Indiana Tribüne, Volume 28, Number 113, Indianapolis, Marion County, 4 January 1905 — Page 6
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Europäische Nachrichten.
'Provinz Wrandenvrg. Berlin. Das 23jährige Jubiläum der Charlottenschule wurde in d:r Aula der Anstalt in der Stcglitzer Straße durch einen Schulakt festlich begangen. Arbeitslosigkeit hat den 21 Jahre alten Vergolder Emil Beier von? Maybachufer No. 6 in den Tod getrieben. Sein Wirth fand ihn in seiner verschlossenen Stube als Leiche an der Thürklinke hängen. Von einer Eisenbahnschwelle erschlagen wurde der 25 Jahre alte Arbeiter Bruno Janeck, ein unverheiratheter Mann, der mit seiner 63 Jahre alten Mutter und mehreren Geschwistern in der Neichenbergerstrae 115 wohnte. Auf demselben Bahnhofe gerieth der Rangirer Leo Dahl aus der Memelerstraße 45, ein Mann von 26 Jahren, zwischen die Puffer zweier Wagen und erlitt so schwere innere und äußere Verletzungen, daß er schon auf dem Wege nach dem Krankenhause Bethanien starb. Der 53 Jahre alte. Kaufmann Wilhelm Schacht wurde in seiner Wohnung in der Mauerstraße todt aufgefunden. Er hatte sich aus Gram über den Tod seiner Frau mit Cyankali vergiftet. Der 30 Jahre alte Buchhändler Georg Kittmann, der mit seiner verwittweten Mutter in der Köthenerstraße 13 im zweiten Stock des Nebenhauses wohnte, ist durch einen Sturz von der Treppe tödtlich verunglückt. Kittmann kam betrunken nach Hause. Er stürzte über das Treppengeländer und fiel in den Lichthof hinab, Infolge einer Flaschenverwechslung hat der 64jährige Tapezierer Robert Lempe aus der Klödenstraße 6 den Tod gefunden. Er trank versehentlich Salmiakgeist, den seine Frau zum Reinigen von Stoffen benutzen wollte, und mußte nach dem Krankenhause am Urban gebracht werden. Dort ist er seinen Verletzungen erlegen. ' Buckow (Zllllichau - Schwiebus). Dem Lehrer undKüster Karl Schmidt wurde der Adler der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern verliehen. Charlottenburg. Das 25jährige Dienstjubiläum feierte der Assistent im Einwohner - Meldeamt, Krüger. F i n st er w a l d e. Der WaldWärter Kamenz aus ReHain ist seit Kurzem verschwunden; man glaubt, daß er von einem Wilddieb erschossen ist. Unter dem Verdacht der That ist bereits ein wegen Wilddieberei vorbestrafter Sohn des Obermüllers Vogel aus Lindenthal verhaftet worden. Neuulm (Driesen). Von einem schweren Unglück wurde die Familie desGastwirths Marschall heimgesucht. Der 5jährige Sohn kam beim Spielen in der Stube dem eben angefachten Ofenfeuer zu nahe und wurde im Nu von den Flammen erfaßt. Das brennende Kind rannte in seiner Angst zu der im Nebenzimmer beschäftigten Mutter, die das Feuer erstickte. Leider waren die Brandwunden des Kleinen so schwer, daß er starb. R i x d o r f. Ein schweres Vauunglück ereignete sich auf dem Neubau Heidelbergstraße 76. Ein zur Deckenläge zu verwendender eiserner Träger von etwa 6 Meter Länge, der mittels Winden nach dem dritten Stockwerk des Seitenflügels geschafft worden war, sollte dort gekantet werden. Hierbei neigte sich jedoch das Gerüst, auf dem der Träger lagerte, etwas zur Seite und die schwere Last