Indiana Tribüne, Volume 28, Number 74, Indianapolis, Marion County, 17 November 1904 — Page 6
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Judiana Tribüne,. 17. November 1901
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Erkaltung
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Stiller Menschenmord. Novelle von Franz Herczeg. Der Plan des Menschenmordes hatie vor acht oder zehn Jahren in der Seele der Mitschuldigen Wurzel gcfaßt, als Franz Timar zur Zeit des berühmten Pferdemarktes von Küllovaros zum ersten Male Olga Bacs, die Tochter Wolfgangs, des Gutsbesitzers von Banhida, erbliäte. Zur Klärung der Situation lasse ich vorausgehen, daß die Familie Bacs seit dreihundert Jahren stets den Namen Bacs führte, Timar jedoch einst auf den Namen Traurig gehört hatte. Timar, der damals ein Mann von achtundundzwanzig Jahren war, hatte in der Großen Gasse von Küllövaros ein hübsches Gemischtwaarengeschäft, das geradeso wie das Majorat eines anderen Menschenkindes sein legitimes Erbe war. Er arbeitete mit zwei Gehilfen und einem Lehrburschen, trotzdem war aber auch er selbst, eine schwarzseideneMütze auf dem Kopf und einen Bleistift am Ohr, vom Morgen bis zum Abend in seinem Gewölbe. Als Kaufmann von echtem Geblüthe verstand er es trefflich, im Geschmack seiner Kunden zu sprcchen, besonders in jenem des FrauenVolkes, und die Stubenmädchen aus der oberen Stadt gingen Allmorgens selbst an den Gewölben vorüber, nur um bei Timar die Rosinen für den Strudel kaufen zu können, weil Timar das Wort Gnädige" mit so aufrichtiger Huldigung aussprach, wie kein anderer von den Kaufleuten in Küllo varos. Eines Tages am ersten Tage des berühmten Pferdemarktes hitli ein Vierspänner vor dem Blauen Löwen. (Der Blaue Löwe ist der Name der TiMärschen Gemischtwaarenhandlung.) Timar zog dieMütze vom Kopfe: Wolfgang Bacs in Begleitung von Olga trat in das Gewölbe. Das Fräulein diktirte dem Kaufmann eine ganze Liste von Delikatessen; das Alles ist alsbald in das Schloß von Banhida zu senden. Es ist Vaters Geburtstag, und wir erwarten viele Gäste," sagte sie, einen lächelnden Blick auf ihren Vater wersend. Als sie den, Preis des Hummer erfuhr, schrie sie vor großem Entsetzen auf, dann begann sie zu feilschen leidenschaftlich, gleichsam erbittert, nach dem Brauche guter Hausfrauen. Wo denken Sie hin, Herr Timar? Drei Gulden!" Wolfgang Bacs vergnügte sich sehr an dem Zigeunern seiner Tochter. Du würdest selbst die Sterne vom Himmeln herunterhandeln!" Olga küßte schmeichelnd die Hand des schönen alten Herrn, als wollte sie ihn damit schweigen machen, dann theilte sie dem Kaufmann in energischern Tone ihr Ultimatum mit. Jrgendwie wurden sie dennoch Handelseins. Bacs gab darauf dem Timar eine Fünfzigguldennote und knitterte das herausgegebene Geld ungezählt in seine Tasche. Timar sah die Bacs'schen neuerdings noch am selben Abend im Goldenen Adler, wohin er als Junggesell: nachtmahlen ging. Das Gasthaus war mit lautstimmigen Marktleuten gefüllt und die Gutsbesitzer aus der Umgegend sammelten sich beim Komitatstische. Es mochten ihrer gegen zwanzig gewesen sein, Herren mit starken Nacken und rothen Gesichtern; eine einzige Dame saß unter ihnen: Olga. Das Mädchen hörte lächelnd die Pfer-demakler-Anekdoten an, ab und zu wechselte sie zärtliche Blicke mit ihrem Vater, der sie mit der Höflichkeit des Kavaliers ehemaliger Mode bei Tische bediente. Timar überraschte und rührte die zarte Anhänglichkeit, die das Mädchen gegen ihren Vater bezeigte. Wolfgang Bacs war übrigens thatsächlich der Mann, den man lieb haben konnte. Viele sagten von ihm, daß er der interessanteste und manierlichste Mensch sei, dem sie in ihrem Leben beaeaneten. Er war zeitlich ergraut, doch
