Indiana Tribüne, Volume 28, Number 83, Indianapolis, Marion County, 28 November 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne, 2S. November

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.fron Iiitffin tt V.' Uno ffire ösjiie Jk. -!. .?-t. Kl- '!-:- -:4 44 44 (Fortsetzung) 1t -H t Di: Frauen waren meist sehr liebenswürdig zu ihm. Besonders Zeigten kluge, gebildete und nicht mehr ganz junge Mädchen, an denen die Berliner Gesellsehest allzeit reich gewesen ist, eine Vorliebe für seine Unterhaltung vielleicht auch für seine Person. Traf er so eine. war'S schließlich kein verlorener Abend, denn er verlegte sich, wie auf einen Sport, auf das Entdecken von Jndividualitäten unter den jungen Berliner Dainen. Hoffentlich war die Bundorf heut Abend da mit der plauderte sich's gut. Nur dachte er manchmal, er müsse sich doch in acht nehmen sie war gerade von der Art, die seine Mutter ihm wünschte. Ach aber so nüchterne Preußin . . . Und gewiß schon vierundzwanzig Ach Gott, er und heirathen! Abschließen . . . Er. der so mitten in überreichem Beginnen stand . . . Fräulein von Bundorf kam sehr bald auf Bürgelin zu. Sie verabschiedete zuerst zwei große Gardekavalleristen. Vettern von ihr, mit der jk sie geplaudert hatte, und reichte Karl dann mit kurzem festem Druck die Hand. Waren Sie heut bei Schulte?" Nein." Dann gehen Sie, bitte, morgen. Hören Sie, versprechen Sie mir, daß Sie gehen wollen?" Ja was ist denn los?" Eine Landsmännin von Ihnen ha! dort Sachen ausgestellt " Eine Schweizerin?" Nein eine Dame von Bernhardshausen." Meine Gnädigste Sie wissen doch, daß ich des Morgens gebunden bin." Ach,Jhre Kunstgewerbeschule nun, so gehen SlZ eben unter Mittag." Da muß ich mich erholen." Und ich sage Ihnen, Sie müssen morgen zu Schulte!" (önadiges Fräulein ich bin erstaunt! Sie haben mir noch nie etwas Schlechtes empfohlen . . . Aber wenn ich nun höre, eine Dame aus Bernhards Hausen, so bin ich doch zweifelhaft. Ist's wirklich etwas Tüchtiges? Steht es auf gleicher Höhe sagen wir mal. mit Ihren eigenen Aquarellen? . Auf dem Gesicht des großen blonden Mädchens mit der stolzen steifen Haltung zeigte sich ein merkwürdiger Aus druck. Bürgelin beobachtete ihn überrascht. Er hatte nicht geglaubt, daß so viel Schmerz, so viel Seele aus den festen Zügen sprechen konnte. Tüchtig sind die Sachen nicht," sagte sie. Manches ist kindisch, um sich darüber zu ärgern. Aber dann wieder Sie hat gerade daö, was ich nicht habe was man nicht lernen kann. Haben Sie MiaWöhler nicht gekannt?" Mm ach . . .? Ich wußte gar nicht, was aus ihr geworden sei." Ich traf sie eine Zeitlang bei Gus sow. Dann blieb sie aus. Man sagte, sie habe kein Geld, die Stunden zu bezahlen. Sie soll dann allein gearbeitet haben. In ihrem Privatleben ist wohl nicht alles ganz klar. Lebt sie hier in Berlin?" fragte Karl eifrig. So viel ich weiß, ja. Die böse Welt sagt, zusammen mit einem .Doktor Fahrenhorst, der nicht ihr Mann ist." Karl neigte den Kopf und blickte sinnend vor sich nieder.Sie ist heut Abend schon eine Berühmtheit. Sie wird es morgen noch mehr sein." Was Sie sagen," murmelte Karl zerstreut. Er dachte an Mm und seine Jugendliebe, feine jungen Schmerzen. Ihre Malerei interessirte ihn in diesem Augenblicr nur wenig. Und da hat nun das thörichte Mädchen Nch ihre ganze. Zukunft durch dies: Liebschaft verdorben," sagte Fräulein von Bundorf etwas scharfer. Es ist bedauerlich. Wer wird sie denn noch einladen einige ganz exaltnte Kunst schwärmer!" Glauben Sie wirklich, daß es das Glück des Lebens ausmacht, von Verli ner Bankiers und Geheimräthen eingeladen zu werden?" Das Glück?' Wer redet davon, sagte die Bundorf kühl. Aber es ge. Hort doch nun einmal dazu. . Vielleicht findet das Mia Wöhler nicht." Wahrscheinlich nicht wie alle Ausg:stoßenen. Es ist die Geschichte vom Fuchs und den Trauben. . Karl fand Fräulein von Bundorf unausstehlich. Sehen Sie das verstehe ich nun nicht an Ihnen," begann er. Sie haben mn. so viel Kluges über das La cherliche unserer Geselligkeit gesagt, daß ich nicht begreife, wie Sie sie so hoch anschlagen können. Ich schlage sie gewiß nicht hoch an Aber ich will die Wahl haben, an ihr theilzunehmen oder nicht, je nachdem es mir paßt. Nicht theilnehmen zu dürfen. würde mir unerträglich fern. Das ist ein Standpunkt, den ich gelten lasse. Es gibt auch andere.

