Indiana Tribüne, Volume 28, Number 94, Indianapolis, Marion County, 10 December 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne, RY. Dezember 190
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i tt Die Xfiitc um t x Z 4 v Z x 4 I Siriniß Vcuren n Xlornan cen ö a i Mt c l rn Mortsejuna) Sie fanden Eva in höchst unerwarteitx Weise beschäftigt. Bis in ihre Abgeschiedenheit war die Nachricht von der Erkrankung ihres Vaters noch nicht gedrnngen; lebte sie mit ihren beiden Dienerinnen früher doch wochenlang, ohne den Aater, oder die Triebe zu sehen, ohne daß eins von ihnen je den andern Thcil des Schlosses betrat. Das war eben erst durch die Präsidentin Nehlin anders geworden. Sie wanderte heute in ihrem Zimmer zwischen Haufen von Kleidern und anderen Toilettengegenftänden aus ihrer 'früheren Zeit umher; alle Tische und Stühle waren mit dem Inhalt der Schränke und Schubladen bedeckt, welche die Dilte auf ihren Befehl jetzt nach Jahren einmal wieder geöffnet. Ersichtlich wollte Eva Brauchbares daraus wählen, um es für sich ändern zu lassen. Aber Kind, wie wolltest Du das fertig bringen? Du, ohne jede Kenntniß der-jetzigen Mode. Schreibe doch an ein Wiener Haus, oder an Gerson in Berlin und lat Dir fertige Kostüme schicken," riff die Präsidentin. Ach ja ich war ganz rathlos! Und das ist so einfach," rief Frau von Sobotka erleichtert. Sie begrüßte den alten Herrn, sichtlich von seinem Kommen überrascht, aber doch viel freier, als sie es bei den früheren Zusammentreffen in ihres Vaters Näumen gethan. Ich freue mich, eine große Vortheilhafte Veränderung bei Ihnen zu konstatiren, gnadize Frau," sagte er, sie mit seinen klugen Augen ansehend. Mir ist wie einem Genesenden nach lauger Krankheit, Herr Sanitätsrath, der das Gehet: verlernte; nach einigen Versuchen sieht er erstaunt, er kann mehr, als er sich zutraute." Gesund sein wollen ist das beste Arzneimittel." O, ich will ich sehne mich so nach " Nach dem Leben dem Glück nach Thätigkeit und dem Regen der Kräfte," half er ein. Ja, das ist es, das ist's. Ich wußte es nur nicht so klar!" rief sie. Sie haben zu lange ein Pflanzenleben gesührt, gnädige Frau." Ich war sehr unglücklich und frank," entschuldigte sie sich leise, schon wieder scheu vor jeder Berührung ihres Empfindens zurückbebend. Gewiß, Sie waren es, aber Sie hätten der Allheilerin Zeit helfen können, gnädige Frau, durch ein energisches Wollen. Das Leben ist so schön."' O ja!" nickte sie leise und eine wahre Verklärung flog über ihr Gesicht. Der alte Arzt sah sie stutzend mit tief in ihr Inneres dringenden Blicken an. Nur einen Moment, ohne Unbescheidenheit. Klar wurde er sich noch nicht über sie, aber sie eregte sein hohes Interesse. Nach einem solchen Anfang war es sehr schwer, auf den Punkt zu kommen, der ihm jetzt räthselhafter noch als zuvor wurde. Immer wieder mußte er sie verstohlen beobachten, während er mit ihr plaudernd ein Examen anstellte. Offenbar fand sie feindn Besuch verwunderlich, die theure Tante Maria, an die sie sich schmiegte wie ein Kind an die zärtlich geliebte Mutter, mochte aber wohl den Anlaß' dazu gegeben haben. Sie antwortete ihm auf jede Frage mit großer Offenheü; gestand sogar, i; yiuuiwi., iiu Lictiuuu.;. zu f""fi'N ""(f) "tt wer r. Z7s?t ficfi. r. rfvri r v,.?, VJüs yave' gebachl. ZM a5 die Einsamkeit ertrage? zu können und xiviznaz zu 2.an:e caria gekommen suhle ich erst recht, wie sehr tch dann gelitten habe und wie es meine Nerven , zerstört hat, immer wieder dasselbe zu denken." Beschäftigt Sie eine bestimmte Idee vorwiegend, sogar quälend, fühlen Sie das