Indiana Tribüne, Volume 28, Number 77, Indianapolis, Marion County, 21 November 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne, 21. November 1904
ff ff ff W i4 w -t. ,f jj. XX TV n u 4-4 -TfTT t .... .tZ. (Fortsetzung.) Haxi hörte ihren leisen Seufzer. Er wendete sich ab. Auf den Zehen ging er, obwohl der Sturm das Ge rausch seine? Schritte verschlungen hätte. Er ging eine Weile ganz ruhig, bis er weit von ihnen entfernt war. Anfangs fühlte er nur eine Art von dumpfer Betäubung. Mit einemmal sah er wieder alles vor sich und krümmte sich und ächzte vor Schmerz. .. Nie hatte er Menschen so sich küssen sehen. Und das Geheimniß des Kusses ward ihm offenbar. Eine gierige, verlangende, empörte, schluchzende, wimmernde Eifersucht erfaßte ihn, schüttelte ihn, brannte in seinen Kippen, in seinen Gliedern. ..Wie ein gequältes, verfolgtes Thier rannte, stampfte er sinnlos über die schlammigen Ackerschollen warf sich auf den dunklen, fruchtbar duftenden Frühlingsboden, krallte die Hände in die kühle nasse Erde, schrie und schluchzte. . . . Alles entweiht alles zerbrochen, alles Süße, Holde, Geheimnißvolle in Bitterkeit und Galle verwandelt. Und dafür der Trieb erwacht die unbändige, begehrende Sehnsucht nach Liebe. In Karls Hirn tauchte später eine unklare, traumhafte Erinnerung auf. daß er an jenem Abend auch einmal in ein Torf gerathen fei und dort in der Schenke Vier gefordert habe. Daß er mehrere Gläser des ungewohnten Getränkes in durstigen Zügen niedergestürzt und eine Weile stumpfsinnig auf der Bank zwischen den rauchenden Bauern gesessen habe, bis er seinen traurigen Heimweg antrat. Aber von dem, was später geschehen, war ihm jedes Bewußtsein ausgelöscht. Wenn er nun von Mia träumte.'sah er sie nicht mehr im weißen Gewände vor der Pforte des Lotostempels, von den Klängen einer überirdischen Musik umschwebt. Begegnete er ihr in der Wirklichkeit des Tages, so mied er sie scheu. Wenn er sich ihr Verhältniß zu dem Meiste: klar zu machen suchte, wurde sie ihm widerwärtig. Dieser blasse, farblose, kranke Äampyr, der mit seinen indisehen Phantasien ein feines, schillerndes Spinnennetz um ihre -Seele gewoben hatte, darin er ihre Jugend fing, ihr di: frische, frohmüthige Lebenskraft auszusaugen und sich damit zu bereichern! dachte Karl ingrimmig. Und eine schwere, quälende Traurigkeit überfluthete' seine Seele, eine Traurigkeit, von der Karl glaubte, daß sie niemals wieder aus seinem Denken weichen würde. Ostern trat Karl in die Unterprima des Gymnasiums ein. Er bestand die Aufnahmeprüfung leidlich, zum Erstaunen des Direktors. Doktor Mathias widmete ihm eine längere Anspräche. Er führte darin aus. Karl trete nun in eine Gemeinschaft, die ihn hoffentlich von seinen Ueberspannthei' ten und regellosen Trieben heilen und ihm für sein ganzes späteres Leben von Nutzen sein werde. Karl nahm die regellosen Triebe- sehr übel, denn was wußte der Direktor von ihm? So viel wie nichts. Die ganze Schulepisode erschien ihm als ein recht überflüssiger schlechter Scherz, den er durchmachen mußte, wie vieles andre, weil es einmal die Laune seiner Mutter so gebot. In den Stunden studirte er die Physiognomien der Lehrer und der Schüler und entrüstete sich über so viel gleichgiltige, banale Häßlichkeit. Ein einziger hübscher Zunge mit. einem feinen bräun- - liehen Jtaliencrkopf gefiel ihm