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ii Ilorna n Von Gabriele Neuter n tt ,s7, K . TT t v 4$ Ü ö Ich will mir morgen die' Bildn von Mia Wöhler ansehen." Weil sie gesellschaftlich unmöglich ist?" fragte Fräulein von Bundorf spitz. Karl nickte lächelnd. Ebendeshalb!" Ach. wenn Sie nur nicht immer den , 7 . r i u oonoeuinq lpieien iuüuuu. Sie stand. im Begriff, sich mit leichtem Gruß vrn ihm zu wenden, als Karl sie leise fragte: Wer ist die Dame dort m der eigenthumlichen rosa und lila Toilette . . . Grun ist auch noch drin. Aber wie reizend ist das alles kombinirt und abgetönt!" Eine Pariserin. Ah natürlich!" Die Toilette wenigstens. Die Dame hat, soviel ich weiß, etwas Kreolenblut in sich. Sie besucht hier ihre Kousine, deren Mann der französischen Gesandtschaft beigegeben ist. Soll ich Sie be kannt machen?" Bitte." Die beiden wanden sich durch die Menge, welche stehend unh plaudernd den Saal füllte. Gräfin, erlauben Sie, daß ich Ihnen Herrn Karl Bürgelin. vorstelle." Fraulem von Bundorf redete gleich darauf jemand von ihren Bekannten an und überließ Karl seinem Schicksal. Madame," sagte Karl auf franz'osisch, ich muß Ihnen gleich erklären, daß ich mich habe vorstellen lassen, um Ihre eigenartige Toilette in der Nähe bewundern zu dürfen. versetzt mich immer in Erstaunen, wenn eine Frau einmal wagt, sich individuell zu kleiden, und wenn cs dann auch gelingt und nicht aussieht wie Thiaterplunder." Monsieur ist Maler oder Schnei der?" fragte sie neckisch. Kerns von beiden." antwortete Karl. Aber ich wollte, ich wäre ems oder das andere. Dann wäre ich doch etwas." O diese Deutschen! Jeder von ihnen muß ,etwas' sein, muß arbeiten! Warum nur? Ich, bin doch auch nichts?" Madame sind angenehm anzusehe? und das bin ich leider nicht." Eh meinen Sie? Davon mu& ich mich einmal überzeugen." Ihre Augen weilten auf semem Gesicht, und Karl bekam den Eindruck, es würde während des Blickes ein ganze? Ehristbaum von strahlenden, blitzenden. funkelnden Lichtern in dem braunen Grunde angezündet. Er fühlte sich um zehn Jahre verjüngt, er wurde knabenhaft lustig, ja übermüthig. Er bemerkte mit frohem Erstaunen, daß die kleine Gräfin ihn witzig und unterhaltend zu finden schien, ja, daß sie augenscheinlich etwas Außerordentliche in ihm vermuthete. Wahrscheinlich hat meine Unverschämtheit, sie gleich auf ihr Kleid anzureden, sie auf fo schmeichelhafte Vermuthungen gebracht. Na. Gott und der guten Mademoiselle sei Dank, ich kann doch wenigstens ordentlich franzosisch schwatzen." Die Gräfin er wußte nicht einmal ihren Namen ließ sich von ihm zum Büffett führen. Er fand in dem Menschengedrange 'glücklich ein kleines unbesetztes Tischchen, wo er seine Dame mit Kaviar, Creme und Sekt versorgte. Bezaubert lauschte er ihrem le'icht flüssigen, munteren Geplauder. Sie machte ihm wirklich und wahrhaftig ein bischen den Hof, wie einem richtigen berühmten Manne. Ach darin lag eine bittere Süßigkeit oder eine süße Bitterkeit. Er wußte nicht recht, ob er sich freuen oder schämen' solle . . . Und während er sie einmal lange betrachtete, mit dem Blicke des Mannes, in dem Wünsche und Begierden wach werden, fielen ihm seine Morgen- und Nachmittagsstundcn in der Kunstgewerbeschul ein . . . Die junge Frau lehnte sich etwas vor, er fühlte die linde Seide ihres Kleides fein Knie berühren, er athmetdas feine Parfüm ihres Körpers und hörte kaum, wie sie ihn fragte: Mol len Sie mich morgen früh zu Schulte