dringende Verlangen, etwas zu thun, was Ihnen Ihrer Meinung nach Nutzen bringen würde, oder Ihnen nöm s rv irwj " lmg ZHemll Sie sah ihn verständnißlos an. Ich bin eigentlich träge geworden : mag gar mcht mehr fleißig fern," sagte sie beschämt, wie ein faules, kleines Mädchen auf ihren mit unfertigen Nadelarbeiten gefüllten Arbeitskorb und Nähtisch zeigend. Haben Sie jemals Belladonna benutzt?" fragte er. Ihr fiel das Abspringende in seinen ??raaen nickt auf. sie schüttelte nur den Kops. Sie memen doch, 00 ich krank gewesen sei? Man nimmt es ein, nicht wahr?" Od?r bei einem Augenleiden?" Nie, meine Augen sind so stark." Er gab ihr das kleine Arzneifläsch- . chen in die Hand. Es war ohne Etikette, ein Glas wie tausend. Sie begriff offenbar nicht, was er wollte, und sagte ruhig: Sie meinen. ob mir das gehört? Nem!" Ich fand es draußen auf dem Tlsch. es riecht nach Belladonna. Ach so! Nein mir gehört es nicht, vielleicht Lena? Die hatte einen schlim-
Erst jetzt erzählten der Sanitätsrath
und die Tante ihr von des Vaters! Krankheit. I Sie erschrak. Er hat das nun schon mehrere Male gehab! und er ist nicht so krank dabei! Warum hat man uns denn mcht geweckt? Dich auch mcht, Tante? Nein?" Sie seufzte. Können Sie es meinem Baier nicht sagen, daß die Tante und ich an sein Bett gehörten, nicht diese diese ? O, wie ich das Weib hasse!" glühte sie ?n einer bei ihr völlig überraschenden Leidenschaft auf. Und nun sagen Sie, halten Sie diese Frau für geisteskrank, für eine GiftmischerZn?'' fragte die Präsidentin den Sanitätsrath, als sie Eva verlassen hatten. Ich habe bis letzt Nicht den leidesten Anhalt dafür, sogar die feste Ueberzeugung vom Gegentheil, aber meine liebe Gnädige unser Wissen ist Stückwerksolche Kranke täuschen durch ihre Schlauheit sogar oft die erfahrensten Psychiater." Und mit diesem Zweifel an ihrer gesunden Verriunft soll die Unalückliche durch das Leben gehen?"' Was sollte den eigenen Vater ? Und er sagte mir bei dem zweiten Anfall schon, er habe mit eigenen Augen gesehen, daß sie ihm' Gift in sein Glas gegossen." Drei vier Tage vergingen, ohne daß der Oberst seine Schwägerin vorließ. Daß die Triebe dahinter steckte, litt keinen Zweifel. Der Doktor rieth, sich in diese Laune zu fügen; es blieb ihr auch nichts anderes übrig, wenn sie Eva noch nutzen wollte, und mehr als je bedurfte diese einer treuen Freundin. Boten gingen unterdeß fortwährend hin und her zwischen dem Krankenzimmer und unbekannten Zielen. Es gab Niemand, sie danach auszuforschen. Die Präsidentin wies jeden Gedanken daran für sich stolz zurück. Der Vetter der Frau Triebe kam. dieselbe zu besuchen, hatte eine längere Unterredung mit lhr und entfernte stch dann wieder. Agnes sah ihn kommen und gehen er mußte also wohl der wirkliche Vetter sem, denn daß eme Person von nahe an Vierzig einen Bräutigam hätte eine ihrer Meinung nach so alte" Frau, das war doch nicht anzunehmen. Immer konnte aber der Oberst mcht im Bette bleiben. Er hatte nuch nicht die geringste Lust mehr dazu, denn er fühlte sich wieder ganz wohl und fand die Triebe, trotz aller dankbarster Anenennung ihrer schrankenlosen Aufopferung" und rührenden Treue" langwellig, sehr lanaweilia Er begriff auf einmal gar nicht, wie er sich Jahre hindurch mit ihrer Unterhaltung hatte begnügen können. Sein launenhafter Sinn verlanate nach der Schwägerin und deren heiierem, amüsantem Eeplauder. Sie sollte der Triebe freilich nicht zu nahe treten, das wollte er schon zu verhüten wissen aber wenn die Beiden sich nicht ausstehen konnten, so lag doch für ihn kem Grund vor, darunter zu leiden. Die