Indiana Tribüne, Volume 28, Number 110, Indianapolis, Marion County, 30 December 1904 — Page 4

Jttdtana Tribüne, 0 Dezember 1904.

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Indiana Tribüne. HnkuZzeklitn von Ux Oatnttcf 0 Ts. Indianapolis, Ind. S?y O. Thudium ' Präfiden Geschäfts loeal: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269.

Ki tered at the Pott Office o Indi.napolU ccond dass matter. Dem SSnger-Pionier Die süßen Weisen deutscher Lieder, welche er bei Lebzeiten so sehr geliebt, für deren Pflege und Verbreitung er in der alten wie in der neuen Heimath sein Leben lang gewirkt, werden heute an der Bahre von Eduard Longerich ertönen. Sänger werden ihn zu Grabe tragen und um ihn trauern. - Er war kein Großer der Erde, nur ein einfacher, deutscher Handwerker, aber in seiner Bruft flammte das Ideal des deutschen LiedeS so glühend und hinreißend, daß er auch andere begeifterte und zur Pflege seines Ideals der einigte. : So wurde er zum Gründer unseres in der SangeZwelt nun so mächtig da stehenden Indianapolis Münnerchor. Der auskeimenden Generation dürfte es kaum verständlich sein, worin das große Wirken eines so einfachen Man nes ngentlich bestand. Sie sehen die herrlichen Räume des Mknnerchor, sie nehmen die "wunderbaren gesanglichen Leistungen seiner Sänger als etwas selböverstündliches an, ohne an die Uranfänge zu denken, denen die nun stolz dastehende Sänger-Gemeinschast entsproß. Wie zur Anlage selbst des großartig sten Bauwerkes ein erster Spatenstich nöthig ist, so auch im VereinZleden. ES war Eduard Longerich den der Trieb der SangeSpflege zum Missionär deutschen GesangeS im fremden Lande machte der mit einigen gleichgesinnten detZLenJünglingen den Boden Pflügte, aus t!t der Münnerchor wuchs und g,ed'ish' und nun als Stolz unseres Ge rneiukcsenö dasteht. S1n Grabstein der auf seiner legten !?uh:stätte errichtet wird, kann dem Monumente gleichkommen, daß Eduard Lcngerich sich durch die Gründung des MännerchorS selbst gesetzt hat. Einfach, bieder und seinem Ideale treu war Eduard Longerich. . DasdeutscheNeichs-FinanZ' Elend. AuS Berlin wird geschrieben: Der neue ReichS-Schatzsekretär, Frei Herr von Stengel, hat in seiner Etat? rede erklärt, er wolle nichts verschleiern und vertuschen. Und er hat Wort ge halten. Konnte' er auch versichern, daß der Fehlbetrag für 1903 geringer als die.Desizitö von 1901 und 1902 fei. und daß das Budgetjahr 1904 vermuth lich sogar ohne ein Minus abschließe. so war der Ausblick für 1905 und die weitere Zukunft '.doch um so trüber. Niemand hat eS anders erwartet, und doch war die Wirkung seiner AuSfüh rungen stark' und bedrückend. Was soll , das werden? Trotz strengster Sparsamkeit eine beträchtliche, anhal tende Steigerung der unabweisbaren Ausgaben. Die dritte Milliarde an Schulden wird überschritten. Nur durch Zuschußanleihen kann sich da Neich in seinem Haushalte helfen. Und die Entwicklung der!.E!nnahmen reicht entfernt nicht aus, um die Misere zu beseitigen auch aus dem erträumten Füllhorn des neuen Zolltarif wird nur ein magerer Zuwachs kommen, und der ist schon mit Beschlag sür bestimmte Zwecke belegt. ES waren sehr kräftige Töne, die Frhr. v. Stengel anschlug. Anscheinend fehlt ihm der fröhliche OptimiS muS feines Vorgängers, der noch vor 45 Jahren meinte, wir schwämmen ja im Golde, vollständig Aber deS Pessimismus kaun man ihn auch nicht zeihen, wenn er auf die bedrohliche Gestalt der ReichSsinanzen und auf den Nothbehelf bedenklicher Mittel hinwies, mit denen wir uns einstweilen begnü-gen.