Indiana Tribüne, Volume 28, Number 65, Indianapolis, Marion County, 7 November 1904 — Page 6

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Europäische Nachrichten

Provinz chreswig'Korriern. Schleswig. Auf der am Oer aeleaenen Koppel des Gastwirths Dierks wurde die Leiche des Arbeiters Sckröder aefunden. Schröder, las an einer Böschung und ist vermuthlich in der Dunkelheit hinabgestürzt. Der Tod soll durch Ersiickuna einaetreten sein. Der Verstorbene hinterläßt seine Frau mit 5 Kindern, deren ältestes das 12. Lebensjahr noch nicht erreicht hat. A l t o n a. 3rn hiesigen Hafen m der 25 Jahre alte Clark Carlson auf dem Ponton ausgeglüten, rn die Elbe gefallen und ertrunken. Angel n. Die Gastwirthschaft ??reienw!llen ist total niedergebrannt. Besitzer derselben ist Jacob Lorenzen. Ueber d:e Entstehungsursache verlautet mchts. Aura i. D. Auf der Suche nach ihrem erwachsenen Sohn ertrank in einem BacZloche m der Nahe der Burger Schleuse und des Kaiser - WilhelmKanals, die Frau des Todtengräbers Vlett bierselbst. Die ' Leiche wurde durch Zufall gefunden und geborgen. i- - -!- r , rz I . tensourg. vrin zweier senbabnunfall ereignete sich auf der Kleinbabn ??lensburaKavveln. Der 82jährige, 'fast taube Abnahmemann Jakob Helleberg rn Stemderg hatte die leldlge Gewohnheit, bei lernen Touren den Bahnkörper entlang ZU laufen. Er hörte nicht die Warnungssignale eines hinter ihm herkommenden Güterzuges und da der Zug nicht rechtzeitig zum Halten gebracht werden konnte, gerieth er unter ihn, wurhe überfahren und getödtet. Horst. Cin alter Mitkämpfer aus der Reihe der 48er ist im 82. Lebensjähr heimgegangen und. auf dem Hörster Friedhof zu seiner Ruhestätte geleitet, nämlich der Altenteile.? Hans Gosau aus Bullendorf, welcher von 1848 bis 1851 bei der 3. 12pfd. Batterie der Schleswig - Holsteinischen Armee diente. Kiel. Ein furchtbares Feuer herrschte auf dem Holzlager der Firma Jaacks. Das Flugfeuer bedrohte die benachbarten Kasernen der 1. Matrosendwision und des 1. Seebataillons. Das Maschinenhaus, die Werkstätten, die Lagerbchände und Holzschuppen sind eingeäschert. Der Schaden wird auf 150,000 Mark geschätzt. lTondern. Ein plötzlicher Tod im Eisenbahnwagen ereilte die 70jährige Wittwe Koorsgaard aus Harrits. Dieselbe kam von Flensburg, wo sie sich einer Operation hatte unterziehen müssen, um nach ihrer Heimath zu reisen. Die alte Frau war während der ganzen Fahrt wohl und munter, auf der Strecke zwischen hier und Wiesbv starb sie plötzlich. Wandsbek. Das Fest der gol denen Hochzeit feierten in seltener Frische des Geistes und des Körpers die Eheleute H. H. Chr. Wittorf und Frau. geb. Schultz. Der Jubilar sie !m 79. Lebensjahre, seine Gattin ist 73 Jahre. Frovrnz ScHkelren. Breslau. Auf der Fischergasse. Ecke Lorenzgasse, ereignete sich ein schwerer Unfall, indem das 3 Jahre alte Mädchen. Frieda Weigelt. Tochter einer Hildebrandstraße 6 wohnenden Arbeiterin, unter einen Bierwagen gerieth und überfahren wurde. Die Berletzungey des Kindes waren so schwer, daß es bereits auf dem Transport in das Allerheiligen - Hospital verstarb. B r i e g. In einem Graben des Dominialfeldes Heidau, Kreis Ohlau, wurde der Arbeiter Münch todt aufgefunden. Da die Leiche Stichwunden aufweist, wird angenommen, daß M. ermordet worden ist. Bon dem Thäter fehlt jede Spur. Falkenberg O. Schl. Das mit seinen Geschwistern im Hofe spielende. 