war sein Haar dicht und fein wie weiße Seide. Sein schwarzes Auge leuchtete in jugendlichem Feuer. Und sein Gang .war so elastisch wie der eines Jünglings. Er besaß in hohem Maße die seltene Kunst, mit welcher man die Sympathie der Menschen im Fluge erobern kann. Diese Kunst ist ziemlich selten und dennoch überaus einfach. Vacs machte zur Grundlage seines Verfahrens mit den Menschen den folgenden Satz: Ich behandle jeden Menschen so, als ob ich von ihm überzeugt wäre, daß er mich.liebt. Mit diesem einfachen Griff entwaff nete er selbst die verschlossensten Mensehen. . Der junge Kaufmann betrachtet: nachdenkend die Bacs'schen im Goldenen Adler. Ein eigenthümliches, verworrenes, schmerzliches Sehnen erwachte in seiner Seele. Er stand im Rufe eines routinirten Kaufmanns, dabei war er aber in großem Maße das, was man einen guten Jungen zu nennen pflegt. Ein Waisenkind, wuchs er unter fremden, kleinlichen Menschen auf, und niemals wurde er dessen theilhaftig, wonach er unbewußt schmachtete: wahrer Zärtlichkeit. Er sprach den Kreisnotar von Äanhida an, der sich an seinem Tische niedergelassen hatte. Wolfgang Bacs mag tm sehr braver Mann sein." Der Notar zuckte die Achseln. Der wüthendste Kartenspieler, des
Landes." Timar fiel die Gabel aus der Hand. Wolfgang Vacs?" Er. Sein eigenes Vermögen Hai er schon verspielt, und jetzt ist er daran, auch das mütterliche Erbe seiner Tochter zu verspielen." .Wolfaana Bacs?" Der Notar hatte die ÄZahrheit gefprochen. Der liebenswürdige alte Herr krankte an der Sucht des Karten spiels, wie viele Menschen an der deö Alkobolaenusses.
Und doch war er ein geistreicher und gebildeter Mann. Er kannte die Menscben, ja sogar sich selbst. Mit seltener Verständigkeit wußte er von den geheimen Neigungen der menschlichen Natur zu sprechen; wenn sich ihm aber Gelegenheit bot, so spielte er ganze Nächte hindurch, sinnlos, mit unersättlicher Leidenschaft, Alles auf's Spiel setzend. Er würde sich vielleicht nicht scheuen, j sein Seelenheil auf eine Karte zu setzen, wenn sich ein Teufel fände, der es hielte. Der Markt von Küllövaros wurde verhängnißvoll für Wolfgang' Vacs. Wieder hatte er drei Nächte mit den Herren vom Komitat gespielt, und wiewohl er bis an's Ende mit unnachahmlicher Kaltblütigkeit die Karten theilte, hatte er am vierten Tage so viel verloren, daß er zur Tilgung seiner Schulden eine Frist von mehreren Monaten erbitten mußte. Olga begann erst dann zu ahnen, daß es ein Unglück giebt, als ihr Vater i die Frage des Gutsberkaufes vorsichtig zur Sprache brachte. Das Leben aus der Pußta haben ihn abgemüdet, die I Kornspeicher wurden von schlechten Jahren heimgesucht, Olga aber hatte er ein besseres Loos zugedacht, als daß sie ihre jungen Jahre draußen am Dorfe verleben sollte. Siehe, dieser hat auch sein Gut verkauft, jener auch; ein Jeder hat es verkauft; wenn man Wolfgang Bacs anhörte, so waren diese die klugen Menschen die verkehr ten Besttzergreifer des Vaterlandes. Sie übersiedelten also in die Stadt. In