-Er hat vollkommen recht, wenn er erklärt, so könne! und dürfe daS nicht weitergehen, eZ müsse Abhilfe mit einer Vermehrung der Reichseinnahmen und einer Verminderung der Schuldenlast geschaffen werden. DaS erheischten In terefse und Würde deS Reichs gleicher. JTiaßcn. Vm feinen Worten Nachdruck . verleihen, wliS-er auf die Ein Zigkeit der Auffassung innerhalb deribündeten Regierungen hin. Und wir Un eS für wahrscheinlich, daß im 2i v Etatberathung, vermuth

lich schon in den nächsten Tagen, auch

der Reichskanzler Anlaß nehmen wird, dieser Auffassung nochmals Ausdruck zu verleihen. Die Wichtigkeit der finanziellen Fragen läßt uns daS sogar durchaus geboten erscheinen. Der Schatzsekretär hat die Nothwen digieit einer durchgreifenden Reform ausgesprochen, geschwiegen aber hat er über die Wege zu diesem Ziel. Ob die Reden der Parteien hierüber irgend welchen Anhaltspunkt geben werden. Möchten wir bezweifeln. Es ist nicht schwer, sich ein Bild von den kommen den Debatten zu machen. Man wird sich gegenseitig vorwerfen, schuld an dem Finanzelend zu sein. ES werden der Regierung die bittersten Vorwürfe gemacht werden. Die wüthendsten Tiraden gegen die Verschwendung deS Militarismus und MariniSmuS wer. den wir zu hören bekommen und ebenso bewegliche Klagen über Weltpolitik und Kolonialmisere. Man wird laut Spar samkeit empfehlen, ohne ernsthaft darauf wirkliche Hoffnungen zu bauen. Und jede Partei wird ihr Steuerstecken pferd reiten : Bier und Tabak müffen bluten, Großindustrie, Großhandel. Hochfinanz sollen Tribut zahlen. ReichSeinkommen und Reichserbschafts. steuer können allein helfen. Und was der Vorschläge mehr sind, die wir seit Jahren zu hören gewöhnt sind. Damit werden wir nicht weiter kom men. Wir geben auch zu, daß es ge. genwärtig schwer ist, den Plan einer Sanierung deren Reichsfinanzen in allen Einzelheiten zu entwerfen. Mag man die Ertrüge aus dem neuen Zoll' tariff einschätzen, wie man will, sie werden unter allen Umständen doch einen unentbehrlichen Faktor in dem Plane bilden müffen. Im übrigen wird der Reichstag in dieser Session sehr wenig Lichter in daS Grau unserer Finanzen einsetzen können. Wir glauben nicht, daß erhebliche Abstriche gemacht werd.'N kön nen. Wir halten es auch für ganz un wahrscheinlich, daß von den Parteien selbst neue Einnahmequellen schlössen werden. DaS ist auch gar nickt ihre Aufgabe. DaS müssen schon die Regierungen selbst besorgen. Und je eher sie das thun, um so besser! Die einzige Andeutung, die schwachen Schultern müßten geschont werden, genügt wahrlich nicht. Betont die Reichsregierung das Elend unserer Finanzen-so stark, wie dies mit Recht geschehen ist; so muß sie auch erklären, welchen Weg aus der Grude an'S Licht sie gehen will. Re gieren heißt. Ziele ausstellen und die Kräste von Staat und Volk planmä ßig dahin lenken. Das mag Zeit er fordern. In dieser Session und für das Budget 1905 wird wohl auch nicht viel mehr geschehen, als daß einige Millionen an Ausgaben abgestrichen, einige Ausnahmeposten erhöht werden und