Indiana Tribüne, Volume 28, Number 101, Indianapolis, Marion County, 19 December 1904 — Page 4

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Judtana Tribüne, 19 Dezember 1903

Jndiana Tribüne. Ht?auIzeAebn von dn Suttndtrg Ss. Indianapolis, Ind. varry C. Thndinm Präfldeut. GeschaftSloeal: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 2J. tered at the Post Office oi Indianapoli &s second dass matter.

Die Geheimnisse Der Mormonenkirche." - (Chic. Abendpost.) Der SenatZausschuß für Privilegien und Wahlen hat mit dem Beginn der derzeitigen Kongreßtagung waZ man feine Untersuchung des Falles Reed Smoot von Utah" zu nennen beliebt, wieder aufgenommen ein Verfahren das bekanntlich vom Senate angeord net wurde, nachdem gegen die Zu lassung eenes (1903) zum Senator erwühlten Herrn heftige Proteste erhoben worden waren, weil er, wenn nicht praktisch, so dochtheoretisch, sozusagen, der Vielweibeeei huldige. Das ist nicht der Wortlaut der gegen Smoot erhodenen Anklagen und mag auch ihren Inhalt nicht ganz".decken; eS war aber überhaupt von Anfang an nicht leicht zu sagen, was man diesem Herrn eigentlich zur Last legt, außer dem, daß er nicht nur Mormone, sondern sogar ein Apostel" der Mormonen-Kirche ist; und wenn man'S im Anfange der Untersuchung" letztes Jahr wußte und es seither vergaß, so ist daS zu entschuldigen. Denn schon letztes Jähr war es recht schwer, im Verlaufe der Verhandlungen die Thatsache, daß Herr Reed Smoot suntersucht" wird, im Auge zu behalten, und für die der zeitige Fortsetzung derselben gilt das erst recht. Fortsetzung?! Das erinnert an den Zeitung und Colportage-Roman, und allsobald wird unS die große Aehnlichkeit zwischen diesem (dem Letzteren, vom Hintertreppenkaliber) und den Be richten über den Reed Smoot Falle offenbar: Fortsetzung folgt", heißt eS hier wie dort von Tag zu Tag; inter essänt und pikant find beide, voll Span nung sieht man wer Gefallen an solcher Lektüre findet der Fortsetzung entgegen, und in beiden Fällen ist der Titel gleich wenig bezeichnend für den Inhalt. Die Geschichten, die unter der Spitzmarke Die Reed Smoot - Unter suchung" erzählt werden, haben mit dem Bundessenator von Utah gleichen Namens etwa so wenig zu thun, wie die theils häßlichen, theils weinerlichen Geschichten unter dem Titel Starke Tugend- in den Hintertreppenromanen mit Tugend undZStärke. Aber rechtAnteressant und anregend für den entsprechenden Geschmack sind sie. Man kann sich sogar recht fchön gruseln dabei.Lund der Phantasie ist die schönste Gelegenheit zu weiterer Ausspinnungj und Ausschmückung ge geben. Es war da in den Erzählungen, die der SenatSauZschuß anhörte, von Offenbarungen" die Rede, die aller ding? sehr unorthographisch und un grammatikalisch, kaber doch göttlich" gewesen sein - sollen; von Scheidungen oder Lossprechungen von Todten und Trauungen mit Todten. Es erschienen ldie Zeugen, die kühn aussagten, daß sie im Geiste der Viel weiberei huldigten, aber im Fleische na türlich nichts weil da jaZgesetzlich ver boten sei; Evom mormonenkirchlichen Standpunkte laus hatten sie allerdings mehrere Weiber, darunter todte, aber sie lebten insWirklichkeit nur mit einer Frau. Andere Frauen die' er zählten, daßZgsielldie Gattinnen von Mornonen wurde und auch in jüngeren Jahren noch die Liebe ihres Gatten mit anderen Frauen theilen mußten, und so weiter und endlich einige, die die Geheimnisse der Mormonenkirche" aus 'plauderten. - DieZBerichte darüber aber sind wahre Proben der Hintertreppen literatur; manZwirddie Fortsetzungen, die diese bringen, mit wonnevollem Gruseln gelesen haben. Denn wer die Gelübde bricht, die die Gläubigen bei den Anfiegelungen" im Mormonen tempel machen' müssen, dem oder der soll der HalöZ von Ohr zu Ohr aufge schnitten und die Zunge herausgerissen werden. Dem !foll der Busen entzwei geschnitten undZdas Herz und die Lun gen sollen ihm (oder ihr) aus dem Leibe gerissen werdenzdem (oder ihr) soll der Körper in der lMitte durchgeschnitten und die Eingeweide herausgerissen wer. den; die sollen auf Verlangen all' ih ren Besitz der Kirche. ausliefern.

