Indiana Tribüne, Volume 28, Number 114, Indianapolis, Marion County, 5 January 1905 — Page 6

Judiana Tribünc, g. Januar

G

ü f'i

J VV. V- '; N

ASSSKASSSAASSSSSSSSSSSS Z . $

8 v V w V I ü i vW tV y vi vt V I Z! 4 Das Durcddringen ist der hauptsächtllch Werth o St. Jakofos Oe! V i 4 $ v W Z usl i der Behandlung von fRheiirnatis $ V f dring durch bi aus den Sitz der Qual, wie kein anderes äußerliche Mittel och gethan hat. Tausende bescheinigen es. $ V V VV V ij Prlco 25c und SOc. VJ Oe ..Warum nicht Ihr Heimanziehend machen, durch den'Ge brauch eines Garland Ofen... .... und .... Range... Dieselben übertreffen alle andern in Schön heit. Dauerhaftigkeit, Heizkraft und Spar snkit im Kohlen Verbrauche. Dieselbe werden mit Vergnügen grzeiat, in WILLIG'S ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straße. Zohn Weber's Kneipe, Südost-Ecke Noble und Market Str. Meinen Irenndeu und Sönnern zur Nachricht, daß 4 die Wirthschaft an der oben genannten Ecke über rawcn Haie und ich mich freuen werde, meine alten , Freunde und so diele neue wie möglich bei mir de trt&e i können. Ich werde mich bemühe, meinen Säfte petl mit den besten Getränken, Cigarren und Lnnch aufzuwarten. Achtungsvoll JOIIX WEBER. THE MILITARY, Etke Ohio und West Straße, dem Military Park gegenüber. Henry Arszman, Eigenthümer Wirthschaft und KosthauS erster Klaffe. Die besten Getränke und Cigarren. Jedermann ist freundlichst eingeladen mich zu besuchen ...Herrenschneider... No. 1020 Süd Meridian Str. ZNedrigfte Preise. Gute Passen garautnt. I "fflj ." dailixi 1863, ntmmt jederzeU Sngage. czniZ entgegen. Irgendwelche Orchester Qusik und irgend eine Anzahl vyn Muftkerv fcixi geliefert. Neue Ausstattung und new Nnissrmen. St. A. Niller, Director Henr? Sprengpfeil, SeschäftZführn. 801 entuS? Avenue. Telephon ..... Neu 4593,

jjs' t iV. I Jife Wf rN 1 ; -frO"i y SXKD uv tb :ace"

Al Lm & 4 fcrl s i Ä Z MM ÄZZWstv

Zss. F. mm,

Europäische Nachrichten.