Triebe war ein Juwel, und kein Mensch sollte sie ihm verklatschen Er konnte lhr a nicht dankbar genug fern, und er wollte sich nicht hindern lassen. ihr seine Dankbarkeit m vollstem Umfange durch sem Testament zu beweisen, denn sie hatte ihm nun schon zweimal durch ihre Wachsamkeit das Leben gerettet. Aber langweilig wurde sie doch auf die Dauer, und Maria war eine ganz andere Gesellschafterin! Na türlich hochgebildet! Aber die liebe Maria sollte ihm nur nie wieder kommen mit ihrer Gefühlsduselei und ihrer Vergötterung Evas! Die Unselige war verrückt, man konnte sie freist nieni verantwortlich machen. 'Ader wer wollte verlangen, daß er ein solche Kind liebte, daß er es um sich duldete? Nem, nein und tausend Mal ncm. Möchte sie drüben in ihren Zimmern bleiben, bis der berühmte Irrenarzt kam. an den er. so schwach er auch noch war, geschrieben. Der sollte sie gründlich auf ihren Geisteszustand imtersucken. sie eventuell auch mitnebmen. i wollte sie mcht wieder vor Augen sehen. Mit diesem Entschlüsse schickte der Oberst am Morgen des fünften Tages Jemen wiener zur Prauoentm, er t aufgestanden und bitte um ihren Besuch. Die Triebe that sehr wehleidig, er werde sie nun wieder verstoßen; er streichelte ihr die Hand, nannte sie seine gute, liebe Katharine und schwor, sie werde schon erfahren, daß er dankbar sei, aber Höflichkeit gegen Gäste sei eine der ersten Pflichten eines Kavaliers. Hätte er den Blick gesehen, den sie rer stöhlen aus ihn richtete! Uno wie it lange in eine Stelle starrte, finster, in cachdenken verloren, aus dem t zu letzt emporfuhr. Benatfche! hatte recht, vor allem mußte man die Frau Präsidentin hier loswerden! Aber wie? Plötzlich flog ein triumphirendes Leuchten über ihr Gesicht. Einen gründlicheren Rücksall in seine alten Gewohnheiten und Annchten konnte Oberst Altmann mcht haben. Seine Schwägerin sah es mi Schreckea und heimlichem Erstaunen denn sie hatte sich dem schmeichelhaflen Wahn hingegeben, daß sie ihn vor dem volllgen Versinken gerettet habe. Er empfing sie zwar erfreut und auf seine Art liebenswürdig, aber sie merkte sehr bald, daß er alles Vertrauen zu ihr versoren, daß er nur unterhalten zu sem wünschte.- - Sie hätte ihm eine so energische und dabe; glatte Zurückhaltung gar mch
zugetraut. Er vermied in aller Hos-
llchkeit jede ihm unbequeme Richtung des Gesprächs: als sie dennoch mit ihm über Eva reden wollte, schwang er sich sogar auf zu einer bestimmten Abwehr: Lassen wir das, liebe Maria." Und kein Work weiter war aus ihm herauszubringen. Eva ahnte nichts, von all den Sorgen ihrer Tante. Daß der Vater sie wieder nicht sehen wollte, schien ihr nur etne neue Laune, deren Urheberin natürllch die Triebe und nur sie sein mußte. Die Thatsache selbst machte ihr me so wenig Kummer wie jetzt. Tante Maria war ja bei ihr, die würde schon sorqen, daß die üble Stimmung des Vaters verging. Bei seiner Krankheit wollte sie ihm nichts übel nehmen. Wozu sich auch um diese Dinge grämen, die man niÄt ändern konnte? ö. K a p i t e l. ü? eine Frau von der Art der Präsidentin war es kein thu C ' nes Opfer, in einem Hause als Gast zu bleiben, wo sie mcht nur tausend kleine und große Vernachlassigungen zu erfahren hatte, sondern auch als eine tüchtige Hausfrau, wie sie es war, that- und einflußlos m eme Wirthschaftsführung hineinsehen zu minien, die an Unordnung, Schmutz und Verkommenheit ihresgleichen suchte. Sie sah es wohl, Frau Triebe bemühte sich durch herbeigezoqene Arbeitskräste wenigstens oberflächlich eine Besserung anzubahnen, aber jeder derartige Versuch enthüllte mitleidlos nur immer mehr