Indiana Tribüne, Volume 28, Number 97, Indianapolis, Marion County, 14 December 1904 — Page 5

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000 o o o preise geliefert von A. B. MEYER & CO. Pennsylvania Anthracits $7.50 Pocahontas Lump ... 5.25 Smokeleß Lump 5. 25 Ohio Cannel Lump 5.25 Ohio Cannel Egg 5.25 Kanawha Lump 4.25 Pittsburg Lump 4.25 VrllZil Block 4.00 Hocklng Valley 4.00 Straight Creek Lump 4.50 Straight Creek Egg. 4.25 Greene County, No 4, Vem Lump.... 3.25 Greene County, No. 4, Vein Egz 3.25 Jackson Ohio Lump 5.00 Oven Coke Egg 5.50 GaS House Lump Coke 5.50 GaS House Crushed Coke 6.00 SztraSerkchnuilg wo solche getragen werden muffen Die übliche Schadenersatzklage gegen die Straßenbahn. Besfie LewiS reichte gegen die In dianapoliS Traction & Terminal Co. eine Klage auf 810,000 Schadenersatz ein. Sie giebt an, daß sie durch vorzeitige Anfahren eines Straßenbahn Wagens am - 10. September an der Blake und Rhode Island Str. zu Falle kam und körperlichen Schaden erlitt. U ..53 Die Behorde-fur öffentliche Arbetten bestätigt den Bericht der Kommissäre. . Die Kommissare, welche von der Stadt und der Wasser-Compagnie ernannt wurden, berichteten nach einer strengen und umfang reichen Prüfung des städtischen Wassers fclgendermaßen: Wir sind einstimmig der Ansicht, daß das Wasser welches den Consumenten während der Periode dieser Untersuchung geliefert wurde, guten gesundheitlichen Charakters war ; daß das Wasser von Privat-Brunnen einer der wichtigsten Factorcn der Cnt ftehungs-Ursachen dieser (Typhus) Epidemie Periode war." Die Kommissäre empfehlen die Condem nirung von Privat-Brunnen und Aborten, und empfehlen, daß Verbindungen mit Abzuaskanälen hergestellt werden sollen wo immer sich solche befinden. Der ganze Be richt der ommissäre ist in Druck und wird auf Anfrage abgeliefert oder mit der Post versandt ' Die Qualität des WasserS,wie solches von dieser Gesellschaft geliefert wird, und wie durch diesen Bericht festgestellt, ist für alle Bewohner der Stadt zum Privat-Gebrauch empfehlenswert!). Indianapolis Wasser Co. No. 1 W. Washington Str (Merchanrs National Bank.) Ein europäisches Department. Wechsel, Credltbriefe tnrt Postanweisungen aus alle Städte EurovaZ. Schtsssscheine "Z und vo ursva. An und verkauf ausländischen Gelde5. Urlauben Sie uns ein SparConto mit unserer Gesellschaft vorzuschlagen als ein würdiges substantinelles WeihnachtsGeschenk für ihre Freunde oder Verwandte. Für diese Weih nachten haben wir uns mit einem speziellen Feiertags-Couvert versehen, das prächtig verziert und mit einer niedlichen Bandschleife versehen ist das demselben ein sehr hübsches Ansehen gibt und das wenn , gewünscht am Weihnachtsbaum befestigt werden kann. Contos können zu irgend einer Zeit dieses Monats eröffnet werden undwir werden darauf sehen, wenn es so gewünscht wird, daß der Empfanger es am Weihnachts Abend erhält. Tlie Indiana Trust Co.

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Ecke Washington Str. u. Virginia Ave.