stürzte in die Tiefe. Der 29jähriae Arbeiter Wilhelm Panke passirte in'diesem Augenblick den Hof und gerieth unter den ftürzmden Träger. Panke wurde zwar sofort aus seiner furchtbaren Lage befreit, hatte jedoch einen Bruch der Wirbelsäule, Zersplitterung der Rippen an der rechten Körpcrseite, eine Vruchverletzung am Kugelgelenk des rechten Oberschenkels, sowie andere schwere innerliche Verletzungen erlitten. Sein Zustand ist hoffnungslos. W r i e z e n a. O. In dem Akazienwäldchen hinter dem Vahngeleise an der Jänickendorfer Bahn wurde in einer der dort befindlichen Sandgrube die 30 Jahre alte Dienstmagd Anna Vangwitcz, geb. Rogaschefski aus Scheleck (Ostpreußen) ermordet aufgefunden. Zwei Personen wurden als die vermuthlichen Thäter in Haft genommen. Frovinz Hflpreußen. Königsberg. Ein t'ödtlicher Unfall hat sich bei der Firma Geilus und Anders in Mühlendorf zugetragen. Als der dort beschäftigte Faktor Flieder sich an einem Stapel Bretter zu schaffen machte, wurde er durch plötzlich herabstürzende Bretter verschüttet und konnte trotz sofortiger Rettungsversuche erst als Leiche wieder hervorgezogen werden. In der Hinteren Vorstadt wurde eine Frau Kösling von einem Wagen, an dem sie vorüber wollte, so unglücklich gequetscht, daß sie schwere innere Verletzungen erlitt und mit dem Unfallwagen dem städtischen Krankenhause zugeführt werden mußte. Aulowönen. In einem Anfalle momentaner Geistesstörung, der lange vorher tiefe Schwermuth voranging, erhängte sich derGutsbesitzerssöhn Hermann de la Chaux zuMilschlauken in der Scheune seiner Mutter, die seit drei Jahren Wittwe ist. Der Unglückliche war nach dem Dachstuhle
geklettert und hatte dann die Unglück'
selige That verübt. Eydtkuhnen. Beim Zurückrücken zweier leerer Gänsewagen wurde der Weichensteller Mendritzky auf das Geleise geschleudert und ein Wa$tn und ein Theil der Lokomotive gingen über ihn hinweg. Er erlitt , Verletzungen an der Hacke des rechten Seines und außerdem schwere innere Verletzungen und mußte nach Hause getragen werden. Gilgenburg. Vor Kurzem wurde ein Hund des Gutsbesitzers Müller, auf Jablonowo von Tollwuth befallen. Viele Hunde, die er gebissen hat, mußten getödtei werden. Es sind von diesem Hunde aber auch Menschen gebissen worden, und zwar folgende Personen: Postgehilfin Frl. Thiel von hier, Arbeiterfrau Falinowsli von hier, ein Kind des Maschinenbauers Hinz von hier, eine Scharwerkerstochter und ein Kind von Jablonowo. Diese Personen haben sich bereits in das Pasteur'sche Institut nach Berlin begeben. Kranz bei Königsberg. Das Fest seiner goldenen Hochzeit beging das Rentier Wessel'sche Ehepaar in voller Rüstigkeit, obgleich der Jubelbräutigam bereits auf 84 Jahre zurückblicken kann, während die Jubelbraut 67 Lenze zählt. Mohrungen. Das älteste akiive Mitglied des Verbandes der Freiwilligen' Feuerwehren Ostpreußens, Portner, Hierselbst, beging bei größter Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Memel. Die Ehefrau des Losmannes Jakob Vendiks au$ Daugmanten war auf's Feld zum Kartoffelausnehmen gegangen und fand, als sie zurückkehrte, ihren Ehemann in der Stube in der Nähe des