Indiana Tribüne, Volume 28, Number 112, Indianapolis, Marion County, 3 January 1905 — Page 6
0
Jndtana Tribünc, S. Januar lgS.
3 teutschen HauShaltunzen so. . o$l ie in amerikanischen ist Dr. JJugust Koe Tilg's amburger M OruMlee hoch geschätzt ,ur Heilung von Slljlen, Erkaltung, Dronchitis, geiserkeit, Asthma. - M M M I Xtt echte Thee ist bensallt bekannt all das befte Heil tttel gegen M Grippe. Oc wärmt das Vlut, vermin der den Reiz, stärkt, stellt leder her und hellt. & Warum nicht Ihr Heim.. ziehend machen, durch den Se brauch eines . .'. k?h. L 2f rrjz L wm , sirfell 1 S u ' j f-'l vflli z, ij O-'-iraZ. ÖST?!5' Oarland Ofen... . . ..unö. ... Range... Dieselben übertreffen alle andern in Schön heit. Dauerhaftigkeit, Heizkraft und SparssätM im Kohlen Verbrauche. Dkselben werden mit Vergnüge ccjetgt, w WILLIG' ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straße. SesteUk Sie Ihren Unzug odlsrUeSerzieher ... öön ... V7. G. SCHNEIDEB da erhalten' Sie perfektes Pasim und die feinste Arbeit zu den nied rigsten Preisen. Anzüge oder U cd erzieh er ans Bestellung $15, $18, 52, $25, Hosen 53, 54, 53, 56 K. 38 Monument Platz. WW0 W. H. BURTON, Rechtsanwalt. (Früher Sonsal ka Deutschland.) Deutscher Mvowt und Notar. yraktizirt in allen Gerichtshöfen der Ver. Staaten. 13 State Life Gebäude. !! tll ERIE & WESTERII R.R. . . . . Fahrzeit der Züge.. . VbfahrtLnkunf Zb&9. Ehteag nd Vtchigan titxtt-A 7.15 tlfll ZtltU. Zttxxi bbo htcazo Lt l-0 f s.st C?i4i;aa tUY, Muncie u.LafahetteVpl.1- 7.10 fl3.f 5 . tödlich f utgenoeu Sonntag.
cS
7V-.- f
" ' ' r FUMWzMM
V
OTTCiV 1
s
Das Aebut. Von Man Wide. Aus dem Schwedischen von Rhea Sternberg. John Berner wandte sein trauriges Gesicht dem schönen jungen Mädchen zu, das neben ihm aus der Bank saß. Ist das dein letztes Wort, Harriet?" fragte er leise. Ja, lieber Vetter, mein allerletztes. Es betrübt mich mehr als ich dir sagen kann, dich so traurig zu sehen, und du weißt, daß ich gern alles thäte, was ich vermag, um dich wi?der froh zu machen, aber das nicht! Ich kann esnicht!" - Du liebst wirklich keinen andern, Harriet?" Nein, das weißt du ja, daß ich auf der ganzen Welt Niemanden mehr liebe als meinen Vater und dich. Und es ist mein Ernst, wenn ich dir sage, daßich mich niemals verheirathen werde. Nur ein einziger Wunsch erfüllt mich ganz und gar, er drängt alle andern Gefühle in meiner B.rust zurück es gibt für mich nur eine-Möglichkeit des Glücks, du weißt, was ich meine,John: Schauspielerin zu werden. Du theilst zwar Papa's Ansicht hierin, halst eö für eine kindische Grille, die wieder vorübergehen wird aber das ist nicht wahr. Es ist das einzige, wozu ich mich eigne, und es wird mir gelingen, ich habe die feste Ueberzeugung. Hindert mich mein Vater aber daran, so macht er mich für's Leben unglücklich, und das wäre eine Grausamkeit von ihm. Ich glaube, ein Vater hat gar nicht das Recht, in solcher Weise über die Zukunft seines Kindes zu bestimmen. Du sagtest neulich, John, daß du alles thun möchtest, um mich glücklich zu sehen nun, du haji setzt Gelegenheit mir zu beweisen, daß