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xn Ais 5 - Slchzc von Heinrich Bäcker i. .... ... Ifc lliiv UltilUlUVt -JJUlt Vllillv 9 sich' die zuaefrorene ' Bucht .in. Tf aV V ffVV?! O a Vv.r!. C vor dem kleinen Fischerdorfe aus. Der strenge Wmter hatte Land und Meer vereint, und die Dorfstraße schien sich über die Eisdecke hin in's Unendliche zu erweitern, denn die Fuß- und Schlittenspuren führten über die Düne hinwenden Strand hinunter und dann hinaus in die Bucht. . Bon Osten her fielen die ersten röthlich angehauchten Strahlen der Wintermorgensonne über den glitzernden Schnee, westwärts war noch alles rauchgraue Nebelnacht. Draußen in der Bucht, dort, wohin die Schlittenspuren sich verloren, bewegten sich dunkle Punkte auf dem Eise, die man hätte für spielende SeeHunde halten können. Es waren Fischer aus dem Dorfe, die an den Buhnen" fischten, welche sie eben wieder frisch hatten aufhauen müssen, denn es hatte in der Nacht abermals stark gefroren. Da kam vom Dorf her noch ein Nachzügler. Ein kräftiges Mädchen zog den mit leeren Fischkörben beladenen Schlitten die Düne herauf. Oben angelangt, blieb sie stehen, streifte einen der dicken Wollhandschuhe ab, strich die in Unordirung gerathenen blonden Haare aus dem Gesicht und legte die Hand über die ftahlgrauen lebhaften Augen, um die Bucht vor sich überschauen zu können. Die endlose weiße Schneefläche schien sie zu blenden, denn sie kniff wiederholt die Augen ein, um sie endlich verwundert auf eine Gestalt zu richten, die ihr entgegenkam. War das der Winter selbst, der durch den Schnee stapfte? Eisgraue Haarsträhnen hingen unter einer zerzausien Pelzmütze hervor und ein weißer eisbefranster Bart umrahmte das runzlige, wetterharte Greisengesicht. Der alte unbezogene weißlichgelbe Schafspelz wurde durch einen groben Strick zusammengehalten und die Rechte führte einenlangen Stab, auf den der Greis sich beim Gehen stützte. Jetzt blieb er stehen und rang keuchend nach Athem. Gu'n Morgen auch, Olde Wendelin!" grüßte ihn die klare Mädchenstimme .von der Düne her. Was machst in aller Herrgottsfrüh' hier draußen?" Ah, ah Luft Gu'n Morgen auch, Olbers Kathrin'! Gu'n Morgen! Luft! Luft! Das verflixte Astmich! Ah! Was Du willst auch raus? Laß Dich, warnen 's gibt Sturm heut' Nord west! Ist unsicher auf'm Eis. Hab' sie gewarnt alle woll'n se nich hör'n!" Ja, ja, Olde Wendelin, Du warnst immer. Nennen Dich ja schon 'n Sturmvogel. Wo soll denn nu wohl aus einmal Sturm herkommen?" Wo? Ei Du Kiekindiewelt! He! Wenn der Wendelins-Jan auch zu sonst nichts mehr nutz is, auf's Wetter versteht er sich noch besser, wie alle die da draußen. Geh nach Haus, marsch! Laß die ersaufen wenn sie wollen haben's nich besser verdienten alten Mann auszulachen!" Damit war er bis zu ihr herangestapft und hatte den Strick des Schlittens ergriffen, um das Gefährt umzuwenden. Marsch, nach Haus, Kathrin', bist 'n junges Blut wär' schad' um Dich!" Laß sein, Vater Wendelin, ich hab' keine Zeit nich. Du weißt doch, wir haben Partie mit Jütgens-Karl und müssen unsre zwei Mann stellen, wie er. Hab' mich so schon verspätet." Du willst auch nich glauben nich hör'n ah Luft was der alte Wen-delins-Jan sagt? He, dumme Marjell. der Jütgens-Karl, Euer Parti'eßmann, is der Einzige, der noch Vernunft hat. der is umgekehrt." Der hat's auch nich nöthig, hat ja zwei Knechte an die Buhn' geschickt." Er wollt' aberst mit raus war hier auf der Dün' und is umgekehrt, wie ich ihm gesagt hab', daß -'s Sturm gibt." Die