begleiten ... Ich höre, dort ist etwas, das man sehen muß . . . Bilder eines jungen Mädchens. alle Welt spricht davon!" Karl fuhr wie aus einem Traume auf. Es war hohe Zeit, daß er aufwachte, dachte er mit einem plötzlichen Schrecken. Er fühlte, wie die Frau ihn willenlos an sich zog er hätte können geradehin vor ihr niederfallen und den Kopf in ihren Schooß drücken und schluchzen vor Verlangen nach dieser reizenden, kleinen Gestalt. Er mußte sich förmlich wie aus einem Schwindel, einer seligen Betäubung losarbeiten. Komtesse, ich , habe morgen früh keine Zeit!" sagte er kurz und abgebrochen. direkt grob. Sie sah ihn verwundert an. Ich glaubte, Sie hätten nichts zu thun arbeiteten nicht?" Ob ich nicht arbeite! Sehen Sie doch meine Hände an." Die Gräfin lachte über das ganze Gesicht. In der That, ich sehe . . ." Karls Nägel waren kurz und von Thon und Koblenstaub verdorben. Eh dien, so unterbreche!? Sie mor gen einmal diese ... diese schmutzig! Arbeit."

Er schüttelte den Kopf. Das kernn ich nicht." Auch nicht, wenn ich Sie bitte? Und wieder flammte und funkelte bei Christbaum im Grunde der braunen Augen. ' Karl senkte hilflos den Kopf. Von ein Uhr an bin ich frei wenn Sie sich nach meiner Zeit richten wol len?" . Tant pis . . . Sie scheinen mir ein rechter deutscher Tyrann?" War.ich grob?" , 0in teciß. Mon dieu, man ist eben in einem Barbarenlande." Ja, das ist nun nicht zu ändern. Also morgen? Aber ich werde keine Zeit haben, Toilette zu machen..." O, o ich bin neugierig, in welchem Aufzug ich Sie finden werde! Vielleicht sind Sie Maurer und kommen kalkbespritzt von einem Bau? Soll ich Ihnen einmal in einem Blechtöpfchen ein wenig Gouter bringen? Das wäre doch ein Spaß! Gestehen Sie! Wc sind Sie zu finden? Ich hole Sie mit meinem Wagen ab!" -' Sie klatschte in die Hände, wie tn Kind, das sich eine Tollheit ausgedaat hat. Karl schlich ein sarkastischer Zug um den Mund. Er legte das Kinn in die Hand und blickte sein Gegenüber lauernd an. Warum machen Sie jetzt ein fr mephistophelisches Gesicht? Sie plann eine Bosheit!" Karl schüttelte sanft den Kopf. Ich würde mich nicht unterstehen . . . Wenn

gnädige Gräfin um eins bei Schulte vorfahren, werde ich mir gestatten, Sie dort zu empfangen. Ach, gehen Sie Sie sind langweilig." Langweilig, wie die gute Form es verlangt. Ich verachte die gute Form. Ich betheuere Ihnen, ich verabscheue sie, d.iese guten, guten Formen! Karl lächelte milde, wie man üb"r die Eapneen eines Kindes lächelt. Die kleine Pariserin hatte sich im Stuhl zurückgelehnt, in einer Stellung, die Karl überzeugte, daß sie durch irgend eine berühmte Chanteuse in Mode gekommen war. Die weißen Zähnchen in dem lebendigen, ausdrucksvollen, nie einen Moment ruhig geschlossenen Mündchen blitzten ihm in einem herausfordernden Lächeln engegen. Madame steht es naturlich frei, die gute Form zu verachten, so viel es Ihnen Vergnügen macyt, lagtc er cere moniös. Ich möchte nur einmal Jh Gesicht sehen, wenn ein andrer sie im Verkehr mit Ihnen verachten wollte!" Welch armselige Meinung Sie von mir haben." Ich halte Sie nur für das, was Sie sind und auch sein wollen: für eine sehr vollkommene Salondame. An Ihnen ist alles Kunst vom Scheitel bis zur Sohle von der Spitze des kleinen Fingers bis zum letzten Gefühl im Herzen. Weh dem Thoren, der Ihres gleichen mit Natur kommen wollte... Mit irgend einem natürlichen Empfinden ..." . Was sird Sie für ein seltsame Mensch. Das hat mir noch