Indiana Tribüne, Volume 28, Number 109, Indianapolis, Marion County, 29 December 1904 — Page 6

Jttdiana Tribüttc, 29. Dezember 1902

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Europäische Nachrichten. ?rc.vinz Lbessen.ctffttU. Kassel. In der Kastenalsgasse lies ein ljähriges Kind unter einen Steinwagen und wurde so uniicklich

überfahren, daß ihm die Schä'oeldecke zertrümmert wurde. Todt wurde es vom Platze getragen. A l s f e l d. Tödtlich verunglückt ist der 60jährige Maurer Greb, indem er an dem Neubau einer Mälzerei abstürzte. Frankfurt'. M. An der Vertheilungsstelle für Gerichtsvollzieher im Gerichtsgebäude sollte der Gerichtsvollzieher Nikolaus Witzel wegen großer Unterschlagungen verhaftet werden. Witzel zog rascb einen Nevolver und schoß sich eine Kugel in die Brust. Die Verwundung soll lebensgefährlich sein. Die 23jährige Chorsängerin Emmy Wenning hat sich hinter dem Palmengarten erschossen. Sie war seit mehreren Jahren an der hiesigen Oper beschäftigt und stammte aus Düsseldorf. Grund zur That war Liebeskummer. G r e b e n st e i n. In dem Anwesen oes Landwirths Gramme brach Feuer aus, welches so schnell um sich, griff, daß alsbald Wohnhaus, Scheune und Stallung ln hellen Flammen standen und trotz schnellen Eingreifens der Feuerwehr ein Raub der Flammen wurden. H a n a u. . Auf der Station Hochstadt wurde der Arbeiter Heck aus Ruppertshütten, als er während der Fahrt von einem Abtheil in's andere steigen wollte, überfahren und getodtet. Marburg. In die chirurgische Klinik wurde ein durch Messerstiche gräßlich zugerichteter Familienvater Namens Schneider aus Wallau einge liefert, Ein Mann Namens Weil von dort hatte ihm nach einem Wirthshausstreit aufgelauert und ihm mit dem Messer den Leib aufgerissen. Weil ist bereits hinter Schloß und Riegel. Schmalkalden. Im Nachbarorte Schnellbach erschlug nach voraus gegangenem Streit die Schwiegertochter des Holzhauers Ritzmann ihre Schwiegermutter. Mittels eines Kochtopfes brachte sie ihr schwere Verletzungen bei; auch versetzte sie ihr eine Anzahl Fußtritte.' Dann schleppte sie die Frau, die den Verletzungen erlegen war, nach der Kellertreppe und legte der Leiche einen Strick um den Hals, um den Anschein zu erwecken, als habe die Frau sich erhängt. Durch die Gendarmerie wurde die Thäterin dem hiesigen Amtsgerichtsgefängniß zugeführt. Mtiekdeutsche Staaten. A l t e n b u r a. Der Schulknabe Eugen Börngen," der seinen Freund Brenndorf, einen 13jährigen Knaben, der in einen Teich gefallen war, retten wollte, mußte seinen Opfermuth mit dem Leben bezahlen; er ertrank indem Teiche, während Brenndorf sich retten konnte. A r o l s e n. Ein tödtlicher Unfall auf der Jagd hat sich im Walde bei Medebach ereignet. Der Landwirth Stuhlmann hatte auf dem Nachhausewege das Jagdgewehr so schlecht gesichert, daß es sich entlud und die Ladung ihm in die Seite drang. Schon nach kurzer Zeit war er todt. Bernburg. Oberst z. D. Avalbert v. Wülcknitz und dessen Gemahlin Pauline, geb.' Bleling, begingen das Fest der diamantenen Hochzeit. Dem Jubelpaar wurde zur Einleitung des Festtages von der Stadtkapelle eine weihevolle Morgenmusik dargebracht. Braunschweig. Einen traurigen Ausgang hat eine Schlägerei genommen, die sich zwischen mehreren Knaben auf dem Umalienplatze abgespielt hat. Der zwölfjährige Willi Schreck hatte dabei von einem gleichaltrigen Kameraden einen Messerstich in die Hüfte bekommen, der auch die Därme verletzte. Die Wunde hat sich dann leider so verschlimmert, daß der Kranke im Krankenhause verstorben ist. Vuttstädt. In der Klinik des Professors Dr. Riedel in Jena, wo er operirt worden war, verstarb plötzlich in der Kraft der Jahre unser .Bürgermeister Bernhard Kühn, der drei Iahre lang sein Amt verwaltet hat und zwar mit großer Gewissenhaftigkeit und Umsicht. D es s a u. In dem Vororte Ziebigk btannte das dem Arbeiter Tietz gehörige, von zwei Parteien bewohnte massive Wohnhaus fast gänzlich nieder. E i s e n a ch. Kunstmaler Professor Härtel, ein Bruder des Schöpfers des Weimarischen Kriegerdenkmals, ist gestorben. Härtel lebte hier seit dem Jahre 1854. Gräfenthal. Während im Saal des Schießhaufes die scb'önsten Tunzweisen gespielt wurden, entstand auf dem Boden ein Feuer, dem das ganze Gebäude schnell zum Opfer fiel. S a l z g i t t e r. Ein Festmahl, das anläßlich des 25jährigen Dienstjubiläums des Superintendenten Kleuker im Hotel Rathskeller" stattfand, nahm bei sehr zahlreicher Betheiligung einen schönen Verlauf. Demselben war eine Feier der Lehrerschaft vorausgegangen. Wähle. Das sechsjährige Cöhnchen des Bahnarbeiters Utermark gerieth unter die Räder eines mit Rüben beladenen Wagens und wurde äugenblicklich getödtet. Der Kopf war vollständig zermalmt.