und er wählte ihn sich zum Freunde. Philipp Luckner besaß weder seinen unersättliehen Vildungsdrang, noch seine unbarmherzige Grüblersucht. Von den Phantasien, den Tönen und Bildern, die er inwendig hörte und schaute, hätte er dem Kameraden vollends nichts erzählen dürfen. Aber Philipp war, obschon ein ziemlich nüchterner Mensch, doch eine vornehme Natur, die gern für sich blieb .und das Leben, seine Umgebung mit einer gewissen philosophischhumoristischen Ruhe betrachtete, an der Karl seine Freude fand. Trotzdem die Freunde manchen Spaß miteinander hatten, fühlte Karl sich nicht "wohl auf dem Gymnasium. Er gehörte nicht zu den guten Schülern. Sein Gedächtniß versagte absolut, Dinge zu behalten, die ihn nicht interessirten. Fesselte ihn aber ein Gegenstand, so suchte er ihn bis in seine tiefsten Gründe und Untergründe zu erforschen und sich zu eigen zu machen, was dann auch oft über den Rahmen der. Schule hinausging und die Zeit in Anspruch nahm, welche für die von Lehrern gestellten Aufgaben nöthig ge, wesen wäre. Einige von den Professoren hatten ihn gern, sprachen auch wohl einmal außerhalb der Schulstube eine Weile mit ihm und hielten ihm die Stange. Im Uebrigen ging es ihm hier wie im Unterricht bei Professor Werner und Professor S)ickedanz: Man betrachtete ihn als einen Ausländer, dem
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.f,.. tt R o rn st n Von Gabriele Neuter 33 rr 0 n1 .T..t. XX IV U tttt tt tt tt tt man manches durchgehen lassen konnte, was einem regelrechten deutschen Schüler nimmer gestattet worden wäre. 13. Kapitel. TVcnn Sie wollen, können Sie bit Bücher gleich mitnehi men," sagte- Doris zu Herrn von Kalb, den sie vor einer Stunde im Parke getroffen hatte,, als sie den theaterfreien Abend zu einem Spaziergang benutzte. Kalb, ein Neffe der Stiftsdame Lucinde, aber im Gegensatz zu seinen Bernhardshausener Verwandten vollgesogen mit revolutionären Ideen und den neuesten Anschauungen der Moderne," 'hatte sich Fräulein Doris bei ihrer abendlichen Wanderung mit Vergnügen angeschlossen. Unter den grünen Bäumen auf und nieder wandelnd, disputirte er mit ihr über die Ehe und die Liebe. Doris hatte sich recht gut mit ihm unterhalten. Er war ein gescheiter Kerl. Sie wollte ihn doch öfter zu sich bitten. Fünf Minuten später schon bereute sie ihre unbedachte Aufforderung, mit ihr hinauf in ihre Wohnung zu kommen. Denn noch ehe sie Zeit gefunden, in ihrem Zimmer die Lampe anzuzünden, fühlte sie sich von dem jungen Manne umschlungen und so schnell und heftig geküßt, daß sie kaum zur Besinnung kam, ehe es geschehen war. Dann flog der junge Kalb freilich, von einem gewaltsamen Stoß ihres kräftigen Armes getroffen, zurück und mußte sich taumelnd am Thürpfosten halten, um nicht auf den Teppich zu stürzen. Das war etwas gewaltsam," stammelte er betroffen. ..Wie sich's für einen unverschämten Esel geziemt," antwortete Fräulein Toris deutlich. Verzeihen Sie, meine Gnädigste," sagte Kalb würdig, Sie äußerten während unsres Gespräches so vernünftige Ansichten, daß ich hoffen durfte, Sie würden sich auch vernünftig betragen und nicht an einem unschuldigen Kuß einen so heftigen Anstoß nehmen. Ich glaube, ich habe blaue Flecke davongetragen." Ist Ihnen ganz recht geschehen," rief Doris lachend. Nein zünden Sie die dumme Lampe noch nicht an," bat Kalb. Wenn Sie