Indiana Tribüne, Volume 28, Number 73, Indianapolis, Marion County, 16 November 1904 — Page 7
Jndiana Mbüne, 16 November 1003
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JU u 5m iiiö fe Sölinc -LA r n n ü I iV VT tf. 44 44 (Sortfeftung.) Alles in allem aber war es eine gute Zeit, dieser Mai und Juni mit seinem fröhlichen. Verkehr Zwischen den jungen Leuten, seinem Herumtollen in den b!üthenvollen Gärten, seinen Streifzügen in die Lustschlösser und Parks der Umgegend von Bernhardshausen, unter der gütig-nachsichtigen Obhut von Mademoiselle, und das noch unschulhn? hoÄ sfficrr fceimlTff erreaende yS"' IT" I s Tpiel mit der Liebe die all diesen Halbwüchsigen, temperamentvollen Kindkrn noch ein erschreckendes, anziehentte Veheimniß war. 'Frau Vürgelin nahm an den Ausflügen selten theil. Sie litt viel an neuralgischen Schmerzen in der Wange, die 'sie dem ungewohnten rauhen Thuringer Klima zuschrieb- und ertrug, weil sie sah, wie mächtig ihre Knaben sich entwickelten. Sie fühlte auch, wie sie im Verkehr mit der Jugend trotz allen guten Willens ein: gewisse Steifheit der Engländerin nicht überwinden konnte, wie ihre Gegenwart hemmend und beklemmend wirkte. In dem frohen jungen Leben um sie her fühlte sie selbst, die doch auch noch Feuer und Kraft in den Adern trug, sich allein und einsam. Das erregte sie mehr, als sie es sich selbst zugestehen wollte. Zuweilen, wenn sie die Treppen ihres Gartens hinausstieg und vom Spielplatz das Gelächter und Geplauder zu ihr herabtönte, überfiel sie mit heißem Verlangen der Wunsch, es mochte eine? der Knaben, der Mädchen in heimlichem Warten nach ihr gebangt haben und in ungestümer Schwärmerei für ihre Person alles um sich her vergessend, zu ihr geflogen kommen. Dionys freilich lief auf sie zu, sobald sie erschien. Sie drückte ihn an sich, liebkoste ihn und führte halb unbewußt vor den andern ein: kleine Komödie mit. ihm auf, um sie zu reizen und ihnen zu zeigen, wie sehr sie geliebt werde. Tie jungen Gaste küßten ihr ehr furchtsvoll die Hände. Aber sie störte doch. Und sie hatte den Wink gesehen. den Mademoiselle, die allzeit Ammerk same, Dionys gegeben. Er war liicht von Hibi zu ihr geflogen. Es that ihr leid. ei that ihr wirklich leid, den fröhlichen Kreis durch ihre Uebersiedelung nach den Thüringer Bergen zu stören. Aber sie hatte ihre Pläne schon fest bestimmt; das Haus, welches Karl besichtigt hatte, war gemiethet worden. Und sie empfand fast eine heimliche Befriedigung, nichts mehr ändern zu können wie eine kleine Rachsucht gegen die' Jugend, die sie so selbstverständlich aus ihren Kreisen ausschloß. Um diese subtile Rachsucht in sich zu betäuben, .ud sie die Wählerischen Madien wie die Bergllng'sche Ge schwii'terschaar herzlich ein, sie und die Knaben im Thüringer Wald zu suchen.. Mia erschien nur ab und zu alsein fremder Gast zwischen der ubermuihi gen Schaar. Sehr oft geschah es, daß Karl, in der heimlichen Hoffnung, sie zu sehen, sich m ihrem Elternhaus emstellte und sie nicht fand. Sie lebte in dem bürgerlich-geselligen Familienverband ein stllles Sonderdasein. Fragte er ihre Mutter nach ihr, so begann die Staatsrathin zu schelten über Miai wunderliches Wesen, brach dann plötz lich seufzend ab und schaute traurig sorgenroll drein. , Karl blieb nichts übrig, als, sich an Eva zu halten, und n?t mnr sein U?5ermutü nur das Netäuben eines geheimen Schmerzes. Mia hatte doch seine Freundin sein wollen warum ließ sie ihn nicht m lhr Wertrauen ein? Nicht einmal ihr