Indiana Tribüne, Volume 28, Number 82, Indianapolis, Marion County, 26 November 1904 — Page 7

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(Fortsetzung.) Sie forschte mit der Erinnerung in seiner Kindheit, und überall entdeckte ste nun Talentspuren. Mademoiselle gemahnte ste an die seltsame Ausschmückung seines Zimm?rs, welche vor Jahren so viel Anstoß bei ihr erregt hatte. Ja, Si: haben Necht, meine Liebe, heute betrachtet man nun die Sache von einem anderen Standpunkt . . Und gutlaumg setzte ste hinzu: Ab: ich hoffe doch, daß seine neue Kunst etwas besser riechen wird." , ' O," rief ste, ungeduldig mit dem Fuß stampfend und die Hände ballend, wäre ich jetzt eine reiche Frau! Ich meine nicht, was man hier in Deutschland reich nennt, wenn man eben genug hat, ein menschliches Dasein zu führen! Nein, einen soliden englischen Neichthum, wenn mir der jetzt zu Gebote stehen würde! Könnte ich Karl eine Million zur Verfügung stellen! Er würde Großes leisten! Seit heut glaube ich, daß viel in ihm steckt in diesem wunderlichen, schwierigen Kerl! Ob ich denn noch einmal belohnt werde für die unendliche Geduld, die ich, seit er auf der Welt ist, mit ihm haben mußte . . . O, meine Liebe war er ein unberechenbares Kind . . Aber,' Madame, er ist doch im Grunde gut. Karl ist ein edler Mensch . . Nun ich hoffe, er wird ein edler Mensch. Denn Jemand, der seiner Mutter so viel Kummer, so viel schlaflose Nächte bereitet hat auf den möchte ich die Prädikate gut und edel nicht gerade anwenden. Auch jetzt ... so schön, so groß alle seine Pläne stnd finden Sie nicht dochwenn man die Sache bei Licht betrachtet und ruhiger überlegt, daß stch darin ein ungeheurer, rückstchtsloser Egoismus kundgibt?" Madame, waren große Künstler nicht immer egoistisch?" Ja, ja aber ste wurden dadurch nicht größer. Es ist traurig, daß ste es waren. Ich weiß nicht wandte Mademoiselle zögernd ein, es gibt Menschen, die behaupten, ohne Rücksichtslosigkeit wür den ste..." Sehen Sie Dionys an, meine Liebe," rief Frau Burgelm tnumphi: rend, er wird ein großer Künstler. und wie zart, wie behutsam, wie selbst los ist er." . .Ja, Madame, Sie haben recht," gab Mademoiselle erleichtert zu. Wie stellt Karl stch nun die Sach läge eigentlich vor?" fragte Frau Äüraelin. Sie wußte, daß ihre Söhne Mademoiselle öfter zur vorsichtigen Mittlerin wahltrn. Sie verkehrte ganz jcni in dieser Weise mit ihnen.- Man konnte so Wünsche abschlagen, ohne geradehin zu kränken oder zu beleidigen. Die Summe, die ich Karl bis jetzt zum Lebensunterhalt auf der Universttät gegeben habe, bleibt ihm auch weiter. Aber sie hat nicht gereicht und wird es nun noch weniger ... Ja, wäre ich auch nur freie Versügrin über mein Vermögen . . . Karl weiß, daß ich nach englischem Recht unter der Vormundschaft meiner Bruder stehe ... Sie ha ben mir niemals erlaubt, mein Kapital anzugreifen. Karl meinte, ste würden es zu diefem Zweck vielleicht gestatten... Ich will versuchen, bei ihnen, dahin zu wirken. Aber ich glaube nicht, daß sich viel thun läßt . . . Und, sehen Sie. Liebe, das eine gefällt mir nicht bei Karls Plänen, daß er dazu fo große Opfer von seiner Mutter verlangt, die eine alte Frau ist, und nicht sehr gefund... Ja denkt er denn, ich soll mir Einschränkungen auferlegen, ich soll den Zuschnitt meines taglichen Lebens ändern, um seine doch immerhin et was phantastischen Ideen zu unter stützen?" Madame, ich glaube nicht, daß Karl daran gedacht hat . . . Aber es gibt doch Mütter . . ." Ach," rief Frau Vürgelin unge duldig, bleiben Sie mir mit diesen ' aufopfernden Müttern fern. Ich fühle keinen Funken in mir von derartigem Edelmuth