Wasungen. Lehrer Geußler seierte als Vorstand und Dirigent des hiesigen Männergesangvereins das Fest seines 25jährigen Jubiläums. Sachsen. Dresden. Die goldene Hochzeit beging das hier bei seinerTochter Frau Aviksck. Sauvtstrake 25. L.vobnbaf:e Ehepaar Jttorntg. 2)er ramigam ist 78 Jahre alt, die Braut 73. Das Jubelpaar stammt aus Hundsübel bei Scheeberg i. Erzg. Von einem Radfahrer wurde auf der Chemnitzer Straße die etwa 18 Jahre alte, schwerhörige Cigarettenarbeiterin Teich aus Gorbitz überfahren. Sie erlitt eine schwere Kopfverletzung und fand im Stadtkrankenhause Aufnahme. In dem Hause Friedrichstraße 33 stürzte de? 59jährige Arbeiter Neubert die Treppe herab. Er zog sich eine schwere Gehirnerschütterung zu und mußte ins Stadtkrankenhaus überführt werden, wo er verstarb. A l t st a d t - S t o l p e n. ' Dem-

nächst vollenden sich 50 Jahre seit der Gründung der überall bekannten Firma C. A. Klinger. Dem Gründer und noch jetzigen Inhaber der Firma Carl August Klinger, Ritter usw., ist es vergönnt, diesen Ehrentag in voller geistiger und körperlicher Frische mitbegehen zu können. Großolbersdorf. Zwei Fortbildungsschüler aus Marienberg verkneipten einen unterschlagenen Geldbetraq von fünf Mark auf der hiesigen Kirmes mit dem 14jährigen Schulknaben Siegert, wöbe: der letztere sich derartig in SpirVtuosen übernahm, daß er infolge Alkoholvergiftung verstarb. Klotzsche. Ein Walddenkmal für König Albert, den königlichen Jäger, der seinen deutschen Wald über alles liebte und, dem edlen Waidwerk obliegend, manche Stunde in seinen Hallen zubrachte, ist im.hiesiqen Waldpark tm Entstehen begriffen. L eisn lg. Der Besitzer der hiesigen Stadtbrauerei.Simon, wurde beim Ueberschreiten des Gleises auf dem hiesigen Bahnhose von einem Guterzuge überfahren und tödtlich verletzt. Neudorf. Von einem Eisenbahnzug Cranzahl Oberwiesenthal ist der dreijährige Knabe Höber derart Übersahren worden, daß ihm von dem herbeigerufenen Arzt Dr. Wunderlich die Finger der rechten Hand zum Theil abgelöst werden mußten. Reichenbach i. V. Der von seiner Frau getrennt lebende Fabrikarbeite? Wohlrab, aus Selb in Bayern gebürtig, lauerte hinter dem Thore der Stark'schen Fabrik seiner dorthin auf Arbeit gehenden Ehefrau auf und feuerte bei deren Erscheinen aus unmittelbarster Nähe einen Nevolverschun auk sie ab. Die Kugel traf die Wange und traten die Mundhöhle ein. Den seiner Mutter zu Hilfe eilenden 17jährigen Sohn der beiden Eheleute, der demVater denRevolver entreißen wollte, schoß der unnatürliche Vater in die Hand. Darauf ergriff der rabiate Ehemann die Flucht und eilte, unkrwegs noch mehrmals schießend, den nahen Feldern zu, meldete sich später aber freiwillig bei der Polizeihauptwache und gab als Motiv zur That a??, daß e: seiner Frau nur mal eins habe auswischen wollen. KesseN'Aarrnstaöt. Darmstadt. Der 16 Jahre ölte Sohn des Glasermeisters Guntrum, Pauaswlezenstrae, erlttt einen veoauerlichen Unfall. Der Verletzte ist in dem Geschäft seines Vaters thätig und wollte den Benzinmotor in Bewegung setzen. Zu diesem Zwecke stellte er sich hinter das Schwungrad. Dasselbe machte eine unerwartet schnelle Umdrehung, riß dabei den Jungen mit und zwängte ihn zwischen die beiden Lagerblöcke. Der Bedauernswerthe erlitt bedeutende Verletzungen am Kopf und am Oberkörper. A l s f e l d. Tödtlich verunglückt ist der 30jährige Maurer Johs. Greb, indem er an dem Neubau einer Mälzerei abstürzte Friedberg. Ein junger Mann namens Röse verübte in der Schulstraße einen Selbstmordversuch, indem er sich mit einem Revolver in die rechte Schläfe schoß. Er wurde in lebensgefährlichem Zustande ins Spital gebracht. Heddesheim. Hier stürzte die Wittwe Theresia Fels von einem Wagen herab und brach das Genick. Der Tod trat nach kurzer Zeitein. Mainz. Eine Frau Nußkern wurde todt in ihrem Bett aufgefunden. Es handelt sich anscheinend um einen Mord, als dessen verdächtig der Ehemann verhaftet wurde. M ü n st e r b. B. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich hier, indem das etwa vier Jahre alte Söhnchen des Kllfermeisters Carl Mades unter ein Ochsenfuhrwerk kam. Er wurde an Kopf und Brust schwer verletzt. Rhein - Dürkheim. Von einem Unglücksfalle wurde die Familie des Gastwirthes, Ludw. Weber dahier betroffen. Dessen Sobn Jobann Weber, ca. 30 Jahre alt, war bei einem hiesigen Landwirth auf dem Scheuergerüst beschäftigt. Auf unaufgeklärte Weise rutschte er bei der Arbeit aus und fiel so unglücklich zu Boden, daß er bewußtlos liegen blieb. Bald darauf ist der Bevauernswerthe seinen Leiden erlegen. 'Mayern. München. Der bekannte Schriftsieller Dr. Oskar Panizza, der Herausgeber des Liebesconsilium" und

