Indiana Tribüne, Volume 28, Number 72, Indianapolis, Marion County, 15 November 1904 — Page 6

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Judiana Tribüne. 13. November 1902.

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Europäische Nachrichten.

'ZfrsVknz ZSeNfaken. Dortmund. Die 15 Jahre alte Tochter der ' Eheleute Arbeiter Schwarz, welche dieser Tage mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern an Vergiftungserscheinunaen erkrankte, ist im Krankenhause gestorben. Die übrigen hofft man dem Leben zu erhalten. E v e k i n g. Hier ist der 25jährige Fuhrknecht Johann Friedrich Her mann Lehmann mit einem ihm anvertrauten Betrage von 67,000 Mark verschwunden. In seiner Begleitung dürfte sich der 37jährige Anton Leier aus Hauptmannsdorf in Böhmen befinden, der mit ihm verschwand. Lehmann, der bei der Firma W. Berg in Diensten stand und öfters ähnliche Aufträge ausgeführt hatte, wurde mit Pferd und Wagen nach Lüdenscheid geschickt, um hier die fälligen Löhnungsgelder in Hohe von 67.000 Mark bei der Reichsbank abzuholen. Als er in Lüdenscheid das Geld übernommen, machte er 'sich auf den Rückweg; da sein langes Ausbleiben auffiel, wurde ihm Leier entgegengeschickt, doch ist auch dieser verschwunden und wahrscheinlich mit Lehmann geflohen. Haspe. In der Bröckingschen Fabrik wurde der Arbeiter C. Goldchmidt von dem Hebel einer Maschine o unglücklich gegen den Kopf getrofen, daß Goldschmidt einen Schädel bruch erlitt und nach wenigen Augenblicken starb. H i l l i n g s e n. Dem Landwirth Albert Greune brannte die ganze Besttzung, Wohnhaus, Stallgebäude und Viehhaus, iotal nieder. Obwohl die Oestinghauser Freiwillige Feuerwehr sofort zur Brandstätte geeilt war, konnten die Gebäude wegen Wassermangels nicht gerettet werden, doch gelang es, einige Hausger'othe und das zahlreiche Vieh zu retten. Das Feuer soll durch einen Schornsteinbrand entstanden sein. Schalksmühle a. d. Volme. Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich auf dem Walzwerk von C. Kuhbier & Sohn Hierselbst. Ein glühen der Stahlstreifen drang dem Walzer Pfänder durch den Leib und führte seinen sofortigen Tod herbei. Der Unglllcksfall wird dadurch um so bebau ernswerther, als Pfänder der einzige Ernährer semer Mutter war. Selm. Der 15 Jahre alte Knecht Overmann erschlug mit einem Knüppel aus dem Gutshofe OsterhausWitthoff den Gutsverwalter. Der Mörder wurde verhaftet.' Wetter. Arbeiter Hagemann, dessen Frau sich in einer Heilanstalt befindet, machte im Keller eines Hau ses an der Bergstraße seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Wie aus Aeußerungen gegenüber Mitarbeitern zu entnehmen ist, aus Lebensüberdruß. Vtzeinprorinz. Köln. Das siebzigjährige Doktorjubiläum beging in voller geistiger Frische Geh. Sanitätsrath Dr. Joh. Mertznich. Auf der Rampe der festen Rheinbrücke wirrte der Arbeiter Peter Kirch, Unter - Kahlenhausen wohnend, als er im Begriffe war, einen bespannten Lastwagen zu schieben, von dem Lastfuhrwerk über den Unterleib gefahren. Der Vedauernswerthe, welcher außer einem Beckenbruch schwere innere Verletzungen erlitten hatte, wurde in's Bürger - Hospital gebracht, wo er seinen Verletzungen er lag. I Barmen. Infolge van Vlutvergiftung ist der Fabrikarbeiter Emil Dickmann gestorben. Derselbe war von dem Hunde eines FlaschenbierHändlers in die Hand gebissen worden. , Essen. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte den Bergmann Alt aus Gelsenkirchen wegen Mordes und versuchten Straßenraubes an der Ehefrau Kraft, begangen nm 14. Juni v. I., zum Tode. .Friedrichstha.l. Der 25jährige Cuno Radenberg von Central, der bei Professor Melchior hier zu Besuch weilte, stürzte beim Pflaumenpflücken mit der Leiter rückwärts, und verletzte sich am Rückgrat schwer. Ein herbeigeholter Arzt leistete sofort Hilfe. Koblenz. Der hier verstorbene Rentner Braun hat seiner Vaterstadt Boppard ein Legat von 100.000 Mark vermacht, aus deren Zinsen katholische Lehrlinge unterstützt werden sollen. L ö v e n i ch. Unverhofft zum Vielfachen Millionär geworden ist der Tagelöhner Michael Schild von hier. Derselbe erhielt aus London die. Nachricht, daß ein dort verstorbener Onkel ihm drei Millionen Pfd. Sterling (60 Millwmn Mark) hinterlassen habe. R e m s ch'e i d. Ein 19jähriger junger Mann, Namens Zavp, ver von tu ner Gartenlaube abgesprungen war, um eine dem Kutscher entfallene Peitsche aufzuheben, versuchte auf das in schneller Fahrt befindliche Gefährt aufzuspringen; er kam zu Fall und der Wagen ging über ihn hinweg. Dem Verunglückten wurde das Genick geKrochen, so daß der Tod sofort eintrat. Wald. Der Rendant Vogt, der die Ortskrankenkasse und die Altersund Invalidenversicherung unter sich hatte, ist plötzlich verschwunden und hat seine Familie in hilfloser Lage zurückgelassen. In den von ihm vermalteten Kassen ist ein Defizit von 20.000 Mark festgestellt worden. Voat. wel-