114 Jahre alte Kind des Scholtiseibesitzers Kubon - Floste wurde von nem Düngerwlgen so überfahren, daß alsbald der Tod eintrat. G r 0 t t k a u." - Der Inwohner Johann Jurzyk aus Herzogswalde, hiesigen Kreises, wurde in seiner Wohmmg im Bett todt aufgefunden. Ob Mord oder Selbstmord vorliegt, konnte nicht fgestellt werden. Katlwitz. In der Familie Olenik im benachbarten Zawodzie waren zwei Kinder allein zu Hause geblieben und spielten anscheinend mit Streichhölzern, durch deren Entzündung Wollsachen in Brand gerathen sind. Qualmentwickelung erstickte ein Kind, während das. andere noch lebend, aber auch dem Tode nahe, gerettet werden konnte. N e u s a l z a. O. In dem benachbarten Dorfe Lippen war der Bauergutsbesitzer Reiske , mit Dreschen des Getreides in der Scheune beschäftigt. Seinem 10 Jahre alten Sohne wurde hierbei die Aufgabe zu Theil, aus dem über der Tenne gelegenen Theile der Scheune CZetreidegarben herunterzuwerfen. Er glitt hierbei aus und fiel durch die Oeffnung aus beträchtlicher Höhe so unglücklich auf die harte Tenne, daß der Tod eintrat. . S p r 0 t t a u. Auf dem Dominium Nieder - Gießmannsdorf im hiesigen Kreise, das dem Justrzrath Reiche zu Glogau, früher hier, gehört, ist eine große, mit Erntevorräthen dicht gefüllte Feldscheune ein Raub der Flammen geworden. Da das Feuer gleich-

X zeitig an drei Stellen aüsbrach, so . 1 :r.Yj . :rr;. na lw.

lieg! ijizi zivelicuv vvÄlvlulgc Zlllnvstiftung vor. Der That dringend verdächtig erschien ein Handwerksbursche, der sich in einem Chausseegraben versteckt hatte und sich schlafend stellte; er wurde in das hiesige Gerichtsgefängniß einlieferr. Schneidemüh l. Beim Rangiren auf dem hiesigen Bahnhof verunglückte der 63jährige Wagenputzer Johannes Matzigkeit. Er stürzte so unglücklich von einem Wagen, daß er sich einen Bruch der Rückenwirbelsäule zuzog, außerdemfuh? ihm das Rad eines Wagens über die rechte Brustseite, so daß er sofort todt war. Matzigkeit war feit 34 Jahren bei der Bahn befchäftigt. W i t k 0 w. In der Scheune des Bauunternehmers Werner brach Feuer aus; Scheune nebst Inhalt, Getreide und Stroh, sowie ein Anbau brannten gänzlich nieder. Provinz Sachsen. Magdeburg. Dem Eisenbahnstationsassistenten a. D. Friedrich Zimmermann ist der Kronenorden 4. Klasse, dem pensionirten städtischen Oberfeuermann August Hildebrandt und dem pensionirten Magistrats'boten Gustav Brandt das Allgemeine 'Ehrenzeichen verliehen worden. A k e n. Arbeiter Wolfram verunglückte in der Zimmermann'schen Oelfabrik tödtlich. Er gerieth beim Abölen in die Riemen der Transmission und wurde zerdrückt. Eine Frau und zwei Kinder betrauern den Verlust ihres Ernährers. Dingelstädt. Bei dem großen Brande sind 36 Wohnhäuser, 38 Seitengebäude, 17 Stallgebäude, 15 Schuppen, 22 Scheune gänzlich niedergebrannt und außerdem 20 WohnHäuser, 5 Seitengebäude, 3 Stallgebäude, 3 Schuppen zum Theil