Abschied von München", ist, nachdem er schon längere Zeit an hochgradiger Nervosität krankte, plötzlich irrsinnig geworden. Wegen der Herausgabe des Liebesconsilium" kam Panizza einst mit dem Gesetze in Conflikt. Er flüchtete in die Schweiz und' wurde bald darauf zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt. Wegen des Abschied von München" wurde er freigesprochen, da man Unzurechnungsfähigkeit annahm. Major Baron von Redwitz,' Adjutant des Herzogs Siegfried, stürzte Hei der Fuchsjagd und erlitt so schwere Verletzungen, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. In der Stallung des Kurgartens Nymphenburg erschoß sich der Sergeant im 1. Trainbataillon, Gagstatter. Das Motiv der That ist unbekannt. A m b e r g. In Rieden befand sich der Brauereibesitzer und Gastwirth Müller auf der Jagd auf einem von ihm schon oft benutzten Hochstand, als in bisher unaufgeklärter Weise der stützende Vaumast brach. Im Fallen entlud sich Müllers Gewehr; beide Schüsse trafen das rechte Knie, so daß das Bein amputirt werden mußte. Müller erlag seiner schweren Verwundung. Berchtesgaden. Die Leiche der kürzlich auf ihrem Gute Mitterbachlehen hier verschiedenen Rentiersgattin Moß wird nach San Francisco übergeführt. Die Kosten hierfür betragen etwa 20,000 Mark. Erlangen. In einer hiesigen Faßpicherei explodirte ein Faß, wodurch dem Bierführer Tratz von hier der rechte Unterschenkel abgeschlagen wurde. L a a b t r. Vom Zuge erfaßt wurde in der hiesigen Station der Musiker Gallio und sehr'fchwer verletzt. Nürnberg. Auf dem GüterbahnHof der Ludwigsbahn war der Schlossermeister Heffner mit Ausbesserungsarbeiten am Geleise beschäftigt. Der schwerhörige Mann wurde bei der Arbeit die Annäherung eines Kohlenzuges nicht gewahr und wurde übersahren. Er erlitt einen Schädelbruch und starb kurze Zeit nach dem Unfall. P a s s a u. Der Zinngießergehilfe Stephan aus Kattowitz stürzte in der Dunkelheit über die Stiege und blieb als Leiche liegen. Tegernsee. Dekan Georg Dannerbeck, päpstlicher Geheimkämmerer und Distriktsschulinspektor, feierte sein 25jähriges Jubiläum als Pfarrer in Tegernsee. Es fand ein großer Fackelzug und Serenade statt. Zwiesel. In Althütte erlitten der Gütler Pertler und dessen Sohn beim Sprengen von Steinen mittels Pulvers sehr schwere Verletzungen.

Bei dem Schiffbruche der Gertrud Wörmann" in der Bucht von Swakopmund ereignete sich ein eigenthümliches Zusammentreffen zweier Brüder. Der eine, der Hauptmann der Schutztruppen - Artillerie Hans Heinrich v. Wolf, hatte sich auf der Gertrud Wörmann" nach DeutschSüdwestafrika eingeschifft und erlebte den Schiffbruch mit. Der andere, sein einziger Bruder, der sich früher in den Kämpfen in Tientsin ausgezeichnet hatte und schwer verwundet worden war, fuhr nach seiner Genesung auf dem Kreuzer Vineta" heimwärts. Wie bekannt, kam die Vineta" dem gestrandeten Dampfer zu Hilfe und begann die Passagiere zu retten. Herr v. Wolf betheiligte sich auch an den Bergungsarbeiten und fand unter den Geretteten unverhofft seinen Bruder wieder. Man kan sich die Freude der beiden Brüder über ein Wiedersehen unter so tragischen, für die Schiffbrüchigen noch glücklich auslaufenden Umständen denken! Der Centralverband deutscher Industrieller hatte in letzter Zeit bei den deutschen Ministerien in Anregung gebracht, o:e Frage der erweiterten Zulassung hoher eiserner Gebäude von Neuem zu erwägen. Auf diese Eingabe haben die Minister der otfentllchen Arbeiten, des Innern und des Handels in einem gemeinsamen Erlaß ablehnend geantwortet, da die voraebrachten volkswirtschaftlichen u. sozialen Gesichtspunkte nicht so erheblicher Natur seien, um die baupolizeiliche Zulassung von Wohn- und Geschäftsh'ausern zu rechtfertigen, deren Höhe über die zur Zeit festgesetzten Grenzen in Berlin 22 Meter (72 Fuß) hinausgehe. D e m K e st n e r - Museum in Hannover hat die Wittwe des Feldmarschalls Grafen Waldersee werthvolle chinesische Alterhümer aus dem Nachlaß ihres Mannes zum Geschenk gemacht. Die meisten Gegenstände sind Waffen von großer Seltenheit. Zwei eiserne Sturmhauben sind Beutestücke von der Expedition nach der Großen Mauer, von den Wällen Pekings stammen mehrere große und eine Reihe kleinerer Wallbüchsen, und aus den Vorhöfen des Kaiserpalapeö eine Anzahl großer zweihändiger Schwerter. Ferner eine große Bronzeglocke, die 3 Fuß hoch ist und gegen drei Centner wiegt. Auf der merkwürdig steilen Glocke sitzt eine große Oese, die aus zwei übereinander gestiegenen Drachen gebildet wird. ' mi . u , a ch e. W:e kommt es denn, lieber Freund, daß Sie, seitdem Sie Ihre frühere Köchin geheirathet haben, so mager geworden sind?" - Ja, sehen. Sie,' früher hat sie meine Lieblingsgerichtc gekocht jetzt kocht sie die ihrigen."