du aufrichtig sprachst überrede Vater!" Dich Schauspielerin werden zu lassen? Niemals! Meinst du, daß ich die Hand bieten werde zu deinem Unglück? Glaube mir, Harriet, mit aller Kraft würde ich deinen Vater davon zu überzeugen suchen, dich zur Bühne gehen zu lassen, wenn ich annehmen könnte, daß du dort dein Glück findest, selbst wenn mich das für immer von dir trennte. Ich liebe dich so sehr, daß ich dein Glück über alles andere stelle. Aber das ist nicht deinGlllck, auch nicht einmal, wenn du etwas erreichen solltest, wie du meinst. Du ahnst ja nicht, wie dornig dieser -Weg ist, den du so sehr ersehnst. Meine kleine Cousine paßt in ein fröhliches, helles, eigenes Heim, nicht hinter die Coulissen. Und dazu glaube ich nicht einmal, daß du Talent hast uift möchte dir deshalb gern eine schmerzliche Enttäuschung ersparen." Harriet warf entschlossen den Kopf zurück. Nun gut, ich weiß jetzt deine Ansteht. Du sollst nun auch die meine hören: In einem halben -Jahre bin ich mündig, bin dann nach dem Gesetz meine eigene Herrin und habe das Recht, selbst über mich zu bestimmen. Es ist mein fester Entschluß, den nichts ändern kann, alsdann zur Bühne zu gehen. Mag Vater mich verstoßen, wenn er will, ich gehe dennoch ich kann nicht anders!" Ein tiefes, unbehagliches Schweigen folgte, nur unterbrochen von demKnirschen des Sandes im Laubengang, in dem John unruhig auf und abging, mit seinen streitenden Gedanken beschäftigt. Schließlich setzte er sich nieder neben Harriet, die ängstlich abwartete, wie er ihre letzten Worte aufnehmen werde. Ja, Harriet, ich hätte wirklich nie geglaubt, daß du so fest entschlossen feiest, deinen Willen durchzusetzen. Aber wenn dem so ist, will ich dir helfen, indem ich mich bemühen werde, dir deines Vaters Zustimmung zu erwirken damit du wenigstens nicht auch noch seine Liebe opfern mußt." In überströmender Dankbarkeit ergriff Harriet seine beiden Hände. O Dank, Dank, bester! Ich wußte es ja, daß du mich nicht hilflos meinem Schicksal überlassen würdest. Nie, nie werde ich vergessen, was du nun für mich thun willst, du bist doch immer der alte, herzlich liebe John, der beste Mann der Welt. O, John," fügte sie leise hinzu, vielleicht wenn es mir einst geglückt ist, als Schauspielerin vielleicht wenn du dann deine Frage von heute wiederholst Aller Kummer schien nun wie weggeweht von ihrem Gesicht, das wieder seinen alten, fröhlichen, schalkhaften Ausdruck annahm. Wie ein vielfarbiger Glückstraum lag das Leben nun vor ihr, da John sich ihrer Sache annehmen wollte. Sie würde ihr Ziel erreichen goldene Luftschlösser erhoben sich vor ihrer Phantasie Ruhm und Ehren winkten ihr was bedeutete dagegen die Liebe eines Mannes? John würde sich schon trösten, dessen war sie gewiß, und nie würde sie ihr Versprechen einzulösen haben, denn eö würde ihr gelingen! Zwei Jahre waren vergangen. Für Harriet zwei lange Jahre, während welcher sie sich in der großen Hauptstadt einsamer gefühlt hat, als sie ja vermuthet hatte. John war es gelungen, den Onkel zu überreden, und Harriet hatte das Vaterhaus verlassen, um sich für die Bühne vorzubereiten. Aber ach, wie ganz anders war alles, als sie es erwartet hatte! Sie, die noch nie in der Fremde gewesen war, erfuhr nun, was tt heißt, Heimweh zu haben, Tag und Nacht von diesem brennenden, verzehrenden Sehnen gequält zu wer-
