Indiana Tribüne, Volume 28, Number 117, Indianapolis, Marion County, 9 January 1905 — Page 6

Jndiana Tribüne, 9. Januar 1905

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Sine Apfelgefchichte. 'Von Felix Freiherr von Etenglin. Herr Arminius Neubert hatte nach seiner Meinung gerade heute Nacht besonders gut geschlafen, als er von seiner Ehefrau ängstlich angerufen und dadurch aus dem besten Schlummer gestört wurde. M fallen so auffallend viel Aepftl herunter," flüsterte Frau Minna. Jedenfalls vom Wind," meinte Arminius, richtete sich aber doch im Vett auf, denn das Wohl und Wehe des vor dem Hause stehenden Apselbaumes ging auch ihm sehr nahe. Im vorigen Jahre, dem ersten, das Neuberts in Fichtenroda verlebten, hatte der Baum einen so reichen Segen über die Familie ausgeschüttet, daß Arminius im Ueberschwang des Glücks sich einmal zu der Behauptung verstieg: ein solcher Apfelbaum wie dieser Apfelbaum und ein solches Schwein wie das Schwein deö Bäckers Rausch genügten für die Erhaltung einer Familie von neun Köpfen vollkommen, besonders wenn das Haupt dieser Familie nur der Leiter einer neu gegründeten Privatschule von sechszehu Schülern sei; . denn in diesem Falle seien ja die Ansprüche so wie so nicht groß. Im Anschluß an diese bei Tisch gefallen Aeußerung hatte Volker erklärt, daß er falls noch fünfzig Pfennige an der Kaufsumme für das Schwein fehlen sollten in der Lage sei, diese beizusteuern, denn er erhalte sie demnächst von der Kaufmannsfrau für Rabattmarken. Es reicht: aber auch dann noch nicht. In diesem Jahre trug der Apfelbäum weniger reich, Neuberts verargten ihm das durchaus nicht, aber sie waren auch um so mehr darauf bedacht, sich die Ernte möglichst zu erhalten. Diese hatte schon vor Wochen angefangen, als die ersten, kleinen, grasgrünen Früchte vom Sturm abgeschüttelt wurden. Seitdem begann es Apfelspeisen bei Neuberts zu geben: Apfelmus, Brotsuppe mit Aepfeln, Aepfel und Kartoffeln, Apfelflinzen und so fort. Frau Minna rechnete sehr mit dieser Hilfe für ihren Haushalt. Deshalb ihrSchrecken, als die Aepfel in dieser Nacht so ausfallend zahlreich zu fallen schienen. Der Wind tonnte nicht Schuld daran sein, er wehte ja kaum. Herr Arminius Neubert und seine Frau saßen aufgerichtet in ihren Betten und horchten. Durch die Stille drang der Laut eines aufschlagenden Apfels. Frau Minna wendete schnell den Kopf zu ihrem Gatten. Wieder einer!" sagte sie leise. Der Regen!" meinte ihr Mann jetzt. Es regnet ja aber gar nicht." Es hat geregnet," entgegnete er bestimmt. Die Aussicht, aus dem Bett steigen und die Ursache des Aepfelfallens ergründen zu müssen, schwebte bereits als etwas höchst Unangenehmes vor seinem Geiste. Eine Weile blieb alles ruhig, Arminius war im Begriff, auf sein Kopfkissen zurückzusinken, als kurz nacheinander zwei Aepfel mit dumpfem Ton die Erde berührten. Ganz gewiß sitzt einer im Baum!" bemerkte nun Frau Minna erregt. , Einer der Aepfel fiel links auf den Rasen," sagte ihr Mann, der in der Bestimmung des Fallpunktes der Früchte schon einige Uebung hatte.' Der andere scheint im Geöüsch an den Fichten zu liegen." Die Vermuthung seiner Frau von dem im. Baum sitzenden Menschen