Diese fürchterlichen Strafen werden den Getreuen, die das (lelöbniß ma chen, in Aussicht gestellt von Aposteln" und Aeltesten" der Kirche, die in myyische Gewänder gekleidet sind, wäh rend sie (diejenigen, die die Gelübde machen) selbst in weiße Gewänder ge hüllt sind, denen blutrothe Herzen und seltsame Figuren aufgenäht ' sind, die sie der Schwüre und der Strafen, die bei Verletzung derselben ihrer harren, eingedenk halten sollen. So eine Zere monie im Mormonentempel mußfürchlerlich sein. Eine der Zeuginnen, die sie beschrieb, schauderte, als sie davon sprach und konnte sich, trotzdem sie sse dreimal durchmachte, nicht aller Ein zelnheiten erinnern. Als sie von den entsetzlichen Strafen sprach, die Derer harren, die ihr Gelübde irgendwie brechen, oder jemals etwas von den Geheimnissen der Mormonenkirche aus plaudern, wurde sie vor Entsetzen ganz schwach und beinahe seekrauk, aber : sie hat das Gelübde nicht ein, sondern dreimal abgelegt, hat alles ausgeplau dert, was sie von den Geheimnissen weiß, und sie. hat doch nicht die Spur von Furcht! Gewiß, sie wird nach Utah zurückkehren, sie befürchtet nichts Schlimmes für ihren Leib und ihre Seele, nur geschäftlich mag ihr der Verrath vielleicht schaden. Sie hat nichts davon gehört, daß jene schreck lichen Strafen jemals an einem Men schen vollzogen worden seien und an dere auch nicht. Das ist eigentlich ein Fehler in der Geschichte. Interessanter" wäre eS jedenfalls, wenn sie und die andern Zeugen, die über jene Tempelzeremo nien und die fürchterlichen Strafen aussagten, wenigstens andeutungsweise, von unzähligen Opfern" u. f. w. geredet hätten, aber besser ist's doch so. DaS Gruseln ist zwar angenehm, aber das Lachen ist gesünder, und zum La chen reizt das Bild, welches jene Zeugen von der heutigen Mormonenkirche ma len. Wird man, nachdem -man mit den Geheimnissen der Mormonen kirche" fertig ist, vor dem Ausschusse des hohen Bundessenats auch die Ge heimuisse des Ordens vom dreimal gehörnten Ziegenbock", oder den des siebenbeinigen Kalbes", des doppel köpfigen Esels" ausplaudern lassen? Man sollte doch vielleicht haben die in ihren' Statuten noch Lausigere Strafen für den Verrath der Ordens geheimnisse verhängt ! Die Mormonenkirche hat eine wilde blutige Geschichte, aber wenn man nach den schrecklichen Dingen, die von der Senatsuntersuchung zutage gebracht wurden, urtheilen darf, ist der Wolf zum harmlosen Pudel geworden, der unter der Wolfshaut feine Mätzchen macht, oder doch auf dem besten Wege dazu. Und das entspricht etwa dem Urtheil, das, nicht weniger Kenner der Verhältnisse über die heutig? Mormonenkirche füllen. Nach ihnen ist der Wolf alt u. ziemlich ungefährlich geworden und wird er ungefährlich bleiben, wenn man fein Zähnefletschen nicht viel beachtet und der Zeit die Arbeit überläßt, ihn ganz harmlos zu machen. Wenn das alte Geschlecht erst dahingegangen ist, wird jauch von der Vielweiberei nichts mehr übrig sein, bezw. nicht mehr als sonst wo auch, und all' das andere, das hat die Mormonenkirche mit andern Kirchen und Verbindungen zu Scherz und Ernst gemein. Man hat das ja auch ge wußt, als man Utah zum Staate machte. Was hat das Alles mit dem Falle Reed Smoot" gemein? Viel nicht. Der Name Smoot's wurde während der Verhandlungen der Sache nur einmal genannt. Der Tite der Komödie ist eben ganz unzutreffend, wie so manche andere auch!