Schäden. Dazu kam nun auch die Wahrnehmung von der systematischen Ausplünderung des Haushaltes. Außer dem wenigen Silber, das täglich benutzt wurde, war nichts mehr da. Der Oberst behauptete, es sei weggepackt und verschlossen, aber weder er noch die Triebe wußten, wo es denn eigentlich steckte. Ebenso war es mit dem Knstall, der vorzüglichen Ausstattung von Evas Mutter an Betten, Leinen. Drell. Nachzuweisen war vorläufig der Triebe keine Unredlichkeit, sie spielte sich als gekränkte Unschuld auf und heulte bei ihrem Herrn zahlreiche Krokodilsthra'nen. Dagegen behauptete die Dllte, und das Gesinde bestätigte, sie hätte sehr oft große Kisten weggeschickt, die sie Nachts m aller Heimlichkeit zu packen Pflegte: sie bekam auch ab und zu Geldsendungen durch die Post aber mit derartigen unbewiesenen Angaben war nichts anzufangen, und Doktor Nehlin schrieb seiner Mutter: Laß fahren dahin, was nur Geldeswerth hat: viel wichtiger ist es, eine Menschenseele zu retten, und dazu bist Tu auf dem besten Wege." Der kühl und nüchtern urtheilende Nechtsgelehrte betonte auch schon zum zweiten Male: die Dilte, so gut sie sein mag, sollte von Eva entfernt werden. Sie hat aus Mangel an Einsicht ich bin überzeugt, nicht aus bösem Willen Evas sentimentale Selbstverzärtelei gefordert. Es nutzt mchts, den Korper hygienisch richtig zu behandeln, alles kalte Wasser nützt nichts, wenn Geist und Gemüth auf so verrückte Weise nicht nur jeder festen oder gar rauhen sondern überhaupt jeder Berührung mit der Außenwelt entfremdet werden. Zum Kuckuck, Eva ist ein Mensch, wie andere auch, ihr ist übel mitgespielt, zugestanden, aber ha sie jetzt gesund sem will, soll sie lkben, ringen, strebn wie ein gesunder Mensch, und vor allem nicht immer nur, an sich denken, sondern vielmehr mit Ernst und werktbätigr Liebe auch an andere. Das suche Dn bei ihr zu wecken, mein Mutterchen, sie soll Dir ähnlich werden und Agnes, die ein kleines, braves, tapferes Mädel ist, kann auch allerlei dazu thun." Wenn die Präsidentin solche Briefe Eva vorlas, wurde diese allemal auf das Peinlichsie davon berührt; roth und blaß werdend, zog sie alle Fühlfäden ängstlich ein und hätte sich am liebsten wie ein kleiner Käfer todtgestellt, bis die unliebsamen Berübrungen vorüber waren. tz?o drückte Agne; den Eindruck lachend aus, den dies, Predigten" auf Eva machten. Diese selbst mußte immer erst einige Zeit haben, die unangenehmen Empsingen zu überwältigen; da aber Ellern von Agnes heimlich instruirt gelegentlich dasselbe betonte, wenn auch in anderer und gefälligerer Form, die durch seine liebenswürdige heitere Art noch unterstützt wurde, so merkte man doch von Tag zu Tag, in der jungen Frau wurde das ehrliche Bemühen sich abzuHärten" immer ernster und lebhafter. Weil sie Ihnen damit Freude macht!" sagte Agnes harmlos. Mit übertriebener Eile wollte die Präsidentin auch in diesem allen nicht vorgehen; auch der Sanitätsrath huldigte demselben Grundsatz, sonst würde die alte Dame schon gedrängt haben, daß Eva in der Gesellschaft des Vaters auch jetzt speisen sollte. Als sie eines Tages dem Oberst diese Idee mitgetheilt, war er zwar sehr erregt aufgefahren, aber seine Willensfestigkeit hielt den Zureden seine? Schwagerm Nicht Stand. Der Professor antwortet nicht, wir wollen sie selbst unbemerkt beobachten. Sie können auch aus irgend einem anderen Grunde krank geworden sem, Schwager, betonte sie. Aber die Triebe bat eZ doch mit eigenen Augen gesehen! Ich sah es ja ein anderes Mal selbst!" rief er zornig. Die Triebe ist eme - Lügnerin und " Und ich?" fuhr er noch heftiger
auf.
