Indiana Tribüne, Volume 28, Number 97, Indianapolis, Marion County, 14 December 1904 — Page 4
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Jndiana Tribüne. HeranDgeAtdedon der öutroetfl s. Indianapolis, Ind. varry O. Thudium - - Präfldeut. GeschäftSlocal: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHorvE ses.
K.tered at the Post Office ol Indianapolis as tecond dass matter. Neb er das Frauenstudium. Man schreibt uns aus Christiania, 28. November: Seit einem Menschenalter wird in der ganzen Kulturwelt der lKampf für da Frauenstudium aufs hartnäckigste geführt. Hierj in Norwegen hat man die Forderungen der Frauen von An fang an sehr sympathisch aufgenommen und schou im Jahre 1834 wurde die Landesuniversität Christiania den Frauen vollständig eröffnet. Heute nun, nachdem man in zwanzig Jahren Ersahrungen Imit dem Frauenftudium hat sammeln können, macht sich ein entschiedenerz Rückschlag dagegen gel tend; undZkein Geringerer, als der ge genwärtige Rektor der Universität selbst, ProfefforlJngoar Nielsen, hat dieser Stimmung soeben einen sehr bemerkenSwerthen Ausdruck gegeben. Professor.Nielfen, der sich als ein vorzüglicher Kenner des Lande durch sein Reisehandbuch', für Norwegen auch im Auslande weit bekannt hat, erklärt, daß ein großer'Theil desherrschenden akademischen Elends auf den übermäßigen Zudrang von! weiblichen Stubenten zurückzuführen fei. Dies akademische Elend besteht in einer geradezu beängstigenden Ueberfüllung der akademischen.Berufe, einer Art akademischer Hypertrophie, auf de ren Gefahren schon im Jahre 1893 der berühmte norwegische Dichter Knut Hamsum in seinem Roman Neue Erde" (Ny Jord")'dringend hingewiesen hat. ProfefforZNielsenlftellt fest, daß er als einer der Erstm die Zulassung der Frauen zum? Universitätsbesuche als einen kulturellenllErfolg von weittra gender Bedeutung gefeiert und in jedem neueintretenden weiblichen Studenten sozusagen den Träger einer neuen erwetterten Gesellschastsentwicklung begrüßt habe. In der That versprach das Frauenstudium gerade hierzulande die beftenZFrüchte, da die norwegischen Frauen im Allgemeinen intelligent, selbftständig undegsam sind, und auch die AngehörigenZ derZ reichsten Klassen allgemein demz Grundsatze huldigen, daß jede Frau sich ihr Brot aus eige nem Wissen und Können zu erwerben in der Lage-sein müsse. Nun, das bittere Ergebniß aller Erfahrungen ist nach Professor Nielsen'S Geständniß das, daß das Frauenstudiurq zu einer Art gesellschaftlichen BildungSsportS geworden ist: und damit stimmen, wie wir hinzufügen möchten, unsere eigenen BeobachtungenMerein. ES gibt nurgar zu viele Damen, die gern ein bischengUniversitäten naschen, gern einmal eine Zeit lang Student spielen; und wer'n'un gar halbwegs ein Talent ist odergar zu sein scheint, für den ist die Universität de rigueur. Pflegt nun Zauch ungefähr die Hälfte diesee dilettantischenWüngerinnen der Wissenschaft etwa.schon nach der Hälfte deS StudiumSZabzuspringen, so ergibt doch der Zustand, wie er sich herauSgebildet hat, mehrereZ sehr ernste Nachtheile. Erstlich wird die Universität enorm belastet; sie ist auf 800 bis 900 Studenten eingerichtet und zählt jetzt etwa 1600 Studirende; und dies bedeutet natürlich wieder eine recht erhebliche Zunahme.Ider öffentlichen Ausgaben für die Universität. Zweitens wird unter diesen Umständen die Intensität und der Werth, d wissenschaftlichen Arbeit an der jUniversität durch den Wettbewerb der Frauen, nicht, wie man hoffte, gesteigert, sondern vielmehr abgeschwächt. Und; endlich wird bei den Frauen selbst eine neue Art von Halbbildung großgezogen, die darum doppelt gesärliP ist, weillsie sich nicht selten mit dem Hochmuthe wissenschaftlicher ParvenuS paart. Daß obendrein durch den WUtbewerbZder ihre Studien vollendenden Frauen die Ueberfüllung . in den akademischen Berufen natürlich immer weiter gesteigert wird, sei nur beiläufig bewerkt. Die Erfahrungen, die man hier in Norwegen mit dem Frauenftudium gemacht hat, bilden. wie uns scheint, auch für andere, grö ßere Länder eine wohlzub?llchtendeLehre. Inserate in der deutschen Zeitung find baares Geld für den GeschästS mann.