Heerdes an ei-' nem Balken, erhängt vor. Es ist fraglich, ob der Verstorbene selbst in den Tod gegangen ist, zumal er in geordneten Verhältnissen lebte und es auch an jedem Motiv zu der That fehlt. Er hinterläßt die Wittwe und ein Kind. Queden. Der Hilfsweichenfleller Sorczesny aus Mertenheim, der die Strecke zu beaufsichtigen hatte, wurde von dem letzten nach Prostken fahrenden Personenzuge hier überfahren und getödtet. S o l d a u. Gerichtskastellan Totzek feierte in voller Rüftigkeit fein 50jähriges Dienstjubiläum. Stallupönen. Die Irau des Kreiskassenrendanten Fornacon, welche wegen Wahnanfälle bewacht wurde, warf in einem unbewachten Augenölick ihren 2y2 Jahre alten Sohn sowie ihr neugeborenes Töchterchen aus dem zweiten Stock des Hauses und sprang sodann selbst nach. Beide Kinder waren sofort todt. Frau Fornacon starb kurz darauf. Frovinz Westpreußen. D a n z i g. Erschossen hat sich der in einem Hause in der Hundegasse seit Kurzem wohnhafte Kaufmann Paul Staude aus Trautenau in Böhmen. Da Staude sich nicht sehen ließ, wurde die verschlossene Thür gewaltsam geöffnet, und man fand Staude im Bett mit einer Schußwunde in der Herzgegend todt vor. Dir schau. Vor Kurzem spielte der 12 Jahre alte Sohn Stanislaus des Besitzers Wigotzki in Resenschin mit einem Gewehr. Hierbei entlud sich der Schuß und traf den dabeistehenven 5jährigen Bruder des Unglücklichen Schützen in den Kopf. Das schwer verletzte Kind starb im Krankenhause zuPelplin, wohin es gebracht worden war. Granden z. Einem bedauerlichen Unfall fiel ein blühendes Menschenleben zum Opfer. Als bei den reitenden Jägern die Remonten geritten wurden, fiel der im zweiten Jahre dienende Otto Kaftan so schwer mit dem Kopfe gegen einen harten Gegenstand, daß er äußere und schwere innere" Verletzungen erlitt. Im Lazareth verstarb der erst 20jährige junge Mann. Kulm. In der hiesigen Jägerkaserne entstand in dem auf dem Hofe stehenden Lehroebaude ein Brand, der sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete und das Dachgeschoß sowie einen Theil der Mannschaftsstuben bernichtete. Im Dachgeschoß befanden sich die Montirungskammern der 3.' und 4. Compagnie. In diesen war die ganze kriegsmäßige Ausrüstung vorHanden, die durch das Feuer vollstänbig vernichtet wurde. Nikolaiken. Bäckermeister Witt, welcher seit längerer Zeit das Backen eingestellt hatte, heizte kürzlich wieder zum erstenmal seinen Backofen, legte sich dann, ebenso wie fein Geselle, in der Backstube noch ein wenig zum Schlafen nieder; durch unaufgeklärte Ursache entwickelten sich schädlicheGuse und Witt bat hierdurch seinen Tod gefunden. Putzig. Als der Gemeindevorsteher Plinski - Löbsch vom Felde heimkehrte, wurde er ohne jede Beranlassung von dem ihm begegnenden EigentHümer Bobber aus demselben Dorfe mit einer Fo.rke gestochen und am Arme schwer verwuxdet. Es liegt ein Racheakt vor. ' T h o r n. Auf dem hiesigen Hauptbahnhof stürzte der Eisenbahnarberter Raatz aus Duliniewo in den Wasserbehälter, aus dem die Lokomotiven mit Wasser versehen werden, und ertrank. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau mit acht , unversorgten Kin-dern.