das Defizit zwischen Matrikular beitrügen und Zuschußanleihe getheilt wird. Aber eS sollten doch schon im Laufe dieser Tagung die Ecksteine des Fundaments ausgewählt und beHauen werden, auf dem eine durchgreifende Reform der Reichsfinanzen vom Etats jähre 1906 an begründet werden kann. Das ist das Wenigste, was der Würde deS Reichs entspricht. Das enthusiastische Lob, das Kaiser Wilhelm und dessen nächste Umgebung Leoncavallo'S Roland von Berlin" zutheil werden ließen, scheint dem Eom poniften zu Kopf gestiegen zu sein. Er ist über die theils refervirte, theils ab sprechende Haltung der deutschen Presse im höchsten Grade erbost und tobt sich in italienischen Zeitungen förmlich auS, indem er die deutschen Kritiker, Eompo nisten und Deutschland im Allgemeinen beschimpft. Der Italiener scheint eS als ein schweres Vergehen anzusehen. an seinem Genius zu zweifeln. Besser aber hätte er wohl gethan, das endgil tige Urtheil über seinen Roland vo.i Berlin" der öffentlichen Meinung und der Kritik der anderen Völker zu über lassen. So weit uns Besprechungen über die Oper zu Gesicht gekommen find, konnten wir in keiner eine ausge sprochene Gehässigkeit wahrnehmen. Der Gedanke liegt somit sehr nahe, daß Leoncallo's WuthauSdrüche in der ita lienischen Presse nicht sowohl Eingebun gen seines Größenwahns, sondern eine ungemein geschickte Reclame bedeuten. Kaiser Wilhelm aber mögen dabei wohl Bedenken kommen, ob eS denn auch wirklich wohlgethan war, den Italiener auf Kosten der deutschen Eomponisten so glänzend auszuzeichnen. Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho'S Longfellow".

Der fallcve Byron. In Griechenland wird Byron hoch

verehrt und als Freiheitsheld gefeiert, denn Byron hat die Befreiungskämpfe dort mitgemacht, und viele seiner Dich tungen stammen aus dieser Zeit. Diese Thatsache führte kürzlich zu einem komischen MiZzversiändniß. Das englische Kriegsschiff Bulwark" ging im Hafen von Piräus vor Anker. Unter den Offizieren des SchisseS befand sich einer, der Lord Byron sehr ähnlich sah und daher von seinen Kameraden nur Byron genannt wurde. Als die Offiziere durch eine Straße schlenderten, rief ein Offizier dem Helden dieser Geschichte, so wie er es gewohnt war, sehr laut zu: He Du.-Byron!" Diese Anrede wurde von Vorübergehenden vernommen; die Nachricht, daß em Verwandter des großen Byron anwesend' sei, verbreitete sich mit Blitzesschnelle, und bald folgte den Offizieren eine große Menschenmenge, die immer wieder rief: Hoch Byron! Hoch Vyron!" Der plötzlich zu solchen unverdienten ' Ehren gekommene Offizier kehrte schleunigst an Bord des Kriegsschiffes zurück. Dort erwartete ihn jedoch eine neue Ueoerraschung. Er fand eine junge Dame-vor, die ihm, dem Nachkommen des großen Byron, ein prachtvolles Bouket überreichte und ihn gleichzeitig unter dem Hallo der Kämeraden bat, ihn küssen zu dürfen. Wenn der falsche Byron glaubte, daß damit die Ovationen beendet seien, war er sehr im Irrthum. Am Abend erschien neben der Bulwark" ein großes Boot mit Lampions, auf dem sich zahlreiche Herren und Damen der Athener Gesellschaft befanden und die dem angeblichen Byron ein Ständchen brachten. Der Offizier hatte sich in seiner Kabine unter Deck versteckt, aber seine Kameraden holten ihn herauf und zwangen ihn, sich