Sie sind krank Sie sind beeinflußt-" Hahaha!" lachte er wüthend. , Einstweilen blieb Eva indessen in ihrem Flügel, und Dilte führte ihren kleinen Haushalt mustergiltig. Man konnte die Person, deren Vorzüge nicht zu verkennen waren, vorläufig nicht entbehren. Bei Eva ist der einzige Platz wo einem wohl wird," sagten Großmutter und Enkelin. Eine Woche ging so hin. Agnes und die Präsidentin erlebten gegen den Schluß derselben eine Ueberraschung, die sie vollständig verdutzte und dann mit tiefer Empörung erfüllte. Der Oberst erklärte ihnen beim Mittagessen mit verlegener Miene, aber doch sichtlich entschlossen, er finde, daß er seiner treuen Frau Triebe eine Anerkennung und Belohnung schuldig sei und habe die Absicht, sie von jetzt an am Familientisch mit speisen zu lassen, sie überhaupt ganz zur Familie zu ziehen. Frau Triebe habe in ihrer Bescheidenheit diesen Wunsch nie äußern mögen, er kenne ihn aber und hoffe, daß seine liebe Schwägerin nichts dagegen einwende. Die liebe Schwägerin hatte nur einen Moment die Fassung verloren, war aber blaß vor Aerger geworden. Hole mir doch ein Taschentuch," be fahl sie ihrer Enkelin. . Als Agnes, den Wink verstehend, verschwand, um nicht zurückzukommen, saßen der Oberst und sie sich eine ganze Weile kampfbereit, aber schweigend gegenllber. In der Seele der alten Dame gab es auf diese Zumuthung nur eine Erwiderung: die Abreise. Doch was wurde aus Eva? Konnte man sie mitnehmen? Würde sie selbst wollen? Sie hatte seitfamerweise gegen Agnes geäußert, als diese zufällig von dem Befreiungsmittel einer Reise für sie sprach: Ich verlasse Beuren unter keinen Umständen." Die Scheu vor den Menschen war nicht abzulegen, wie ein Kleid, dessen man überdrüssig ist. Dazu hatte man damals, als das Unglück über Eva hereinbrach, die blutjunge, verwöhnte Frau zu viel Gemeinheit und Niedertracht sehen lassen. Wenn Eva der Präsidentin zuweilen einzelne Züge davon erzählte sie rührte nur ungern an der verhüllenden, aber ach, so leichten Decke, welche das Vergessen und jahrelanges Schweigen darüber gebreitet, dann schauderte der alten, lebenserfahrenen Frau doch, die wohl derartige Dinge gehört und gelesen, der si? aber doch nie nahegetreten waren. Agnes wurden solche Mitthei-
lungen gänzlich vorenthalten. Sie lief, froh der landlichen Freiheit, m Feld und Wiesen auf weitem Umkreis herum, jeder kannte das junge, gnädige Fräulein born Schloß, das immer mit den Händen voll Blumen zurück kam. für Alt und Jung eln freundllches, grüßendes Wort, und für alte Leute auch immer irgend eine kleine Gabe hatte. Aber auch ein anderer Grund leitete von jetzt an Evas Thun und Denken: Wenn mein Vetter meint, ich solle kämpfen und ringen, so wÄ ich es und beides soll gegen das schlechte Weib gerichtet sein. Ich gehe nicht fort ich lasse ihr meinen Vater nicht als wehrloses Opfer, hatte sie Zur Präsidentin gesagt und Agnes rief: Das ist Ellerns Wort, Ellerns Einfluß!" Das war. im Grunde auch eine vollkommen - richtige Auffassung. Foa durfte der Triebe das Terrain nicht überlassen; könnte sie auch nicht viel gegen das intrigante Weib ausrichten, so war sie doch da sie hatte den alten Arzt, hatte EUern als hilfsbereite