Viel gesucht. Frank Van Slyke, der hiesigen Po lizei wohlbekannt, wurde unter der An klage der Wechselsälschung in Cincin nati verhaftet. Ein Telegramm meldet, daß die Frau des Mannes. Alanchs Browning, ein 16 Jahre altes Mäd chen, unter Thränen um feine Frei gebung bat. ES verlautet, daß Van Slyke arbeitslos war und den Namen von E. C. Murry auf ejnen Wechsel fälschte. Die junge Frau ist vermö gend. Sie war früher in einem der hiesigen Läden angestellt. Van Slyke wird auch von der hiesigen Polizei gesucht. Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho'S Longfellow".

Mord ans Eifersucht.

Neger erschießt seine Frau. Anscheinend in einem Anfalle von Eifersucht feuerte gestern Nachmittag Verklcy Smith, 31, ein Farbiger, 2017 Columbia Ave. wohnhaft, drei Schüsse aus einem Revolver auf seine Frau Hattie Smith ab uud verletzte sie derartig, daß sie kurz darauf ihren Wunden erlag. Den Revolver, mit welchem er die That ausführte, kaufte Smith gestern Mittag in einem Geschäfte an der Jndiana Avenue. Smith erzählte über den Mord, daß er seine Frau vor 5 Jahren in Lexing ton. Ky., heirathete, 'daß dann seine Schwiegermutter nach hier verzog und seine Frau dazu bewog, ihr zu folgen, auch er sei darauf nach hier gekommen, dann zog die Schwiegermutter wieder zurück und suchte auch die Frau zum Verziehen zu bewegen. Er habe da gegen proiestirt und seine Frau blieb dann hier. Darauf sei er fortgereist, übrigens habe sich das Paar schon ver schicdentlich getrennt und wieder ausgesühnt. Am Dienstag trennten sich beide wieder und Smith versuchte durch eine Note, welche eine Nachbarin seiner Frau zustellen sollte, die Sache wieder ins Geleise zu bringen, jedoch weigerte sich die Frau seinen Worten weiter Ge hör zu geben und sagte ihm so, als er sie im Hause einer Nachbarin, wo er auf sie wartete, antraf. Darauf hin nun soll Smith den Re volver in Anwendung gebracht haben. Die Frau erhielt einen Schuß in den Hinterkopf, einen in die Brust und der dritte durchbohrte den Arm. Beim ersten Schusse fiel die Frau zu Boden, und eS wird gesagt, daß er sie dann noch geschlagen und später auf die sich in ihrem Blute Wälzende no.ch die beiden anderen Schüsse abgegeben habe. Sobald die That ruchbar wurde, eilten die Polizisten zur Stelle und ah men Smith, oer sich inzwischen zur Flucht gewandt hatte, wenige Straßen gevierte vom Hause entfernt in Haft. Eine große Menschenmenge sammelte sich vor dem Hause an, und, wie verlautet, wurden auch Drohungen ge gen den Mann ausgestoßen. AuS Briefen, welche feine Frau an ihn geschrieben, geht hervor, daß sie ar bettete. Geld verdiente und ihn mit demselben unterstützte. j; Einer der Briefe besagt, daß ihn die Polizei dennoch wegen einer Schießerej festnehmen werde, felbst im Falle er mit dem ihm übersandten Gelde seine Flucht bewerkstelligen solle. Srr.ith sagt, daß an dieserSchießerei, die er auö Huntington, Va., an seine Frau berich' tete. kein wahres Wort sei. Daß die Geschichte nur eine Finesse von seiner Seite aus war. um aus seiner Frau Geld zu erpressen. Smith wurde unter die Anklage des Mordes gestellt. Die Leiche seiner Frau wurde im städtischen Todtenhause aufgebahrt, später aber einem Leichenbestatter übergeben. Eisengieker am Streik. Ein kleiner Streik, ist seit mehreren Tagen in den Werken der Chandler Taylor MaschineU'Fabrtk im Gange, ohne daß man inKreisen nichi direkt interessirt, etwas von demselben wußte. 9 der dort angestellten Union Eisengießer haben die Arbeit niedergelegt und dieselben weigern sich, solange John Sturgeon, Ausseher in der Gießerei, in Diensten der Gesellschaft steht, zur Arbeit zurückzukehren. Die Unionar beiter geben an, daß Sturgeon, seit seiner Anstellung hier, sich den Mit gliedern der Union verhaßt gemacht hat, und eS wird ihm nachgesagt, daß er bei der kleinsten sich darbietenden Gelegenheit Unionarbeiter entließ, um deren Stellen durch Nichtunioniflen zu besetzen. George Gunery, der Geschäftsagent der EifengießerUnion, sagt, daß Stur geon den Vereinsmitgliedern genug Unannehmlichkeiten bereitet hat und die selben entschlossen seien, den Kampf bis zum Aeußerften auszufechten. Wm. M. Taylor. 'Präsident der Chandler Taylor Co. sagt, daß 6 oder 3 Mann die Anlagen der Gesellschaft verließen, daß drei der Vakanzen bereits besetzt wurden. . Er sagt, daß der Streik die Compagnie nicht besonders schädigt und daß derselbe in wenigen Tagen nur noch wenig mehr wie eine Erinne rung sein werde. IX? Der Lahrer Hinkende BotesowiederNegensburger Marien Kalender für 1905 find dnrch unsere Ofsiee zu beziehen.

