Indiana Tribüne, Volume 28, Number 64, Indianapolis, Marion County, 5 November 1904 — Page 7

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1$ $ tt w n "t tt tt tf 4 4 3r-j rv H ? (Fortsetzung Marka lächelte. .Ich hoffe, daß die liebe verunglückte Sängerin sich bald Von mir überzeugen läßt, daß sie eigent-. lich eine sehr glückliche junge Frau ist . Ueber die Ries wirst Du Dich freuen. Sie späht nicht mehr nach Rouianstoffen uncher, fondern lebt frisch und fröhlich in der Wirklichkeit, schreibt meinem Mann Manuskripte ab, liest. Korrekturbogen, hilft Hansel bei seinen Schularbeiten und macht sich so nützlich, daß ich beinahe glaube, sie bleibt ganz bei uns." Du hast dann mehr Zeit zu: Heben," pflichtete Asta bei. Da sind wir." Marka nickte init glückstrahlendem Gesicht Hansel zu, der ihr eus der offenen Hausthür entgegensprang. Asta nahm ihm den Blumenstrauß ab und küßt? ihn. Professor Reen führte sie in's Haus. Asta wunderte sich, an die Eleganz ihrer eigenen Häuslichkeit gewöhnt, über die schmucklose Einrichtung. Einfarbig gestrichene Wände, blankgebohnte Dielen, auf denen die Sonnenstrahl?:: vergebens nach einem Stäubchen spürten. Durch die weit offenen Fenster strömte die milde Frühlmgsluft herein. Die weißen Sardinen blähen sich im Winde, es roch nach Veilchen. In flachen Schalen schimmerten sie dunkellila zwischen lichtgrünen Blättern. Die einfach m'öb- . lirten Zimmer reinigten sich leicht. Es lag eine wahre Feiertagsstille über ihnen. In Marias Stube nahm der Flügel den meisten Platz ein. in Reens Studir.zimme? ver groue, offene, vicyt an's Fenster gerückte Schreibtisch. Durch die breite Glasscheibe sah man in den Garten hinein, auf blühende Obstbäume und grüne Sträucher. Die zartgeschwungenen Linien der Verge begrenzten den Horizont, zwischen dem Garten und den Bergen wogten seidengrüne Cerstenfelder. Hohe Büchergestelle ragten bis zur Decke hinauf, die Platte des Schreibtisches war mit Manuskriptpapier bedeckt. Dicht vor dem Schreibtisch, leicht mit der Hand zu erreichen, standen Goethesund Schopenhauers Werke auf einem kleinen Brett. Meine getreuestcn Helfer!" sagte Reen lächelnd. Er strich über die Teckel der Bücher wie über die Hand eines licben Freundes. Asta schwieg etwas beklommen still. Sie sah zum ersten Mal Jxt die. Werkstatt eines Dichters hinein, dessen große, stille Stimmungen über den ganzen Raum schwebten und ihm eine erhabene Ruhe verliehen. Stört Markas Ueben Sie nicht, Herr Professor? Durch die Thür muß ja jeder Ton deutlich zu hören sem, meinte sie endlich. Sie stört mich nie!" versicherte Reen. Er legte den Arm um Markas Taille. Sie sah mit glänzenden Augen zu ihm auf. Du mußt doch aber üben, Marka," ereiferte sich Asta. Thue ich auch, wenn mein Mann in der Bibliothek liest. Ich brauche doch nicht gerade Fingerübungen zu spielen. wenn er schreibt. Abends spiele ich oft stundenlang. Hansel schläft dabei ein. und mein lieber Dichter sagt, er schreib gern dabei. Unsere Seelen reden dann in verschiedener Art ihre Sprache und verstehen sich doch." Ich Itle dann entglimme in allzu rascher Ewth, Mein Herz und deine Stimnie versteh' sich gar zu gut " sana Asta mit leichtem Spott. Ihr wurde aber recht weh um's Herz. Wie . anders war es in ihrer Ehe! Aber freilich, hier verstanden eben zwei Künstlernaturen einander, da mußte das Zusammenleben harmonisch sem. . Das wird ein Genuß heute Abend! sagte Reen mit seiner milden Heiterkeit. Marka spielt Sie singen, gnädige Frau es fehlt nur noch Mengerskys Geige, dann wäre das schöne Partenkirchner Trio wieder da. Ja die Geigenstimme fehlt,", wie derholte Asta lene. ..Gut, wir feiern heute Abend ein Fest." stimmte Marka bei. Ich habe n r ' zwar meinen jtucncn eru sur morgen Mittaa gebacken, aber man muß die Feste feiern, wie sie fallen. Was man gehabt hat. kann einem keiner wegnehmen. Essen wir ihn also liebe? schon