Niemand gesagt." Ich glaube es gern." Sie meinen also," fragte die kleine Gräfin nachdenklich, daß alle Leute kunstlich mit mir verkehren? Gewiß. Seien Sie ganz sicher, daß Sie noch niemals einen Menschen in seinem naturlichen Zustande gesehc haben." O aber ich möchte es," flüsterte fr halblaut vor Aufregung. Seien Sie doch einmal naturlich mit mir!" Ich werde mich hüten." So feige? Und wenn ich Ihnen die . . C f ") F- I ausoruaiicye nauomn erlyeuee Auch dann würde ich nicht den Muth haben." Ach. gehen Sie. Ich hielt Sie für etwas andres . . . Karl lächelte überlegen. Ich wünsche mir nicht, daß Sie mich schon rn eine halben Stunde verabscheuen." Das seidene Gewand in der Nähe seines Kniees bewegte sich mit leisem Rascheln. Er sah, wie der rnngen Frau ein Schauer über den Leib lies. Und dann sah er einen Moment nichts mehr, vor ' seinen Augen tanzte eine wilde Jagd von Feuerfunken. Sie saßen an dem kleinen Tische wi, auf einer einsamen Insel, und die geschmückte Menge umwogte sie wie das rauschende, unpersönliche Meer. Morgen um eins bei Schulte?' fragte Bürgelin endlich kurz und hei ser. Sie neigte bejahend den Kopf. Dort krnmt der Mann meiner Kousine, sich nach mir umzusehen. Darf ich die Herren bekannt machen?" Ich hatte bereits das Vergnügen." Karl und Herr von Nosailles reichten sich die Hand.' Sie wollten mit uns heimfahren Violette? fragte der Franzose. Ja. ich hatte es mit Claire verabredet. Au rcvoir, messieara." Madame!" Karl verneigte sich Seine Blicke folgten ihr, während sie sich mit ihrer eigenthumlich pikanten ST- . F C . t ' Grazie zwieyen oen piauvernoen meen fchengruppcn. den seidenen Schleppen hindurchwand. Und schließlich war sie thm plötzlich entschwunden, als habe sich in dem Farbengewühl aufgelöst. Er ging nach Haus. 22 K a p i t e l. in reif- und frostfunke oer Wintertag mit emem hen, blauen Himmel über den weißmstarn filtert Linden, und einem leb

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haften MenlaMWW.ck den Trot

toirs. Karl stand in sehr korrektem

Visitenanzug vor Schuttes Kunsthanolung und sah den voruberrollendcn Wagen entgegen. Er hatte doch heut die tägliche Arbeit versäumt, hatte ausgeschlafen und sah fnscy und sogar ein wenig rosig aus, was ihm sehr gut stand. Natürlich ließ die Gräfin warten. Er begann zu frieren und trat in den Ausstellungssalon. Er war auch neugierig, was Mia denn da eigentlich geleistet hatte. Die gute Mia... Wie weit ihr Andenken zurücklag... Und doch war das Gefühl, das er für sie empfunden, das schönste, was sein Leben ihm bisher gegeben hatte. Nun sollte er rn ihre Welt hineinschauen dürfen, in ihre Seele, die ihm damals so hartnäckig verschlossen wurde..', jetzt, in einer Stunde, wo er kaum noch Interesse für das Gebotene empfand. Aber als er um sich schaute, wurde er gefesselt. Das waren freilich nxfrt die gewöhnlichen Blumenstücke, geschmackvoll n der typischen Kupferschale oder in dem grünen Glase geordnet... Die Motive unendlich einfach: eine hohe blaue Glockenblume wucks aus dürrem 'Buchenlaub empor ein Stuck Waldw:ese im Mondschein und zwei weiße phantastische Blüthen, dce zärtlich sehnend gegeneinander strebten ein strudelndes grünes Wasser, von dem em blaroth-bluhender Tamanskenbusch gepeitscht wurde und zitternd leiden mußte ... In ieder kleinen Studie eine Offenbarung von dem geheimen Leben der Pflanzen, von einem zarten. seltsamen Dasein, das Menschen son" nicht sehen, nicht beachten, nicht