Angstbüx'!" So redst von Deinem Liebsten?" Was? Liebsien? Den? Du träumst, Wendelin!" Ich träum'! Ha! Na weißt. Kathrin', wenn der alte Wendelin auch zu sonst nichts mehr nutz is, 'n Paar Augen hat er noch im Kopf. Hab's wohl gesehen, wie er immer hinter Dir her is, wie 'n Walfisch hinterm Heringszug. Siehst, da kommt er g'rad wieder!" Adjäs, Old-Wendelin!" Sie hatte dem Alten den Stuck fortgenommen und rannte neben dem herniedersausenden Schlitten her den Dünenabhang hinunter, über den Strand und hinaus auf's Eis. Hier erst hörte die Schwerkraft des Schlittens auf und auch der Athem versagte ihr vom schnellen Laufen. Sie mußte verschnaufen und sah sich dabei um. Neben lhr langte eben Jütgens-Karl an. Hast Du so 'ne Angst vor mir, daß Du dc'vonrennu?" Angst .vor Dir? Wußt' keine Ursach' niQ) dazu." Na also! Gib her den Schlitten, ich geh' auch g'rad' raus an die Buhnen, ich werd'n zieh.i." Dinke! Ich zieb' meinen Schlitten

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allein. Wär' übrigens besser. Du bliebst zu Haus hinterm Ofen. Old-

Wendelitt hat Sturm prophezeit." Ja, warum soll denn just ich zu Hause bleiben, wenn doch alle andern draußen sind? Und warum bleibst Du nich zu Hause?" Ja, weil sie eben alle draußen sind. Du bist ja aber schon vorhin umgekehrt." Kümmerst Du Dich auf einmal so diel um mich, daß Du auf mich Obacht gibst?" Dazu hätt' ich just Zeit! Der Alte hat's mir eben erzählt." Fffft!Also darum der Spott! Na, ich will Dir denn doch sagen, zu was ich umgekehrt bin wegen Deiner!" Wegen meiner?" Ja, weil Du nich dabei warst." Ihre Augen sprühten ihm Blitze entgegen. So willst mich in's Gered bringen, blos um Deine Feigheit dahinter zu verstecken!" Katln'.n'! Na, ich will mich nich erbosen über den Unsinn, den Du redst. Wenn ich so 'ne Angst hätt', wegen dem, was der alte Unglücksrab' schwaddert, würd' ich denn jetzt rausgehn?" Vielleicht schämst Dich, hinter 'nem Weib zurüzustehn?" Du bi aber giftig. Kathrin'. Sag', warum Du mich so unter der Kanon' behandelst?" Unter der Kanon'? Würd' ich ja gar nich wagen, die Tochter vom armen Olbers-Fried den reichen Fischer Jütgens !" Nanu red' noch sowas! Komm', sei nich obstinatsch und gib den Schlitten her. Wir gehen zusammen raus!" Los, sag' ich, oder Du kriegst 'ne Tachtel! Geh' Deiner Weg' alleine!" Donnerschlag, Mariell'. so gefällst mir akl'rad erst recht. Aber Deinen Willen sollst Du haben. Adjäs!" Adjäs auch!" , Olbers-Kathrine zog mit ihrem Schlitten voran und der junge Fischer watete seitwärts vom ausgetretenen Wege durch den hohen Schnee. Trotzdem das Gehen in den langen , Fischerstiefeln hier mühsam war, kam er ihr bald vor, dann nahm er wieder den Weg an und ging, ohne sich umzusehen, nach den Buhnen hinaus. Kathrine schleppte ihren Schlitten langsam vorwärts, viel langsamer als sonst. So muthig und stark sie sich soeben gezeigt, so verzagt und kraftlos war sie jetzt. Am liebsten hätte sie sich niedergesetzt und tüchtig ausgeweint. Sie fürchtete nur, Jütgens könnte sich umschauen und triumphirend ihre Niedergeschlagenheit gewahren. Triumphiren aber sollte er nicht über sie, der der der hochmüthige Bursche, der nur seinen Spaß mit ihr trieb. Natürlich! Was weiter !-Oder war es schon einmal dagewesen in der Welt, daß ein reicher junger Fischer um ein armes Mädchen, wie sie eins' war, gefreit hätte? Und sie würde ihn auch gar nicht einmal nehmen, diesen Feigling! Ja, das war er! Denn daß er ihretwegen zurückgeblieben sei, als die andern an die Arbeit' gingen, war eine dumme Ausrede. - Das kam ihm gerade so zu Paß, sie gleich damit zu verspotten. Aber.