Indiana Tribüne, Volume 28, Number 67, Indianapolis, Marion County, 9 November 1904 — Page 6
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Europäische Nachrichten.
Sachsen. Dresden. Der Prokurist der Firma Creußnach & Scheller, hier, Robert Ziergiebel, feierte sein LSjähriges Dienstjubiläum bei genannter Firma, aus welchem Anlaß ihm mehrere Ehrungen zugingen. Dem Rek tor der hiesigen Dreitonigschule, Oberstudienrath Prof. Dr. Vogel, ist das Officierskrcuz vom Albrechtsorden, sowie dem Konrektor des Realgymnasiums in Chemnitz, Prof. Dr. Pabst, und dem Oberlehrer am Realgymna sium m Zlttau, Prof. Speck, das Rltierkreuz 1. Klasse. vom Albrechtsorden verliehen worden. Auerbach i. V. Im Dorfe Remqrün brannte die Stickereifabrik von Wilhelm Möckel nebst Wohngebäude nieder. Zur gleichen Zeit zerstörte in Stangengrun em Schadenfeuer die Wohn- und Wirthschaftsgebäude des Gutsbesitzers Hermann Weichsel mit Ernte- und Futtervorrathen etc. B a u tz e n. In selbstmörderischer Absicht hat sich die in der Siechenabtheüung der Bezirksanstalt Seidau untergebrachte Frau Förster aus einem Fenster des zweiten Stockwerks der Anstalt herabgestürzt. Die Frau war sofort todt. Gurth. DaS Bauerngut- des Robert Undeutsch wurde mit fämmtItcner. Erntevorratyen. landwirthschastlichen Maschmen, Möbeln usw. ein Raub der Flammen. Halnrchen. Dem Tambounergeschäftsinhaber Sehm, welcher, seit 33 Jahren der freiwilligen Turnerfeuerwehr angehört, wurde das Ehrenze: chen für langjährige Dienstleistung bei der Feuerwehr überreicht. Knngenthal. Werkfuhrer Schrader gerieth auf der Straße, ver muthlich infolge des herrschenden dichien Nebels, vor die Pferde eines Geschirrs, wurde zu Boden gerissen, überfahren und so schwer verletzt, daß er kurze Zeit nach dem Unfall starb. Leipzig. Der Liahrige Sohn des in Gohlis wohnhaften Architekten Riedel, der mit anderen Knaben auf emen Baum geklettert war, fiel herunter und zog sich dabei eine Gehirnerschutterung zu, die seinen Tod herbeiführte. Mülsen Sankt-Micheln. Hier verstarb infolge eines Schlagenfalles im 63. Lebenswahre Pfarrer Scharre, der seit 28 Jahren hier segensreich wirkte. O e l sn i tz. Bon einem Kühe hütenden ' Knaben wurde in Taltitzer Flur ein in der Elster Ertrunkener aufgefunden und nach der behördlichen Ermittelung als der 50jährige Gutsbesitz. Albin Wunderlich aus Tir schendorf erkannt. Er dürste aus Schwermuth freiwillig den Tod gesucht haben. S a y d a (Erzgebirge). Der hiesige Gesangverein beging sein 60jähriges Bestehen, welches durch ein allseitig befriedigend verlaufenes Fest gefeiert wurde. Tuttendorf. Hier starb ein treubewährtes Mitglied der Gemeinde, der Auszüglicher Gottlieb Heinrich Zimmermann. Er gehörte 35 Jahre dem Gemeinderathe an und war 18 Jahre Gemeindeältester. W e i f a bei Steinigtwolmsdorf. 