Die ausländischen Blatter Ichim
pfen wohl über die Botschaft des Prüsidenten, pousstren aber dennoch um seine Freundschaft. Unzweifelhaft bietet d:e Frau des schuldig befundenen Bankiers Wood ein Bild größeren Jammers als wenn sie das Opfer körperlicher Mißhandjung gewesen wäre. Dem Nauchubel rauft gesteuert werden. Die Anstellung von Inspektoren allein thut'S nicht. Wir wissen ganz genau, daß der Qualm da ist auch ohne Inspektoren. Warum wird die AntiRauch Ordinanz nicht durchgesührt. Kein Mensch hat das Recht seinen Nachbar zu belästigen und unsere Luft zu verpesten. Jede Fabrik im Weichbild der Stadt sollte bäum unbedingt gezwungen werden Rauchverzehrer in ihren Feuerstätten anzubringen. Die Kosten der Anbringung dieser Rauchverzehrer find Verhältnißmäßig gering und werden schon in kurzer Zeit durch die Ersparnisse an den Kohlen wieder eingebracht. Die RauchverzehrungS'Apparate find jetzt völlig bewährt. Sie entkernen die Rußbestandtheile aus dem Qualm durch einen sehr sinnreichen Verbren-nungS-Prozeß. Der noch verbleibende Rauch steigt in einer kaum sichtbaren und völlig schmutzlosen Wolke aus dem Schlott. Das County-Gebäude an der Pearl Str. könnte den Anfang machen und durch Anbringung von Rauchverzehrern mit gutem Beispiel vorangehen. Einer von Clarence S. Darrow kürzlich gehaltenen Rede entnehmen wir folgende Sätze: Ein reicher Mann ist ein Narr, wenn er das Gesetz verletzt. Er braucht eS ja nur zu verändern, wenn eS ihm nicht mehr behagt." In der Mammuth - Höhlt find Fische, die keine Augen haben, weil fie keine brauchen. Wenn ein Advokat einige Jahre für eine Corporation gearbeitet hat, ist sein Gewissen auS demselben Grunde blind und taub und stumm geworden." Es gibt keinen PreiS-Ring" im Lande, der einen so einseitigen Kampf zwischen Klopffechtern erlauben würde, als der Kamps zwischen Armen und Reichen in den Gerichten zu sein pflegt." Ein Advokat, der in'S Gericht geht mit der Absicht, dem Rechte zum Siege zu verhelfen, hat bald keine Klienten mehr. Wenn Jemand stehlen will. muß er einen Advokaten haben. Natürlich der Arme nimmt erst, was er haben will, und miethet sich dann einen Anwalt, damit er ihm aus der Klemme helfe. Der Reiche befolgt eine andere Methode. Er beräth erst mit einem Advokaten und nimmt sich dann, was er haben will." Die verrückteste Idee ist die Annähme, der Arme habe irgend welche Aussicht, im Gerichte zu seinem Rechte zu kommen." Herr Darrow, de? bekanntlich selbst ein angesehener Advokat in Chicago ist, scheint demnach nicht viel Respekt vor seinen College zu haben. Deutscher Frauen -SülfSberein. Nächsten Freitag Extra-Versammlung. Der Deutsche Frauen-Httlfsverein hält am nächsten Freitag, den 16. Dezember, Nachmittags, im Deutschen Hause eine Extra-Verfammlung ab, in welcher weitere Vorbereitungen für die WeihnachtS Befcheerungen getroffen werden sollen. In dieser Versammlung werden Gaben jeglicher Art, auch abgelegte Kleider, von den Damen entgegen genommen. Ein Fahrraddieb bestrast. JameS Miezner, Vorarbeiter in der Indianapolis Chair Factory, wurde gestern mit 90 Tagen Arbeitshaus be straft. Der Richter fand ihn schuldig, zwei Fahrräder gestohlen zu haben. James Baxter, ein Fahrradhändler sagte auS, daß Miezner zu verschiedenen Malen in sein Geschäft kam und ihm billige Fahrräder anbot, daß er sich je doch stets weigerte, dieselben zu kaufen. Das letzte Mal, als Miezner das Gefchäft verließ, folgte er ihm und Baxter sagt, daß Miezner daS Rad vor dem StaatZhause stehen ließ. Derselbe bestreitet jemals ein Rad geeignet zu haben und sagt daß Baxter in Bezug auf die Person im Jrcthum sei. L a p o r t e, 13. Dez. Der PrSsident hat PhineaS O. SmallSzum Post, meister ernannt.
