Indiana Tribüne, Volume 28, Number 101, Indianapolis, Marion County, 19 December 1904 — Page 6
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Springfluth. Skizze von I. Jobst (Cbersmalde). Golden blickte die Hcröstsonne durch die kleinen Scheiben' des Schifferhauses, das als letztes auf der einzigen Werft der Hallig dem Meere am nachsten lag. An dem Tisch, über dem das Modell eines kunstvoll aufgetakelten Segelbootes hing, sah der alt: Schiffer Frerksen, der doch sonst um diese Zeit anderes zu thun hatte. Auf der Bank am Ofen saß seine Frau. Am sonncnbeschiencnen Fenster summien die Fliegen ihren einförmigen Sang, die alte Uhr tickte mit schwerem Pendelschlag den Takt dazu. Eine schwüle Luft lag wie ein drüelender Hauch in der niederen Stube; der Athem der beiden Alten ging schwer und die Augen blickten starr auf einen Punkt auf der Diele. Unser Jung!" Ick kann't nich glauben, Mutter." Unser Jung!"' murmelte der Alte wieder kopfschüttelnd. Zusammen sünd se auf See, de Jan und de Christian. Von jung an sünd se Fründ west. Nun hat er den Jan dodslagen." Unser Jung hat' sich erhängt!" Dat is noch nich dat Stimmst, Mutter. Schall'er sien Leben lang in Zuchthaus sitten, Mutter? Ick kann't nich glauben, unser Letzter 'n Mürber! Worum hat' er't dahn?" Wie ein unterdrückter Aufschrei verklang es im engen Raum, und doch war die Stimme, die ihn ausgestoßen hatte, heißer. Mien Christian, mien leever Jung!" Die Hände der Frau falteten sich zusammen zum Gebet. Läg er deep m't Water, Mutter, wie die Annern!" Die zitternden Hände des Schiffers griffen in das wirre Haar, und die buschigen Brauen zogen sich zusammen, daß die Augen noch tiefer in den Höhlen lagen. Ick kann Carsten nich seihn morgen, Mutter . . . Jan war sein Einziger." Mien Christian hat noch kein Minschen wat dahn De Jan ook nich, Mutter. Brav waren se oeid'." Tiefer sank die Sonne, und die Strahlen fielen mit ihrem blendenden Licht so zudringlich auf den alten Mann, daß er die Faust vor die Augen legte, murmelnd: Wo hell de Sonn' is. Mutter, wenn't doch Nacht würd'." Un denn kümmt wedder Morgen," verklang es vom Ofen her. Morgen Morgen ein Dag un wedder ein, wenn't doch tau Enn' wär. Ich kann Carsten nich unner die Oogen gähn. Wat schall ick 'm sagen? Worüm hät' mien Jung
de Jan erschlagen? Hier sieiht's Die Faust schlug schwer auf das Eerichtsschreiben, das heute Unglück und Schande in das stille Haus getragen hatte. De beiden m Himmel vertellen dir't nich, Vater. De leeve Gott wird se woll befragen. Carsten kann da nich mihr mitreden." Der Alte hob die Augen auf und blickte forschend zu der stillen Frau hin, die die Lippen leise bewegte. Die Sonne hatte ihren Weg jetzt auch zur Ofenbank gefunden und küßte mit ihrem letzten Schein das welke, müde Antlitz der stillen Beterin. Carsten schall sich bedüden laden, Mutter? Denn kennst Carsten siecht, un morgen " Slimmcres kann nich mihr kommen. Vater. Un helpen kann keiner, se sünd dot, de ein' so got as de anner." Die Augen der alten Frau sielen auf die Uhr, die gerade zu schwerem Schlage ausholte. Mien Got, ich denk woll an gor nix mihr. Vater, de Schaap!" Ick kann keinen seihn." Ick schafft woll allein, wenn du nich kannst." Eine ganze Weile verging, dann fuhr er auf und blickte wie suchend um sich. Vermißte er den lichten Schein, der noch vor Kurzem die niedrige Stube bis zur Bank am Ofen füllte? So wich auch jählings aller Glanz aus seinem