Indiana Tribüne, Volume 28, Number 112, Indianapolis, Marion County, 3 January 1905 — Page 7
Jndlana Tribüne, I; Januar 1005
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Vicmait von
Moritz v. Neichenbsch.'
t & iJortsetzuna Die Kinder," von denen sie sprach, gehörten ihrer ältesten Tochter an, die deren sechs besaß, was mit den Einfünften ihres ManneZ, der ebenfalls Schullehrer war, sich nicht recht decken wollte. So waren zwei Flachsköpfe aus dem übervollen Nest immer bei der Großmutter. Ja, die Kinder!" wiederholte Hans. Darüber wollte ich schon immer mit Dir sprechen, Mütterchen! Du hast doch wirklich genug Plackerei in Deinem Leben gehabt und solltest Dich jetzt, wo Du's doch haben kannst, ein wenig ausruhen. Ich will ja sehr gern bei der Marie jetzt etwas nachhelfen, aber Du solltest Dich doch nicht mit den kleinen Dingern so sehr abquälen." Die brausen Augen der Frau Rektorin sahen den Sohn förmlich erschrocken an. Du wnst mir doch nicht die Kinder nehmen wollen? Nein, das darfst Du nicht, Hans! Das ist ja meine Herzensfreude, und eine Frau ohne Kinder Aber Du hast ja die ganze Schult voll, Mütterchen!" Ach, das ist doch nicht dasselbe! Wenn die Mädel auch zu mir in die Handarbeitsstunden kommen und da auch ein paar sehr liebe Dinger darunter sind aber so recht was für's Herz ist das doch nicht. Wenn die Stunde vorbei ist gehen sie nach Hause,-und da haben sie ihre Mütter und brauchen mich nicht. Aber unsere kleinen: Omama. ich habe mich gestoßen Omama, ich bin hungrig oder ich habe mir das Kleid zerrissen oder ich möchte das und möchte jenes ja, da weiß man doch noch, daß man zu 'was nutze ist auf der Welt und daß die zwei Blondköpfe nicht auskommen können ohne die Omama. Und das Schmeicheln und Herzen nein, die Kinder darfst Du mir nicht nehmen!" Hans schloß die kleine Gestalt in seine Arme und legte seine Wange an ihren glatten Scheitel. Ich werde Dir doch nichts nehmen, was Dir Freude macht, Mütterchen! UUx es ängstigt mich manchmal, daß Tu Dir zu viel zumuthest, denn, siehst Du, ich bin auch noch da, und ich will auch noch 'was von Dir haben." Ihr ganzes Gesicht strahlte vor Glück. Ach Tu, Tu bist ja das Beste und Liebste, was ich auf der Welt habe!" sagte sie, und die hellen Glücksthränen schimmerten dabei in ihren Augen. Er küßte sie innig. Das sollst Du mir aber beweisen, Mütterchen, und sollst von mir die zweite Magd halten lassen, die Du doch brauchst, und sollst das Wirthschaftsgeld hübsch für Euch verwenden und nicht zurücklegen." Sie versprach alles,. was er wollte. und dann saßen sie zusammen bei dem einfachen Abendbrot, und er legte lächelnd die Hand auf den Schillerband. bleibst Deinen alten Lieben treu, Mütterchen!" Sie lachte. Freilich. Ich habe das Buch aber nur zur Sicherheit daliegen.
denn ich kann's ja so ziemlich auswendig. Wenn ich dann so Abends noch ein Stündchen für mich allein sitze und die Strümpfchen für die Kinder stricke,
da sage ich mir die schonen, lieben Ge
dichte immer wieder. Und siehst Du,
wenn ich am Tage Aerger hatte oder der
Vater mal besonders unwirsch war,
daß man ihm nichts recht machen konnte
- na. :ii weint ?a. das komm: manm-
, ' A I ' ma? Hör, und man muß ihm das nicht übel nehmen ja, dann vergesse ich das alles wieder bei meinem Schiller, der ist
dann so am Abend neben mir, wie ein guter, aller Freund. Und wenn ich
dann zu Vett gehe und mein Abendgebet
spreche, da bm ich dem lieben Gott doch dankbar, daß er mich wieder hat einen Tag erleben lassen, denn etwas Gutes
und Liebes bringt schon jeder Tag, man muß nur nicht daran vorbeigehen und
es übersehen." Hans legte seine Hand auf die flei
ßigen Finger der Mutter, durch die
wieder d:e Stricknadeln glitten.