cher der hiesigeu Verwaltung seil-16 Jahren angehörte, hat sich nach tagelangem Umherirren in fast völlig ti schöpften! Zustande der Staatsanwaltschast in Elberfeld gestellt. t . z?r?rinz &ellciuUUax'. Kasse l. Die goldene Hochzeit konnte das Ehepaar Heinrich Siemon feiern. Pfarrer Neumeister überbrachte die Jubiläumsmedaille. Der Jubilar stiftete für die Armen seines früheren Wohnortes, Rothenditmold, eine größere Geldsumme. Allendorf. Arbeiter 'Adam Langefeld von hier erlitt durch den Stich eines Infekts eine Blutvergiftung. Kurz darauf schwoll der Unterleib an und Langenfeld ist an den Folgen der Blutvergiftung gestorben. Eine zahlreiche Familie betrauert ihren Ernährer. Erbes - Rüdesheim bei A l z e y. Eine blutige Familientrag'ödie hat sich hier abgespielt. Der Altbürgermeister Lebert, welcher von jeher mit seinem. Schwiegersohn, Baron v.'Lengerke, auf gespanntem Fuße lebte, wurde von diesem mit einem Revolver in seinem Wohnzimmer erschossen. Angeblich soll Lebert feinen Schwiegersohn' zuerst mit der Waffe angegriffen und ihn durch mehere Schüsse am Arm und an der Schulter verletzt haben. ' Baron v. Lengerke ariff dann ebenfalls zum Revvlver unv vracyte dem hebert zwet cyunt in den Kopf bei, die den sofortigen Tod herbeiführten.

