Indiana Tribüne, Volume 28, Number 70, Indianapolis, Marion County, 12 November 1904 — Page 7

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A.?. A4. M. aj. 4.4. .H- ' jj. XX ij. jj. w w ri 1 l??rtsekung.) Vergebens stellte sich Matthias innerlich vor, daß er ihren Anzug lächerlich und ihre Haltung theatralisch fand. Trotzdem ging nach wie vor derselbe einschüchternde Einfluß von ihr aus. Er betrachtete ihre Hand, die lässig auf der Lehne ihres Stuhles ruhte, eine Hand von der Zartheit und der Farbe einer weißen Theerose, und suchte sich ins Gedächtniß zurückzurufen, daß es schmachvoll sei, wenn eine solche Hand den Direktor d?s herzoglichen Gymnasiurns zu Bernhardshausen., der kürzlich von der Frau Herzogin zur Audienz befohlen worden war, aus der Fassung bringen könne. Und er begann, langsam. väterlich mahnend, eindringlich, in dem Ton, in dem er die Abschiedsreden an feine Abiturienten zu halten pflegte,' von dem Segen einer strengen, regelmäßigen Zucht zu sprechen, von der Unterordnung des einzelnen unter das Ganze, von allgemeiner Pflicht und Ordnung, von der Bildung des Geistes und Charakters durch die humanistische Bildung des deutschen Gymnasiums. Hier unterbrach ihn Frau Vürgelin und fragte mit erkünstelter sanfter Höflichkeit: Haben Sie nicht auch hin und wieder die Erfahrung gemacht, Herr Direktor, daß nach dem Abiturientenexamen untej Ihren Schülern von Geist und Charakter überhaupt nicht mehr viel übrig geblieben ist?" Gnädige Frau, diese Behauptung ist doch wohl sehr sehr gewagt!" rief Dr. Matthias bestürzt und empört. Frau Bürgelin lehnte sich in ihren Sessel zurück und fuhr gelassen frni, während ihre Hand mit langsamem, schönen Fingerbewegungen in den dunkelrothen Fransen der Lehne spiel. Jch habe diese Bemerkung bei den deutschen jungen Leuten leider oft gnug gemacht. Es ist kein Beispiel, da? mich zur Nacheiferur-g rclzm könnte." Ein schelmisches Lächeln zeigte sich auf ibren Lippen. Wie Sie wien werden, bin ich Ausländerin glücklicherweise alsc kann kein Beschluß der Polizei mm zwingen, Karl und Dionys zu erziehen. wie ich es nicht will. Gnädige Frau werden sich der Verntworiung, die Sie damit auf sich laden, kaum bewußt sein. Ich thue kein Ding, ohne mir darüber Rechenschaft abgelegt zu haben, entgegnete sie kalt. Und wenn Ihre Söhne Ihnen der einst Vorwürfe machen" Davor bin ich sicher, denn es sind meine Söhne," sagte sie stolz. Uebrigens werden Sie selbst, Herr Doktor. die Resultate meiner Pläne prüfen können. Die Prima sollen Karl und Dwnys besuchen und auch ihre Ab gangsexamina bestehen." . Ich fürchte, gnädige Frau, sie werden bei diesen verzeihen Sie seh? weiblichen Erziehungsplänen kaum die genügende Reife zur Aufnahme in eine deutsche Prima erlangen. Nun, das wollen wir abwarten." Sie erhob sich und zog die Klingel. Pauline, ich höre den Wagen zum Theater vonabren. Er soll wart-n " Ich werde die gnädige Frau nicht länger stören." sagte Doktor Matthias feierlich. Möchten die gnädige Frau doch glauben, daß ernzig mein Bestre ben, einer alleinstehenden Frau mit mei nen Erfahrungen beizustehen, mich ge trieben bat " FruuBürgelin streckte ihm ihre Hand , entgegen und lächelte liebenswürdig. Sie dachte an die Aufnahmeprüfung ihrer Söhne. Was halten Sie von Profeor Wendenburg? Man sagt mir, daß er als Mathematiker zu empfehlen sei? Gewiß, das ist auch meine Ansicht." sagte Doktor Matthias und empfahl sich würdevoll. Er war nicht mit sich zufrieden. Frau Bürgelin brach, als der Direk tor gegangen war. in ein zorniges Lachen aus. Der unerbetene Rathgeber batte ihr Selbstgefühl auf's Tiefste verletzt. Sie hatte viel Ueberwindungskraft nöthig gehabt, es ihn nicht stärker fühlen zu lassen. Richt eingefallen wäre es' ihr, diesem fremden Manne die guten Beweggründe für dieArt ihrer Erziehung mitzutheilen.. Sie schickte Pauline mit dem Mantel noch einmal fort. Der Wagen wartete unten am Gartenthor. Frau Bürgelin trat langsam , an, . . , t r Tv , fi c ' . ihren isHreiMja). ori uano cm kleiner Schrein aus gcschnitztem Holz. Epheuranken umschlangen ihn, und in hohem Glase blühte eine weiße Christrose davor. Sie öffnete seine Thür. Das Bild eines kleinen Mädchens wurde sichtbar, ein weiches Gesichtchen mit denselben großen, unschuldigen Auaen. wie Dionys sie besaß. .Frau Bürgelin sah lange auf das Bildchen nieder, Thränen flössen unter ihren gesenkten Lidern hervor. Die Krankheit, der Tod des KindeZ standen wieder vor ihr dieses einen Kindes, an dem ihre Seele aus ruheMem Berstandesleben zur tiefen, stillen Mutterliebe' wiedergeboren wurde.