eingeäschert. Erfurt. Die große Drohsini'sche Kunst - Mahlmühle mit Wasser- und Dampfbetrieb zu Bischleber brannte bis auf den Grund nieder. Der angerichteteSchaden beziffert sich auf 200,000 Mark. H a l l e a. S. Ein Familiendrama spielte sich in dem Hause- Thomasiusstraße 12 ab. Der Kutscher K. Ber.big schoß seine Ehefrau mit einem Revolver zweimal in die rechte Brust und einmal in den Oberarm, seinen Stiefsöhn Müller Wilhelm Kreutzmann dagegen einmal in den Kopf. Nach vollbrachter That trank Berbig in selbstmörderischer Absicht ein erhebliches Quantum Salzsäure. Alle drei muß-' ten in die Klinik gebracht werden. Die Verletzungen der Frauen und des Stiefsohnes.sind nicht lebensgefährlich. In einem Briefe an Verwandte gibt Verbig an, daß er unschuldig wegen Mißhandlung seiner Frau 3 Wochen Strafe verbüßt habe und. deshalb sich und die Frau aus der Welk schaffen wolle. Berbig verstarb in der Klinik unter qualvollen Schmerzen. Kleinwanzleben. Maschinist Andreas Müller gerieth in die Strohpresse der der Zuckerfabrik gehörigen Dreschmaschine und erlitt einen Genickbruch, der den Tod zur Folge hatte. Nordhausen. Das plötzliche Verschwinden des Gutsbesitzers Buchholz in Mackenrode macht in der ganzen Nordhäuser Gegend außerordentlich großes Aussehe, da Buchholz ein hervorragender Führer der agrarischen Bewegung und der konservativen Partei war. Für den Bund der Landwirthe des Kreises hatte Vuchholz den genossenschaftlichen Einkauf landwirthschaftlicher Artikel zu besorgen. Mit diesem Amte hängt denn auch das Verschwinden des Buchholz zusammen, denn es ist nach einer von einem Magdetiurger Bundesbeamten, vorgenommenen Revision offenbar geworden, daß an der Buchholz anvertrauten Kasse vorläufig nicht weniger als 19,000 Mark fehlen. T 0 r g a U.Leutnant Dobberke, der Adjutant des 3. Bataillons 5. Thür. Jnf.-Regts. No. 72, hatte während des Vrigademan'övers in der Gegend von Latdorf das Unglück, mit dem Pferde zu stürzen, wobei er sich erhebliehe Verletzungen in der Brustgegend zuzog. W e r ni 9 1 x 0 d'e. Hier erhängte sich der Schneider Odenbach, em dem Trunke ergebener Mann, der bereits einmal versuchte hatte, sich von der Eisenbahn überfahren zu lassen. Wal'denburg. Der im ganzen Kreise bekannte und hochverehrte 2. Vorsitzende des Kreis - Kriegerverbandes, Kaufmann Heinrich Hentschel, verstarb im 63. Lebensjahre. Z a b r z e. Todt aufgefunden wurde im Kesselhause des Hochofens der Donnersmarckhütte' der 17jährige Arbeiter Emanuel Mateja. Die TodesUrsache konnte nicht festgestellt werden. 'Arovinz 'Zfolen. . P 0 s e n. Der Gefangenen - Aufseher Schneider vom hiesigen Gerichtsgefängniß verunglückte dadurch, daß er, ein offenes Messer in der Hand haltend, von einem Tische, auf dem er stand, um an der Wand etwas zu befestigen, herabfiel. Hierbei drang ihm dasMesser tief in die Brust. Schneider, der sich anscheinend 'schwer verletzt hatte, wurde sofort in das Diakonissenhaus gebracht. Der Wirthschafter Ernst Schiller in Maniewo ist seinen Verletzungen, die er durch Ueberfahren mit seinem Lastwagen erlitten hat, hier im städtischen Krankenhause, wohin er aeschafft wurde, erlegen.