man kann ihn auch Schwäche nennen. Und wer garantirt mir denn, daß Karls Gaben so vielseitig und so stark sind, wie er meint? (5r war zeitlebens ein Mensch, der an übertriebener Einbildung von seiner eigenen Wichtigkeit gelitten hat. Ihr Ton war während der letzten Worte merklich schärfer geworden. Nun brach ste plötzlich ab und schritt lang? schwelgend in dem großen Zimmer aus und nieder. Mademoiselle beobachtete beklommen, wie das Eestcht von Minute zu Minute ernster und strenger wurde. Sie kannte' Madame ja so genau, und sie sah mü Trauer, daß stch da einer von den jähen Stimmungswechseln vorbereitete, die sie schon häufig erlebt hatte. Vergebens sann und sann ste, wie diesem ,,pauvre Charles zu Helfen sein möchte. Hätte ste nur einen Theil der Beredsamkeit gehabt, die ihre Herrin oft aufwendete, um sich selbst in

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AJL llornan von Gabriele Neuter N W -?-. TT 44 Begeisterung oder in Entrüstung hineinzureden einen wie viel fruchtbringenderen Gebrauch würde sie davon gemacht haben, dachte die stille Seele. Sie hatte den ganzen Abend kaum drei Sätze zu der allgemeinen, ausgeregten Unterhaltung beigetragen. Aber sie glaubte an Charles und sein Künstlerthum. Wenn er gesagt hätte, er beabsichtige General zu werden und die englische Armee zu reorganistrett, so würde ste es auch geglaubt haben. Karl saß mit seiner Mutter beim Thee. Mademoiselle und Dionys hatten ihm den ganzen Morgen Anweisungen gegeben, was er alles nicht thun und vor allem nicht sagen dürfe,, um seine Sache nicht durch einen Unmuthsausbruch zu aefäbrden. Er hatte auch geouwlg zugeyorr uno oemühte uco, ihren guten Lehren zu folgen. Aber er wurde davon ganz verwirrt :m Kopf. Es war wirklich Zeit, daß er die Geschichte zu einem Abschluß brachte und abreiste. Er hatte in dem schönen SaIon semer Mutter taglich mehr em Gefühl, als werde er mit seidenen Daunenkiss:n erstickt. Mein Gott, es war so em warmer, sonniger Herbsttag draußen, der Garten glühte förmlich unter den Gewinden des bluthrothen wilden Weines, der sich in leichten Ranken von BaUm zu Baum schlang. Aber seine Mutter hatte sich trotz seiner drmaenden Bitte nicht hinausgewagt, die Pracht anzuschauen. Immer mehr schloß ste sich von Luft und Sonne und von der Außenwelt ab. In ihren übermäßig heißen Zimmern, von Shawls und Tüchern umgeben. verweichlichte sie sich immer mehr... Jetzt im Oktober schon saß ste. die Füße aus einem Rechaufseur und eingehüllt in. einen weißen Pelz. Sie machte auch keine Besuche mehr und sah nur nock die Menschen, die zu ihr kamen. So sehr wurde ste gepeinigt von der Angst, durch eine Erkältung ihr Leiden zu verschlimmern. Aber ihr Geist war doch rege und lebhast. Sie sehnte stch nach Umgang und Verkehr und ahnte nicht. daß die Menschen, die sie auffordern ließ, nicht immer gern derf Einladungen folgten und oft nur aus Mitleid' mit der kranken Frau an ihrem Theetisch erschienen. Karl wußte das. Es kränkte, es erbofle ihn. Er sah. wie .seine Mutter durch ihre große Furcht vor Krankheit und Tod geradezu ihre kraftige Konstitution untergrub. 