Indiana Tribüne, Volume 28, Number 96, Indianapolis, Marion County, 13 December 1904 — Page 6
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Europäische Nachrichten.
i 'Mcrysrn. 'ÄIM München. Wagenführer Harringer, der in der Hohenzollernstrabe von einem Anhängewagen der Linie VII entgegen den bestehenden Vorschriften auf der linken Seite absprang und von einem entgegenkommenden Motorwagen schwer verletzt wurde, ist seinen Verletzungen, u. a. Schädelbruch. erlegen. Der Sekretär an der Gerichtsvollziehern Adam Matt hat sich in seiner Wohnung erhängt. Matt hatte seit der am 1. Januar 1900 erfolgten Verstaatlichung des GerichtsVollzieherwesens am genannten Amte die Kasse zu besorgen, er war eine stadtbekannte Persönlichkeit und gehörte zu den Gerichtsvollziehern alterer Ordnung. Früher hatte er eine sehr umfangreiche Praxis und erfreute sich einer gewissen Beliebtheit. Die Motive der That sind nicht klar, es wird momentane Geistesstörung vermuthet. Brunn. Auf der Lokalbahn Amberg-Larterhofen am hiesigen Halteplatze wurde neben dem Bahngeleise die Leiche des Gemeindedieners Simon Baumann aus Pfaffenhofen in der Oberpfalz gefunden. Man vermuthet, daß Baumann von einem Lokalbahnzuge bei der Abfahrt vom Halteplatz abgesprungen und unter die Räder des Zuges gerathen ist. Engelburg. Bei dem Abbruch eines Holzhäuschens wurde die in den 20er Jahren stehende Maurersfrau Späth. Mutter von vier Kindern, von einer einstürzenden Wand erschlagen. K e m p t e n. Das Drahtseil des bei dem durch die Baufirma Alfred Kunz & (Sie. in Kempten und Dyckerhoff und Widmann in Karlsruhe betriebenen Baue der neuen gewölbt Bahnbrücken über die Jller beim hiesigen Bahnhofe in Verwendung stehenden Beton Aufzuges riß aus nicht genau aufgestelltem Anlasse. Dadurch wurde der bei Bedienung dieses Aufzuges beschäftigte Arbeiter des BaugeschasteZ Alfred Kunz & Cie. in Kempten, Joseph Völk, in die Tiefe hinabgeschleudert und erlitt so schwere Verletzungen, daß er alsbald nach dem Unfälle verstarb. Neulbltz. Hier fand man d:e arg verstümmelte Leiche des Bahnwärters Klein auf dem Geleise. Klein scheint infolge des starken Nebels das Herannahen des Zuges nicht bemerkt zu haben. Pasrng. Der hiesige Todtengräber Johann Hermann vollendete das 50. Jahr seiner Thätigkeit als Todtengräber. Zugleich beging er seinen 70. Geburtstag. Rose beim. Auf dem Felde wurde der Oekonom Hechmeier in Hohentann von einem Knechte überfak len und durch sieben Messerstiche so schwer verletzt, daß alsbald der Tod eintrat. Der Mörder ist verhaftet. S t r a u o l n g. Im Dorfe Pattskofen wurde der Bauer Buchner von seinem 18jähr!gen Dienstknecht, mit dem er während der Arbeit in WortWechsel gerathen war, erstochen. Der Thäter wäre auf dem Transport hierher beinahe gelyncht worden. T ü r k e n f e l d. Die Dampfsäge des Besitzers Raub gerieth in Brand, der eine solche Ausdehnung annahm, daß die ganze Fabrikanlage vollständig niederbrannte. MUrtternverg. Stuttgart. Im Alter von 89 Jahren starb Hofmusikus a. D. Eduard Keller, Professor am Conservatorium für Musik. Der langjährige