Ihr Jubiläum Von Gab er. Fünfundzwanzig Jahre war sie nun im Geschäft thätig. Heute war ihre Jubeltag. In dem knappen, schwarzen Tuchkleide mit dem weißen Einsatz, auf Itm nur eine kleine Nadel den Kragenschluß schmückte, mit dem natürlich gewellten, kunstlos geknoteten Haar, machte sie fast den Eindruck eines männlichen Buchhalters. Nur wenn sie die Augen aufschlug, wenn die Lider sich hoben und die dunkelblauen Augensterne so voll verständiger Güte blickten, dann wußte man, daß sie 'ein Mädchen war, ein echtes Weib. So warm und sonnig strahlen nur Frauenaugen, nur glückliche Frauenaugen. Bewegt sah sie im Kreise umher auf die Fülle der Blumen, die in den verschiedensten Arrangements ihren Arleitstisch bedeckten, vom kleinsten Sträußchen bis zur kunstvoll gewundenen 25 aus Rosen. Und immer neue Gratulauten drängten sich heran. Arbeitsharte Hände, die des Mädchens feine Finger drückten, zum Zerbrechen fest; und allen nickte sie glücklich zu. Sie war sehr beliebt bei den College und Arbeitern in ganzen Hause; alle schwärmten )ür sie, vom kleinstenLehrling bis zu den Chefs hinauf, deren imposantes Dreigestirn in leuchtendem
Glänze am Großstadthimmel erstrahlte. Es war eine der größten Firmen am Platze, in deren Diensten Anna Kühn im Schreibärmel grau" geworden war. Und dann ebbte der Sturm so langfam ab. Das Räderwerk täglich wieverkehrender Pflicht begann. Bald war alles im gewohnten Alltagsgleise. Anna mußte die Blumen zusammenbinden und auf das Fensterbrett stellen, um ihren Arbeitsplatz frei zu haben. Aber wenn sie den Blick hob, wanderten die Augen gern mit stillem Grüßen hinüber zu den Blumensträußen. Wie ein hoher Feiertag lag es heute über ihrem ganzen Wesen. Sie sah sich im Geiste als blutjunges Dingelchen zur Arbeit hier antreten, den Kopf voll von Schulweisheit und mühsam erlernten kaufmännischen Formeln und die Hände so unsicher, so ungeschickt in den noch ungewohnten Beschäftigungen. Wie halte sie sich gekränkt gefühlt, als man ihr die einfachstcn Verrichtungen erklären und vormachen mußte. Und doch hätte sie das alles nicht gekonnt aus sich selbst heraus. Aber dann war sie rasch vorwärts gekommen, sehr rasch. Mit lebhaftem, -immer gesteigertem Jnteresse widmete sie sich ihrer Berufsthätigkeit, hinter der alles, was außerhalb von ihr lag, zurücktreten mußte. Es war nicht selten, daß Anna ein Familienfest, einen Theaterbesuchs ja selbst ein Kränzchen versäumte, wenn die sich manchmal überhäufenden Arbeiten ein solches Opfer erheischten. Und so war die Zeit dahingegangen, in ihrem sich immer gleich bleibenden Kreislauf von einem Jahresabschluß zum anderen. Annas Eltern starben; die Schwester heirathete, eine kleine Rheinstadt wurde ihre neue Heimath. Dahin hatte sie den Hausrath mitgenommen, der den Mädchen aus dem Elternheim als Andenken verblieben war. Du bist ja doch den ganzen Tag nicht da", hatte die junge Frau gemeint, und solch ein Hausstand ist eine Last für ein junges Mädchen." So wohnte Anna jetzt möblirt be! fremden Leuten; und nie war ihr der Gedanke gekommen, daß es anders sein, anders werden könne. Heute, zum ersten Male, stieg ein neuer fremder Wunsch in ihr auf: es verlangte sie nach einem eigenen Heim. Gedankenvoll blickte sie auf den Hof hinaus. Dort wurden gerade Kisten und Ballen verladen; kräftige Hände rührten sich. Anna kannte die Leute, und auch deren Frauen und Kinder kannte sie. Und jeder von ihnen hatte sein gemüthliches Heim, ein behagliches Zuhause zum Eigenthum, in das sie freudig zurückkehrten, wenn der