Cr

n

Zrsvinz ?SMMS 1 Stettin. Einer sckwtten Äot Perverletzung machte sich der Arbeiter Johannes Lawrenz, Fabrikstraße 1 wohnhaft, schuldig. Nachdem er seine Frau mit Todtschlag bedroht, brachte er ihr zwei Messerstiche, einen in den Rücken und einen in die Brust bei. Die Verletzungen sind schwer, aber nicht lebensgefährlich. Lawrenz wurde festgenommen. Greifenberg. Vor dem Regathor in der Scheunenstraße im massiven Stall des Gutsbesitzers Nahrius entstand Feuer, das sich infolge des herrschenden Sturmes sehr schnell derbreitete und 10 Scheunen, 1 Schafund 1 Schweinestall in Asche legte. Nabrius sind 78 Schafe. 1 Fohlen und 0 Gänse verbrannt. Die Ackerbürger Popp. Senkort, Henke. Glioemelster, Stahl, Wachs, Freie, Grimm und Müller haben mit ihren nur mäßig versicherten Scheunen sämmtlichen diesjährigen Einschnitt verloren. K a m m i n. In Ganserin sind die Gehöfte des Fleischermeisters Friedr. Reinke und des Bauernhofbesitzers Karl Wendt niedergebrannt. Nur das Vieh und einiges Mobiliar konnte gerettet werden. Lauenburg. Kutscher Papke der Baufirma A. P. Kaufmann, ein sehr solider und tüchtiger Arbeiter, fuhr geschäftlich über Land. Auf der Rückfahrt siel es Dorfbewohnern in Wussow auf, daß dem Gefährt der Kutscher fehlte. Bei näherer Besichtigung fand man den Kutscher mit den Füßen an der Wagendeichsel hängend und den Kopf auf der Erde schleifend. Die Dorfbewohner befreiten den Schwerverletzten aus seiner gräßlichen Lage und sorgten für seine Ueberführung in das hiesige Johanniter-Kran-kenhaus, wo er starb. N e u st e t t i n. Der 21jährige Müller Alfred Müller wurde beim Auflegen des Treibriemens in der vaterlichen Mühle vom Räderwerk erfaßt. Die Kleider wurden dem Verunglückten vom Leib gerissen und er selbst mit Zn's Getriebe gezogen und so schrecklich zugerichtet, daß er später völlig zermalmt und nackt in derGrube des Triebwerks aufgefunden wurde. P i tz e r w i tz. Schneidermeister Kofclow wurde Hierselbst in einer Kammer auf dem Boden feines Hauses erhängt aufgefunden; über die Gründe zu dem Selbstmord ist nichts bekannt. Kohlow stand im 58. Lebensjahre. T r e p t o w. Die Leiche eines vor drei Wochen in die Tollense gesprungenen Fremden kam hier angetrieben; dieselbe wurde nach dem Kirchhofe geschafft. Ausweislich der Papiere ist. der Name Wilhelm Falk, Dachdecker aus Lauenburg. Fr-ovinz Schreswig'Korstetn. A l t o n a. Der in Neu-Lokstedt wohnende Kampfgenosse von 1848, der pensionirte Zollbeamte Hans Braker, feierte mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Der Verein deutscher Kriegsinvaliden, dem der Jubilar seit 84 Jahren angehört, überreichte dem Jubelpaar durch eine Deputation ein Angebinde. Dem aus Bielenberg bei Glückstadt gebürtigen, hier in weitesten Kreisen bekannten Besitzer von Wulfs Etablissement, Heinrich Wulf, wurde anläßlich seines Lojährigen Geschäftsjubiläums vom Allgemeinen deutschen Gastwertheverband ein Ehrendiplom überreicht. Eckernförde. In seiner Frische und Rüstigkeit feierten Kaufmann Krafft Lorenzen und Ehefrau ihre goldene Hochzeit. Elmshorn. An den Folgen mehrerer Herzschlaganfälle verstarb der weit über die Grenzen unserer Stadt bekannte Oberpolizeisergeant Müller. Derselbe konnte auf eine bereits 42jährige, in verschiedenen Stellungen verbrachte Dienstzeit zurückblicken. Gundelsby. Ein sehr beklagenswerther Unglücksfall pafsirte zu Pugholz hiesiger Gemeinde. Dort war die etwa 70 Jahre alte Wittwe Jenfen, die Schwiegermutter des Schäfers Plath, auf dem Felde bei den Kühen ihres Schwiegersohnes - beschäftigt. Als sie diesen den Rücken drehte, sprang die eine Kuh mit -ihren Borderbeinen an der alten Frau empor. Diese stürzte hin, und zwar so unglücklich, daß sie mit dem Hals auf eine quer gelegte Holzstange zu liegen kam. Als man die Frau aus ihrer unglücklichen Lage befreit hatte, war sie in kürzester Zeit eine Leiche. Hadersleben. In Kolsnap (Gabel) in der Gemeinde Nustrup brannte das Gewese des Gastwirths Fries, sowie das anliegende KätnerHaus der Wittwe Ostergaard, bis auf den Grund nieder. K i e l. Im Kriegshafen durchschnitt eine Dampfpinasse des Linienschiffs Kaiser Wilhelm der Große" ein Ruderboot, in dem sich die Brüder Krakow und ein Knabe Sorgatz befanden. Der ältere Krakow gerieth in die Schraube der Pinasse und erlitt einen schweren Beinbruch,, der ihn leider zum Krüppel machen dürfte. Beiboote deö Flaggschiffs Kaiser Wilhelm III.' retteten die Verunglückten. Sieben bäumen (Lauenburg). Der 16jährige Knecht H. Bohnsack wurde von einem Pferde des -Hufners Wegner so heftig vor dem Leib'geschla-