'Er hätte gern einmal ein offenes und muthiges Wort mit ihr gesprochen, ihr gesagt, wie seine Natur sich durch die stundenlangen Wanderungen durch Wald und Feld in Sturm und Wetter wieder ausgerichtet und neu gekräftigt habe... Aber da war ja nichts zu machen . . . Uid heute würde er sich wohl hüten! Nach dem Thee wurde DionyS von seiner Mutter gebeten, aus dem Parsifal zu spielen. Als er endet hatte und sich auf dem Klavierstuhl herumdrehte, sagte Karl: Man merkt Dir an, daß Du in der letzten Zeit wenig geübt hast ..." ,Die Fmger stnd nicht mehr so nachgiebig. Das kommt schon wieder!" Es ist auch, etwas im Anschlag, et was Hartes, Trockenes, das früher nicht da war. Und in der Auffassung, im inneren Verständniß hast Du gerad' auch keine Fortschritte gemacht. Du fhTfft hi fönrfpTi fn rnirfifprrr itnh firnh y V j v V j 9 m I herunter das verträgt nun Parstsa! gerade gar nicht." Daran ist nur dieses schreckliche Gymnasium schuld," klagte seine Mutter. Seitdem er dort eingetreten, ist er nur noch ein Pslichtenmensch." Ja, Mama," antwortete Dionys eifrig, das geht nun nicht anders. Was ich thue, muß ich ganz thun." Denke Dir. Karl." rief seine Mutter, er will ein Musterschüler werden . . ." Das finde ich sehr betrübend," sagte Karl. Na, erlaube mal," rief Dionys. Ja in's Kuckucks Namen." schrie Karl, ich finde es betrübend zum Weinen! Du willst doch nicht Gelehrter. Philologe, Theologe werden? Was hat denn all dieser Kram mit Deiner Musik zu schaffen?" Die muß eben später wieder dran kommen." sagte Dionys halb gekränkt, halb müde. Und wenn es dann zu spät ist? Was hast Du in. den letzten Jahren komponirt? Wo sind neue musikalisch? Ideen, wie sie Dir als kleiner Junge dutzendweise kamen? Reizende originelle . . . Sage mir nur von einer, dann bin ich beruhigt." Das läßt sich eben nicht vereinen " agte Dionys. Warte nur alles zu einer Zeit. Ein Musiker muß doch auch ein gebildeter Mensch sein!" Freilich wenn er kein großer Künstler ist .. . Ich höre, Du willst auch studiren. Deinen Doktor machen, warum das alles?" ' Es steht gut aus, wenn man als Kapellmeister seinen Doktor gemacht hat." - Ach, Tu Kindskopf, Und. damit

vertrödelst Du Deine Zeit. Weißt Du

denn, ob die musikalischen Ideen und Einfälle wiederkommen? Ich will Dir sagen ich glaube ts nicht. Auf dem Wege, den Du jetzt eingeschlagen hast, wirst Du wahrscheinlich em Gebildeter, achtbarer Kapellmeister ein genialer Komponist niemals. Ich halte es, dazu überhaupt schon für zu spät." Karl, jetzt ist es genug, rief seme Mutter empört. Ich will nichts mehr hören, kein Wort weiter." Aber, Mama, es ist doch sehr wichkig, daß man diese Dinge einmal bespricht. Da ist ein sehr merkwürdiger Fall: ein Kind, das den Kopf voll Töne und Melodien trägt, dessen Spiel einen selten frischen, jugendlichen Zauber ausströmt. Der Knabe wachst zum Jüngling, die Töne und Melodien werden lateinische und griechische RegelnIch glaube, daß Dionys' musikalische Begabung im Aussterben begriffen ist." Frau Burgelin sptang mit einem Satz aus ihrem Lehnstuhl empor. In dieser schnellen, wilden Bewegung lüg etwas von ver Üuth einer Tigerin, der man die Beute entreißen will. Mit Blitzesschnelle hatte ein Argwohn ihre so lebendige Phantasie ganz erfüllt. ,.Shainc, shamc !" schrie sie ihrem Sohne zu. Deines jungen Bruders Begabung willst Du verdächtigen? Willst mir den Glauben an ihn untergraben? Damit Du allein als der Ungewöhnliche, der Geniale bewundert werden willst? Für Dich und Deine tollen Pläne sollen alle Mittel zur Verfügung. stehen Dein Bruder kann ja dann Gymnasiallehrer werden. Das nenne ich gemein! Verstehst Du mich?" Karl stand fassungslos vor diesem Zornausbruch, den er nicht im mindesten erwartet hatte. Dionys war Ich mit beiden Händen in die Haare gefahren und lief im Zimmer umher. Mama, Du mißverstehst ja Karl völlig!" Ich mißverstehe ihn nicht. Ich kenne seine maßlose Selbstsucht besser als Du. Ich durchschaue feine Pläne. Seine infamen, verruchten Pläne! Und ich erkläre ihm hiermit auf mein Wort, daß er nichts, aber auch nicht einen Pfennig von Unterstützung von mir zu erwarten hat. Geh hinaus. Ich kann Deinen Anblick nicht ertragen." Mama," sagte