Du bist die größte Philosophin und
das beste Mütterchen zugleich!" sagte er.
Und das verspreche ich Dir, wenn ich
Dir 'mal 'ne Schwiegertochter bringe wenn sie auch nicht gleich so sein kann
wie Du Talent muß sie wenigstens
haben, einmal so zu werden!"
Sie wehrte sich er könne ganz andere Ansprüche machen, behauptete sie.
aber er lachte und sah dabei so besonders aus, daß sie plötzlich rief: Hans, mein Junge, mit Dir ist 'was vorgegangen! Denkst Du etwa schon an eine Vestimmte, wenn Du von meiner künf-
tiaen Schwieaertochter sprichst?"
Sie sah ihn mit einem Gemisch von
Anqst und Glück an.
Er schüttelte den Kopf. Nem,
Mutterchen, ich denke an lern bestimm tes Mädchen!" sagte er..
Aber ein unbehagliches Schuldbe-
wußtsein überkam ihn doch dabei. Ihm
war, als habe er zum erstenmal in seir -e r rnn..n. . I
nem eoen j einer yjcuiuz gegenüber eine
Unwahrheit ausgesprochen.
A
lieb.
4. K a p i t e l.
rn anderen Morgen war Käthe schon sehr zeitig aufgestanden. Sie wollte da sein, sobald ihr mattz das Schlafzimmer ver-
Ihr Mädchenstübchen lag, M
Giebel; 'leise stieg sie die Treppe hinab. Da sah sie, daß die Hunde nicht mehr vor der Schlafzimmerthür lagen. Be-
fremdet gmg sie nach des Oberförsters Arbeitszimmer und öffnete behutsam die Thür. Da saß ihr Vater vor ihr,
hatte den Kopf m die Hände gestutzt
und war so vertieft in das Schriftstück,
das vor ihm auf dem Schreibtisch lag. daß er Käthes Eintritt überhörte. '
Papa!" rief sie, Du bist schon hier
und am Schreibtisch, während draußen
die Sonne scheint.
Der Hühnerhund und der Teckel Ixo
chen unter dem Stuhle ihres Herrn hervor und gähnten Käthe an, als wollten
sie sagen, daß auch sie diese Verwen-
dung eines schönen Frühlingsmorgens
befremdlich fänden; aber Käthe hatte
nur Augen für ihren Vater, der be,
ihrer Anrede mit einem so kummervol-
len Blick zu ihr aufgesehen yatte. da sie 'eilig näher kam und die Arme um
ihn schlang.
Papa, mem ueber, lieber Papa!" Er wies sie jetzt nicht von sich, wie
er es gestern Abend gethan hatte. Ge-
stern durfte weder Käthe noch ihre Mut-
ter ihn m Betreff des Expreßbriefes
ausfragen.
Geschaftssachen wegen der Grube,
das war alles gewesen, was er auf ihre Fragen antwortete, und er war so still
und finster den ganzen Abend geblieben.
daß Käthe weinend zu Bett gegangen war, während ihre Mutter sich damit tröstete, daß er sich wohl darein ergebe?!
und 'sich schließlich mit ihr über des
Sohnes Beförderung freuen würde.
Jetzt legte der Oberförster einen Au-
genblick seinen Kopf an Käthes Schul ter. Sie strich liebkosend über seine Stirn, und es schien ihr, als seien.seine Augen und Schläfen eingefalcn über Nacht, als sei er feit gestern viel älter
geworden.
Papa, ach Papa, sage mir doch.
was Dir solche Kummer macht!" bat sie.