beute. ..Rheinwein ist kalt gestellt, mein Roastbeef steht prachtvoll rosig, der mürbe Teig schön bräunlich aus. Ich decke mit Fraulem Ries aus der Ve randa den Tisch, es ist warm genug. um draußen zu sitzen. Hansel jubelte laut Beifall. Er lief geschickt auf den Händen durch's Zimmer, während Marka seine Beinchen in die Hände nahm und ihn. so Schubkarre fuhr." Reen sah lachend, Asta verwundert zu. Markas aus dem innersten Herzen quellende Fröhlichkeit batte etwas Erquickendes. Komm, ich will Dir Dein Zimmer zeigen, Asta. Hansel, lauf und bitte Tante Ries herzukommen, Fräulein Ries begegnete ihnen auf der schmalen Treppe, die zu den Logirstübchen führte. ÄMLanv ie ze r vor-

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tt tt tt tt R ? n, a van Henriette v. Meerheimb tt tt w w -- XX X2 TT T T F TT lyeilyast verändert, stärker geworden, die Züge ausgeglichener; statt des spahenden 5rneifers trug sie eine rechtliche Brille, durch die die Blicke nicht mehr unruhig suchend, sondern ganz, behaglich in die Welt sahe -. Das ist hübsch, dan. jte auch dies kleine Eldorado aufsuchen, Frau v. Normann! Ich habe das Häusen ,Quistsana' (Hier wird man ge iid) aetauft. fr'xtx ist ein unabrunn für müde Seelen. Unsere liebe M Aa ist ein Seelendoktor,trotzdem oder vielleicht gerade, weil ste hart mit sich ist und es auch mit anderen sein kann." Hart nicht, aber auch mcht weichlich " sagte Marka. Ich liebe stramme Naturen, die sich mcht gleich widerstandslos knicken lassen. Mitleiden will ich nicht, aber- mithelfen, so viel ich kann. Den Jammer "anderer mitbeiammern thue ich nicht. Warum will kemer mehr eme Last tragen? Unsere Erleichterungen stnd es, die wir am härtesten büßen müssen." Allen, die um Sie sind, helfen Sie allein durch Ihr Beispiel, Frau Marka." ' Rieschen, keine Lobhymnen! Sie wissen das kann ich nicht Verträgen. Wollen Sie sich nützlich machen? Ja? Dann helfen Sie dieser verwöhnten kleinen Dame beim Auspacken. Ich sehe nach dem Abendbrot. Gefällt Dir .in Stübchen. Ast?" A. 'so sehr, alles so sauber und einfach! Weißgestrichene Möbel, Mullvorhange, ein paar Blumen . . . Wir belasten unser Leben mit so viel Unnöthigem. Nichts wie Aerger hat man von all dem Kram in den Stuben, den vielen unausstehlichen Dienstboten. Mir ist das alles so gräßlich über, m meinem Hause ist nie Ordnung, es geht alles drüber und drunter." Dann werde ich Dich hier hübsch anlernen, mein gutes Kind. . Früh kannst Du Kaffee kochen. Mittags mir in der Küche helfen r sonst wird am Abend nicht musizirt." Asta verzog den Mund. Ich mochte Dich spielen hören und Dir vorsingen weiter nichts." Gut. Wem Vu yungrlg rnst, ipteie ich Dir ein Ehopinsches Notturno vor. Ob Du wohl daran satt wirst? Nein? Nun also, dann verlang das auch nicht von Deinem Mann. - Alles zu einer Zeit. Wenn ich müde und hungrig vom Dienst käme, früge ich auch nichts nach dem schönsten Gesang." Du bist sehr prosaisch geworden, Marka. Stört Dich das nicht in Deiner Kunst?" Nein, nur Unordnung im Hause würde mich stören . . . Jetzt aber Schluß Fortsetzung folgt morgen und folgende Tage." Marka zog die Thür hinter sich zu. Sie hörten sie ein Lied trällern. Auf der Veranda klapperte das Mädchen verheißungsvoll mit Tellern und Mesfern. Sie ist einzig." Gertrud Ries wischte sich die Augen. Ganz einzig. Sie lebt nur für ihren Mann und das Kind. Freilich, Reen ist ein herrlicher Mensch. Seit ich seine Bücher gelesen habe, mag ich keine Feder mehr anrühren, meine Romane kommen mir, mit seinen Sachen verglichen, wie Wassersuppen gegen starken Wein vor." Wie kann aber nur Marka ihre Musik so vernachlässigen über gleichgiltigen Dingen?" Astas Gedanken wollten nicht von diesem Punkt fort. Fräulein Ries hing mit bewundernden Ausdrücken all die schönen Kleider in den Schrank. Der Koffer schien unergründlich zu sein. Sie vernachlässigt ihre Musik nicht.