frühere Stiftsprediger Prälat Dr. Karl v. Burk ist im Alter von 77 Iahren gestorben. Weingärtner Jlg, der im -Herdweg von einem Wagen, dessen Pferde scheuten, herabgeschleudert worden war, ist im KatharinenHospital an den bei dem Unfall erlittenen Verletzungen gestorben. Vöblingen. Zimmermann Widmaier von Dagersheim stürzte von dem Neubau eines Bahnwarthauses ab; schwer verletzt wurde er in das hiesige Bezirkskrankenhaus gebracht, wo er seinen Verletzungen erlegen ist. D L r r w e i l e r. Der 47 Jahre alte Bauer Mäder stürzte' die Treppe seines Hauses hinunter und brach das Genick. Gerabronn. In dem zur hiesigen Gemeinde gehörigen Weiler Bügenstegen fand man den Oekonomen Johann Krämer, der auf dem Felde mit Pflügen beschäftigt war, von einem Geschosse tödtlich in den Rücken getroffen, bewußtlos am Boden liegend. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb er. Als der That verdächtig wurde ein Schwager des Verstorbenen in Haft -genommen. I s i n g e n. Vor kurzem wurde der Farrenwärter Vogt beim Losbinden eines Farren von diesem derart an die Wand gedrückt, daß er schwere Verletzungen erlitt, denen er erlegen ist. Leonberg. Das neben dem alten Oberamt in der hinteren Schloßgasse gelegene große Wohnhaus des Gerbers Beutelspacker und des Weingärtners Enqlert brannten sammt der Scheuer und derjenigen des Kronenwirths Gentner bis auf den Grund nieder "23aöen. Karlsruhe. Generalagent Georg Poth beging das 25jährige Jubiläum als Versicherungsbeamter. Der Jubilar, der nun 16 Jahre lang die Winterthurer Unfall - Versicherungs-
Gesellschaft als Bevollmächtigter für Baden vertritt, erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Polizeicommissä'r Matthias Ma'r feierte sein 25jähriges Dienstjubiläum bei der hiesigen Kriminalpolizei. Brand bei Meckenbeuren. Im Anwesen des Wagnermeisters Feser brach Feuer aus. Das ganze Gebäude, Mabillar, Holzvorräkhe, Heu, Stroh, sowie der Hofhund, ebenso Vieh wurden von den Flammen vernichtet. B r u ch s a l. Oberleutnant Dr. Michels, der lange dem hiesigen Regiment angehörte und von hier nach Straßburg zu den Jägern zu Pferde versetzt wurde, verstarb zu Köln im Hause seiner Eltern an den Folgen einer schweren Operation, der er sich wegen einer Blinddarmentzündung unterziehen mußte. F r e i b u r g i. Br. Der Ende der 30er Jahre stehende Vuchdruckereibesitzer Otto Wenzel von hier fuhr mit dem Chemiker Lautenbach die Schreiberstraße entlang, wo er so unglücklich zu Fall kam, daß er das Genick brach, was seinen augenblicklichen Tod herbeiführte. Gondelsheim (Breiten). Durch Explosion einer Petroleumlampe im Stalle des Landwirths Karl Horst brach Feuer aus, das binnen kurzer Zeit Scheune und Haus des Genannten, sowie die Scheune und den SÄuppen des LandwirthS Karl Lotschein verzehrte; letzterem ist auch Vieh verbrannt. Neckargemünd. Aus Liebeskummer ließ sich der 26jährige Schreiner F. Stoll von Ziegelhausen von einem Zug überfahren, wobei ihm der Kopf und beide Arme vom Rumpfe getrennt wurden, sodaß der Tod sofort eintrat. Pforzheim. Der hier sehr beliebte 35jährige