Er schlug mit ver fiaazen anv aus
das Briefblatt, das vor ihm lag. Dann
sprang er aus. Recht hast Du, Madel, wenn Du mich zur Ordnung rufst," sagte er, und unwürdig ist's, daß ich hier sitze und beinah flenne, wie ein Weib aber der Kerl der Kerl
na ja, sieh mich nur an warum sollst Du's nicht wissen wir müssen ja alle Notiz davon nehmen da" er wies
wieder auf das Bnefblatt hm da theilt mir der Herr Generaldirektor Koller ganz kurz mit, daß unser Gras
zweihundert Morgen Wald an die
Aktlmgeselllchaft verkaufen will, die da an der verfluchten Grube baut zweihundert Morgen von. meinem Wald.
und ohne mich zu fragen, ohne Sang und Klang alles zwischen dem Gene-
raldirektor und der Aktiengesellschaft abgemacht denn der Graf muß ja doch in Wiesbaden sein, beim Rennen und
heute habe ich mit einem Vertreter von
der Gesellschaft und dem Katasterkon
trolleur die verkaufte Strecke zu be-
gehen, d. h. der .Vertreter' hat ganz die
Auswahl, nach welcher Richtung hin er
die zweihundert Morgen nehmen will
und mir ist doch gerade, als ginge es
mir selbst an's Leben, wenn ich dabei an die Eichenschonung denke! Diese Kerls, diese Federfuchser, diese Maul-
würfe, die gar nicht wissen, wie einem
Baum zu Muthe ist, der gehegt und ge-
pflegt in guter Lage wächst, so weit der
Herrgott 's ihm erlaubt!. Und gerade um das Grubenfeld! Lauter Hambur
ger Balken waren's Geworden, wenn
man sie wachsen ließe, unser bester Be
stand und das erfahre ich erst- im letz-
Jen Augenblick, ich, der ich mit meinem
Walde aufgewachsen bin "
irr war mit gronen ccyrttlen im
Zimmer auf und ab gegangen, während
die so lange zurückgehaltene Klage um
semen Wald zetzt unaufhaltsam über seine Lippen strömte. IUetzt stand er
wieder vor dem Schreibtisch.
Da steht's, in dem verwünschten Wisch zweitausend Mark krieat der
Graf für den Morgen und dafür läßt er sich das Gesinde! hier im Walde einnisten! Zum Heulen ist's wenn man nicht drüber lachen will lachen über so einen Unverstand " Er machte einen Versuch dazu, aber sein Lachen klang so, daß es Käthe in's Herz schnitt, und sie beide Hände auf seinen Mund legte. Nein, nein, Papa, nicht so, denk' lieber daran, daß wir Dich nur um so mehr lieb haben werden, weil Du den Kummer mit dem Walde hast, und daß Du's bei uns vergessen wirst, wenn sie Dich draußen ärgern und und, Papa, so schlimm sind' sie doch gewiß nicht alle, die da draußen arbeiten wollen " Wieder jourde die Thür geöffnet, aber diesmal geräuschvoller als vorhin. Mein Gott, was macht Ihr Beide denn hier in der Kanzlei in aller Herrgottsfrühe?" rief die Oberförsterin,aus der Schwelle stehen bleibend. Käthe lies ihr entgegen und erzählte ihr in eiligen Worten, was den Oberförster so erregte. Sie schüttelte den Kopf. Na, weißt Du, Alter, frühstücken
wir erst 'mal!" entschied sie dann. So nüchtern sieht man alle Dinge schief an. und am Ende, bei einem Forstbestand wie der unsere, sind doch zweihundert
Morgen zu verschmerzen.
