Indiana Tribüne, Volume 28, Number 77, Indianapolis, Marion County, 21 November 1904 — Page 6
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Europäische Nachrichten.
roDinz 'Wrandenburg. Berlin. Der Präsident der E!senbahndirektion Berlin. Wirklicher Geheimer Oberregierungsrath Kranold, ist in den Ruhestand getreten und hat sich vo? seinen Räthen und Beamten verabschiedet. 'Tödtlich verunglückt ist der Zimmermann Karl Urlaub aus der Krausnickstraße 13. Er war auf einem Neubau an der Ecke der Herwarthstraße und des Krön-prinzen-Ufers beschäftigt. Bei einem Wohnungsumzug ums Leben gekommen ist die 72 Jahre alte Frau des Rentenempfängers Sucker. Sie hatte sich in der Durchfahrt des Hauses Mühlenstraße 68 hingesetzt, wurde dabei anscheinend von einem Schwindelanfall betroffen und fiel so unglücklich vor einen eben einfahrenden Kohlenwagen, daß ihr die Räder über den Leib gingen. Mit Lysol vergiftet hat sich das 22 Jahre alte Dienstmädchen Martha Richter. Der bekannte Schauspieler Maximilian Ludwig feierte den Tag seiner 40jährigen ZugeHörigkeit zum Kömgl. Schauspielhause. Bei dem vierten Selbstmordversuche hat der 54 Jahre alte Maurer Friedrich Rothe aus der Oranienstraße 4 den Tod gefunden. Seine Leiche wurde im Langen See gelandet. In einem offenen Briefe, der bei dem Todten aufgefunden wurde, theilt dieser mit, daß er die That aus Lebensüberdruß begangen habe. Bereits dreimal hätte er sich zu erhängen versucht, er sei aber jedesmal dabei überrascht worden. An der unteren Schleusenbrücke wurde die Leiche des 52 Jahre alten Almosenempfängers Ferdinand Strutz aus dem Neuen See gezogen und nach dem Schauhause gebracht. Er ist vermuthlich in der Trunkenheit ins Wasser gefallen. Alt-Glienicke. Aus dem Teltowkanal wurden hier die durch einen Strick zusammengefesselten Leichen eines .Liebespaares, des 19jährigen Maurers Otto Walter und der 16 Jahre alten Martha Maller aus Adlershof gelandet, die beide nach einem Zwist mit den Eltern des Mädchens 'verschwunden waren. Brunn (Ruppin). Nachdem er erst kürzlich sein 80. Lebensjahr vollendet hatte, verstarb jetzt Plötzlich der frühere Rittergutsbesitzer Max FreiHerr v. Romberg. Er wurde bei der Bildung des Herrenhauses, im November 1854, als Vertreter des alten und befestigtenGrundbesitzes im Landschaftsbezirk Ruppin-Havelland Präsentirt. Eharlott'enburg. In seiner Wohnung, Kleiststraße No. 9 verschied der Generalmajor z. D. Karl von Roese im Alter von 72 Jahren. Er besaß das Eiserne Kreuz 1. Klasse und war zuletzt Festungsinspektor in Köln gewesen. K o t t b u s. Das hiesige Schwurgericht rerurtheilte den 23jährigen Dienstknecht Friedrich 'SchneiderNaundorf, der nach seinem eigenen Geständniß in der Nacht zum 24, Juli bei Burg (Eolonie im Spreewald) die 27jährige Dienstmagd Marie Werchosch, die an ihn eine Alimentationsforderung hatte, durch Messerstiche ermordete, zum Tode und oauernoem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Landsberg a. W. Der Nestor der hiesigen Lehrerschaft, Rektor