der Hauptgasse, gerade gegenüber dem Gewölbe Timars, hatten sie eine Wohnung gemiethet. Wolfgang Bacs der unverbesserliche Optimist, der selbst seinen materiellen Ruin wie ein .kurz anhaltendes Uebergangsstadium auffaßte miethete in der Hoffnung auf die schönere Zukunft eine große und -tbeure Wohnung mit Vorzimmer und Boudoir für seine Tochter. Die nothwendigen neuen Möbel wollte er erst im Frühjahr anschaffen, und da er. bis dahin auch das für die Möbel bestimmte Geld verspielte, so blieb die Wohnung bis an's Ende leer und machte einen überaus traurigen Eindruck. Was Olga bis dahin nur geahnt hatte, davon konnte sie sich jetzt schon Gewißheit verschaffen: Sie versanken langsam, aber unwiderstehlich in den Pfuhl der kleinen Schulden. Wolfgang Bacs, der einst um Tausende spielte, konnte jetzt nur mehr einzelne Gulden auf ein Blatt setzen; aber seine frühere vornehme Ruhe und sein früheres hartnäckiges Unglück ließen ihn auch jetzt nicht im Stich. 1 An dem veränderten Loos Lcr Bacs fand Niemand seine Freude, nur Timar, der blaue Löwe, wie man ihn in der Stadt nannte. Er brauchte nur am Morgen und beim Abendschein vor die Thür seines Gewölbes zu treten, um Olga in dem gegenüberliegenden Fcnstcr sehen zu können, und diesen Anblick hätte er nicht um einen Landesjahrmarkt hergegeben, obzwar am Sonntag die Käufer vom, Lande sein Geschäft in wahre Belagerung nahmen. Das stille Interesse, das er -für die Tochter des Gutsherrn empfand, wurde zur stillen Schwärmerei, seit er Olga von Tag zu Tag so schön und traurig sah, zumal sie jetzt nicht mehr in so unerreichbarer Höhe über ihm stand wie ehedem. I Im Frühjahr ereignete sich etwas: Timar, der Kaufmann, schrieb einen Brief an Olga Bacs. Vielleicht hatte er die Blicke, die das sich langweilende Mädchen auf die Gasse warf, auf sich bezogen, vielleicht hatte er sich von dem Duft der in der Hauptgasse blühenden Akazien berauscht; genug: Timar warb um die Hand Olga's. Der Brief, in dem er das that, würde verdienen, unter den Dokumenten über das Menschenhcrz aufbewahrt zu werden. Er war eher trocken als überfließend und machte einen besonderen Eindruck dadurch, daß er aus Bescheidenheit das Wort Liebe konsequent vermied. , Er schätze das Fräulein hoch und biete ihr seine Hand an, obwohl er sichtlich selber nicht glaube, daß man auf seinen Antrag reflcktiren werde. Doch hätte er nicht Zeit, ihr den Hof zu machen und verstehe sich auch nicht darauf; deshalb wolle er auf'diese Weise mit sich selbst ins Reine kommen. Auch war ein wenig Rühmens in dem Briefe, als er' seiner materiellen Verhältnisse gedachte, die es ihm bei ihrem günstigen Stande ermöglichen, eine Familie zu unterhaltcn. Dann eine leise Anspielung, ans der ersichtlich war, daß es Timar wenn Olga seinen Antrag annehmen sollte als seine Pflicht erachten würde, auch die Angelegenheiten von Wolfgang Bacs in Ordnung zu bringen. j Das Mädchen durchlas den Brief zweimal, auch dreimal. Es überraschte xz nicht sehr, ihr weiblicher Instinkt hatte ihr schon längst eingeflüstert, daß der ehrliche Kaufmann sie liebe, mit viel mehr wahrer Liebe, als er es in j seinem Briefe auszudrucken vermag. Bis zur Abenddämmerung dachte sie
