer den kürzesten Namen von allen Menschen führt. Nach dieser natürlich gänzlich uncontrollirbaren- statistischen Zusammenstellung kann auf den Ruhm, den längsten Namen zu besitzen, eine reiche Erbin aus Honolulu, der Hauptstadt der Sandwich-Jnseln, Anspruch erheben. Der Familienname der jungen Dame weist nicht weniger als dreiunddreißig Buchstaben auf und lautet in seiner Klangschönheit: Keohoanaakalainhueakawelkakanakao! Uff! . Fast ebenso lang und ebenso schwer auszusprechen und ebenso melodisch klingt der Name einer, Schneiderin in den Vereinigten Staaten, die, Russin von Geburt, auf das Namensmonstrum Nabuchodonozowiszowna hört. Den kürzesten Namen der Welt dagegen haben entschieden die vier Brüsseler Bürger, die einfach O heißen. Der biedere Karo. O, Sie, mein Karo ist ein gescheidtes Thier; der trägt mir alle Abend meine Salami vom Schlächter heim; und wenn ste ihm ein fremder Hund nehmen will, wissen Sie, was er dann thut, damit sie der nicht kriegt?" Na, was denn?" Selber frißt er's!" Manmußsich zuhelfen wissen. Der Herr Oberst hat seine Offiziere zu einem Diner eingeladen. Während desselben meldet ihm seine Gattin, daß der Weißwein schon zur Neige gehe. WaS thun? Da kommt dem Herrn Oberst ein rettender Gedanke. Er verläßt auf einen Augenblick die Tafel. Eine Viertelstunde später erfolgte allgemeiner Aufbruch, denn der Herr Oberst hatte schleunigst seinen Diener in die Kaserne geschickt mit dem Befehle, sofort Alarm zu blasen.