wollte er einstweilen lieber unbeachtet lassen. Er verliert natürlich nur einige aus Versehen," fuhr Frau Minna in demselben Flüsterton fort, die meisten steckt er in einen Sack." Arminius wollte sich einreden, daß er weder an den Menschen, noch an den Sack glaube, seine Frau unkte" natürlich wieder, von dem Apfetregen hatte ihr besorgtes Hausfrauengemüth jedenfalls nur geträumt; dennoch meinte er nach einer Weile: Man könnte für alle Fälle Troll herauslassen." Doch davon wollte Frau Minna nichts wissen. Warte noch damit! Sie sind im Stande, nach dem Hund zu schießen," sagte sie ängstlich. Sie?" fragte Arminius erstaunt. Wahrscheinlich sind es mehrere," antwortete seine Frau. Ach Unsinn! Und schießen thun sie gewiß nicht, damit locken sie nur Leute herbei." Die kommen zu spät, wenn das Unglück geschehen ist! Vielleicht werfen sie ihm auch vergiftetes Fleisch hin." Das schon eher." Da jetzt der Mond durch die Regenwölken brach, erhob sich Arminius, schlich sich an's Fenster, schob den Vorhang ein wenig zurück und lugte hinaus. Siehst du ihn?" fragte Frau Minna gespannt. Ich sehe nichts," erwiderte ihr Mann. In der That war die Krone des Apfelbaumes jetzt deutlich zu über blicken. Keine Spur von einem Menschen. Du hast dich geirrt," sagte Arminius und begab sich wicher in's Bett. Frau Minna aber ließ sich nicht von ihrer Idee abbringen. Du wirst ja morgen sehen, daß ich mich nicht geirrt

habe," entgegnete sie. Aber warum legst du dich denn nicht hin?" fügte sie hinzu, als ihr Mann wie sinnend im Bett sitzen blieb. Wann kommt denn Morgens der Bäckerjunge?" fragte Arminius. Frau Minna schwieg einen Augenblick bestürzt. Der Gedanke, das, was

der Dieb nicht genommen, werde morr . , Wa 0Q rf A1lm A st ift 4V ytu luy uci juuctjiuit iiciiicii, ti füllte sie mit Schrecken. Du meinst also " Natürlich wird das ein gefundenes Fressen für ihn sein, er räubert ja jeden Morgen," sagte Arminius. Es war eine gräßliche Aussicht. In Frau Minnas Phantasie schwollen die Apfelmengen, die der Bäckerjunge sich früh in die Taschen zu stopfen pflegte, zu förmlichen Wagenladungen an, und es war eine wirkliche Beruhigung für sie, als ihr Mann erklärte, um halb fünf Uhr aufstehen und dem Bäckerjungen zuvorkommen zu wollen. Um halb vier Uhr war Arminius schon munter, bald darauf erwachte auch seine Frau. Sie ermähnte ihn mehrmals, die rechte Zeit nicht zu verpassen. Etwa um viertel auf iinf erhob sich Arminius, legte Strümpfe, Schuhe, Beinkleid und Rock an und verließ das Schlafzimmer'. Es war schon fast hell draußen. Arminius schloß die an der Seite des Hauses liegende Küchenthür auf und trat von da aus in den Garten. Eine Puppe hing, vollkommen entkleidet, noch triefend vom nächtlichen Regen, am Ast des Lindenbaumes. Es sah traurig aus. Zur Seite standen die Blumentöpfe Volkers, worin dieser die abgelegten" Blumen des Vaters weiterpflegte, Levkojen, die in langen, dünnen Stengeln in die Luft geschosfen waren, verblühte Tausendschönchen, ein paar verunglückte Nelken . . . Es lebte gleichsam weiter unter den Büschen und Bäumen dieses Gartens von den Kindern und ihren Spielen. Noch schliefen sie fest in ihren Betten, bald würden sie sich