den. Und seltsamerweise war es John, nach welchem sie sich am meisten sehnte. Da sie zusammen aufgewachsen waren, war sie so daran gewöhnt, ihn stets in ihrer Nähe zu haben, daß sie sich ohne ihn hilflos und verlassen fühlte. Wie oft trieb es sie, alles im Stich zu lassen und unerwartet heimzukehren. Aber ihr Stolz verbot es ihr sie hatte selbst gewählt und mußte nun aushalten. Der Vater schrieb ihr oft, doch John niemals, feine Grüße in den Briefen des Vaters ausgenommen, hörte sie nichts von ihm. Allmählich hörten auch diese auf, und eines Tages schrieb der Vater, daß John ins Ausland, zunächst nach Schottland gegangen sei, um die Landwirthschaft zu erlernen. Ein halbes Jahr lang hörte Harriet nun kein Wort von John. Schließlich ertrug sie es nicht länger und fragte bei dem Vater nach ihm an. In seinem nächsten Brief stand als. Postscriptum: Du fragst nach John. Ja, ich weiß selbst nicht viel von ihm.- Er schreibt selten. Doch ist er noch immer in Schottland, wo es ihm sehr gut geht. Er lebt in einer sehr netten Familie, von deren jüngeren Mitgliedern, erwachsenen Töchtern und Söhnen, er ganz entzückt zu sein scheint." Nach dem Empfang dieses Briefes beobachteten Kameradinnen der Bühnenschule eine merkliche Veränderung an ihr. Das sonst so heitere, fröhliche Mädchen ward plötzlich traurig und verstimmt, die Wangen wurden bleich und schmal, und selten erhellte ein Lächeln den rothen Mund. Doch mit um so größerem Eifer gab sie sieh ihren Studien hin. Und bald hielt man sie für die begabteste der Schülerinnen, so daß derDirektor ihr eine gänzende Zukunft vorhersagte. Die Generalprobe war ein glänzender Erfolg für Harriet gewesen, der Direktor, die Gefährten und alle Anwesenden konnten das ungewöhnliche Talent der jungen Debütantin nicht genug preisen. Nach der Probe hatten die Schauspieler ein Festessen, bei welchem immer wieder die Gesundheit des aufgehenden Sternes" ausgebracht wurde. Ach, wie gleichgültig war Harriet das alles, wie dumm erschien es ihr! Neben ihr saß ihr junger Partner und sagte ihr kühne Artigkeiten, während er sie zudringlich betrachtete. Sie verabscheute ihn förmlich und dennoch würde sie Abend für Abend genöthigt sein zu dulden, daß er sie vor den Augen des Publikums in seine Arme schloß und ihr innigeLiebesworte zuflüsterte, in die er weit mehr Bedeutung legte, als es die Rolle erforderte. Harriet beobachtete auch sehr wohl, daß die weiblichen Collegen sie mit mißgünstigen bösen Blicken ansahen nicht eine einzige Freundin hatte sie unter ihnen, eben weil sie etwas konnte. Während der ganzen Nacht lag sie wach und wühlte verzweifelt in de. Kissen, verzweifelt über alles, über sicb selbst, über ihre Einsamkeit, ja vieeicht am meisten darüber, daß es ihr glückte! Und unbewußt schweiften ihre Gedanken zu ihm, zu dem Manne, von' welchem ihr Erfolg