Gladosch von der Mädchenschule I, trat nach 53jährign Amtsthätigkeit im Alter von 74 Jahren in den Ruhestand. Die Abschiedsrede hielt KreiSschulinspektor Superintendent Dr. Rolke. Der Knecht Karl Pose aus Görlitz, der seine Geliebte Ottilie Scheerbarth ermordet hat, wurde hier hingerichtet. Schöneberg. Ein tödtlicher Straßenunfall ereignete sich hier. Als der 7jährige Pflegesohn des Eorrektors Iahn an der Siegfried- und Eolonnenstraße den Fahrdamm überschreiten wollte, gerieth er unter einen Kohlenwagen, dessen Pserde ihm den Hinterkopf zertraten. Frovin.z Ostpreußen. Königsberg. Ein alter Konigsberger, der Landschaftsmaler Hugo Knorr. ist in Karlsruhe, 70 Jahre alt, gestorben. Knorr war am 17. November 1834 hier geboren. Das fünfzigjährige Dienstjubikäum des Postdirektors Steffen ist unter allen nur erdenklichen Ehrungen und AusZeichnungen seitens der gesummten Eollegenschaft festlich begangen worden. Einen schrecklichen Selbstmord vollführte in dem Hauje Moltkestraße 16 die 43 Jahre alte Modistin Johanna Kroll. Sie legte ihren Sonntagsstaat an und bestieg die Bodenkammer des v?stöckigen Gebäudes. Von hier aus stürzte sie sich .durch den Lichtschacht hinunter. Der Tod muß sofort ewgetreten sein. Länger andauernde Arbeitslosigkeit soll der Grund der traurigen That gewesen sein. Bischofsburg. Gutsbesitzer Reddigk jun. aus Erdmannsdorf stürzte, als er in das obere Stockwerk sei.es Hauses steigen wollte, so unglücklich, von der Treppe, daß er sich einen mehrfachen Schädelbruch zuzogt Döhringen (Osterode). Inder mit Erntevorräthen gefüllten Scheune des Besitzers Friedrich Masan kam Feuer aus, das sich mit großerSchnelligkeit auf den mit Stroh gedeckten höheren Stall des Masan, sowie auf die Scheune des Besitzers Maleschka und inen in der Nähe stehenden Haser-
schober des Besitzers Kosakowski verbreitete. Alles brannte total nieder. erbauen. Vor Kurzem wurde der Hirt Schlisch aus Klonofken in das hiesige Jvhanniter - Krankenhaus aufgenommen, woselbst er alsbald verstarb. Nach feinem Tode tauchten Gerüchte auf, wonach der Verstorbene vergiftet worden fein sollte. Von feiten der Staatsanwaltschaft ist die Leichenöffnung angeordnet worden. Kaukehmen. Als die im 50. Lebensjahre stehende Händlerfrau Vritschin mit Wäschemangeln beschäfiigt war, stürzte sie plötzlich hin und war auf der Stelle todt. Ein Herzschlag hatte ihrem Leben ein Ende gemacht. L a k e l l e n. In dem Wohnhause des Besitzers Hegemann brach Feuer aus. Das Haus wurde vollständig in Asche gelegt. Pillau. In dem Vudnick'schen Gastlokal erstach der Fleischcrgeselle Fritz Kucklansky mit einem langen Schlächtermesser .den Kahnmatrosen Julius Pohl von der Königsberger Hulk Trudelt Roggen. Das Altsitzer Karczewskische Ehepaar feierte das Fest der goldenen Hochzeit. Pfarrer Ebel überreichte ein königliches Geschenk von 30 Mark und als eigenes Geschenk eine schöne Bibel. Vrorinz Westpreußen. Danzig. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte den 27jährigen Arbeiter Franz Nutz aus Lunau wegen Körperverletzung mit nachfolgendem Tode 'zu 12 Jahren Zuchthaus. Ruh ist bereits viermal wegen schwerer Körperverletzung bestraft. Am 5. August Abends hatte er ein Küchenmesser mit den Worten zu sich gesteckt: Heute soll noch Lunau in Blut schwimmen", und hat kurz darauf dem ihm gänzlich unbekannten Arbeiter Noch aus Nokittken, der sich vor einem Kruge in Lunau auhielt, zwei furchtbare Stiche in den Unterleib versetzt. Noch ist kurz darauf gestorben.- Dann hatte Nutz auf den vor der Thür des Kruges stehenden Arbeiter Theodor Meyer eingestochen, diesen aber nur unerheblich verletzt. Durch drei Messerstiche, von denen einer das Herz traf, wurde in St. Alorecht der Arbeiter Schulz aus Praust von einem anderen Arbeiler getödtet. Der Thäter ist veryasler worden. Briefen. Der Besitzer Drawert aus Königl.-Neudorf tödtete bei Au$Übung der Jagd auf dem Jagdgebiete seines Bruders einen erlegten Hasen vollends durch Schläge mit dem Gewehrlauf. Als er dann das Blut von dem Lauf abwischen wollte, entlud sich das unter dem rechten Arm gehaltene Gewehr, und die Schrotladung riß ihm drei Finger der linken Hand ab. E l b i n g. Frau Kommerzienrath Loeser in Berlin hat für Wohlfahrtseinrichtungen in der hiesigen Cigarrenfabrik von Loeser u. Wolff den Betrag von 100,000 Mark gestiftet, so daß der Grundstock jetzt 220,000 Mark beträgt. Graudenz. Mit seinem Dienstgewehr hat sich der Musketier Ziehke von der 8. Compagnie des hiesigen Jnfanterie-Regiments No. 141 erschossen. Ziehlke befand sich am letzten Manövertage in Goßlershausen im Quartier und soll sich von dort aus Furcht vor Strafe von seinem Truppenth'eil entfernt haben. Als er später in Linowo ermittelt wurde, erschoß er sich mit einer Platzpatrone. K o n i tz. Ein großer Brand brach auf dem Gehöft des Besitzers Wernick in Zappendowo aus, das vollständig niederbrannte. Von hier aus verbreitete sich das Feuer über die Gehöfte der Besitzer Drewek, Schulz, Müller, Sa. binasch und Wittwe Schreiber, die alles verloren. Frovrnz Fommern. Stettin. Ein Brandunglück ereignete sich in der Wohnung des Zimmermanns Witt im Erdgeschoß des Hinterhauses Kronprinzen Str. 21. Frau Witt, die auf dem Wochenmarkt handelte, hatte ihren etwa 4 Jahre alten Sohn allein in der Wohnung zurückgelassen. Der Knabe hat nun wohl beim Spielen mit Streichhölzern in der Kammer einen Gegenstand in Brand gesetzt, denn es entstand Feuer, welches auch in die Wohnstube hinüber,vrana. Der Knabe wurce todt aufgefunden. Nach dem Gutachten eines uizu ist er erstickt und sein Körper dann durch das Feuer ergriffen worden. Alt D a m e r o w. Eine Feuersbrunst zerstörte die Gehöfte der Bauern Frank, Musche, Ludwig und Bräunig. Sämmtliche Baulichkeiten wurden in Asche gelegt und die Aorräthe vernichtet. 5 Familien sind obdachlos. Finkenwalde. Der 13jährige hiesige Schulknabe Fritz Lehmann rettete vor einiger Zeit aus der Reglitz zwei Kinder vom sicheren Tode des Ertrinkens. Für diese muthige That erhielt der Knabe nun die Rettungsmedaille am Bande.