ihr Spiel kommt nur immer erst in zweiter Reihe. Erst der Mann, das Kind, das Haus. Sie sagte mir einmal so schön darüber: ,Mir sind zwei kostbare Dinge anvertraut: ein Kinderherz und eine Dichterseele, die ich hüten und pflegen muß, damit sie keinen Schaden leiden.' Ist das nicht herrlich gesagt?" Früher hätten Sie sich das gewiß für Ihren Roman notirt, Fräulein Ries?" Gertrud Ries ärgerte sich etwas. Möglich," sagte si? kurz. Früher schrieb ich das als schöne Phrase hin, jetzt, mache ich es mir zu eigen und lebe danach das ist besser." . Asta seufzte. Wunderbar!' Alle Menschen schienen hier einer Meinung zu sein: erst das Leben mit seinen Pflichten dann erst die Kunst! Aber die ließ sich doch nicht so nebenher abthun! Sie sagte etwas Aehnliches, als sie nachher alle beim Abendbrot unter der roth und weiß gestreiften Markise auf der Veranda saßen. Professor Reen hielt sein Glas Rheinwein gegen das Licht, (goldig funkelte der Wein in dem schön geschliffenen Glase. In dem Gärtchen zirpten die Grillen. Ueber den blühenden Bäumen träumte die silberne Mondsichel. Sie achten die kleinen Genüsse des Lebens zu gering, gnädige Frau," sagte er mit seinem gutmüthigen Lächeln. Auch kleine Dinge können uns entzücken. , Betrachten Sie sie, wenn Sie wollen, nur als Mittel zum Zweck. Kommen wir nicht alle in eine ganz . - . ? ' .

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anders behaglich-fröhliche Stimmung durch Markas gutes Essen, den Wein, das Grillenzirpen, "en Vlumenduft? Wenn ich nachher schreibe., würden solche wohlig-sanften Eindrücke vorherrschend -mich beeinflussen. Nervenberuhigend legen sicr) meine Worte vielleicht dann später einmal :inem unruhig zerfahrenen Leser auf'5 Herz. Da haben Sie Ursache und Witlung. An dieser unzerreißbaren Kette läuft alles. Das an sich Unbedeutendste kann folgenschwer wirken. ,Wenn ich einen Stein werfe, verändere ich den SchwerPunkt der Erde,' sagt Earlyle. Verstehen Sie, was er damit me'mt?" Nicht ganz." Frau Asta, Sie sind ja auch musikalisch, Sie haben das Glmk, in dieser Allerweltssprache reden zu können. Wenn Sie wüßten, wie mir das hilft bei meinem Schreiben, w5nn Marka spielt, Sie würden dies, herrliche Mi." 's auch benutzen, um Ihren Mann in gedrückten, muthlosen Stimmungen, die jeder in einem ernst genommenen Vexx. zukämpfen hat, zu erfnschen und zu begeistern. Es ist nur gerecht, wenn ich sage: meine Frau bat durck ihr wunoerveues Spiel oas beste Theil an meinem Schaffen gethan. Das ist wie ein Sichfassen treuer Hände solch Miteinanderarbeiten, -ringen und -stre-ben." Ich will mich ja auch nur aus dem grauen Alltag in meine Kunst retten," sagte 'Asta. Das wird mir eben verwehrt, wenn sich der Alltag so breit machen soll." Er macht sich nur breit, wenn ihm nicht sein Recht wird," scherzte Marka. Bei mir ist er ganz bescheiden." Sie trat hinter, den Stuhl ihres Mannes und küßte seine Stirn und alle die erhabenen, beruhigenden und aufhellenden Gedanken darin, wie sie hinzusetzte. Fräulein Ries kam in eine ganz begeisterte Stimmung. Der Abend war aber auch zu