Arzt Dr. Hermann Siegele entfernte sich, nachdem seine Verlobung mit einer abrikantentochter kurz vor der Hochzeit gelöst worden war. Kurz darauf kam aus Luzern dieNachricht, daß Dr. Siegele dort erschössen aufgefunden worden ist. Seckenheim (Schwetzingen). Von einem 3 Meter hohen Felsblock stürzte der 40jährige ledige Ackerer I. Klumb ab. Die Verletzungen waren derart schwer, daß er, ohne das Vewußtsein wieder erlangt zu haben, bald starb. Donau ?.schingen. Hier starb nach längerem Leiden im 78. Lebensjähre Hauptlehrer a. D. Daniel Kupferschmid. Der Verblichene, welcher auf eine überaus erfolgreiche, mehr als 50jährige pädagogische Thätigkeit zurückblicken konnte, wirkte vom 3. Februar 1862 bis zu seiner am 1. Mai 1899 erfolgten Zuruhesetzunz ununterbrochen an der hiesigen Volksschule. itzeinpfarz. Althornbach. In der Nähe des Bödingerhofes wurde die Leiche des fünf Jahre alten Ludwig Gentes, Sohn des Ackerers Ludwig Gentes
von Bödingerhof, aus dem Hornbach gezogen. Der Kleine war spurlos verschwunden, ist wahrscheinlich in' den Hornbach gefallen und ertrunken. Bergz(lbern. Der 11jährige Sohn des Fuhrmanns Ferdinand Jmmel gerieth so unglücklich unter ein Fuhrwerk, daß er sich schwere Brüche an einem Arm und an. einem Beine, sowie innere Verletzungen zuzog. An dem Aufkommen des Knaben wird gezweifelt. D ü r k h e i m. Der 56jährige Winzer Friedrich Fischer von hier wurde im Walde am Foberg erhängt aufgefunden. Der Verlebte war ein braver, fleißiger Mann, lebte jedoch schon einige Jahre von semer Familie getrennt. Das Motiv der That ist nicht bekannt. G r ü n st a d t. Zwischen Sausenheim und Kleinkarlbach ereignete sich ein schwerer Unfall. Brennereiarbeiter Herold von hier, der zur Nachtschicht fuhr, stieß vermuthlich auf zwei ihm entgegenkommende Fuhrwerke, welche keine Laterne hatten, und gerieth unter die Räder der Wagen. Die Fuhrleute legten den Bewußtlosen in den Straßengraben und theilten dieses in der nächsten Wirthschaft von I. Klein mit, ohne sich weiter um den Verunglückten zu kümmern. Nachdem Herold aufgefunden war, schaffte man ihn zum hiesigen Disiriktskrankenhause, wo er schwer darniederliegt. Kaiserslautern. In einem Hotel in Heidelberg erschoß sich der Weinhändler C. A. Göhring von hier. Der Grund ist eine unheilbare Krankheit. L u d w i g s h afe n. An der oberen Hemshof - Schachtel wurde eine männliche Leiche geländet. Der Todte dürfte ungefähr 30 Jahre alt sein, ist gut gekleidet und trägt auf seinem Hemd den Namen I. Essingcr - Heilbronn. Obersülzen. Landwirth Jakob Klingel 3. von hier fuhr mit feinem Rad von Grünstadt nach Hause. In der Nähe unseres Dorfes wurde Klingel von drei Burschen überfallen, vom Rade geworfen und derart geschlagen, daß, er bewußtlos am Platze liegen blieb und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte, die ilfn Dr. Becker in Grünstadt leistete. Die Thäter, die in hiesigen Wirthschaften dem Neuen zu viel zugesprochen hatten, sollen erkannt und von Karlsberg fein, darunter zwei Burschen Namens Jsler und Schmitt. Untersuchung ist bereits eingeleitet.