Greifswald. Tödtlich verunglückt ist der bei der Abfuhrdeputation beschäftigte Arbeiter Wiedemann. Derselbe war in einem Hause der Gützkowerstraße mit dem Heraustragen eines schweren Eimers beschäftigt und glitt auf den etwas glatten Steinen des Hausflurs aus. Mit einer schweren Verletzung am Kopfe wurde er in die Klinik eingeliefert, wo er verstorben ist. K o s l i n. Der ca. 17 Jahre alte
Herm. Mix aus Damshagen ist seit eiNiger Zeit verschwunden. Er war zuletzt in Klein - Saltikow gewesen, um ein Kalb zu kaufen, hat sich dann nach Rügenwalde begeben und ist seitdem nicht wieder zurückgekehrt. N a u g a r d. Niedergebrannt sind hier der große Rindviehstall und mehrere Familienhäuser des Gutes KniepHof. Eine Frau und ein Kind sind in dem Feuer umgekommen. S ch w e d t. Von einem umstürzenden Baum wurde der Cigarrenfabrikant Siemund von hier erschlagen. Siemund befand sich mit seinem Fuhrwerk auf der Chaussee - Neubaustrecke Schwebt Passow auf dem Heimwege, als er von einem eben gefällten Baum so unglücklich getroffen wurde, daß er sofort todt war. Z i n n o w i tz. Im Grundstück des Gärtnereibesitzers Heyde brach Feuer aus, wodurch dasselbe vollständig eingeäschert wurde. Vrovinz SHreswigLdorstetn. Altona. Die 9jährige Tochter des- am Amerika - Kai angestellten Obermaschinisten Danker wurde beim Spielen mit der Hauskatze von dieser in die linke Hand gebissen. Trotzdem die stark blutende Wunde nach kurzer Zeit von einem Heilgehilfen verbunden wurde, schwollen Hand und Arm so stark an, daß das Kind wegen hochgradiger Blutvergiftung in's Hafenkrankenhaus überführt werden mußte. Brunsbüttelerkoog. Der nach einem vom hiesigen Männerturnverein abgehaltenen Schauturnfest aus der Striche in der Nähe der Kanalmündung überfallene Schiffsmakler Michelsen, der bei der Firma Zerßen & Co. Hierselbst beschäftigt war, ist in Folge der ihm mit einem scharfen Instrument beigebrachten Verletzungen gesiorben. Eckernförde. Anläßlich der Kaiserparade bei Altona ist dem Seminarlehrer Harder, der fast 27 Jahre am hiesigenSeminar thätig gewesen ist, der Kroneyorden 4. Klasse verliehen worden. Fehmarn. Infolge Scheuwerdens des Pferdes wurden in Bannesdorf der Oberpostsekretär a.-D. Wagner aus Puttgarden, dessen Frau und ein junges Mädchen mit dem Wagen umgeworfen und erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen, an deren Folaen Frau Wagner nach kurzer Zeit starb. H e i st. Aus Anlaß der goldenen Hochzeit, an der 11 Kinder und 32 Enkcl des Jubelpaares theilnehmen konnten, erhielten die Eheleute Hofbesitzer Franz Heinsohn und Frau die Eheju bilaumsmedaille.
Humoristisches. Der, Anfang. 3to, haben Sie sich das Rauchen von Cigarren c.ögewöhnt?" Vorerst das von eignen!" Genügt. Warum hast du denn dein-Verhältniß mit der Köchin von Professor Meier gelöst?" Die hab' ich einmal Teppiche ausklopfen sehen!" Neues Wort. Erster Schauspieler: Der College Strebl erschleicht sich bei dem Direktor alle Nollen!" Zweiter Schauspieler: Also der reinste Rollmopser!" Einwand. Vater: Wenn Du fleißiger studni hattest, würdest Du mir manche Sorge gespart haben." Sohn: Was wolltest Du mit den gesparten Sorgen anfangen?" Bedingung. Haushälterin: Ihr Schimpfen, Herr Schwammcrl, hab' i jetzt dick! Wenn S' mich fernerhin noch schimpfen wollen, dann müssen S' mich schon heirathen." Der Geizhals. Geizhals (zu den Damen, die zu dem Baue eines Waisenhauses sammeln kommen): . . . Am Hofe liegen 20 Ziegel, die können sich die Damen mitnehmen!" Beim Wort genommen. Student: Guten Abend, wie geht's Onkel?" Onkel: Gut, lieber Neffe!" Student (zum Wirth): Sie haben's gehört, mein Onkel hat gut gesagt!" Undankbar. Hausfrau: Also Sie wollen uns verlassen, Kathi?! Habe ich Sie nicht immer behandelt, als gehörten Sie zur Familie? Köchin: Freilich, gnä' Frau und das lass' ich mir nicht länger mehr gefallen!" Ein guter Mensch. Gast (der sich eine Portion Essen bestellt): Kellner, Sie haben aber so schrecklich viel Fliegen da, es wird das Beste fein, Sie bringen gleich zwei Portionen Essen, eine jür mich und eine für die Fliegen!" Boshaft. Bauer (zum Advokaten, den er mit einem Prozeß betraut hat): Noch eins, Herr Justizrath, der Michelbauer, mit dem ich den Prozeß ansang', hat nächste Woch' am Dienstag Geburtstag, sorgen Sie, daß er an diesem Tage die Zustellung kriegt!" Kasernenhofblüthe. Feldwebel (zum Soldaten, der mit einem starken Nußfleck im Gesicht erscheint): Na, Müller, waschen Sie sich einmal gefälligst Ihr Gesicht ab! Sie möchten uns wohl gern glauben machen, Sie hätten das Pulver erfunden?" Jägerlatein. Oberförster: Denken Sie nur, meine Herren, als meine Frau heute beim Abendbrot meinem Dackel kein Stück Wurst gab, fiel der Kerl um und stellte sich ohnmächtig!"