Die Bereinigung der County-
Commissäre von Jndiana. Die hier am Montag organisirte Ver. einigung der County - Commissäre von Jndiana dielt gestern wieder eine Versammlung ab. In derselben wurde eine Resolution angenommen, durch welche der Gebrauch von Stimm-Maschinen im gan zen Staate empfohlen wird. Die Legislatur soll ersucht werden, daS Founty.Reform-Gesetz so zu amendiren, daß die County.Commissäre in Zukunft eine liberalere Compensation als bisher erhalten. Ferner sollen Schritte gethan werden, daß die County'Commissäre daS'Recht haben sollen, bis zum Werthe von $300 (anstatt wie gegenwärtig $100) Einkäufe zu machen, ohne .erst den County'Council um eine Bewilligung anzugehen. . ; Der Bau einer StaatS-Anftalt für unheilbare, epileptische Kranke wurde dringend empfohlen.. Zu Mitgliedern deS LegislaturComites wurden ernannt: Terrence A. McGovern von Caß County, Hermann Tohulka von St. Joseph, John DineS von Wayne und Thomas Hussey von Hamilton. Schulrath. Der Schulrath bestätigte in seiner gestrigen Sitzung folgende vom Superintend'nt C. N. Kendall für die Abend. Schulen gemachten Ernennungen: Milo H. Stuart, Director derselben; Peter Scherer, Englische Sprache; O. H. LimpuS, Stenographie; W. I. Thisselle, Buchführung; Frank F. Bronson, Frank K Müller. I. L. Nesbitt, Zeichnen; E. F. StokeS, ' H. R. Miller, HandftrtigkeitSarbeiten; E. FiSke Allen, I. L. Dunn, Charles A. Sagar, I. H Hayworth, H L. Herod, W. E. Grubbs, G, L. Hay:S und Penelope Booth, Elementarfächer. Im Ganzen besuchen .502 Zöglinge die Abendschulen; hiervon sind 135 Farbige. Im letzten Jahre warnt die Abendschulen von nur 333 Zöglingen besucht. Laura E. Benedict wurde zu temporären Prinzipalin der Schule No. 48 ernannt. Folgende Resignationen von Lehrerinnen wurden angenommen: Mätie Ward, Lincoln Schule und . Elisabeth Osborne, McKinley Schule. Nachstehenden Lehrerinnen wurden Urlaub ertheilt: Lillian Gray Smith. Franklin Schule, vom 12. Dezember bis 30. Januar; Louise Dryer. Jrving .Schule, vom 9. Januar bis 20. Januar und Romanie Braden, Schule 12 bis 3. Januar. Rechnungen im Betrage von $31, 431.32 wurden zur Zahlung angewie sen. Der Morris Str. M. E. Gemeinde wurde erlaubt, am Montag den 26. Dezember daZ.Auditorium der Handfer-tigkeitS-Hochschule für eine WeihnachtS' feier zu benutzen. ES soll eine Cantäte aufgeführt werden. Neue JncorPorationen. Die H. G. und M. Oil Co." von Alexandria, Madison County; Capital 870,000; Directoren: D. M. Lord, I.. M. Hamilton, I. H. Gilbert, E. E.' Maxwell und C. M. Favorite alle von, Chicago. Die Ohio Investment Co." von Lima O.; Capital 850,000; Directoren: B. G. Hover und C. A. Hover von Lima und Marion Hole von Huron, S. D. Polizeiliches. In Begleitung eines großen Stückes Wurst, welches er auf dem Markt sich' angeeignet haben soll, wurde gestern CyruS L. Hockett verhaftet und wird sich nun heute unter Anklagen deS Kleindiebstahls und der Trunkenheit vor Richter Whallon verantworten. North Manchester, 13. Dez. Jack Swank, ein 19-jähriger Student der Hochschule, schoß auf die 15jährige Bonnie Alber, in welche er verliebt war, seinen Revolver ab, dieselbe erheblich verwundend. Hierauf jagte er sich eine Kugel in den Kops; sein Zustand ist ein solch' kritischer, daß er schwerlich mit dem Leben davonkommen wird. Cd Alber, der Vater des Mädchens, hatte dem Swank den weiteren Umgang mit seiner Tochter verboten.