Gestrige Feuer.

Viele kleine Feuer hielten gestern die Feuerwehr in beständiger Aufregung. Außer dem an anderer Ztelle auSführ lich gemeldetem Großfeuer, löschte die Feuerwehr kurz vor 11 Uhr im Hause W. H. Baker, 227 West MorriS Str. einen kleinen durch den Schornstein ver ursachten Brand, ehe der Schaden einige Dollars überstiegen hatte. Um 1 Uhr brach im Hause 435 Ost Wabash Str., H. Stout Eigenthümer ein klei neö Feuer aus, welches gleichfalls, ehe noch irgend welcher Schaden von Be lang angerichtet war, gelöscht wurde. U m 1 Uhr brach auch im Hause G. C. Dörke. 219 West Morris Str. durch den Schornstein verursacht, ein kleines Feuerchen aus, welches einen Schaden von etwa $5 10 anrichtete. Um 2.45 wurde im Stalle hinter dem Hause 2035 Nord Illinois Str. Dr. Ewing, Eigenthümer, ein Feuer entdeckt, welches einen Schaden von $75 verursachte. Dasselbe wurde durch heiße Asche, die in der Nähe deSCtalles ausgeschüttet war, verursacht. Fast zu gleicher Zeit mit diesem wurde auch ein Feuer in der Wohnung Chas. Bodencader, 48 Neal Avenue, gemeldet. Ursache nicht bekannt. Verlust schwankt zwischen 8300400. Staats-GesundbeitSbehörde. Einige Zahlen geben interessanten Aufschluß über die Sterblichkeitsrate in Stadt und Land pro November für den Staat Jndiana. Die Rate infolge Gewaltthat und Lungenentzündung zeigt diesmal merkwürdiger Weife einen höheren Prozentsatz auf dem Lande, als in der Stadt.' Pocken nehmen von Jahr zu Jahr einen immer gefährlicher werdenden AuSgang an; eine Zunahme von 1170 ist constatirt worden. Im November d.JS. sind in unse. rem Staat 2566 Todesfälle, d. i.'6 weniger als im vergangenen Jahre vor gekommen. Es ist dies ein Prozentsatz von 11.7 auf'SlTausend. Davon waren 320 Km der unter 1 Jahr und 723 Erwachsene über 65 Jahre. An Auszehrung star ben 337, d. i. eine Zunahme von 40 gegen letztes Jahr. Eine Person starb 90 Jahre alt und 41 Kinder über 1 Jahr. TotalSterblichkeits Rate. 160 Todesfälle im letzten Monat resultirten infolge Gewaltthat, auch hier steht das Verhältniß auf dem Land im Vordergrund. Typhus und Lun genentzündung kommen auf dem Land häufiger vor. Von 1000 Personen starben in Indianapolis 14.4. Terre Haute zeigt eine Sterblichkeit von 24.30. Das rührt daher, daß diese Stadt letzten Monat eine ganze Anzahl seiner alten Bürger verloren hat. 17 Personen waren über 70 Jahre alt, 4 Pockenfälle. Lungen Entzündung zeigt eine Abnahme, , letztes Jahr im November 241 Todesfälle, dies Jahr nur 229. Die vorherrschendsten Krank heiten waren für den genannten Monat BronchitiS, Mandelenizündung und Rheumatismus. Der vom Secretär der Staats-Ge sundheitSbehörde veröffentlichte Bericht für den Monat November meldet, daß Rheumatismus, TonfilitiS und -Bron chitis im letzten Monat die vorHerr schenken Krankheiten waren. DieS fst ein außergewöhnlicher Zustand und die Behörde glaubt, daß das außerge wöhnlich trockene und staubige Novem berwetter in diesem Jahre für den selben verantwortlich ist Zwölf To deSfälle durch Pocken (Small Pox) in diesem November gegen zwei im No vemder des Vorjahres wurden ge meldet. Polizeiliches. Joseph Dem p sey, 31 Süd California Str. und Hugh Delany, 113 Süd California Str., zwei 17 jährige junge Burschen, wurden gestern Nachmittag, nachdem sie sich mit Schneeballenwerfen zum großen Ver drusse der Passanten eine Zeitlang amüsirt hatten, von der Polizei abge sangen und kurzer Hand eingesteckt. Einbrecher verschafften sich während der Nacht Zutritt zu W. L. Bakers Laden, 2315 Ost Michigan Straße und erbeuteten etwa $2 in Kupfermünzen. Jede Spur des Ge sindelS fehlt. ,