schön. Blüthendüfte, weiche Luft, anregende Gespräche und eine Liebe, die alles vergoldete, was mit ihr . in Berührung kam. Da sie nicht wußte, wie sie ihrer Freude Ausdruck geben sollte, häufte sie immer wieder Hansels Teller voller Kuchen. Asta blieb sehr nachdenklich. Es athmete sich frei hier in dieser reinen Atmosphäre, wo alles von Größe, Ruhe und Sonnenlicht durchtränkt schien. Warum war es nur bei ihr zu Hause so anders, so zerfahren,' so ungemüthlich? Lag wirklich so viel an diesen kleinen, stets 'von ihr als zu geringsugig angesehenen Dingen? Mußte man die Prosa des Alltagslebens so wichtig nehmen? Ich will bei Marka lernen, beides mehr in Einklang zu bringen," beschloß sie. Auf-Reens Bitten gingen sie dann in den Salon, in dem der Flügel stand. Asta sang. Heitere Liebeslieder paßten nicht zu ihrer ernsten Stimmung, aber Schuberts wundervolles An die Musik" fügte sich der angeschlagenen Grundmelodie ihrer Gespräche harmonisch ein. Tu holde Kunst! In wie viel grauen Stun. den, Wo mich des Leben wilder Kreis umstrickt. Hast du mein Herz zu warmer Lieb entzunder. Hast mich in eine bessre Welt entrückt. Oft hat ein Seufzer, deiner Harf' entflossen, Ein süfzer, heiliger Akkord von dir Den Himmel bess'rer Zeiten mir erschlossen Du holde Kunst ich danke dir dafür!" Wie-schön war das!" sagte Reen leise. Frau Asta so konnten Sie in Partenkirchen noch nicht singen." Du holde Kunst ich danke dir dafür!" wiederholte Marka innig. Wie glücklich, wie unbeschreiblich reich sind wir alle drei. Der Künstler ist nicht nur Geschöpf, er fühlt auch SchöpferWonne." Zählst Du mich auch zu den Künstlern?" fragte Asta hastig. Dies Lied hast Du künstlerisch schön gesungen," antwortete Marka einfach. ' Wenn mir das noch ein anderer Mensch wiederholt," rief Asta halb schluchzend, dann Za dann will ick zufrieden nach Hause gehen, Kochen ler-' nen . und Wirthschaftsbücher nachrechnen." Was kann Dir nur so viel an der Anerkennung fremder Menschen liegen?" Marka schüttelte den Kopf. Das Beste hat 'man in sich, das kommt nie heraus." Fräulein Nies brachte Hansel zu Bett. Reen, Marka und Asta blieben dann noch lange auf der .Veranda sitzen. Es war so schön, zu beobachten, wie ein Stern nach dem anderen an dem dunklen Himmel auftauchie, all diese unermeßlichen, unfaßlichen Welten, die nur der geflügelten Phantasie des Dichters erreichbar sind, den kein Band, keine Schranke, kein Gesetz der Schwere biudet. . 16. K a p i t e l. ergebens bat Asta, Marka möge mit nach Berlin zu den Konzerten kommen. Ich kann meinen Mann und Hansel nicht verlassen," war ihre bestandige Antwort auf alles Bitten und Drängen. Asta fühlte sich immer etwas getroffen be! solcher Antwort. Der StandPunkt kam ihr unerreichbar vor. Sie gierte noch nach Ruhm, wenigstens nach dem Beifall eines einzigen Menschen! Der Gedanke, Mengerskys Bewundetung noch erringen zu müssen, saß wie ein Widerhaken in ihrem Herzen fest. Sie wagte Marka nichts von der Hoffnung, Mengersky in Berlin zu treffen, zu sag;n. Sie wußte, wie dringend diese dann von der Reise abrathen 1

November 1903.