Der Stammgast. Skizze von F. Wilde. Fünf Uhr Nachmittags. Fräulein Agnes klappert geräuschvoll mit den Tassen hinter dem Ladentisch der kleinen Konditorei. Dann setzt sie den dampfenden Kaffee auf ein Tablett und schiebt es über die runde Marmorplatte vor den lesenden Gast. - Der sieht slüchtig auf, nickt zustimmend mit dem Kopfe und murmelt ein kurzes Danke" durch die Zähne. Es ist behaglich warm hier in dem kleinen, gut geheizten Rauchzimmer. Der heiße Kaffee, der appetitliche Kuchenduft, die verschiedenen Zeitungen das helle Gas es ist wirklich gemüthlich und stimmungsvoll. Draußen weht ein schneidender Herbstwind, der das dürre Laub von den Bäumen zerrt und es aufwirbelnd vor sich hinfegt. Der eifrig lesende Gast wirft einen nachdenklichen Blick zum Fenster hinaus. Dann nimmt er einen schlürfenden Schluck aus seiner Kaffeetasse und drückt sich fester in die Sosaecke. Seit Jahren ist dies fein Platz. Seit Jahren heißt man ihn den getreuen Stammgast in der Konditorei, der täglich um dieselbe Minute mit präciser Pünktlichkeit erscheint. Immer in dem braunen Bureaurock! Unter dem weißen Klappkragen ein schwarzer Fliegenschlips. Das dünne, graumelirte Haar schlicht gescheitelt. Auf der langen, hageren Nase eine goldene Brille. Der Schnurrbart aller Mode zum Trotz energisch nach unten gebürstet. Man kennt hier auch feine Eigenheiten ganz genau und nimmt die zarteste Rücksicht darauf. - Man weiß, daß der schweigsame Junggeselle am Rande der Vierzig verschlossen und mürrisch ist. Daß er vollständig zurückgezogen lebt, ohne jeglichen Verkehr man taxirt ihn für einen knurrenden Men schenfeind. Und doch behauptet Fräulein Agnes mit dem Scharfblick ihrer 35 Jahre, der getreue Stammgast sei gar nicht so abscheulich, wie man ihn beurtheile. Er habe so gutmüthige blaue Augen, vor denen sie jedesmal schüchtern den Blick senken muß, um nicht zu erröthen, obgleich diese Augen ernst und gänzlich interesselos über sie hinwegsehen. Doch eines Tages geschieht etwas Unglaubliches noch nie Dagewesenes der Sofaplatz im Rauchzimmer bleibt unbesetzt. Längst hat der Zeiger die fünfte Stunde überschritten. Fräulein Agnes späht voll fieberhafterUngeduld nach der Thür aber der Erwartete erscheint nicht. Ihre Hoffnung sinkt von Minute zu Minute. Fräulein Agnes klappert wieder geräuschvoll mit den Kaffeetassen, zerschneidet den Kuchen mechanisch, bedient die Gäste im Rauchzimmer, aber alles wie im Traum. Er ist krank," geht es ihr plötzlich durch den Kopf, und das Herz klopft ihr beängstigend bei diesem Gedanken. Wer wird ihn pflegen? Keine sorgende, liebende Hand! Er hat ja keinen Freund, keinen Menschen auf der Welt, der um ihn sich bangt! Ach wenn sie zu ihm könnte! Und sie erschrickt fast über solchen begehrlichen Wunsch in ihrem keuschen, jungfräulichen Herzen. Ein ungemüthlicher, naßkalter Octobertag. Der Regen klatscht gegen die Fensterscheiben draußen heult der Sturm. In der kleinen Konditorei entwickelt