gen, daß er den erhaltenen Veletzungen

erlegen ist. . W i l st e r. Die Eheleute Söhrens und 'Schiffer Heinrich Bösch erhielten anläßlich ihrer goldenen Hochzeit ein Gnadengeschenk des Kaisers von je 30 Mark. Frsvinz Schrelien. Ares lau. Uhrmacher Herrmann Fritschler, Karlstraße 2, feierte sein fünfzigjähriges Bürger- und MeisterJubiläum, an welchem Tage demselben durch eine Deputation, geführt durch den Vorsitzenden des hiesigen Uhrmachervereins, Uhrmacher E. Butschek, die Glückwünsche des Vereins dargebracht wurden. Der beim Abbruch des Feenpalastes auf dem Aufstellungsgelände beschäftigte Zimmergeselle Albert Weidner aus Wüstendorf stürzte beim Herunterlassen eines Sparrens aus einer Höhe von 4 Metern ab und verletzte sich schwer am Kopf. Er wurde sofort in das iüdische Krankenhaus getragen, woselbst nur noch der inzwischen eingetretene Tod festgestellt werden konnte. Hirschweg. In seltener Rüstigkeit feierte der städtische Steuererheber a. D. Gustav Knoblauch sein 50jähriges Vürgerjubiläum. Durch eine Deputation von Stadtverordneten wurden die Glückwünsche der Stadtverwaltung übermittelt und gleichzeitig erfolgte die Ueberreichung eines städtischen Ehrengeschenkes. Im Alter von 63 Jahren verschied nach kurzem Krankenlager der in Handwerker!!sen bestens bekannte Sattlermeister und WagenfabrikcmtFerdinand Winkler. Die Stadt verliert in ihm einen Stadtverordneten, der sich durch seine Thätigkeit in zahlreichen Commissionen besondere Verdienste erworben hat. Langenbielau. In größter Rüstigkeit und geistiger Frische feierten der Kaufmann Karl Hoffmann und seine Ehefrau Karoline, geb. Burghardt, das Fest der goldenen Hochzeit. Maltsch. Auf dem hiesigen Bahnhöfe fand der Rangirer Schade aus dem nahen Camöse beim Rangiren einen plötzlichen Tod. Schade ist 22 Jahre alt und unverheirathet. P leß. Das Forstrendant Brdicka'sche Ehepaar Hierselbst beging in voller Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit. Trachenverg. Bauergutsbesitzer Fr. Bossert aus Beichau wurde, als er sich auf dem hiesigen Jahrmarkt befand, von seinem Pferde derart gegen die Beine geschlagen, daß die sofortigeUeberführung des Schwerverletzten in das Herzogliche Hospital erforderlich wurde. Waldenbu'rg. Zu Tode verunglückt ist der bei der Verladung des fürstlich Pleßschen Tiefbauschachtes beschäftigte Grubenschlepper Friedrich Welz. Er kam zwischen 2 Eisenbahnwagen und wurde so schwer verletzt, daß er alsbald verstarb. Vrovinz g'ofen. Bromberg. In Misterfeld erschoß der Korbmacher Müller seinen 21jährigen Bruder infolge von Streitigkeiten über die Pflege der kranken Mutter. Der Thäter wurde verhaftet. Die bekannte große Eisenfirma Ludwig Kolwitz beging das Fest ihres 50jährigen Bestehens. Fordon. Beim Häckselschneiden mit dem Göpel wurde der 19 Jahre alte Sohn Wilhelm des VesitzersKunke'l aus Nieder-Strelitz von der Verbindungsstange zwischen Göpel und Häckselmaschine erfaßt und zu Boden geschleudert. Er fiel so unglücklich, daß er einen doppelten Beinbruch erlitt. K r o t o s ch i n. In der Waarenremise des -Kaufmanns Stephan Ruhmann brach auf unaufgeklärte Weise Feuer aus, welches von der Feuerwehr gelöscht wurde. Der Schaden beträgt 38,000 Mark. Kosten. Im Keller der Firma Meyer Plonsk waren die dort lagernden Bestände der Deutsch-Amerikani-schen Petroleum-Gesellschaft in Brand aerathen. Das Feuer griff mit solcher Schnelligkeit um sich, daß die Angestellten und Bewohner des dem Kaufmann Adolf Plonsk hörigen dreistöckigen Doppel - Wohnhauses Posenerstraße 14.15 noth hatten, ihr elgenes Leben zu retten. Qstrowo. Durch eine unsinnige Wettfahrt auf der Chaussee von hier nach Wturek wurde der Arveiter Aalentin Majewski von dem Wagen des Wirthes Thomas Grzesczyk aus Klein-Kamieniec so unglücklich überfahren, daß er lebensgefährlich verletzt wuroe. Rawitsch. Polizeiinspektor Krause beging sein 25jähriges Amtsjubiläum in unserer Stadt. Dem sehr beliebten Jubilar wurden viele Ehrunaen zuthell. S l u p i a. - Der 19 Jahre alte Sohn des Bahnwärters Jung ist durch eigene Unvornchtlgkelt vom El senbahnzuge überfahren und auf der Stelle getodtet worden. W o l l st e Z n. Bom Güterzuge ließ sich das 19 Jahre alte Dienstmädchen Marie Barczak des Bahnhyssrestaurateurs Boesel hierfelbst überfahren. Die Ursache, die das Mädchen in den Tod getrieben hat, ist die, daß sie zu einer Heirath von ihren Eltern gezwungen werden sollte, während sie ein ' Verhältniß mit einemEisenbahnschaffner hatte, das ihre Eltern nicht billig-ten.