würiie, sie scheute sich, überhaupt nach ' Mengersky zu fragen. Wahrscheinlich 1 wußte Marka auch nichts von ihm. j Trotz Markas und auch Rcens herz-! licher Bitten, länger bei ihnen bleiben zu wollen, setzte sie ihre Abreise, auf Mitte Mai fest. Du hast noch lange nicht genug bei mir gelernt," behauptete Marka unzufrieden. Du kannst zur Noth eine anständige Tasse Kaffee oder Thee zuwege bringen, das befriedigt aber noch keinen Mann." Marka hatte nämlich wirklich nicht nachgelassen, bis Asta ihr in der Küche half. Sie war viel geduldiger wie Ellen. Durch jahrelanges Klavierunterrichtgeben lernte sie langmüthiges Lehren." Asta war freilich wenig begabt für praktische Dinge und so grenzenlos zerstreut, daß all das Unglück, das sie anrichtete, eine ständige Quelle der Unterhaltung für Reen, Hansel und Gertrud Ries bildete. Marke, als direkt davon Betroffene, nahm dir Sache tragischer. Immerhin föß sich doch der Erfolg verzeichnen, daß Asta einsehen lernte, sie müsse sich in Zukunft mebr um ihren Haushalt lümmern. Ueber ihre Ehe sprach sie sehr wenig. Marka war zu taktvoll, um Fragen zu stellen, aus Andeutungen Astas errieth sie ja den Sachverhalt ziemlich genau. Nur über die schlimmste Szene schwieg Asta hartnäckig. Bei ruhiger Ueberlegung wurde ihr die Unaerechtiqkeit ihrer Beschuldtgungen klar. WMiam hatte es doch wohl gut gemeint, daß er das Geld gab für ihre Studien ohne egoistische Hintergedanken. ' Sie konnte sich aber nicht entschließen, ihm das wenigstens brieflich zu gestehen. Augenblicklich war er auch wieder e.imal unexreichbar. Marka umarmte die scheidende Freundin mit nassen Augen. Du machst nichts wie. Dummheiten Dein Leben lang!" sagte sie halb weinend, halb lachend beim Abschied.' Aber trotzdem muß man Dich lieben." Vi:ll:icht gerade deshalb." Asta befand sich in übermüthigster Laune, trotzdem auch ihr der Abschied nahe ging. Wenn ich das meinem Mann schriebe, .daß ich bei der berühmten Klaoiervirtuostn kochen lernen mußte!" Sie wandte sich an Reen. Herr Professor, mein Mann las mir Abends manchmal vor das langweilte mich. Aber wenn er Ihre Bücher wählt, da werd' ich schon aufpassen." ' Denken Sie, daß auch Ihre süßen Lieder iekt mit drin sind." antwortete Neen herzlich. ix legte seinen Arm um Marka. Das Kind schmiegte sich zwischen Beide ein. Ueber den dunklen Frauen-, den blonden Männer- und den hellen Knabenkopf' huschten die goldenen Strahlen der Nachmittagssonne, die durch die Zweige der Bäume schien. Blätterschatten zitterten über, die weiße Hauswand alles Licht um das Häusd;cn herum, und drinnen Friede, Liebe, freudiges Schaffen und Streben. Astas weißes Tuch wehte noch lange zurück. Mit einem Seufzer steckte sie es endlich ein, als die Biegung des Weges das kleine Haus ihren Blicken entzog. Sie nafjm ein Stückchen Gesundheit und Frieden mit- in die fiebernde, lärmende Weltstadt hinein, deren Mauern sie mit einbrechender Dunkelheit umfingen. Ihre animirte Stimmung hielt in den ersten Tagen an. Die fremden Menschen in der Penston, -meist Ausländer, amüsirten sie, wenn sie auch nicht den Wunsch hegte, ihnen näher zu treten. In den belebten Straßen herumzubummeln, in irgend einer Konditorei Kaffee zu trinken, schien nach dem langen , Kleinstadtleben sehr genußreich. Die mußte nur bald die unangenehme Erfahrung machen, daß eine junge, elegant angezogene Dame in Berlin nicht gut vor Läden stehen, in Konditoreien sitzen kann, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Junge, auch ältere Herren sprachen sie zudringlich an,, gingen hinter ihr her,, belästigten ste auf jede Weise, bis sie schließlich so verängstigt war, daß sie nur noch in Droschken fuhr und höchstens eine kleine Damenkonditorei aufsuchen mochte. Im