Der Herr ZZaron.

Gauner-Humoreske ron Erich Baltzer. Sie täuschen sich, meine Herren, wenn Sie glauben, daß solche 'Hochsta peleien, wie Sie da eben erzählt haben, nur in Großstädten möglich sind, . sagte der pensionirte Criminal - Commissär a. D. an der großen Tafelrunde. Im Gegentheil, in der Kleinstadt können sie oft noch viel leichter ausgeführt werden. Da erinnere ich mich zum Beispiel eines Falles, der sich noch zu meiner Zeit einmal in W. ereignete und uns viele Scherereien machte, ohne daß wir mit der Verfolgung der Gauner Glück gehabt hätten. Da kam eines Tages nach W. es ist ein richtiges Kleinstadt - Nest in etwa 12,000 Einwohnern ein Fremdem. Da er in Begleitung von zwei Herren aus der zweiten Wagenttasse gestiegen war und von diesen Begleitern sichtbarlich mit Achtung, wenn nicht gar mit Ehrfurcht behandelt wurde, erregte er von vornherein einiges Aufsehen. Die Begleiter ergriffen mit Artigkeit sein -Handgepäck größere Koffer besaß er nicht und übergaben die GePäckstücke dem Hausknecht vom Deutschen Hause", wohin sich alle drei dann zu Fu begaben, da es in W. keine Hotelwagen gab. - Als sie vor der Thür des Deutschen Hauses" ankamen, ergriff der eine der beiden Begleiter, welcher den ganzen Weg über schon lebhaft, doch mit aller Ehrfurcht in den Fremden hineingeredet hatte, dem ihnen entgegentretenden Wirth des Hotels gegenüber das Wort und sagte: Herr Varon von Warendorf wünscht ein Zimmer in der ersten Etage, für uns zwei daneben." Noch ehe der vornehme Fremde irgend etwas hätte erwidern können, hatte der Wirth vom Deutschen Hause"' einen tiefen Dien?r gemacht und war in die erste Etage vorangeeilt, wo er das Zimmer für den Herrn Baron anwies und die beiden Zimmer daneben für die Begleitung. Der Herr Baron trat in sein Zimmer hinein, der eine der beiden Begleiter, der äugenscheinlich der 'Geschäftsführer desHerrn Barons oder dergleichen sein mochte, wollte ihm folgen, aber der Herr Baron rief ihm ziemlich barsch zu: Jetzt wünsche ich aber allein zu sein!" und klappte ihm die Thür vor der Nase zu. Der Begleiter machte eine tiefe Verbeugung, welche der Herr Baron natürlich nicht mehr sah, dann sagte er, zu seinem Kollegen gewandt: Der Herr Baron ist heute etwas ungnäbig!" und zum Wirthe: "Bitte den Herrn Baron nicht zu stören; er ist von der Fahrt etwas ermüdet! Geben Sie mir das Fremdenbuch!" In wenigen Minuten war das Fremdenbuch zur Stelle, der Wirth überbrachte es selbst, um der Erste zu sein, der die Inschrift dann lesen konnte. Da stand: Baron von Warendorf aus Dresden mit Begleitung. Kammerrath Augustin und Wirthschaftenspektor Jbenberg. Als nach einer Viertelstunde der Herr Baron aus seinem Zimmer trat, waren auch sofort die beiden anderen Herren wieder in seiner Nähe. Der Wirth vom Deutschen Hause" näherte. sich ihm ehrfurchtsvoll und sagte: Werden der Herr Baron später im Gastzimmer speisen?" Dieser wollte erwidern, aber stinBeglelter, der Kammerrath Augustin, griff ihm in's Wort und. sagte: Jawohl, der Herr Baron werden im Gastzimmer speisen!" Worauf dieser ungnädig sagte: Ich weiß noch nicht, ob ich hier speisen werde!" und zum Kammerrath gewandt: Kümmern Sie sich bitte nicht um Dinge, die Sie nichts angehen!" Dann verließ er eiligst das Hotel, während der Kammerrath bestürzt, aber ehrfurchtsvoll hinter ihm her seine Ver, beugung machte und zum Wirth sagte: Der Herr Baron ist heute ungeheuer nervös, er ist müde von der Reise!" Dann ging er resignirt mit dem Wirthschaftsinspektor seinem Herrn nach, indem er noch laut zu diesem sagte: Was man sich alles sagen lassen muß; wenn der Herr Varon nervös ist, ist's wirklich nicht zum Aushalten mit ihm." Inzwischen wurde es sehr bald im Städtchen bekannt, daß im Deutschen Hause" ein vornehmer Fremder abgestiegen sei. Der Wirth erzählte, daß zwar nur Baron von Warendorf" im Fremdenbuch stehe.. Aber nach- der ehrfurchtsvollen Behandlung, die dem Fremden von seinen Begleitern zutheil würde, obwohl er gegen sie. recht kurz angebunden sei, nehme er an, daß womöglich hinter dem Varon sich noch etwas Höheres verstecke. Nach längerer Zeit erschien der Varon wieder im Deutschen Hause". Er ging sofort in's Gastzimmer, wollte sich dort niederlassen, um das Mittags mähl einzunehmen, als die beiden Begleiter ihm gefolgt waren. Hierauf befahl der Varon: Ich werde auf meinem Zimmer speisen und wünsche nicht gestört zu sein!" Die letzteren Worte waren ebenso sehr an den Wirth, wie an die beiden Aegleiter gerichtet. Der Wirth erwiderte nur: Ich werde auf Ihrem Zim mer decken lassen, Herr Baron!" Aber der Fremde war schon hinaufgeeilt. ' Kaum aber war er in seinem Zimmer, als der Commis eines Juweliers, des einzigen im Orte, mit einemWerthpacket für den Baron ankam und Be'zahlung verlangte.