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ens I o Von Albert Cnnjzinann OOOlOlCyiOtiOlOiOOtOt n der Nedergade wohnten die beiden Fräulein Damborg. Sie hatten einmal ein kleines Modegeschaft gehabt und dabei etwas Geld verdient. Jetzt war das vorbei. Die alten Kunden des Geschäfts waren einer nach dem andern gestorben, und neue kamen nicht dafür, denn die Fräulein Damborg waren zu alt geworden und gingen nicht mehr mit der Zeit mit. Als der letzte Kunde todt war, machten die Schwestern den Laden zu und zogen in die Nedergade in ein altes, graues Haus, wo ein paar Stockrosen und ein alter Aprikosenbaum die kleinen Fenster verdeckte, und wo sie einen ganz kleinen Garten mit Bänken und Rosenbeeten benutzen durften. Die Nedergade war die altmodischste und schnurgeradeste Straße der Stadt. Sie lag weit entfernt von dem gewöhnlichen Verkehr, und nur selten rollte ein Wagen übel ihr holpriges Pflaster. Darum timtoz sie auch fast ausschließlich von den Alten und Vergessenen bewohnt, die sich wie eine Schaar scheuer Vögel in einem alten halbverdorrten Baum in den niedrigen,' baufälligen Häusern niedergelassen hatten. Den ganzen Tag lag die Straße wie ausgestorben da, nur manchmal an warmen Sommertagen traten die Alten in die Hausthüren, sahen auf die Straße, die ihre Welt war, und spähten ängstlich zum Himmel empor,um sich zu überzeugen, ob dem milden Sonnenschein auch keine schlimme Wolke drohte. In den Fenstern konnte man hie und da einen alten Kanarienvogel unruhig mit den Flügeln schlagen sehen; er fragte sich wohl, was der ungewohnte Leichtsinn seiner Herrschaft zu bedeuten hätte. Die Fräulein Damborg waren nun beide gegen die Vierzig. Jda, die die ältere war, war mager und ernsthaft, Malvine dagegen rundlich und lächelnd; aber doch sahen sie sich beide ähnlich. Sie hatten beide dieselben runden Kinderaugen, die mit einem Ausdruck von etwas verschämter Neugier in die W?lt starrten, dieselbe tiefe, herzliche Stimme, dieselbe peinliche Sauberkeit, was ihre Person betraf. Es war noch eine dritte Schwester dagewesen, die Amalie hieß. Arme Amalie! Als sie schon auf dem besten Wege war, eine alte Jungfer zu werden, hatte sie sich in einen Cigarrenhändler verliebt und sich mit ihm verheirathet. 'Doch der Cigarrenhändler war nicht gut zu ihr gewesen, und sie hatten in schlechten Verhältnissen gelebt. Als einige Jahre vergangen waren, war sie gestorben und hatte einen Sohn hinterlassen, der Jens hieß. Kurz darauf hatte der Vater bankerott gemacht und war nach Amerika gereist, während die beiden Fräulein Damborg sich des Jungen angenommen hatten. Amaliens trauriges Schicksal war ihnen völlig unverständlich geblieben. Daß es überhaupt solche Männer, wie der Cigarrenhändler, gab, davon hatte sie wohl schon gehört, aber im wirklichen Leben war er ihnen nie lebhaft und handgreiflich entgegengetreten. Noch schlimmer aber erschien es ihnen, daß solcher Mensch es gewagt, sich in ihre Familie zu drängen. Es war schon hart genug, daß Amalie, ihr? Amalie, sich überhaupt verheirathete und damit ein neues und ungewohntes Element in ihr Leben brachte; aber daß sie bei einem solchen Manne bleiben konnte, das hatten sich die beiden Schwestern doch nicht vorgestellt. Und darum sahen sie das traurige Loos, das sie ereilt hatte, stets in einem geheimnißvollen mystischen Schimmer. Sie hielten es nur für möglich, weil es thatsächlich so war, und wenn sie zusammen von Amalie sprachen, senkten sie unwillkürlich die Stimmen, und die Augen weiteten sich, als sähen sie Gespenster. Indessen hatten die Fräulein Damborg all ihre Liebe, all ihre aufgesparte Altjungfernzärtlichkeit auf Amaliens Jens geworfen, der groß, dick und gefräßig wie ein junger Kuckuck in einem Lerchennest, aufgewachsen war. Fortwährend war die Rede davon gewesen, er