Ver Rückzug.

Won Guv de .eramond. Deutsch von ÄilhelmThal. Der neue General, der vor zwei Tagen in Sidi - Abbas angelangt war, nahm in der Kaserne über dasZuavenregiment.die Revue ab. Mit schnellem Schritt, seine Gerte unter dem Arm, trat er auf die lange Reihe der bauschigen Hosen zu, die sich wie ein riesenhaftes Mohnfeld, auf das der Stahl der Bajonette scharfe Blitze warf, im Hofe bewegte. Dann blieb er stehen und sagte mit rauher Stimme: Als ich gestern in Civilkleidung Abends durch die Stadt ging, wurde ich von einem betrunkenen Zuaven in grobem Ton angesprochen. Er verlangte, ich solle ihm Geld zum Trinken geben. Der Mann trete sofort aus der Reihe!" Ein Hornist trat drei Schritte vor, fuhr schnell mit der Hand an seine Mütze und antwortete: Das war ich, Herr General." Es war ein alter Soldat mit grauem Knebelbart. Die Narbe eines Säbelhiebes zog von oben bis unten eine tiefe, rathe Furche durch sein bronzefarbenes Gesicht. Vier Streifen schmückten mit -rothem Schimmer seinen Arm, und fünf Medaillen schaukelten sich auf seiner Brust. Tunis, Tonkin, Dahome, Madagaskar, China," murmelte der General. Er fühlte nicht den Muth, gegen diesen tapferenSoldaten allzu streng vorzugehen. Warum hast du das gethan?" fro.gte der General. Herr General, ich hatte Durst." Diese Antwort entwaffnete den Offizier vollends. Trotzdem konnte er einen so starken Verstoß gegen die Disciplin nicht so ohne weiteres hingehen lassen; er runzelte die Stirn, ließ seine .Gerte auf seine Stiefel fallen und