sie für ewig scheiden würde. Doch da preßte sie entschlössen die Lippen zusammen sie wollte nicht an ihn denken, an ihn, der sie so lange schon vergessen hatte, der nun gewiß schon mit einem jener entzückenden schottischen Mädchen verlobt war. Sie lachte, ein schneidendes, höhnisches Lachen. Athemloses Schweigen war imSaal, als der Vorhang hochging. In . gespannte? Erwartung saß das vollzählige Publikum; durch die einstimmig lobenden Zeitungskritiken waren sie vorbereitet aus den neuen Stern, der zu werden die Debütantin, versprach. Wohlwollende Blicke begrüßten Harriet, als sie die Bühne betrat, und der erste Eindruck war durchaus sympathisch. Die junge Aktrice war ungewöhnlich schön. Ihre dunklen Augen hatten einen so verzweifelten Ausdruck, und die Stimme klang so schneidend schmerzlich, als sie den Kummer der verrathenen Frau über den treulosen Geliebten darstellte sie spielte nicht, sie lebte ihre Rolle. Als der Vorhang fiel, brach ein Beifallssturm los, der kein Ende nehmen wollte, immer und immer wieder mußte Harriet auf der Bühne erscheinen, sie wurde mit Blumen förmlich überschüttet. Aber nur gleichgültige Blicke warf sie auf all die kostbaren Sträuße, die in ihrer Garderobe lagen, als sie diese nach dem letzten Hervorruf betrat. Da überreichte der Theaterdiener ein Bouquet dunkelrother Rosen und einen versiegelten Brief. Bei dem Anblick der wohlbekannten Handschrift erblaßte sie plötzlich und riß hastig das Couvert auf' es entfiel nur eine Karte mit den wenigen Worten: Du hast dein Ziel erreicht und ich habe das meinige verloren! Lebewohl! John." Als Harriet jm zweiten Akt die Bühne betrat, entstand wiederum ein Aufruhr im Zuschauerraum. . Aber was war das? Fragend sah man sich unter einander an war das dieselbe Schauspielerin, die soeben daö Publikum im Sturm erobert hatte diese, müde Frau, die ihre Rolle mit gleichgültiger monotoner Stimme heruntersprach, ohne auch nur zu versuchen zu spielen? Man wußte nicht, was man denken sollte aber die wohlwollende Stimmung erhielt sich denn doch und als der Vorhang fiel, hörte man vereinzeltes Applaudiren. Jnl Zwischenakt führte man im
Foyer lebhafte Discussionen über die junge Debütantin; man hoffte allgemein, daß sie im dritten und letzten Akt wieder gutmachen würde, was sie im zweiten verbrochen hatte. , Als sie aber im dritten Akt fort'uhr, mit derselben Gleichgültigkeit zu . 'pielen, ja einige Mal ganz den Fa)en verlor, brach die Geduld des Publikums als der Vorhang zum Schluß des Stückes stet hörte man ein verhallendes, durchdringendes Zischen, das derselben Schauspielerin galt, welcber man kurz zuvor frenetischen Beifall gespendet hatte. - Aber, in Harriets Garderobe lag John auj den Knieen vor der ausgezischten Künstlerin und küßte ein über das andere Mal ihre Hände und flüsterte:' Ach, das thatest du für mich, mein muthiges, liebes, kleines Mädchen?" - Und Harriet lachte und erröthete und schien ihre Niederlage von soeben völlig vergessen zu haben und flüsterte ihm verschämt ins Ohr: Ich hatte nur so furchtbare Angst, daß du schon fort sein könntest."