Leben. Lauschend bog er den Kopf vor, als ob er heimliche Stimmen höre. Wie ein fieberhaft Wartender saß er aufrecht da, das Auge irrte nicht mehr suchend umher, wie das eines Wänderers, der seinen Weg im dichten Nebel sucht. Es duldete ihn nicht auf seinem Platz. Er stand auf und schritt den Weg den die alte Frau gegangen war. Er besann sich wohl auf die Pflichten, die diese Stunde mit sich brachte. Der untere Theil der Hausthür war geschlossen, er stieß sie auf, um-weit hinauszuspähen über die unabsehbare graue Fläche des Wattenmeeres. Ein feiner Nebelschleier lag in der Luft und verdichtete sich gen oben so, daß die Abendsonne farblos im Westen versank und das Dunkel rasch hereinbrach. Springflut zur Nacht!" rnurmelte der Alte vor sich hin, und der irre Glanz einer fernen Hoffnung brach aus den scharfen Augen. Nun bog die Frau um die Hausecke und schäme .besorgt zu dem Manne hin. Ick hab de Schaap in den Stall bracht. Wat meinst, Vater, de stille Luft is nich to trugen " sagte sie im Vorbeigehen. T'is Vollmond dees' Nacht." . Der Alte nickte stumm, er rührte sich
nicht vom Fleck. Mit wild flackernden Augen spähte er umher, und die harten Arbeitshände schlössen sich fest zusammen wie in wartender Qual. Durch die Nebel schimmert der Vollmond mit seinem kräftigen Licht.
Ganz m der Ferne sprühte es auf in wild bewegtem Tanz der schaumgekrönten Flut die nahenden Waner wuchsen und schwollen. T'is Vollmond dees' Nacht!" wiederholte Frerksen und zog sich rasch in sein Haus zurück, dessen Thür er fest verschloß. Der Laut nahender Schritte hatte lhn verscheucht. Er horte Ut Frau in der Küche Hantiren, aber er suchte sie nicht auf, sondern schritt in die lichtlose Stube, setzte sich dicht ans Fenster und starrte durch die kleinen Scheiben unverwandt in die lautlos dämmernde Mondnacht. Sonst pflegte er zu dieser Zeit die Laden vor die Fenster zu legen. Die Thür öffnete sich, die Frau trat tln mit Licht, und wieder fiel ein forschender, unruhiger Blick auf den Mann, der den Kopf nicht wandte. Er wartete auf das, was kommen sollte kommen mußte. Ein seltsamer Laut drang durch die Nacht wie ferner Orgelton, und das Mondlicht erlosch. Der fuhr dem Alten durch die Glieder, es trieb ihn von neuem hinaus. Auf der Schwelle der Hausthür blieb er stehen und horchte auf die zornig grollenden Stimmen der Natur, die der unheimlichen Stille ein Ende machten. Ueber die murrenden Wasser rannte spielend der Wind in unregelmäßigen Stößen und trieb die Flut vor sich her, daß sie fch'äumend brach. Zerrissenes, drohendes Gewölk jagte zu Häupten des Schisfers auf und verhüllte die goldene Scheibe des Vollmondes. Ringsum lag nächtliches Dunkel, und doch sah und fühlte der kundige Mann, wie durch Nacht und Grauen die Noth gefahrdrohend nahte. Die Nords streckte die Krallen aus, ihr gelüstete nach einem Opfer. Ein Aufbrüllen ging durch die Wasserweite. Der Orkan setzte ein mit einem Stoß, daß das Schifferhaus in allen Fugen erbebte, dann wurde es still wie zuvor. In die Augen des einsamen Lauscherö trat ein stolzes Leuchten. Trotzig hob er die Stirn, und das heiße Blut stieg klopfend in die Schläfen, als sei das Herz in der mächtigen' Brust wieder jung geworden und schlüge dem Gluck migegen. Kümmst 'rein, Vater," sprach es besorgt an seiner Seite, die alte Frau suchte sich tastend den Weg zu ihrem Mann. Die Sorge um den einzigen, der ihr geblic:n, hatte sie aus ihrer Ecke aufgescheucht. Sturm un