Feierabend gekommen war. Anna fühlte, wie ihr weh ums Herz wurde. Solch ein Zuhause hatte sie nicht, schon lange nicht mehr. Ihr Beruf mußte ihr alles ersetzen. Aber es blieb ihr nicht lange Zeit zum Nachdenken übrig, und die trüben Gedanken verflogen rasch bei den scherzenden Anrufen, die sie jetzt über sich ergehen lassen mußte. Die Collegen umdrängten sie, um mit ihr anzustoßen; es war Frühstückspause. Anna hatte Wein kommen lassen und trank den anderen freudig zu. Auf nochmals 25 Jahre!" Um Gottes willen, nein, nur das nicht!" wehrte sie scherzend. Man darf nichts Unmögliches verlangen!" Der Sprecher ließ aber nicht locker. Na, Sie wissen ja jar nich, was für 25 Jahre ich jemeint habe! 's können ja Ehejahre sein! Na, da machen Sie doch mit, Fräulein, nicht?" Heirathen soll unser Fräulein Kühn? Nein, das leiden wir nicht. Da würde ja das Haus zusammenstürzen! Nicht wahr, Sie bleiben beim Bau, Fräulein?" Anna nickte lachend. Es that ihr so wohl, daß alle ihre Zugehörigkeit zur Firma so neidlos anerkannten. Sie war eben hier zu Hause; daö war
ihr Hei, ihres Lebens Inhalt und Freude. Und sie drängte gewaltsam alles andere Wünschen in den Hinteresten Herzensschrein zurück.. Der Abend sollte die Collegen zu einem kleinen Festmahl vereinen, das Anna in einem gemüthlichen Lokal in der Nähe bestellt hatte. Darum drängte man bei Geschäftsschluß schnell nach Hause, um den Alltogsrock mit dem Festgewande zu vertauschen. Anna
wollte ihr weißes Kleid anziehen, zur Feier des Tages. Daheim harrte ihrer eine Ueberraschung. Sie fand einen Brief von ihrer Schwester Martha vor, in dem ihr diese schrieb, daß ihr Mann eine Villa gekauft und diese ganz modern und neu eingerichtet habe. Nun seien die alten Sachen aus dem ElternHause überflüssig geworden. Ob Anna etwas davon gebrauchen könne. Und weiter schrieb ihr die Schwester: Wir haben übrigens kürzlich eine alte Bekanntschaft erneuert. Mein Mantt führte mir einen Geschäftsfreund ins Haus, in dem ich unseren guten Werner wiedererkannte. Du hattest ja damals so ein kleines Faible für ihn, als er so pünktlich zur allwöchentlichen Skatpartie bei Papa antrat. Ich habe mich immer über ihn geärgert, wenn er sich so ohne Widerrede in sein Schicksal ergab und stundenlang bei den Karten aushielt. Nun ist er auch schon etwas grauhaarig und hat große Unternehmungen vor, denen er sich ebenso intensiv zu widmen scheint wie damals dem Kartenspiel. Es hindert ihn ja auch nichts daran; seine rechte Hand ist noch immer unberingt. Es geht ihm so wie Dir; Ihr seid beide aneinander vorübergegangen mit einem fernen Ziel vor Augen, von.dem Ihr das Glück erhofftet; und doch stand es zwischen Euch, zum Zugreifen nah! Werner hat nächstens in Berlin zu thun, wo er übrigens dauernd zu bleiben gedenkt. Er erbat sich Deine Adresse; Du kannst ihn also in diesen Tagen erwarten." Anna faltete den Brief langsam zu fammen. jjjie mit einem Schlage schien sich ihr alles verändert zu haben. War denn das noch dieselbe Welt, durch die sie so viele Jahre lang geschritten war? Oder hatte sie nur geträumt und setzte das Leben jetzt da wieder ein, bei jener Zeit, von der Martha in ihrer leichten Weise geschrieben? Franz Werner! Sie sollte ihn wiedersehen. nach so vielen, langen Iahren! Sein Bild hatte in ihrem Herzen geruht, und ein Schleier war darllber gebreitet gewesen, so daß der Alltag nicht daran rühren konnte. Und nun war die Hülle entfernt, und das Bild strahlte in unberührtem, frischem Glänze. Franz Werner! Er wollte zu ihr kommen, und er