Katzenzungen.

Humoreske von PaulaKaldewe. Sehr zum Leidwesen ihrer zahlreichen Verehrer hatte Frau Leonie Bigner in diesem Jahre ihre Stadtwohnung schon frühzeitig verlassen und war vor den sengenden Sonnenstrah len hinausgeflüchtet in die kleine Villa im Waldesgrün, die, nach den Plänen ihres verstorbenen Gatten erbaut, ihr nun bereits seit mehreren Jahren als Sommeraufenthalt diente. Besonders unglücklich sah bei dieser unerwarteten Eröffnung Doktor Felix Körber, der junge Privatdocent, aus, den man ob seiner Schüchternheit in Collegenkreisen nie anders wie den sanften Felix" nannte allein der glänzenden Beredtsamkeit der schönen Wittwe gelang es bald, seine gute Laune wieder herbeizuzaubern. Sie klopfte ihm leicht auf die' Schulter und sagte in fröhliche Tone: Was. thut es, lieber Freund, wenn nun auch wirklich zwischen unsern Behausungen ein Stündchen Eisenbahnfahrt liegt. Den Jour fixe" behalten wir nach wie vor bei, und ich bin fest überzeugt, Jochen Klüxholt ist selig, wenn er für sein vorsintfluthliches Gefährt nämlich das einzige, das in Schönberg überhaupt existirt Donnerstag Nachmittags einen oder mehrere Gäste findet, die nach Villa Waldmeister" hinausbefördern kann," schloß sie lachend. Ja wenn Sie wirklich gestatten gnädige Frau daß iäSie auch in der Sommerfrische aufsuchen darf dann allerdings," entgegnete der blonde Hüne- ein wenig stockend. Aber natürlich, ich werde mich sogar aufrichtig freuen." Ueber meine Gegenwart doch Hoffentlich auch, Gnädigste!" Frau Leonie wendete sich hastig um und blickte in das vergnügte Antlitz Kurt von Tornow's. Meinen Sie nun: wir werden ja sehen!" Dabei drohte sie dem eleganten Schwerenöther scherzhaft mit demFinger. Langsam für seine Ungeduld viel zu langsam, trottete der alte. Klepper vorwärts, der Doktor Körber nach Villa Waldmeister" bringen sollte. Den leichten Strohhut mit dem bellen Bande hielt der junge Gelehrte in der Rechten, damit der kosende Zephir die hohe Denkerstirn ungehindert umspielen konnte. Achtlos ' glitt - sein Blick an den freundlichen Sommerwohnungen vorüber, auf deren offenen Veranden die Kurgäste gerade beim Nachmittagskaffee saßen und nun neugierig nach dem schönen Fremden schielten, der ihnen so gar keine Aufmerksamkeit schenkte. Er verspürte nichts von dem Rosenduft, der in vollen Wellen aus den benachbarten Gärten zu ihm hinüberschlug; seinem Ohr entging selbst das Zirpen der Grillen und Grasmücken, das Summen der Bienen und Schmetterlinge weilten doch alle seine Gedanken bei der, deren bloße Gegenwart sein Herz höher erschlagen machte schon seit Wochen und Monden. Noch eine Viertelstunde, dann trete ich Dir wieder gegenüber, Liebstes," flüsterte er vor sich hin, entschädige mich in Deinem Anblick für die Zeit des Getrenntseins, die Tage des Sehnens und Bangens. Ach, daß ich doch endlich einmal den Muth fände. Dir meine Gefühle zu offenbaren, Dir zu gestehen, daß Du mir theurer bist als alles auf der Welt. Aber wenn ich Dich anschaue, und Deine strahlenden Augen dringen mir bis auf den Grund der Seele, dann verläßt mich die Sicherheit, ich stammle befangene, zusammenhanglose Worte und Du wendest Dich dem zu, der tausendmal glänzender ist als ich, dem dafür jedoch derBegriff Treue" ein unbekannter, nie erprobier ist " Willkommen in Waldmeister", mein lieber Doktor, ich freue mich, daß Sie pünktlich sind!" Ein fröhliches Lächeln um den feingeschnittenen Mund, die braunen Löckchen von einem darüberhuschenden Sonnenstrahl gleichsam vergoldet, tritt Frau Leonie in die Gartenthür und winkt dem aussteigenden Gaste herzlich zu, der die zierliche Gestalt in dem schmiegsamen, weißen Kleide einenAugenblick wie verzaubert anstarrt. Haben Sie Dank, gnädige Frau!" Ein schüchterner Handkuß doch da fällt dem jungen Docenten blitzschnell ein, daß er der Angebeteten seines Herzens etwas mitgebracht; eine Schachtel Katzenzungen" jene köstliche Chokolade, wie sie in der Vollendung nur der Pariser Marquis fabrizird als Zeichen, wie innig er auch während ihres Fernseins an sie gedacht, wie er ihre kleine Schwäche belauscht, die sie ihm niemals verrathen, die der Liebende aber trotzdem mit scharfem Blick erkannt. Er greift in die Taschen des UeberrockS, des Paletots allein vergeblich, das Gesuchte ist nirgends zu finden. Er muß es in der Erregung im Laden vergessen haben, oder im Eisenbahnabtheil, vielleicht auch erst im Wagen Suchen Sie etwas. Herr Doktor?" Mit verwunderter Miene begleitet die-Hausfrau sein rastloses Gebühren. Nein, durchaus nicht, gnädige Frau, im Gegentheil " Dann wollen wir - zunächst eine Tasse Kaffee trinken. Ich habe in der