Springflut, de schaffen's allein, Mutter," rief mit grimmigem Jubel Frerksen in die Nach! hinaus. Dat is got, nu hat Jedverein mit sich to dauhn. Siehst, wie se steigt? Bald is se über de Werft." Der Mond brach für kurze Zeit durch das Gewölk und zeigte die schäumenden Wasser der unheimlich wachsenden Flut, die mit gefräßigen Zungen weit vorauseilte, an den Erd- und Steinwällen nagend, bis der brausende, schwellende Todesring geschlossen war. Frerksens Haus war am meisten ge sihrdet, und diesem Gedanken Raum gebend, sragie die Frau leise: Gehen wir to den Annern, wenn de Noth kommt?" Glaubst' ick gah nach Carstens, Mutter? Hüt nich un morgen ok nich. Wer kann't weiten, wat morgen is!" Mit wilder, frohlockender Freude kam es über die Lippen des alten Seemanns, und als der Sturm einsetzte. mächtiger als zuvor, drückte Frerksen die sich an ihn lehnende Frau kräftig in feine Arme. Komm, Mutter, wir beid' halten zusammen in der Noth." Stoß auf Stoß traf das Haus, de: Sturm sang sein wildestes Lied. Wie oft hatte der alte Schiffer es gehört auf weiter Fahrt oder im engen Haut. Es war ihm vertraut wei einst das Wiegenlied seiner Mutter. Auch das Murmeln der zitternden Frauenstimme gehörte dazu, sie las die alten, ewig jungen Sprüche aus der dicken Famittenbibel. Herrgott im hogen Himmelreich!" schrie sie plötzlich auf und starrte mit weit aufgerissenen Augen zu dem Fenster hin, an die es klopfte mit tausend geschäftigen Fingern. Sie is da," bestätigte Frerksen in feierlichem Tone. Mien Gott, ich danke dir." Ein betäubendes Krachen, ein Klatschen und Brausen! Durch die Fenster, die Thüren, über die Schwelle stürzte sich in breitem Schwall der gewaltige Strom, daß die stille Stube voll unheimlichen Lebens wurde. Er stieg und wuchs, er kochte und zischte wie wusend Schlangen und sang doch nur das eine Lied von Tod und Sterbenmüssen. Die beiden Alten hatten die Bodentreppe erreicht und kletterten empor zu ihrer letzten Zuflucht. Wenn die Mauer auch brach, auf den starken Pfosten ruhte das Dsch der Hallighäu ser, und es war schon mehr als einmal auch in der größten Noth erhalten ge blieben. Betete die Alte darum, die murmelnd die Lippen bewegte? Ergeben faß sie da auf einem Bündel Heu, während der Schiffer mit funkelnden Augen und tiefathmender Brust auf das Zerstorungswerk horchte, das die Wasser da drunten begannen, Die Bi-
bel hatte die Frau gerettet, sie hielt sie fest im Arm. Durch das Schilfdach heulte der Sturm und strömte der Regen. Die Pfosten zitterten unter dem Anprall der brandenden See, daß der Boden bebte es stieg d'- Noth. Ob Carstens ok woll so weit sünd?" klang es mit der Stimme der Alten in das Ohr des dicht neben ihr sitzenden Mannes. Kann woll sien, Mutter," antwortete Frerksen, wir alle sünd nich mihr weit von de Ewigkeit. Morgen kommt nich. Lig du man still, dat ward nu alles got. Fürcht' dich nich, wir gähn to Christian. Dann können wir ihn selbstcn fragen, er wird woll antworten un de Jan ok. Vor Gottes Angesicht gibt es kein Lüge nich." Vater, Vater!" schrie die Alte auf. Hilf, Herr Jesu Christ!" Der Todesschrei der Frau übertönte das Toben des Orkans, der das Dach