. Ein Zttättchen Leben. , Von Alfred Friedmann'Frankfurt a. M. Em sonniger Herbsttag. Ein Freund, zehn Jahre älter als ich, aber ein Freund aus jungen Tagen, wandelt mit mir durch die einsamen Wege des Palmengartens. Wunderbar gefärbt sind die noch dichten Laubpartien an den Ebereschen, den Akazien, Linden und Kastanien. Es hat diesen September viel geregnet, jede Faser, jedes Blatt ist nots voll Lebenskraft und Lebenslust. Uns geht es auch so. Wir erzählen uns zunächst die Erlebnisse des Sommers. Da und dort sind wir gewesen. Dies und das haben wir gesehen. Es ist nicht wichtig. Wenn man am Eingang des Herbstes steht, sind die Sommerdinge nicht mehr wichtig. Sie waren smaragdenes Grün, nun sind sie schimmerndes Gold in der Erinnerung. Der blühende Lenz ist dahin. Wie den Bäumen naht das Alter unseren Wipfeln. Von den Gipfeln herab sinken die Haare. Die in der Jugend so grün und hold glänzten, wie schauen die. Ulmen nun so kahl und ernsthaft drein. Aber tief aus dem rauschenden Blätterreich, was leuchtet jetzt so silbern hervor? Paläste und Säulen, sonst im Laubwerk versteckt, wurden sichtbar auch darin, o Alter, bist du dem Herbste gleich, die Schönheit sinkt lispelnd zur Erde, und die Weisheit steigt leuchtend empor. Der Freund, August Belmart, so hieß er, zog ein Portefeuille aus der Tasche, um mir die Photographie eines besonders lieblichen und pittoresken Aussichtspunktes zu zeigen, den er diesen Sommer liebgewonnen. So spät gewinnt man eigentlich wenig mehr lieb. Er legte demnach doppelten Werth darauf, an diesem Zauberorte noch so viel Gefallen gefunden zu haben. Ein köstlicher Sommer war mein. Wie dampfelr die Thäler so traurig zu meiner einsamen Höhe empor! Wie beschaulich war der Sonntag, wenn ich all' die braven Dörfler und Dörflerinnen in die Kirche wallen sah. Ich aber weilte in der größeren Kirche der Natur. Der tauchende Schwan kannte mich. Das Reh ist mir vertrauend genaht. Aus flüsterndem Ried zog's, wellige Bahnen zu mir heran. Mein Ruder lag quer auf dem Boot, und auf dem Ruder mein Buch. Nun stehen am Ufer ergrauende Weiden und die Heide liegt einsam verödet. Er hielt mir das Bild hin. In dem Portefeuille sah ich zwischen zwei weißen Papierfeiten ein welkes Blatt, sorgsam gebreitet, getrocknet und mit feinen, vergilbten, überklebten Seidenfäden festgehalten. Es schien sehr alt und an mehreren Stellen durchsichtig wie von einem Messer verletzt. Warum warst du eigentlich nie verheirathet?" fragte ich August- Belmart plötzlick ganz aus dem Stegreif, ohne Absicht, so wie man fragt: Wie viel Uhr ist es?" oder: Was essen Sie heute zu Nacht?" Er erblaßte, erröthete dann und sah auf das Blatt. Mein Schicksal!", rief er mit etwas veränderter Stimme, dumpfer, als sonst ihr Tonfall, klang sie eben. Kennst du es? Willst du es kennen lernen?" Ich bejahte natürlich. Das Schicksal eines Freundes, den man vierzig Jahre lang kennt, und das man nicht kennt! Und das nennt man befreundet sein... Aber was wissen wir Menschen von einander?! Jm Dämmerlicht versank glühend rothhinter den Taunusbergen der flammende Sonnenball. Ein Wasserthurm theilte die leuchtende Gegend in zwei Theile, machte selbst einen schwarzen Ausschnitt in die Farbensymphonie der Landschaft. Wir kletterten über künstliche Felsen und sahen den künstlichen See, mit seinen künstlichen Miniaturfaraglioni einen Abglanz des ätherischen Purpurs erKalten und zurückwerfen. Wir wollen rudern," sagte Belmart, und bald glitten wir über die dunkelgrüne Fläche dahin, in der sich Sonnengold und Baumgruppen spiegelten. Doch vorsichtiger flogen wir dahin als vor zwanzig Jahren über das sonnenüberglänzte Themsegold unterhalb Richmonds. denn der See war klein und rund und untief, und