,t,?, TT T5 i H H t? w Vornan Von Gabriele Neuter T i TT A" .t..t. n -tTZ w ft Ü ?.,. w 44 Tr 44 TT Und das sie hatte hinsiechen sehen, ohne ihm helfen zu sönnen. In einer Stunde der Todesqual hatte sie sich wüthend wie eine Tigerin auf den Arzt gestürzt, ihm Hände und Nagel m die Schultern gekrallt, ihn angeschrieen: Sagen Sie mir die Wahrheit woran stirbt das Kind?" Er hatte die Achseln gezuckt. Und die andern die Knaben?" Er hatte wieder geschwiegen. Aber ich bin gesund! .Mein Vater war in seiner Jugend ein wilder, harter Laudegen, ein indischer ' Offizier, der durch Cholera und Pest und Fieber und Kriegszüge unverletzt hindurchgeFzngen ist. Mein Mann " Sie stutzte. Mem Mann lst.sehr nervös, sehr eigenthümlich " Gnädige Frau," sagte der Arzt ruhig, Ihre Kinde? sind nicht die einzigen. Die Menschheit ist müde, widerstanosunfahig nervenkrank." Aber meine Kinder sollen es Nicht sein," schrie sie auf mit jenem Trotz des Weibes, das sich gegen eine Weltordnung zur Wehr setzt, wenn es gilt, ihre Brüt zu vertheidigen. Und der Arzt lächelte. Frau Vürgelin sah dieses resigmrte Lächeln vor pch, Tag und Nacht. Es verfolgte sie bis in den tiefsten Schmerz. Es nß sie endlich aus dem Stumpfsinn der Verzweiflung, der dem Tode des Kindes gefolgt war. Sie sah Dwnvs, schon wie em llct ner griechischer Gott, zu ihren Füßen spielen und sagte sich, daß er heranwachsen und ein müder, unfähiger, gequälter Mensch werden oder ihr gleichfalls genommen werden könne so langsam, geheimnißvoll welken und vergehen line fem Schwesterchen. Sie beobachtete auch Karl, den sie nicht besonders liebte, weil er ihr senntives ästhetisches Empfinden abstieß, den se aleickailtia den sprunghaften Erziehungsversuchen ihres Mannes überlassen hatte. Nun ängstigte sie sich auch um ihn. Sie lebte wieder. Eine rege Denkarbeit' begann in ihrem feinorganisirten Hirn. Sie las viel medizinische, naturwissenschaftliche. philosophische Werke. Sie konsenr.e mit Aerzten, mit Gelehrten, mit Pc dagogen. In ihr reifte der Plan, sich von ihrem Manne zu trennen, um ihri Willen in Bezug auf die Knaben durc zusetzen, um keinen widersprechenden Einfluß ihren wohlerwogenen und klug ersonnenen Erziehungsplan stören lassen. Er kam ihr zuvor durch seist launenhaftes Fernbleiben, und sie ergriff muthig die Gelegenheit, sich zu befreien. Sie faßte ihre Kräfte zu sammen und sie imponirte mit ihrer Klarheit, ihrem festen Selbstbewußtfein den Schweizer Gerichten. Man fprach ihr die Kmder zu. Jahrelang hatte sie hartnäckig ge kämpft, um ihre Knaben für Licht und Lust und gluckliches, sorgenloses Hm dämmern zu retten, und ein Gymnasiallehrer hatte geglaubt, sie mit ein paar salbungsvollen Trivialitäten bekehren zu können! Der Wagen fuhr nach einer Weile leer in die Stadt zurück, Frau Bürgelm verzichtete heut auf das Theater. Sie war zu erregt. Sie fieberte. - 1 Als yt 5ea das nässte Mal be.' Frau Bürgelin seinen Fünfuhrthee trank, lenkte sie das Gesprach aus ihre Söhne. Sie erzählte, von der erfreulichen Entwicklung ihrer Kmder, sei sie die Residenz des Fürsten zu ihrem Wohnsitz erwählt habe. Sie sprach von Karls Freude an der Natur; sie fchil- . 