brachte ihr die Jugend mit. Mit leisem Rufe bub die Uhr an, die achte Stunde zu schlagen. Ihr heller Klang rief Anna in die Wirklichkeit zurück. Hastig beendete sie ihn Toilette. Die Collegen warteten gewiß schon auf sie. Man sprach noch tagelang nachher im Contor von dieser Jubiläumsseier. Und alle waren sich einig darüber: Fräulein Kühn hatte bildschön ausgesehen und war so liebenswürdig gewesen, so von innerem Glück durchleuchtet ein ganz anderer Mensch als sonst! Und das Fest war großartig gewesen, so gemüthlich und doch so fein in jeder Beziehung. Fräulein Kühn verstand sich auch eben auf alles! Und dann trafen die lieben alten Möbel aus Annas Elternhause ein und weckten in dem vereinsamten Herzen des alternden Mädchens glückliche Kindheitserinnerungen. Sie richtete sich ein eigenes Heim ein, o wie es der stille Wunsch ihrer Seele gewesen war. Und eines Sonntags hatte sie darin auch den ersten Besuch Franz Werner, den Jugendfreund. Als sie sich beide so zum Willkommen gegenüberstanden, hatte jedes von ibnen zuerst ein eigen beklommenes Gefühl. Aber es währte nicht lange. und der Faden war wieder angeknüpft. Sie batten gemeinsame Interessen, und das warme Gefühl von einst füreinander erwachte m ihnen zu neuem Leben. Und dieses Mal übersahen sie das Glück nicht, das da zwischen ihnen beiden schritt. Noch waren die Blumen, die Anna an ihrem Jubelfeste mit heimgebracht, nicht verwelkt, da schenkte man ihr neue: sie war Franz Werners Braut geworden. Man soll den Teufel nicht an die Wand malen", meinte einer der Collegen scherzend. Und ick batte doch recht mit meinem Wunsch für 25 Ehrejahre!" sagte der andere. Warum die Mädels nur immer so ärgerlich werden, wenn man vom Heirathen spricht. Wenn's drauf ankommt, sagt doch keine nein! Dunkle Tuchsachen z u r einig e n. Man mischt Salmiakgeist mit Wasser, legt- Röcke etc. auf einen Tisch oder ein Brett, taucht eine Bütfte in die Mischung und bürstet immer dem Faden nach, bis alles durchnäßt ist, spült dann tüchtig mit Wasser nach und hängt die Gegenstände, möglichst im Freien, an recht luftigem Orte auf. Wenn sie dann von sachkundiger Hand geplättet werden, erhalten sie wieder neues llkleko.
Lon Auslande.
JmfrüherenThiergartenin Berlin sind seit dem 22. Marz' 1893, also seit 62 Jahren, 48 Denkmäler, theils Gruppen, theils Einzelfiguren aufgestellt worden. Durch diese Denkmäler werden einschließliaz von drei Medaillonbildern an drer Gruppen in der Sicgesallee insgesammt 114 historische Persönlichkeiten verkörpert, wozu noch viele allegorische, sagenhafte und andere menschliche Figuren und Thiere kommen. Ferner sind noch zu erwähnen, die acht Einzelfiguren von Thieren um den Floraplatz und die beiden monumentalen Brunnen vor dem Brandenburger Thor, die ebenfalls in den letzten sechs Jahren errichtet worden sind. Vordem gab es im Thiergarten außer der Siegessaule nur vier nennenswerthe Denkmäler, nämlich die Friebrich Wilhelms III., der Königin Luise, Goethes und Lcssings, sowie die Löwengruppe auf dem Ahornsteig. Das älteste Thiergarten - Denkmal ist die von grünem Moos bedeckte Sandsteinfigur eines Apollo mit der Lyra auf dem Kinderspielplatz zwischen der Bellevue Allee und der Charlottenburger Chaussee, nahe der Gärtnerei des Thiergartens. Ueber eine verhängnißvolle Pilgerfahrt nach Palästina wird berichtet: Im August d. I. brachen von Karlsruhe aus unter Leitung von Professor Müller-Stuttgart mehrere Hundert süddeutsche Pilger nach Palästina auf. Viele von ihnen kehrten nach Wochen krank in