wieder hier draußen umhertummeln wie jeden Tag. Es ging so ein kleiner Hauch der Rührung durch Arminius' Gemüth. Da vernahm er ein Piepen dicht neben sich; wahrhaftig, der krank gewesene und gesund gepflegte Spatz sagte von der Höhe des Zaunes aus dem Hausherrn guten Morgen . . , Vielleicht ist es eigentlich unrecht, dachte Arminius: Erst pflegt man den Spatzen gesund, und nachher frißt er dem Nachbarn die Kirschen auf, Neumanns selbst hatten ja bisher noch keine Kirschen gehabt als nur die eine einzige an dem Zwergkirschenbaum. Doch die Geschichte dieser Kirsche ist ein Capitel für sich. Ja, war es nun das Rechte mit dem Spatzen gewesen? Arminius fand, daß dergleichen Fragen sehr schwer zu beantworten waren, wie überhaupt jede Frage, die sich auf die Tödtung von Thieren bezog. Manchmal kann man erst nach längerer philosophischer Ueberlegung zum richtigen Entschluß kommen. Erst gestern war es Arminius fo gegangen, als ihm ein ohrwurmartiges Käferthier über den Weg gelaufen war. Er hatte ein unbestimmtes Gefühl von der Schädlichkeit und Gefährlichkeit dieses Thieres, dennoch hielt er inne, als er schon den Stein erhoben hatte, um es zu zermalmen. Ist es nicht grausam und zwecklos, das Leben dieses Geschöpfes vor der Zeit zu enden? fragte er sich. Hat es nicht auf seine Weise auch Freude am Dasein? Genießt es nicht zwischen Sand und Gras, unter schützenden Steinen oder in Mäuselöchern ein wunderbar bewegtes Leben der Freiheit?... Dann aber sagte eine andere Stimme in ihm: Sterben muß es doch einmal, und es könnte Unfug treiben, zum Beispiel einem Kinde in's Ohr kriechen oder in der Speisekamer ein Schlarasfendasein zu führen versuchen. Es könnte eine Fruchtbarkeit sondergleichen entfalten, und seine zahlreiche Nachkommenschaft würde dann einen unübersehbaren Schaden anrichten. Erwägt man tx ner, daß es vielleicht im nächsten Augenblick von einem Vogel grausam zertheilt oder von einer Spinne grüßlich gemartert werden könnte, dann ist doch ein schneller Tod von MenschenHand nur zu wünschen... So kam es, daß Arminius den Käfer tödtete; aber darüber war er sich klar: Das Verhalten des Menschen zu anderen Geschöpfen war gar nicht so einfach zu bestimmen, das zu Thieren und o ja! natürlich auch das zu Menschen! Arminius begab sich auf die Suche nach den herabgefallenen Apfelmengen, war aber erstaunt, nicht mehr als ein Dutzend zu finden, '.die er zum Theil in die Rocktaschen steckte, zum Theil in der Hand behielt. Nun richtete er sich auf und blickte auf das in der Morgendämmerung liegende Thal. Bei den Nachbarn war noch alles still. Das war ganz gut, dachte er jetzt, denn wenn man ihn so gesehen hätte, wie er um der paarAepfel willen in den Morgen hinausschlich, würde man wohl recht eigenthümlich über ihn geurtheilt haben. Jetzt ist er schon so geizig geworden, daß er dem Bäckerjungen ein paar unreife Aepfel mißgönnt, hörte er im Geiste den Nachbarn sagen. Herr Arminius Neubert schämte sich ein wenig. Doch er hatte die Aepfel nun einmal aufgehoben, und so wollte er sie denn auch hereintragen. Als er sich dem Hause näherte, erschien Frau Minna in der Nachtjacke am Fenster, und nun reichte ihr Arminius die Beute hinein.