F r a n k f u r t a. M. Der als vermißt ausgeschriebene Dr. med. Paul Koerfer wurde als Leiche aufgefunden. Ein Verbrechen liegt nicht vor. Professor Ferdinand Luthmer, Direktorder hiesigen Kunstgewerbeschule, kann auf eine 25jährige Thätigkeit in dieser' Stellung zurückblicken. Honau. Ein die Leipzigersiraße passirrnder hiesiger Beamter machte die schauerliche Entdeckung, daß aus dem Wasser des sogen. Franzosenlochs" ein menschlicher Kopf herausragre. Die zuständige Behörde veranlaßte die Landunq der Leiche, dik als diejenige des etwa 40 Jahre alten Heinrich Jäger aus Großauheim erkannt wurde. Es liegt zweifellos Selbstmord vor. Jäger war kürzlich aus dem Landkrankenhaus in GroßSteinheim entlassen worden. Marburg. An Blutvergiftung ist der bier sebr aeacbtete Svediteur Schneir im Alter von erst 39 Iahten gestorben. . Nassau. Der hier zur Kur. weisende - 72jährige Rentner Schulte-Ue-bermann aus Frömmern ließ sich auf der hohen Böschung vor der Eisenbahnbrijcke überfahren. Der ' Kopf wurde vom Rumpfe getrennt. Als Motiv wird momentane Geistesstörung angenommen. Zierenberg. Dem hiesigen Sanitätsrath Dr. Limberger wurde anläßlich seines 50jährigen DoktorJubiläums von der Marburger Universität das Doktor - Diplom erneuert. Mttekdeutsche Staaten. Altenburg. Im benachbarten Nobitz brannte das Ackermann'sche Bäckerrigrundstück total nieder, wodurch 4 Familien obdachlos wurden. Zwei derselben hatten' leider ihre Habe nicht versichert. Auch dieses Schadenfeuer ist, wie viele andere, auf das Konto der Brandstiftung zu setzen. Blanke:: öurgim Scbwarzathale. In der Karl Bollralhschen Weberei entstand durch die Explosion eines Benzinkessels Feuer, durch das das Kesselhaus eingeäschert, vier Arbeiter. schwer, fünf andere leicht verletzt wurden. Die neun Arbeiter wurden in das Krankenhaus nach Rudolstadt überführt. ' Braunschweig. Der Hausverwalter des Landgerichtsgebäudes, Julius Rück, trat nach 23jähriger, stets pflichtgetreuer Thätigkeit in den Ruhestand. Auf dem West-Güterbahn-Hofe der Landesbahn verunglückte der Arbeiter Hermann Köhler von hier, indem ihm eine schwerbeladene Lowry über den rechten Fuß lief, der erheblich gequetscht wurde. Der Verletzte fand Aufnahme im herzogl. KrankenHause. E isenber g. Bei einem Stubenbrande, dtt Im Hause Johannesstraße Z h';r ausbrach, hat der 83jährige Landwirth August Busch seinen Tod gefunden. Der alte Mann war bettlägerig und konnte sich deshalb nicht in Sicherheit bringen. . H a s s e l f e l d e. In den DiabasSteinbrüchen bei Neuwerk verunglückte der 22 Jahre alte unverheirathete Arbeiter Willi Heise von hier, indem er beim Abstieg ausglitt und in die Tiefe stürzte, wobei herabrollende Steine aas ihn fielen. Heise erlitt einen schweren Schädelbruch und ist gestorben. H e l m st e d t. Beim Aufsteigen auf die Maschine im Tagesbaue der Grube Treue fiel der 18jährige Gruöenarbeiter Bruns aus Hötensleben so unglücklich, daß. er von der Maschine erfaßt wurde und einen doppelten Bein- und Armbruch erlitt. Der schwer Verletzte wurde Zn's hiesige Krankenhaus gefahren, starb aber bereits auf dem Transporte dahin. - R o d a. Dem Sohne des Gutsbesitzers Krebs gingen beim Pflügen die Pferde mit dem Ackerpfluge durch. Der junge Mann gerieth unter die Pferde und wurde am Kopf und an beiden Beinen so schwer verletzt, daß keine Hoffnung vorhanden ist, ihn am Leben zu erhalten.

