Indiana Tribüne, Volume 28, Number 63, Indianapolis, Marion County, 4 November 1904 — Page 6
o
Jttdiana Stiftung, . November 190ü 6
.WarUM Nicht ihr HeiManziehend machen, durch den (3e brauch eineö k
Im &äJ VJÜ FS&MV toS ;V?2jk rnrfrAmk v : fcr r;'Vf-iS :ii iißfi(fl W V r . fiy: 'VCCii ,3 ZK iS i$mj&fi ;z&&nz Garland Ofen... .... und .... Range... Dieselben übertreffen alle andern in Schön ttiU Dauerhaftigkeit. Heizkraft und Spar samkeit im Kohlen Verbrauche. Dieselben werden mit Vergnügen gezeigt, in WILLIG'S ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straße. TAGGÄRT'S Kl BREAD , Wiegt Euer Brod. Das Brod welches von Joseph Taggart gebacken ist, gibt Ihnen beides, Qualität und Gewicht. TftfttYt fSt t firtt ' I rUrrtC S f m UVUV wint vfvvvv vuuvi Ebenso für Joseph Taggart'S Butter Crackers. Wie Verfect as Range roird zum Kostenpreise verkauft, abgeliefert und aufgestellt ohne Unkosten. Der sparsamste Ofen für KunstgaS. Sprechen Sie vor und sehen Sie dieselben im Gebrauch. TUE INDIANAPOLIS 6AS CO., I 49 S. Pennsylvania Str. CEI1TRAL COLLEGE OF UDSIC, 550 Nord Meridian Str. ....Schule letzt eröffnet... " Tag'Schül sowie auswärtige Schüler, velche hier-im College völlige Aufnahme lach, können zu jeder Zeit eintreten. E moderne gut auSaerüsteteS Jnstitm, voll ftsnoig in allen Abteilungen deS Lernen? der Kunst der Musik und den verwandter tzLdrften. Katalog frei. Edward Taylor, Director. Ich gebe Gesang-, Piano- . - . . und ... Orgel-UnterrM m allen Phasen dieser Künste und garantire meinen Schülern volle Zufriedenheit. Fidel V. ester. The Lester Studio, 0. 7 08 orlh Straße. Neue Phon . lllii" Staöllrr 1S3, nimm: jederzeit - Engag nentS entgegen. Irgendwelche Orchester, 2aftl und iraend eine Sn,abl v VZnMm 4) gelsert. Neue Ausstattung und neu, Unisorlnen. R. A. Miller, Director Henry Sprengv feil, Geschäftsführer. '301 Aenwcku Avenue. Telephon ..... Neu 98.
w S
t
mm
v
J
. iY?S
PyäSSÄ Q
ZMWsT y
i
AN
filÄJ
Europäische Nachrichten. Hesterreich''Zlngarn. Wien. Der 27jährige Buchhalter Alfred Schwartz badete in der sögenannten Kollerlacke, einem tiefen Grundwassertümpel im JnundationS gebiet gegenüber Kahlenbergerdorf. Er wurde von Unwohlsein befallen, sank uüter und ertrank, ehe Hilfe kam. Die 25jährige Dienstmagd Elisabeth Straßner ermordete vor dem Hotel Post auf dem Fleischmarkt vor einiger Zeit die 20jährige Schneiderin Anna Wokac durch Messerstiche in die Brust. Die Straßner glaubte sich durch die. Wokac beim gemeinsamen Beichtvater in der Dominikanerkirche verleumdet. Sie wurde yerhaftet und dem. Landesgerichte eingeliefert. Da ihr Geisteszustand zweifelhaft erschien, wurde sie von Psychiatern beobachtet. Auf Grund des Gutachtens ist - das Strafverfahren gegen die Straßner eingestellt worden. Sie wurde als geistesgestört der nieder - österreichischen Landesirrenanstalt übergeben. Im Rudolfsspital ist der langjährige Kapellmeister des Etablissements Ronacher, -Karl Kratzl. gestorben. Kratzl. dessen Tod speziell in den Kreisen der Artisten große Theilnahme hervorgerufen hat, ist den Folgen eines