solle in die Bürgerschule gebracht werden, aber die beiden Schwestern sprachen oft mit Wehmuth darüber, wie schön es wäre, wenn sie das Geld hätten, um ihn in der theuren Realschule anmelden zu können. Als der Tag kam, an dem er angemeldet werden sollte, sprach:'. sie wieder darüber, aber plötzlich verschwand Malvine aus dem Zimmer. Kurz darauf kam sie mit einem in Zeitungspapier gewickelten Päckchen wieder zurück. Ich habe etwas zusammengespart," sagte sie leise, fünfunddreißig Kronen, da dachte ich, wir könnten vielleicht " Jda war gerade dabei, ihre Kommedenschieblade .aufzuziehen und hatte einen ganz rothen Kopf. Ich habe auch etwas," sagte sie. und holte einige Scheine aus der Brieftasche ihres verstorbenen Vaters, die ihr aV der ältesten zugefallen war, und in d:r sie ihre und der Schwester wichtigste Papiere aufbewahrte. So kam denn Jens in die Realschule, und die Schwestern sparten und knapsten, um das theure Schulgeld aufbringen zu können. Sie kratzten die Butter von ihrem Brot; ihre Hüte und Kleider mußten noch länger Dienst thun als vorher, ja, sie widerstanden sogar oft der Versuchung, eine kleine Extraklobe
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in den Ofen zu legen, selbst wenn die Halte streng war und der Wintcrwind durch die alten Wände des ' Hauses brauste. Wurde es so schlimm, daß sie es nicht aushalten konnten, dann legten sie sich 'abwechselnd den Tag über in's Bett' denn.eine von ihnen mußte beständig auf sein, um für Jens zu sorgen. Und Jens machte die Realschule durch und wurde ein aufgeschossener Bursche mit einem Bartflaum um den Mund und einem mächtigen Appetit. Er machte niit Mühe und Noth das gewöhnliche Aorbereitungsexamen durch, und damit hatten die beiden alten Schwestern so viel für seine Vorbereltung gethan, wie es ihnen irgend möglich war. Jetzt mußte Jens für sich selbst sorgen. So reiste er denn nach Kopenhagen, wo man ihm eine Stelle im Bureau verschafft hatte. Es war ja keine hervorragende Stellung, aber sie wurde doch immerhin mit vierzig Kronen monatlich bezahlt und davon konnte Jens leben. Zu Anfang kam in jeder Woche ein Brief von Jens. Er war frisch und g sund und vergnügt, aber es wurde ir,m doch schwer, mit seinem Gehalt auszvkommen. Und jedes Mal, wenn er diese Saite anschlug, knapsten di alten Schwestern ein paar Kronen voa ihrem Wirthschaftsgeld und schickten sie an Jens. Dabei konnten sie aber nicht begreifen, daß er nicht auskam, denn vierzig Kronen war für einen jungen Menfchen, der keine Ansprüche an's Leben stellte, doch eigentlich reichlich. Aber selbstverständlich durfte Jens in keiner Weise Noth leiden, und zu Weihnachten schickten sie ihm jede zehn Kronen, ohne daß er darum gebeten hätte. Nach und nach versöhnten sie sich mit dem Gedanken, daß sie wohl auf all die kleinen Annehmlichkeiten verzichten mußten, auf die sie sich schon gefreut hatten, und d'e sie sich bereiten wollten, wenn Jens einmal für sich selber sorgen konnte. Mit der Zeit wurden ens' Briefe seltener, und jetzt enthielten sie fast nur mehr oder weniger verschleierte Bitten um Geld. Als einige Zeit vergangen war, schrieb er, er hätte eine neue Stellung bekommen, die weit besser wäre, als die vorige, denn dort hätte er im Grunde nur ein Hundeleben geführt. Einige Monate später verließ er auch die neue Stellung, mit der er jetzt sehr unzufrieden war, und übernahm ere dritte, die er nun in den hellsten Farben beschrieb. Und so ging's weiter. Er wechselte immer häufiger, zuletzt war er nur immer einen Monat in Stellung, und jedesmal war er immer so begeistert über die Stelle, die er antreten sollte, wie er mit der, die er verließ, unzufrieden war. Zuletzt schrieb er, er hätte auf den Kaufmannsstand überhaupt vollständig verzichtet. Er läge" ihm nicht, dieje trivialen und