1 e ' 1 i i oerie sein Zimmer, oas er nrn eoern. Steinen, Muscheln und seltsamem Wurzelwerk herausgeputzt habe wie die Wohnung emes indianischen Häupt lings. Sie hoffe, es folle mit der Zei ein tüchtiger Naturforscher aus ihm werden. In Dionys aber habe das Schicksal ihr einen Herzenswunsch erfüllt. In ihm stecke der naive Musiker der Komponist der Freude, der die Wel mit sonnigen Melodien erfüllen werde wie der Vogel singt, der auf den Zweigen wohnet. Und die Knaben liebten sich wie nichts andres auf Erden. Karl werde andächtig vor der unschuldsvollen Schönheit, der Begabung seines jungen Bruders. Seine geistige Schärfe und Klarheit bestimme ihn zum Freunde, zum besten Berather des Kleinen, und er werde darin seinen schönsten Lebenszweck sehen. Mit der Gabe, zu erzählen, wie sie jene Scheherezade des Orients gehabt haben muß, dichtete Frau Vürgelin ein kleines Epos über ihre Söhne, suggerirte sie dem hohen Herrn färbenreiche, künstlerisch 'abgerundete Bilder in die Phantasie. Und sie berauschte sich selbst an ihrer Schilderung. Meine Söhne sollen Deutsche sein und bleiben," rief sie erglühend. So werde ich dem Lande, in dem ich eine neue Heimath fand, zwei Männer schenken, auf die es stolz sein kann!" ' Der Fürst reichte ihr die Hand und drückte sie warm. Seine bolzengerade Haltung veränderte sich um .keme Lirne,

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er war nun einmal ein steifer Herr, es

laawie em Bann über ihm. oan er nicht zeiaen konnte, was ihm das Herz bewegte. Sein Sohn theilte seine geistigen Interessen nicht. Und er hatte ihm noch immer keinen Enkel geschenkt. Die Fortdauer seines Laufes beruhte auf zwei Augen. Der alte Herr sehnte sich nach Jugend, nach frisch emporblühendem Leben; er beneidete die Frau vor ihm. ..Ausaezeichnet. ausgezeichnet," murmelt: er. Das interesstrt mich! Ich will Ihre Söhne kennen lernen!" Karl und Dionvs wurden aerufen. Als sie vor dem 'Herzog standen, Karl eckig im Knochenbau. linkisch m der Saltuna. einen verfrühten Flaum um die Wangen, Dionys in feiner schlanken Knabenanmuth, da waren sie eme überzeuaende Illustration zu ihrer Mutter Dichtung, und der Herzog emPfand Freude an ihnen wie an emem wohlgelungenen Kunstwerk. Mit einem wahrhaft kindlichen Vrauen .uopste er ibnen Schultern und KLvfe. 'nannte sie meine lieben jungen Freunde" und bat sie. in der Zukunft ihre Kräfte seinem Lande zu widmen. Er sah Karl schon als eine Leuchte an dem Gelehrtenbimmel seiner Universität, Dionys als würdigen Erneuerer des Weltrufes, den einst große Künstler seiner kleinen Heimath verliehen hatten. Frau Buraelm lächelte fem. Sie hoffte, den einflußreichsten Vcrtheidiaer ihrer Vläne. ihrer Wünsche und Grundsätze gefunden zu haben. 3. K a p i t e l. n Wahrheit kannte Frau Bürgelin die phantastische Ausschmückung von Karls Zimmer nur aus den Berichten ihrer Ge sellschafterin, nicht aus eigener Anschauung. Es waren Wochen vergangen, seit sie zum letztenmal die obere Etaae. wo die Knaben hausten, besucht hatte. Solche Besichtigungen gingen. gerade weil sie -selten stattfanden, nie ohne einige Strafreden über Unordnungen und Fahrlasstgkeiten ab. Das wollte Frau Bürgelin jetzt vermeiden. Sie mochte Karl nicht unnöthig reizen. Er war ohnehin nicht leicht zu iehandeln. In den Stunden, in denen si: mit ihren Knaben zusammen sein wollte, hatte sie es gern, wenn sie 191 erzählten, was ihnen den Tag über begegnet