Indiana Tribüne, Volume 28, Number 68, Indianapolis, Marion County, 10 November 1904 — Page 5

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Lerpsnslhtcs Leben. Erzählung von ?ans Waldt. Er fjatte Jern Leben verpfuscht er Küßte das. aöer diese Erkenntniß trug nicht dazu bei, sein Leben ancenehmer zu machen. Anfänzlich, als noch der Rausch eines trughafien Glückes mächtig war, wies er diese Erkenntniß weit von sich später trieb sie ihn dazu, nachVciäubungsmitteln zu gieifen, um sein Elend zu vergessen. j Er saß an einem kleinen Tisch in fc Ecke eines dunklen Restaurants. Vor ihm stand eine halb geleerteWeinflasche, mechanisch trank er Glas auf Glas. Zwei Offiziere in Civil gingen an ihm vorüber. Er sah auf und erkannte sie. Es waren ein RegimentZkamerad und ein anderer Besannt von ihm. Wie geistesabwesend grü5'e er. Sie sahen ihn an, erkannten ihn und gingen, ohne seinen Gruß zu erwidern, weiter. Er wurde roth. Er .schämte sich. Günther, von Renard war immer der begabteste und der hübscheste geWesen von den Geschwistern. Sein älterer Bruder war ein Philister, den er nie Hden konnte, den er als Kind tyranniirt und den seine Mutter nie bevorzugte. Ja, seine Mutter seinen Vater aitt er nie gekannt hatte ihn ge-, liebt und ibn verhätschelt und verzogen. Er wußte bald, daß er alles bei ihr erreichen konnte, wenn er es nur geschickt anfing und sie richtig behandelte, und das hatte er bald gelernt. Er verlangte schon als Kind stets das Veste für sich, und wenn er mit schien blauen Augen die Menschen so bittend ansah, schlug ihm keine: etwas b. So war er sich seiner Macht bald bewußt, und aus dem liebenswürdi,",gen Kind, '.as die Hand begehrlich nach allem ausstreckte, was ihm gesiel, wurde ein Jüngling, der nie lernte, sich etwas zu versagen. Er wurde Leutnant in einem Kavallerie - Regimcnt Aber es gelang ihm nicht, sich die Freundschaft und Achtunq feiner Kameraden und Vorgesetzten zu erwerben. Ein undefinirbares Etwas hielt sie absich ihm anzuschließen. Da er um jeden Preis eine Rolle spielen - wollte, mußte er sich eine andere Sphäre suchen. Er fand sie bald: Schauspieler und Schriftsteller untergeordneter Art bilbeten bald fcir.en Hauptverkehr. Er redete sich und seiner Mutter ein, daß er ohne sie in dem Kommißtreiben ver sumpfen würde. Er schrieb selbst hin und wieder ''t'int Aufsätze, die seine literarischen we für ein kleines Honorar an einem Blatte unterbrachten, .-chmeichelte ihm, und er träumte ,rfolgen. Das Leben entfernte ihn cmmer mehr von seinen Kameratben. j So lange seine Mutter noch lebte, that er sich Zwang an, obgleich er !große Summen vergeudete; als sie jdann starb, verlor er deinen letzten ZHalt. Der Rest seines Vermögens iwar bald durch Spiel und Liebeleien j' aufgebraucht. , j. Dann kam eine Zeit, in der er mit ' entern Schlag Kopf und Herz an die Frau eines seiner Freunde, eines wohl 'sehr talentvollen, aber verkommenen Journalisten, verlor. Sie hieß Toinette und war älter als er. Und wenn er beute ehrlich mit sich in's Gericht ging, so war es weniger Liebe, als - seine alte Begehrlichkeit gewesen, die ihn zu dieser Frau zog, zu dieser Frau, die nur mit ihm gespielt