' Das ist alles." sagte er. Frau Minna baute die Aepfel nebeneinander auf dem Fensterbrett auf, überblickte sie mehrmals und bemerkte obwohl sie etwas enttäuscht war : Nun, es hat sich immerbin aeloknt"

Als ihr Mann nichts antwortete, sah sie ihn an und fragte: Nicht wahr? Es hat sich immerhin gelohnt, daß du aufgestanden bist." Ja, ja," meinte er etwas kleinlaut und kehrte in's Haus zurück. Aber, Arminius, was ist dir?" fragte Frau Minni, die sich wieder zu Bet: gelegt hatte, ihren Mann. Der saß nämlich, nachdem er den Rock abgethan, auf dem Bettrand, hatte den Kopf in die Hände gestützt und schien in tiefes Nachdenken versunken. Ich finde meine Handlungsweise eigentlich gemein," antwortete er jetzt, ohne seine Stellung zu verändern. Aber Arminius!" Dieser arme Junge," fuhr Arminius unentwegt fort, freut sich gewiß schon auf dem ganzen Wege, und ich gehe so gewissermaßen heimtückisch vor ihm in den Garten, um ihm seine Freude zu zerstören. Freilich, ich bin ja im Vortheil, da ich hier wohne; es ist keine Kunst, ihm auf diese Weise den Rang abzulaufen. Und wie viele nimmt er denn! Er eüt ja so, damit er nur zeitig genug alle Kunden bedient und sein Meister nicht schilt! Und was bekommt er dafür? Eine Tasse Kaffee und eine trockene Semmel!" Frau Minna antwortete nicht gleich, so üöerrascht war sie von diese: Rede. Dann meinte sie schüchtern: Aber lieber Mann, er hat doch nicht das geringste Anrecht " Anrecht?. Nein, das hat er nicht. Aber wer hätte ein Anrecht an irgend etwas in der Welt? Haben wir ein Anrecht an unsere gesunden Kinder oder daran, daß wir uns recht, wenn auch schlecht ernähren können, oder daran, daß uns die Sonne in diesem schönen Thal mit unglaublicher Langmuth jeden Tag auf's neue bescheint? Es ist doch alles nur Gnade." ' Freilich! Aber von feiten des Jungen ist es doch gewissermaßen auch Diebstahl!" entgegnete Frau Minna. Arminius dachte einige Augenblicke nach, dann antwortete er: Ich verkenne die Richtigkeit dieses Einwurfs nicht. Nimm aber einmal an, ich würde ihm ein paar Aepfel nicht alle natürlich, sondern nur ein paar wieder in den Garten zurücklegen, fo daß er sie nachher finden müßte, sieh' mal, in diesem Fall wär's doch thatsächlich kein Diebstahl, da ich ihm die Aepfel freiwillig opfere . . ." Nachdem er wieder eine Weile überlegt, fuhr Arminius fort: Vor feinem Gewissen dürfte es allerdings immer noch ein Diebstahl sein, denn er weiß nichts von meinem Geschenk, aber schließlich kann es ja nur eine angenehme Ueberraschung für ihn sein, wenn er einst bei der großen Abrechnung eine Sünde weniger zu büßen hat. Meinst du nicht auch?" Ach, Arminius," sagteFrau Minna mit einem Seufzer, man kann wieder einmal deinen Gründen nicht beikommen, da sie zu leicht aufgebaut sind, als daß man einen ernsten Angriff wagen möchte, und doch ja, wie soll ich sagen, zu rechtlich gemeint, um nicht einen gewissen Eindruck zu machen." Nun also!" sagte ihr Gatte nur, erhob sich entschlossen, suchte drei der reifsten Aepfel aus dann ergriff er noch einen vierten Aber warum nimmst du denn gerade die größesten?" fragte Frau Minna. Ich nehme nicht gerade die größesten," antwortete