war. Sie dachte dann rnil ihnen zu fprechenwollte sie kennen ler nen, die eigene Weltanschauung in den weichen Boden ihrer jungen Geister pflanzen. Und trotz aller scheinbaren Freiheit sollten sie durch das Band eines unbedingten Vertrauens von ihr geleitet werden. Bei Dionys gelang das nun herrlich. Es verging kein: Mahlzeit, bei der er nicht ein harmlos drolliges Geschichtchen zu erzählen wußte. U' d er sah immer so wunderhübsch aus, wenn er berichtete, wie er durch den Wald emem Reh nachge sprungen ci es habe aber doch noch schneller laufen können als er; oder wie eine a'At Vauernsrau ihn gefragt habe, er se. wohl ein Prinz, weil er so mrze schwarze , Sammethöschen traae. Mademoiselle führte dann seine Berichte weiter aus und so wußte Frau. Bürgeun siets. was die Beiden thaten und trieben. Wenn Dionys aber in der Dämmerstunde vor ihr auf dem weichen Teppich lag, den Kopf in ihrem Schooß geborgen, ihre Finger spielten liebkosend in seinem Haar, sie redete zu ihm über seine Musik und er that kluge, verständnißvolle Fragen, dann fühlte sie ein Entzücken am Dasein, wie sie es nach Mays Tode niemals wieder zu empilnoen gehofft. Diese Wonne war nur unaetrübt wenn Karl nicht zugegen war. Denn er hatte eine unleidliche Art zu kritisiren und seine Meinung gegen die ihre zu stellen. Eine uniuaendliche Art. die sie nicht dulden durfte, denn er mußte sich ja durch tc bei allen Menschen verhak machen. Frau Vüraelin war aewik die erste, eine eigenartige Anschauung mit Vergnügen anzuerkennen, wenn sie sich nur ehrerbietig äußerte. Aber gewisse. Lieblingsansichten von ihr hatte er zu schonen. Er that es nickt, sondern die griff er besonders gern an und nergeue mit seiner schwachen, leicht heiseren Stimme, die sie nicht ciern hörte bis sie alle Geduld verlor. Und seine Seele blieb ihr doch verschlossen. Sie machte .ihren Mann dafür verantwort lich. Er hatte den acktiäbriaen Kna ben in eine Pariser Pension gethan, wo die gewandten, boshaften kleinen Französchen wie ein Ameisenschwarm über den unbedil lichen Alemannen beraefal len wü'cn, ihm mit Spöttereien und vltdtimn so zusetzend, daß er ganz ver stummt und verstört nach Haus zurück kehrte. Seitdem sah seine Mutter os in seinen Augen den klagenden Aus druck, der sie rührte. Sie wollte gu machen, was der Vater an ihm gesün digt. In Ernst und Scherz gab si sich Mühe, ihn zum vertraulichen Er zählen zu reizen. Umsonst. Was ibi freute und betrübte, erfuhr sie nicht sxaxi wurve nur leohast, wenn er kriti siren konnte. Sonst saft er mit der schleiertem Blick, in sich versunken am Tischs unendliche Mengen von Speise verttigenv. war nicht angenehm zu eren. wie er an. beinahe aettakia oder dann wieder ohne Appetit, mit der Gabel aus dem Teller herumstechend, Er war überhaupt kein erfreulicker Anblick, der verdrossene, hagere Junge. Ihre ganze kunstvolle, auf das Anmu thiae und Schöne aerichtete. Selbster Ziehung, ihr Geschmack, vor dem sie bei nahe Ehrfurcht empfand, lehnte sich ge gen lhnaus. (bo war es schon m de

ersten Stunde feines Erdendaseins geWesen, als man ihr den garstigen, brau-