prosaischen Interessen lägen seiner hochfliegenden Natur fern. Nein, er wäre jetzt Journalist geworden, und hier, fühlte er, wäre er auf den richtigen Platz gekommen. Er war voll von Ideen, die im Lande Aufsehen erregen und der ganzen Gesellschaft zum Nutzen gereichen sollten. Vorläufig hatte er noch nichts Festes, aber er tozx mit einem der größten Blatter der Hauptstadt liirt," würde Geld wie H u verdienen sich Einfluß verschaffen, und wer konnte es denn wissen? vielleicht Redakteur werden. Vorläufig brauchte er nur fünfundzwanzig Kronen u. f. w. im Brief hatte ursprünglich zwanzig gestanden, aber die fünf hatte er darüber geschrieben um sich mit einem neuen Hut und anderen Kleinigkeiten zu equipiren, die er dringend brauchte, um bei dem angesehenen Blatte würdig auftreten zu können. Jens war also jetzt bei einer Zeiturg angestellt. Aber seine Thätigkeit beschränkte sich auf die Reportage, und nur wenn er Glück hatte, konnte er taglich ein paar Kronen verdienen. Als die Fräulein Damborg Jens' Brief bekamen, traten ihnen vor Freude die Thränen in die Augen. Jetzt war Amaliens Jens endlich ein großer Mann geworden; jetzt hatten seine Talente ihm zu einer angesehenen Stellung in der Gesellschaft v-.rholfen, wie sie es vorausgesehen, und wie es schoi lange hätte geschehen müssen. Dankbar gegen die Vorsehung, dankbar g?gm Jens, dankbar gegen die ganze Welt, sandten sie mit einem Glückwunschschreiben fünfundzwanzig Kronen an Jens, und gingen darauf zu Amaliens Grab hinaus. Da saßen sie lang? stumm, Hand in Hand, und.es war ihnen, als säße ihre todte Schwester, bleich und stumm, neben ihnen und nähme Theil an ihrer Freude. Das erste, was sie am nächsten Tage thaten, war, daß sie sich auf das Blatt, Jens' Blatt, abonnirten. Als sie es aber erhielten, erwartete sie eine große Enttäuschung; ihre alten Augen waren zu schwach, um die kleinen Buchstaben zu lesen. Mit Jens' Handschrift waren sie durch jahrelange Gewohnheit vertraut,' aber von gedruckten Büchern hatten sie nichts weiter gelesen, als das Gefangbuch und die Bibel. Sobald sie das Blatt zu lesen begannen, liefen alle Buchstaben zusammen und wurden zu einer trostlosen, schwarzen Masse. Und jeden Tag mußten sie mit einem Seufzer sehen, wie der Haufen ungelesener Zeitungen anschwoll und größer und größer wurde. Als aber auf diese W:ise ein Monat vergangen war, kam das Mädchen vom Nebenhause herein und fragte, ob sie sich nicht das Blatt für ihre Madame leihen könne. Es war ein nettes Mädchen, das wußten die beiden .alten Schwestern, uno als sie so zu ihnen herankam, kam ihnen beiden gleichzeitig ein Gedanke. Sie blinzelten
emanoer verstoylen zu, und Malvrnf, die die muthigste war, wagte sich mit einer Frage vor. . ,. Ob es denn nicht möglich wäre, daß Marie (so hieß das Mädchen) zu ihnen kommen und ihnen laut aus der Zeitung vorlesen könnte. Sie würden ihr dafür herzlich dankbar sein, und ihr auch zum Entgelt eine oder die andere Aufmerksamkeit erweisen." Ja, gewiß, herzlich gern," antwortete Marie, ich bin ja meistens Nachmittags schon frei, und dann kann ich bei der Gelegenheit die Zeitung ja auch gleich mitlesen." Nun folgte eine glückliche Zeit für die beiden alten Schwestern. Jeden Tag las Marie alle Artikel im Blatte laut vor, und die Welt, die für sie so viele Jahre wie todt gewesen war, erwachte, nun in ihrem Geiste zu neuem Leben. Zum vollen Genusse des Blattes fehlte nur eins: sie wußten nämlich nie mit Bestimmtheit, welchen Artikel Jens eigentlich geschrieben hatte. Aber auch darüber kamen sie leicht hinweg, denn sie dachten ihn sich stets als Verfasser derjenigen Aufsätze des Blattes, die ihnen am meisten zusagten. Und so sagte Jens denn eines Tages ein kräftiges Wörtlein über die Leitung des Landes, während er am nächsten mit überlegenem Geiste die