Wie die Frauen gehen. Gelassen wandelnd und in sanft geschwungenem Schritt", so ging die homerische Helena daher vor den troicZchen Greisen, ein Entzücken demAuge. Heute klagt man wieder darüber, daß die Frauen nicht gehen könnten und die Schönen der einen Nation zucken Zum -mindesten die Achseln über den Gang anderer Völker. Was man heute gehen nennt, ist eigentlich nur ein Sichfortbewegen", hat man verächtlich gesagt, und die Französtn, die vielleicht noch am ehesten sich den Rhythmus einer feinen Kultur in ihrem leichten, eleganten Schreiten bewahrt hat, findet doch, daß die schöne Amerikanerin sich zu steif und zu gerade, zu eingeschnürt bewege, daß die Engländerin den, Körper ungraziös vorbeuge und zu lange Schritte mache; unsere deutschen Frauen träten, nach dem Urtheil der Französin, zu schwer auf und schlenkerten mit den Armen; die Italienerinnen und Spanierinnen beugten sich zu sehr nach hinten über und die kokette Geziertheit ihrer sehr auswärts gestellten Schritte erscheine unnatürlich... Wollte man so die Schilderungen des Ganges in Wort und Bild durch alle Epochen verfolgen, man könnte eine sehr unterhaltende Kulturgeschichte des Ganges schreiben. Die vollendetste Art des Gehens war bei den Griechen erreicht, deren allseitig ausgebildetes Schönheitsgefühl auch die geheimen Bewegungen des alltäglichen Lebens beherrschte. In den weiten Faltengewandungen, die die Melodie des Gehens begleiteten und sie widerhallen ließen, schreiten die Jungfrauen des Parthenon-Frie-ses gemessen und wohlabgewogen feierlich daher. Eine große ästhetische Kultur hat die würdige Rundung bestimmt, mit der der eine Fuß das Auftreten des anderen begleitet, und ein anmuthig wechselndes Spiel des Gewandes belebt dieses Wandeln. Die Griechin setzte den mit den Sandalen bekleideten Fuß fest auf. sie suchte nicht, wie es bei den modernen Völkern Sitte geworden ist, ihre Vewe-' gungen der Hüften und Schenkeln zu verbergen; sie hüllte nicht die Beine in einen engen Rock, der das Ausschreiten undeutlich macht: sondern die frei wallenden Stoffe folgten den Beweaungen der Gehenden, ließen die Wie--derholung der Sckritte erkennen, und gaben dem iScrnge etwas Nothwendi

ges, während man sich heute manch-. mal darüber, wie eme Frau eigentlich geht, nicht klar wird, weil die festen Formen der Kleidung den individuellen Rhythmus nicht erklingen lassen. Der Gang der Griechin war der natürlicheAusdruck ihrer Lebenshaltung; ihr Gehen war Anmuth", so wie sie Schiller von aller wahrhaft schönen Bewegung gefordert. Im Mittelalter, als nach den Zeiten eines unkünstlerischen Seins, zur Zeit der Kreuzzüge und der Minnesinger frühe Keime eines neuen ästhetischen Gefühls sich regten, mußte man erst gehen lernen. Man war so schwer gewesen und plump; der Gang ungleichmäßig und fahrig. Nun kam das Ideal der Maze", der schönen Selbstbeherrschung der Glieder und der Seele. Der Gang ward jetzt überleicht und tänzelnd; auf Zehenspitzen glitt man daher, setzte die Füße möglichst spitz und aeckenhaft. Und während der'Körer der griechischen Frau in leichter Neigung der Richtung der Füße folgte, wird nun, während die Füße vorwärts schreiten, der Kopf in die Luft gehoben, der Blick aufwärts gerichtet"; der Leib möglichst zurüclgebogen; so ßehen sie daher wie Pfauen". Eme französische Chronik erzählt, daß die Frauen mühsam sich fortbrachten", wie ein segelndes Schiff, unter der Last ihrer Stickereien und der Geziertheit ihs Ganges. Allmählich läutert sich dann dieser eckige und übertriebene Gang zu einem blumenzarten und lieblichen Schretten, wie er in Dante's Werken und den frühen Bildern der Kölner und Sienesen lebt. Die Frau scheint zu schweden: ihre Füße berühren kaum den Boden; die leise Neigung des Kopses giebt den Grundakkord für das feine behutsame Setzen der Füße, das flüchtige Erbeben des Gewandes. In der Renaissance verläßt die Frau diese himmlischen Regionen, aus denen sie früher herabzuschweben schien, . und tritt als Erdenweib wieder kräftig auf. Sie gewöhnt sich wieder an das Ausschreiten, an den Gebrauch ihrerBeine, und ihr Gang bekommt leicht etwas Springendes, Hüpfendes, Unausgeglichenes. Man sucht diese freie Art des Schreiten wie die Frau des Alterthums sie hatte, wieder aufzunehmen. Das Gangmotio wird bei den geschürzten Gewändern deutlich hervorgekehrt; aber statt des gemäßigten, würdevollen Tempos, in dem dieGriechin schritt, flatterten hier um die flinker auftretenden Füße die' Kleider lustig und toll herum, scheinen erfüllt zu sein von dem überschäumenden Lebensmuth dieses Völkerfrühlings. So auf Bildern des Botticelli und Filippino Lippi. Auch das schöne Motiv, einen Fruchtkorb oder einen Krug auf Kopf oder Nacken zu tragen, das dem herauflangenden Arm eine so weiche Linie, dem ganzen Körper einen wundervollen Schwung verleiht, haben sie von den Griechen gelernt. Doch wird der Gang allmählich massiger und schwerer, bis dann schließlich dasWeib des Rubens ungefüge und wuchtig, fast plump einherschreitet. Schwer