Japanische Kricgsancl:dotkn. Russen und Japaner bci Operationen Tie Eigarctte deS Prinzen. Japanische Kriegsanekdoten erzählt ein in Tokio lebender Schweizer im Berner Bund." Eine Geschichte stellt dar, wie. Japaner und Russen sich beim Chirurgen benehmen. Infolge eines bedauerlichen Mangels an Personal und Zeit kann auf dem Felde nur Schwerverwundeten die Wohlthat von Chloroform und anderen BetäubungsMitteln gewährt werden; . die meisten Operationen werden ohne Anwendung solcher Mittel ausgeführt. Ter kleine Japaner erträgt muthig die größten Schmerzen, während der lange Russe schon beim Anblick der drohenden Instrumente in ein mörderisches Geschrei ausbricht. Die gleiche Beobachtung findet man in Briefen der japanischen Sanitätssoldaten. So schreibt einer: Gestern haben wir einem 'langen Rufsen eine Kugel aus dem Schenkel geschnitten, was uns aber mehr Muhe gemacht h als wenn ein halbes Bataillon urerer Leute operirt worden wäre. Der rothhaarige Mensch mußte von sechs Soldaten festgehalten werden und wäre trotzdem beinahe ausgerissen. Solange der Doktor mit ihm zu thun hatte, brüllte er so schrecklich, daß wir erst glaubten, er sei-verrückt geworden." Als ganz merkwürdige Thatsache meldet man aus einem Hospital, daß die Russen bei den Operationen weinen wie kleine Kinder. Landers klingt die Erzählung von einem tapferen japanischen Soldaten! Der Mann saß mit zerschmettertem Arme ' und etwas traurigem Gesichte beim Rothen Krcuz-Zelte und wurde von einem kaiserlichen Prinzen gefragt, warum er so niedergeschlagen sei. Ich habe keine Cigarette mehr, die ich während der Operation rauchen könnte," lautete , die Antwort des Soldaten, der daraufhin von dem Prinzen mit einer Cigarette beschenkt wurde. Indessen besann sich der Soldat doch anders, steckte die Cigarette sorgfältig in die Tasche, ließ sich als Nichtraucher operiren und kehrte mit dem Geschenke des Prinzen zu seinen Kameraden zurück. Die ganze Sektion, Mann für Mann, rauchte dann die Cigarette puffweise auf. Daß der Krieg von den Japanern auch zu Reklamezwecken ausgenutzt wird, beweist eine japanische ZeitungsMeldung.' wonach die Togo-Krawat-ten" mit dem Wappenzeichen des Admirals' bereits ausverkauft seien. In einer anderen marktschreierischen Reklame ward die Anglo-Jap-Allianz-Krawatte" lancirt; von ihr heißt es: Die Krawatte ist so auffallend schön, daß das bewundernde Publikum sie früher entdeckt als den Träger selbst!" Eine Zeitungsmeldung schloß mit der traurigen Mittheilung, daß das PortArthur - Fall - Gratulations - Taschentuch" aus Seide und mit eingestickten Feldzeichen versehen leider nicht mehr am Markte sei. Der Kinematograph in Versailles. Unlängst entstieg von der Rampe des Schlosses in Versaillcs bei Paris den Wagen eine Gefellschaft von 70 Personen, die in die Trachten der Höflinge und Hofdamen aus der Zeit Ludwigs XIV. gekleidet waren. Die Gesellschaft ließ sich im Garten und an den Wasserquellen nieder und täuschte Szenen aus dem Hofleben Ludwigs XIV. vor. In einem bestimmten Augenblick ließ man sogar die großen Wasserkünste spielen, natürlich in Gegenwart des wunderbar gekleideten Ludwig . XIV. Das ganze Maskenspiel hatte' ein unternehmender Industrieller veranstaltet, dessen Kinematographen eifrig arbeiteten, während die Hofleute im Parke schwärmten. Dik letzte Szene, die kinematographi . wurde, war ein Zweikampf von Frauen, wie man ihn zur 'Zeit des Sonnenkönigs" öfteis erleben konnte. Sonderbarer Irrthum. Vor