Freunde für den Nothfall. Nein Eva mußte hier bleiben! Aber 7run, jjiuiia, rvus agrn kzk zu meinem Wunsche?" unterbrach der Oberst die peinliche Stille in sichtbarer Verlegenheit. Ich frage mich, Schwager, welchen Zweck Sie haben können, mich zu kran ken!" Es kränkt Sie, wenn ich metne treue Pflegerin?" Bemühen Sie sich nicht, Altmann, unterbrach sie ernst, aber ruhig, sein Pathos, mit scyonen Ph'.asen ist mir nicht beizukommen. Erlauben Sie mir zwei Bemerkungen." Bitte!" Sie haben meine Augen neulich noch, ich weiß nicht, zum wievielten Male, ,sch'ön genannt, schön für mein Alter natürlich! Ich versichere Sie, meine Augen sind daneben sehr scharf, und das ist eine Eigenschaft, die meine Blicke m das Leben oft recht uner freuliche mir brachten. Es gibt so gewisse Dinge, vor denen eine ehrenhafte Frau am liebsten die Augen schließt. und eme gewisse, stillschweigende Ueber einkunft zwischen Leuten unserer Art, auf der einen Seite ein bißchen Komödie zu spielen, auf der andern so lange wie möglich zu thun, als halte man das Spiel für Wirklichkeit. Aber das Spiel muß fein sein und fein bleiben, um diese Heuchele: möglich zu machen. So und nun habe ich mich so klipp und klar ausgesprochen, wie es der 'Fall von mir fordert; ich denke, lieber Schwager, das genügt, und Sie r..r. C n.. r tv , luivenviren ore anioariell vis zu meiner Abreise zu memcn Gunsten." Dem Oberst war das Vlut zu Kopf gestiegen; er saß wie ein ertappter Schuljunge da, abtr es mußte doch ein Etwas in' ihm sie regen, wahrscheinlich die Furcht vor der Triebe, was ihm die Kraft zum -Versuch eines weiteren Widerstandes gab. Sie sah es seinen glühenden Augen
an, oafe er iyr gereizt antworten würde. . ,
Da wurde zum guten Glück Herr von Ellern gemeldet. , Ich kann ihn jetzt nicht sehen bitte, nehmen Sie ihn an!" sagte er zornig. Das that sie nur zu gern. Mochte der Herr Oberst sich erst beruhigen und besinnen. Der Hausherr blieb den aanzen Nachmittag in seinem Zimmer; er grollte und trank mit der Triebe eine Flasche nach der andern, wie die Dilie von dem Diener erfuhr. Nie war das Einvernehmen der Beiden besser aewesen. Passen Sie auf, Dilte. sie hat jetzt wieder Oberwasser, und das alte Leben geht wieder an. Ha, wenn ich sprechen dürfte! Wenn der gnädige Herr wüßte, daß dieser Vetter ihr Liebhaber ist!" hatte der Di?ner hinzugesetzt. Unterdeß begrüßte die Präsidentm den Gast im Garten und ließ dort den Nachmittagskaffee serviren. Agnes und Eva waren Arm in Arm gekommen, sobald die Großmama schickte; bei dem heiteren Eeplauder der drei jungen Leute überwand die alte Dame die ärgerliche Erregung nach und nach. Herr von Ellern, der feit mehr als einer Woche keine von ihnen gesehen, ergmg sich m drolligen Schilderungen ferner Vereinsamung und Sehnsucht; er war noch nie so heiter, ja beinahe übermuthig gewesen, sagte Frau von Sobotka Komplimente über das neue, von Gerson bezogene und heute-zum erstenmal getragene Kostüm, mteressirte sich lebhaft für die zwei andern, die sie ebenfalls behalten wollte, und knüpfte scherzhafte, philosophische Vetrachtungen an den Einfluß, den die Tracht auf den Menschen ausübt. Wenn die beiden jungen Damen dies auch erst