Zimmer kannte er. Es lag im oberen Stockwerk des Hau ses und Eva hatte ihm gesagt, daß Mia es durchaus nicht liebte, wenn man sie dort aufsuchte. Trotzdem hatte er es einmal gewagt, einzudringen. Es war zu Anfang Mai gewesen, als das Dienstmädchen ihm eines Ta ges verrieth, das Fräulein sei zu Haus sie habe nicht Lust, herunter zu kommen, well Besuch cti ihrer Mutter sei Da mache sie sich immer davon. Als Karl, oben angelangt, nach leisem Klopfen die ihm bezeichnete Thur offnete. drang ihm ein starker Blumenduft entgeqen. Riesenhafte Zweige blühenden Flieders, Schneebälle und Goldregen standen in irdenen Krugen umher, dunkle Schwertlilien und orangegelbe Kaiserkronen blickten ihm mit ihren feierlichen Blumengesichtern entgegen. Auf einem weißen Fell unter den überhangenden goldenen und blaß lila Dolden lag Mia lang ausgestreckt die Arme hinter dem Kopf verschränkt und blickte verträumt in die Blumen. Karl stand athemlos vor Entzücken auf der Schwelle. , Nur ein leises, staunendes Ach kam aus- seinem Herzen, das in lauten Schlaaen pochte.. Leise auftretend ging er zu' Mia und streute die weißen Berganemonen, die er in der Hand trug, über das Mädchen yrn. Sie schlug, ohne ich zu regen,
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Vornan von Gabriele Neuter .... 33 n Yj tt st st tt v$ w w vr vI" die Augen zu ihm auf, schaute ihn remd an, wie betäubt durch die starken Düfte oder durch ihre irrenden Phantasten. Er kniete bei ihr nieder, voll Andacht und stillen Glücks betrachtete er sie. . Mmalig wurde ihr Auge klarer. Ein Zug von Wehmuth, ja von Schmerz schlich unter semem Blick über ihr braunes Gesicht. Plötzlich richtete sie sich auf, packte ihn mit beiden Händen in sein dickes Haar, schüttelte seinen Kopf sachte hin und her und rief: Du narriiches Seelchen! Du lieber, wunderlicher Mensch!" Karl zog ihre Hand aus seinem Haar, drückte sie an seinen Mund und küßte ihr dann die Fmgerchen jedes einzelne. Nicht Du " saate sie halb verlegen, halb unbehaglich und versuchte. die Hand frei zu bekommen. Er preßte sie ihr, daß es sie schmerzte. Seine Augen standen unter Thränen, er zitterte am ganzen Leib. Mia seufzte und schüttelte den Kopf. Dann erhob sie sich und ging von ihm fort, trat an's Fenster und schaute hinaus. Die Schwalben, die m der Abendsonne um den alten Thurm kreisten, schössen zähen Fluges an ihr vorüber. Sie lehnte hinaus und blickte den Vögeln nach. Karl wagte es endlich, sich ihr wieder zu nähern. Beide schauten schweigend dein anmuthigen Fliegespiel zu. Kinderlärm drang von der Straße zu ihnen herauf. . Siehst Du die beiden Steine, die dort aus der grauen Mauer ragen?" fagte das Mädchen plötzlich. Ja." Weißt Du, was ste bedeuten?" New." Sie trugen einen Vorsprung mit einer Steinbrüstung. Da mutzten dann die armen Mädchen stehen. Und die Leute warfen mit Steinen und faulen Aepfeln nach ihnen. - Sie hielten die Kmder an, auch hinauf zu qxttu und zu werfen Welche armen Madchen?" fragte Karl zerstreut. Wßt Du die-die- Ach.