'Hausbesitzer und Weber Nöthig beging Selbstmord durch Erhangen. KesseN'Aarmstadt. D a r m st a d t. Die Werkzeug-Ma-schinenfabrik von Gebrüder Buschbäum, die in Brand gerathen war, ist vollständig ausgebrannt. Das Feuer brach im Kesselhaus der Fabrik aus, und schon nach ganz kurzer Zeit stand der Dachstuhl in Flammen. Das rapide Umsichgreifen des Feuers erklärt sich durch die Explosion eines- großen Oelbehälters. Bubenheim. An der DreschMaschine von Blumenfeld gerieth der andem Dreschwagen mit Einlegen beschäftigte Landwirth PHU. Moller in die Trommel, welche ihm einen Arm avsritz. ' Infolge Verblutung gab Moller, alsbald seinen Geist auf. Moller, der 34 Jahre alt ist und nur, um auszuhelfen, aus Gefälligkeit die Arbeit an der Maschine übernommen hatte, hinterläßt eine Wittwe mit zwei Kindern. G i m b s h e i m. Der Landwirth Georg Kaisermann lag im besten Schlafe, als am Fensterladen geklopft wurde. Er stand aus und öffnete das Fenster. Da bekam er einen gewaltigen Schlag auf die Stirn, daß er blutüberströmt und bewußtlos zusammenbrach. Der alsbald zur Stelle gerufene Arzt stellte eine schwere Kopfverletzung fest. Mainz. Im 91. Lebensjahre derschied hier der Geheime Medizinalrath Dr. Hochgesand, früherer langjähriger Chef des hiesigen städtischen KrankenHauses und Ehrenbürger der Stadt Mainz. ' S p r e n d l i n g e n. Bei Umbauarbeiten im Deutschen Kaiser" stürzte eine Mauer ein. Der Maurermeister Hunkel, der daneben stand, wurde dabei so schwer verletzt, daß der Tod alsbald eintrat. T r e b u r. E"hängt hat sich aus unbekannten Gründen der in den 60er Jahren stehende Postaushilfsbote Jak. Rödner. , s Wayern. München, Im östlichen Friedhof wurde der Oberlandesgerichtsrath Friedrich Mörtl zur letzten Ruhe be-
stattet. Der Verstorbene, im Jahre 1841 als Sohn eines hiesigen Gymnasialprofessors geboren, studirte in Neubürg. a. D. und an der Universität München und widmete sich dann dem Richterberufe. Der etwa vierzig Jahre alte Fleischwaarenhändler Friedrich Bergmann hat sich durch einen Schuß in die Schläfe entleibt. Bergmann, der scheinbar zur Zeit keine Unterkunft hatte, blieb bei einem seiner Bekannten im Hause No. 1 an der Herren Straße über Nacht und vollführte dort den Selbstmord. ff e i l n b a ch. Kaufmann und AnWesensbesitzer Johann Gernstl sen. hier beging das 60jährige Jubiläum seiner ununterbrochenen Mitwirkung als Chorsänger in der Filialkirche zu Lippertskirchen. Gernstl, der die Siebziger schon längst überschritten hat, ist noch im Besitze einer ben'eidenswerthen Frische und Gesundheit und einer immerhin noch kräftigen Baßstimme. K r o n a ch. Der verheirathete Hilfsweichensteller Arthur Panzer von Steinbach stürzte im Bahnhöfe zu
Probstzella vom Trittbretts eines Güterwagens, wobei ihm em Bein vollständig abgefahren wurde. Der Schwerverletzte wurde in die Klinik nach Jena übergeführt. L i e n l a s. Das hiesige Dorf ist vollständig niedergebrannt. Nur das Schulhaus, die Schmiede- und das Wirthshaus konnten gerettet werden. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Lienlas zählt rund 300 Einwohner. P o l n g. Kurzlich passirte tmt Ge sellschaft von vier Männern und einem Frauenzimmer unter heftigem Geschimpfe die hiesige Bahnhofstraße. In der Nähe des Stockerschen Anwesens kam es zu Thätlichkeiten, der Taglohner Sylvester Tremel ?on Altenerding erstach seinen Gegner Nels. Beranlas fung zu den Zwistigkeiten mit dem traurigen Ausgange gab das bei der Gesellschaft befindliche Frauenzimmer Namens Vogel. Der Getödtete hatte achtzehn Stiche. Die GendarmerieMannschaft von Schwaben, die gerade auf einer Streife begriffen war, erschien rasch am Thatorte und nahm die Gesellschaft in sichere Verwahrung. Rosenheim. Streckenwärter Georg Fischer von Schechen wurde bei seinem Dienstgange zwischen Rosenheim und Groß - Karolinenfeld vom Schnellzuge überfahren und tödtlich verletzt. MUrttemverg. Stuttgart. Dem vormaligen Vorstand des Verwaltungsraths der Württembergs chen Jnvalidenstiftung von 1866, General der Infanterie z. D. v. Pfaff, sowie der vormaligen Vorsteherin der Paulinenpflege und der Katharinenschule, Frau Generalin v. Pfaff, wurde der Olga-Orden M len. Men. " ' Karlsruhe. Geheimer Rath Adolf V.Feder ist hier im Alter von 78 Jahren verschieden. 1826 in Wertheim geboren, wurde er 1860 Amtmann in Konstanz, 1864 Amtsvorstand in Eberbach, 1875 Verwaltungsgerichtsrath und 1892 Geheimer Rath. A ch e r n. Am Bahnübergang der Straße nach Gamshurst überfuhr ein aufwärts fahrender Güterzug ein Fuhrwerk aus Falkenbach. In letzterem saß die 34 Jahre alte Frau Köll aus Falkenbach, dieselbe gerieth unter den Zug. Es wurden ihr beide Füße und der rechte Arm abgefahren, auch erlitt sie am Kopf schwere Verletzungen. Emmendingen. Bezirksarzt Medizinalrath v. Langsdorff feierte mit seinem 73. Geburtstag sein 50jähriges Jubiläum als Arzt. Die Stadt beglückwünschte den Genannten und die Stadtmusik brachte ihm ein Ständchen. Frei bürg. In der Burgstraße wurde hier der 20jährige Taglöhner Scholtiseck aus Basel von dem Taglöhner Martin Specht aus Bayern er. stochen. Der That war ein kurzer Wortwechsel vorausgegangen. La Hr. Die Inhaber, der Firma Stösser-Fischer, Geh. Commercienrath Otto Stösser und dessen Söhne, Karl und Heinrich, begingen die Feier des 75jährigen Bestehens der Firma. Mannheim. Großfeuer brach in dem Lager der Firma Zilke u. Cie. im Hansahaus aus. Das Feuer fand in den aufgestapelten Hüten, Filz etc. reiche Nahrung und richtete auch Schaden an Fahrnissen an. Der Materialschaden beträgt gegen 10,000 Mark, der Gebäudeschaden ca. 1500 Mark. Oftersheim. Die 42 Jahre alte Ehefrau des Landwirths Friede rich Gottfried fiel von einem hoch mit Heu beladenen Wagen so unglücklich herunter, daß sie das Genick brach und sofort todt war. Rielasingen. Ein Brand, der im Holzlagerraum des Schreinermeisters Scheu ausbrach und sich auch auf dessen Werkstätte, sowie die benachbarten Anwesen. beS, Schmiedmiisters Dörflinger und des Handelsmanns Levi ausdehnte, zerstörte sämmtliche Gebäulichkeiten mit vielen Frucht- und Futtervorräthen. Villingen.- Seit kurzer Zeit wurde der 74jährige Fabrikarbeiter Jakob Verger hier, der noch bis vor kurzer Zeit in der Fabrik thätig war, vermißt. Jetzt fand man seinen Leichnam in der Brigach bei der Ummenhofer'schen Gießerei. Er machte öfters Waldspaziergänge und scheint in der Dunkelheit vom rechten Wege abgekommen zu sein.