nen klemen Menschenwurm an das Bett brachte. Mit einer Geberde des Abscheus hatte sie den Kopf von ihm gewandt und man mußte, um sie nicht aufzuregen, den Kleinen schnell entfernen. Es haftete eine demüthigende Ermnerung an diesem ihrem ersten Kmde. Aber wir sind nicht verantwortlich für die gcheimnißvollen Instinkte unserer Natur, sagte sich Frau Bürgelin.. Mit dem Verstände war sie Karl eme gute Mutter. Schaute sie ' um sich: was leisteten die deutschen Frauen mit ihre? Ueberfülle an Mutterinstinkt und Mutterger" r r v r w . sUyik enr scylecyt erzogene Zunge Männer, die zwar tüchtig arbeiten konnten, aber verstandmßlos für verfeinerte Kultur in kühler, oft roher Verachtung auf das Weib herabsahen. Frau Bürgelin wollte Karl durch die Vernunft zwingen, sie zu ehren und hoch zu halten. Er sollte alles Köstliche im Leben durch sie genießen, und seine Dankbarkeit sollte so stark werden, daß die Liebe aus ihr erblühen mußte. Karl wurde um seines Eigensinns und seines Widerspruchsgeistes willen mehreremal von der Mittagstafel fortgeschickt. Mir schlauer Berechnung verspatete er sich seitdem oster aus semen Spaziergängen. Es mußte ihm dann von Pauline nachservirt werden und er konnte sich ungestört an den Speisen gütlich thun, müde und ausgehungert, wie er von den stundenlangen Wänderungen heimkehrte. Seine Mutter merkte die Absicht schnell und suchte sie erbarmungslos zu durchkreuzen. Freiheit ja. Zugellosigkeit nein. Kam er nicht zu rechter Zeit, so sollte er überhauvt fasten. Doch ein Stück Brot .und kaltes Fleisch, ein Rest Kompott fand sich m dem großen Haushalt immer fu? den Sunder. Hielt Pauline zu der Herrin, so hielt Trinchen, die Köchin, schon aus Feindschaft gegen Pauline, zum Herrn Karl. 'Hatte er Stubenarrest, so versorgte auch Dionys den Bruder heimlich und geschickt. Auf diese Weise wurde, was als eine harte Stra! gedacht war, allmälig nur eine Erleichterung fux feine regellose Natur. Seit einiger Zeit machte sich ein fataler Geruch in der Villa Edina bemerkbar. Ein Geruch nach Verwesung, nach faulem Fle:sch. Frau Burgelm spurte ihn, sobald sie über den Flur ging. Hier muß irgendwo eine toHe Maus liegen, sehen Sie doch nach," bemerkte sie zu Paulme. Ach, gnädige Frau der Gestank kommt nich! von todten Mäusen," sagte die dicke Kammerfrau, der kommt aus Herrn Karls Zimmer. Aber hv n Gott," rief Frau Bürgelin erschrocken, ich habe Ihnen doch auf die Se-le gebunden, dafür zu scr gen, daß He äußerste Reinlichkeit ;n den Zimm rn meiner . Söhne herrsche. Wofür habe ich S:e denn im Haus?" Verzeihung, gnädige Frau ab in dem Saustall kann man schon ga,r nicht mehr rein machen. Und der Herr Karl wird ja auch gleich fuchswild, wenn man an das alte Zeua da oben rührt. Frau Bürgelin ging der Treppe zu und stieg hinauf. Pauline folgte ihr, schadenfroh lachend. Sie hatte ge sehen, wie ihre Herrin nach den Szenen mit ihrem Sohn geweint hatte. Deshalb konnte Paulme Karl nicht leiden. In ihrem armen Dienstbarkeitsleben war die Anbetung von Frau Vürgelins Schönheit ein stiller Kultus geworden. FrauBürgelin schnupperte mit ihrem feinen Näschen ein paarmal in der Luft umher und sagte: Aber das ist dcgoutant. Dann öffnete sie die Thur. Wie in der Höhle eines Urmenschen sah es freilich hier aus sonderbar ge nug. Raubvögel- und Rabenflügel waren an die Wände genagelt, dazwischen die Balge kleinerer Thiere, Schlangenhaute und Schmetterlinge. Seltsame Baum tnorrcn und Wurzelwerk, Wespenneste? und Zweig: von Buchen