Ja, .der Herr Baron wünscht nicht gestört zu werden," sagte, der Wirth. Er hat's ausdrücklich gesagt!" ," sagte der Kummerrath, der das hörte, das sind Einkäufe. desHerrn Barons; ich werde sie ihm in's Zimmer tragen. Folgen Sie mir!" rief er dem' Commis zu, mdem er ihm da Päckchen abnahm und in das Zimmer seines Herrn ging. Kaum aber war er in dem Zimmer,, so erhob sich da drinnen ein großer Lärm: Verlassen Sie sofort das Zimmer! Sie haben ja gehört, ich will, nicht gestört sein! Machen Sie, daß Sie hinaus tommen!" So hörte man draußen, und dazwischen wieder bcschwichtigende Worte des Kammerraths, der dann ganz bestürzt aus dem Zimmer heraus trat und dem Commis das Päckchen zurückgab. Dann sagte er zu diesem in Gegenwart des Wirthes, der durch den Lärm dazu gekommen war: Sie sehen ja, junger Mann, daß mein. Herr, der Herr Varon, augenblicklich durch die Anstrengung der Reise sehr nervös ist. Bitte gedulden Sie sich ein Weilchen im Gastzimmer; wenn er gespeist haben wird, w.ird er Sie wohl empfangen. Sie haben ja wohl ein halbes Stündchen Zeit!" Der Commis bejahte, nahm sein Werthpäckchen und setzte sich wartend in's Gastzimmer zu einem Glase Vier, das ihm der 5cammerrath bestellte. Dann sagte, dieser zum Wirth: Ich bin etwas alkrirt durch die etwas ungewohnte Behandlung meines gnädigen Herrn. Ich werde noch einen kleinen Spaziergang machen; wenn ich jetzt speise, bekomme ich fürchterliches Magendrücken. Jbenberg, kommen Sie mit?" Na, ich habe eigentlich Hunger, aberlange werden Sie ja nicht fortbleiben wollen! Also ich werde Sie begleiten!" sagte der Wirthschaftsinspektor und schloß sich dem Kammerrath an. Nach einer Viertelstunde kam der Juwelier, der Furcht hatte, sein Commis sei mit dem Gelde durchgegangen, und war ganz glücklich, daß er ihn noch antraf und das Werthpäckchen in seineu Händen sah. Aber er wollte nun doch den Kauf gern abgeschlossen und den Betrag für die Juwelen haben, 3000 Mark. Wenn-er auch an den um W. herum wohnenden Gutsbesitzern gute Kunden hatte, so war dies doch ein Geschäft, das er nicht alle Tage machte. So ließ er denn durch den Kellner, der die Speisen in's Zimmer des Barons trug, sagen, daß er, der Juwelier Hiller, selbst da sei und die Ringe und Armbänder bringe, die der Herr Baron ausgesucht habe. Kaum aber war der Kellner im Zimmer des Barons und hatte diesem die Meldung gebracht, als