verstehen. Und in ieder Arbeit auch em Stück Mia . . . Manches war mit kindischen Mitteln erreicht manches rn" einer unbewußt starken Kraft Hingesekt einiges aus Intuition der raffinirtesten Wirkung heraus entstanden und einiges grotesk und verfehlt. Aber alles in allem: die zwanzig Bilder und Studien bedeuteten das Werk einer Persönlichkeit, die man niemals wieder vergaß, wenn man sie einmal begriffen hatte. Und wenn einer, so begriff si Karl Bürgelin. Er ging mit zusammcngebissenen Zähnen von einer Leinwand zur andern. Er war blaß geworden vor innerer Bewegung. Mia hatte erreicht was ihm wie ein ferner, wunderbarer Traum vorschwebte, mit dem er sich in müßigen Stunden, in kindischem Phantasiespiel beschäftigte. Welch ein Wollen welch ein Können ... Eine reine, ungebrochene, feste Seele sprach aus diesem Werk . . . Wie beruhigt mußte man in sich elbst sein, um so das geheime Leben der Na tur belauschen und rn sich trinken und begreifen zu können . . . Er, Karl Bürgelin. wollte ia etwas ganz andres. Aber doch . . . Mia hatte erreicht, was sie wollte . . . Die Glückliche ... In seinem Herzen schrie der Neid und eine heiße, wilde Begierde nach dem Werk seines Lebens Thun schaffen wirken . . . Einer sein! Ein Ganzer! Dies Mädchen hatte ihn überholt... War unbemerit mit leisen Schritten, mit stiller Arbeit an ihm vorüber und ihm voraus a schritten... Mia... Er haßte sie, er bewunderte, er beneidete sie. O, wie er sie beneidete! . . . Das stolze Gebäude seiner Träume stieg riesengroß vor ihm auf, gewaltig, furchtbar, dräuend... Die Brust war ihm wund, wie von Feuer verzehrt, di. Kehle trocken, die Augen heiß. Er hätte jetzt nicht plaudern können. Nur je;1 mcht diese Gräfin sehen, die er fast verabscheute, weil sie ihn verführt hatte, feine Arbeit zu verlassen die mühevolle, langwierige Anfängerarbeit, die noch vor ihm lag, zu der er alle Mor gen seine schlaffe Energie mit allen Mitteln des Ehrgeizes aufpeitschen mußte. In tiefen, schweren Träumen verließ er die Ausstellung und ging die Linden hinab. Da fuhr der Wagen der Grasm Violette an ihm vorüber. Sie winkte eifrig dem Kutscher und ließ halten. So mußte Karl wohl herantreten und sie begrüßen. Kuckuck auch, wär' ich doch in die nächste Querstraße gebogen," dachte e dabei. Alle Freude zu der reizenden Frau war ihm verschwunden. Sie be merkte es noch nicht. Sie war zu fröh lich, ihn noch glücklich erwischt zu ha ben, nachdem sie ihn fo unverantwort lich lange hatte warten lassen... Sie waren natürlich längst in der Ausstellung?" Allerdings . . ." Nun?" Es ist schon fehenswerth. Nur w?ß ich mcht, ob Sie es verstehen werden . . Es ist so deutsch... So seltsam deutsch... Gräfin entschuldigen Sie mich... Halten Sie mich meinetwegen für den größten Bären, der Ihnen noch begegnet ist aber besuchen Sie die Bilder allein und beurlauben Sie mich. Ich bin heut Nicht gesellschaftsfähig." Es fällt mir gar nicht ein, Sie zu beurlauben. Ich habe mir im Gegentheil vorgenommen, Sie zu bitten, naca her bei mir zu frühstücken. Sie werden mr das Vergnügen nicht verderben? So hart sind Sie nicht können Si- .a gar mcht sem? Es ist so lang V .A. immer allein zu essen . . ." (Fortsetzung folgt.) Wer ve'ranlwort llcye er ausgeber des Jungtürkenblattes Osmanli" in Genf, Dr. Abdullah Djerve Bey. ist wegen fortgesetzter Beleidi Ming des Sultans durch Verfügung des Vundesrathes aus dem Gebiete Ur. schweizerischen Eidgenossenschaft aus gewiesen worden.