zerriß, als sei es Spreu. Die Pfosten neigten sich, es brach das Haus. Arm in Arm, Brust an Brust versanken die beiden Alten in den wild aufschäumenden Wassern. Dem alten Frerksen war geholfen, er brauchte keinem Menschen mehr ins Auge zu sehen. Kuttstloses Barometer. Ein sonderbares Barometer, dessen Herstellung auf einer Beobachtung beruht, die schon seit langer Zeit von Forstleuten im Gebirge gemacht worden ist, wird in einer wissenschaftlichen Wochenschrift beschrieben. Der Apparat besteht im Wesentlichen aus einem dünnen Tannenzweig, der auf einem Vrettchen befestigt' ist, und von dem fast in smkrechter Richtung ein ganz nacktes und sehr dünnesReis abzweigt. Dieses Reis ist es, das unter dem Einfluß der Schwankungen im Feucbtigkeits - Zustande der Luft sich mehr oder weniger krümmt und so mit seinem freien Ende Bewegungen ausführt, die auf einer Skala sichtbar gemacht werden können. Alles zusammen, das Brettchen mit dem Zweige und die Tafel mit der Skala, wird auf einer Holztafel befestigt und muß dann in einem Raum gehalten werden, dessen Temperatur nicht wesentlichen künstlichen Schwankungen unterworfen ist. Die Skala dieses kunstlosen Barometers ist mit einer einsamen Zwölftheilung versehen, derart, daß das schöne Wetter nach oben hin bei der Sieben, das schlechte nach unten hin bei der Fünf beginnt. Wenn man sieht, daß die Angaben des Barom?ters nicht mehr mit denen der gewöhn lichen Barometer übereinstimmen, so genügt es, das Tanuenreis wieder so zurückzubiegen, daß seine Spitze auf die Stelle zeigt, die dem richtiqen Ba rometerstande entspricht. Eigentlich ist dieses Barometer also ein Feuchtigkeitsmesser. Adelige Ferkel. Major von B. in S. traf eines Tages so erzählt ein deutschländisches Blatt einen ihm bekannten kleinen Eigenthümer aus derNachbarschaft auf seinem Gutshofe und fragte ihn: Nun, alter Freund, was wünschen Sie heute hier?" worauf derAngerewte halb platt, halb hochdeutsch antwortete: Jo, Herr Major, ik wull eis seien (sehen), ob ik nich Farken (Ferkel) hie kriege künn; letztern 'Harsst (Herbst) hef ik mi Farken von Herrn Leding ut Kaslow köpt, oberst (aber) mit dei h:f ik veel (viel) Malhür het. Nu wull ik eis feie, ob ik bei Sei Farken kriegen künn, denn mit die adligen Farken hef ik ümmer mehr Glück het (gehabt), als mit die bürgerlichen." Vergebliche H.of f n u n g. Amtmann: Jetzt haben wir die Kerls schon drei Tage auf dem Hals und wissen nicht, wohin damit!" Polizeidiener: Ja und ausbrechen thun die Ludersch auch nicht!" V eimTurnen verunglückt ist in Jthaka, N. Y.. FrederickSchmidt. ein Sophomore der Cornell - Universität. Er versuchte, einige schwierige Uebungen am Barren auszuführen; dabei fiel er und schlug mit dem Kopfe so hart auf den Boden, daß er stumm und am ganzen Körper vollständig gelähmt liegen blieb. Nach einiger Zeit gelangte er mit ärztlichem Beistande wieder in den Besitz des Sprachvermögens, war aber vorläufig noch nicht im Stande, eines seiner Glieder zu rühren. Theureüaune. Weshalb sind Sie denn mit Ihrer Frau böse?" .Sie ist so kapriziös!" Worin äußert sich denn das?" Sie will durchaus nach Capri. Dilemma. Kanzleirath Steps (der mit mehreren Töchtern gesegnet ist, hat einen seiner jungen Beamten zu Tisch geladen. ' Nach dem Essen fragt ihn der joviale, alte Herr): Welches von den Mädchen gefallt Ihnen am besten, Herr Spindelbein?" Gast: Die in der Küche . . ." Rath: Das ist ja unser Dienstmädchen!" Gast: Herr Rath haben mich nicht ausreden lassen, ich wollte sagen: die in der Küche ausgenommen, alle!" Na a l so ! Und ich sage dir, aus der Heirath mit dem Leutnant Schneidig wird nichts, der steckt bis über den Kopf in Schulden!" Aber, Papa, ich bitte dich, er ist doch so klein!"