fällt der Sammt und Brokat ihrer Kleider bernieder, sie scheint zu stampfen; ihre Hand ruht auf der Hüfte. Von dieser kraftvollen und vulgären Art deö Ganges fort bedeutet der Gang der okokodame eine Wendung zum Feinen, Gezierten und KünMichen, die wieder mit der Gothik einige Verwandtschaft hat. Ein spitzes und behutsames Auftreten, ein melodiöser und tänzelnder Tak, wie ihn die gemessenen und wohlaccentuirten Töne des Menuetts gaben, eignet nun dem Gang. Der hohe Stöckelschuh giebt dem Schritt etwas Zögernves, Unsicheres. Kokettes. Die Bewegung der Beine verschwindet völlig unter dem steifen Reifrock; in dieser Zeit durfte eine Dame keine Beine haben", wie der berühmte Ausspruch einer spanischen Prinzessin lautete. Doch dieser steife, kerzengerade Gang, diese überzierliche, unbequeme Haltung wird, bald durch einzelne Nüancen gemildert. Der Rock wird ein wenig aufgenommen und läßt ein Paar Füße sehen, die schon wieder in einer lustigen Chiaconne einem Bauerntanz, sich zu bewegen gewohnt sind. Spitzentücher und Schärpen lassen diese frischere Note anklingen und das kokette Fächerspiel giebt dem nun beliebten schnellen Trippeln etwas UnruhigAnlockendes. Mit der großen antiken Strömung, die zur Zeit der Revolution sich erhob, kam auch ein neuer Rhythmus in die Bewegungen. Freiheit und Ungezwungenheit zogen ein, und mit dem antiken Kostüm wollte man den antiken Gang wiedergewinnen. Doch wie die Revolution entartete, so ward das 'Kostüm schamlos und der Gang frech; erst im Direktoire hat er wieder etwas Einfach - Natürliches, Anmuthreiches. Besonders ward jetzt von einem schönen Gange gefordert, daß er mit dem Neigen des Kopfes, den Bewegungen ver Arme völlig im Einklang sei, der Gang als die äußere Begleitung zu der inneren Musik der Seele" wieder das erstrebte Ideal. Und auch .heute wird man wieder diesem höchsten Ziel zustreben müssen, das die Antike verkörpert; vielleicht sind zugleich mit dem Eindringen der japanischenKunst und anderer japanischer Moden auch gewisse Einflüsse des japanischen Ganges vorHanden, dessen schlanke Zierlichkeit doch eine höchste Grazie der Linie und Feinheit der Bewegung umschließt. Die Japanerinnen wissen in dem 'chnellen, abgerissenen und wiegend eichten Takt ihrer Tritte doch jene höchste Unnatur des chinesischen Ganges zu vermeiden, der mit verkrUppelten FLßen mühsam humpelt und den stärksten Gegensatz zu dem hellenischen Gange bedeutet. DaS Jubiläum des Morphiums.