Ja, wie man von zerrn Fingern
einen verschmerzen kann weh thut es. und ob man dabei nicht eingeht oder
doch die ganze Hand verllert, .weiß ict
ner, brummte er, aber die Oberforsterin hatte schon die Thür geschlossen, und Käthe flüsterte: Sie weiß ja auch, daß es Dir weh thut, Papa, nur merken will sie es sich nicht lassen." Nach dem frühstück fuhr der Wer-
förster' hinaus nach dem 'Kohlenfelde. Je näher er der Stelle kam, je . wehmüthiger betrachtete er die Bäume, un-
ter denen er dahin fuhr. Die äußerste Waldgrenze hatte er seit längerer Zeit vermieden, da er gehofft hatte, der Arbeitergreuel" würde sich wieder verlaufen, wie vor fünf Jahren. Jetzt sah er.
sobald der Wagen den Wald verließ,
einen Bau von neuen Brettern vor sich
aufraqen, vor dem eme Tafel mit der Inschrift stand: Der Zutritt ist Unbefugten strengstens untersagt." Unter
dieser Tafel standen einige Arbeiter und
blickten erwartungsvoll die Straße ent-
lang. Als der Oberförster aus dem
Wagen stieg, suchte der eme von ihnen
sich hinter dem Rucken der anderen zu
verstecken, aber die scharfen Augen des alten Weidmannes hatten ihn schon er-
kannt. . Es war einer von des Ober-
försters ständigen Arbeitern,' einer dem er aus größler Noth herausgeholfen und
für den er, seines intelligenten Wesens wegen, ein besonderes Interesse hatte. Komm einmal dort hervor, Woitek,"' rief der Oberförster ihm zu. Was machst Du hier? Warum bist Du nicht bei den Klaftern?" Woitek drehte seinen Hut zwischen den Handen, die anderen lachten. Hast Tu das Sprechen verlernt?" schrie der Oberförster ihn an. Da entschloß sich Woitek zum Antworten und stotternd kam es heraus: Die Löhnt bei der Grue würden doch so viel höhe: sein, drei bis vier Mark könnte ein Mann da verdienen, und wenn er sich schon jetzt zur Arbeit meldete, würde man ihn dann berücksichtigen, und ti hätte doch sechs Kinder und der Herr Oberförster möchte nicht böse sein. aber" der Oberförster unterbrach ihn: Und wenn Du in der Grube elend zu Grunde gehst' oder krank wirst, da soll ich wohl für Deine Sechse sorgen, wie ich das sonst thue, wenn einem von meinen Leuten 'was zustößt? Aber daß sage icy Wlr, und das kannst Du' all ten anderen sagen: wer von Euch einmal Arbeit dort" er wies mit erhöbener Faust nach dem, Bretterzaun dort genommen hat, der kann mit sammt seiner Brüt vor meinen Augen zu Grunde gehen, ich werde nicht den Finger heben, um ihm zu helfen da gibt es keinen Vergleich und kein Mitleid Ihr habt zu wählen zwischen denen da und mir so wahr ich der Oberförster Waldow bin!" Das klang wie ein Kriegsruf. Der Oberförster war beliebt, gerecht und menschenfreundlich, die Leute sahen einander doch ein wenig verschüchtert an, und Woitek schien unschlüssig. Da erklangen die Stimmen der Arbeiter hinter der Bretterwand, ein Ruf. ein kurzes Lachen. Das war der Karol." flüsterte eine: dem Woitek zu, der bekommt jetzt schon eine Mark und achtzig Pfennig Tagelohn." Ja, es wurde Ernst mit der Arbeit dort drinnen, und der Verdienst, der Woitek gegenüber den gewohnten neunzig Pfennig Tagelohn märchenhaft hoch erschien, rückte in greifbare Nähe. Die Versuchung war zu groß er lauschte den Stimmen und dem mancherlei Arbeitslärm hinter der Bretterwand es half nichts, er mußte da hinein und würde sich noch heute bei einem der Herren" melden, die man erwartete.