hatte. Alsr. sie eines Abends allein fand, - klagte sie ihm vor, wie sie in ihrer unWürdigen Ehe litte, daß sie erst wisse, was lieben heiße, als sie ihn kennen gelernt hatte. Da verlor er den Kopf mitsammt d:m Herzen, beschwor sie, ihre Ketten zu Bremen und mit ihm zu fliehen. Zögernd ging sie darauf ein. ' Nach einigen Tagen verließen sie beide gemeinschastlich Berlin, um nach Drcsdenzu $dtn Die Scheidung wurde eingeleitet, nach wenigen 'Monaten war sie frei, und nach einem'Jahre hecrathete er sie. Das kostete ihnZseine Stellung. Nur kurzeZeit war er glücklich. dann durchschaute er ihr Spiel. Sie wollte Grafrn" werden. Als sie das erreicht hatte, zeigte sie sich bald in ihrer ganzen Niedrigkeit. Nur zu .- .bald pochten Jammer und Elend an seiner Thür. Das Geld, das ihm Verwandte geliehen, ging schnell zu ..Ende. Das Geld, das ihm Ver wandte geliehen hatten, ging schnell zu Ende. Seine schriftstellerischen Arbeiten wurden überall abgewiesen. Er war viel zu eitel, um einzusehen. daß sie oberflächlich und unreif waren. Schulden häuften sich auf Schulden. - - Das kleine Mädchen, das ihnen in dieser Zeit geboren wurde, bedeutete für siz eine neue Fessel. Dann wurde es mit einem Male besser, Toinette verlangte nie mehr Geld von ihm sie war gute. Laune und gab ihm sogar Geld, ohne daß er danach verlangte. Ejn häßlicher Verdacht stieg in ihm auf Toinette lachte-ihn aus, gab ihmGeld und rieth :bm. sich au amusiren. Leute war er wieder seine eigenen Weqe gegangen und saß nun vor seiner Flasche Wein, fcs war unerquicklicher denn je zu Haus, das Kind hatte so jämmerlich geweint, und Toinette hatte ihm Vorwürfe gemacht, er sei eigentlich nichts anderes als ein

Betrüger, und schließlich hatt: sie ihm brutal gesägt und vorgeworfen, daß er sich von ihr durchfüttern lasse. Zum ersten Male hatte er sich hinreißen lassen, sich an ihr zu vergreifen, er hatte sie am Arm gepackt und geschüttelt. Als sie schrie: Laß mich los!"war er zur Besinnung gekommen

und davongelaufen. Und nun saß er hier und dachte über sein verpfuschtes Leben nach. Wie Gespenster traten die Jahre einer Kindheit vor ihn hin, und noch mmer fand er nicht, daß es seine Schuld gewesen sei, die ihn heruntergebracht hatte. Er schob alle Schuld auf die anderen, aus seinen Beruf, aus feine Armuth. Er dachte an seine Mutter: Wenn er damals Marie Rutbart geheirathet hätte wie sie wünschte ob er dann wohl glücklich geworden wäre. r ' Sie war ferne entfernte Coustne ein reiches, unschönes Mädchen was war sie lhm damals! Er hatte sich über ihre Zuneigung lustig gemacht und ihr dann und wann ein reundliches Wort gegönnt. Er wollte an diese, fernliegenden Dinge nicht mehr denken'. . . . Er erhob sich, zahlte und mng heim. Zu Haus fand er alles dunkel Niemand antwortete auf sein Ruen seine Frau schien ausgegangen zu sein. Nur aus dem Schlafzimmer klang das klägliche ' Weinen feines Kindes. Er zündete Licht an und trat zum Bett des klonen Mädchens. Es warf sich unrubig umher und fieberte start. Vergeblich versuchte er, das wimmernde Kind zu beruhigen. Eine namenlose Angst erfaßte tön, als er so allein mit dem Kinde war. Im Begriff, noch einmal die Wohnung nach seiner