Karl, der todtenblaß geworden war, Du beleidigst mich ungeheuer und ganz ungerecht. Tlu kannst doch nicht im Ernste glauben ..." Aber ste hörte nicht, ste sah nicht. Eine Fluth sinnloser Vorwürfe entströmte ihrem Munde. Alles, was Karl je begangen: jede kindische Ungezogenheit, jede junqenhaste Taktlosigkeit wurde ihm vorgehalten. Seine Mutter steigerte sich durch ihre Vorwürfe in eine immer größere Aufregung hinein. in der die lang zurückgehaltene Leidenschaft einer starken Natur endlich ihren unwiderstehlichen, zügellosen Ausbruch fand. Die beiden Söhne mußten stillhalten und zuhören, so qualvoll es ihnen auch war, ihre Mutter in diesem Zustand, zu sehen. Wollte Karl sich zur Thür hinaus retten, fo wurde er mit zorniger Energie am Arm gepackt und wieder zurückgezerrt. Draußen auf dem Flur, wo man die laute Stimme von Madame widerhallen hörte, stand Pauline und rang. die Hände. Oben an der Treppe lauschte Mamemoiselle blaß und zitternd. Das gibt wieder böse Tage." flüsterte Pauline. Nein, daß er sich auch nie beherrschen kann. Was hat er nur wieder angestellt!" Endlich taumelte Karl heraus, bleich zerbrochen wie ein Gerichteter. Er schlich an Mademoiselle' vorüber. Sie fragte nicht, ste sah, daß er nicht reden konnte. Oben fiel er auf emen Stuhl am Fenster und starrte durch die Scheiben auf die bunte Herbstpracht. Dionys berichtete leise das Vorgefallene. Karl rührte stch nicht. Unten wurde heftig nach Pauline yeklingelt. , Drei Tage später waren die Fenster im Erdgescyoß der Villa Edina verhängt und die Hausglocke abgestellt. Vor der Thüre hielt der Wagen der zwei Aerzte, die am Krankenbette von Frau Vürgelin beriethen. Seit jenem Nachmittage verweigerte Madame tot Nahrung, kaum ein wenig Champagner hatte ste zu stch genommen. Sie sieberte stark, und es war eine bedrohliche Herzschwache eingetreten. Die Aerzte kannten stch nicht recht aus aber der Zustand machte in jedem Falle einen bedenkllchen Eindruck. Vergebens war Dionys zu Doris Rüder gelaufen und hatte-ste beschworen, zu helfen, zuzureden, zu trösten . . . Vergebens auch hatte Doris alle ihre frische Liebenswürdigkeit aufgeboten, Frau Vürgelin milder gegen Karl zu stimmen. Vergebens hatte Karl die schönsten Trauben gekauft, semer Mut ter Appetit zu reizen. Vergebens hatte er sogar reife frische Feigen aufgetrieben, eine große Seltenhrn rn dem rau hen Bernhardshausen, weil er -wußte, daß seine Mutter die Früchte als Er innerung an den Süden besonders liebte. Er ließ ihr das Obst in einer grünen Glasschale von erlesener Form überreichen Mademoiselle verrieth, daß Karl der Geber sei ste sandte ihm die Schale unberührt zurück. Zu Doris hatte ste gesagt, nur wenn Karl seine tollen Pläne aufgeben würde, tzenn er gehorsam wie ein guter Sohn

ihren Wünschen folge, werde sie ihm verzeihen. Doris erinnerte ste an die Begeisterung, die ste selbst anfangs gezeigt. Aber davon wollte ste nun gar nichts mehr wissen. Karl hat einen schlechten, hämischen und hinterlistigen Charakter, er ist nicht würdig zu dem reinen Dienst der Kunst. Dabei beharrte ste. Und heute war ste so schwach, daß man überhaupt nicht mehr wagte, in ihrer Gegenwart Karls Namen zu erwähnen. Oben saßen Mademoiselle und Dionys und bearbeiteten in ihrer Herzensangst den finsteren und störrischen Karl, er solle nur um Gottes willen vorläufig nachgeben. Sie würden dann schon in seiner Abwesenheit für ihn wirken. Du 'kannst ste noch nicht sterben lasfen," sagte DionyZ sehr ernst. Heut Abend muß ste beruhigt sein und muß etwas genossen haben. Es ist der letzte Termin.