bestreiten wollten, Eva mußte zugeben, daß sie sich froher und thatkräftiger fühlte, seit sie den Krankenrock" ausgezogen. Ueber ihre Thatkraft" machte er dann wieder zweifelnde Bemerkungen; sie sei mehr eine Blumennatur, meinte er, zu Leistungen im gewöhnlichen Sinn nicht sehr veranlagt und aus feinem Ton klang ihr trotz aller Scherze immer eine wahre Theilnahme entgegen, die auch Agnes nicht entging, so wenig wie das junge Mädchen übersah, daß Eva geradezu auflebte wie eine matte Blume unter Ellerns Augen und Reden. Und wie er geschickt dann doch ihre Energie zu wecken suchte. Sie sah brillant aus mit dem heißen Roth der Wangen und den leuchtenden Augen, die so rührend schüchtern sein Lächeln erwiderten. Kein Gedanke von Neid kam in Agnes' Seele. Eva, die achtundzwanzigjährige Frau, war ihrer Ansicht nach beinah alt zehn Jahre älter als sie selber. Ganz glücklich machte sie diese Theilnahme Ellerns für die Aermste," die gar nicht wußte, welche dunkle Wolken wieder über ihr standen. Der Professor hatte noch immer nicht geschrie bcn. (Fortsetzung folgt.) An Rindvieh weist das Ter ritorium Arizona nach der jüngsten Aufstellung 237.696 Stück zum Ge sammtwerthe von $1,578,625 auf.' E x P l 0 d i r t e Mine. Im japanischen Hafen Modschie explodirte eine Mine, als sie von dem Dampfer Daini - Echiyoda - Maru" abgeladen wurde. Zehn Personen wurden getödtet. viele verwundet. Der Dampfer war stark beschädigt. Farbige Schulkinder gab es in den 16 früheren Sklavenstaaten und dem Distrikt Columbia im Jahre 1903 1,573,632. Im Jahre 1877, in dem zum ersten Male ein Census der farbigen Schulen abgehalten wurde, betrug di Zahl jener Schüler nur 571,506. - Ein Hotel für Arbeit e r i n n e n wird demnächst in New Dork gebaut werden. Philanthropie und Geschäft werden dabei vereinigt werden. Die Vausumme wird sich aus $30fyO(X) belaufen, aber gewisse reiche Männer sind der Ansicht, daß ihre Auf bringung keine Schwierigkeit haben wird. Das Hotel wird wahrscheinlich in der Nähe der großen Läden auf der Westseite zu stehen kommen, wo viele Mädchen und Frauen beschäftigt sind. Sie werden wöchentlich von $3 bis $4 zu zahlen haben. Es wird ihnen er laubt sein, ihre kleineren Wäschestücke selber zu waschen. Ferner wird ihnen ein Zimmer mit Nähmaschinen zur Verfügung stehen. Eine Anzahl kleinei Empfangszimmer steht ihnen zum Empfang von Besuchern zur Verfügung. Religion oder Familienverhältnisse kommen bei diesem Hotel nicht in Betracht. Wenn Mädchen eine Zeit lang außer Arbeit sein sollten, so wird ihnen Kredit gegeben werden. Sie hat sich sehr gefreut! Die Großherzogin von Baden stattete unlängst der Frauenarbeitschule in Konstanz einen Besuch ab. Der Fürstin wurden sämmtliche Schülerinnen, unter anderen auch eine junge Teutsch-Amerikanerin, vorgestellt, und sie unterhielt sich mit ihr it englischer Sprache längere Zeit. Als sich, die Großherzogin an die nächste Dame wenden wollte, fügte die Amerikanerin mit einer tadellosen Verbeugung deutsch hinzu: Es hat mich sehr gefreut, Ihre werthe Bekanntschaft gemacht zu ha-den!-Die Großherzogin. lächelte verständnrßinnig und erwiderte schlagfertig: Ganz auf -meiner Seite, mein SEfniiI!!"