Da Prozeß. Skizze von F. Wilde. Durch die roihen Butzenscheiben
lugt ein trüber Herbsttag. Dickt an das Fenster aerückt. in einem leise wieaenden Scdaukelstubl ruht eine reizende Gestalt, den Blick träumerisch in die frühe Nachmittagsdämmerung gerichtet. Man sieht dem unmuthigen Besichtchen der jungen Frau an, daß sie geweint bat. Es sind nickt die ersten "Thränen in ihrer Ehe; ost schon haben k" . ri z Viimmuugeu gequaii. Ganz still ist es im Zimmer, und die flämiscke Standubr sckläat laut und dumpf; so still ist es immer, so .. V IV W m . . " einlomg aue age. nnoers war es auch eigentlich nie gewesen, in den zwei Jahren ihrer Ehe. Ihr Mann lebte semem Beruf, und ein Kindchen besaßen sie nicht obgleich sie es leidenfchaftlich wünschte. Frau Milly springt plötzlich aus ihrer lässigen Lage auf, um ihren Grübeleien ein Ende zu machen. Und dann tritt sie an den Kaminsims und ! . crt?fc ri.t. er. S iri Dieioi vor einem live liegen. i i die Photographie ihres Mannes. Komisch! Es gibt Stunden, m denen sie sich sein Gesicht gar nicht in's Gedächtniß rufen kann, so wenig sieht sie ihn. Dann vertieft sie sich in dieses Bild. Ja genau so schaut er aus. Die klugen, etwas kalten Augen, daS schmale, ernste Gesicht mit dem strengen Profil und der Denkerfalte zwischcn den Brauen das war ihr Mann ihr Mann, an dem sie mit fast überschwenglicher Liebe hing. Und er? Er war ein gewissenhafter, treuer Ehegatte, aber das, was die heißblütige junge Frau von der Ehe begehrte, hatte sich nicht erfüllt. Ueber feinen Beruf ging ihm nichts. Der viel beschäftigte Rechtsanwalt hatte oft kaum einen Blick für feine Umgebung kaum einen Gruß für seine Frau. Sie mochte sein, wie sie wollte, klug, Witzig und schön er sah es gar nicht. Sein Lächeln, sein Kopfnicken, seine Worte waren stereotyp: Liebes Kind, ich habe zu thun!" Da kam sie auf allerlei Gedanken. Es war ihr klar, daß es nicht so bleibcn durfte. Sie konnte dieses Leben der Vernachlässigung nicht länger ertragen. Etwas mußte ersonnen werden, um feine peinigende Gleichgültigkeit und Zerstreutheit zu tödten. Frau Milly faßte einen Plan. Es war ein leichtsinniger Plan, und sie scheute sich eigentlich zuerst davor. Ihre edel veranlagte Natur konnte sich schwer entschließen, sich derartiger Oberflächlichkeiten zu bedienen. Aber x soviel sie auch sann und grübelte es blieb doch daS einzige RadikalMittel. Schwager Hans! Der jüngste Bruder ihres Mannes, der die letzten Semester vor dem Referendarexamen hier in Berlin absolvirte. bot die beste Gelegenheit. Frau Milly machte Gebrauch davon. Sie bat ihn täglich zu sich, den Schwager Hans jetzt, wo die stürmische Herbstwitterung den Aufenthalt im dreien unaemüthlich machte spielte Schach, musizirte oder plauderte mit ihm. Ihr Mann fand nichts dabei es fielen ihm die Besuche nicht einmal auf. Im Uebrigen war das auch wirklich nicht wichtig. Aber Frau Milly setzt jetzt alles daran, ihren Zweck zu erreichen. Sie macht zum Abend sehr geschickt Toilette und befestigt eben noch einen frischen Veilchentuff in die Corsage ihrer champagnerfarbenen Seidenbluse. Unwillkürlich muß sie ihrem Spiegelbilde befriedigt zulächeln. Sie ist nicht gefallsüchtig, aber ein Wort der Anerkennung hört jede Frau gern, sieht gern einen liebenden Blick des Wohlgefallens auf sich gerichtet, und Frau Milly braucht das ' wie die Pflanze den Sonnenstrahl. Als sie auf den Corridor tritt, um den hellen Abendmantel umzulegen, kommt ihr