- so arm auch der kranke Fischer Olbers war, seine Tochter hatte doch so viel Stolz, nicht mit sich Spaß treiben zu lassen, dazu war sie denn doch zu schade. Kein Bursche im Dorf, der ihr.nicht nachschaute, das wußte sie. Wenn sie. wie die Andern, zum Tanze gehen würde, hätte sie längst einen Schatz! Aber sie wollte nicht und konnte auch nicht, hatte gar keine Zeit dazu. Zu Hause das bischen, Wirthschaft und der kranke Vater und draußen die Arbeit. Sie hätte längst draußen sein müssen, denn der Vater hatte ja zwei Mann zur Arbeit zu stellen, der eine war der Knecht, der andere sie selbst zusammen mit dem Fritz, ihrem fünfzehnjährigen Bruder. Sie hatte sich daheim mit der Wirthschaft und dem Vater versäumt und kam nun so schon mehr als eine Stunde zu spät hinaus. Ter Partießmann sagte aber in solche" Fällen nie etwas, seine beiden Knech!' mußten pünktlich an den Buhnen sein und er legte wohl auch selbst mit Hand an, ohne es nöthig zu haben. Das that er doch wohl nur, um sie zu ärgern. O, wie sie diesen Jütgens-Karl jetzt haßse, wie seine geschäftliche Nachsicht sie drückte! Aber eigentlich war es doch unklug, ihm so zu begegnen, wie sie vorhin gethan. Was wollte sie beginnen, was würde der Vater sagen, wenn Jütgens die Partie kündigte. Ihr verspätetes Kommen konnte ihm schon als Vorwand dienen. Die andern Fischer waren alle besetzt, eine neue Partie wäre schwer zu haben und sie allein mit dem Bruder und dem Knecht hätte nichts schaffen können. Ja, wenn sie noch Acker gehabt hätten und Vieh, wie der Jütgens. Ha, wie sie ihn haßte! Aber sie wollte es ihm nicht wieder so zeigendes Vaters wegen. Nur kalt und abwehrend wollte sie ihm begegnen. Als sie draußen ankam, waren alle eifrig thätig und Jütgens machte die Arbeit, die ihm zukam, verließ aber seinen Platz sofort und ging nach einer anderen Buhne hin. Diese Schlechtigkeit! Er hatte ihr , mit feinem Zugreifen doch nur zeigen wollen, daß er ihr Zuspätkommen jetzt übel vermerke, hatte sie vor seinen Knechten nur bloßstellen wollen.

! um lo seiter arifs sie tefet in. denn

es gab zu thun, der Fang war heute ganz besonders ergiebig und die Körbe auf den Schlitten füllten ' sich schnell mit Fischen. Man hatte an den Buhnen kaum Zeit, auf das Wetter zu achten. Es schien auch keine Ursache dazu vorhanden zu sein, bis män plötzlich bemerkte, daß der Nebel, der anfangs von den Morgensonnenstrahlen nach Westen gedrängt worden war, wieder den ganzen Horizont einhüllte, daß der strenge trockene Frost einer empfindlicheren feuchten Nebelkälte aewichen war. die Jeden bis in's Innerste burchschauerte. Aber das war nichts Schlimmes, man konnte sich heute schon warm arbeiten, und an die Reden des alten Wendelin dachte schon keiner mehr, man war an seine Prophezeiungen gewöhnt, das Wettermachen war ja seine fixe Idee, und daß hin und wieder einmal etwas eintraf, war wohl Zufall. Der Alte humpelte indeß auf dem Dünendamm umher und räsonnirte laut vor sich hin satzweise, zuletzt wortweise, denn in dem zunehmenden Nebel ging ihm die Luft mehr und mehr aus. Da er richtete sich in die Höhe seine beengte Lunge schien auf einmal befreit was war das? Ja, er hatte doch recht! Ein plötzlicher Windstoß zerriß den Nebel, die einzelnen Fetzen wallten durcheinander, ein neuer Stoß, dem ruckartig einige weitere folgten, jagte die Nebelfetzen landeinwärts. Der vondem Alten vorhergesagte Nordwest