mehrmals dankend zu verbeugen., Sie katte so groke Eile. Aus Budapest erzählt das dortige Politische Volksblatt": Eine alte Dame winkt dem Kondukteur eines Omnibus auf der Andrassystraße, er möge halten. Das geschieht prompt. Nun, leben Sie wohl, Frau Gründerger," sagt die alte Dame zu der sie begleitenden Freundin. Ich schreibe Ihnen und lasse Sie wissen, wie es mir gefällt, sobald ich einige Tage dort gewesen bin. Sie haben ja meine Adresse, nicht wahr? Nein? Ach, ich war der Meinung, daß ich sie Ihnen gegeben hätte, ch habe stein meinem Arbeitsbeutel hier, zwischen meinem Taschentuch und meinen Schlüsseln. Ich werde sie gleich finden, einen Augenblick! Es ist besser, daß Sie sie gleich mitnehmen, sonst können Sie mir ja nicht schreiben. Hier ist sie nein, das ist das Rezept für meinen Husten. Ach, sehen Sie wohl, jetzt habe ich sie! Nun werden Sie doch nicht vergessen, mir zu schreiben, nicht wahr? Und wenn Sie Frau Steiner sehen, grüßen Sie sie, bitte, von mir. Sie ist eine reizende Frau, nicht wahr? Aber daß die einen solchen brutalen Mann geheirathet hat, ist einfach unglaublich! Aber so geht es überall in der Welt! Meiner armen Schwesier Marie ist es ebenso ergangen; die war so sanft wie ein Lamm, gerade so wie ich, sagte niemals ein böses Wort,that nie ein Unrecht, und konnte sich mit jedem Menschen vertragen. Nun sehen Sie doch einmal die Unverschämtheit des Kondukteurs, der Mensch ist wahrhaftig abgefahren, ohne mich mitzunehmen. Nun muß ich noch zehn Minuten warten, bis der nächste Wagen kommt, und ich habe so große Eile!" Die sprechende ZlnsichtSkarte. Das Neueste auf dem Gebiete der Postkarten sind Grammophonplatten, worauf der Absender durch den Grammophonstift all das eingraviren kann, was er dem Empfänger sagen will. Zu diesem Behufe wurden eigene Aufnahmsapparate konstruirt, die in jedem größeren Lokal aufgestellt werden, wo sie dann automatisch zu funktioniren haben. Man legt die kleine Platte in den Spalt, leistet den Einwurf und spricht nun darauf los, bis die Scheibe mit dem aufgenommenen Gespräche herausrollt. Diese ist bereits auf der einen 'Seite mit einem Klebstoff versehen, den man vor dem Gebrauche nur anzufeuchten braucht. Ist die kaum fingernageldicke Scheibe auf einer gewöhnlichen Post- oder auf einer zu diesem Zwecke künstlerisch ausgestatteten Ansichtskarte befestigt, so wird sie als Drucksorte auf die Post gegeben. Der Empfänger steckt die Karte in das Miniaturgrammophon, richtet den Stift ein und läßt das Werkchen lausen; dann fängt die Karte zum Sprechen an und der Adressat braucht blos die Ohren zu spitzen, damit ihm ja nichts entgebt, was auf der Karte geschrieben steht. Die Platte ist sehr widerstandsfähig und wird weder durch den Poststempel noch durch andere Eindrücke geschädigt; kann auch gerollt oder zusammengelegt werden, ohne daß die Schrift verdorben wird. Der Erfinde? der Ansichtskarte ist ein Wiener Beamter. D i e Einwanderung nach Oklahoma hat aroße Dimensionen angenommen, denn in einem Jahr nahmen die Hennstattensucher, du meistens aus anderen Staaten zuzogen, über $1, 500,000 öffentlicher Landereien auf. Der Neiskultur waren im Jahre 1904 in Louisiana und Texas etwa 600.000 Acker Landes gewidmet. Der Ertrag stellte sich auf 650,000.000 Pfund.

Zkratlken-Diat.