Frau zu durchsuchen, fand er einen Zettel auf dem Eßtisch, in dem, sie-ihm mit kurzen Worten mittheilte, daß sie ihr. verlassen habe, weil sie keine Lust mehr habe, das Leben an seiner Seite zu' ertragen. Nettie kannst Du behalten, ich maäe keine Ansprüche an das Kind." .? . Günther legte den Zettel zur Seite, dise. Wendung der Dinge erregte ihn kaum noch. Des Kindes Weinen wurde klagncher. Er ging in das Schlafzimmer zurück, versuchte nasse Tücher auf das Köpfchen zu legen aber das half nur für kurze Zelt. Der Zustand des armen Wurmchens verschlimmerte, sich zusehends. Als von draußen die ersten Tone des erwachenden Straßenlebens her-ein-chen, faßte er den Entschluß, einen Arzt zu holen. Im Haus nebenan fand er einen. Er hinterließ eine dringende Bestellung bei dem Dienstmädchen und eilte wieder zu seinein Kind. Nach Stunden bangen Wartens kam endlich der Doktor. Lassen Sie mich untersuchen," sagte Dr. ficlrn. Ja, aber Sie müssen winen meine Frau ist nicht hier, wir sind mittellos, ich oin ganz allein mit dem armen, kleinen Wurm." 'Günther sagte das sioßwer.e. Lassen Sie mich nur crst einmal sehen, was wir mit Ihrem Patienten thun können," sagte der Arzt. Das ist sehr ernst, Sie hätten mich früher rufen müssen." Ja, ick wußte mcht Da ist sorgsamste Pflege die einzize mögliche Rettung Ihre Frau GemalzlinF" Die kommt Nicht wieder. Sie hat mich verlassen, mich und ihr Kind. Was soll ich 'thun?" ... Ich werde Ihnen eine Pflegerin schiuen,' ich komme heut? noch einmal selber zu Ihnen heran. Die Schwester wird die Medizm m.itbrlnaen, bleiben Sie hier. Ich hosse, ich kann Ihnen das K'nd rette?.." Muthlos saß Günther wieder neben Ninette. Es war kalt und, unordent-. lich in den Zimmern, nichts aufgeräumt und es fror. Was weiter kommen sollte, er wußte es nicht, er hatte keinen Muth, sich aufzuraffen. Das Kind' schien etwas ruhiger zu sein, wenigstens weinte es nicht mehr so anhaltend. Nach wenigen Stunden kam endlich die Pflegerin, sie fragte nicht lange, fondern fand sich schnell in die Situation hinein. Lassen Sie. mich nur machen, Herr Graf," sagte sie, wenn Sie nur Jemand hinschicken könnten, um etwas Essen zu holenz denn mit Kochen werde ich mich nicht abgeben können. Was ich für das Kind brauche, habe ich mitgebracht." Sie leate Nettie einen Umschlaz, machte ihr die Milch warm, päppelte sie, und nebenbei machte sie die Zimmer rein. Das ging alles so leise, kaum merklich. Günther nahm einige silberne Löffe7, lt noch Im Mfsett hatte, und ging. Er mußte sie veretzen. um wenigstens für heute und morgen das Essen für sich und die Pflegerin zu beschaffen. Qualvoll schlich der Tag hin Er versuchte zu schreiben, aber es gmg nicht, die Gedanken verwirrten sich lhm. - - , Wieder und wieder ging ihm sein vergangenes Leben 'durch den Kopf seine gegenwärtige hilflose Lage - die Krankheit seines Kindes. Endlich wandte er sich, an die Pflegerm: Glauben Sie, daß die Kleine wieder genesen wird? Wir wollen es hoffen! Aber sie wird noch lange Pflege brauchen haben Sie Niemand, der sich des Km des annehmen .'konnte?" . Während' die Schwester Mef kam

ihm seine ganze Verlassenheit zum Bewußtsein. Nein, er hatte Niemand!