Der verdächtige Gast. Humoreske von Adolf Höllerl. Wien. ' In einem eleganten Cafe gegenüber der Oper faßen in einer traulichen Ecke mehrere Aristokraten bei Mokka und Virginia und führten höchst interessante Gespräcbe über
Pferde, Hunde, Nennen, Vallettänze-; r mnen und sonstige Henuchkeiten dieser Welt. Die Wogen der Unterhaltung gingen hoch. Einer der Herren hatte es auf die Wiener Polizei abgesehen, deren Diensieifrigkeit er mit den härtesten Worten charakterisirte und als ein Uebel der alten Kaiserstadt hinstellte. Er fand zwar den entschiedensten Widerspruch, der eigensinnige Herr aber blieb steif und fest bei feiner Behauptung und sprach mit Pathos: Ich bin bereit, den Beweis zu erbringen, daß man in unserem schönen Wien arretirt werden kann, ohne auch nur den Schatten einer unerlaubten That auf sich geladen zu haben." Man stieß sich an, lächelte vielsagend, witzelte, und schließlich brach die ganze Gesellschaft in schallendes Gelächter aus. Wir wären neugierig, diesen Beweis erbracht zu sehen," meinte einer der Anwesenden. Was gilt die Wette?" sprach der erste wieder. Ich schaffe Euch bis morgen Abend den Beweis, daß ein guter Wiener von dem ersten besten Polizisten festgenommen wird, obgleich er in seinem ganzen Leben auch nicht im geringsten gegen die Paragraphen des Gesetzes verstieß. Ich wette um ein Champagner-Souper. Wer hält?" Wir alle," hieß es. Man trennte sich mit der Versicherung, sich nächsten Tages gegen Abend wieder in dem Cafe treffen zu wollen. In Sechshaus, einer Vorstadt Wiens, saß am Nachmittag des anderen Tages in einem kleinen sogenannt ten Beisel" ein etwas derangirter Herr, dessen Garderobe Spuren einstigen Glanzes zeigte. Er machte in dieser Kleidung den Eindruck eines heruntergekommenen Barons. Diesen Eindruck hatten auch sofort der Wirth und die Kellner des WirthsHauses gewonnen, denn sie betrachteten gerade diesen Gast, der sich in dem entferntesten Winkel der Gaststube niedergelassen hatte, mit ganz besonderer Aufmerksamkeit. Der Fremde hatte sich einen halben Liter Abzug" v und eine Portion Primsenkäse" nebst einem Bosniaken" geben lassen und fragte nebenbei den Kellner nach dem nächsten vom Westbahnhofe abgehenden Zuge. Dem Kellner fiel der unruhige Blick des verdächtigen Gastes auf, nicht minder das schüchterne, fast ängstliche Be nehmen und die zitternde Hast, mit der er' sein frugales Mahl verzehrte. Der Speiseträger nahm Rücksprache mit dem O.berkellner, der Oberkellner mit dem Wirthe, und in den dreien stieg der furchtbare Verdacht auf, daß dieser räthselhafte Mensch am Ende gar ein Raubmörder sein könnte. Daß er aber zum mindesten ein Dieb sei, daA galt den dreien bereits als eine ausgemachte Sache. Der Wirth mahnte zur Vorsicht und gab Auftrag, ihn sofort in Kenntniß zu setzen, wenn sich etwas Verdächtiges an dem sonderbaren Fremden zeigen sollte. Nach einer Weile wünschte der Unbekannte zu zahlen. Sie haben ein Glas Abzug, Primsenkäs und ein Brot, macht zusammen einundzwanzig Kreuzer." Jetzt streifte der fremde, verdächtige Gast fein Beinkleid in die Höhe und entnahm einem seiner Stiefel eine Hundertguldennote. Der Kellner war sprachlos. Ich habe nicht so viel Geld, muß mir's erst vom Herrn Wirth holen," stieß er hervor, und damit ging er zu seinem Chef, dem er diesen höchst seltsamen Vorgang hastig mittheilte. Dieser wechselte die Banknote, nahm seinen Hut und verschwand. Unterdessen zählte der Kellner dem zur Eile drängenden Gast langsam und zögernd die Münzen auf den Tisch. Er war damit