war da und unter seinen boeartigen Angriffen begann das Eis hie und da mit donnerähnlichem Krachen und zischendem Pfeifen zu bersten. ' Die Gegend, in der die Fischer da draußen arbeiteten, war durch die aufgeschlagenen Buhnen am meisten gefährdet, doch eine direkte Gefahr immer noch nicht vorhanden, denn vom Bersten an einigen Stellen bis zum Spalten und Brechen der ganzen Eisdecke war noch lange hin. Die aus dem Dorfe herauseilenden Männer, Weiber, Kinder und Greise sahen den eiligen Rückzug der Fischer. Anfangs schauten sie nur ängstlich aus, plötzlich . erhob sich aber wildes Geschrei, das den heulenden Sturm übertönte. Die Heimkehr war in wilde Flucht ausgeartet, das Eis mußte gebrochen .sein! Und wirklich, es schwankte unter den Laufenden, die Beute und Geräth im Stich ließen, wie ein vom Erdbeben erschüttertes Erdreich. Ueber Kathrine war' heute eine wahre Arbeitswuth gekommen, umsomehr, als sie sah, daß Jütgens an einer benachbarten Buhne seinem Vetter half. Jetzt ärgerte sie sich darüber, daß er an einem so glücklichen Fangtage sich nicht um seine eigene Buhne kümmerte. Natürlich, er hatte es ja nicht nöthig, dq,wollte er ihr zeigen, dieser aufgeblasene Protz! Aber er schielte bei jeder Gelegenheit herüber, als wollte er sie beaufsichtigen. Konnte ihr das nicht gleich fem? Gewiß! Ja, warum nahm sie denn jeden Blick von ihm wahr? Das Blut schoß ihr, in's Gesicht jet,,aus Aerger über sich selbst und aus Scham ja, aus Scham! Was mußte der zudringliche Bursche nur von ihr denken, daß sie so oft nach ihm hinsah? Was zog ihre Augen überHaupt, dorthin, wo er war? Sie schob den Schlitten, den sie belud, so herum, daß sie Jütgens bei der Arbeit den Rücken zukehren mußte. Nach einer kleinen 'Weile stand sie, obwohl es ihr nun sehr unbequem war, ohne es zu wissen, schon wieder so, daß sie ihn sehen konnte und wieder wurde sie über und über roth, als sie es bemerkte. Nein, besaß denn dieser widerwärtige Mensch ein Zaubermittel, das auf sie einwirkte! Eben wollte der Entschluß in ihr reifen, alles liegen zu lassen und nach Haus zu eilen oder sonst wo hin, ganz gleich, wenn sie nur dem Bannkreis, der sie mit beängstigender Macht umfing, entfliehen konnte. Da hauchte der erste erschreckende Lustzug über das Eis, und die Fischer begannen, ihre Geräthe zusammenzupacken. Einige machten sich schon mit ihren beladenen Schlitten auf den Heimweg. Kathrine arbeitete weiter. Jetzt erst recht! Bist Du des Düwels, Olbers-Ka-thrin'? Mach, daß Du nach Haus kommst!" rief dem Mädchen ein alter Fischer zu. Sie beachtete es nicht, auch nicht 'die Mahnungen der Knechte und ihres Bruders. Geht man, ich komm' schon nach!" Dann half sie dem Bruder die Ladung seines Schlittens fertig machen, und als dieser sah, daß sie auch den ihrigen rüstete, ging er mit dem Fahrzeug voran. Komm aber schnell, Kathrin', kiek, wie .sie Alle rennen." Jetzt war sie wohl nur noch allein an den Buhnen. Der Wind begann zu heulen, das Eis knackte und krachte. Da packte sie Jemand am Arm und zog sie fort. Schnell, Kathrin', um's Himmels willen, das Eis bricht!" Wieder war er da Jütgens-Karl! Vorher war es ihr bedenklich erschienen, jetzt aber wußte sie von keiner Gefahr. Das Eis knackte und schwankte oft, wenn Wind war. Sie entriß sich ihm und lief seitwärts. Sie hörte ihren Bruder rufen, er hatte seinen Schlitten stehen lassen und kam, hastig winkend, zu ihr zurück. Ich komm' ja schon, ich komm'!" Da, ein Sturmdruck, der ihr den Athem von Mund und Nase fortnahm.