ein paar kräftige Ruderschlage brachten uns, bald an jedes Ende. Ueber eine, lange Brücke, die den See überhing, schritt jetzt ein einsames Mädchen. Ihre Gestalt hob sich scharf con-tourirt-von dem 'Himmelhintergrund ab. Als unser Boot gerade unter der Hängebrücke hielt, der leichte elastische Schritt des Mädchens über uns leise verhallte, löste sich ein großes, helles Blatt von seinem Ahornheim und begann als ob es eine Wendeltreppe hinabstiege, sich um sich selbst drehend, langsam, langsam in der lautlosen Luft seewärts zu sinken. Endlich lag es breit, gelb wie ein kalifornischer Goldfund zu unseren Füßen rechts vom Boot im See. Und da begann August Belmart ganz leise vor sich hin zu weinen. So lange etwa, als das Blatt von seinem Ast herabgewirbelt gekommen. Ein paar Sekunden. Sie können eine Ewigkeit scheinen. Dann begann er plötzlich und sprach ununterbrochen: Hier war ich jung und hier liebte ich ein Mädchen. Die alte Geschichte: Sie aus sogenannter guter Familie, und ich hatte noch nichts. Dort festgesessene Patrizier, Rathsherren, Bürgermeister hier Jugend und ein Talent, das man als schlechte Kapitalsanlage und Namenlosigkeit mißachtete. Aber wir waren einig, sie und ich. Unser seltenes Zusammensein stieß auf die größten Schwierigkeiten. Wie alle wohlerzogenen, wchlbehüteten Mädchen war Lucy nie allein. Die Gouvernante blieb. Das Haus der Eltern Lucy's hatte einen großen, parkähnlichen, jetzt längst parzellirten Garten. Da schlich ich mich manchmal nach Einbruch der Dunkelheit hinein, und unter uralten Stämmen flüsterte unfere junge Liebe. - Lucy war wirklich ein ungewöhnliches Mädchen, werth, daß man ihr Lebenstreue schwur und hielt. Ich versprach ihr, um sie zu ringen und zu kämpfen, wie Jakob um Rahel und Lea. Sie, die Schwache, konnte nichts versprechen. Sie kannte sich, sie war ein gefügigesWerkzeug in der Hand milder Eltern, so-lange-sie gehorchte, kalter Tyrannen, sobald sie einen eigenen Willen zu bekünden begann.. Was an ihr unwiderstehlich anzog, war nicht nur ihre lilienhafte ußere Jugendschönheit. Sie verband den anmuthigsten Geist, mit der bezwingendsten Herzensgüte. Nie habe ich eine Andere gefunden, die ich so innig zu meiner Lebensgefährtin zu machen gewünscht hatte; ich glaube., wir wären sehr glücklich geworden. Aber eine englische Gouvernante kam hinter unsere so -kurzen, so unschuldigen Zusammenkünfte und verrieth sie. Es entstand beinahe eine Katastrophe. Natürlich, der gute Ruf Lucy's stand in einer so kleinen Stadt auf dem Spiel! Wenn das die Basen und Tanten, die Räthin und der Herr Senator erfahren hätten niemals wäre eine standesgemäße Heirath für Lucy möglich gewesen. Nun man erfuhr nichts. Lange sahen wir uns nicht, und wenn das Mädchen so traurige Zeiten voller Sehnsucht verbrachte wie ich, so war sie zu bedauern. Auf einem Ball hatten wir uns kennen gelernt. So lange ich in der Stadt weilte, durfte Lucy auf keinen Ball mehr gehen. Ich beschloß, in's Ausland zu