- Du weißt ja doch. Das waren grausame, Zelten, sagte Karl verwirrt und beklommen. Die Menschen sind noch ebenso grausam heut. Und Niemand weiß vocy, was so em armes Dingchen trieb. Wie sie stch geängstigt haben muß, da oben zu stehen, angebunden. und alle die bösen Blicke ertragen zu müssen, so em armes, armes Geschöpfchen " Denk mcht an so etwas, bat Karl. Mia schaute noch immer hinaus. Doch," sagte sie leise, ich muß immer daran denken, jeden Tag, wenn ich hier am Fenster stehe. Immer, immer, Was die Liebe alles erträgt." Sie wandte sich in das Zimmer zurück, ihr iunges Antlitz, ihre ausdrucks volle Gestalt von einem geduldigen Schmerz gezeichnet. Karl blizte ste an und hätte sie gern verstanden. Er trug das Schwere mit ihr und wußte doch nicht, aus welchem Grunde es entsprang. Man muß die Liebe doppelt lieben, wenn man darum leidet," murmelte er. Komm, wir wollen hinuntergehen," sagte Mia ruhig. Warum?" fragte er leise. Es ist so schon hier. ' Ach, ste werden böse, wenn ich immer hier oben stecke," sagte Mia. Stellst Du die Blumen, die ich Dir brachte, nicht in Wasser?" fragte Karl mit sanftem Vorwurf, als sie durch' s Zimmer gingen und er die weißen Glocken verstreut auf dem braunen Fußboden liegen sah. Du hast recht. Was bin ich für ein vergeßliches Dingchen! Zu gar nichts nutz!" Sie suchten gemeinsam die Blu men auf, und Mia ordnete ste zu an dern Blüthcnzweigen in einen der dunkelgrünen Krüge. Karl empfand eine unbestimmte Enttäuschung, einen leisen Kummer. Sie hätte seinen Blumen einen gesonderten Platz gönnen dürfen. Aber er fagte nichts und verabschiedete stch schnell und emstlbig. Karl ging öfter in die Spinnmühle zum Doktor Fahrenhorst. Nicht immer fand er den indischen Philosophen allein. Als er zum zweitenmal, auch wieder von Mia aufgefordert, bei ihm eintrat, sah er ihn mitten m emem aroßen Kreise von jungen Leuten, die lachttn uno mwatzten und allerlei Allotria zu treiben schienen, dem der Gelebrie gedankenvoll zuschaute. Er nahm Karl bei der Hand und führte ihn zu emex kleinen, unruhig umherblickenden .Dame, die Karl als den iunaen Freund ihres Mannes" ein wenig zerstreut begrüßte. Mit der übrigen Gesellschaft konnte sich Karl bekannt machen, so aut er es vermochte. Niemand hielt für, nöthig. ihn vorzustellen. Er fand schließlich, daß ein Theil derselben aus den Töchtcrn und Söhnen des Doktor fahrenhorst bestand. Ein junger Mann mit
einer sehr tiefen, volltönenden Stimme, an deren Besitz er stch sichtlich erfreute, stand mitten unter der grünen Ampel und deklamirte mit Pathos t.n unverständliches Gedicht. Ein andrer Jüngling sprang, als er kaum geendet, mit einem Erlauben.Sie mal" auf ihn zu, das Werk zu kritisiren. Das schien der erste sich nur ungern gefallen zu lassen, und sie stritten unter der Ampel mit lauten Worten und heftigen Geberden. Plötzlich wurden ste vön der wilden Musik einer Geige übertönt. Ein Mädchen war auf einen Tisch gestiegen und verübte von diesem erhabenen Standpunkt aus mit erstaunlicher Virtuosttät einen rasenden Csardas. Die laute Unterhaltung der Uebrigen ging aber unverändert ihren Gang, obschon der Doktor Fahrenhorst ein paarmal in die Hände schlug, um Ruhe zu gebieten. Er lagerte wieder in seinen Mantel gehüllt und von Kissen unterstützt auf seinem Diwan. Mia saß still auf einem Schemelchen ihm zu Füßen. Seine Frau kam mit kindischen, vogelartigen Bewegungen des Kopfes herbei und erzählte affektirt, der Vrc!ten, den es hatte geben sollen, sei einmal wieder nicht aus der Stadt g:kom-