Arminius vorWurfsvoll, sondern die reifsten, damit der Junge sich nicht den Nagen verdirbt, oder wurdest du dafür die VerantWartung übernehmen wollen? Und dies in einem Augenblick, da verschiedene Fälle von Ruhr in Fichtenroda vorgekommen sind?" Um Gotteswillen!" sagte. Frau Minna nur. Nein, die Verantwortung wollte sie natürlich nicht übernehmen. Da begab sich Arminius noch einmal durch die Küche in den Garten. Und an dem Wege, der von der Gartenthür aus in das Grundstück hineinführt, legte er nicht ohne eine gewisse Sorgsamkeit die vier Aepfel nieder. Als eine halbe Stunde später die Gartenthür erklang, erwachte Arminius aus dem leisen Halbschlummer, in dem er verfallen war; er konnte sich's nicht versagen, an's Fenster zu gehen und den Bäckerjungen zu beobachten. Es war ein strammer, blonder, zwölfjähriger Knabe, der da, die Kiepe auf dem Rücken, die paar Stufen zum Garten hinaufstieg. Ein flüchtiger Blick auf die Aepfel, dann verschwand er seitwärts um die Ecke des Hauses. An der Küchenthür Pflegte er in einen bereitstehenden Deckelkorb die Backwaare zu legen. Bald erschien er mit eiligen Schritten wieder vor dem Hause, ergriff gleichsam im Vorüberlaufen die so verlockend daliegenden vier Aepfe?xlls wenn das so sein müsse, ließ drei davon in seinen Hosenlaschen verschwinden und biß äugenscheinlich mit großem Wohlbehagen in den vierten hinein, während er die Treppe hinabsprang. Lächelnd kehrte Arminius wieder zu seinem Bett zurück. Bist du nun zufrieden?" fragte Frau Minna. Arminius legte sich Nieder. Nach

alter Auffassung begann er darauf, würde ich zufrieden zu sein haben, da ich danach meine verwerfliche Habgier mit Kraft Gezwungen und einem Armen eine Wohlthat erwiesen habe... Anders sieht die ache nach der neuen Auffassung aus. Danach hätte ich mir klar, zu machen, daß meine That nur Egoismus war, indem ich mir auf billige Weise ein gewisses Wohlgefühl erkaufte, das schwache Naturen emPfinden, wenn sie anderen helfen . . . Ich kann dir also wirklich keine Auskunft darüber geben, ob ich zufrieden bin oder nicht, wie denn überhaupt der gebildete Mensch von Tag zu Tag zunimmt im Mangel an Erkenntniß, sintemalen alles ungewiß wird auf der Welt." Mit dieser Erklärung begnügte Frau Minna sich, besonders da sie schon wieder halb im Einschlafen war. Da legte auch Arminius sich nun einmal wieder zurecht, und beide Gatten genossen noch zwei Stunden festen Schlafes, ungestört von weiteren Besorgnissen wegen ihrer Apfelernte. Die schöne Genoss.

Zu den interessantesten und eigenartigsten Landschaften Europas geho ren die Küstengegenden der Bretagne. Trotzdem und obwohl sie nicht schwer zu erreichen sind erfreuen sie sich nicht der Gunst der modernen Touristen. Die große Masse derselben zieht eben immer nur den inMode gekommenen Reisezielen nach. Die Romantik einiger Gegenden der Aretagne spiegelt sich nun auch in der Märchen- und Sagenwelt derselben. Für stoffsuchende Balladendichter geradezu eine Fundgrube! Besonders ergiebig in dieser Beziehung ist die Landschaft am Meerbusen von Douarnerez. Eine Höhle daselbst, die mit der berühmten blauen Grotte von Capri sehr wohl concurriren