ein ohrzerreißendes Sausen und Krachen: sie fühlte sich mit dem Boden, auf ctm sie stand, hin- und hergeschüttett, herumgedreht. Von . brausenden Wellen erfüllte Klüfte, tanzende, gegeneinanderschlagende, splitternde Eisschollen ringsum! Sie sah ihren Schlitten versinken, hörte das Hilfegeschrei ihres Bruders vom noch festgebliebenen Eise her wie aus einer anderen Welt ertönen, das grauenerregende Tosen um sie her machte sie schwindeln, betäubte sie, und sie sank auf der Eisschölle, auf der sie sich befand, in sich zusammen. Aber nur einen Augenblick, dann begann 'ihr Gehirn wieder zu arbeiten. Sie wurde sich ihrer Lage klar bewußt. Ein paar Minuten noch, dann war das Stückchen Eis, auf dem sie schwamm, von den anderen, größeren Schollen zerdrückt, zerrieben sie fiel zwischen das rollende, kollernde, prasselnde schaumübersvrudelte Eisaemenge, ihre Glieder wurden geschunden, zerquetscht und sanken dann in das kalte Meer hinab zu den Fischen. Was lag daran? Ein armes Mädchen hatte ja doch nichts vom Leben! Aber ihr hilfloser kranker Vater, ihr junger Bruder, was würde aus denen? Und Jütgens er mußte versunken sein. Herrgott, warum riß der plötzUche Gedanke an ihn so an ihrem Herzen? Ja! Sie war ja schuld an seinem Untergang. Hätte sie nicht gezögert, wäre er mit den andern gerettet. Ihretwegen! Wirklich ihretwegen! Er mit ihr zugleich ur. :tt bei den Fischen! Trotz der Todesn.lh? schaffte der Gedanke ihr wieder besonderes Unbehagen. Er und immer er? Mußle er ihr auch noch die letzten Lebensaugenblicke verdüstern? Wo war er nur? War er wirklich ertrunken? Da, auf der großen Scholle, die dort schaukelte, was lag dort? Nein, das war ein alter Flausrock, den ein Fischer in der Eile hatte liegen lassen müen. Ach, wenn sie das Kleidungsstück erreichen, oder von ihrem gefährlichen Sitz auf das große Eisstück gelangen könnte. . Von dem Eise, auf dem sie hockte, stieg Grabeskälle in ihr Gebein, sie fühlte sich schon Glied um Glied erstarren, merkte nicht einmal, wenn das schneidend kalte Wasser über ihre Füß? spülte, nur der fürchterliche Schmerz in den Händen und besonders in den Fingerspitzen, mit denen sie sich stützte, verursachte ihr namenlose Pein. Und immer wieder erschütterte ein Zusammenstoß, ein Anprall an andere Eisstücke die kleine Scholle, die ihr bis jetzt noch, Schutz vor dem Versinken gewährte, immer mehr bröckelte von den Kanten ab, immer kleiner, immer unsicherer wurde ihr Halt. Jedes abgesplitterte Stück brachte sie dem Ende näher. Jetzt begann die Todesangst ihr junges Herz anzufallen, sie zu .überwäl!igen. Hilfe! 'Hilfe!" glaubte sie mit aller Lungenkraft hervorgestoßen zu haben aber es war nur ein heiseres Kreischen, das. sie herausbrachte und das der Sturm verschlang. Hilfe! Jütgens!-Hilfe!" - Warum kam ihr der Name desjenigen in den Sinn, den sie doch haßte. Warum?! Konnte er ihr denn helfen, er, der ihretwegen schon da unten Ha jetzt war's aus, alle Hilfe zu spät! Die große Eisscholle dort würde gleich mit der ihren zusammenstoßen, dann war's zu Ende, dann wurde sie hinabgeschleudert! Nun war auch der Rest ihrer angeblichen Todesergebenheit aus ihrem Innern gewichen. Die Lebenslust einer jugendkräftigen . Seele bäumte sich in Verzweiflung auf. Nicht sterben nicht sterben! hämmerten