ihreHeimath zurück, mancher mußte die Fahrt sogar mit seinem Leben bezahlen. So auch der in den besten Mannesjahrenstehende Pfarrer Konstantin Klingele von St. Peter in Bruchsal, der zwei Tage nach seiner Rückkehr an Typhus erkrankte und jetzt nach achtwöchigem, schwerem Leiden durch den Tod erlöst worden ist. Da er sich in Palästina den Todeskeim geholt hat, ist außer allem Zweifel, und zwar glaubt man wie Prof. Müller in seiner Grabrede mittheilte. annehmen zu müssen, daß seine Erkrankung auf einen Erfrischungstrunk zurückzuführen ist, der den Pilgern an einem heißen Augusttage nach einem langen, ermüdenden Marsche auf Berg Tabar von Franziskanern kredenzt wurde. Von 90 Pilgern, die sich an dem Trunke labten, ist nämlich die Hälfte typhusverdächtig erkrankt und Pfarrer Klingele ist jetzt schon das siebente Opfer, das diese Pilgerfahrt noch nachträglich gefordert hat. Die Lösung eines schwierigen Eisenbahntarif - Problems wird die Londoner Civilgerichte in Kürze beschäftigen. Vor nicht langer Zeit ließen sich zwei zusammengewachsene deutsche Schwestern in. den verschiedenen Ländern der Welt öffentlich zur Schau stellen. Nun machte ihre Beförderung auf der Eisenbahn von jeher den Verwaltungen großes Kopfzerbrechen: sollten sie ein oder zwei Fahrkarten lösen das war die Frage. Wie ferner sollte sich die Verwaltung dazu stellen, wenn ' nehmen wir einmal an, die Schwestern heißen Pepita und Rosiia Pepita ein Billet kauft und nun, ohne für die angewachsene Rosita ein solches gelöst zu haben, auf Beförderung mit der Eisenbahn besteht. Fast alle Staaten, mit Ausnahme von Belgien, haben verlangt, daß das Zwillingspaar auf ihren Bahnen.mit zwei Karten fahren soll. Besonders aktuell ist jetzt die Frage von neuem in London geworden. Hier haben die beiden täglich Schwierigkeiten bei der Benutzung der Untergrundbahn. Nunmehr haben sie sich entschlossen, die Gerichte anzurufen, um ihre Personeneinheit oder--Mehrheit feststellen zu lassen. 'Die beiden Mädchen sind hübsche Erschelnungen; sie sind ungefähr 20 Jahre alt, an den Hüften zusammengewachfen und ähneln einander nicht im geringsten. Sie können Arm in Arm ohne Schwierigkeit gehen. Eine neue deutsche Schule ist zu Beginn des Wintersemesters in Jokohama errichtet worden. Bei der Eröffnung der Anstalt war die Schuleinrichtung noch nicht vollständig, und man hatte deshalb von einer größeren Feierlichkeit, zu der später auch die japanischen Behörden geladen werden sollen, vorläufig Abstand genommen. An den Wänden prangten bereits die Bilder des Deutschen Kaisers, der Deutschen Kaiserin und des Fürsten Bismarck, und einem Klavier wurden die ersten deutschen Weifen entlockt. Mitglieder 'der deutschen Siedelung hatten diese Sachen der jungen Anstalt geschenkt. Generalconsul von Syburg und Pfarrer Dr. Haas hielten bei der Eröffnung Ansprachen. Die Leitung der Schule hat Dr. Haas übernommen, als erste' Lehrkraft ist eine bewährte junge Lehrerin, Fräulein Grete Grantoff aus Minden angestellt worden. Neben der Schule, die aus Unter- und Oberstock besteht, liegt ein großer Spielplatz. Zunächst waren der Anstalt neun Kinder von deutschen und schweizerischen Eltern zugeführt. Im nächsten Jahre sind wieder zehn Kinder der Siedelung schulpflichtig; : auch Ausländer sollen in beschränkter Zahl zugelassen werden, und man denkt bereits daran, eine zweite Lehrkraft anzustellen. In Shanghai und Tsingtau bestehen auch schon deutsche Schulen, die sich eines guten Besuchs erfreuen und mit ausreichenden Mitteln ausgestattet sind.