kann, ist auch der Schauplatz der Geschichte der schönen Genoffa. Diese war die Tochter eines mächtigenHerrn, der auf dem Schloß hauste, dessen Trümmer auf der Insel Rozan zu sehen stnd. Ein wildes Mädel trotz ihrer vornehmen Abstammung, kannte sie kein größeres Vergnügen, als auf dem Rücken einer schönen weißen Kuh, die ihr der Papa geschenkt hatte, die Gegend zu durchstreifen. Emes Tages aber wurde das anders. Die weiße Kuh vertrauerte nun ihre Stunden im Stall, und alsbald behaupteten die Klatschbasen, die schöne Genoffa b:nutze jetzt für ihre Ausflüge einen schwarzen Stier. Das wäre ja nun nicht so schlimm gewesen, wenn der schwarze Stier nicht einem Jüngling gehört hätte, der immer neben Genoffa auf dem Rücken des Thieres saß. Als NUN die Kunde von diesen Vorgängen das Ohr von Genoffa's Vater erreicht hatte, da beschloß er sofort, mit eigenen Augen m prüfen. Kaum hatte aber das bethörte Kind denAlten erblickt, da reizte sie den Stier zur Flucht und dieser schien nur auf sein Stichwort" zu lauern. Kaum hatte er dasselbe vernommen, da ging es auch schon in wilden Sprüngen davon und immer fort, immer fort, hinab in dir rauschende Meerfluth und dann durch wunderlich blaue Saphirdome, in denen Genoffa um so mehr imHimmel zu sein glaubte, als ja noch immer der schöne Jüngling seinen Arm um sie geschlungen hielt. Allmählich aber, während der Stier seinen rasenden Lauf noch immer fortsetzte, verwandelte sich Alles. 'Das blaue Himmelslicht schwand und aus den Sapbirhallen wurden endlos scheinende schwarze Gänge, in denen schreckliche Flammen aufzuckten. Jammern und Heulen wurde hörbar und zeitweilig sah man in den Flammen menschenähnliche Gestalten sich in schrecklichen Qualen winden. Genoffa schien es noch eine Zeitlang kaum recht zu bemerken. Ihre Lippen hingen ja an denen des schönen Jünglings. Plötzlich aber' schrie sie auf. Ihre Lippen begannen plötzlich furchtbar zu schmerzen. Und nun erkannte sie, wie anders es um sie herum geworden war. Hilfesuchend schmiegte sie sich noch inniger an ihren Begleiter, aber nur, um abermals aufzuschreien. Sie hatte sich an eine Flamme geschmiegt, aus der ihr ein höhnisches Teuftlsantlitz entgegengrinste. Nun wollte sie herab vom schwarzen Stier, aber es gelang ihr nicht. Die Flamme hielt sie- gefesselt, ohne daß sie verbrannte. Und alles um sie herum war jetzt Hdllengluth, aus der ihr ein wilder Chor von Tausenden von Stimmen entgegengellte: Jetzt mußt Du ewig brennen, ewig Schmerzen leiden, denn Du bist im Reich btü schwarzen Stiers!" 3C In Alcamo (Sizilien) wurde am hellen Tage auf offener, belebter Straße ein elfjähriger Knabe, der einzige Sohn eines reichen Bauern, von Banditen geraubt. Am nächsten Tage erhielten die Eltern einen Drohbrief, in dem zehntausend Lire Lösegeld verlangt wurden und, falls dies verweigert wurde, die Ermordung des Kindes angekündigt wurde. Es aelang nach einigen Tagen den'Veh'örden, orel Bauern zu verhaften, die emgestanden, den Knaben entführt, nach Ablauf der Frist für Zahluna des Lösegeldes ermordet und den Leichnam in eine Clflerne geworfen zu haben. Dort wurde in der That der Korper des Aermsten gefunden.