noch nicht fertig, als sich die Thür öffnete und der Wirth in Begleitung eines Polizisten erschien. Der Wirth gab dem Schutzmann einen Wink und deutete auf den Fremden. Der verdächtige Gast sah es, ergriff seinen Hut und rannte durch die rückwärts gelegene Thür nach dem Hof, und von da auf die Straße, indem er eine ganze Reihe kleiner Silbermünzen auf dem Tisch zurückließ. Ihm nach der Polizist, der Wirth, Kellner und Speisenträger. Haltet den Dieb!" rief der Schutzmann. Haltet den Dieb!" der Wirth. Die Folge war, daß sich eine große Menschenmenge ansammelte, die jetzt gleichfalls auf den vermeintlichen Dieb Jagd machte, der wie ein gehetzter Hirsch in mächtigen Sätzen davonlief. Es half ihm nichts. Als er gerade um eine Ecke bog, rannte er vier stämmigen Arbeitern in die Hände, die ihn festhielten. Der Fremde wurde einigen in der Nähe weilenden Schutzleuten übergeben und zur nächsten' Polizeiwacht geführt. Unterdessen war auch der erste Polizist, der den angeblichen Dieb in dem Wirthshaufe arretiren wollte, nachgekommen. Er rapportirte und führte den Wirth zum Zeugen an, unter welchen bedenklichen Umständen der ding-
fest gemachte Herr angetroffen wuroe. Jetzt bestand auch bei den anderen Sicherheitsorganen kein Zweifel, daß man es mit einem Diebe, und mit einem gefährlichen noch dazu, zu thun habe. ' Zur Vernehmung vor den Commissar geführt, richtete letzterer die barsche Frage an den Arrclirten: Wer ist Er?" Da schlug der Unbekannte mit einer eleganten Verbeuag den Ucbe:rock zurück, zeigte auf einen glitzernden Ordensstern auf seiner Brust und antwortete: Ich bin Graf Sandor, und wenn Sie mir nicht glauben wollen, so lassen Sie den Fürsten Metternich rufen, der wird Ihnen nähere Auskunft geben. Außerdem noch dies." Damit nahm er kaltblütig seine Legitimationspapiere aus der Tasche und legte sie auf denTisch des Beamten. Man kann sich denken, in welch Peinlicher Verlegenheit sich die Diener Hermandads dem berühmtesten Reiter und Fahrer seinerzeit und dem Verwandten des einflußreichen Fürsten Metternich gegenüber befanden. Verneigungen und Ecröthen, Entschuldigungen um Entschuldigungen folgten. Graf Sandor aber unterbrach die Herren mit den Worten: Ich verzeihe Ihnen gern, mache aber zur Vedingung, daß mir derjenige Schutzmann, der meine Arretirung im Wirthshause bewirken wollte, heute Abend Gesellschaft leistet," was natürlich zugesianden wurde. Am Abend ging es in dem Cafe gegenüber der Wiener Oper sehr lustig ZU. Graf Sandor zündete sich behaglich eine Virginia an und erzählte seinen Freunden den Hergang in launiger Weise. Dabei flocht er folgende Bemerkungen ein: Ich habe," meinte er, eine etwas mehr als abgetragene Kleidung angezogen, und das ist meines Wissens kein Verbrechen. Dann habe ich mich in ein kleines Wirthshaus nach Sechshaus begeben. Warum nicht? Tausende thun das Gleiche! Wenn ich mich dort in die entlegenste Ecke gesetzt habe, so ist dies auf meinen Geschmack zurückzuführen: es ist aber keine Strafthat. Ich habe mein Geld in einem meiner Stiefel aufbewahrt und es beim Bezahlen aus diesem allerdings ungewöhnlichen Behälter hervorgeholt. Das ist aber Privatsache. Es giebt kein Gesetz in Oesterreich, daS bestimmt, wo man sein Geld aufzubewahren hat. Ich bin schließlich zur Thür hinausgelaufen. Warum hätte ich es nicht thun sollen? Aber ich wurde verfolgt, arretirt und vernommen wie ein leibhaftiger Verbrecher. Somit ist thatsächlich in mir ein guter Wiener Bürger verhaftet worden, der nicht das geringste verbrochen hatte."