einiger Zeit verschwand aus Charleroi, Belgien, ein junges Liebespaar, der Sohn des Wechslers Robert und die Tochter des Polizeikommissars Poinboeuf. In hinterlassenen Briefen erklärten die Liebenden, daß sie des Lebens müde seien, sie hätten einiges Geld mitgenommen, .um das Dasein noch etwas zu genießen, würden dann aber gemeinschaftlich in den Tod gehen. Die Beschreibung der Flüchtigen wurde nach allen Richtungen versandt, aber ohne Crfolg. Inzwischen meldeten französische Blätter, daß sich in einem GastHof zu Marseille ein unbekanntes Liebespaar erstickt habe. Robert reiste sofort dorthin, erkannte in den allerdings schon sehr entstellten Leichen die Verschwundenen wieder und ordnete deren Ueberführung nach Charleroi an. Hierauf reiste er nach Charleroi zurück. Zum allgemeinen Erstaunen traf bald darauf ein Telegramm des Inhalts ein, daß sich das Pärchen in einem fchsthof zu Singen, .Baden, aufhalte. Ein Verwandter .dampfte sofort mit dem Eilzug nach Singen und telegraphirte von dort, daß die Flüchtigen inzwischen nach Schasfhausen weitergereist seien, von wo er sie nächster Tage zurückzubringen gedenke. Die Marseiller Leichen wurden auf, diese Mel dung hin in Jeumont angehalten, von wo sie wieder nach Südfrankreich zurückbefördert wurden. In dem Prozeß gegen den Major v. Shdom in Braunschweig wegen Mißhandlung seines Kind?z verurtheilte das Kriegsgericht der 20. Divisionden Angeklagten zu vier Monäien Gefängniß und Dienstcntlas sung. , . '

Gelneinderathswahl.

Skizze aus dem Holländischen von Lamuel Falkland. Der Herr Hompelaar befand sich in seinem, im Erdgeschoß belegenen Studirzimmer. Es dunkelte bereits und die Lampe war angesteckt. Vergnügt sah er sich hin und wieder um, nahm aber dann sogleich mit ernster Miene nt Wanderungen wieder auf, wie einer, der tief in Gedanken versunken ist. Dabei dachte er, daß man iizn von diaußen sehen mußte und daß dieEinrichtung nach allen Seiten Eindruck machen würde. Das neue Reck mit den neuen Bänden nahm sich, wirklich vortrefflich aus. Der Herr Hompelaar hatte sein Schäfchen' in's Trockene gebracht. Awei Jahre wohnte er nun in. der Provinzstadt, in einem hübschen Hause mit hübschem Garten, Pferdestall und Wagenremise. In dem Stall hielt er eine Ziege und ein Kaninchen. Vferdeliebhaberei ist etwas theurer, darum war seine Frau dagegen. Mit solchem Pferde hat man Aerger und Kosten. Er war auch nicht dafür. Sein Interesse galt den Büchern. An keiner Buchhandlung konnte er vorbeigehen. Ein Buchladen hielt ihn gebannt, verlockte ihn zum Eintritt. Fuhr er nach Amsterdam, dann kam er allemal mit ganzen Packeten voller Bücher und Broschüren heim. Wie und wann diese Manie über ihn gekommen war, vermag ich nicht zu sagen. Das eine ist gewiß, daß Herr Hompelaar kaufte, um zu kaufen, sammelte um zu sammeln und daß er dabei keiner bestimmten Richtung folgte. SeinZimmer glich einemStudirzimmer eines Gelehrten nur etwas zu elegant. Alle Wände des Zimmers hatten Regale, hübsch schwarz mit grün gemalt mit kupfernen Vefchlägen. Inmitten dieser übersichtlichen Gelehrsamkeit stand ein schwerer Tisch mit Papieren, Broschüren, Prachtwerken. Wie kam der Herr Hompelaar, dessen geistige Nahrung sich nicht über illustrirte Blätter und französische Romane erstreckte, dazu, seine sauer verdienten Groschen in eine Büchersammlung zu stecken? 