dann daraüber nach. Sie hatte bis jetzt nur Männer gekannt, in deren Händen das Geld zerschmolz wie Märzenschnee. Der thäthige, energische Kaufmann, der die Kunst, Vermögen zu erwerben, augenfällig so gut verstand, imponirte ihr. Ob sie Timar liebe? Darauf wagte sie nicht zu antWorten. Doch fühlte sie in ihrem von weiblicher Zärtlichkeit erfüllten Herzen, daß sie ihm eine getreue Genossin sein könnte. , Sie xai ans Fenster und ihr Blick
begegnete jenem Timar's, der vor seinem Gewölbe stand. Der Abend dämmerte bereits und das Halbdunkel gab Beiden Muth, einander in die Augen zu blicken. ' Von diesem langen Anschauen schwindelte Beiden, und ihre Herzen begannen heftig'zu pochen. Und plötzlieh blickten sie einander mit anderen Augen an. Nicht der bescheidene Kaufmann vom Lande und die Tochter des berühmten Wolfgang Bacs sahen einander fest in die Augen, sondern ein willenskräftigcr Mann und ein sehnsuchtsvollcs, hoffendes, junges Mädchen. Olga mußte das Fenster verlassen, weil ihr Vater heimgekehrt war. Er kam nicht allein, sondern brachte die Iräfinnen Neviczky, seine alten Gutslachbarinnen, mit. Er hatte sie auf der Vasse getroffen, wo er ihnen einige zeistreiche Komplimente sagte, Da machten die Mädchen insgeheim die Beerkung, daß Wolfgang Bacs denn doch ein lieber Mensch sei, und schäm :en sich ein bischen, daß sie sich um ihre verarmte Freundin Olga jo wenig gekümmert hatten. Mit der Lorgnette in 'der Hand durchschritten sie der Reihe nach die leeren Zimmer. Sehr hübsch! Wirklich herzig!" Wolfgang Bacs gewahrte unterdessen den auf dem Tisch liegenden Brief Timar's. Darf ich ihn lesen?" Warum denn nicht, Papa! Aber später. Bacs hatte jedoch den Brief bereits überflogen. Er lächelte und reichte ihn ruhig den Gräfinnen. Lesen Sie doch!" . Das kleinere Mädchen bekam wahrhaftig den Lachkrampf. Sie lachte wie eine Taube. Aber, so was! Der Blaue Löwe will Olga heirathen!" Die Größere kam in Wuth. Unverschämtheit!" Wolfgang Bacs war jedoch anderer Ansicht. Warum wäre es rine Unverschämtheit? Ein Mann kann eine Dame nicht mehr ehren, als wenn er ihr seine Hand anbietet. Der Blaue Löwe hat seine Sache nur darin verfehlt, daß er sich mit Olga auf die gleiche Stufe gestellt hat. Doch that er dies nicht in beleidig ender Absicht, sondern aus Naivität " Olga selbst lachte ebenfalls, doch war ihr Antlitz blutroth. Wo hatte sie nur den Verstand, daß sie den Blauen LLwen, den rothhändigen Kaufmann, zum Schwiegersohn des Wolfgang Vacs machen wollte? Zum Schwiegersohn des Wolfgang Vacs und zum Verwandten der Neviczky, der Hatfaludy, der Vivo? Sie wollte das ja auch nicht ernstlich. Weiß Gott, was sie wollte Vacs selbst antwortete dem Blauen Löwen. - 1 In einem sehr höflichen Briefe dankte er Timar für den ehrenden Antrag. Sodann endete er seine Zeilen mit einer feinen Malice: Wir hoffen," schrieb er, daß Herr Timar das Familienglück, das ihm meine Tochter nicht bieten kann, in anderen ihm näherstehenden Kreisen finden werde." Damit war die Angelegenheit erledigt. Im Sommer nahm das Loos der Vacs eine noch schlimmere Wendung. Wolfgang, der der Hoffnung nicht entsagte, daß er einen Theil der Mitgift früher oder später zurückgewinnen werde, spielte immerfort und verlor immerfort. Olga aber lernte das Elend kennen, und zwar in feiner schrecklichsten Ausgabe: Sie lernte das glänzende Elend kennen. Den Neviczky'schen kam damals ein großherziger Einfall: Sie nahmen Olga zu sich. - Sie konnten sich mit ihren Gesellschafterinnen durchaus nicht vertragen. Olga aber war seit