Neueö von Blücher. Aus dem Familienarchiv eines mecklenburgischen Ritterguts Besitzers stammt der folgende Brief des Fürsten Blücher, den wir in der Recht"schreibung und in der fehlerhaften Grammatik der Urschrift mittheilen. Das Schreiben ist an die Gattin des FeldHerrn gerichtet: Compiene, den 17. Juni 1815. hir sitze ich in dem Zimmer wo marie luise.ihre hochzeitsnacht celebrirte, man kan nichts Schöneres nichts angenehmeres sehen als Compiene, nur Schade, daß ich Morgen früh wider von hier muß, den in 3 Tage muß ich zu Pariss sein, es ist möglich und höchst wahrscheinlich, daß Vonaparte mich undLord Wellington ausgeliefert wird, ich werde wol nicht kürzer handeln können, als im todtschiessen zu lassen, es geschieht die Menschheit da durch ein Dienst, in Pariss hat ihm alles verlassen und er wird gehastt und verachtet, ich denke die Sache ist gantz in kurtze hier zu ende und dann Eille ich nach hauße lebe wohl die Estafette will fort aber um gotteswillen ich kriege, ja keinen eintzigen briff von dich. Gebhard ist noch nicht vom König an den ich ihm geschickt zurück, grüße alles maß dich umgibt Hier sind die schönsten Sachen aber ich kann nichts fortbringen adio Blücher. Gleichzeitig wird aus der gleichen Quelle ein Brief der Fürstin Blücher, geb. von Colomb, bekannt, in welchem sie ihrem Bruder wohl dem Regierungspräsidenten von Colomb in Vromberg den Tod ihres Gatten beschreibt. Interessant ist besonders die Erzählung von dem letzten Besuch Friedrich Wilhelms IH. bei seinem dem Tode nahen Feldherrn. Blücher emPfahl dem König seine Frau und bot ihm seine Pferde an, sonst redete er wenig. Als der König fort war, fragte man den Kranken, er sei, weil er so still gewesen, wohl erschrocken gewesen, auf 1 einmal den König an seinem Bette zu sehen. Aber Blücher erwiderte: Ih bewahre! Warum sollte ich mich darum erschrecken? Ich wollte ihm nicht mehr sagen." Dazu bemerkt nun seine Frau in dem Briefe an ihren Bruder: Mein Mann war vor'n Jahr, wie auch die letzte Zeit, da er noch wohl war, sehr unzufrieden wie nehmlich wegen Hardenberg, auch darüber, daß dem Staate noch immer keine Constitution gegeben wurde und so dergleichen mehr desshalb er also wohl nicht mehreres mit ihm sprechen wollen, doch sagte er den Tag vorher an Wileben, da dieser fort ging: sagen sie dem König, daß er wohl wußte, daß ich solange ich gelebt habe nur füri ihn lebte und daß ich auch' jetzt für ihn sterben werde."