'Jmponirten ihm die Abbildungen in Zeitschriften, auf denen Sardou oder Emants oder ein General oer Minister in ihren Studirzimmern zu sehen waren? Wer vermag solche Absonderlichkeiten des menschlichen Geistes zu analysiren? Die Klingel schreckte Herrn Hompelaar aus seinen Gedanken auf. Der unangenehme Stips! Guten Abend, Verchrtesier!" sagte Stips. Guten Abend," sagte Hompelaar kühl. . Er konnte den Rendanten nicht leiden. Der Mensch hatte unaufhörlich ein teuflisches Lächeln um den Mund und wenn er in der Bibliothek war, konnte er sonderbare Bemerkungen machen. Ich muß Sie sprechen,", begann Stips haben Sie einen Augenblick für mich?" Bitte, zehn," sagte Hompelaar. Darf ich vorangehen?" Herr Hompelaar wischte sorgfältig seine Füße im Hausflur . auf derMatte ab, um Stips ein gutes Vorbild zu geben. Der unangenehme Mensch war darin geradezu rücksichtslos. Schon dreimal hatte die Hausfrau sich über die sichtbaren Spuren solches Besuches beklagt. ' . Wohin wollen Sie mich führen?" fraate Stips. Kommen Sie nur in die Bibliothek," sagte Hompelaar. Stips folgte. Tausend," rief der unangenehme Mensch gleich, haben Sie wieder ein Regal mehr! Sie werden bald nicht mehr Platz haben, alles unterzubringen." Nehmen Sie Platz nehmen Sie Platz," sagte Hompelaar und reichte seinem Gast die Cigarren. Lassen Sie erst die Gardinen herunter," sagte Stips lächelnd. Ich habe Geheimnisse. So sieht uns Jeder zusammen sitzen." Dabei nahm er mit seinen krummen Fingern ein Buch, mit der Absicht, darin zu. blättern. Schade. Nicht aufgeschnitten. Stips lachte spöttisch. ' Erst gekauft?" fragte er, freundlich. Gestern," sagte Hompelaar nervös. Ob dieser Mensch nicht jedesmal ein unaufgeschnittenes Buch herunter holte. Das war nun bereits das dritte Mal. Stips wandte sich nach der anderen Seite und betrachtete einen großen Band, der Tiefseeforschungen enthielt und einen ebensolchen über Bakteriologie. Den letzteren zog er aus der Reihe lächelte und schob ihn, ohne ein Wort - zu sagen, wieder an seinen ?lc.tz. ' , Hompelaar, der unterdessen eilig die Gardinen, herabgelassen hatte, wandte sich hastig nach seinem Gaste um und sah das Lächeln. Er war nahe daran, sich zu verfärben und'begann eifrig zu reden. Ja, sehen Sie alles gleich lesen, das kann man nicht Wenn man, wie ich,, viel liest, muß man eS mit Methode thun, nicht waHr? Nein, die : habe ich zur Ansicht von meinemBuchhandler. . Der schreckliche Mensch hatte Vondel gefaßt. Nie würde er ihn wieder in die Bibliothek führen: ... . .

.Herr Hompelaar" sagte Stips,

den zur Ansicht gesandten Vondel auf den reichbedeckten Tisch legend, ich möchte Sie nicht lange aufhalten. Um mit der Thür in's Haus zu fallen, ich kam, um Ihnen anzukündigen, daß . morgen Punkt ein Uhr der Wahlaussckuß Ihnen seinen Besuch abstatten will." Der Wahlausschuß?" wiederholte Herr Hompelaar, auf's höchste erraunt. Zu dienen," fuhr der unangenehme Gast fort, wir, das heißt, der Doktor, der Rechtsanwalt und ich, haben den Auftrag, Sie offiziell zu fragen, ob Sie gegebenen Falls eine Candidatur annehmen würden?" Das ist sehr ehrenvoll für mich," stammelte der Herr Hompelaar. Wir' sind überzeugt, daß Sie die Persönlichkeit dazu sind. Sie haben einen guten Namen, stehen in Ansehen und das brauche ich wohl nicht erst hin?uzufügen gelten für einen Gelehrten." O," wehrte Herr Hompelaar verleaen lächelnd ab. So wollen Sie uns morgen um 1 Uhr empfangen?" Gewiß, gewiß," sagte der Herr Hompelaar geschmeichelt. Gut, dann gehe ich gleich wieder weg," lächelte Stips zu Zeiten hatte er doch einen sehr liebenswürdigen Ausdruck pünktlich