DaS Legislatur ssomite.
DaS auS dem Senator Fremont Goodwine und den Repräsentanten Sid Cantral von Hartsord City und Tom Homer von Seymour bestehende Legis-latur-Comite inspicirte gestern die Plalnsield Reformschule. Heuie werden sie die StaatS-Universität besuchen. Dir Vclnstrllung der Hohenzollcnl. In den vom Reichstagsabgeordneten Patzig herausgegebenen Deutschen Stimmen" wird folgende Begebenheit erzählt: An einem Gymnasium im Westen Berlins liegt der deutsche Unterricht der Prima in den Händen eines Oberlehrers, der eine gewisse Vorliebe für burleske Aufsatzthemata bekundet.' So ertheilte er im. Frühjahr dieses Jahres den Auftrag, die ,Frage: Inwieweit läßt sich aus der Beinstellung der Hohenzollern in der Siegesallee auf den Charakter der dargestellten Personlichkeiten schließen?" in Aufsatzform zu behandeln. Die Herren Primaner mühten sich im Schweiße ihres Angesichts ab, der absonderlichen Aufgabe gerecht zu werden. Damit war die Angelegenheit zunächst erledigt. Durch Zufall gelangte sie aber zur Kenntniß des Kaisers. Es war auf der Nordlandfahrt, als das scharfe Ohr des Monarchen an der Tafel das Gespräch zweier in seiner Nähe sitzenden Herren der Begleitung mitanhörte, die durch den Vater eines der geplagten Primaner von jenem Aufsatzthema erfahren hatten und nun ihre Verwunderung darüber austauschten. Was erzählen Sie da, X?" fragte der Kaiser plötzlich den einen der beiden Betheiligten. Herr v. X. konnte nun natürlich nicht an ders, als den Vorfall in aller Ausführlichkeit darlegen. Der Kaiser macht ein sehr ernstes Gesicht und drückt auf den elektnschen Knopf an semer Seite. Ordonnanz erscheint; Telegramm, an den Kultusminister, das sofortige Uebersendung der Aufsatzhefte an Bord S. M. Jacht Hohenzollern" befiehlt. Herr Dr. Studt bekam ob solcher Störung seiner Sommeruhe einen argen Schreck, fetzte sich aber schleunigst mit dem betreffenden Gymnasialdirektor in's Vernehmen. Der erklärte jedoch der entsetzten Excellenz, daß zur Zeit Hundstagsferien und die Primaner in alle Winde zerstreut seien; es sei also schlechterdings unmöglich, die Hefte zu beschaffen. Der Minister befiehlt trotzdem, das Menschenmögliche zu versuchen, um dem kaiserlichen Befehl nachzukommen. Der arg geangstlgte Direktor telegrophirt also nach allen Himmelsrichtungen, soweit er die Adressen der mit ihren Eltern im Seebad oder im Gebirge befindlichen Schüler überhaupt in Erfahrung bringen kann. . Ter Erfolg ist gleichwohl höchst gering. Trotzdem an 90 Mark für Porto verbraucht waren, hatte man im Ganzen nur drei Aufsatzhefte herbe:zufchaffen vermocht. Dies: wanderten nun mit Extrapost an Bord der HohenZollern." Dort hatte inzwischen Herr v. X. ob seiner Unvorsichtigkeit schwere Gewissensbisse empfunden, und er richtete beim Eintreffen der Hefte, als sich eine passende Gelegenheit dazu bot, an den Kaiser d'? Bitte, doch mit dem Delinquenten gnädig zu verfahren. Seien Sie unbesorgt, lieber X., den Leuten soll nichts geschehen," lautete die Antwort des Monarchen. Dann machte sich der Kaiser an die Lektüre der Aufsätze selbst. Seine Züge wurden freundlicher, und sie hellten sich vollends auf, als er am Schlüsse des dritten Aufsatzes einen Primaner seine Gedanken in folgende Worte zusammenfassen sah: Eigentlich aber sollte man memen, daß der Charakter der Hohenzollern in der Siegesallee besser aus ihren Gesichtszügen als aus ihren Beinstellungen zu erkennen gewesen wäre!" Das ist die beste Beurtheilung dieses Aufsatzthemas. W." so lautete die kaiserliche Randbemerkung, welche sich der Besitzer des Heftes als Erinnerung an seine Schulzeit aufbewahren mag. Der Professor aber, der