mit dürrem, kupferbraunem Laub bildeten phantastische Dekorationen, aus deren Mitte der weiße Schädel eines Gaules hervorgrinste. Einen Augenblick blieb Frau Bürge lin erstaunt im Thürrahmen stehen. Das alles war mit Geschmack geordnet, es gab seltsame Farben- und Formeneffekte. Illber die Vogelbälge - waren nicht kunstgerecht präparirt, die Schädel nicht tadellos gesäubert, vereint mit dem faden Duft der Wurzeln, des durren Schilfes hauchten sie einen für verfeinerte Nerven fast betäubenden Geruch aus. ,,Gock1 heavens," sagte Frau Bür gel'mund drückte ihr Tuch vor Mund und Nase,- wie hat er das aushalten können! Wie durfte Mademoiselle Aubert so etwas gestatten! Das ist ja der Herd für eine Typhusepidemie! Man wird das Zimmer neu tapeziren müssen. Auf welche Ideen solche Knaben verfallen! Die Sache sieht ja ganz originell aus. Aber-es geht nicht, es geht nicht. Nehmen Sie die Geschichte fort und säubern Sie das Zimmer. Da wird der Herr Karl aber außer sich sein," bemerkte Pauline. Das thut mir leid.. Indessen ist es nicht zu ändern. Warten Sie " Frau Vürgelin dachte nach. Ich werde für Ersatz sorgen. Lassen wir es immerhin heute noch gehen. Ich werde Karl in's Gebirge schicken, damit Sie sich 'ungestört an die Arbeit

machen können. Sagen Sie ihm nichts vorher." .

Karl war sehr stolz, als er von seiner Mutter den Auftrag erhielt, in den Thüringer Wald zu fahren, um ein bestimmtes Dorf kennen zu lernen. Er sollte seiner Mutter Bericht erstatten, ob die Gegend dort geeignet sei, ein Sommerhauschen für sie zu kaufen oder zu bauen. Sehr vergnügt kam er heim. Also ausgezeichnet," rief er Frau Bürgelin entgegen, indem er Hut und Mantel an den Haken im Flur hmg und sich dann von ihr küssen ließ. Ich glaube, es wird ganz das Richtige für uns sein. Kein enger Kessel, sondern em weites Thal, das nur auf emer Seite von Bergen umschlossen ist. Ein Wässerchen, das aus einem Felsenthal herauskommt. Ich sage Dir, Felsen, wie man sie sonst im ganzen Thüringer Wald mcht trifft und Grotten und Schluchten. Wild und einsam. Das Dorf liegt sonnig. Darauf müssen wir Rücksicht nehmen in diesem kalten Lande, wo es die Hälfte des Sommers regnet." Sehr richtig!" bemerkte ??rau Bürgelin, erfreut über seine Voraussicht. ' Ich habe mir auch schon em Haus ausgesucht, wo wir vielleicht in diesem Sommer probeweis zur Miethe wohnen konnten bei einem guten alten Ehepaar prächtige Menschen." So wir wollen sehen. Ich muß Dich noch vielerlei fragen. Komm jetzt zu Tisch, Du wirst hungrig sein." Ich will nur erst hinauf und mir andre Stiefel anziehen. Ich habe den halben Thüringer Wald an den Sohlen." Nein laß das jetzt," bedeutete Frau Bürgelin ihren Sohn und nahm seinen Arm, sich von ihm in's Eßzimmer geleiten zu lassen. Dort erwarteten- sie Dionys und Mademoiselle, die eifrig miteinander flüsterten.' Mademoiselles Gesicht trug einen bekümmerten Ausdruck. Karl bemerkte es gleich, als er sie begrüßte. Dann erst sah er eine ganze Bescherung, die ihn vor seinem Teller erwar-tete.