reisen, mein Glück zu machen und als reicher Freier wiederzukommen. Da war uns das Glück noch einmal hold. An einem Herbsttage wie heute ruderte ich melancholisch auf diesem Teiche. Lucy ging über die Brücke, die Eltern voraus, die Gouvernante blieb ein paar Schritte zurück. Da fand Lucy ein großes welkes Blatt auf der Brücke. Sie ritzte mit einem Messer hinein: Halb rechts im Garten" und das Blatt lag zu meinen Füßen wie dieses. Dann kam die Gouvernante, sie mußte Verdacht geschöpft haben. Ich harrte im Garten einmal vielmals Lucy kam nicht. Lucy kam nie. Sie heirathete ohne Liebe einen reichen Bankier, der ihr Vermögen verspielte und sich erschoß. Heute bin ich reich berühmt Lucy eine Wittwe mit zwei Kindern. Ihretwegen habe ich nicht geheirathet. Das ist die Antwort auf deine Frage, und dieses welke Blakt, in meinem Portefeuille lange verwahrt, vergit es ist mein Schicksal!" Zeugenaussagen. Ein Detektiv sprach mit einigen Freunden über die Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen. Plötzlich wandte er der Gesellschaft den Rücken zu und fragte: Was für eine Farbe hat die Kravatte, welche ich trage?" Die meisten Anwesenden vermochten gar keine Antwort zu geben, einer sagte blau, ein anderer schwarz. Darauf drehte sich der Detektiv wieder um und zeigte lächelnd, daß seine Kravatte grau mit schwarzen Punkten war. Nun sehen Sie," fuhr er fort, Sie Alle haben mit mir Angesicht zu Angesicht etwa 10 Minuten lang gesprochen und doch kannte nicht einer die Farbe meiner Kravatte. Und das würde auf 999 Personen von 1000 ebenso zutreffen. Wenn ich höre, daß ein Zeuge Kleidung und Aussehen eines Menschen, den er nur kurze Zeit gesehen hat, genau beschreibt, dann bin ich ziemlich sicher, daß er die Unwahrheit spricht; ist aber seine Beschreibung sehr allgemein und unbestimmt, dann bin ich überzeugt, daß er vermuthlich die Wabrbeit bekundet.
Von Julande. Ueber Sonntags - Zwang inBezug auf Theatervorstellungen wird aus Duluth, Minn., geschrieben: Die Ankündigung des Geschäftsführers Charles Marshall vom Lyceum-Thea-ter, daß Sonntagabend - Vorstellungen stattfinden würden, hat in kirchlichen Kreisen einen solchen Sturm der Entrüstung'hervorgerufen, daß Mayor Cullom sich veranlaßt sah, zu verordnen, unter seiner Administration hätten die Theater am Sonntag dunkel zu bleiben. Die Sache erregt viel böses Blut, da auf d anderen Seite viele Leute am Sonntag ein offenes Haus am ersten Tage der Woche" haben wollen, und in den feindlichen Lagern wird das Feuer noch immer mehr geschürt. Ueber e i n e n m e r k w ü r d i -gen Würdenträger wird aus Los Angeles, Cal., berichtet: Zur Zeit, als die Stadt Los Angeles in den Besitz der Vereinigten Staaten überging, wurde aus der mexikanischen Verwaltung das städtische Amt eines Zanjero", das heißt, ein Aufseher über die Zanjas", die offenen hölzernen Kästen, die fruher als Wasserleitung dienten, mit übernommen. Die Stadt hat seitdem mit diesen Zanjas aufgeräumt, aber der Posten eines Zanjero mit seinem monatlichen Gehalte von $150 besteht immer noch, natürlich als Sinecure, zur Belohnung für politische Dienste, und es heißt, daß nach der bestehenden Verfassung der Stadtrath kein Recht habe, den Posten abzuschaffen. Eine gelungene Anekdote wird von dem Romanschriftsteller und Dramatiker Israel Zangwill erzählt, Sr rn fTir arftrnr &rr stn fTT .