ihrer Kindheit ganz anspruchsloser und sanfter Natur. Wolfgang Bacs hätte niemals zugegeben, daß Olga von der gräflichen Familie Gehalt annehme, daß aber die Gräfin dem Mädchen ebensoviel Tafchengeld gebe, als den Komtessen, dagegen konnte er keinen Anstand erheben. Was Olga an Geld besaß, das schickte sie zu Beginn eines jeden Monats ihrem Vater nach Küllövaros ; die Folge davon war, daß Wolfgang Bacs die erste Nacht eines jeden Monats beim Kartentische verbrachte. Er spielte nicht mehr mit Komitatsoberbeamten und Gutsbesitzern, sondern mit Schreibern und Kleinpächtern. Mehrere Jahre verstrichen, bis Olga mit Franz Timar wieder zusammentraf. Das Mädchen kam nach Küllövaros, um ihren Vater zu besuchen : sie hatte Bacs schon lange nicht gesehcn. Der alte Herr erschrak, als er die große Aeranderung bemerkte, d:e mit Olga vorging. Auf zwanzig Schritte Abstand besehen, .war sie noch hübsch genug; wer sie aber näher betrachtete, konnte wahr-
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nehmen, daß ihre Gesichtshaut lichtgelb sei wie altes Elfenbbein, und daß am Rande ihrer Lippen zwei pedantische Falten sitz'. Sie war ein altes Fräulein geworden. Bacs zog die Stirn in Falten. Vielleicht behandeln Dich Neviczky's nicht gut? Dann nehme ich Dich sogleich von ihnen fort." Olga schüttelte mit traurigem Lächeln den Kopf.' Sie behandeln mich sehr gut Anfangs waren sie ein wenig eifersüchtig auf mich, aber jetzt machen mir die jungen Herren nicht mehr den Hof, und die Mädchen haben mich sehr lieb . . Na, drum sag' ich's ebm !" Als sie Nachmittags mit ihrem Vater vor dem Gewölbe Timar's vorbeispazierte, stand der Blaue Löwe draußen auf der Gasse. Ueber dem Haupte des braven Timar war die Zeit nicht spurlos verstrichen. Er aina der Korvulem stark entgegen, demzufolge waren lerne Augen noch kleiner geworden, seine Wangen aber wurden so lächerlich rund und rosig wie die eines Wickellindes. An feiner Weste hing eine Goldkette, so groß wie eine Schrägenkoppel. Die schwarze Seidenmütze trug er jetzt nicht nur im Gewölbe, sondern auch auf der Gasse, wenn er in's Bierhaus hinüberging. Er besuchte oft das Bierhaus, wo er mäßig, aber systematisch den Gerstensaft trank. Als er jetzt die Bacs erblickte, hob er die Mütze und sagte mit der schnatternden Betonung der Provinzialkaufleute : Gehorsamer Diener ! Hab' die Ehre !" In diesem Augenblick, freute- sich sowohl Olga als auch Bacs, wahrscheinlich auch Timar, daß aus jener Sache nichts geworden war. Und es kam ihnen nicht in den Sinn, daß sie zu Dritt Jemand gemordet hatten : eine Frau, eine runde, kleine Kaufmannsfrau. eine liebende Gattin und zärtliche Mutter. Europäische Nachrichten. Waöen. Karlsruhe. Hoftheaterbibliothekar Georg Ereuzbauer feierte fein 25jähriges Dienstjubiläum. Während 23 Jahre hatte der Jubilar die Tageskasse zu führen und seit zwei Iahren ist er ausschließlich auf der Verwaltung beschäftigt. Ag last er Hausen. Die hiesige Gemeinde hat durch das erfolgte Ableben ' ihres langjährigen erprobten Oberhauptes, des Bürgermeisters H. Brunn, einen schmerzlichen, unersetzliehen Verlust erlitten. Dur lach. Dem Professor Sigmund Eberstein am hiesigen Progymnasium wurde vom Großherzoz das Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Freiburg. Von St. Märgen aus fuhr der 24jährige K. Löffler mit zwei schwer beladenen Wagen kürzlich nach