sich ein reges Kommen und Gehen. Die behagliche Wärme hier drinnen vertauscht man so gern mit dem schauerlichen Wetter. Fräulein Agnes hat viel zu thun, sie eilt geschäftig hin und her. Plötzlich aber bleibt sie stehen. Das Tablett zittert in ihren Händen, denn in die Thür tritt soeben der lang Vermißte der alte Stammgast, und begibt sich an seinen Platz. . Fräulein Agnes hat kaum gewagt aufzublicken. Jetzt aber sieht sie durch den großen Spiegel hinüber in das Rauchzimmer, der die Gestalten dort deutlich wiedergibt. Und ihre Augen werden größer. Sie starrt das Spiegelbild des alten Stammgastes an, als sei es eine Fata Morgana. Sein Gesicht scheint verjüngt es sieht glücklich aus.' Die Augen leuchten, der sonst so fahle Teint ist belebt, der vernachlässigte Schnurrbart verräth die Kunst des Coiffeurs. Und das Unbegreiflichste: An der Wand hängt ein nagelneuer Paletot! Der -braune Bureaurock ist verschwunden. Ein schwarzer Smoking umkleidet die hagere Gestalt des Stammgastes. Den Hals zwängt ein moderner Stehkragen, darunter eine breite, seidene Kravatte. Sogar Handschuhe trägt er regelrechte roth braune Glacchandschuhe. Fräulein Agnes fährt aus ihrer Bersunkenheit empor, denn ein grüner Jupon rauscht soeben an ihr vorüber. Darüber ein dunkler Tuchrock graziös - gerafft. Eine m?t unVergleichlichem Schick gekleidete, kleine, schlanke Person tritt in das Rauchzimmer, den Kopf mit dem runden, großen Wolkenhut selbstbewußt zurückgeworfen. Ein suchender Blick aus zwei kecken, braunen Augen, dann . . - Fräulein AgneS schwanken , di:
Kniee, sie muß sich auf die Kuchenbleche Mützen, um Halt zu gewinnen. Der Stammgast geht auf das rauschende Persönchen zu, gibt ihr die Hand, nimmt ihr galant die Jacke ab, den regentriefenden Schirm. Fräulein, meinen Kaffee und einmal Schokolade,- bestellt er, dann im Thürrahmen erscheinend. Fräulein Agnes beißt die Lippen aufeinander und bringt das Gewünschte. Der Stammgast lächelt ihr huldvoll zu. Das erste Mal in seiner langen Stammzeit. Sie haben sich wohl schon über mein langes Ausbleiben aewundert, Fräulein?" .Ja!" Nun ich habe mich verlobt! Hier, meine Braut," fügt er stolz hinzu. Die Braut mit dem pikanten Sesichtchen unter einer toupirten Haarfülle sieht das Konditorfräulein kühl von der Seite an. Fräulein Agnes eilt davon. Ihr schmerzt der Kopf. Thränen stehen in ihren unschönen, kleinen Augen. Vorbei vorbei! Auch diese Hoffnung muß sie begraben! Aber die Neugier in ihrem Herzen läßt sich doch nicht besiegen. Ihre Blicke wandern zu dem verrätherischcn Spiegel herüber, und was sie dort schaut, bringt ihr Blut erst recht in Wallung. Was ist aus dem knurrenden Menschenfeind geworden?! Ein verliebter Narr, der wie ein schwärmerischer Jüngling sich gebärdet. Linkisch, beinah schüchtern streichelt er die kleine Hand, die neben der seinen liegt, und feine Augen hängen mit flimmernder Glückseligkeit an den plaudernden Lippen seiner Braut. Diese wippt mit dem