men. Jedes der halbwüchsigen Madchen und Knaben wurde gefragt, wer ihn beim Fleischer bestellt hätte. Es fand stch nun, daß keinem ihn bestellt hatte. Dann essen wir etwas andres," sagte Doktor Fahrenhorst gassen. Man sollte dem Essen mcht so viel Wichtigkeit beilegen." Der glückliche Besitzer der tiefen Stimme und des erhabenen Pathos erklarte sich bereit, Nahrungsmittel zu suchen. Die Hausfrau brach darübe: in ein helles Gelächter aus und setzte stch neben ihren Gatten auf den Diwan, indem ste nach türkischer , Art die Beine unterschlug. Alles stürmte schreiend und lachend hinaus und brachte durcheinander angeschleppt, was m Küche und Keller an Lebensmitteln aufzutreiben war. Karl betheiliate sich mit fteuer eiser an diesem Beutezug. Er schleppte zwei Topfe mit Pflaumenmus herbei Ein anderer entdeckte mehrere saure Gurken, ein vierter kam mit Brot und einer Tüte Zucker. Der Pathetische schwenkte an, einem Flügel tnumphi rcnd einen zur Hälfte abgegessenen gebratenen Hahn. Wein- und Bierflachen gab es auch, und die Krone bildete eine reich garrnrte Hummermayonnaise, welche fertig hergerichtet auf dem Kuchemisch gestanden hatte. Alle die verschiedenartraen Speisen wurden, nachdem der Eßtisch mit rnelern Hallo beiseite gerückt war, auf den Fußboden gestellt, einige Teller und Gabeln gab es auch, aber zu wemg. Men lagerte stch m malerischen Grup pen und begann zu schmausen, was man gerade erreichen konnte: Pflaumenmus und Hummermayonnalse ode Arot und Zucker und saure Gurken. Um den Hahn entspann sich ein Kampf. bis der Pathetische, der zwar Dichter war, aber daneben noch Medlzm studirte, erklärte, ihn nach den Regeln der Anatomie zerlegen zu wollen, wobei er denn mit großer Feierlichkeit die fleischlose Hälfte des Gerippes an die ihn Umdrängenden austheilte, für sich aber die andere Halste behielt, die er trotz allgemeiner Empörung verzehrte. Man trank sich gegenseitig die Bierglascr aus, man schüttete vor Lachen Wem über Kleider und Fußboden. Schließ lich ergriff Karl, der von der allgemeinen Raserei angesteckt wurde, die zier liche Geigerin mü dem blassen, schon seltsam verwüsteten Gesicht um die Taille und begann mit ihr einen Galopp um die Reste der ungeregelten Mahlzeit. Glaser zerbrachen, Teller wurden zertreten, es gab -nur Anlaß zu neuem Gekreisch und Gelächter. Jemand sturste im Nebenzimmer zum Klavier, alles sprang, hüpfte, schwenkte, wirbelte, wie es Platz fand, durchemander. Doktor Fahrenhorst lehnte gegen eine weiße Thür, von der sein seidenschimmerndes Haar sich abhob wie ein bleicher Heiligenschein. Sein schmales, feines, kränkliches Gesicht, das mcht jung und mcht alt war, spiegelte die übermuthige Lust um ihn her Nicht wider Mia stand neben ihm, hielt seine Hand und tauschte ab und zu ein leises Wor mit ihm. Sie hatt: es abgelehnt, zu tanzen. Karl horte im Vorbeisausen wie Doktor Fahrenhorst zu ihr sagte: - r..?. !?.. rri . . r.ir.F c . r x. tn Ä'as lUDTcixioc cronRiicin ves rtm 111 die Welt." Aufgeregt, förmlich berauscht kam Slaxi nach Hause. Das war ein andere Vergnügen gewesen, als wenn seine Mutter ihnen -junge . Madchen einlud und . in einem Fauieml. dabei saß. um stch am Frohsinn der Jugend zu ergötzen, während man Pfänderspiele spielte oder umherstand und Konversatwn machte. Es kam da ein qani frem der, unnatürlicher Ton zwischen ihn und seine guten Freundinnen. Ihm war, als sei heut etwas m sner Brus! frei geworden, etwas Wildes. Tolles ein Hang zu zügelloser Lust, den er nocg mcgi, inNjicg gerannr. JUSaorcnD des Herumtobens hatte er die kleine j. f. j I crf w Geigerin auf. ihre vom Tanze rothalü hende Wange geküßt ohne sich etwas zu denken nur so gerade hin. Dann hatte er, über, sich selbst entsetzt, au Mia geblickt. Sie hatte es nicht ae sehen, und er schämte sich ' fürchterlich Aber er war trotzdem stolz auf feinen Muth und semen Leichtsinn. Er bt gleitete Mia später nach Hause, hinter ibnen ging die Köchin von Staatsraths.