-Ein ausgestopfter Lämmergeier, zwei Gemshörnchen, einige schöne Muschein. Er schlug, vor Staunen die Hände zusammen und blieb so mit den gegen die Brust erhobenen stehen, eine kindliche Bewegung, die ihm eigen war. Nein! nein, aber so was !" stotterte er und wurde dunkelroth. Ja es ist doch nicht mein Geburtstag!" Kann Deine Mutter Dir nicht auch an einem gewöhnlichen Tage eine Freude machen wollen?" fragte Frau Bütgelin und breitete die Arme aus. Karl stürzte sich hinein, umhalste sie und drückte den Kopf an ihre Schulter. Die Augen waren ihm naß. Er kam ich abscheulich vor. Wieviel hatte er eine Mutter gekränkt und geärgert in etzter Zeit und nun war sie so ruckhaltlos gut! Vielleicht 0, wenn er sie doch lieben konnte. Sie fühlte seine anschmiegende Zart lichkeit, das Beben seines Körpers. Sie war mcht weich . gestimmt in diesem Augenblick, doch sie war befriedigt. Und sie konnte .sich nicht entschließen. die schone Stimmung durch die Eroff nung, die ihr auf den Lippen geschwebt hatte, zu stören. Es war später noch Zeit genug. Aber Karl ergriff den Lammergeier an beiden Flügeln. Gleich muß ich sehen, wo wir den Kerl hinbringen," schrie er und stürmte mit emem Satz zur Thur hinaus. Karl!" rief seine Mutter. Er hörte schon nicht mehr. Schweigend m beklemmender Erwartung standen die Zurückbleibenden. Man vernahm eine Weile nichts, dann .ein , Äeräusch, als ob ein Stuhl zur Erde geschleudert werde, und den heisern, wutherstickten Ruf: Pauline Paulme!" (Fortsetzung folgt.) Ktangeneknrcr Narhge)djtnadi. Was .macht denn der große Haupt ling . für ein grimmiges Gesicht?" Ja, der hat vor em paar Tagen emen Automobilisten verspeist, und nun wird er den abscheulichen Benzingeschmack im Munde mcht mehr los." Gute Seele. Hausfrau (zu dem abziehenden Dienstmädchen): Warum weinen Sie denn in einem fort, Marie, und küssen das neue Madchen, Ihre Nach folgerin, immerzu ab?" D i e n st mädchen (schluchzend): Mir thut der arme Wurm so leid!" In der Rertxenstunde. Lehrer: Denk mal, Karlchen, Du wärst ein Mann und hättest 3000 Thaler; Du möchtest Dir aber ein Hauö, daö 10.000 Thaler lostet, kausen; waö brauchst Du da noch?"

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SprtzenhDn' Udell und Raoer 2ZS UdeU Ladder SorU 2S9 Jlabel und 7. 241 Meridian und 24, 242 Illinois u St. Clk ' 243 Cldridge und 23. 12 West und Walnut 13 West und 12. 314 Howard und 16 815 Torvet und Pacs 16 Capital Ave und IV, 17 Northwestern Av V.X 18 Gent und 13. 819 Canal und 10. 824 Cerealine Works 824 Vermont und LynN 25 BiSmeZrandvteIl 2 No. 2 SprrtMhaus Haughvjlle. 827 Michigan u. Hoimes, 828 Michigan u. Concor 841 West und McJntyre 41 Miffouri u. Marylan 413 Missouri und FXjio 416 Capital Aveeorgia 416 Missouri AentuckyS. 417 Senats Av . Wash. 421 P und 6 kumdau SQ. Washington. 428 Irren-Hospital. 424 Mlleyvu.J Dkd 425 Wash. and Harr 426 No. 18 Sp?itzehch : W. Washington 427 Olkver und vtrch 423 Oliver und Osgood m Nordhke und jcr! 431 Hadley Wh , Vont 432 Stiött Ave U. 5!N 434 Rtv V nd itatz ö Harding u. Big A ss Hardwg und OSta 437 No. 19 evritzenhe? 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Die einzige Linie, welche Passagiere und Gepäck in dem Vuöstellnngöplatz'law det, ehe der Zug in St. Z!ouiS einfährt. SR sin Waggon Excursion jeden Tag, OUiUU ausgenommen FreilagS und Samstags, giltig für 7 Tage. $9i00 ?ebmSrÄÄ- lIti3 15 Abfahrt von Indianapolis 11 .60 Uhr Vor, mittags und 11 10 Uhr Abends. Ankunft auf dem AuSstellungSplatz 7 Uhr WendS und 7:40 Uhr Morgens. Städt.Osfice: 8 Nord JllinoiS Stt.