Theater, in Konzerten war.es nicht viel anders. Sie hatte das damals alles in Bengals Begleitung oder unter Mengerskys und Markas Schutz mitgemacht. Marka umgab eine gewisse unnahbare Hoheit, die jeden Zudringlichen abschreckte, während Astas süßes Gesicht mit den erschrockenen Augen, dem heißen Erröthen unwiderstehlich anziehend wirkte. Zehnmal an einem Tage wünschte sie oft ihren Mann an ihre Seite. Auch das lange Stehen vor den Garderoben oder' den . Billetschaltern, das Warten an den Haltestellen, wenn eine vollbesetzte Straßenbahn nach der anderen siegesbewußt vorbei fuhr, war ihr höchst peinlich. Auch die Bedienung ihrer Jungfer, der Komfort des eigenen Haushaltes fehlte. Aber das waren alles nur Nebensächlichkeit ten viel schmerzlicher überraschte es sie, daß Bengals, die sie entzückt , über das Wiedersehen zu finden hoffte, sich ziemlich lau und gleichgiltig gegen sie benahmen. In Berlin lebt man rasch, Eindrücke haften nicht lange. Asta v. Hollen, der aufsteigende Stern am Kunsthimmel, den Bengals .so gern protegirten,' fiel durch ihre Heirath wie in eine Versenkung. Wen konnte die junge Frau des Leutnants v. Normann noch interesstren? Bengals protegirten längst eine andere aufstrebende Größe. Der Professor war als Portratmaler jetzt erst recht Mode geworden, seit fast sämmtliche Prinzessinnen sich von ihm malen ließen. Das Veilchenbild war, so viel er sich erinnern konnte, in die

nde eines Engländers übergegangen, der seiner Sammlung einen Bengal" beifügen wollte. Die "Frau Professor schickte auf Astas Besuch hin eine Aufforderung zu ihrer nächsten Gesellschaft, der Asta auch folgte, weil sie hoffte, Mengersky dort zu treffen. Die schönen Räume in der Thiergartenvilla waren wie einst voller interessanier Menschen, alles Größen." d sich in irgend einer Weise von dem Durchschnitt der Menschheit unterschieden. Die Musik schien aber nicht mehr in Bengals Salon die Hauptrolle zu spielen. Deklamationen aller Art, ein flott gespielter Einakter, den Frau Bengals gegenwärtiger Schützling, eine junge Schriftstellerin, geschrieben, wurde aufgeführt und maßlos beklatscht. Asta fand das Stück ziemlich geist- und sinnlos, vielleicht weil sie die vielen Lokalwitze und Anspielungen nicht verstand. Alles, wovon man jetzt sprach, war ihr fremd. Vergebens hoffte sie Mengerskys Künstlerkopf zwischen den Sammtfalten der Portiere auftauchen zu sehen. (Fortsetzung folgt.) "

Abenteuer m ttau.asus. Der bekannte österreichische 5$ schriftsteller Dr. Hans Maria Edl: ö. Kadch ist, nachdem er längere Zeit verschollen war, wieder nach Wien zurückgekehrt. Von seinen Erlebnissen im Kaukasus weiß das N. W. T." folgendes mitzutheilen Dr. v. Kadich wurde im September des vorigen Iahres als Hofjagdleiter des Prinzen Alexander von Oldenburg, eines Verwandten des Zaren, für den Kaukasus mit dem Sitze in Gagri an der sü döstlichen Küste des Schwarzen Meeres engagirt. Es wurden für ihn fcstgesetzt: 125 Rubel Monatsgehalt, freie, möblirte Dienstwohnung. freiesDienstland und Deckung aller Auslagen für die Jagdleitung. Der Kontrakt fcllie unkündbar sein und lebenslänglich laufen. Dr. v. Kadich trat am 4. Dezember in Gagri sein Amt 'an. Seine Familie blieb vorläufig in Klostcrneubürg zurück; sie sollte ihm später nach Gagri folgen. An seinem neuen Dienstorte bot sich dem Hofjagdleitc? ein in mehrfacher Beziehung überraschenken Bild. Vor Allem war es der Zauber der Gegend, der' ihn gefangen nahm, allein andererseits war er nicht wenig frappirt, in eine Gegend zu kommen, wo Alles noch so im Wilden lag und .außer einem Biaintenhause für die Beamtenschaft einst war dieses Gebäude eine türkische Festung , einem großen Hotel, einer Bäckerei, einer Volksküche und einer Kaserne, in