Seine Mutter war todt. Und seine so oft von ihm' verlachte aonnne Marie Nuthart?. Ein leichter Gang würde das nicht sein aber er meinte, f5 sein Kind müsse er jedes Opfer bringen. In der Stille der Nacht kamen ihm seltsame Gedanken. Marie war frei, sie war seinetwegen . frei geblieben. Wenn sie sich jetzt seiner erbarmte dem Kind eine Mutter wurde! Sein Leichtsinn und seine Begehr ichkeit schössen wieder in's Kraut. Er svann .Pläne, und diese Pläne schienen hm fast Gewißheit. Als um zwei Uhr Nachts die Schwester kam, um. ihn abzulösen, beugte er sich lächelnd über das Bettchen und küßte leicht die kleine, siebernde Stirn seiner Tochter. Stf ist viel ruhiger geworden, Schwester, ich habe wieder Muth." Am andern Morgen war der Zustand des, Kindes unverändert. . Mehr können wir gar nicht erwarten." Am Nachmittag begab er sich zu Marie. Er schickte durch einen Diener eine Karte hinein. Mane nahm ihn an. Der Diener führte ihn in ewen Salon. Das schien ihm schon viel. O, sie hatte ihn geliebt, und sie würde Mitleid mit ihm haben! Alles m dem vornehmen Salon erinnerte ihn an seine Jugenö, ihm wurde weich und wehmüthig um's Herz. Er hatte nur ewige Kimmen zu warten, gleich darauf trat Marie in's Zimmer. v Er streckte ihr die Hand ym, uno sie legte die ihre für einen. Moment hinein. Willst Du Dich nicht setzen?" : Er rückte sich einen Stuhl heran und setzte sich ihr gegenüber. Es ist Dir schlecht gegangen?" Ja. sebr schlecht wenn Du alles wüßtest, Du würdest nicht zu hart ur-' theilen und nicht zu hart verdammen. Wer sagt Dft, daß. ich Dich ver damme? Wenn ich Dir mit irgend etwas helfen kann, sage es ohne Umschweife." Du traust mir nichts Gutes zu. das schmerzt ich will nichts von Dir, als die Wohlthat, mich einmal aussprechen zu können.". Marie winkte ihm, zu reden. Er erzablte ihr von seinem elenden Leben, von seiner Frau, und schob alle Schuld auf sie. Marie lächelte bitter. Warum gabst Du dieser Frau Deinen Namen?" Er sagte ausweichend: Wenn Du' wußten, was ich durchlebt, Marie. Wie so allmählich die Binde von meinert Äugen fiel und ich einsah, was ich nickt .hatte glauben wollen, daß meme Frau, um derentwillen ich alles aus--gegeben hatte, schlecht war. Siehst Du, da habe ich gelitten unter dem Erwäckcn und der Erkenntniß, daß das alles ein häßlicher Rausch war, da habe ich mcht mehr an die. Bergan-' aenheit denken wollen, weil es mir die' Gegenwart noch schwerer . gemacht hät?e. Ich babe nicht an Dich denken mögen, um nicht wahnsinnig zu werden, weil ichDick verloren." Er hielt einen Augenblick inne und sah sie an, aber sie hatte die Augen niederaescklagen und um ihren. Mund lag noch immer der feste, harte Zug. Du hattest mich nicht verloren, denn Du hattest mich nie besessen," sagte sie. Nein," erwiderte er, nein aber wenn ich so in meinem Elen' dasaß und die Reue über mich kam und die Verzweiflung an meine Thür, pochte, dann wurde mir so vieles klar, und das eine am meisten, was mich heute hier hergeführt hat, das Heimweh. Das war aber eigentlich doch nur dasselbe, was ich in mir gehabt habe, so lange ich'denken kann, ohne es zu wissen, weil ich es betäubt hatte, das eine: Marie, meine Liebe zu Dir." Sie warf den Kopf.zurück, und ein bitterer Zug flog über ihr Gesicht. Die Liebe zu mir? - Und Du kommst heute her zu mir, um mir das zu sagen, und das soll ich glauben, und Du, Du bist ein verheirateter Mann. Du weißt nicht, was Du thust." O doch." fiel er ihr in's Wort, denn ick kenne Dich, und ich weiß, daß Du nicht anders kannst, als Mitleid mit mir haben. 