wollen, bleibe ich hier an der Thür stehen ich dachte nur nicht, daß Sie so furchtsam wären. Also zünden Sie meinetwegen an aber h"ren Sie mich. Wir alle wissen, daß Sie nicht so unnahbar sisd, wie Sie scheinen " Herr von Kalb" Fräulein Doris ! Der Baron Perneberg " Was geht Sie der Baron Perneberg an," rief sie ungeduldig. Es l nicht hübsch 'von Ihnen, daß Sie. ein blübendes Mädcken. das zur Freude der Jugend geschaffen ist, uns den alten Knaben vorziehen. Wehren Sie sich nicht, heucheln Sie nicht. Jeder weiß" So jeder weiß! Was weiß ein ieder?" Ach, lassen Sie mich doch nicht zu deutlich werden. Wenn Si: ihn noch liebten! Aber einen so schlechten Gefchmack traut Ihnen Niemand zu! Also nur aus Ehrgeiz nur um am Theater die erste Rolle zu spielen sehen Sie, Doris, das ist Cünde wider die Natnr." Und davor wollen Sie mich retten?" höhnte Doris. Ja und Sie werden s mir danken." 'Wenn ich aber so viel guten Geschmack besitze, auch Sie nicht zu Ire den?" Sie wollen nur nicht." Doris kam funkelnden Auges mit großen Schritten auf ihn zu. Kalb blickte ihr entgegen, gespannt, was sie thun würde. Vielleicht ein brunhildenHaftes Ringen. Schon sah er das stolze, herbe Mädchen überwältigt, athemlos an seine Brust gesunken und sich als Sieger. Aber sie trat hart an ihm vorüber, öffnete die Thür und sagte: Nun ist's genug. Ich habe Ihre Widerwärtigkeiten satt. Mama" Sie rief es laut, mit scharfer, harter Stimme. Sie war auch nicht mehr liebreizend in diesem Augenblick. Der junge. Kalb griff nach feinem Hut, der auf den Boden gerollt war. Sie werden es einmal bereuen! Die Künstlerin wird es fühlen, wie es thut, wenn sie die Begeisterung der Jugend von sich stößt," murmelte er feindlich. Indem er, mit seinen kurzsichtigen Augen mühsam vor sich hin spähend, unsicher die schmale, kleine Treppe hinabtastete, wurde die Hausglocke gezogen. Kalb stieß mit dem Baron Perneberg und Dionys Bürgelin zusammen. Jeder trug einen Blumenstrauß. Ihr ältester und Ihr jüngster Verehrer begegnen sich in ihren Huldigungen," rief Perneberg lustig zu Doris empor, die mit der Lampe am Geländer stand, dem
jungen Kalb freundlich hinaus zu leuchten. Bei nachtschlafender Zeit die Leute so zu überfallen!" rief Doris übellaunig. Wir wollten ja nur unsre Spenden bei Ihrer Köchin abgeben," brummte der Baron. Mama!" rief Doris ärgerlich. Die Pastorin trat 'unten aus der Kücbe. Nimm dem Baron die Blumen ab, er weiß, daß ich nach dem Theater nicht empfange." ' Aber Doris, fei doch nicht so ungezogen," mahnte die Pastorin. Was für Herrn von Kalb gilt, gilt doch wohl auch für uns," rief der Baron gemüthlich und begann schwerfällig die Treppe zu erklimmen. Kommen Sie, Kalb, kehren Sie wieder um!" Ich danke, ich werde erwartet," murmelte Kalb, lachte kurz auf und lief an dem Baron vorüber auf die Straße hinaus. Der Baron blieb stehen und sah ihm nach. Er machte eine eigenthümlich sauersüße Grimasse und murmelte:' Hm na na Kinder Kinder " Seine Hängeöacken bewegten sich nervös. ,n Abend, Frau Pastorin! Schauen Sie mal wieder ein bei der Doris? Wie steht's in Griesbach? Was hat die Mine hier wieder für Schandthaten verübt?" fragte er jovial. Ja, Herr Baron, es thut schon noth, daß ich wieder nach dem Rechten sehe. Toris kümmert sich um gar nichts. Sechs Mark für eine Gans zu zahlen es ist eine Sünde!" Mutter, es war eine