Die Ernährung des Menschen als wichtiger Hcilfaktor. Behandlung der Zuckerkrankheit-NasirungS-Vorschriften für Gichtkranke Hamorrlzol dalltiden-Tie roborirende TiSt-Vkastkur sür nervöse Individuen. Die Ernährung eines jeden kranken Menschen erfordert eine bestimmte Diät, die von der der Gesunden meist ganz erheblich abweicht. .Die Nahrungsstoffe müssen dabei im Allgemeinen dem Körper in einem derartigen Mischungsverhältniß zugeführt werden, daß der Organismus genügend gut ernährt wird, ohne die Verdauungsorgane zu sehr in Anspruch zu nehmen. So ist bei der Zuckerkrankheit, dem Diabetes mellitus," eine fachgemäße, planmäßig durchgeführte Diat das einzige Mittel, eine Besserung zu erreichen und ein Fortschreiten der Krankheit zu verhindern. Da der Organismus der Diabetiker bekanntlich die Fähigkeit verloren hat, den Zucker zu verbrennen, so war es von jeher einer der wichtigsten Grundsätze in der Behandlung dieser Konstitutionskrankheit, so viel als möglich eine vollständige Vermeidung der Kohlehydrate durchzuführen. Schon die Aerzte des vorigen Jahrhunderts haben über den großen Erfolg einer strikten Fleischdiät In der Behandlung des Diabetes berichtet, und heute sind sich alle Autoren Über die Zweckmäßigkeit einer reinen Fett- und Fleischnahrung als der einzig rationellen Vehandlungsweise der Zuckerkrankheit einig. . Auch bei der Behandlung der Gicht ist der Schwerpunkt auf eine rationelle Ernährungsweise zu legen. Das Wesen dieser Krankheit besieht darin, daß die im Körper gebildete Harnsäure nicht ausgeschieden wird, sondern sich in Form von harnsauren Salzen, in verfchiedenen Geweben, namentlich in den Gelenken, ablagert. Um diese übermäßige Harnsäurebildung zu verhindern, empfiehlt es sich, Mäßigkeit in der Nahrungsaufnahme zu beobachten. Der Gichtkranke soll nur drei Mahlzeiten am Tage einnehmen, da durch häufige Nahrungsaufnahme eine Vermehrung der Harnsäurebildung eintritt. Was die Qualität der Nahrung anbetrifft, so wird man natürlich alle diejenigen Speisen, welche viel Harnsäure im Körper zu bilden.im Stande sind, nach Möglichkeit zu vermeiden suchen. Es muß daher der Genuß des Fleisches und der Koblchydrate eingeschränkt werden. Alkoholische Getränke sind vollständig zu vermeiden, da sie einen direkt sch'ädlichen Einfluß auf die Gichtkranken ausüben. Eine weitere sehr wichtige Rolle spielt die Diät bei der Behandlung des H'amorrhoidalleidens. Die Patienten haben alle Speisen und Getränke, die verstopfend wirken, zu vermeiden und andererseits alle diejenigen, welche die Darmthätigkeit anregen, in ihren taglichen Speisezettel auszunehmen. In gleicher Weise kommt die Diät bei der Behandlung der Fettleibigkeit, deren Ursache ja in den meisten Fällen eine zu reichliche Ernährung bei mangelhaf ter körperlicher Bewegung ist, in Betracht. Im Gegensatz zu diesen Diätvorschriften kommt , bei verschiedenen Krankheiten, die mit großer körperlicher Schwäche verbunden sind, zum Beispiel der Bleichsucht, Blutarmuth, ferner allen neurasthenischen Zuständen die sogenannte roborirende Diät in Frage, deren Aufgabe es ist, die Kräfte des Körpers zu heben und die Blutbildüng zu erhöhen. Zu den Nahrungsmitteln der roborirenden Diät gehören vor allem die verschiedenen Fleischsorten und Fische, ferner Eier, Gemüse aller Art, Milch, Brot und Kartoffeln. Ist der Organismus sehr geschwächt und zur Aufnahme der kompakteren Nahrungsmittel nicht im Stande, so empfiehlt sich für die erste Zeit eine Milchdiät. Starke nervöse Individuen werden häufig durch eine streng durchgeführte Mastkur, die das Prinzip der Uebernährung befolgt, in geradezu glänzender Weise von ihren Beschwerden geheilt. Vor allem sieht jedoch bei der BeHandlung der Magen- und Darmkrankheiten die Regelung der Diät an erster Stelle. Mag es sich um einen akuten oder chronischen Magenkatarrh, um ein Magengeschwür oder nervöse Magenund Darmkrankheiten handeln, immer wird die Behandlung einzig und allein auf eine, rationelle Ernährung des Patienten Rücksicht nehmen müssen. Eine besondere Modifikation muß die Diät auch bei der Behandlung aller fieberhaften Erkrankungen erfahren. Da die Erhöhung der Temperatur von der Wärmeproduktion abhängt, und diese wieder auf der Zersetzung der Eiweißkörper beruht, so wird die Fieberdiät eiweißhaltige Nahrungsmittel möglichst vermeiden. Vater ermordet seinen Sohn. In seinem Elternheim in Norfolk, Nebr., wurde kürzlich der 23 Jahre alte Gus Stock, Jr., ein junge: Flotteningenieur von Seattle, Wash., von seinem Vater erschossen. Vor seinein Tode sagte der junge Mann aus, sein Vater habe den Schuß auf ihn abgefeuert, weil er sich weigerte, ihm zu helfen, das Huhnerhaus eines Nachbars zu besiehlen. Der Vater behauptet, daß sich der Schuß durch einen Unglücke lickien Aufall entladen babe.