'Ich bin elend, nan-enlos elend, dazu hat mich das Leben gemacht. Meine Frau meine Frau ist fort mit einem - anderen! Mela Gott, und ich kann ihr nicht einmal nachtrauern, denn sie hat mir um erstenmal in ihrem Leben eine -WoHNha! gethan, tocrn Jt mich ver- ' Fort? Fort? Deine Frau ist fort von Dir?" Ja, aöer siehst Du, etwas blieb mir, etwas , mein Kind, Ninette, meine kleine Ninette." Du hast eine Tochter?" ' Ja und siehst Du, Marie, weil ich nur noch das eine habe auf der Welt, was mir heilig ist, und weil mir das genommen werken soll darum komme ich zu Dir." Will Deine Frau das Kind, so gieb es ihr, es ist ihr Recht." Er lachte laut und bitter auf: Meine Frau? Nein, sie hat auf ihr Kind verzichtet, sie hat nicht einmal das letzte, was das erbärmlichste Thier in sich hat: Mutterliebe. Nein, Toinette will m Kind nicht, aber Ninette

ist krank und hilflos. Was soll ich

- i . thun? -Ich bin ja hilflos was tarn ich allein ihr sein? Ich bin ia machtlos dem kleinen Wurm gegen-, übe.. Ich abe nicht einmal genug, um das Kind satt zu machen." Das ist schrecklich a. das ist sehr grausam, armer Günther!" Marie, es ist mein letztes. An dem kleinen Leben hängt auch das meine. Was soll denn nun aus ihm werden?" Da muß man Hilfe schaffen," sagte Marie, ,das ist natürlich, irnendwie. Ich werde mir das überlegen." Ueberlegen?" Er kniete neben Maries Stubl. Ja, ich habe auch überlegt in dieser Nacht, in der ich am Bette .meines Kindes saß und wachte und glaubte, jeder Athemzug fei der letzte. Da kam mir der Cedanke: nur Du könntest mn Hilfe bringen, weil Du für mich das Erbarmen hast, das mich retten kann. Marie, um meines Kindes willen und um der alten Liebe willen, die Du -mir doch einmal oestanden fcat Marie, erbarme Dick meiner, rette mein Kind, rette mich, denn ich, mein Gott, ich liebe Dich!" -Er legte seinen Kopf auf ihren Schooß und weinte. Sie ließ es einen Augenblick ruhig geschehen, dann legte sie ihre Hand leicht auf seine Schulter. Günther, steh auf. nimm Dich zusummen. Ich will heute nicht mit Dir rechten. Ich will vergessen, daß ich um Deinetwillen gelitten. Du hast wohl auch gelitten nein nein bore mich turne an. Siehst Du, Günther, ias ist alles vergangen und vergessen die Lei den und die Liebe." Er hob den Kopf und sah ibr in die Augen. Nein, sage das nicht. Liebe, echte Lieber stirbt nicht, und Deine war et." Dann war mein Liebe nicht 'echt, denn sie ist todt. Mitleid Erbarmen. das habe ich für Dich, aber sonst - - nein, Günther, ich will es Dir nur gleich sagen, ich habe mich verlobt. s gestern, mit Fritz Warnstedt." Du bist verlobt?" Ja, und ich bin glücklich. Glaube mir, ich weift, es muß Dir in diesem Augenblick fast grausam erscheinen, daß ich Dir das sage, aber Du sollst auch nicht eine Sekunde in dem Wahn sein, daß ich diesen Schritt aus Liebe gethan habe. Ja mehr, wenn ich nicht verlobt gewesen und so ganz sicher in meinem Glück, ich hätte Dich nicht emPsangen." Günther war langsam aufgestanden, er war wie betäubt. So also. Du bist verlobt? Wie konnte ich auch nur für einen Augenblick denken, daß Jemand mir treu bleiben, könnte mir, dem Lumpen der Familie. Verzeih nur, daß ich zu Dir kam. Ich gehöre ja nicht mehr zu iuch. Du bist bitter und ungerecht, Günther!" . Mag sein, daß ich das bin." ,Nem,", sie trat auf ihn zu und streckte ihm die Hand entgegen, nem. so soll dies mcht enden. ' Um Deines Kindts willen bist Du gekommen, um seinetwillen mußt Du nun auch meine Hilfe annehmen." . Er lächelte bitter: Du bist mitleidig! Adieu, und noch einmal, vergieb mn, daß ich zu Dir kanf, und grüße Fritz. 