Großmächte angriff und am dritten die Gesellschaft an ihre Pflichten den Unglücklichen und Nothleidenden gegenüber erinnerte. Dann konnte Jens auch witzig werden, so daß die 'eiden alten Damen beinahe einen Lachkrampf bekamen, oder er konnte seine Kentnisse beim Besprechen eines neu erschienenen Buches zeigen; ja, er schrieb sogar kleine Novellen, die immer Anlaß zu langen Gesprächen gaben. Daß er beständig G:ld brauchte, überraschte die Fräulein Damborg nicht, denn. Du lieber Gott! mit der bedeutenderen Stellung waren auch bedeutendere Ausgaben verknüpft. Eines Tages stand in dem Blatte ein Artikel, den sowohl die Fräulein Damborg, wie auch Marie ganz unüb:rtrefflich fanden. Jens hatte über die Würde der Presse geschrieben und war dabei von einem unangenehmen Zufall aucgegangen, der sich kürzlich bei einem Mitarbeiter des Blattes, übrigens einem ganz untergeordneten Reporter, ereignet hatte. Dieses Individuum war wegen einer Reihe von Betrügerei., und Unterschlagungen verhaftet worden, und ein anderes Blatt hatte dieses Faktum schadenfroh berichtet. Dazu nahm nun Jens in glänzenden Ausführungen Stellung. Ganz nebenbei wurde erwähnt, bei der vorläufigen Untersuchung habe sich herausgestellt, daß der Spitzbube schon vorher in dem Geschäft, in dem er vor seiner journalistischen Thätigkeit angestellt gewesen. Unterschleife begangen hatte. In diesem Artikel hatte Jens sich selbst übertroffen, denn hier zeigte er sich nicht allein als hervorragender Schriftsteller, sondern auch als tadellose. Persönlichkeit. Es stellte sich dann auch heraus, daß er mit diesem Artikel seine Position befestigt hatte, denn jetzt kamen keine Bitten mehr um Geld. Es kamen allerdings auch keine Briefe mehr, aber was that das? Durch das Blatt standen die Schwestern ja jeden Tag mit Jens in Verbindung, und das war fast ebenso gut. als wenn sie ihn bei sich in der Schule hatten. Als Jens aber nicht mehr ihrer Unterstützung bedürfte, begannen die alten Fräulein Damborg abzufallen. Das Bewußtsein, daß sie für ihn verantwortlich waren, hatte sie bis dahin aufrecht erhalten; nun hatte ihr Leben keine Aufgabe mehr, und jetzt kam der Rückschlag. - Kurz nach Jens' Aufsehen erregenden Artikel starb Jda, .und um diese Zeit war Malvine bereits so geistesschwach, daß der Tod der Schwester, keine besondere Trauer in ihr wachrief. Sie wurde in einStift gebracht und starb kurz darauf ebenfalls.
Ein paar Monate nach Malvinens Tode kam ein junger Mann in die Stadt. Er war äußerst ärmlich gekleidet und sah sich, während er die Straße hinunterging, scheu nach allen Seiten um. Er ging zur Gerichtsfchreiberei und meldete sich dort als Erbe der Fräulein Damborg; es waren noch Reste des ersparten Geldes, die kleine Wirthschaft und ihre Papiere da. Als er die Kommodenfchublade öffnete, fand er zusammen mit dem Porträt seiner Mutter eine Nummer des Blattes, an dem er einmal mitgearbeitet hatte. In der Nummer war ein Artikel blau angestrichen. Er entfaltete das Blatt und las, den Artikel kannte er nicht, denn er war in der letzten Zeit aus gutem Grunde verhindert gewesen, überhaupt Zeitungen zu lesen. Aber er hatte noch nicht viel gelesen, da wurde er ganz blaß und legte das Blatt fort. Denn er war der Unglückliche, von dessen Schicksal der Artikel ausgegangen war. Den stärksten Bier verbrauch hat, im Verhältniß zur Einwohnerzahl, unter allen Ländern Belgien zu verzeichnen. Es entfallen dort auf den Kopf der Bevölkerung 56.59 Gallonen Bier im Jahre. Dann kommt Großbritannien mit einem Bier-Kon-sum von 35.43 Gallonen, und an dritter Stelle steh! Deutschland, dessen Bevölkerung pro Kopf jährlich 30.77 Gallonen verbraucht Die Ver. Staaten nehmen mit einem Verbrauch von 18.04 Gallonen den vierten Platz m der Reihe der biertrinkenden Länder ein.
Nauüt die BONANZA.