Karl sprach kaum ein Wort, zuweilen blickte er sck'eu auf Mia. Eine Sehn-
ucht, ja em heftiges Verlangen war m hm. ' erwacht, das keine Ähnlichkeit mehr hatte mit dem Gefühle stiller Andacht, die er bisher vor ihr empfunden. Er war bestürzt über sich selbst. Es war Erleichterung, als er Mra verlassen durfte und allein blieb. Nach einer Nacht voll reizender Träume und wirrer Phantasten lief er um fünf Uhr hinaus in den Morgenduft und Thau. Er lief vier. Stunden ang über die Felder nach Vuchenrode und kehrte dann müde, erschöpft, in Schweiß gebadet nach Hause 'zurück, zum Entsetzen von Pauline, die derarige Extravaganzen durchaus nicht liebte: besonders wenn ste mit der Forderung einer Mahlzeit zu irgend einer ungewöhnlichen Zeit schlössen. 7. Kapitel.' as Haus im. Dambachgrund, das Frau Vllrgelin für ihren Sommeraufenthat gemiethet hatte, lag am Eingang eines bewaldeten Bergkessels, den durch schöne Wiekn plätschernd ein Helles Wässerchen belebte. Weiterhin verengte sich der Kefcl zu emem Thal mit kuhnen, roth, silbergrau und schwefelgelb schillernden Felsgebilden, die phantastisch und gefährlich über dem , Wege hingen. Die Dorfstraße streckte sich hinaus in die Ebene, in der Wiesen und Haferfelder mit einzelnen Shickch Tannenwald wechselten. Dambachgrund war noch kein Modebad, es besaß nur em einziges ländliches Gasthaus, in dem seine Sommerfremden, sparsame Fair..llen mit vielen Kindern, gern vorlieb nahmen. Frau Bürgelin hatte das ganze Bauernhauslem gemiethet. Pauline mußte die Woche einmal bis zweimal nach der Stadt hineinfahren, um die nöthigen Lebensmittel zu beschaffen Frau Bürgelin hätte die gewohnte Kost nicht entbehren mögen. Schon vor den Gasten aus Bernhardshausen traf eme Landsmännin aus Schottland ein. Miß Hastings hatte stch Frau Bürgelin in einer sehr kritischen Zeit ihres Lebens als Freundin bewährt. Sie war die .erste aus dem vornehmen Londoner Kreise geWesen, die ste besuchte, nachdem ste den Foreigner" geheirathet hatte. Miß Hastrngs sprach bei ihren Verwandten muthige und tapfere Worte zu ihrer Vertheidigung. ' Und wenn Sir Allanbicc der Schwester endlich den romantischen Streich verzieh, so war es nicht zum mindesten das Werk von Miß Hastmgs. In diesem Bemühen verband sich christlicher Liebeseifer seltsam mit einer beinahe heidnischen Schwäche, die Miß Hastmgs für die Schönheit emPfand. . Einen Mann zu bewundern O Shockmg niemals, niemals! Sie fand Manner auch nicht schon. Aber sich an einer herrlichen Frau, einem süßen Mädchro freuen, das verlieh dem um so unendlich vielen Pflichten' unv Selbstüberwindungen angefüllten Leben einen idealen Zauber, einen Hauch von schwelgerischer Poesie. Und damit auch hier die Moral und ihre Uebungen nicht zu kurz kamen es galt doch neben der stillen Anbetung der Schönheit den Neid zu ersticken, und auch eme gewisse Rebellion gegen den Schöpfer, der so weiche Schultern runden und andere so eckig modeln konnte, der so weiße Kehlen bildete und anderer Leute Hals- i knochen so spitz hervorstechen ließ, der so holde Rosen auf reizende Gesichter hauchte und mancher langen, dünnen Nase, manchen langen, dünnen Wangen ein so