hier. Unterwegs gerieth sein Mantel infolge starken Windes in ein Rad. Löffler. kam unter das Rad zu liegen und wurde erdrückt. Kurze Zeit nachher fand dieMutter, die selbst nach Freiburg gehen wollte, ihren Sohn todt auf der Straße, nachdem der Leichnam noch ungefähr zehn Minuten von den Pferden weiter geschleppt worden war. Konstanz. Vom Schlage getroffen wurde auf dem Bahnsteig der columbische Konsul Filipo Tagliavia; er wohnte in einem hiesigen Hotel und wollte nach Romanshorn zum Besuche seines Bruders reisen. O b e r k i r ch. Der 22jährige ledige Mechaniker Josef Boschert wmde auf der Eisenbahnbrücke, über dieRench tödtlich verletzt aufgefunden. Trotz ärztlicher Hilfe starb der Verunglückte bald darauf. Die Untersuchung wird feststellen, ob Unglück oder Selbstmord vorliegt. Mannheim. Zu Neckarau fiel das ljährige Töchterchen des Fabrikarbeiters I. Harant in unbewachtem Augenblick in eine nur wenig mit heißem Wasser angefüllte Badewanne und zog sich dabei am Gesicht, Arm und-Rücken starke. Brandwunden zu, denen es erlag. S ch r i e s h e i m. Ein blutiges Familiendrama spielte sich im Hause des Fleischbeschauers Nassauer ab. Im Verlaufe eig:s Streites verletzte der Vater den Sohn mit dem Messer so schwer, daß keine Hoffnung auf ErHaltung seines Lebens vorhanden ist. Trost berg. Die Leiche des in weiten Kreisen bekannten Getreive Händlers Paul Voglmeier von unterneukirchen, der seit einiger Zeit abgängig war, wurde bei Hartkirchen aus dem Jnn gezogen. Schlechter Geschäftsgang soll den Mann in den Tod getrieben haben. Unterpleichfeld. Privatier Michael Bauer beging in bewunde rungswerther Rüstigkeit seinen 100. Geburtstag. Unterleupoldsberg. Gutler und Weber Andreas Schmidt wurde in seiner Scheune schrecklich verstümmelt als Leiche aufgefunden. Der Verdacht der Thäterschaft lenkte sich sofort auf den Bruder und den Sohn des' Ermordeten, den Fuhrmann Adam Schmidt und den VauernAdam Schmidt, die' verhaftet wurden. .Würz bürg. Hier verstarb plötzlich der Handelsrichter, und Großkauf-
mann Anton Rigl,' eine in weitesten Kreisen beliebte und geachtete Persönlichkeit. W a l d s h u t. Hier gerieth Zimmermeister Josef Herzog beim Absteigen von einem Fuhrwerk mit einem Fuße in die Speichen des Rades, wobei ihm der Fuß abgerissen wurde. ?lHeinpscrrz. B ö h l. Der auch in der Umgebung hiesiger Gemeinde bekannte Küfer Gcorg Ullrich wurde letztens beerdigt. Viele Ortsbürger, der-hiesige Kriegerverein, dessen treues Mitglied er war, der Militärverein und viele Freunde und Kriegskameraden von 187071 aus Nah und Fern gaben ihm das letzte Geleite. Ullrich war ein tüchtiger Geschäftsmann, eine allgemein geachtete und beliebte Persönlichkeit. Erpolzheim. Kürzlich fuhr der Landwirth Heinrich Rings mit einem Einspännerwagen nach Hause. Unterwegs scheute das Pferd vor einem Mädchen, das einen mit einem weißen Tuch bedeckten Korb auf dem Kopfe & V trug, und sprengte in rasendem &a lopp dem Dorfe zu. Am Hause Karl Hubach II. prallte der Wagen mit aller Wucht an und wurde zertrümmcrt; dabei wurde Rings der linke Fuß oberhalb des Knöchels vollständig abgedrückt. Das Pferd selbst erlitt keinen Schaden. G o m m e r s h e i m. In dem AnWesen von Wwe. Lischer brach Feuer aus, das solche Ausdehnung annahm, daß ihm außer dem genannten Anwesen noch die von Phil.. Lischer, PH. Silbernagel und die gesammten Nebengebäude des oberen Schulhauses zum Opfer fielen. Lautzkirchen. Im hiesigen Kalkwerke wurde dem Arbeiter Nikolaus Schößer durch einen Felsblock im Gewicht von 40 Centner der Brustkorb einaedrückt. Auch das linke