sagte: Ich gebe Leuten nur dann zu trinken, wenn sie es verdienen, verstehst du?" Zu Befehl, Hr General." Damit wandte er General dem Manne den Rücken Lnv setzte seine Inspektion fort. In der nächsten Woche kam die Kaferne in Aufregung. Eines Morgens machte sich ein äußerst lebhaftes Treiben im Hofe bemerkbar. Schlechte Nachrichten kamen aus dem Süden von Oran; ein Posten war von marokkanischen Räubern ermordet worden, denen sich Tuaregbanden angeschlossen hatten. Ein Zuavenbataillon erhielt die Order, auf der Stelle auszurücken. Der General ließ es Revue Passiren, bevor es in Eilmärschen nach derGrenze aufbrach. Dann blieb er plötzlich vor dem Hornisten, der dem Bataillon ebenfalls angehörte und an den er sich erinnerte, stehen. Du bist also der Kerl, der immer Durst hat? Nun gut, mein Freund, komm mit der Miliiärmedaille, die dir noch fehlt, zurück, und wir werden zusammen anstoßen." Das Bataillon wanderte durch die ungeheure, öde Landschaft. Ueberall Dünen, soweit das Auge reicht; nichts als Sand und Sand. Die Sonne flammte und warf glühende Blitze auf die gebückten Rücken der Zuaven, die in ruhigem Gleichmuth weiter wanderten und ihr fröhliches Kriegslied in die Lüfte steigen ließen:' Hurrah, hurrah, die Schakale sind da!" An der Spitze marschirte eine halbe Stunde von der Colonne entfernt die Hälfte einer Compagnie, die den Auftrag hatte, dieGegend auszukundschaften. Das Commando hatte ein Unterleutnant, und dieser Colonne gehörte auch der Hornist an. Wieder erklang es: Hurrah, hurrah, die Schakale sind da!" , Das ist wirklich blinder Lärm." sagte einer der Leute, hier ist doch keine Spur von Tuareg. Man sollte uns ruhig wieder nach Hause zurückschicken." Doch kaum hatte er das Wort ausgesprochen, da ging es piff, paff. Ein Kugelregen brachte die Compagnie zum Stillstand, doch Niemand wußte, woher der Hagel kam. Man war in einen Hinterhalt gerathen, und wie aus der Erde aufgeschossen, erhob sich eine Schaar von Burnussen vor der kleinen Truppe, die mit wüsten Flüchen auf sie eindrang. Naaldrne bebeck! .... Emchi!" Von allen Seiten kamen sie herangeschössen, alles in allem etwa tausend Fußsoldaten und fünfhundert Lanzenreiter, die eine undurchdringliche Mauer bildeten. Der Officier, ein junger Mann, der eben von der Kriegsschule von SamtCyr kam, und dessen blinkende Unisorm wohl zum ersten Male mit dem Staub der Landstraße in Berührung kam, zögerte angesichts dieser Fluth von Feinden, die mit