Kapitalgans." rief Toris von oben herunter. Ich habe wochenlang an dem Schmalz!" Gänseschmalz?" fragte der Baron Perneberg lüstern. Ach, wie mich das an meine selige Tante in Pommern erinnert." Wollen Sie kosten?" Na. aber natürlich." Doris lief, um den unfreundlichen Empfang wieder gut zu machen, mit dem Licht hinunter in ihre kleine Speisekammer und brachte einen Laib Schwarzbrot und cin braunes Töpfchen mit dem köstlichen Fett in ihren behaglichen Salon, wo Perneberg und Tionys inzwischen eingetreten waren. Hausbrot, Baron. Mama hat es selbst geknetet!" Na. Gott sei Dank, da sieht man ja wieder ein menschliches Gesicht. Als wir kamen, konnte man sich ja fast fürchten." Er lachte in sich hinein, denn er ahnte, was zwischen feiner Freundin und Herrn von Kalb vorgegangen sein mochte. Vergnügt schlug er Dionys auf die Schulter und rief: Kommen Sie, junge? Freund, geniren Sie sich nicht, Sie sind noch in dem Alter, wo man für ein Schmalzbrot sein Leben läßt." D junge Halbengländer sah zweifelnd in das braune Töpfchen, das zwischen LZisitenkartenschale und Tolstois Kreuzersonate aus dem geschnitzten Tischchen stand. Ist es wirklich gut?" fragte er ernsthaft. .Ach. Sie kennen kein Gänsescbmal? Dann wissen &t noch nicht, was Ge nuß ist," rief der norddeutsche Edelmann begeistert. Ich glaube, Ihre Erfahrungen, auf dem Gebiet der Lebensgenüsse sind überhaupt noch schwach entwickelt wie?" O, das hole ich schon nach, wenn ich mit dem Gymnasium fertig bin," sagte Dionys, ein ruhiges, unschuldiges Löcheln auf dem schönen Knabengesicht. Alles hübsch der Reihe nach," spottete Doris. Dionys verstand sie nicht. Er nickte ihr freundlich zu und ginz in's Nebenzimmer zu ihrem Flügel. Leise melooische Akkorde griff er dort, und spielte dann eines seiner lieben schottischen Volkslieder. Seine Mutter schickte ihn fast täglich mit allerl?! Botschaften zu Doris. Er tarn des Morgens, wenn sie noch im Bett lag, und er kannte ihr Schlafzimmer so gnt wie ihren Salon. Er kam zu ihren five o'clock teas, und er war der en' zie, der auch nach dem Theater bei ihr Emlak fand.Trotzdcm Dionys allmälig siebzehn Jahre geworden, machte er mit seinen Kniehosen und der Sammetjoppe, seinem .langen Haar und den großen blauen Augen, mit seiner jungen, blühenden Schönheit auf alle Menschen einen so knabenhaften Eindruck, daß selbst die pädagogischen Bewohner von Bernhardshausen kein 'Arg in seinem Verkehr mit der hübschen Sängerin sahen. Höchste-ns fanden sie es bedenklich, daß er den Baron Perneberg häufig dort traf. Dionys ' war jedoch nicht neugierig auf pikante Geheimnisse. Die Neckereien, die verliebte Qual des Barons verstand er kaum. . Er langweilte sich höchsten's ein wenig. Auch wenn er mit Doris allein war, wußte er nicht recht, was er mit ihr reden sollte. Sie roai ja sehr nett und er hatte die größte Achtung vor ihrer Kunst. Aber sie stand so hoch über ihm. Wie seelenvoll der Bengel spielt," sagte Doris. Und im Leben Stockfisch. Was habe ich 'mir schon für Mühe mit dem Jungen gegeben, ihm ein bischen Begeisterung einzutrichtern ganz umsonst." Wirklich Mühe haben Sie sich gegeben da könnte man ja beinahe So ein jugendlicher Adonis. Doris Doris" Der Baron sah sie kläglich flehend an. Und Kalb," flüsterte er. sich zu ihr
heugend, indem er mit den Augen