Stuhl und streckt ihre Füße, die in knappen Lackschuhen stecken, weit von sich. Sie blickt hierhin und dorthin. Sie lächelt, sie schmollt, sie cokettirt, und dabei vertilgt sie löffelweise Schlagsahne. Fräulein Agnes grübelt vor sich hin, und ihr Herz beginnt sich mehr und mehr zu beruhigen. Sie kommt zu der Einsicht, daß ein Mann, der diesen Geschmack gezeigt und solch' ein cokettes Ding zur Frau begehrt, nämals zu ihrem einfachen, schlichten Gemüth gepaßt hätte. Ein Jahr ist vergangen. In der kleinen Konditorei steht Fräulein Agnes noch immer hinter dem Ladentisch und bedient die Gäste. Sie ist sehr gealtert in dem letzten Jahre. Gleichgültig, interesselos, einsilbig ist sie geworden. Seit der getreue Stammgast ortgeblieben, hat sie alle Lebensfreude verloren. Er ist natürlich nicht wiedergekommen seit jenem Abend, da er seine Braut präsentirte. Nn sitzt er längst in feinem traulichen Heim, wo es tausendmal behaglicher sein muß als hier in dem verräucherten Zimmer der altmodischen Konditorei. Eben schlägt es fünf! Fräulein Agnes blickt auf die Uhr. Jedesmal wenn ihr der Glockenschlag diese Stunde verkündet, fährt sie leicht zusammen. Sie sieht unwillkürlich nach der Thür, als müßte der Stammgast wieder eintreten wie damals. Da taucht plötzlich eine Vision auf eine unheimlich lebenswahre. Sie kommt zur Thür herein groß, hager, ernst. Fräulein Agnes preßt die Hände an ihre Schläfen. Träumt sie? Wacht sie? Eine mürrische Stimme spricht zu ihr: Meinen Kaffee." Sie richtet sich hoch empor. Ja sie wacht doch; sie sieht, sie hört der alte Stammgast ist wieder da. Sie bringt ihm den Kaffee, ohne einen forschenden Blick unterdrücken zu können. Er scheint diese stumme Frage Pein-, lich zu empfinden. Seine Mienen werden noch unfreundlicher. Damit Sie nicht vor Neugier sterben," sagt er unwirsch und guckt das Fräulein über die Brille an, meine Verlobung ist zurückgegangen." Dann verschanzt er sich hinter ein Zeitungsblatt. Fräulein Agnes antwortet nichts. Sie nickt nur still und verständnißvoll, als wolle sie sagen: Ich dachte es mir; wie wäre es auch möglich, daß solch' ein leichtfertiges Geschöpf zu Ihnen paßte! Ich weiß nicht, ich hatte eine geheime Ahnung, daß es so kommen würde." Dann tritt sie wieder hinter den Ladentisch und blickt in den Spiegel. Welch' ein anderes Bild gibt es heute zurück, als vor einem Jahre, wie der alte Junggeselle Bräutigam war. Der schwarze Smoking, der steife Kragen, die seidene Kravatte alles wieder in Acht und Bann gethan. Wie einst sitzt er heut' da, der getreue Stammgast: im braunen Bureaurock, mit dem Klappkragen, dem Fliegenschlips. Wieder der knurrende Menschenfeind, nur älter, grauer, verbissener geworden. Aber Fräulein Agnes erscheint er um so liebenswerther, und sle beginnt von neuem zu hoffen. SchonFachmann. Der alte Jsaak: Moritzche, wenn Du noch a ainziges Mal falsch rechnest, laß ich. Dir fasten aw:n Tag!" Moritzche: .Also prclcr.:p vorlaisig!"