Uilzcrllllttx Föllncr.

Ter Opiumschmuggkl i:t chinesischen Set tragskäfen. Der Opium-Schmuggel hat sich in China, namentlich aber in den chinesischen Vertragshäfen zu einem äußers' gewinnbringenden Geschäft entfaltet. das trotz feiner Gefährlichkeit die sorg: faltigste Pflege findet, denn der Zoll aus Opium ist ungemein hoch UN! bringt der chinesischen Regierung jährlich gegen $10,000,000 ein. Von dem Raffinement, mit oem dieser Schmuggel geübt wird, werden die köstlichsten Geschichten erzählt. Auch das Ewig-Weibliche wird zum Einschmuggeln benutzt. Im Vertrauen auf die Galanterie der Zollwächter werden die Frauen mit gewissen Quantitäten Opium, die geschickt unter den Kleidern und sogar unter dem Haar verborgen sind, zur Zollgrenze entsandt. Läßt sich der Zollwächter bethören, so ist die Freude groß, faßt er aber eine Dame ab, dann geht das Lamento in herzzerbrechender Weise los, denn Konfiskation und harte Strafe sind die unausbleiblichen Folgen. Größere Quantitäten werden natürlich in .anderer Weise geschmuggelt. Was Kanton betrifft, so werden für den Schmuggel von Opium sehr häufig die von Hongkong kommenden Flußdampfer benutzt. Die Schmuggler setzen sich mit den eingeborenen Heizern und Matrosen dieser Dampfer in Verbindung und verstecken mit deren Hilfe eine gewisse Quantität Opium an Bord der Schiffe. Unter den Kohlen, in den Aschenbehältern, unter dem Dampfkessel, in den hohlen Spanten des Schiffskörpers und in anderen' schwer auffindbaren Hohlräumen wird das Opium verborgen. Geraume Zeit wandte man auch den Kniff an, die Wassereimer mit doppelten Böden zu versehen. Einem an Deck stehenden Eimer, der mit Wasser gefüllt war, ließ sich natürlich keine Spur von Kontrebande ansehen; hantirten die Matrosen gar mit ihm, als ob sie das Deck scheuerten, so war erst rech! nichts Verdächtiges zu bemerken. Groß war aber das Erstaunen, als der Kniff durch Zufall an's Tageslicht kam. Nun wurden auch die Oelfässer und andere Flüssigkeitsbehälter auf's Korn genommen und siehe da, sie befaßen ebenfalls 'doppilte Böden, zwischen denen Opium 'steckje,. Die Zollbeamten wären 'gewitzigt geworden und unterließen hinfort nichts, um den Schmugglern das Handwerk zu legen. Aber das Genie der Schmuggler findet immer neue Auswege, um den Zöllnern zu entgehen und ein gutes Geschäftchen zu machen. Eine hervorragende Rolle spielen die wasserdichten Säcke; in ihnen wird das Opium bei der Bergfahrt des Dampfers an bestimmte.: Stellen über Bord geworfen. Die Säcke sind an schwimmenden Bojen befestigt, die kaum merklich über den Wasserspiegel ragen. Statt der Bojen findet noch besser ein größeres Stück Holz Verwendung. Am Ufer liegen schon flache Boote bereit, um das kostbare Gut schleunigst zu bergen und im Dunkel der Nacht weiter zu befördern. Gebietet die Vorsicht, daß die Boje erst in geraumer Entfernung vom Dampfer auftaucht, so wird noch ein besonderer Trick angewendet: die Boje wird doppelt mit dem Sack verbunden, nämlich mittelst eines langen StrickeZ und eines langen Streifens zähen Papiers; bis der Papierstreifen reißt, bleibt f unter Wasser, dann aber schießt sie in die Höhe, o daß die Helfershelfer in den Flachbooten den Schatz auch dann noch mit Leichtigkeit finden und heben können. - Den Schmugglern ist nichts heilig, selbst der Sarg, in dem