förmlich ihre Seele zu ergründen suchte, toaL haben Sie mit ihm gehabt? Sagen Sie es mir. Doris, Kind seien Sie doch barmherzig! Quälen Sie mich nicht grundlos."Ein unverschämter Affe ist's," brach Doris zornig los. Kein menschliches Wort kann man mit Euch Männern reden, daß Ihr es nicht gleich mißversteht!" Sie sind in einer bösen Laune heut Abend. Und doch bedauern Sie, das Kind dort drinnen nicht aus seiner Ruhe bringen zu können ?" Nicht um meinetwillen. Natürlich doch nicht um meinetwillen. Aber ein Musiker ohne Temperament Das ärgert mich. Das regt mich auf!" Wird schon noch kommen." Der Baron lächelte cynisch. Er wäre doch nicht der Sohn seiner Mutter " Ja. die Frau hat. weiß Gott, Temperament. Die wiegt Euch alle auf!" Wie Sie wieder schwärmen. Auf die Frau bin ich eifersüchtig, wissen Sie das?" Ich habe ihr viel zu verdanken." sagte Doris ernst. Beinahe so viel, wie" Wie? Doris, warum sprechen Sie es nicht aus?" Wie meinen Eltern." Das ist grausam," sagte Perneberg schmerzlich. Sie meinten es nicht. Es hat mich gekränkt." Doris zuckte verächtlich die Achseln. Dionys!" rief sie in's Nebenzimmer, Du mußt wohl nach Haus. Deine Mutter wird Dich erwarten." Dionys fprang sofort auf und kam herbei. Doris nahm, ohne ein Wort weiter zu sprechen, die Lampe und leuchtete den beiden Herren. Als der Baron sie, seiner Gewohnheit nach, beim Abschied auf die Stirn küssen wollte, warf sie den Kopf mit einer unwilligen Bewegung zur Seite. Er schlich demüthig die Treppe hinunter und sein gutmüthiges Doggeng?sicht trug den Ausdruck eines geprügelten Hundes. Als die Herren gegangen waren, kam die Pastorin unten aus der Küche herVor. Was werden nun wieder die Leute sagen, wenn's Jemand gesehen hat, daß die jetzt um halb elf Uhr aus Deiner Thür kommen," klagte sie mit zankender Stimme. Warum bist Du nicht im Zimmer geblieben, Mutter?" fragte Doris scharf. Wie oft hab' ich Dir gesagt, daß Du nicht immer davonlaufen sollst, wenn Besuch kommt.- Was heißt das nun wieder, daß Du da unten in der Küche steckst?" Wenn der Baron da ist. störe ich ja doch nur." klagte die Mutter, die kleine Treppe hinaufsteigend. Ach, das i't ein Jammer! Was die Geschichte mich schon für Thränen gekostet Hai! Wärst Du bei uns im Haus geblieben, wie ein anständiges Mädchen. So viel muß ich hören schon draußen auf unserm Dorfe reden sie" Mutter!" schrie Doris laut auf. und es war ein Glück, daß sie die Lamve bereits niedergesetzt hatte. Sie zitterte am ganzen Körper vor Zorn. Mache mich nicht toll hörst Du? Nimm Dich in Acht-! Du weißt, daß nichts ist zwischen mir und dem Baron" Ich habe doch durch den Thürspalt gesehen, wie er Dir beim Abschied noch etwas zuflüsterte und Dich wieder 'küs sen wollte. Pfui pfui Eine Sünde und Schande" Schweig zum Kuckuck schweig" schrie Doris. Ich habe genug heut Abend. J6 macht mich toll, alle miteinander." Sie riß einen Shawl aus dem Schrank und hüllte sich hinein. Wohin willst' Du denn noch?" An die Luft! Hinaus! Ich ersticke sonst." Sie rannte fort, während die Mutter hinter ihr drein schalt über das verrückte Komödiantenwescn. Doris lief ein paar Häuser weit die Straße entlang, klingelte eine Bernhardshausener Bürgertochter heraus, die ihr treu und blind ergeben war. und auch jetzt, obwohl schon im Nachkjäckchen, gehorsam wieder in ihre Kleider schlüpfte, dem Rufe der großen, angebeteten Freundin Folge zu leisten. Doris