ihr Gatte entgegen. Nun, schon wieder gerüstet?" Ja! Wir wollen in's ApolloTheater. Es ist dir doch recht?" Aber gewiß, mein Herz!" Du weißt, ich habe ein Faible für's Apollo-Theater. Du hast doch wieder keine Zeit." ' Nein Kind. Heute überhaupt nicht." Frau Milly hat sich dicht vor ihren Gatten gestellt und blickt zu ihm mit feucht schimmernden Augen auf. Die stumme Bitte liegt darin: Sieh mich doch an!" Aber er streicht nur flüchtig über ihr blondes Haar und sagt dann: Laß dich nur richtig wieder von Hans hier abliefern." Sie senkt den Blick ein leiser Seufzer. Dann adieu." ', Und viel Vergnügen!" Rechtsanwalt Weil geht in sein Arbeitszimmer. Er ist müde und abgespannt. Die schwierige Verhandlung, die er zu dertreten gehabt beschäftigt ihn noch unausaesent. Ein Ehescheidungsprozeß. Die junge Frau hat . ihren Mann verlassen mit Qilfe eines freundes ihres Hausfreundes, der die Flucht vorbereitete. Die Scheidung wurde dann eingeleitet. Ihm als dem gewandtesten Rechtsanwalt war der Fall übertragen. Und er hatte die zunge Frau großartig vertheidigt.In seinem Herzen das sonst hart
wie Stein gegenüber der Gerechtigkeit regte sich ein gewisses Mitleid. . Er bedauerte die arme, unglückliche Frau, die von ihrem Manne grenzenlos vernachlässigt, sich vergebens nach Liebe sebnte; und .schließlich gekränkter Stolz, beleidigtes Ehrgefühl waren schuld daran, daß sie auf Abwege gerieth. Und seine Rede im Brustton der Ueberzeugung zündete und wirkte. Rcchtsanwalt Weil sitzt in seinem
Arbeitssessel, die Arme auf die Lehnen gestutzt, und wahrend er den Gang der Verhandlung wiederholt durchaeht, taucht plötzlich, blitzschnell ein Gleichniß vor seinem Geiste auf. Es ist fo dumm, daß er laut auflachen muß. Aber er schiebt doch das bannbullenartige Archiv, in dem er zu blättern beginnen wollte, fort und fährt mit der Hand über seine gerunzelte Stirn. Ihm scheint nicht wohl zu sein; vielleicht hat er sich überarbeitet vielleicht da ist er wieder, dieser verdrehte Gedanke wie zum Tollwerden. Er rückt den Sessel zur Seite und geht ein paarmal im Zimmer auf und ab. ' , Hatte er nicht auch eine junge Frau, die ihn von ganzem Herzen liebte und die er ob seiner Thätigkeit und seines Berufs ungerecht vernachlässigte? Unsinn Unsinn!" Er poltert es ganz wüthend heraus. Seine Frau ist ein edler Charakter Tugend und Treue personifizirt. Sie konnte er mitten in das tollste Getriebe der Großstadt stellen, sie würde ungefährdet den Weg zu ihm zurück finden. Und doch! Seme Frau war jung und schön fa t zu jung für ihn selbst. Und die er Frau gab er volorderte sie sogar auf, uge Freiheit, er sich zu zerstreuen, zu amüsiren ohne ihn den Ehegatten. Er setzt sich auf die Ecke seines Divans und stützte den Kopf in beide Hände. So blickt er gedankenversunken vor sich hin. Es fällt ihm ein, wie sie da in der schicken Theatertoilette vor ihm stand wahrhaftig dazu angethan, einem jungen Manne den Kopf zu verdrehen. Und so saß sie dicht neben seinem Bruder Hans in der Loge des Apollo-Theaters, gewiß mit leuchtenden Augen den lockenden Melodien sinnverwirrenden Farben und dem ganzen modernen Leichtsinn lauschend. Und der hübsche, junge, flotte Hans wird sie 'anschmachten und anschwärmen, die schöne Frau, Hans der gefürliche Don Juan mit den oberflächlichen Lebensanschauungen. Brühend heiß ist es dem Rechtsanwalt geworden! Der Prozeß dieser peinigende Prozeß! . Vielleicht hat seine Frau auch schon einen Hausfreund