um ein Uhr. Dann hat der Rechtsanwalt gleich Gelegenheit, Ihre Bibliothek zu betrachten. Darauf ist er nämlich neidisch. Sie wissen wohl oder wissen es vielleicht nicht, daß er auch Bücher'sammler ist. Auf Wiedersehen?" Nachdem der Herr Hompelaar seiner Frau die große Neuigkeit erzählt hatte, die schon nervös wurde bei dem Gedanken, daß dann der Name Hompelaar auf so vielen Wahlzetteln ste hen würde, zog er sich in sein Studirzimmer zurück und raffte die Gardinen zusammen. . Sichtbar für jeden Vorübergehenden, setzte er sich in den Lehnstuhl und sah angestrengt nach der Zimmerdecke. Auf die Fragen über die GemeindeVerwaltung, die sie ihm stellen würden, konnte er so gut antworten wie irgend einer nicht umsonst las er das vorzüglich redigirte Lokalblatt die Gasanstalt mußte in eigene Verwaltung keine Konzessionen! die Schulangelegenheiten so breit wie möglich behandeln ja, es .würde schon gehen. Wenn sie dachten, er könnte nicht reden wenn dieser unangenehme, eingebildete Stips ' das dachte, dann sollte er staunen. Beseligt glänzten die hellgrauen Augen des Herrn Hompelaar. Er machte sich nicht etwa Illusionen über den möglichmSprung vom Gemeinderath zum Abgeordneten, aber' seine Freude und Glückseligkeit war- ohne Grenzen. Die Vorübergehenden betrachteten ihn respektvoll. Es hat immer etwaZ Jmponirendes, wenn man einen Gelehrten, einen hochgestrllten Mann, einen Philosophen in seinem Studirzimmer beschäftigt sieht. Doch plötzlich fuhr der Herr Hompelaar in die Höhe. Stips' Betragen fiel ihm ein, seine Worte. Morgen würde der gesammte Wahlvorstand hierherkommen, darunter der Rechtsanwalt, der so gern seine Bibliothek kennen lernen wollte. Stips hatte wiederholt unaufgeschnittene Bücher in dieHand bekommen wenn der Rechtsanwalt auch . Er konnte sich nicht zum Gespött der Leute machen. Sie in ein anderes Zimmer führen, das ging nicht. Das Studirzimmer eines Gcmeinderathsmitgliedes in Lpe war d:r angemessene Raum. Was hun? Sie haben den Ruf eines Gelehrten, hatte Stips gesagt. Wenn nun der Rechtsanwalt und der Doktor und Stips nach beendigter Berathung . anfingen zu schnüffeln und lauter unaufgeschnittene Bücher fänden . Den Herrn Homvelaar überlief es kalt. Die Welt ist schlecht. Aus einem Schatten macht man eine Wolke. Aufgeregt durchwanderte er das Zimmer, von einem übervollen Bücherregal'zum anderen, von Spener, geheftet, zu Goethe, gebunden, von Motley, gebunden, zu Vondel (Gelegenheitskauf) geheftet. Da ließ der Herr Hompelaar die Gardinen nieder, nahm ein Papiermesser und begann Vondel aufzuschneiden, danach Spencer, dann Multatuli, dann Nietzsche. Um neun schnitt er das erste Buch auf. Als um 12 Uhr seine Frau kam, ihm zu sagen, daß es spät fei, fuhr er sie an. Er hätte zu arbeiten, viel zu arbeiten, für die bevorstehende Wahl. Erst um 4 Uhr legte er sich zu Bett, mit müden Armen und Händen. Die untersten Reihen hatte er sämmtlich aufgeschnitten. An die obersten konnten sie nicht heranlangen. . . Am andern Morgen fand das Dienstmädchen-den Fußboden m der Bibliothek mit Papierschnitzeln bedeckt. Der Herr hompelaar wurde ge wählt. Zu zerstreut! Nein, Herr Plumpinger," sagt eines Tages der Chefredakteur zum Verleger, jetzt können wir unseren Redakteur Zauserl nicht mehr brauchen er wird zu zerstreut! War er da gestern Abend im Theater in dem neuen Trauerspiel, und heute bringt er den darin borgekommenen Mord unter den Lokalnoti

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