eilte, ohne auch nur ein Wort mit Frida zu sprechen, hinaus in die nächtlichen Felder. Der Thau lag schwer auf den grasigen Rainen. Doris schlug, wie es die Bauernmädchen zu thun pflegen, wenn sie über Land wandern, ihren Kleiderrock in die Höhe und stürmte vorwärts, ohne Ziel, nur um in der heftigen Bewegung sich auszutoben. Del Feldweg führte einen sanft ansteigenden Hügel empor. Oben blieb sie stehen und trank in tiefen Zügen die kühle Luft, die von dem weiten Sternenhimmel auf sie nicderwehte. Sie blickte zurück. Im Thale lag die Stadt, noch schimmerten einzelne Lichter durch den Nebel, der sie umhüllte. Doris glühten die Wangen, das aufgeregte Blut hämmerte ihr in allen Pulsen. Ach, das thut gut," rief sie laut, den Shawl abreißend, und ließ sich den Nachtwind durch's Haar streichen. Reine Luft nur wieder reine Luft! Frida die Männer sind ekelhaft. Ueber diese unvernünftige, sinnlose Natur l Und da mühen wir uns, Sinn und Bedeutung in unser Leben zu bringen. Umsonst! Umsonst. Sie wollen ja gar keinen Sinn keinen Verstand. Ewig nur das eine! Ode? sie sind langweilige Pappenstiele, wie dieser schöne Dionys, den seine Mutter mir da fortwährend auf den Hals schickt"
Es gab wohl wieder etwas mit dem Baron?" fragte Frida bescheiden. Ach ja und nein. Immer dasselbe! Und dieser Esel von Kalb Und Mama schimpfte natürlich wieder.--Weiß sie denn, warum ich den Baron halte? Ahnt sie denn, was mir der Mann ist? Intendant hin, Intendant her aber sein Verständniß, seine Kritik. Seine Begeisterung! Ach die eigene Mutter und hat keinen Begriff ! Sollen wir denn ewig nur aus uns selber schöpfen? Ich weiß, Sie können ihn auch nicht ausstehen, Frida. sage Ihnen ich brauche diesen Mann! Wir alle, die wir etwas schaffen wollen, brauchen diese Itlugen, welterfahrenen, gebildeten Männer, die einen so viel weiteren Blick haben als wir. Ich wollte, weiß Gott, manchmal, ich wäre auch so leichtsinnig wie die Bataki und die andern, die heut einen Liebhaber nehmen und über's Jahr einen andern " ..O, Fräulein Rüder!" murmelte Frida erschrocken. Etwas in ihrem Innern kam bei den Worten der Sängerin gleichsam in's Schwanken, als sollte ein großer Einsturz in ihrem Herzen den Tempel zerstören, den sie der Freundin erbaut hatte. Ja, Frida ich bin des ewigen Kampfes müde!" Doris warf den Kopf zurück und faltete die Hände im Nacken. So stand sie lange schweigend 'und starrte hinauf zu den Sternen. Dann ging sie nachdenklich weiter. Warum nur eigentlich der Hochmuth? Warum der Widerwille? Wenn ich das nur ergründen könnte?" Es ist doch auch Erziehung," wagte Frida einzuschalten. Auch. Aber nicht nur. Nicht nur Erziehung. Ich bin doch als christliche Pfarrerstochter erzogen und bin nun eine ausgemachte Heidin, daß der Baron sich oft über mich entsetzt. Der geht noch in die Kirche und zum Abendmahl und bereut hin und wieder seine Sünden.--Frida, ich bin kein Künstlerblut ich denke zu viel an das Hernach " Gott sei Dank!" kam es aus Fridas Herzen. Kein Mensch weiß einem Dank," meinte Doris. Aber doch man steht anders da. Freier. Frida, nur die Frau, die nicht liebt, ist frei. Man sollte nicht lieben nicht Vater und Mutter, nicht Mann und Kind. Sein Herz an leinen Menschen hängen dann ist man frei. Ich könnte nicht Künstlerin und Mutter zugleich sein. Man wäre beides nur halb." (Fortsetzung folg:.)