so großes Unheil angerichtet hatte, soll heilfroh gewesen sein, daß er glimpflich davongekommen ist. Alter kaiserlicher Die. ner. In vollster geistiger und verhältnißmäßiger körperlicher Frische feierte in Wien der erste und älteste Leibkammerdiener des österreichischen Kaisers, Joseph Hornung, seinen 90. Geburtstaa. Hornung trat 1845 in kaiserliche Dienste und ist seit dem 1843 erfolgten Regierungsantritte des gegenwärtigen Kaisers ohne Unterbrechung Leibkammerdiener gewesen. Hornung ist Besitzer zahlreicher Orden. Er lebt in zweiter Ehe. Seiner ersten Ehe entsprossen vier Söhne, von denen bereits drei gestorben sind. Die S ch m e l z w e r k e zu Tacoma. Wash., erzielen allein eine monatliche Einnahme von $24,000 durch die Gewinnung von Edelmetallen, die vordem mit dem Rauch der Schmelzöfen in alle Winde zerstreut wurden. Infolge eines zufälltgen Kurzschlusses in einer elektrischen Centrale in Melbourne, Australien, wurden auf einmal alle FeuerWehrstationen alarmirt und zu gleicher Zeit 1500 Apparate in der TelephonCentrale in Bewegung gesetzt.
Jrnnonhai in Afghanistan. j Vrrdeter Teuisözer Tpionaqe, Sparern und Waffenherstelluttg. Unlängst wurde der Vorsteher der Waffensabrik des Emirs von Afghanistan. Gotthold Fleischer, ein Deutscher. von einem Offizier der Schutztruppe ermordet, die Fleischer nach Indien geleiten sollte, wo dieser mit seiner Gattin zusammenzutreffen beabsichtigte. Fleischer war zur Zeit der einzige in Afghanistan lebende Europäer. Im Anschluß hieran dürfte der folgende Bericht der Engländerin Frau Taly, die acht Jahre als Aerztin der afghanischen Regierung in Kabul thätig war, des Interesses nicht entrathen: Wir Europäer waren in Kabul thatsächlich von der Außenwelt abgeschnitten. Besonders in Sorge befanden wir uns zur Zeit des Todes des letzten Emirs und während des Tirah-Feld-zuges. Damals kamen die wildesten Gerüchte nach Kabul. Man warnte uns Europäer, aber es geschah uns kein Leid. Die größte Gefahr drohte von den fanatischen Bergbewohnern, die nach der Stadt herunterkamen. Mein Leben ist allerdings niemals bedroht gewesen, wahrscheinlich wegen " meiner ärztlichen Thätigkeit unter der Bevölkerung. Obgleich man nur 180 englische Meilen von der indischen Grenze entfernt war, hatte man die Empfindung, auf einem ganz anderen Planeten zu leben. Die allgemeine Atmosphäre des Argwohns und die stets vorhandene Ueberzeugung, daß jede Bewegung von scharfen afghanischen Augen überwacht wurde, wirkten, Zusammen mit dem B?wußtsein, von der civilisirten Welt ab geschnitten zu sein, nicht wohlthuend auf die Nerven. - Das afghanische Spionagesystem ist wunderbar ausgebildet, so z. B., soweit der britische Agent in Betracht kommt. In Kabul waren deren drei, so lange ich dort lebte. Sie müssen Muhamedauer sein und sind meistens Offiziere der indischen Armee., Aber sie sind schließlich nichts weiter als Gefangene. In all den Jahren, die ich in Kabul verlebte, habe ich unseren Agenten niemals auf
der Straße gesehen. Ich habe hier und da Mitcrneder seines Stabes getroffen. Wenn man aber gesehen hätte, daß wir miteinander' sprachen, so wurde dies sicherlich zur Folge gehabt haben, daß man uns am nächsten Tage nach der Grenze befördert hätte. Kein Afghane darf die britische Agentur besuchen, und kein Engländer hat den britischen Agenten besucht seit der Jen, als Sir Salter Pyne in Kabul war. In den afghanischen Harems sind an die Stelle der türkischen Süßigkeiten Nähmaschinen getreten, und englische Kostüme ersetzten die zarten Gewänder. in die man auf den Gemälden die Damen des Harems kleidet. Neben dem Emir ist der wichtigst? politische