weleher drei Kompagnien Infanterie - lagen, keine weitere Behausung und auch sonst nichts, wa-s an Verhältnisse europäischer Kultur gemahnen ttnnte, vorHanden war. Von einer. Jagdwirthschaft gab es nicht die mindeste Spur. Nicht nur fehlte jedes Personal, es standen ihm nicht einmal Pferde und Hunde zur Verfügung. Er mußte ao bei den allerersten Anfängen einsetzen. Mit vieler Mühe schulte er sich ein Personal ein, erlangte er Pferde und ein? Meute und richtete in den Niederungen und Höhen des Kaukasus, wo das Mildschwein, der Bär, der Wolf und d Schakal, die Gemse, der Steinbock da-s Wildschaf und vereinzelt der Tiger streift, Jagdstationen ein. Das ging nur unter fortwährenden Gefahren von statten da Dr. v. Kadich bei der Durchführung, seiner Aufgabe noth-wen'erw-.ise" die Raubschützen zu Gegnern itc, die in jenen, bisher sich selbst über:'assenen Jagdrevieren ungezügelt wildern" durften und auch ein blühendes Geschäft betrieben, denn um nur auf einen Umstand hinzuweisen das prächtige, mächtige Geweih und Gehörne, das als kaukasisches bekannt und überall sehr geschätzt ist. wurde von jenen Raub'schützen nach allen' Ländern zu theuren Preisen geliefert. Unter vielen Mühsalen und Gefahren hielt Dr. v. Kadich hier aus. Nach kurzer Zeit erschien aber der ehemalige Geheimpolizist Leonid Scheremdjewski in Gagri als Regierungskommissionär und als Sequester über alle Liegenschaften des Prinzen.' Der Prinz Alexander. von Oldenburg halte binnen 3z Jahren 7j Millionen Rubel in die Gegend gesteÄ. war volle? Schulden, und man fiel ihm in den Arm und entsandie jenen Herrn Scheremdjewski nach Gagri, um Ordnung 'zu machen. Dieser Mann machte sich seine Sache nicht schwer. Er erklärte ohne viel Motivirung alle Beamten Knall und Fall für entlassen.. selbstverständlich traf dieses Los auch Dr. v. Kadich, ferner das gesammte Jagdpersonal. Von eine? Entschädigungeiner Kündigungsfrist' sprach der Regierungskommissar kein Wort. Da alle Briefe und, Depeschen v. Kadichs,.wie sich später herausstellte, von der russischen Behörde beschlagnahmt wurden, so war man über sein Schicksal lange Zeit im Ungewissen, bis es ihm jetzt endlich gelang, auf Umwegen in die Heimath zurückzukehren. Doktorfabrik. In Guthrie, Okla., ist eine Gesellschaft entdeckt worden, die nach ihren Angaben eine Doktorschule betrieb, in Wirklichkeit aber nur Diplome verkaufte, ohne sich über daHnedizinische Wissen der Applikancirju vergewissern. Irgend einer, der das nöthige Geld hatte, war im Stande, dort den Doktortitel zu erhal-ten.

Drei Monate in Port Nrtk,ur Ein junger rigascher Kaufmann hal aus Tsingtau an eine Eltern eine? Brief geschrieben, der ein anschauliches Bild von dem Leben in Port Arthur giebt. Die Düna-Zeitung" veröffentlicht einen Theil des 'sehr langen Schreibens. Nach einer umständlicheir Schilderung der Kriegsereignisse, die sich bis zum 13. Mai in und um Port Arthur abspielen, fährt der Briefschreibe? fort: Am 19. Mai war der Krönungstag und für uns ein Feiertag. Plötzlich um 2.Uhr Mittags kam der Befehl, sämmtliche Bewohner rufsischer Unterthanenschaft sollten sich um 5 Uhr beim Militärchef einfinden. Dort hörten' wir, daß alle Männer von 16 bis 60 Jahren sich zur Vertheidigung bereit zu machen hätten. Je den Morgen um 7 Uhr mußten wir von nun an auf dem Platze sein, wo' wir in 14 Kolonnen zu je 250 Mann von je einem Offizier und vier UnterOffizieren einexerziert wurden. Ich kann es nicht leugnen, es war oft seh?,, sehr schwer. Oft bekamen wi: Befehl, um 6 Uhr schon auf dem Platze zu sein; da wir dazu drei Werst zu Fuß zurückzulegen hatten, munte man schon um 4 Uhr aus dem Bett und dann in einem Schützengraben im Lehmboden bei brennender Sonnengluth ohne einen Bissen, ohne Trunk