Laube decken lassen. Kommt übriaenö Assessor von Törnow nicht?" Ich glaube ja. er sprach wenigstens heute Mittag davon." In einer halben Stunde hält der Schnellzug aus der Residenz hier, der wird ihn uns sicherlich bringen, nun, und Freund Klüxholt hat gewiß nichts dagegen, wenn er zwei Fahrgäste nach einander hat." Jawohl," kommt es mechanisch von Körbers Lippen, während er achtlos ein Stückchen Kuchen zwischen denFingern zerkrümelt: Wie sie ihn liebt, den faden Gecken nicht einmal tzie Zeit vermag sie abzuwarten, bis sie ihn wiedersieht und ich ich stehe dabei und muß zuschauen, wie sie mit den Blicken aneinander sich jedes Wort von dem Munde ablesen, ehe es noch gesprochen worden!" Nur mit Mühe unterdrückt der Eifersüchtige einen Seufzer. Niemals war der sanfte Felix" weniger gesprächig gewesen als an diesemNachmittag, so daß Frau Leonie unwillkürlich erleichtert aufathmete, als das Rollen des Wagens ihr das Nahen des andern Gastes verkündete. Ich bin glücklich, meine gnädigste Frau, Sie endlich einmal wieder begrüßen zu können. Servus, Felix! Uebrigens bin ich-so frei gewesen,Gnänigste, Ihnen eine Kleinigkeit mitzubringen, etwas, das sich in diesem Nest wohl kaum auftreiben läßt; ich hoffe, daß Sie es infolgedessen huldvollst anzunehmen geruhen werden." Damit überreichte Kurt von Tornow der erstaunten Leonie unter tiefer Verbeugung ein Päckchen in rosa Seidenpapier, in welchem Felix zu seiner Bestürzung das Verlorene wiedererkannte. Schon wollte sich ihm ein Ausruf über die Lippen drängen, der die wahre Aufklärung brachte allein zu spät. Frau Vigner hatte bereits die zarte Umhüllung entfernt und stieß nun einen Jubellaut aus: Katzenzungen meine Leidenschaft! Und von Marquis aus Paris! Die besten, die überhaupt existiren! Nein, wie lieb von Ihnen, Herr von Tornow, so an mich zu denken." Damit schüttelte sie dem Ankömmling dankend die Hand. Woher kannten Sie nur meine Schwäche für diefe Süßigkeit," forschte sie neugierig. Ich habe sie Ihnen, meines Wissens, doch niemals verrathen." Ich leide eben an Ahnungen, Gnadigste." erwiderte der Assessor lachend. Dann wissen Sie wahrscheinlich auch bereits, daß ich jetzt eine Flasche Sekt beordern werde, die wir drei gemeinschaftlich leeren wollen." Selbstverständlich ! Uebrigens fühle ich, daß es bei der einen nicht bleibt!" Desto besser!" 1 Kaum hatte Frau Leonie der Laube den Rücken gekehrt und war dem Hause zugeeilt, um ihre Befehle zu geben, da war es mit Körber's mühsam bewahrter Fassung vorüber. Der sonst fo ruhige Marnnoar nicht wieder zu erkennen. Derartige Scherze gingen ihm denn doch über den Spaß. Zitternd vor Erregung eilte er deshalb auf den Freund zu, der sich eben in voller Gemüthsruhe eine Cigarette anzündete. Das hast Du gewagt," donnerte er den Verdutzten an. Was denn?" Mich um den Erfolg einer Ueberraschung zu bringen, auf die ich mich wochenlang gefreut hatte!" - Vorläufig könntest Du gerade so gut babylonisch geredet haben, so wenig verstehe ich Deine Auslassungen." Nun, dann will ich mal deutsch sprechen!" Bitte, ich habe nichts dagegen!" Einmal muß es doch von der Seele herunter, was Monate lang darauf lastet, und wer weiß, ob sich ein günstiger Augenblick bald wieder dafür finoet." Ach, Du meinst, wo Dein Sprechanismus ähnlich gut funktionirt wie heute?" Nein, das meine ich nicht, denn das wird von jetzt an immer so bleiben! Ich sehe ein, meine bisherige Schllchternheit paßt nicht in diese Welt, beraubt mich meiner schönsten Hoffnungen und Pläne " Hätte der Sprecher geahnt, daß er in der unzwischen zurückgekehrten Frau Leonie eine Lauscherin gefunden, vielleicht wären seine Worte weniger schwungvoll und beredt gewesen. Allein das dichte Fliedergebüsch barg sie neidisch vor der Herren Blicken; deshalb fuhr der Erregte auch in o-msel-ben Tone fort: Jmmer-und ewig' hast gerade Du Dich mir in den Weg gestellt; dem kleinen Jungen schriebst Du die Rechenaufgaben ab, wie nachher dem Sekundaner und Primaner das lateinische Pensum und die Mathematik. In der Tanzstunde machtest Du mir meine Flamme" abspenstig; im Freiwilligenjahr überließest Du mir Deine taktische Arbeit zur gefälligenErledigung. Wo Du auf den Bällen erschienst, galt ich nichts mehr möglicherweise spottetest Du sogar über den schüchternen Jüngling, der sich in den Ecken herumdrückte." Erlaube mal!" Ach was, hier ist nichts zu erlauben, sondern nur zu verbieten! Zu verbieten, hörst Du, daß Du in der bisherigen Weise fortfährst! Denn von jetzt an handelt es sich um mein