der, dies hörend, die gebrachten Speisen flehenließ, aus dem Zimmer herausgestürzt kam, in's Gastzimmer lief und ausriefr Zum Donnerwetter, jetzt habe ich die Sache satt; daß der verrückte Kerl mich mit seiner Dienstfertigkeit belästigt und mich Baron nennt, habe, ich mir gefallen lassen, wenn er mir aber auch noch Einkäufe auf den Hals schickt, dann wird mir die Sache zu bunt. Ich bin kein Varon, ich bin der Geschäfts!sende August Müller aus Berlin!" Na, wie kommen Sie denn dazu, sich Baron von Warendorf zu nennen?" rief der Wirth empört aus. Ich habe mich nicht so genannt! Sitzt da im Coup6, in dem ich hierher gekommen bin, ein verrückter Kerl, dermich Herr Varon nennt. Ich sage, Sie täuschen sich in mir, mein Name ist August Müller. Nein. Sie sind der Baron von Warendorf!" ruft er aus. Ich kenne Sie besser, als Sie sich selbst." Und fein Begleiter flüstert mir zu: Lassen Sie es gut sein! Mein armer Freund ist ja verrückt. Reizen Sie ihn nicht. Es schadet Ihnen ja nichts, wenn er Sie Baron titulirt." So hat mich der verrückte Kerl bis hierher verfolgt,-bis ich ihn vor einer Viertelstunde aus dem Zimmer jagte!" Ich bin verloren!" rief entsetzt der" Juwelier, der bei diesen Worten fein Päckchen geöffnet hatte und ein paar alte Schlüssel darin fand. Der Baron", der die Juwelen bei ihm ausgesucht hatte, ein Complice der beiden Schwindler, hatte im Beisein des Juweliers die Juwelen verpackt und mit seinem Petschaft versiegelt. So hatte er ein Päckchen hergestellt, dessen genaue Copie fein Genosse, der Kammerrath Augustin", besaß, um es bei seinem Rückzug aus dem Zimmer deZ zum Baron gemachten Herrn Müller umwechseln zu können. Und nachdem dies gelungen, verschwanden beide, um mit dem Dritten im Bunde per Automobil davonzujagen.

Boshaft. Junger Geck (zu :inem Bekannten): Ihr Fräulein Cousine äh reizendes Mädchen! Nur schade äh etwas zu ernst für ibr Alter! Habe junge Dame noch nicht äh einziges Mal herzlich lachen hören!" Bekannter: Dann machen Sie ihr nur 'mal einen Antrag!" Es gibt in London 763 Theater, Singspielhallen und Vari6t6s, die durchschnittlich Abends von 140,000 Personen besucht werden. Im Westend und im Centrum L)ndons liegen 27 Theater, in den Vorstädten 33; dazu kommen 61 Singspielhallen und 642 Vari6t6s. 47.000 Zuschauer füllen die Theater, 59.000 die Singspielhallen, 34.000 besuchen die anderen Vergnügungsorte.