ihre Pulse. Aber da aber da! Auf der großen Scholle stand Jemand, sie wurde gelenkt! Was das ein Engel, ein Cherub, der dort aus dem Cewoge ragend mit dem Bootshaken arbeitete?! Kathrines wildes, krampfartiges, gellendes Auflachen übertönte das Brausen des Eises und das Heulen des Sturmes. Gerettet! Gerettet im letzten Augenblick! Eine wohlige Wärme siieg in ihr auf, durchhauchte ihre, bewegungslosen Gli,:der, strömte ihr in's Gehirn und wirkte dort wie ein füßer berauschenderTrank. Musik war das tobende Rauschen, wallende Schleier das gischtende Chacs um sie her. Kein Zweifel an der Rettung, kein Gedanke mehr von Angst! Jütgens-Karl war da JütgensKarl rettete sie! Ein festes Vertrauen dämpfte alle anderen Empfindüngen sie wußte nichts von Haß. nichts davon, daß er ihr widerwärtig vorgekommen, daß sie ihn für feige gehalten. Er lebte und nun würde sie auch leben! Sie fühlte sich wie auf weiche Kissen gelagert, wie von Wolken getragen Ich komm'. Kathrin, ich komm'!" Das vernahm ihr Ohr noch, dann Orgelgebraus, eine Choralmelodie leise immer leiser, dann Nacht Tod! War es der Tod?! An dem spitz auslaufenden Ende einer großer Eisscholle stand der junge Fischer und stieß die in seinem Fahr Wasser befindlichen Eisstücke seitwäri oder räumte sie durch Untertauchen aus dem Wege. Wo es anging, schlug er seinen Bootshaken in andere Eisstüae und suchte so durch Anziehen ode? Schieben sein fragliches Fahrzeug vorwärts zu bringen, dorthin, wo er die zusammengekauerte Frauengestalt aewahrte. Er arbeitete mit der verzweiselten Kraft eines Todesmuthigen; doch nicht für seine Rettung kämpfte er. son-

dern für ein Leben, das ihm jetzt theurer erschien, als das feinige. Er war ja anfangs gar nicht in Gefahr gewesen, denn das Eis war zwischen Kathrine und ihm gebrochen, ols sie sich eben von ihm losgerissen. We kam er nur dazu, sein Leben ein-' zusehen für eine Person, die ihm soeben ihren Abscheu ausgedrückt? Ja, hat schon je ein deutscher Fischer oder Seemann einen Menschen in Todesnoth rerlassen, zumal ein Weib?! Aber nicht daran dachte er, daß er Schmach auf sich laden würde, wenn er sein Leden schonte. Er war sich gar nicht bewußt, was ihn trieb, er handelte, wie wohl alle seine Kameraden gehandelt hätten, die weniger Interesse an dem hübschen blonden Mädchen genommen, als er. A S 4 4-A YY V V

suchte ihr nahe zu kommen, wo es anging, und deshalb suchte er auch die Erwerbsgemeinschaft mit ihrem Vater für diesen Winter. Er hatte anfangs die -W V 4MV Vi 4tlV UVIUUVIll UIIV Vi feste Absicht, sie zu seinem Weibe zu nehmen, da sie ihm aber so kalt und schnöde begegnete, ließ er diesen Cedanken langsam wieder versinken, wie vielleicht sonst einen Lieblingswunsch, der sich nicht erfüllen will. Endailtia batte er sich zedocy erst heute entschlossen, sich nicht weiter um sie zu bemühen. Als er letzt aber um lhr Leben rang, fühlte er, daß mit ihr ein Stück seiner selbst versinken würde. Ob ihm die Rettung gelang? Bei nahe verzweifelte er daran, denn der Strudel hatte sie wen vo.n ihm sortgetrieben. Bei einem Umblick sah er, wie sie am Strande eines der dort kieloben liegenden verschneiten Boote über das Eis schoben, um es flott zu machen. Dann sah er es bemannt im Treibeis fchwimmen. Das Boot war wohl noch