vit V7V 0Vttvuii yvvv viti Er lebt mit seiner Frau zur Zeit in einem Hotel des oberen New Fork. Die Schlüssel zu seinen Zimmern sind von jener flachen modernen Art, die am Grisfende in eine runde, etwa einen Quarter große Fläche auskaufen. Jüngst nach dem Mittagessen gab Zangwill in der Zerstreuung den Zimmerfchlüssel an den. aufwartenden Kellner. Als er dann vor sein Zimmer gelangt war, suchte er vergeblich in den Taschen nach seinem Schlüssel herum. Du hast den Schlüssel aber doch bei Dir gehabt!" sagte Frau Zangwill. Gewiß, meine Liebe," n widerte er; ich hatte ihn. Jetzt dämmert mir auch eine Ahnung auf, was ich mit ihm angefangen habe ich habe ihn dem Kellner als Trinkgeld gegeben; das Ende fühlt sich so wie ein Geldstück an." Und so war eö auch; der Kellner hatte den Schlüssel bei dem Portier abgegeben, holte ihn nach Aufklärung des Mißverständnisses herbei und erhielt nun ein wirkliches Geldstück für seine doppelten Bemühuitgen. Eineiaenthümlicher Schulstreit, der feit Jahren die Gerichte beschäftigt und im ganzen Staat New gork Aufsehen erregt hat, ist endlich von Andrew S. Draper, dem Staatscommissär des Erziehungswesens, entschieden worden. Die Grenzlinie der beiden Städte Mount Hope und Greenville läuft durch das Schlafzimmer'im Hause von Ephraim Manning, einem wohlhabenden Einwohner. Beide Städte erhoben Anspruch auf die Schulsteuern und eine bitere Fehde entspann sich. Manning hatte die Steuern immer in Mount Hope bezahlt und rückte, um die Streitfrage hinfällig zu machen, sein Bett nach der crn.. i n. i t rrv . o n
ariüuni sjopc vcuc yin. üjcr au Wurde in die Gerichte getragen, deren Entscheidungen für Mount Hope waren, während der Schulcommissär W. P. Kaufmann Greenville begünstigte. Staatscommissär Draper, die letzte Instanz für derartige Fälle, hat nun auch für Mount Hope entschieden, aber die Bitterkeit der Bewohner der beiden Städte wird trotzdem fortbestehen. Ueber einen Kampf auf dem Schaffott wird berichtet: In Demarara Caol in Britisch - Guiana sollten kürzlich zwei Verbrecher gehenkt werden. Nachdem an dem einen schon die Exekution vollzogen war, entspann sich zwischen dem anderen und dem Henker ein Kampf auf Leben und Tod. Der zum Strang Verurtheilte, ein Halbindianer Namens Karuroo, hatte einen Mann erschossen und seine Hütte in Brand gesetzt, um die Mordthat zu verbergen. Als der Henker dem Delinquenten den Strick um den Hals legen wollte, riß dieser sich los, und nun entspann sich ein wilder Kampf, in dem der Indianer sich mit fast übermenschlicher Kraft vertheidigte und den Henker und drei andere Männer überwältiate. Endlich gelang es, den Rasenden, der mit den Zähnen um sich biß, zu fesseln und ihm 'den Strick über den Kopf zu werfen. Dann wurde er auf die Fallthür gelegt, diese geöffnet und in der nächsten Minute war er gerichtet. Bedenklicher Fleiß. Mutter (stolz): Und ob der Pepi fleißig ist beim Violinspielen! Jetzt hat er seit einem halben Jahr Stund und die dritte Geige ist schon hin!" Ballgefpräch. Herr Edgar, waren Sie schon einmal verhei rathet?" Keine Spur ich war noch nicht einmal verlobt!" Na, für so-tedig'hätt' ich Sie doch nicht gekalten!" Die E i n f a lt vom L a nde. Bekommen wir denn Besuch, gnadige Frau?" Nein!" Aber der gnädnige Herr hat doch, gestern a'laat: der Ultinio kommt! , . : . ." . - XX