Variante. Es ist nicht alles Student, was säuft." . öonuih Ich habe von Ihrem Haarbeförderungsmittel gelesen bitte, senden Sie mir zwei Flaschen von der wertben Tinktur!" ?cr Astrono,n als Srliutigam Sieh' den Stern da oben, Oskar das istnser G l ii ck s st e r n ! Du irrst, Geliebte! Das ist Alpha im Kleinen Hund!" Izn Sccbttd. Jsidor! Jsidor!" Was hast De denn?" Jsidor, ich hab' kein' Grund!" Na, was schreist De denn, wenn Te hast kein' Grund?" Manne. Weißt Du, gescheidter bist schon Du, aber ich bin schöner!" (Din geplagter Gatto. ...Ich habe geträumt, liebes Männchen, Du hättest mir einen schönen neuen Hut gekauft" Gut! Dann setz' ihn auf und lass' mich in Frieden!" In Wedanlren. Marie, warum schreit denn . der Kleine schon wieder?" Weil ich ihn trocken leg', Herr Professor!" Sooo. Ja hat es denn heut' schon wieder geregnet?" Eiisont tcrrible. Mutter (leise zu ihrem etwas verwilderten Sohn, dem es in größerer Gesellschaft bei Tisch aufstößt): Aber Karlchen, was war das?" K a r lchen: Gurkensalat, Mama!"Raucht die Tish I Mingo.
Vom Armande.
Einen Kampfmitneun Löwen hat der englische Oberst Harding, Commandant der Eingeborenenpolizei in Barotseland, ausgefoch- ' ten, bei dem er nur öermöge ungewöhnlicher Geistesgegenwart und Geschicklichkeit sein Leben zu retten vermochte. Während er auf einem Maulthier von Mugabra nach Kalomo ritt, kreuzten neun Löwen seinen Weg. Er riß seine Büchse von der Schulter und gab einige Schüsse auf die Bestien ab, von denen er zwei verwundete. Während er die Verwundeten auf ihrer Flucht weiter verfolgte, sprang eine Löwin von hinten auf ihn zu und riß ihn aus dem Sattel. Er hielt jedoch seine Büchse fest, feuerte einige Schüsse gegen das Thier und trieb es in die Flucht. In dem Kampfe war ihm ein Schlüsselbein gebrochen und ein Bein beschädigt worden, so daß er sich nur mit Mühe zur nächsten menschlichen Behausung schleppen konnte. Ueber pit deutsche Frauenbewegung in Rußland wird aus Libau geschrieben: Ein Ereigniß, das zur Zeit von der deutsch - russischen Bevölkerung mit Begeisterung aufgenommen und von den vornehmen Zeitungen wie Düna - Zeitung", Petersburger-Zei-tung" in längeren Artikeln gewürdigt wurde, ist die Thätliche, daß zum ersten'Male eine wissenschaftlich geschulte Frau öffentlich über die Probleme der Frau gesprochen hat. Daß die Wirtung so überaus günstig ist, ist nicht zum kleinsten Theil auf die überaus sympathische Jnterpretin Dr. Phil. Hel."ne Stöcker (Berlin) zurückzuführen, die mit ihrer harmonisch 'abgeklärten Persönlichkeit, ihrer weittragenden weichen, klangvollen Stimme, der künstlerischen Form ihrer Darbietungen auch die Widerstrebenden zu gewinnen weiß, so daß wir den frischen Luftzug, der damit in unser Land gekommen ist, in dankbarer Erinnerung behalten und auf eine baldige Wiederkehr hoffen. Zu einer peinlichen Scene kam es kürzlich bei einer Vor? führung des unter dem Namen Der kluge Hans" bekannten gelehrten" Pferdes in Berlin. Der