Lebensglück, das ich mir von Dir nicht gutwillig entreißen lassen werde." Hab' ich auch keineswegs vor!" So, wie konntest Du Dich dann unterstehen, jene Marquischokolade als Dein Geschenk auszugeben? Tagelang habe ich darüber gegrübelt, wie ich der Erwählten meines Herzens eine kleine Freude bereiten könnte, bis mir auf einmal einfällt, daß sieein einemSchubfach ihres Schreibtisches stets diese Sorte verwahrt. Daran muß sie erkennen, wie theuer sie Dir ist, wenn Du ihre kleinen Liebhabereien erräthst, machte ich, und ekltedas Ersonnene zu besorgen. Und da kommst Du " Dann vergiß ein andermal Dein Paketchen gefälligst nicht in Miethwagen, die von Gott und aller Welt benutzt werden," unterbrach ihn der Assessor. Aber da wird immerfort nur an die Herzliebst gedacht und zum Schluß einem flotten Kerl übel genommen, wenn er sich mit einer guten Freundin einen Scherz erlaubt, den er erst ein Stündlein später beichten will." Du hättest .ihr also gesagt, daß Ict)' es war, der ihr die Chokolade mitgebracht," klang es ein wenig unsicher zurück. Selbstverständlich! Aber auch ohne dies wußte Frau Vigner genau, daß meine Bonbonnieren einen andern Weg nehmen, allerdings manchmal durch ihre schönen Vermittlerhändchen." Dann liebst Du sie nicht?" Ebensowenig wie sie mich. Sie war und ist meine Vertraute in meiner Herzensangelegenheit mit ihrer Freundin Käthe von Senden; dafür muß ich ihr hin und wieder über den sanften Felix" berichten, an dem sie' nur auszusetzen hat, daß er so schrecklich schüchtern ist." Ist das wahr, alter Junge?" Durch die Stimme des Fragenden tönte ein Jubellaut. Jawohl, Tornow hat die Wahrheit gesagt," klang auf einmal Frau Leonies Antwort vom Eingang der Laube her. Aber nun, wo ich gehört, daß der sanfte Felix" auch sehr enrgisch sein kann, wenn eö sich um seine Liebe handelt, ist mir keinen Augenblick mehr bange, daß er mich nicht glücklich macht." Leonie, mein alles!-