- sagt Professor Weiland." Und KarH schrieb den verlangten Brief. Er erklärte, unverantwortlich gehandelt zu haben, jetzt aber ein guter Sohn werden und seinen eigenen Willen aufgeben zu wollen. Dionys hatte ihm das Schreiben aufgesetzt, er kopirte es nur und unterzeichnete es.. Er' war müde und aufgerieben von schlaflosen Nächten und inneren Kämpfen. Es waren fürchterliche Tage für ihn. und wie er sah, litt auch Dwnys schwer mit ihm. Sein Bruder war der einzige Mensch, den er wahrhast, unveränderlich liebte. Seine Warnungsworte waren aus der größten Sorge hervorgegangen. Und nun hatte seine Mutter einen solchen Argwohn auf ihn werfen können. Als Frau Vürgelin den Brief empfangen und gelesen hatte, nahm sie etwas Veeftea zu sich und schlief auch in der Nacht einige Stunden. Am nachsten Tage begann ste sich zu erholen. Karl reiste mit vielen Empfehlungsbriefen nach Berlin. 21. Kapitel, arl stand vor dem Spiegel und yta befestigte die Perlen, die ihm C1' seine Mutter geschenkt hatte.

in dem tadellos gesteiften und gebügelten Chemisetthemd. Sein Schnurrbart duftete und glänzte, überHaupt ging eine angenehme Atmosphäre von Reinlichkeit und feiner Seife von dem jungen Manne aus. Er trug Lackschuhe und schwarzseldene Strumpfe. Ueber dem S'tuhl neben ihm hing der Frack. An dem Fensterspiegel zwischen den verstaubten Gardinen .des Berliner Chambregarnie steckten Einladungskarten für alle Abende der nächsten vier zehn Tage. Dies war nun schon sein zweiter Berliner Winter, in dem er versuchte. strenger Arbeit und einer übermäßigen Menge von gesellschaftlichen Verpflichtungen, zu denen seme Mutter ihn unaufhörlich trieb, gerecht zu werden Manch ein junger, Mann hätte das leichter vereinen können, als gerade er mit seinem empfindlichen Nerversystem. Die fortwährende Krankung über dies Gehetztwerden aus der Ferne irritirte ihn mehr als alles andere. Er wußte wohl, daß Mama feinen Besuch der Kunstgewerbeschule, den ste endttch doch erfahren hatte, nur als eme Marotte b trachtete, von der er durch Zerstreuungen aller Art kurirt werden sollte. Desto eigensinniger bestand er auf der Durchführung seiner Pläne. Oho er wollte ihr schon zeigen, daß sie nicht allein die Erbm von dem Starrkopf des anglo indischen Großvaters war! Wenn er nur nicht so viel unnöthige Kräfte in diesem Kampfe hatte vergeu den müssen. ... Herr Vürgelin, wieder ein Telearamm!" rief seine Wirthin an der u.yur. Zgaven &t auch den rief im Kasten Gesunden? Schon gut, Frau Schmidt. Äitte, vergessen Sie mcht, rntco morgen um sieben zu wecken." Karl legte das Telegramm, welches er durch den Thürspalt in Empfang genommen, ohne es zu offnen auf den Tisch und zog Frack, Ueberzieher und Galoschen an. . Dann stand er mit dem Chapeau claque rn der Hand noch einmal am Tische still und blickte trübsinnig auf das blaue Kouvert nieder. Es war von seiner Mutter. Nicht die Laune verderben!" sagte er halblaut, zog die Uhr und eilte fort.-. Es schneite, und er . nahm eine Droschke. Denn schließlich konnte man doch zu einer Soiree beim englischen Gesandten nicht gut mit bespritzten Ho fen kommen. Wenn er nur nicht so rasende Kopfschmerzen gehabt hätte Und wenn diese Routs mit oder ohne Mustk nur nicht so tödtlich langweilig gewesen wären. . . So immer dasselbe Und wenn stch nur nicht immer dieselbe Geschichte wiederholt hatte: daß man ihn selbst oder irgend Jemand in seiner Nahe fragte: Bei welcher Gesandtschaf ist der Herr? Ah Also Künstler? Schriftsteller? Maler? Bildhauer? Die Damen wünschten sein Atelier zu besuchen. Und er hatte doch gar keins. Also reicher Mann mit einer kleinen Schrulle? Lächelnd wurde bejaht. Unter dieser Spitzmarke ging er durch die Salons. (Fortsetzung folgt.)