'Adieu!"' . Er ging, und sie ließ es ruhig geschehen. Wie ein Traumwandler ging Gunther heim. Er hatte sich so fest auf Marie verlassen, er hatte so fest auf diese Stunde gehofft. Es war seine letzte Hoffnung was nun noch kam, ihm konnte es kein Heil mehr bringen. Er hatte sich im Leben 'immer von feinen leidenschaftlichen Wünschen treiben lassen.-' Er ging achtlos durch die Straßen, er fürchtete sich vor feiner Wohnung, er batte sie mit solcher Zuversicht verlassen. . Als er endlich sein Heim erreichte und die Schwester ihm entgegentrat. schien es ihm nur natürlich, daß sie ihm nichts Gutes berichten konnte. i . f Aier A)oilor war nocy einmal mer. Bringen Sie 'Hilfe von Ihren Verwandten?"''? Ja, ja, man wird kommen und mir helfen." Ninette lag apathisch da, und wieder, wie in der vorigen Nacht, hielt er r ii r . . s cm . jr. - emi . am em i eines ninoes acyc. uxi der jagten ihm die Gedanken durch den Kopf, aber es war kein Schimmer, ver ihm Hoffnung versprach. - Was sollte nun wenden? Dann dachte er, daß des Kindes Leben ihm noch eine Aussicht auf ein Almosen versprach; denn wenn VJlaxlt dem Ninve yals, 10 munie sie doch auch dem Vater ab und zu etwas Gutes thun. Der Stolz, den er mühsans entfacht, war längst dahin. ' Alles war ihm zerbrochen. , Schneller .und schneller ging der Kleinen Athem. ie weinte nicht und wimmerte.mcht mehr. Er schloß die Augen. Plötzlich wachte er mit einem Schreck auf: es war so unheimlich still. Er beugte sich mit der Lampe über das Bett. Das Kind lag ganz ruhig, .den Kopf etwas zur Seite. Günther zitterte, eine große Angst kam über ihn. Mein Gott, ist das der Tod?" Er sagte das laut vor sich hm und erschrak vor dem Klang seiner eigenen stimme. DleSchwester im Nebenzimmer war davon aufgewacht und kam herem. , -

Schwester, um Gottes willen, was ist das? 'Sie ist still, ganz still!" . Die Pflegerin trat an das Bett und kniete nieder. Sie legte das Ohr 'an die kleine Brust und faßte die Hand: .Das ist das Ende." Nein, nein, das ist nicht möglich!" schrie er beinahe. Es darf nicht sein!" Armes, kleines Leben," sagte die Schwester. Wir konnten eS nicht rettcn, und dem Kinde ist wohl.". . Sie rückte die kleine Leiche zurecht im Bett und kreuzte ihr die Händchen über der Brust. . Wollen Sie ihr nicht die Augen zudrücken?" Fast mechanisch beugte er sich herunter und'drückte die Augenlider zu. Ich gehe und lege mich noch einige Stunden hin, .denn ich kann ja nun nichts mehr thun." Gut, gut." Er nickte und ließ sie gehn. Dann sank er auf dem Sluhl neben seinem Kinde zusammen. . Stumpf und gleichgiltig und von einem Ekel vor seinem Leben und seiner ganzen Existenz geschüttelt, saß er da. Die grauen Morgenlichter drangen allmäblich in die kalte Stube berein. Günther stand auf und ging in sein Zimmer hinüber. Nur nicht noch , einmal denken und überlegen. Nur schnell ein Ende machen. Und mitten in seinen Gedanken empfand er wie eine häßliche Schadenfreude, daß er sich" an Marie rächen könne. Sie würde mit ihrer seinempfindenden Seele nie ganz verwinden,' daß sie ihn nicht gerettet, daß sie ihn durch ihre , Verlobung zu diesem letzten Schritt getrieben. Er nahm, einen Briefbogen und warf schnell einige Worte darauf: Marie, nun mein Kind todt ist, kann ich das Leben nicht meh ertragen. Du hättest mich retten können. Leb wohl! . Günther.-, Er sah es an, und ein bitteres Läck.eln gin über seine Züge er mur-