Der Oberförster war durch die Thür
der Bretterwand verschwunden. Mit
einem mgnmmigen, verächtlichen Lä
cheln schritt er vorüber an den Haufen riesiger eiserner Röhren, wie solche gebraucht werden, so lange der Bohrer arbeitet. Große Holzbalken lagen da-
zwischen; auf dem einen waren in klei
nen Häufchen die Proben des Gebirges" aufgeschichtet, das der Bohrer zu
Tage gefördert hatte, und zeigten alle Schattirunaen vom hellen Lehm und
Gerölle der oberen Schichten bis zum
harten, grauen Sandstein, dem dunkleren Schieferihon zum tiefen Schwarz
der Kohle. Daneben war ein kreisrun-
des Wasserloch, angefüllt mit schwar
zem Schlamm; eine Erdrinne führte zu dem hölzernen, schuppenartigen Ge-
baude, aus dem noch das Gestänge an dem der Bohrer gearbeitet hatte, em
porragte. Jetzt sollte init d:m Ab-
teufen" des Schachtes begonnen werden, der Zimmerung," zu der schon mäch-
tige Stotze von Brettern und' Balken
bereit lagen. Einige Herren standen in der Nähe des Schuppens. Der dem Oberförster bekannte Katasterkontrol-
leur Muller trat ihm entgegen.
Eine große Sache," sagte er, dem . r ri t l
oeriorner oie yano cyutteino, eme
große Sache für die ganze Gegend zweihundertneunzig Meter tief liegen
die Kokskohlenflotze und sie sind wahrscheinlich von kolossaler Ausdeh-
nung." Er stellte die anderen Herren
vor: Baumeister Muller, Betriebs-
lelter Otto, der künftiqe Direktor dr
Glllckimwald-Hütte und Oberingenieur
Berga "
Hans verbeugte sich, unwillkürlich zuckte seine Hand dem Oberförster entgegen, da dieser aber keine Miene
machte, die seinige auszustrecken, hielt er sich zurück. Der Oberförster schien
ihn kaum zu beachten. Mit finster zu-
sammengezogenen Brauen und emem
Ausdruck, wie ihn etwa ein gefangener
Heerführer im feindlichen Lager, zeigen
mag, stand er den Herren gegenüber.
Nun, weshalb gehen wir nicht an's
Geschäft?" fragte er kurz. , Wir warten noch auf den Hütten
Direktor Drowitz, der als Stellvertreter
der Gesellsuzaft zugegen sein wird.
antwortete oer Katajterkontrolleur, er ist 'beim Oberamtmann Keller abgestie-
gen, mit dem er verwandt ist, und, ha
sich wohl etwas verspätet." Der Ober-
amtmann hat5e eins der gräflichen Gü-
:er tn cits des Wa dranons tn Nackt
und galt allgemein als ein sehr tüchtiger und rationeller Wirth. Während man noch von ihm sprach, trat er in Begleituna 'des Direktors durck hu ?Kü? d?s
Bretterverschlages. Er wär ein rieft
ger, -rothbackiger Mann mit intensiv blondem Haar. Man sah es ihm an, daß er erntn derben Sckerz und ein
gutes Glas Wein zu würdigen wußte. Neben ihm kam der Direktor Drowitz
aus Die wruppe zugeschritten; er war kleiner als sein Vealeiter. nnt scbnee-
weißem Haupthaar und dunklen, ju-
gendlich feurig um sich blickenden Äu-
gen. Er lustete den breltrandiaen
'chwaren ftiMut aeaen die Zerren fchi.
und das volle Saar fiel ibm dabei ein
wenig in die Stirn.
Ah da sind Sie schon alle vollzählig; entschuldigen Sie die Verspcitung Herr Oberförster Waldow ich irre woyl irT)i er streate dem Oberförster sein.' Hand entqeaen. die dieser
mit einem gewissen Zögern nahm und
kaum berührte. .
Die dun en Auaen alitten scknell
prüfend übe.- die Gestalt des alten Jäaers. dann svielte ein woblwollendes
Lächeln um den Mund des Direktors.
Sie zürnen uns wahrscheinlich ob dieser feindlichen Invasion öftres
Waldterrain?, Herr Oberförster," sagte
er, aber wenn wir uns erst naher kennen lernen, werden wir schon den rech-
ten Winkel finden, aus dem heraus wir die Welt in bester Eintracht iu
i sammen betrachten können."