Schlüsselbein soll ihm gebrochen sein. Die inneren Verletzungen waren so schwerer Natur, daß bald darauf der Tod eintrat. Pirmasens. Der 61 Jahre alte verheirathete Wirth Ludwig Trumpf in der Alleestraße erhängte sich in seinem Schlafzimmer. Trumpf soll schon längere Zeit krank gewesen lein. Ettaß.Lothringen. Homburg (Habsheim). Der in Habsheim wohnende Graf Meaupon war mit seinem Sohne und dem 21jährigen Verlobten seiner Tochter, Poechlin hier, auf der Jagd. Dem jungen Grafen ging unversehens das Gewehr los und der Schuß traf seinen Schwager in dsn Schenkel. Der Verletzte ist später an einer inneren Blutung gestorben. Metz. Hoboist Stahl sprang mit seiner Geliebten, einer verheirateten Kellnerin, von der Georgsbrücke in die j Mosel. Ein Passant rettete den Ho- ' boisten, die Kellnerin verschwand in den Wellen. Der Senior der Geistlichkeit der Diözese Metz, Pfarrer und Erzpriester Karl Müller zu St. Binzenz, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Er stand seit 38 Jahren an der Spitze dieser wichtigen Pfarrei und war Ehrendomherr seit 1868 und Priester seit 1841. Steige. In dem Hause des hiesigen Bürgers Clavelin brach so überraschend schnell Feuer aus, daß die Familie nur das nackte Leben retten konnte. Der 77jährige Vater Clavelin begab sich trotz der Gefahr nochmals in das brennende Haus zurück, um versteckte 10.000 Mark zu holen. Der Dielenboden stürzte aber mit ihm ein und begrub den Greis im Keller, wo man einige Leichenreste ausfand. Das Geld war bis auf 16 Mark den Flammen zum Opfer gefallen. Winkel. Der 76jährige Einwohner Hoenner wurde von seinem Sohne im Streite erstochen. Hierauf brachte der, Sohn seiner Mutter mittelst eines Knüppels Verletzungen bei. Hldenburg. Oldenburg. Geheimer Kanzlist Jtzken blickte auf eine 50jährige ehrenvolle Dienstzeit im Staat zurück. Der Abtheilungsvorsitzende im Kaiserlichen Patentamt zu Berlin, Geh. Regierungsrath Ferdinand Siebenbürgen, früher im oldenburgischenSkaatsdienste, ist zum Direktor in dieser Behörde ernannt worden. Bleien. Die Müblenbesitzung des Herrn Hayßen zu Blexermühle ist verkauft. Hayßen zieht als Rentner nach hier. E v e r st e n. Einen traurigen Tod erlitt der Arbeiter Bohlsen. Der 64jährige alte Mann wollte aus dem Brunnen eines Nachbars einen Eimer Wasser schöpfen: Er verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in den Brunnen. Trotzdem sofort Hilfe zur Stelle war, konnte er nur noch als Leiche aus demBrunnen hervorgezogen werden. Wahrscheinlich hatte ein Schlagfluß dem Leben des allgemein beliebten Kriegsveteranen ein Ziel gesetzt. K n e h e i m. Die Dienstmagd Hempen aus Bösel, die bei dem Zeller Gerken hi bedienstet war, wurde von dem Verwalter Rempe daselbst veranlaßt, ihm ein geladenes Gewehr auf den Wagen zu reichen. Sie führte dies in der Weise aus, daß der Lauf des Gewehrs auf sie gerichtet war. Durch irgend einen, nicht aufgeklärten unglücklichen Zufall hat sich das Gewehr entladen und ist dem Mädchen die volle Schrotladung in den Kopf gedrungen. Die ganze linke Backenseite ist fortgerissen und der Tod sofort ein-treten.
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