Europäische Nachrichten

Provinz Brandenburg. Berlin. Im Zeuthener See hat sich der Postbeamte Kreßmann von hier ' ertrankt. Die Leiche wurde zetzt geboen. Kreßmann war ein eifriger Besucher der Pferderennen und durch Wetten in Schulden gerathen. Reue über die Vernachlasstgung leiner FaMilie hat den 30 Jahre alten Gurtler Alexander Splittstößer aus der Pücklersiraße No. 13 in den Tod getrieben. Der Mann ließ vor zwei Jahren seine Frau mit zwei Kindern im Alter von 7 und 10 Jahren imStich und zog mit einer 26jährig.en Arbeiterin zusammen. , Bald bereute er diesenchrltt und wiederholt äußerte er, daß er sich das Leben nehmen werde. Kürzlich vergiftete er sich. Einer unserer alten Miibürger, der frühere Backermeister, jetzige Rentner Ehr. Kohl, beging im 84. Lebensmhre stehend, in voller Rüstigkeit sein 50jähriges Bürger- und Meisterjubiläum. Tödtlich verunglückt ist auf dem Kohlenplatz von Schiebe! & Co., Quitzowstraße 32, der Anweiser August Krause. Er war gerade mit Lowries beschäftigt, tli er plötzlich zwischen zwei Puffer geneth. Da durch zog er sich eine Quetschung der Brust und des Bauches zu. Sein rechter Arm wurde vollstanrng zermalmt. Durch Absturz lebensgefährlich verletzt wurde der 32 Jahre alte Maurer Ulrich aus der Birkenstraße. Er war auf dem Fabrikationsgebäude der Fir ma Riemens cz aisie am nonnendamm beschäftigt. Infolge eines Fehltritts stürzte der Unglückliche vom Gerüst in der Höhe des dritten Stockwerkes zur Erde und erlitt einen Schädelbruch sowie einen Bruch mehrerer Rippen und beider Beine. Der 2jährige Sohn des im zweiten Stockes des Hauses Hussitenstraße 42 wohnenden Arbeiters Hein stürzte von dem Blumenbrett vor dem Küchenfenster in den Hof hmab. Er erlitt emen Schadelbruch und verschied nach kurzer Zeit. Ein Liebesdrama hat sich in der Koppenstraße 28 abgespielt. In der Knopflochfabrik von Warkatz arbeiteten ein 23jähriger Max Klobe und die 17 Jahre alte ' Emma Pinkernelle. Zwischen beiden entwickelte sich ein Liebesverhaltnlß, von dem aber die Eltern des Mädchens nichts wissen wollten, da ihnen Klobe nicht gesiel. Um den Beziehungen ein Ende zu machen, verzogen die Leute nach der Fruchtstraße und ihre Tochter nahm einenDienst an. Letztens traf Klobe seine Geliebte und nahm sie mit in die Fabrik. Hier schloß er alles ab und öffnete dann den Gashahn. Als später der Geschäftsinhaber kam, fand er das Paar todt daliegen. B l u m f e l d. Der Wilderer, der hier kürzlich den gräflich 'Arnim'schen Förster Strempel erschossen hat, ist in Berlin verhaftet worden. Es ist der 82 Jahre alte Hausdiener Josef Umblat. Charlotten bürg. Im Straßenverkehr schwer verunglückt ist der Fuhrherr Scholtz aus der Lützowerstraße 3. Dem bejahrten Manne war auf dem Wilhelmplatze das vor seine Droschke gespannte Pferd, das er erst gekauft hatte, durchgegangen. Scholz stürzte so unglücklich von seinem Sitz auf's Pflaster, daß er mit dem Kopf und Oberkörper unter einen vorbeifahrenden Lastwagen gerieth. Obwohl dieser sofort hielt, hatte Scholz .doch schon zahlreiche Verletzungen erlitten. D r i e s e n. Im Alter von 95 Iahren verstarb hier der Stadtälteste Rentier Klaus, der