vielleicht seinen eigenen Bruder vielleicht Eine wahnsinnigeAngst kommt über ihn. Er zieht die Uhr aus der Tasche noch eine volle Stunde bis zum Theaterschluß. Jedenfalls muß er fort, hier kann er's nicht aushalten mit den quälenden Gedanken. Im. Theaterflur des Apollo-Theaters drängt sich die Menschenmenge. Es dauert lange ehe sie sich lichtet. Zu den letzten gehören Milly und Hans. Sie gehen ganz langsam, als hätten sie gar nichts zu versäumen. Frau Milly plaudert sehr angeregt, und unter dem schwarzen Chantillyspitzentuch lacht ihr rosiges Gesichtchen. Aber plötzlich erblaßt sie. Rechtsanwalt Weil ist vor das Paar hingetreten. Ihr staunt mich ja an wie' ein Weltwunder!" . Erlaube mal, das ist auch ein Weltwunder," entgegnet sein Bruder höchst überrascht, du sonst immer bei den Akten" Und heut Nachtschwärmer! Ich kann doch auch mal mitmachen." Es klingt sehr ironisch. Aber gewiß! Sehr erfreut! Wir nehmen natürlich einen Wagen und fahren zu einem rniper ä. trois." Furchtbar gütig. Ich danke bestens." Der Rechtsanwalt sagt das beinahe zornig. Amüsire dich allein in Berlin. Meine Frau gehört nach Haus, zu mir! Verstehst du?" 1 Hans sieht ihn kopfschüttelnd, an.' Aber der Rechtsanwalt hat seine Frau schnell unter den Arm gefatzt und expedirt sie in einen Taxameter. . . Lieber Schatz, was ist dir nur?" fragt Milly bestürzt, nach seiner Hand greifend. Sieh mich an," gebietet er, kannst du das?" Warum nicht! Wenn du nur wüßtest, wie gern ich das thue." Er betrachtete sie lange mit finster zusammengezogenenBrauen, als wollte er. das Innerste ihrer Seele aus ihren Augen lesen. Es ist das erste Ml heut seit langer Zeit, daß du mich erwartest," sagt sie, sich zärtlich an ihn schmiegend. Ihm wird weich um's Herz. Laß!" Und dann beinahe im Flüsterton: Zu Hause." Zu Haus in dem lauschig eleganten Eßzimmer wo der Abendtisch einladend gedeckt und der Thee im Samowar behaglich brodelt zieht der Rechtsanwalt seine Frau leise auf das Sofa und fragt noch leiser: Hast du mich noch so lieb, mein Schatz wie einst als du mein wurdest?" Noch viel, viel lieber!" ruft sie leidenfchaftlich, die Arme um seinen Hals schlingend.
Und bist mir iwi bist brav
Milly?' Sie schaut ihn nur an. Ein Blick vollster Hingebung, daß ihm alle Zweifel schwinden müssen. Dann blitzt plötzlich der Schelm aus ihrim Gesichtchen und sie fragt: Bist du eifersüchtig?" Gott bewahre!" Das wird er niemals eingestehen, obgleich er an diesem Tage fühlte, daß er es fortan immer sein wird. Nur, ihr da beide heute im ApolloTheater das paßte mir nicht." Lieber Schatz" es klingt bittend sieh mal, wenn du" Ich weiß! Du sollst aber jetzt deinen Lobn haben." Wirklich?! Ein Ausruf des Jubels. Und sie preßt ihre weiche Gestalt ganz fest an die seine. Du willst mir wieder gehören?" Ich nehme mir malUrlaub fünf Wochen! Wir holen die versäumte Sommerreise nach! Kennst du das Land, wo die Citronen blühen?" fragt er beinah ausgelassen. Mein Herzensmann!" Und so haben sie ihr Glück wiedergesunden. Wie eine s chwergepr5fte Frau noch nach dem Verlust ihres Gatten von Ungemach betroffen, wurde, wird aus Baltimore berichtet: Ein geachteter Deutscher Baltimores, Wilhelm Hörde., starb in Folge eines schweren Unfalls. Als der Trauerzug mit seiner Leiche auf dem Friedhose an dem Grab anlangte, um welches sich eine grone Anzahl von Freunden des Verstorbenen versammelt hatte, bemerkte die Wittwe, daß das Grab nicht auf der Familien - Grabsiätte, sondern auf einem fremden Begräbnißplatz gegraben war. Es folgte nun eine äußerst peinliche Verzögerung, und schließlich mußte der Leiche nam nach dem Mausoleum gebrach -, werden, wo er bis zum Nachmittag de folgenden Tages blieb, worauf die Beerdigung auf dem richtigen Begräbnißplatz in dem inzwischen dort gegradenen Grab erfolgte. Der Aufschub der Beerdiauna hatte unter den zahlreichen Besuchern des Friedhofes rgeheures Aufsehen und allerhand unsinnige Gerüchte verursacht. E i n e w i l de P a n i k verursachte-'' unlängst in einem New Aorker Fabrikgebäude ein alter Mann, der, plötzlich -vom Wahnsinn befallen, sich mit einem Raftrmesser den Hals durchschnitt und dann, trotz seiner schweren Verwun- ' düng, mit der furchtbaren Waffe in der Hand Angst und Schrecken verbrei-, tend, durch die mit Männern und Frauen gefüllten Arbeitssäle rannte. Der Irrsinnige war der 60iährige Pto, trick Horrigcm, ein Wittwer, der bei der Firma Staats & Dillmeier seit einigen Tagen als Messingarbeiter beschäftigt war. Der Mann soll in letzter Zeit stark 'getrunken und darüber den Verstand verloren haben. Neulich Morgens stieß er plötzlich ohne jede' äußere Veranlassung einen wilden Schrei aus, zog ein Rasirmesser aus der Tasche und rannte damit wie ein Wilder, Püffe und Stöße austheilend, unter seinen Arbeitsgenossen umher, die schnell vor dem Tobsüchtigen das Weite suchten. Der seiner Sinne beraubte Greis stürzte hierauf die Treppe hinauf in das obere Stockwerk des Gebäudes, wo in der Damen- -schuhsabrik von Schneider Bros, etwa 40 Frauen und Mädchen bei der Arbeit waren. Schreckgelähmt mußten sie zusehen, wie sich der alte Mann vor ihren Augen den Hals von einem Ohr zum anderen durchschnitt und dann blutend hin und herlief. Der Frauen ' bemächtigte sich eine riesige Aufregung, -und so schnell sie ihre Füße trugen, stürzten sie die Treppe hinab, wobei die Schwächeren von den Stärkeren niedergeworfen wurden. Mehrere Männer hatten mittlerweile einen Polizisten herbeigerufen, der mit gesckwunaenem Knüvvel die Fabrik bt trat. Er entdeckte den ' Irrsinnigen hinter einer Thüre und es kam zu einem wilden Kampfe, in welchem sich Horrigan trotz seiner schweren Verwundung tapfer wehrte und demVlaurock die Uniform zerschnitten wurde. Schließlich biß der Mann den Polizisten in die Hand und entfloh über die Treppe, an deren Ende er, durch den großen Blutverlust erschöpft, endlich zusammenstürzte. Eine Ambulanz brachte, den Greis in prekärem' Zustände nach dem Hospital. Komische Schreibari. In der Schule derStadtSchrimm sollten am Vortage deö Geburtstages des Kaisers die Schüler schreiben: Hoch soll unser Kaiser leben!" Plötzlich lacht der kleine Hirsch, und auf die erzürnte Frage des Lehrers nach dem Grunde, erwidert der Schüler ganz harmlos: Ack, Herr Lehrer, ich hab eben bei Müller eingeguckt, der schreibt nämlich Kaiserleben in zwei Worte." Sau de Javelle, das beliebte Fleckwasser, bereitet man auf folgende Weise selbst: In eine Quartflasche gießt man auf 3 Unzen Pottasche und 5 Unzen Chlorkalk so viel warmes Re-gen-oder Flußwasser, daß man den Inhalt durchschütteln kann. Dann stellt man die Flasche einige Tage vor dem Gebrauch in die Nähe des warmen Herdes. Beim Gebrauch gießt man von der Flüssigkeit ein wenig auf einen flachen kleinen Teller, legt den Fleck 1 bis 2 Minuten hinein und wäscht ihn dann in heißem Wasser und Seife nach. '
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