der kleinenSchaar sicherlich bald fertig werden würde. Konnte er mit den wenigen Leuten, die er besaß, dem Ansturm bis zur Ankunft der anderen Compagnie standhalten? Das war der sichere Untergang; wie in einem Orkan mußten sie niedergerissen werden. Wozu also so viele Leben unnütz öpfern? Sich in guter Ordnung zurückziehen und dann mit größerer VerKarkung, des Sieges sicher, wieder auf den Feind loszugehen, das war keine Feigheit.

Hornist!- rief er. Zum Nuckzug blasen!" Doch bei diesem Commando sprang der alte Soldat wie ein Panther auf, der von einer Gewehrkugel getroffen wurde. Rückzug, was sür ein Rückua?. . Das kennen wir nicht bei den Züaven, Herr Leutnant." Damit führte er sein Horn an die Lippen und begann aus Leibeskräften zum Sturm zu blasen. Ein elektrischer Schlag schüttelte gleichsam die Männer, und im Nu warfen sie die Tornister von denSchultern. Mit einer einzigen Bewegung wurden die Bajonette auf die Gewehre gepflanzt; ein Wort, ein einziges entrang sich ihnen wie aus einem Munde: Zum Sturm, zum Sturm!" Es erhob sich ein Gebrüll in der Ebene; die Zuaven sprangen in einer Staubwolke vorwärts. Vergeblich bemühte sich der Offizier, den dieser Heroismus, den er nicht gewöhnt war, ganz verdutzt gemacht hatte, sie zurückzuhalten. Vergeblich rief er ihnen zu: Ihr seid verrückt; das ist ja Thorheit, wartet wenigstens die Verstärkungen ab." Man hörte nicht auf ihn, die Zuaven liefen noch immer hinter dem alten Hornisten drein, dessen helle Horntöne die Luft durchschnitten. Zum Sturm, zum Sturm!" Aber bald fand die kleine Truppe Niemand mehr vor; die Marokkaner waren, von diesem Angriff überrascht, wie eine Schaar Sperlinge entflohen. Das Bataillon war. als der Streifzug beendet war, nach Sidi-Abbas zurückgekehrt. Alle Regimenter der Garnison sind im Kasernenhofe aufgestellt. Ma,n erwartet den Besuch des Gene--rals, der seine Leute selbst beglückwünschen Will. Vor der Fahne hält der Offizier eine warme Ansprache, von der die Leute aber nur einige Worte verstehen. Ehre .... Vaterland Frankreich." Plötzlich ist ein Mann aus den Reihen getreten und schreitet ruhig auf den General zu. Es ist der Hornist. Auf seiner Brust glänzt vor den fünf anderen die Militärmedaille; er salutirt, indem er die Hand an die Mütze führt, und sagt im ruhigsten Ton von der Welt: Herr General, Sie hatten versprochen, mit mir anzustoßen. Darf ich bitten?" Der General lachte und ging mit dem Zuaven in die Kantine.