bis zu seinem Lebensende von geistiger Frische war. Groß - Beeren. Der Magisirat von 'Berlin hat beschlossen', auf dem hiesigen Schlachtfelde ein großes Denkmal zu errichten. Köpenick. Sein 25j'ahriges Jubiläum als Leiter es Kirchenchors der Stadtkirche konnte Rektor Herzfeldt feiern. Ebenso blickte er auf eine 25jährige Thätigkeit als Dirigent der Köpenicker Liedertafel zurück, zu deren ältesten Mitgliedern er zahlt. Seine Lehrthätigkeit übt Herzfeldt hier bereits 32 Jahre aus. Nieder - Schöne weide. Auf dem hiesigen Rangirbahnhofe wollte der Lokomotivheizer Frühbuß einen in Bewegung befindlichen Güterzug besteigen, fiel jedoch dabei so unglücklich, daß ihm durch die Wagenräder ein Bein am Knie abgetrennt wurde. Er wurde in dre Chante gebracht, wo er starb. R a t h e n o w. Durch einen hier eintreffenden Zug der Stadtebahn wurde die 68jährige Ehefrau des Besitzers Ludwig überfahren. Beide Beine wurden ihr unterhalb des Knies abgetrennt. Frau Ludwig ist ihren Verletzungen erlegen. Provinz Westpreußen D a n z i g. , Erstochen, wurde der unverheirathete Arbeiter Dunke in Heubude auf der Landstraße bei einem Streite von dem Schlosser Robert Zegke, der in Plehnendorf an der fiskalischen Werft beschäftigt war. Der Gestochene, der gleichfalls ein Messer in der Hand hatte, ucf nach der Ver letzung noch über 100 Meter und drach dann todt zusammen. C h r i st b u r g. In der Papier Handlung der Wittwe Lur entstand Feuer; es griff mit solcher Macht um sich, daß es den Einwohnern Frl. Braun und Schwester nur noch gelang, in den Kleidern, 'in welchen sie

sich augenblicklich befanden, ins Freie zu flüchten. Das abgebrannte Wohn-Haus-gehört dem Kaufmann Oskar Freytag. - Dir schau. Auf dem hiesigen Rangier - Bahnhofe verunglückte der 26jährige Weichensteller Franz Ellert, Sohn des Weichenstellers Ellert von hier. Beim Rangieren fiel er vom Trittbrett unter die Räder, und es wurden ihm beide Beine bis zum Knie abgefahren. Flatow. Einen schweren Unfall erlitt die Arbeiterin Franziska Eskowski aus Zandersdorf, indem sie von dem Heuboden stürzte, wobei sie auf eine Heuforke fiel, deren Zinken

ihr rn den Unterleib drangen. Heubuden. Die dem Hofbesitzer Neufeldt gehörigen Wirthschaftsgebäude brannten mit emem Theil der Ernte und sämmtlichen landwirthschaftNchen Geräthschaften vollständig Nieder. Acht Pferde kamen in den Flammen um. I a st r o w. Der m Jmlerlreljeu rühmlichst bekannte emeritirte Lehrer Flöhrke Hierselbst, früher in Petzewo. feierte sein 50jähriges Imker - Jubiläum. Um die Bienenzucht rn unse rem deutschen Osten hat sich der Jubilar sehr verdient gemacht. O s l a n x c. Das 3i2iahrige Kino des Arbeiters Troyke wurde von einem Fuhrwerk überfahren und war auf der Stelle todt. S ch w e tz. In Bankauermühle brannten Wohnhaus, Stall und Scheune des Eigenthümers Hertzberg nieder. Das Feuer kam rn der neuen Scheune aus. Die Ursache des Brandes ist nicht aufgeklärt. T u ch e l. Selbstmord verübt hat der schon bejahrte Brunnenbauer Hansen. Er bedrohte mit einem Revolver die in demselben Hause wohnende Frau Scheffs und feuerte zwei Schüsse ab. Eine Kugel traf die Frau in den