der Leichnam des in der Fremde gestorbenen Chinesen zur Heimath zurückgeführt wird, muß zum Durchschmuggeln von Opium herhalten. Aber wie listig und verschlagen auch das Handwerk geübt wird, so wird doch jährlich in Kanton allein für $25,000 Opium konfiszirt. Klavier für dc St. Bernhard. Den Mönchen in dem berühmten Hosviz auf dem Großen St. Bernhard im Schweizer Kanton Wallis wurde vor Kurzem eine angenehme Ueberraschung zu Theil: von Martigny wurde nicht ohne Mühe ein stattliches Klavier in die Einsamkeit des Hospizes emporgeschafft. Mit dem Klavier, einem Geschenke des Königs Eduard von England, hat es die folgende Bewandtniß: König Eduard hatte als Prinz von Wales im Jahre 1858 mit General Codrington das Hospiz besucht und den Mönchen, die in musikalischer Beziehung auf Bergeshöhe damals geringe Ressourcen hatten, ein Klavier gescher.. Das Instrument stand seither im Hospizsaale unter dem Schutze einer gestickten Decke und diente vielfach den Gästen zur Zerstreuung. Die klimatischen Verhältnisse, sowie das an und für sich nicht unbeträchtliche Alter des Klaviers hatten dieses sehr hart mitgenommen, wovon der Spender zufällig erfuhr. König Eduard ordnete den Ersatz des unbrauchbar gewordenen Instruments durchwein neues an. ' Die Statistik der Einkommensteuer in Berlin zeigt, daß ein Steuerpflichtiger ein Einkommen von 5750,000 hat; drei haben ein solches von Z500.000 bis $750,000, neun zwischen $250,000 und $500,000, 30 zwischen $125,000 und $250,000 und 615 zwischen $25,000 und $125,000. Die reichste Korporation versteuert ein Einkommen von $3.000.000.

IcMäg in Montccarlo.

Veegiinstigilttg sür die Einwohner Monaco? eburtstag des Lürstcn. Aus Mcntccarlo schreibt ein Berichterstatter: Dieser Tage wurde der Geburtstag des Fürsien Albert von Monaco mit dem üblichen Pomp begangen. Nachdem das offizielle Programm er-' ledigt war, strömten die Bürger von Monaco in ihrem besten Sonntagsstaat nach Montecarlo; denn an dem Tage gibt der Fürst die Spielsäle frei für seine Landestinder. Wo sonst das internationale High Life." elegante Müßiggänger und blasivte Weltkinder das Parkett beherrschen, da hausen nun Gevatter Schneider und Handschuhmacher, der Arbeiter und der Soldat. Heute trägt auch die kleine Modistin ihre Sparpfennige an den grünen Tisch und folgt mit hochrothen Wangen dem Kurs der tückischen Roulette. Die naivsten Szenen konnte man beobachten: Einigen Männern mußte bedeutet werden, Hut und Cigarre draußen ab--, zulegen; andere stürzten ihre Geldbeutel und zählten bedächtig den Inhalte Sonst ist den Unterthanen des Fürsten, der Eintritt in die Spielsäle untersagt. Darum ist am Geburtstage des Landesherrn auch die Frau Kroupier" eine neue Erscheinung am Platze. Vermuthlich holt sie ihren Gatten ab; denn um zwei Uhr beginnt auch der Festtag für die Angestrengtesten im ganzen Fürstenthum: für die Kroupiers, deren' mehr als 300 abwechselnd die Spieltische bedienen. Nun beginnen die Volksspiele, die Konzerte und die Tanzbelustigun gen. Die Terrassen des Kastnos, die-Palmen-Allee und die wundervollen Bowling Greens sind auf'ö Reichstegeschmückt mit Standarten, Wappen und Emblemen. Den letzten Akt des' Festes bildet die Illumination. Ganz. Montecarlo ist in ein Feuermeer verwandelt! Bis hoch hinauf in die Fels--wände erglühen