fwngnlz. und ZirirgJvctträll. lkeifers Wiederwahl inS NcprSscntautcnyans nd militärlsrr ckord. Unter den am 8. November 1904 gewählten 386 Mitgliedern des Repräsentantenhauses ds nächsten Kongresses befinden sich 285, welche bereits im gegenwärtigen Nepräsentantenhause Sitze einnehmen, und nur 101 neue. Von den letzteren haben jedoch fünf' schon in früheren Kongressen gedient,
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mm I p General I. Warrcn Keifer. unter ihnen General I. Warren Keifer von Ohio, der von 1881 bis 1883 sogar Sprecher des Hauses war. Es kommen demnach eigentlich nur 96 grüne" Mitglieder in den 59. Kongreß. I. Warren Keifer, der 1836 in Clark County, ., geboren wurde, studirte die Rechte und wurde 1853 zur Barre zugelassen. Er trat bei Ausbruch des Bürgerkrieges als Major in das 3. Ohio-Freiwilligen-Negiment ein und stieg während des Krieges, in dem er mehrere Verwundungen empfing, zum Range eines Obersten und Brigadegenerals der Freiwilligen auf. Keifer ließ sich 1866 als Anwalt in Springfield, O., nieder. Er gehörte in drei Terminen dem Senate des Vuckeye"Staates an und war von 1877 bis 1885 Mitglied des Ver. Staaten-Re-präsentantcnhauses, wo er, wie erzählt wird, vergeblich dagegen ankämpfte, daß man seinen Namen- Kiefer und nicht K e i f e r aussprach. Im spanischen Kriege fungirte Keiser als Generalmajor der Freiwilligen. Er' hat ein Buch Sklaverei und vier Kriegsjahre" geschrieben. Der Köstrndirrcr. ltcr Vrau?z Itl Einladungen für Hochzeiten in Schlcsvig-Holstcw. Einem alten lustigen Brauche, der mehr un'o mehr im Schwinden begriffen ist, begegnet man noch hin und wieder in Schleswig-Holsiein. Er betriff! den Hochzeitsbitter, den man auf dem Lande umherwandern sieht. Der Hochzeitsbitter, auch Kostenbirrer" genannt, schreitet gar gravitätisch einher. Er trägt einen niit vielen bunten seidenen Bändern und einer Krone geschmückten Stab und geht unter vielem Jauchzen auf der Straße von Ort zu Ort zu den zur Hochzeit zu ladenden Gästen. Hier hält er mit großer Würde eine durch eine alte Formel HochzeitSbitter. feststehende Anrede in der dortigen plattdeutschen Mundart, wobei er bei allen ihm wichtig erscheinenden Worten mit dem Stab mit Nachdruck auf den Fußboden stampft. Nachdem der Eingeladene dann ein seidenes Band "an dem Stab befestigt und einen tiefen Griff in's Portemonnaie gethan hat, verläßt der Hochzeitsbitter mit einem 'Juch!" das Haus. Zuweilen jedoch, wenn der Hochzeitsgeber die Sache recht glänzend' gestalten will, läßt er den Hochzeitsbitter eines seiner Pferde besteigen, und unter großem Jubel reitet diefer dann bei jedem Einzelnen durch die Vlangendöhr" (Seitenthür im Vauernhause, 'also nicht die Groddöhr"), über die Vordiele direkt in die Stube hinein. ': c Wie in anderen deutschen Land. nimmt indeß auch in dem meerumschlungenen" Schleswig-Holstein der Bauer" immer mehr städtische Sitten an. Er ladet meist seine Gäste zur Hochzeit brieflich ein und läßt so den alten lustigen Köstenbirrer" allmälig hinsterben. Die Küstenartillerie der Ver. Staaten hat gegenwärtig eine Präsenzstärke von 894 Offizieren und 6065 Mann.
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