EPT Der Lahrer Hinkende Bote sowie der Negenöburaer Marien Kalender für 1905 find .durch unsere Ossiee zu beziehen. (

Neuf Pascha, der neue Wali von Saloniki,

itt au? seinem verantwortungsvollen neuen Posten eingetroffen. ' Reuf wur de im Jahre 1838 rn KonMntmopel als Sohn des Großwesirs Scherif Osman Pascha geboren, studirte in Konstantinopel und trat in jungen Jahren in den Staatsdienst ein. 1859 wurde er auf Staatskosten nach Paris geschickt, von wo er nach einer zweijährigen Ausbildung nach Konstantinopel zurückkehrte, um im Archiv-Bureau der Hohen Pforte thätig zu sein. Später war er Kaimakam und Mütessarif in . r t M. m. verschiedenen Gegenden ves vuxqzs imb erhielt 1867 den Titel Pascha. 3n Mazedonien war er in leitender Stellung in dem Sanolchak fernes tyatig. und auck mit der zeitweiligen Leitung des Wilaiets Saloniki betraut. 1879 wurde er Mütessarif von Jerusalem und füllte diesen Posten 12 Jahre lang aus, bis er leyi zum uan von betritt ernannt wurde. Seit 1893 wechselte er wiederholt den Waliposten in Mamuret ül Asis, Syrien und lri,eium. Nuledt war Neus Pascha Mitglied des Staatsrathes in Konstantinopel. Der ehemalige Wali, Hassan Fehmi Pascha, der nach der letzten Verfügung zum Direktor der Verwaltung der indirekten Steuern in Konstantinovel ernannt worden ist, verließ Saloniki. Auf dem Bahnhöfe, wo sich neben den amtlicken Versonen eine nack Tausenden zählende Menge eingefunden hatte, flW S nahm Hawaii Feymi lraynenoen ÄUaes Absckied. Man batte den Eindruck. als ob mit der Abreise des liebgewonnenen Malis aucö das Vertrauen in die nächste Zukunft dahingegangen sei und man der neuen Aera mtt bangem Erwarten entgegensehen müßte. Sehr richtig. Der bekannte englische Rechtsgelehrte Lambert hatte eine kleine Nichte, die er sehr liebte, und auf d er auch sehr stolz war. weil ihm das Kind häufig Beweise großer Intelligenz gegeben. Eines Tages saß er rn seinem Arbeitszimmer, als die Kleine hereintrat und mit ernster Miene zu ihm sagte: .lieber Onkel, ich möchte Dir einmal eine juristische Frage vorlegen. Bitte, mein Herzchen," versetzte der Onkel, dem der Ernst des Kindes großen Spaß machte. Um was handelt es stch denn?" Lieber Onkel," sagte das kleine Mädchen, wenn man einen Truthahn hat und der Truthahn auf den Hof eines anderen Mannes geht und dort ein Ei legt, wem gehört das Ei? Der große Nechtsgelehrte . lächelte nachsichtig und versetzte: Das Ei würde dem Manne gehören, dem der Truthahn gehört. Doch er könnte von der Polizei bestraft werden, weil sein Truthahn widerrechtlich emen fremden Hof betreten hat. Das Kind schien über die Erklärung lange nachzudenken, dann sagte es plötzlich mit demselben Ernst, den es schon vorher gezeigt: Onkelchen, das stimmt nichtr Wieso stimmt es nicht?" fragte der Rechts gelehrte lächelnd. Nein, es stimmt ganz gewiß nicht wiederholte die Kleine, denn ein Trutyahn kann ja gar keme Eier legen. (Bitt cdjtcv Snuertnpf. Schön' guten Tag, Herr Registra tor! Wie bekommt Ihnen denn Ihr Urlaub? Ach lassen S mich