bisweilen um 1 Uhr Nachmittags liegen. Für jüngere Leute waren die Strapazen, schwer genug, die alten ergrauten Leute, die nie Soldaten gewesen waren, brachen oft zusammen. Schließlich beschlossen die Firmen, die Geschäfte ganz zu schließen.wenn nicht eine Aenderung eintrete, und erreichten auf diese Weise nach drei Tagen, daß die Uebungen auf 1 bis 8 Uhr anberäumt wurden. Von der Landseite rückten die Japaner immer näher heran, ihre Vorposten wurden auf 15 Werst gesichtet. .Viele Europäer, vor allem die hier 'ansässigen deutschen Reichsangehörigen. fuhren auf Dschunken nach Tschifu ab. lieber den Gefahren der Seereise, als denen der Belagerung - sich aussetzend. Wir Russen bekamen jedoch keine Erlaubniß fortzufahren, bis es uns 'endlich nach großem Bemühen gelang, die Erlaubniß vom Festungskommandanten auszuwirken. Am 18. Juni (1. Juli) fuhr ich mit dreizehn Reisegefährten aus der 12 Werst entfernten Taubenbucht ab. Sachen konnten wir nicht viel mitnehmen, der größte Theil blieb zurück.' Aber wir waren trotzdem fröhlich und hofften, den Japanern wie den zahlreichen Piratendschunken zu entgehen. Plötzlich tauchten vor unS drei japanische Torpedoboote und ein Kanonenboot auf unseren Schreck könnt Ihr Euch denken. Es lief aber alles gut ab, und wir landeten nach 18-stündiger Fahrt in Tschifu. Jetzt bin ich, nachdem mich die Strapazen von Port Arthur auf vierzehn Tage ins Bett geworfen hatten, wohlauf im deutschen Tsingtau. Die Stadt, ist sehr hübsch, Port Arthur hält keinen Vergleich mit ihr aus, alles ist nach deutscher Art anj,'legt, es giebt elekirische Straßenbeleuchtung, Straßen--bahn, hübsche Bauten, große, breite-. Straßen, aber trotzdem habe ich mich an die Port Arthur'sche Art so. gewöhnt, daß es mir hier eintönig vorkommt ..."

MensÄenrauv in Marokko. Zu der bereits kurz berichteten 0 fangennahme eines Engländers in Rabat und seiner Befreiung wird htin Vertreter der Firma, in deren Diensten der betreffende Rabater Herr steht folgendes mitgetheilt: Am Sonntag, den 18. v. M. wurden die in Rabat le-. benden englischen Kaufleute Lee und Broome, während sie auf dem Wad Bu-Regreg unweit der Stadt rüderten, von Leuten des Sahul-Stammes angegriffen. Herr Broome rettete ich schwimmend ans Rabater Ufer, Herr Lee und sein Diener wurden egrifferr. und mit Gewalt fortgeführt, wobei ver. Engländer recht roh behandelt, u. a.. mit dem Gewehrkolben zur. Eile ange-. trieben wurde. Der mit der Sprache und den Verhältnissen des Landes aufs beste vertraute britische Vizekonsul Neroutsos traf sosort alle Anstalten zur Befreiung des Gefangenen. Er machte den Ort ausfindig, wo Lee gefangen gehalten wurde und ging denmaurischen Behörden so energisch zu öeibe, daß Lee schon am 20. v. M. wieder in Freiheit war. Den Leuten die Lee gefangen hatten, wurde außer einem Löseg:ld von 140 Dollars. Straflosigkeit zugesichert. Es he'.ßt die Leute hätten sich beim Gouverneur von Rabat die Erfüllung einer Förderung auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der Entführung eines Europaers erzwingen wollen. Abgesehen von der Energie, der Geschickachleit und dem Takt des englischen Vizekonsuls ist der glückliche und schnelle Ausgang wohl dem Umstand zuzuschde!ben, daß in Rabat nicht, wie es bei rer -Angelegenheit des Amerikaners Perdicaris in Tanger der Fall war. eirc große Anzahl von Personen, die nicht immer an demselben Stricke zogen.' arr den Vefreiungsversuchen . betheilizt war. Der Erdarbeiter Mixar? in Barmen zerschlug auf dem Kopf seiner Frau eine Flasche Salzsäure und verbrannte die Frau schwer. Er wurde verhaftet, erhängte sich aber im PolZzcigefängniß. Nach der Erklär rung der Frau hclt ihr Mann sie vorher zu zwingen . versucht, Salzsäure zu trinken.