sechsmal so weit entfernt von Kathrine. als er und mußte sich erst durch die dichten, übereinanderkollernden Eismassen hindurcharbeiten, während er und Kathrine jetzt schon so weit hinausgetrieben waren, daß sie es nur noch mit einzelnen schwimmenden Schollen und Eisstücken zu thun hatten. Ob Kathrine sein Nahen bemerkte? Das Boot konnte sie nicht sehen, da sie kauerte. Hundert Mal rief er ihr zu. um ihr Muth einzuflößen, sie schien ihn aber nicht zu hören. Jetzt war er ihr ziemlich nahe. Sie bewegte sich, sah auf, und er hörte ihr gellendes Lachen, das ihm durch Mark und Bein schnitt, denn er glaubte, die Angst habe sie wahnsinnig gemacht. Dann sah er sie wieder wie ohnmächtig zusammensinken. Und nun konnte er den Bootshaken in die Scholle schlagen, die sie trug, .VAnt..n 4U1UUC l JU lXf ldUUltlll. vorsichtig, damit kein harter Zusammenprall erfolge. Langsam leitete er die kleine Scholle mit der theuren Bürde seitwärts, kmete behutsam nieder und jetzt ein leichtes Knirschen und Reiben jetzt konnte er Kathrinens Jacke erfassen. Auf den Knieen rutschte er rückwärts und schleifte den widerstandslosen Körper in den nassen, beeisten Kleidern zu sich herüber. Ja, lebte sie denn noch?! Ein Zittern überfiel ihn, sein Herz schlug auf einmal so heftig, daß er es schmerzhaft fühlte, daß es ihm die Luft versetzte. Mit einigen gewaltsamen tiefen Athemzügen suchte er den inneren Aufruhr zu beruhigen. Dann zog er seinen Rock aus und bettete des Mädchens Kopf und Oberkörper darauf. Was konnte ii. i ir e v-nr er zenl weiter lyun ? naimos iniceic er neben ihr, nahm ihren Kopf auf seinen Arm. flüsterte ihr thränenden Auges die süßesten Schmeichelworte in's r"C 4W ! i A SZ A 4 fVfc jui UlW ;ujjic jic juyyui unu yun$ leise auf den geschlossenen kalten Mund. Plötzlich ließ er ihren Kopf wieder sinken und sprang wild auf. Rettung Rettung um jeden Preis! Wo war das Boot?! O, wie mußten die Wackeren gearbeiiet haben, sö schnell vorwärts zu.kommen. Wenn sie nur erst aus dem letzten drängenden Eis heraus waren und die Ruder gebrauchen konnten! Ein lautes Halloh" trug der Wind den sechs Beherzten zu und aus sechs Kehlen kam die Antwort. Halloh - Halloh!"Die Bucht ist eisfrei, ungehindert roller- schaumgekrönte Wogen, von einem lauen Frühlingswind getrieben, gegen den Strand. Vom Dorfe her führt, ein junger Fischer ein blondes großes Mädchen . mit zärtlicher , Sorgfält die Düne herauf. Ihr Schritt ist schleppend, ihr Gesicht eingefallen und blaß, wie nach einer schweren Krankheit, aber aus ihren Augen lebt das Glück. Karl, mein Karl!" flüstert das Mädchen innig und schmiegt sich fester an die kraftvolle Gestalt. - ' Oben humpelt ihnen ein alter Mann entgegen, dem ebenso wie an jenem schrecklichen Tage die weißen Haare unter der zerzausten Pelzmütze hervorhängen. Ah ah ! das Brautpaar ! Na. 's wäre auch so geworden, ohne den Sturm. Ihr alle beide hättet damals können auf den alten Wendelins-Jan hören." Hat wohl nicht sein sollen, Old Wendelin, der Sturm mußt' erst das Eis aufreißen und meiner Kathrin ihr Herz ufthauen das war auch einge.' froren." Na, dann gute Fahrt in die Eh'! Die wird glücklich, das könnt Ihr mir glauben. Wenn der alte WendelinsJan auch sonst nicht viel mehr nutz ist, auf sowas verstehe ich mich!"