aus! Ich muß immer an den Tag denken, wo der Dienst wieder beginnt und das gift' mich in einem fort! D i e württembergische . ' . f-... ' cri-rT,.ii itamrner naqm eine neviulivil u, wonach Kinder, die keiner Religionsgesellschaft angehören, auf Antrag von der Theilnahme am Religionsunterricht entbunden werden sollen. . m Bärenzwinger des He lenenhofes in Lodz überfiel ein Bär. indem er aus dem Neöenzwinger durch eine Schießethür eindrang, den den Zwinger reinigenden Wärter Larczik. den er so in Kops und Ärm mn, oa ' . . i i r. r der Wärter nach drei stunden uaro. T e s ch e n. Als Wahrzeichen d s deutschen Charakters hat die hiesige lavlverwaltung beschlossen, ein Schil ler-Denkmal zu errichten. P o la. In Anwesenheit des ErzHerzogs Karl Stephan ist hier ein Denkmal der Kaiserin Elisabeth ent hüllt worden. Slöwelz. Bern. Die zwischen Deutschland und der Schweiz geführten Verband hingen behufs Abschlusses eines Handelsvertrages stnd erfolgreich zu Ende geführt worden. Der von den beider seitigen Bevollmächtigten aufgestellte Vertragsentwurf hat die Zustimmung der respektiven Regierungen gefunden und die Unterzeichnung des Vertrages ist bereits erfolgt Das Hotel, und Bad GurnZgel in Bern, das an Stelle des abgebrannten Etablissements errichtet wurde, ist Zetzt unter Dach und im Rohbau größtenteils vollendet. Der Neubau, der annähernd 2,000,0:) Francs kostet, wird 116 Zimmer mit zwei Betten und 170 Zimmer mit einem Bett haben. Zürich. Der Stadtrath donZünch beantragte beim Großen Stadtrath, der Verwaltung des Schulwesens eine schulhygiemsche Abtheilung anzugliedern und ihr den bisherigen Afststenten des Stadtarztes als Schularzt mit einer Besoldung von 4000 bis 6000 Francs beizugeben.

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yr. August König's MamburgerI Tropfen X find ! flchr Stur gegen X Saueres Aus stossen, r i Dianungen, Unverdauliclikeit mni alle entere Arte Magenleiden. Sie beseitige die Ursache nd S die Folge ist esunddeit. 65xKxK KXoXo) Warum nicht Ihr Heimanziehend machen, durch den Ge brauch eines Garland Ofen... . . . und. ... Range Dieselben Übertressen alle andern in Schönheit. Dauerhaftigkeit, Heizkraft und Sparsamkeit im Kohlen Verbrauche. Dieselben werden mit Vergnügen gezeigt, in WIIXI'S ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straße. JOHN H. ANDING, Nachfolger von Edward Müller, 110 Nord Delaware Str. (Tomlinson Halle gegenüber) vsserirt Rene Holländische Höringe ....und.... BismarS Haringe. Apetits Silds. Freie Ablieferung. Knut Telexho 987. Wie Verfeet as Nange wird zum Kostenpreise verkauft, abgeliefert und aufgestellt ohne Unkosten. Der sparsamste Ofen für Kunstgas. Sprechen Sie vor und sehen Sie dieselben im Gebrauch. - TUE INDIANAPOLIS GAS GO, 49 S. Pennsylvania Str. :lgl1sjILHIIID V 3tt 43 Stund werden Gonanlla. mS nstu? au n unn-uroattftt durch Cantal'?it9 msgebobm ebne Undequemlichdlkn. Preik fl.OO, bfi allen DtNggifte der y. O. So; 2081, 5iew York.

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