Die sattln Fieöcoö. Schiller hat die Verschwörung Gian Luigi Fieschi's zum Gegenstand eines Dramas gemacht die Geschichte der Gemahlin seines Helden könnte man zum Gegenstand eines an spannenden Begebenheiten überreichenRomans machen. Eleonore war die Tochter Loremo Cybo's, der durch seine Heirath mit Ricciarda Malaspina im Jahre 1520 die Markgrafft Masse - Carrara erwarb. Die Folge dieses erheiratheten Besitzes waren recht mittelalterlich - italienische Kämpfe, in denen der Menschenmord eine große Rolle spielte Eleonorens Bruder endete auf dem Blutgerüst. Nach dem Ende, das ihr Gatte infolge der Verschwörung fand, vermählte sich Eleonore mit Chiappino Vitelli, Marchese von Cetona, der auch aus einer sehr vornehmen Familie stammte, derenGeschichte von Blut triefte". Chiappino's Großvater Paolo war 1499 hingerichtet worden, sein Großoheim Vitelellozzo war eines der Opfer Cesare Voraia'Z aewesen. Cbiavvino

zeichnete sich unter anderem als FeldHerr unter CosmuS dem Ersten von Medici aus (wider die Barbaresken und im Sieneser Kriege). Zuletzt stand er unter Alba in Philipps des Zweiten niederländischem Kriege. Da war er aber schon so beleibt geworden, daß er sich meist eines Tragsessels bedienen mußte, und als er auf diese Weise eines Tages Verschanzungen besichtigte, ließen ihn die Träger von der Höhe einer Tranchee hinabfallen, wobei er ums Leben kam. Seine Wittwe, die Wittwe Fiescos, zog sich nun nachToskana in das KlosterMurate zurück, das in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts für Einsiedlerinnen Gestiftet wori i i i den war. Es bestand aus einigen Zellen auf den Pfeilern der Rubacontebrücke und zwei Kapellen, deren eine der Brücke später den Namen Santa Maria della Grazie aab. In diesem Kloster brachte auch Catarina Sforza Riario, die Mutter Giovanni de Medicis, des Führers der schwarzen Banden" ihre letzten Jahre zu. Die zweite Gemahlin Cosmus' des Zweiten wurde hier nach seinem Tode auf Befehl des Nachfolgers eingesperrt. Hier lebte Eleonore bis zum Jahre 1594. Ihr Bruder Alberico .überlebte sie und behielt die Herrschaft in Massa - Carrara bis zu seinem Tode. Das letzte Mitglied der Familie Cybo - Malaspina war Maria Teresa. die Gemahlin Ercole Rinaldi's vonModena-Tste., die 1790 starb. Später wurde Massa mit Modena vereinig! und jetzt giebt es bekanntlich auch kein Modena, kein Toskana u. s. w. mehr. Die italienischen Kleinstaaten sind ebenso geschwunden, wie das ganz eigenartige Wesen der Familien, aus deren Kampfen sie erwuchsen. Die Brille alö Auszeichnung. Ueber den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten. In der zweiten Hälfte des 17. JahrhundertZ lebten die Spanier in der Ueberzeugung, nichts verschönere den Menschen so sehr, als eine Brille. . Und so gingen auch die reizendsten jungen Mädchen mit Brillen herum, und wer etwas auf sich hielt, legte seine Brille, wie unbequem sie ihm auch sein mochte, den ganzen Tag nicht ab. Ja, böse Zungen behaupteten sogar von dieser und jener Dame, daß sie auch mit der Brille zu Bett gehe. In jener Zeit wurde aber bekanntlich noch mehr als heute darauf gehalten, daß nicht etwa Leute aus den untern Ständen sich ebenso schön machten, als solche aus den obern; und so war die Brille ein Vorrecht der Vornehmen, und selbst in den höheren Regionen wurden wieder Unterschiede gemacht. Nur die Angehörigen des hohen Adels, die Gran den, durften ganz große Brillen tragen, die sogenannten Ocales". Ausnahmsweise wurden auch niederstehenden Hersonen, die sich besondere Verdienste eNvorben batten, die Erlaubniß ertheilt, Brillen zu tragen; und eine Madrider Chronik aus jener Zeit erzählt von einem jungen Jakobwermonch, der sich um sein Kloster so sehr verdient gemacht hatte, daß ihm auf Vorschlag seines Priors gestattet wurde, eine Brille zu tragen, und zwar die zweitvornehmste Nummer. die gleich hinter den Ocales" der Granden kam. - Ehrliche Leute. ajMt'4''T-. , ' MM-?. j.?T ' MW Gast: Gestern ist mir hier mein Schirm gestohlen worden!" Wirth (grob): Ach was, gestohlen, bei mir verkehren nur ehrliche Leute. . . wenn's nicht mehr regnet, wird er sich schon wieder elnsinden!" Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow-.

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