DerhistorischeLanosiF der Gräfin von Stamford und Warrington, Enviüe Hell in Staffordshire, England, ist ein Raub der Flammen geworden. Das erste Zeichen des Brandes bemerkte eine alte Haushälterin, die um 1 Uhr Nachts durch ständiges Knistern erwachte. In der Meinung, daß Ratten an den Balken nagten, stand sie auf und ging hinab, um einen Hund von der Kette zu lösen und die Ratten durch ihn einzuschüchtern. Inzwischen hatte das Feuer weitere Fortschritte gemacht; die Haushälterin sah, daß es brannte, und weckte schleunigst die Diener. Das Feuer hatte aber schon so weit um sich gegriffen, daß die Dienerschaft und die Löschmannschaften sich darauf beschränken mußten, die vielen werthvollen Gemälde in der Bildergallerie und im Ballsaal zu retten. Kostbare Gemälde von Momney, Rubens, Tizian, Murillo und anderen Meistern wurden schnell abgenommen und in den Ställen untergebracht. Dann gab es noch einen harten Kampf, um die Flammen von dem feuersicheren Raum abzuhalten, der das Familiensilber und die Juwelen im Werthe von vielen Tausenden enthält. Die Höhe des Verlustes schätzt man annähernd auf 5400.000 bis . Z500.000. Es heißt, daß seltene und schöne Bilder und Erbstücke ein Raub der Flammen geworden sind. Enville Hall ist unter Heinrich VIII. gebaut worden und befindet sich seit dem Jahre 1628 im Besitz der Grafen von Stamford. DerwerthvollsteFund der Ausgrabungen der Archäologen Curtius und Fichter in Aeg!fc ist ein kostbarer Onyx von schönst- Farbe und Durchsichtigkeit. Auf der gewölbten Seite des 5 Centimeter hohen und 4 Centimeter breiten Steins befinden sich in erhabener Arbeit zwei Gestalten eine männliche und eine weibliche, die mit wunderbarer Kunst gearbeitet sind. Das Natürliche.und Ungezwungene der Haltung und die Anmuth des Ausdrucks fesseln den Blick so, wie ein Augenzeuge berichtet, daß man sich von dem schönen Anblick nicht losreißen kann. Der Mann trägt eine Art von Pehlon, dessen Enden über seinem Kopfe fliegen, während die Frau das Gewand hat herabfallen lassen und nur von den Knien nach unten bekleidet ist und somit den ganzen Oberkörper nackt zeigt. Bevor der Stein ordentlich gereinigt war, hielten die Archäologen die Gruppe für Dionysos und Ariadne, später aber erkannte man in der einen Figur einen Hermaphroditen. Die Arbeit gehört nicht der hellenisch-klassischen Periode, fondern der hellenistischen an, und Curtius ist der Meinung, daß der Fund ein Stück von einem größeren Gefäß aus Onyx ist, das rings herum solche Reliefs zeigte. Später habe man das herausgebrochene Stück abgeschlissen und ihm eine annähernd hufeisenförmige Gestalt gegeben. Der Stein wird mit unter die kostbarsten Antiken zu rechnen sein, die das griechische Nationalmuseum aufzutveisen hat; es ist ein Schmuck, werth, von, einer Kalseri getragen zu werden. -

7