Faktor des Landes die Königin." Dies ist der Titel des königlichen Weibes des verstorbenen Emirs und der Mutter des Prinzen Uma. Sie ist zwar auch eine Gefangene in ihrem Palast, besitzt aber doch großen Einfluß. Sie ist eine Frau von beträchtlicher Schönheit, etwa 40 Jahre alt, sehr intelligent und gut informirt. Ihre Sympathien sind so ausgesprochen britisch, daß ihr Palast fast mit demselben Verdacht betrachtet wird, wie die britische Agentur. Der einzige Europäer, der noch m Kabul lebte, als ich von dort abreiste, war ein deutscher Büchsenmacher Namens Fleischer der die Geschütz- und Gewehrfabrik unter sich hatte. Die Waffenfabrikation stand aus Mangel an Material etwa lh Jahre still, weil die indische Regierung sich weigerte, dieses Material über die Grenze zu lassen. Mit Ausnahme dieser Periode haben die Werkstätten von Kabul seit dem Jahre 1586 ununterbrochen Geschütze und Gewehre geliefert. Fiir immer." In China scheinen die Worte für immer" ein recht dehnbarer Begriff zu sein. Zu Anfang vorigen Jahres wurde eine kaiserliche Verfügung erlassen, die es für alle Zukunft untersagte, nach einem bestimmten, in den letzten Herbst fallenden Datum noch den Mandarinenrang zu verkaufen. Darob gerieth der Generalgouverneur Tsen in der Provinz Kuangsi in die größte Verlegenheit, wie er das nöthige Geld zu der endlichen Niederwerfung der noch immer nicht bezwungenen Empörung beschaffen solle. In seiner Noth bat er die Regierung in Peking dringend, wenigstcns in dieser einen Provinz den Verkauf wieder erlauben zu wollen, weil es das einzige Mittel sei, des Aufruhrs Herr zu werden. Sein Gesuch ward bewilligt, und von Peking aus wurden gedruckte Formulare von verschiedener Größe, je nach der Höhe des Ranges, nach Kuangsi geschickt. Dort kann f.) also wieder jeder, dem sein Geldbeutel es erlaubt, emen der begehrten bunten Knöpfe für seine Kopfbedeckung erwerben. Das Rückberufungörecht hat Los Angeles, Kal., eingeführt. Wenn 25 Prozent der Stimmgeber einer Ward oder eines Distrikts mit ihrem Vertreter unzufrieden sind, so können sie em Gesuch unterzeichnen, demzufolge er entweder zurücktreten oder sich einer Neuwahl unterwerfen muß. . Ein mißliebiger Alderman hatte letzthin die letztere Alternative gewählt und dabei zu seinem Leidwesen ersahren, daß nicht nur der vierte Theil, sondern eine Mehrzahl seiner Konstituenten auf feine weiteren Dienste gern verzichteten.
Ein Tramaim Hinterhaus. Großes Aufsehen in Rom erregt der Selbstmord d:s KammeNieners Schlosser, des ersten Sekretärs an der österreichlichen Botschast beim Quirinal. Grasen Somssich. Der Kammerdiener befand sich seit fünf Jahren im Dienste des Grafen,- ohne sich je einen Tadel zuzuziehen. Er war jedoch bis über die Ohren in die Zofe der Gräsin Namens Antoinette Michelitsch verliebt, ohne Gegenliebe zu sinken. Als das Mädchen ihrem Bewerber eines Tages rund heraus von diesen ihren Empfindungen Mittheilung gemacht hatte, sann Schlosser aus Rache und drehte eines Tages den Gashahn in dem Zimmer seiner Geliebten auf, um sie zu ersticken. Antoinette bemerkte jedoch den Anschlag rechtzeitig und schloß den verderbendrohenden Hahn wieder. Als Schlosser so seinen Anschlag vereitelt sah. drang er am nächsten Tage mit dem Gewehr seines Herrn in die Kammer Antoinette's ein und drohte, sie zu erschießen, wenn sie nicht einwillige, ihn zu hnrathen. Es entspann sich nun zwischen den b:id:n ein Ringen auf Leben und Tod. bis einige Hausbewohner das Mädchen aus seiner verzweifelten Lage befreiten. Schlosser, der sich auf diese Wcise entckt sah. floh m sein Zimmer und zerschmetterte stch hier mit einem, Schuß den Schädel.