Wohlthätige Eisenbahnverwattun, gen. Eine köstliche Geschichte erzählt die Petersburger Börsen - Zeitung", eine Geschichte, wie sie in aller Welt nur in der russischen Verwaltung möglich ist. Hält da die Eisenbahn - Tarifcommission eine Sitzung ab und man debattirt mit all der epischen Breite, die allen Verhandlungen aller Commissionen in Rußland eigen ist, über einen tief eingefressenen Krebsschaden des russischen Eisenbahnverkehrs, über die blinden Passagiere, die Hasen", wie sie im Reiche des weißen Zaren genannt werden. Ihrer Zahl ist Legion; man behauptet, daß auf den russischen Bahnen nur die Dummen bezahlen; die minder Dummen spicken den Schaffner und fahren blind. Nachdem man in der erwähnten denkwürdigen Sitzung über das Uebel auf die tiefsinnigste Art hin und her geredet hatte und zu der Ueberzeugung gelangt war, daß weder die Einsetzung von Sonderausschüssen, noch die Gehaltserhöhung de? Schaffner und Controlleure, noch eine Fluth beständiger Rundschreiben und anderer papierner Maßnahmen irgend welche Wc. olung zum Bessern gebracht hatten, bemächtigte sich der Herren eine schmerzliche Niedergeschlagenheit. In der wehm'uthsvollen Erkenntniß, auf diesem Gebiet wehrlos' zu sein, fühlten sie ihre Stimmung unter den Nullpunkt sinken. Da ergriff plötzlich der Vertreter der Südostbahnen, Ingenieur von Renkul sein Name soll der Mit- und Nachwelt nicht verloren gehen das Wort und erklärte feierlich, daß die Eisenbahnen mit ihren nach Millionen zählenden Umsätzen die Rolle von Wohlthätern spielen könnten und müßten: die Hunderte (!) von blinden Passagieren dürften als materieller Verlust nicht so scharf in Berechnung gezogen werden, wohl aber sei zu erwägen, daß diesen armen Teufeln, die sich sonst kaum eine Eisenbahnfahrt leisten könnten, eine Wohlthat erwiesen würde. Diese neue und edle Auffassung der Eisenbahnen als Wohlthätigkeitseinrichtung. wälzte allen Anwesenden einen Stein vom Herzen, und man beschloß beruhigt, die Sache ad acta" zu legen, und sich im Bewußtsein freier und weitherziger Menschlichkeit mit den bestehenden VerHältnissen auszusöhnen! Höchster Scharfsinn. Vater: Komm her, mein Sohn, Du sollst was lernen. Ich werd' Dir erklären das Wichtigste aus der Rationalökonomie. Also was ist das Wichtigsie? Der Preis! Wonach richtet sich der Preis? Nach dem Gegenstand. Alles, was selten ist, ist theuer. Zum Beispiel ein' gutes Pferd ist theuer. Warum? Weil ein gutes Pferd ist selten. - Sohn:.Nu wieso? Ein gutes Pferd, was ist billig, ist doch noch sei tener.

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