bengalische Flammen! Aus Sträuchern und Bäumen tauchen elektrische Birnen, exotische' Blumen. Schmetterlinge und Vögel auf. . DieFassaden des Kasinos, das Hotel deParis," die Mairie, die Konsulate, dasTribunal, die Post und die Schulen, die Kirchen und die Klöster erstrahlen in blendender Lichtfülle und im Hafen kreuzen buntbeleuchtete Eondi.n. Um neun Uhr Abends steigt ein in hellen Farben erstrahlender Ballon auf. Die Gasthöfe und Wirthschaften bleiben die . ganze Nacht geöffnet. v 4 - Künstliche Schwammzucht. Seit langer Zeit hatte man schon über die beständige Abnahme des Er.träges der Schwammfischerei geklagt und wiederholt die künstliche Vermehr rung des Badeschwammes versucht Daß diese Vermehrung wie bei Pflan-' zen, durch Ableger möglich.. sei, 'hatteman schon lange erkannt.' Um das Jahr 1860 versuchte der Franzose Lamiral die Schwammzucht an der Küste der Provence. In Tripolis und Syrien gefischte lebende Schwämme wurden. in durchlöcherten Kisten nach Frankreich befördert und in der Gegend von Toulon in das Mittelmeer gesetzt; sie gingen aber durch Schmarotzer ein. Auch die von Oskar Schmidt in den 60er Jahren in den dalmatischen und quarnerischen Gewässern angestellten Zuchtversuche mußten aufgegebenwerden. Bei ihnen wurden in der Umgebung gefischte Schwämme in kleine Würfel zerschnitten und diese, theils an Holzgestellen . befestigt, theils auf Ruthen und Draht gereiht, an geeigneten Stellen versenkt. Aber der Pfahlwurm zerfraß sämmtliche Holzanlagen, und obendrein scheiterte eine Fortsetzung des Unternehmens an den Feindseligkeiten der umwohnenden dalmatischen Fischer.. Vor ungefähr zehn Jahren wurden. Schwammzuchtversuche in den Ver. Staaten aufgenommen, und zwar mit größerm Erfolg. In zwei Jahren hat man dort aus Ablegern verkäufliche Schwämme erzielt. Dabei wurde festgestellt, daß ein Badeschwamm in Strömungen sich vier- bis sechsmal stärker entwickelt als in ruhigem Wasser. Neuerdings stnd auch von der Handelskammer in Sfax (Tunis) Ver--suchszüchtereien angelegt worden. Tanncnzweig-Baromcter. Eine wissenschaftlich? Wochenschrift. beschreibt das neueste und primitivste Barometer wie folgt: Der Apparat besteht im Wesentlichen aus einem dünnen Tannenzweig. der auf einem Brettchen befestigt ist und von dem fast in senkrechter Richtung ein ganz nacktes, sehr dünnes Reis abzweigt. Dies Rei5 ist es, das unter dem Einfluß der Schwankungen im Feuchtigkeitszustanv der Luft sich mehr oder weniger krümmt und so mit seinem freien Ende Bewegungen ausführt, die auf einer Skala sichtbar gemacht werden können. Alles zusammen, das Brettchm' mit dem Zweig und die Tafel mit der Skali, wird auf einer Holztafel befestigt urd muß dann in einem Raum gehalten werden, dessen Temperatur nicht wesentlichen künstlichen Schwankung unterworfen ist. Die Skala dieses kunstlosen Barometers ist mit einer einfachen Zwölftheilung versehen, derart, ' daß das schöne Wetter nach oben hin bei der Sieben, das schlechte Wetter nach unter hin bei der Fünf beginnt. Wenn man sieht, daß die Angaben d: Apparats nicht mehr mit denen de? c wohnlichen Barometer übereinstimme: so genügt es, das Tannenreis wieder, so zurückzubiegen, daß seine Spitze auf d;c Stelle zeigt, die dem richtigen Bairmeterstand entsvricbt. c?

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