Von einem Löwen an gefallen. Oberst Harding, der Kommandant der englischen Kolonie Barotseland in Südafrika, .stieß bei einer Dienstreise unfern Mumbera auf eine Gruppe von sieben Löwen. Er ließ den Kutscher die Eingeborenenkarre halten und verwundete einen der Löwen durch einen Schuß. Der Oberst sprang vom Wagen und ging nach der Stelle, wo das Thier zusammengebrochen war. Er machte die Entdeckung, dan ftcki der verwundete Löwe in bobes Gras zurückgezogen hatte. Da er sah. daß sich in dem Grase etwas bewegte, gab er zwei weitere Schüsse ab und be- -merkte dabei nicht, daß der anfänglich von ihm verwundete Löwe kaum zehn Fards von ihm entfernt im Grase lag. Die Bestie sprang plötzlich auf Hardina zu, riß ihn zu Boden und verletzte ihn schwer durch Zermalmung der rechten Schulter und durch gefährliche Bisse in beide Beine. Das Thier war zum Glück so schwer verwundet und hatte so viel Blut verloren, daß es nach kurzer Zeit von seinem Opfer abließ und in seiner Nahe todt niederfiel. Nur mit großer Noth gelang es dem eingebore nen Kutscher, seinen Herrn in das etwa zwei Meilen entfernte englische Lager zu schaffen. Ein mörderisches Duell fand in der Nähe von Evanston, Wyo., zwischen einer Frau Näncy Richards und deren Nachbarin, Frau Leon De Mars statt, in welchem letztere erschossen wurde. Die Frauen, beide ungefähr 30 Jahre alt, hatten sich schon mehrmals geprügelt und jede hatte die andere gewarnt, daß' beim nächsten Renkontre Revolver eine Rolle spielen würden. Frau De Mars hatte sich nun trotzdem nach der Farm der Frau Richards begeben, und als sie fortgewiesen wurde, einen großen Revolver gezogen. Frau Richards war aber für einen solcken ftall vorbereitet. Sie be hauptete, daß Frau De Mars zuerst geschossen habe, es sind aber keine Augenzeugen vorhanden, die Auskunft geben könnten. Nachdem sie den zweiten Schuß abgefeuert, erhielt Frau De Mars eine Kugel in die Brust, sie fuhr aber fort zu schießen, bis jede Kammer ihres Revolvers , leer war. Frau Richards wurde verhaftet. m Das weibliche medizinische JnstU tut in Petersburg ist zum Range einer Universität erhoben worden und erhält von jetzt an erhebliche Staats Subventionen, im laufenden Jahre 86,000 Rubel, im kommenden Jahre 139,000 Rubel.. Der durch den Krieg hervorgerufene starke Mflich von 'Aerzten aus allen Provinz Rußlands zur Armee und der daraus sich ergebende Aerztemangel soll diese staatliche Förderung des medizimschon Studiums für Frauen nothwendig gemacht haben. 5 5 5 " Zu militärischen Zwecken wird alljährlich in Frankreich eine Zählung der Pferde vorgenommen. Der diesjährige Census ergab einen Pferdebestand von 90,147 gegen 91,016 im Vorjahre, also eine Abnahme von 869 in einem einzigen Jahre. s FeiertagsNaicn. mm Ein und ein Drittel Fahrpreis snr die Rundfahrt nach allen Punkten in dem Gebiet der Central Passagier Association. Fahrkarten werden verkaust am 24., 25., 26. und 31 Dezember 1904 und am 1. und 2. Januar 1905. Gültig für die Rückfahrt bis 4. Januar inclusive. Für nähere Einzelnheiten ioende man sich an die Agenten der C. H. & D. Bahn oder an D.P. A lg e'o,D.P. Agent, 8 Nord Illinois Str. Indianapolis. Ind.
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