Besitzer des Pferdes, Herr von Osten, führte den klugen Hans dem Vorstand des Deutschen Thierschutzvereins vor. Ein Mitglied des Vorstandes, ein Baumeister, nahm, als Hans wieder mehrere große Kunststücke vollbracht hatte, seine Uhr heraus und stellte sich so' neben das Pferd, daß dieses zwar die Uhr, aber nicht seinen Herrn, dieser aber auch die Uhr nicht sehen konnte. Dann zeigte der Baumeister dem Pferde die Uhr mit den Worten: Na, Hans, wie spät ist's?" Neugierig beschnüffelte das Pferd die Uhr, aber eine Antwort gab es auch auf eine wiederholte Frage nicht. Darüber gerieth Herr v. Osten in eine derartige Erregung daß er den Baumeister aufforderte, sofort sein Besitzthum zu verlassen. Der Baumeister fügte sich, um nicht einen Hausfriedensbruch zu begehen. Die Scene hinterließ bei allen Anlvesenden den peinlichsten Eindruck. DerjüngsteSoldatdes deutschen Heeres im Kriege 187071, Kanzleisekretär Pfeffer in Stuttgart, ist kürzlich gestorbene Pfeffer wurde am 30. Mai 1856 in Ulm geboren; nach beendigter Schulzeit trat er am 7. December 1869 als. Musikzögling beim damaligen württembergischen 2. Jäger - Bataillon in Stuttgart ein und wurde der ersten Compagnie zugetheilt. Den Krieg machte er als Hornist seiner Compagnie ohne Unterbrechung mit; er nahm an den Schlachten von Wörth, Sedan und Villier theil; bei Villier erhielt er einen leichten Streifschuß am Kinn. Es war in der That eine tüchtige Leistung für einen vierzehnjährigen Jungen, die Strapazen des ganzen Feldzuges durchzumachen. Nach dem Feldzug wurde er mit Auflösung des 2. JägerBataillons der 5. Compagnie des 1. württembergischen Infanterie - -Negi-ments zugetheilt; am 6. September 1872 schied er aus. Nach seinem Austritt vom Militär machte er vier Lehrgänge der Baugewerkschule durch und trat im Jahre 1876 in den Eisenbdhndienst über. E i n Liebesdrama spielte sich unlängst bei Pavia ab.. In dem benachbarten. Torricelli wohnt ein wunderhübsches Mädchen ErnestaCignoli, der von einem gewissen Luigi Quaglini der Hof gemacht wurde. Sie blieb aber den Werbungen des Jünglings gegenüber kühlbis ans Herz hinan und ließ ihm durch ihren Bruder mittheilen, er möchte aufhören, sie zu belästigen. Dem Ueberbringer dieer Unglücksbotschaft sollte es sehr 'chlecht ergehen. Kaum hatte der Bru)er Ernestas Wunsch verkündet, so ergriff Quaglini seinen Revolver und schoß dem Boten eine Kugel in den Leib, die eine schwere Verwundung herbeiführte. Der Uebelthäter büßte feine Wuth mit sechs Monaten Gefängniß. Kaum aber hatte er seine Freiheit wieder, so begannen seine Werbungen um Ernesta von neuem. Eines Tages überraschte er das Mädchen auf dem Felde, und als seine Liebesschwüre wieder kein Gehör fanden, nahm er von neuem Zuflucht zu. seinem Revolver. Ein Schuß erdröhnte, .und die schöne Ernesta j&rach zusammen, während Quaglini öavon lief, was er laufen konnte. Glücklicherweise prallte die Kugel am Corsett ab und Ernesta kam mit dem Schrecken davon.' ,