hartes, bläuliches Kolorit verlieh. ' Frau Bürgelin und Miß Hastings hatten in ihrem Denken und Meinen nicht ein einziges Gebiet, auf. dem sie übereinstimmten. Am meisten aber stritten ste über religiöse Fragen. Beide Damen waren Nachkommen jener starren Genossen Oliver Eromwells. die mit dem Schwerte unter den Feinden und Gegnern ihres Glaubens gewüthet hatten. Der alte puritanische Schlachtruf Hie Schwert des Herrn und Gideon!" hatte sich auf den Lippen von Frau Bürgelin in das Feldgeschrei Hie Freiheit und Atheismus!" verwandelt. Aber tolerant hatte die Frei-, heit sie nicht gemacht. Wenn sie die Macht besessen: auch sie hätte Klöster in Flammen aufgehen und Priester an die höchsten Bäume knüpfen lassen. - Miß Hastings war die Stillere, aber eigensinnig und hartnäckig auf ihrem Vorsatz beharrend, die bewunderte Freundin dem Himmel zuzuführen. Um dieses Endziels willen begann sie immer und immer wieder trotzdem sie wußte, daß dann Edina, von ihrem heftigen Temperament hingerissen, selbst die Pflichten der Gastfreundschaft vergaß, sie geistig mißhandelte, Blasphemien a'usstieß, ste verhöhnte lind beleidigte. Waren die Damen friedlich zu einem Spaziergang miteinander ausgewandert, so kehrten ste sehr oft auf verschiedenen Wegen heim, jede v:rschloß sich in ihr Zimmer, keine erschien bei der Mittagstafel. Dionys berichtete stets mit derselben ehrfurchfsvollen Gelassenheit von den immer so seltsam zu gleicher Zeit auftretenden Migränen der Damen. Karl lachte und spottete, bis es ihm Mademoiselle sanft verwies. Die stille Iranzösin hatte Einfluß über ihn, weil er sah, daß ihre Stellung im Hause keine leichte war, und weil er ein heimliches, niemals ausgesprochenes Verständniß für seine schwierige Lage bei ihr. fühlte. Eines Sonnabends follten Berglings und Wählers endlich kommen, um über den Sonntag zu bleiben. Zwei
Wagen waren bereit, bie Gäste nachdem Dambachgrund zu führen. Karl stand auf dem Perron, den breiten Vinsenhut mit einer Habichtsfeder geschmückt, im Knopfloch seiner Leinenjoppe einen dicken Feldblumenstrauß, einen zweiten auf seinem hohen Tannenstecken, so daß er einem ländlichen Freiwerber auf einem Bauernbilde der guten alten Zeit ähnelte. Schon aus dem Vahnzug scholl ihm ein fröhliches Hallo entgegen. Die kleine Gesellschaft traf unter dem Schutz von Mama Wöhler in fröhlichster Laune ein. Man krähte, -bellte, pfiff und heulte zum Willkommen. Doch während alles unter Necken und Gelächter aus dem Wagen sprang, die Berglingschen Jungen die Wälder mit melodischem Jodeln begrüßten, die lustigen Mädchen Karl die Sträuße entrissen, blickte er bestürzt in das geleerte Koupe. Mit einer Stimme, die vor innerer Bewegung keinen Klang mehr besaß, fragte er nach Mia. Ja Mia ach, das wußte er noch nicht? Die war mit der Familie Fahrenhorst nach Tirol gereist. ... 5 Während die Jugend den Wald durchstreifte, klagte die Staatsräthin Frau Bürgelin ihre Noth um Mia wie Frauen, . wenn sie in's Plaudern kommen, ihre Sorgen austauschen. Das Mädchen föhle sich so unbefriedigi, und eigentlich habe sie es doch sö gut auf der Welt. Vergebens suche sie sie zu geregelter Thätigkeit anzuhalten.