i .elte leise vor sich hm: Komödie, Kömöd'e, bis 'zuletzt!" , ' Er zerriß den Brief und warf ihn fort. ' Dann griff er zur Pistole, die g'eladen in seinem Schreibtisch lag. ' - Einen Augenblick darauf war er 'odt! Vmeisen als Schutztruppe. Es gibt für den Zoologen kaum ein reizvolleres Feld der Thätigkeit als die Erforschung der Genossenschasts - Erscheinungen in, der Thierwelt.ßWas einer allein nicht vermag, können viele; Anhäufungen von Individuen derselben Art, Thierstaaten mit geregelten, auf Schutz und Trutz abzielenden Einrichtungen sind daher außerordentlich häufig. Seltener ist eine Vergesellschaftung verschiedener Geschöpfe nack Art der Seerosen und Krabben; dann schließt sich meist der Schwächere dem Stärkeren an und bezahlt für den genossenen Schutz in irgend einer Form einen angemessenen Tribut. So auch in dem jetzt von Penzing mitgetheilten höchst interessanten .Fall, wo es sich um eine ausgesprochene Vergesellschaftung von Ameise und Zirpe Dem bekannten Insekt aus der Ordnung der Halbflügler, handelt. Penzig machte seine Beobachtung auf Java. Mit Interesse verfolgte er im Berggarten von'Tjibodas das' Gebahren: einer großen Anzahl schwarzer Ameisen. Sie bedeckten einen Strauch fast, völlig und machten sofort -eine grimmige Attacke, als der. Forscher zum Zweck des näheren Studiums einen Zweig abschneiden wollte. Er mußte die Flucht ergreifew und konnte den wüthenden Feind nur mit Mühe abschütteln. Offenbar hatten ihn die Ameisen sofort bemerkt oder waren durch die Erschütterung alarmirt worden: jedenfalls kamen sie von allen Seiten her auf den vermeintlichen Angreifer losgestürzt. Später klärte sich ihr Gebühren auf. Der Strauch war von den Larven, Puppen und einigen ausgewachsenen Exemplaren von Zirpen bewohnt, und die Ameisen bildeten offenbar ihre Schutztruppe. ' Sie liefen zwischen ihren Schützlingen umher mit erhobenemKopf und jenem frechen, zornigen Benehmen, das auch für verschiedene Arten unserer Ameisen charakteristisch ist, bereit, jden Störenfried sofort wirksam anzugreifen. Aber die Zirpen, deren Feinde groß an Zahl sind, genossen diesen Schutz nicht umsonst. Sie mußten zahlen, ' und zwar in einer höchst merkwürdigen Form. Penzig konnte deutlich sehen. wie viele Ameisen die Larven undPup den umlagerten und ihnen durchStreicheln des Unterleibes mit den Fühlern einige offenbar süße Tröpfchen entlockten, die sie sich wohl schmecken ließen. Die Zirpen schienen diese Anzapfung ohne Widerwillen und ne ein nothwendiges Uebel über sich ergehen zu lassen. Der Gelehrte konnte schließlich nach einem kleinen Kampfe einigeZweige abschneiden und sich der Bewohner bemächtigen. ' Devot. Posiexpedient (zu el nem Diurnisten, der eben einen Ein schreibebrief abgegeben hat): Warten Sie, Sie bekommen . eine BescheiNlgung! Diurnist: Oh,' nein, nein. Ist nicht nöthig! Ich danke sehr! Ich werde mir doch nicht erlauben, in die hohe Postbehorde lrgendwelcheö' Miß trauen zu setzen. . .