rechten Oberschenkel, durch die zweit?. Kugel wurde eine Frau Dietrich verletzt. Hansen flüchtete, als er das Hilfegeschrei hörte, in seine Stube und tödtete sich durch einen Schuß in den Mund. Man nimmt an, daß Hansen in einem Anfalle von Geistesstörung gehandelt hat. Srovinz Hskpreußen. ' . Königsberg. Unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten v. Moltke hat sich hier ein Comite gebildet, das die Schaffung eines in Memel zu errichtenden Nationaldenkmals zum Gedächtniß des Jahres 1807 einleiten wird. Das Denkmal soll der Erinnerung an den mehr als einjährigenAufenthalt des Königs Friedrich Wilhelm des Dritten und der Königin Louise in Memel, an die politische und militärische Wiederaufrichtung, die von Memel ihren Ausgang nahm, und der Erinnerung an die großen Männer gewidmet sein, die an dieser Wiederaufrichtung mitgearbeitet haben. Kammergerichtsrath Geh. Justizrath Rauer ist yier in den Ruhestand getreten. Er hat etwa 45 Jahre im Justizdienst gestanden. Von einem Neubau in der Kaiserstraße ist der Maurergeselle Rüdiger zwei Etagen hoch abgestürzt. Er erlitt dabei so schwere innereVerletzungen, daß er nach dem städtischen Krankenhause gebracht werden mußte. A l l e n st e i n. In dem Gehöfte des Besitzers Laschewski in Göttkendorf, welches gegenüber dem Bahnhof hart am Geleise liegt, brach Feuer aus. Wegen des großen Wassermangels könnte nichts gerettet werden. Der gesammte Einschnitt sowie drei Pferde, mehrere Schweine und anderes Vieh sind verbrannt. 5 Später wurde auch das Wohnhaus, aus welchem, man schleunigst die Wirthschaftsgeräthe hinausgetragen hatte, erfaßt und brannte nieder. Von dem Fluafeuer wurden bald darauf auch das WohnHaus, Schuppen, Scheune und Stall des etwa 150 Meter entfernt wohnenden Besitzers Groß erfaßt. Sämmtliche Gebäude gingen in Flammen auf. Darkehmen. Durch einen unglücklichen Sturz um's Leben gekommen ist der frühere in Wischtecken wohnhafte Gutsbesitzer Hagen. Auf seiner jetzig Besitzung hier war er auf's Feld geritten, stürzte dort mit dem Pferde und erlitt einen Genickbruch. Der Tod trat auf der Stelle ein. F r.i e d r i ch s h o f (Ortelsburg). Infolge des hiesigen Großseuers sind 31 Familien obdachlos geworden. Der Schaden ist sehr groß, da die Gebäude nur mäßig, das Inventar in den meisten Fällen garnicht versichert war und manche der Bedauernswerthen um ihr gesammtes Hab und Gut gekommen sind. Leider ist auch der Verlust eines 'Menschenlebens zu beklagen. Der mitabgebrannte Faber ist höchst wahrfcheinlich infolge von Rauchvergiftung gestorben. Jnsterburg. Sein 50jährigs Geschäftsjubiläum feierte Kaufmann Heinrich Reiß von hier. N e u f e l d e. Ein beklagenswerthes Unglück hat die Kaufmannsfamilie ahmel betroffen. Das einzige zweijährige Söhnchen fiel von einer Brücke ir. einen nahe am Hause vorüberführenden Kanal und ertrank. Pech. Dichterling: Das ist doch gemein; nun laufe ich stundenweit heraus ins Freie, um durch den frischen Erdgeruch Anregung zu einem stimmungsvollen Gedicht zu bekommen, und nun will mir absolut der famose Würstelduft, den ich vorhin bei einem Schlächterladen gerochen habe, nicht auö der Nase."