Es sind jetzt gerade 100 Jahre verflössen, seitdem der Chemiker und Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Gertüner im Laboratorium seines Meisters, des HofapothekersCramer in Paderborn, das Morphium erfand. Schon im Alterthum und', sogar in vorgeschichtlicher Zeit waren betäubende und schmerzstillende Mittel bekannt und wurden angewendet. So erzählt Homer in der Odyssee, daß Helena ihren Gästen ein Mittel kredenzte gegen Kummer und Groll und aller Leiden Gedächtniß". Viele Forscher nehmen an, daß der Dichter Mohnsaft meinte, den auch Hchpokrates und nach ihm viele Aerzte des Orients den Kranken gaben. Heute werden mit Morphium natürlich bedeutend bessere Resultate erzielt; denn es ist nicht nur ein schmerzstillendes Mittel, sondern auch' ein Heilmittel par excellence. Ja, amerikanische Aerzte wollen bemerkt haben, daß das Wachsthum des Krebses nach Morphium - Einspritzungen still steht. Dagegen ist Morphium als SchlafMittel gefährlich. Die Lustgefühle, die das Einschlafen begleiten, das sanfte Hinübergleiten aus dem täglichen Leben mit seinen Sorgen und Leiden in das schmerzlose, nächtliche Dämmerleben erzeugen beim Kranken das Verlangen nach steter Wiederholung, und ein schwacher Charakter kann auf diese Weise leicht zum Morphinisten werden. Durch häufigeAnwendung verliert das Mittel seine Kraft, die Dosen müssen gesteigert werden und erzeugen - einen Schwächezustand des Körpers und der Seele, der unter der Bezeichnung Morphinismus den Schrecken der Umgebung des Kranken und seiner Aerzte bildet. Wenn man nach diesen 100 Jahren Morphium das Für und Wider erwägt, so würde die Wagschale entschieden zuGunsten des Morphiums fallen. Denn. wo gibt es einen Fortschritt, der nicht Opfer, einen Segen, der nimt Leid'.n, ei.ie Errungenschaft, die nicht Thränen forderte! ' W erb gegeben. Geck: Wenn ich auf dem Kopf stehe, strömt mir alleö Blut in .den Kopf, nicht wahr?" Dame:Stimmt!"Geck: Ja, aber warum strömt mir denn das Blut nicht in die Füße, wenn ich auf den Füßen siehe?" Dame: Weil Ihre Füße nicht leer sind!" D i e z u k ü n f t i g e S ch w'i eg e r m u t t e r. Mutter: Nun, wird sich Dein Emil noch nicht bald ert'lären?" Tochter: O, ich denke bald, Mutter, ich habe schon allerhand Anzeichen!" Mutter: So welche denn?" Tochter: Er schimpft schon auf Dich!" .

. Das kleinere Uebel.

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Ja, was fehlt Ihnen denn, Herr Gnaunzerl? Sie scheinen sich ja auci. nicht wohl zu fühlen!" Kopfweh hab' ich zum Rasendwer den!" Sind S' froh, daß 's Ihnen nicht geht wie mir! Ich hab' Zahnweh! Ihre Frau Gemahlin kann doch wenigstens nicht gut verlangen, daß Sie sich ihn reißen lassen!" Großartig. Hausfrau: Das muß man Ihnen lassen, Pflichtbewußt sind Sie, Anna." Köchin: Ja. Madame, in meiner Brust wirkt Kant's kategorischer Imperativ." Eine gute Partie. Gratulire nachträglich zur Hochzeit, Herr von Lustenberg! Sie sollen ja eine glänzende Partie gemacht haben!" . ' Glänzend? Meine Frauhat allerdings großes Vermögen, ich habe aber keine Verfügung darüber." Na sehen Sie: Da haben Sie nicht nur eine reiche, sondern auch kluge Frau geheirathei!" Aus einer Vorlesung. Der Gegenstand, über den ich jetzt sprechen will, war vor hundert Iahren völlig unbekannt; aber heute sind wir so vorgeschritten, daß ihn jeder Esel begreifen würde; darum werden Sie, meine Herren, meinen Ausführungen auch mit leichter Mühe folgen können!" Schlau. Tourist (der sich mit einer ganzen Gesellschaft in einem Alpenrestaurant befindet, als er sich einen Kalbsbraten bestellt): Herr Wirth, geben Sie mir nur eine recht schöne Portion, damit die andern auch Appetit kriegen!" Ein seltsamer Fall. Professor: Hm, wollte ich jetzt im Colleg einen Vortrag über Gedächtnißschwäche halten . oder wollte ich meiner Wirthschaften wegen ihrer bodenlosen Gedankenlosigkeit tüchtig die Meinung sagen?" m m i Mildernde Umstände. Denken Sie sich nur die Unverschämtheit: Der Maier hat mich gestern den allergrößten Schafskopf in der ganzen Stadt genannt!" Na, die Stadt ist ja mcht sehr groß!" , erlsegenbeweiö. Sonn, tagsjäger (der endlich einmal einen Hasen geschossen): Diesen Hasen schick' ich wahrlich an die Redaktion ein, damit endlich einmal die ewigen Sticheleien auf die Sonntagsjäger aushören!" -

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