Aus dem Sophiemnstltut sei sie .entlassen, weil sie so unbegabt sei. Der Direktor habe gemeint, es verlohne sich nicht, daß sie die Selekta besuche. In der Kleinkinderbewahransialt, in der Sonntagschule, wo andere junge Mad chen ihres Alters sich beschäftigten, er rege sie nur Anstoß durch ihre wunderliehen Reden, mit denen ste stch überHaupt Feinde mache, sobald ste sich em mal entschließe, den Mund aufzuthun. Und doch sei ste so em gutes, ausrichn ges und hilfsbereites Kind, seufzte die Staatsräthin, der augenscheinlich gerade diese unverständliche Tochter besonders an's Herz gewachsen war. Viel von ihrem regellosem Kommen und Gehen, gestand sie, müsse vor dem Vater vertuscht werden. Ihr Mann könne das gezierte, absonderliche Gethue nicht leiden. Die Staatsräthin schwieg hier erschrocken, weil ihr einfiel, daß Frau Bürgelin doch auch ein wenig absonderlich fei und sie hatte um's Himmels willen keine Anspielung beabsichtigt. Sie wurde dunkelroth und lächelte verlegen wie än junges Mädchen. Dieser Ausdruck von unschuldiger Verschämt heit auf dem Gesicht der älteren Frau gefiel Frau Bürgelin. Sie dachte: Bei keiner, von ihren Töchtern habe ich ihn je wahrgenommen aber würde es nicht besser fein, die Frau wäre weniger weltfremd? ' Mia flößte ihr keine besondere Sym pathie ein. und sie ließ sich sehr von ihrer Empfindung für oder gegen das Aeußere.der Menschen leiten. Doch nach dem. was die Mutter erzählte, be gann sie sich für das Mädchen zu interessittn. Mit leichter Schadenfreude überlegte sie, was das gute Kind seinen biederen, bürgerlichen, deutschen Eltern noch für Räthsel aufgeben würde. Frau Bürgelin bewunderte in der Theorie das deutsche Bürgerthum und seine Tüchtigkeit, feine einfache, Holzschnittartiae Poesie, aber wenn sie im Leben mit ihm zusammentraf, zuckte sie doch verächtlich die Lippen uber seme Ge schrnacklosigkeiten und Kleinlichkeitsiramereien. (Fortsetzung folgt.) Vom Kircytyurme aogeft ü t t. Von der Ainne des Kirchtburms in Volna. Böhmen, wo sie Ausbesserunas - Arbeiten verrichteten. stürmten der Klempnermeister Fengl und sein Lehrjunge in die Tiese. Beide blieben mit zerschmetterten Gliedern todt liaen. Mordthat wegen einiger A e p f e l. Weil zwei Bahnarbeiter auf dem Besttzthum eines gewissen Aigner in Dirnbach, Niederösterreich, einige Aepfel auflasen, erschoß der Sohn des Eigenthümers den einen Bahnarbeiter und verletzte den anderen lebensgesährlich. Der rabiate Kerl wurde verhaftet. ' An e i n e m T a g e g e si o r - b-e n ist in. Eschwege, Hessen-Nassau, das Jakob Rückhardt'sche Ehepaar. Der 74 Jahre alte Ehemann starb Vormittags, die 53 Jahre zählende Ehefrau Nachmittags. Sie wurden in einer gemeinsamen Gruft beerdigt. Erfrorener Veteran: In einem Straßengraben bei Stemack. Bayern, wurde unlängst ein HandWerksbursche, ein Nagelschmied aus Schlesien, der dort genächtigt hatte, erfroren aufgefunden. Er trug die Kriegsdenkmünze von 187071. Durch die Press geht die Mittheilung, daß das Reichsmarineamt einer Familie in Kiel auf offener Postkarte den Tod ihres am Typhus verstorbenen Sohnes mitgetheilt habe. Wie wir erfahren, hat der Staatssekre-' tär v. Tirpitz sofort, als er von dem Vorfall erfuhr, Erkundigung eingezogen und, da leider diese -grobe Ungeschicklichkeit begangen worden war, Abhülfe eintreten lassen. Er hat auch der betroffenen Familie darüber Mittheilung zugehen lassen, daß er den Mangel an Takt und Gefühl, der sich in der gewählten Form der Todesnachricht zeige, durchaus mißbillige.
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