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Washington EU 2 No. 10 Spritzenhaus Illinois u errill Illinois kouistana .'T West und South West und McEartY Senate Ave. u Henry 7 Meridian und Siay No. 4 EpritzmhauS ' Nadison Av. u MorriS Vkadison Ld.u Dunlop tt No Hak Leiterhauk Eouth nah Delawar 'pmn.u lkerrUl 3 Itlatoart u. LKSsrtH rAmidXÄTary U New Jersey .VerrQ Oirg. . n radsha -8 Saft und Prospekt N 19 icking und High ' n No. ll Spritzenhaus Cir Ave. nahe Huroa ft Eaft und Seorgia n Gebar und Ein ; l Davidson tt Veoraia T5 English Av.tt Pd,e. , Tt Shelby und LateL ' 'S No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelky , . Fletcher Lv. u Shelby Zl Market u. New Zerscy Z2 Delaware und Wash. 33 Ciaft u Washington U New York .Davids S5 Taubstummen Anstalt 55 er. Stuten ÄrsenaZ 19 P-rk Cdc 11 312 CapUal Lv nd tt. 18 Pennsylv. n. Michiaae 114 Jllinori und 20, ii& Senate Ave und 21 216 Pennsylvania und tx 417 Meridian und 18. 818 Cavital Av und fit 219 Lroadway und 10. 31 JUmoi! und Mcfiw234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 80c 135 Jllino und 83 36 Zlnnetta und 8C 237 No. 9. SprtzenhM "Udell und Slaoer -&38 Ubnl Ladder Sorl? 259 Jsabel und 27. . 541 Meridian und 4. 243 JllinoiS tt Ct Clatz. 243 Eldridge und 23. 812 West uud ÜSalra 318 West und 12. 814 Howard und 16. 816 Torbet und Pacck 1 Capital Ave und rd, 817 Northwestern Ave u L1S Gent und 13. 319 Canal und 10. 3 Cerealine Work 824 Vermont nd Lyn 825 BiSnun? tt Srandvie? 82 No. 29 SpruMhauS Haughville. 827 Michigan tt. dneS, !2S Michigan u. ftraan 841 West und MeJntyre 412 Missouri u. Marylm tlt Missouri und Nhis 415 Capital Av Seorgia 416 Migouri tt IeentAcky?. 417 Senate Av tt. Z&a 421 P und G futnfcftaul W. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 Miley Ave tt. 3 u& 425 Wash. md Hn 426 Ne. 18 SprttzenZmch W. 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Loutsiana '5 Virgmi Ave u. lab. ?s Hauptquartier. rt Grand Hotel. j)8 Tapital Ave und Ct 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Afh. 21 Alabama und 16. 23 Central Ave und IS. es DandeS und U. 27 Brookside und Kchita 28 Central Ave und 17 .29 Delaivare und 19. 21 Alabama und 11. 32 Bellesontawe und. m College Ar und 2. . Delaware und 18. 86 Alabama und North 37 Newmann und 19.. 38 College Ad und 14. 39 Cornell Ar und 13. 41 FandeS un!t 19. . , 43 Higtzland Av und 10. 48 Tecumseh und 1. ,, 45 New Jersey und 22. 46 AWord nd 17. - 47 No. 2 Spritzenhaus HiKstd Av und 16. 3 College Ave und 2. '. 49 College und 27. 5 Park Ave und 22. 68 L s u. WVahnu.22. S4 Ramsey Av und 10. 66 Etoughton u Newmen 67 LtlaS und Pik:. Bloyd und Pawpaw. .69 No. 21 Spritzenhaus Lrightwood k fixten und Depot 63 Vrigxtwood und 25. 64 Rural und Vloyd es St. Clair ueyfione .' .67 Arsenal Lv unk 25. 6g ellefontaine'unt .' 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Die einzige Linie, welche Passagiere und Gepäck in dem Qusstellnngsplatz'lan-, det, ehe der Zug in St. LouiS einfährt.Hfl Waggon Excursion jeden Tag, 0U,UU ' ausgenommen Freitags und Samstags, giltig für 7 Tage. eden Tag. ilttg für 18 Abfahrt von Indianapolis 11 5Q Uhr Vor, mittags und 11 10 Uhr Abends. . Ankunft auf dem AuSstellungSplatz 7 Uhr Abends und 7:40 Uhr Morgens. ' Stadt.Ossice: 8 Nerd ZllinoiS Str.