Nun rnurne der Oberförster dock aus
seiner feindseligen Reserve heraustrete-
.Die Welt, in der ich lebe, ist vot
Ihrer Welt doch zu verschieden, als do Rjr. w . ti w rn nc i:
iat va vcroiiluenve uniie jinucn nutzen, Herr Direktor," sagte er schroff. ..Wenn man azmeinsckaftlich an eine
Arbeit herangeht, Herr Oberförster, st 1
man sich doch nicht den Fehdehandschuh
in's Gesicht werfen," erwiderte der
Hüttendirektor mit einem Anflug von
humoristische? Laune. Sie wissen, ich
bin hier, um eme Waldparzelle von
zweihundert Morgen zu dem schon von
uns erworbenen Terra., nzuzuerwerben! Ist der Waldbestano,. der an unser Terrain stößt, an allen Seiten der-
selbe, oder ist Ihnen em Theil besonders werthvoll ich nehme gern jede
mögliche Rücksicht, so weit wir uns da-
mit nicht in's eigne Fleisch schneiden.
Ter Oberförster zuckte die Achseln.
Wäre der Kaufmann von Venedig ihm eine vertraute Figur gewesen, so hätte
er geantwortet, daß es für diesen gleich
gewesen sei, aus welchem Theil femes Körpers Shylock das - fällige Stück
Fleisch schnitte und daß er sich mit feinem Walde in der gleichen Lage befinde. Aber der Oberförster stand mit Shake-
speare nicht auf vertrautem Fuß, wenn feine Empfindungen in diesem Augen-
blick auch denen des Kaufmanns von
Venedig sehr glichen.
Er dachte wohl an die Eichenscho-
nung; aber ob diese nun gleich vernichtet wurde oder später durch den
Rauch zu Grunde ging, blieb sich gleich. So schwieg er. Der Direktor rief den Betriebsleiter Otto und Hans Berga.
Sie haben sich inzwischen hier onen-
tirt?" fragte er.
Herr Otto bezahte Herr Berga und ich sind in allen
Punkten einverstanden," sagte er. Es
genügt vorläufig vollkommen, wenn
Herr Berga dauernd hier bleibt und ich
nur etwa alle acht Tage herüberkomme " Schön," sagte der Hüttendirektor.
so hatte ich es mir auch gedacht. Wie
steht es mit dem Landankauf?" Ich habe auf Grund unserer Voll
machten mit den beiden angrenzenden
Bauern über Verkauf ihrer Aecker abge schlössen: mit den zweihundert Mor
gen, die der Graf Dardo noch an die
Gesellschaft verkauft, und dem Lande,
das ohnehin schon zu dem Kohlenfelde gehört, dürfte das Terrain ausreichen, um das Hütten- und Walzwerk, die
Wohn- und Arbeiterhauser und spater hin die Koksöfen aufzufübren." Die Wasserverhältnisse sind aus reichend?" Vollkommen!" Die scharfen Augen des Hüttendirek tors überflogen das Terrain.
Dann zog . er eine Karte aus der
Tasche, rief den Katasterkontrolleu?
herbei und ließ sich von diesem noch
einmal onentiren.
Der Oberamtmann baute inzwischen mit einigen Leuten aus umherliegenden Balken und Brettern eine Art von
Tisch. Da wird später gefrühstückt,
sagte er. Nu fangt aber an, Kinder! Du hast ja doch schon die ganze Ge-
schichte im Kopf fertig, Drowitz, koket
tire doch nicht erst noch mit den Karten
herum!"
Der Hüttendirektor hatte jetzt auch
den Oberförster an die Karte herange
rufen und zeigte ihm, welchen Theil des Waldes er für besonders geeignet für
seine Zwecke halte. Also, wenn es Ihnen recht ist, ma
chen wir uns jetzt auf den Weg, Herr Oberförster," schloß er seine Mitthei-
lungen.
Der Oberförster sah auf die eisernen Meßketten, die dem Katasterkontrolleur
nachgetragen wurden: ihm' war. als
ginge man zu einer Hinrichtung. Da
es aber außer seiner Macht stand, seine
Baume zu schützen, folgte er resigmrt den anderen, die jetzt zur Vermessung
des verkaufien Stuckes schritten. - : (Fortsetzung folgt.)
Abgang
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