Jnsektenstiches erlegen. Der 34jährige Bauschreiber Adolf Scherer, Alsergründ. Pramergasse No. 13 wohnhaft, wurde auf der Kaiser Franz JosefsBrücke von einem fahrenden Zuge der Dampftramway überfahren und sofort getödtet. Der 71jährige Tagelöhner Johann Hacker erhängte sich in seiner Wohnung und wurde todt aufgefunden. Böhmisch - Wiesenthal. In einen: Hause unmittelbar bei dem Zollamtsgebäude kamFeuer zum Ausbruch und griff mit ungeheurer Schnelligkeit um sich. In kurzer Zeit standen neun Wohnhäuser sammt allen Nebengebäu den in Flammen und brannten total nieder. 'Budapest. Im Gefängnisse in Szabadka fand ein interessantes Ereigniß statt. Der zum Tode durch den Strang verurthctlte und dann später zu lebenslänglichem Kerker begnadigte Michael Dilmovic wurde im Gefängnisse mit der wegen Mitschuld an seinem Verbrechen zu sechs Jahren Kerker verurtb-ilten Geliebten, der Mutter seiner echt Kinder, getraut. D 0 b e r n bei Reichstadt. Die dem Oekonomen Jgnaz Herrmann gehörige und aus Stein erbaute große Scheuer brannte vollständig nieder. Hierbei wurden große Futtermengen sowie Dampfmaschinen und andere landwirthschaftliche Gerathe ein Raub der Flammen. - , E i n s i t d I. Auf dem Weißbacher Berge kam zwischen Einsiedl und Dittersdorf ein Automobil zum Sturze, wodurch die vier Insassen auL dem Wagen geschleudert wurden. Der. hiesige Fabrikbesitzer Oswald Lohs büßte durch den Sturz sein Leben ein.' Graupen. Das Brauhaus und eine große Anzahl Wohngebäude fielen einem Feuer zum Opfer. G r a tz e n. Auf dem Geleise zwlschen Gratzen und Oberweißenbach wurde der Bahnwächter Johann Saßmann todt aufgefunden. Er hinterläßt sechs Kinder. Ob ein Unfall oder ein Verbrechen vorliegt, wurde noch nicht ermittelt. ' H e u r a f f l. Hier erschoß sich der 65jährige Wirthschaftsbesitzer Franz Janda vulgo Lackinger mit einem alten Jagdgewehr. Janda verübte die That wegen langandauernder Krankheit. Der in demselben Zimmer .schlafende Sohn und dessen Frau hatten merkwürdigerweise denSchuß nicht gehört und mußten erst von derDienstmagd geweckt werden. Harzdorf. Im Walde wurde hier die Leiche des 25 Jahre alten gewesenen Chemikers Gustav Appelt aufgefunden, der zuletzt 'bei der Friedrichswalder Thalsperre beschäftigt gewesen war. Er hatte sich mittelst eineö Revolvers entleibt. K a r l s b a d. In dem eine Stunde von hier entfernten, auf einem Wasserarmen Hochplateau gelegenen OrteDonawitz kam Feuer zum Ausbruch. 10 Häuser und eine Scheuer . fielen- dem Feuer zum Opfer. Auch die Kirche wurde ein Raub der Flammen. Luxemburg. Luxemburg. Kürzlich fanden einige' Knaben, welche im Ort genannt Molfstyf- das Vieh hütckn. meinem Bache neben der Eisenbahn die Leiche einer Mannsperson liegen. Die sofort alarmirte Gendarmerie von Alanden erkannte in derselben den 52jährigen Cloos Michel, Zimmermann ausVlanden. Dommeldingen. Der 9jährige Sohn des hiesigen Briefträgers Molitor, der zu Oetringen bei Verwandten auf Besuch war, kam mit dem
Fuß in das Räderwerk der Dreschmaschine. Die Verletzungen waren so schwere, daß trotz der Amputation des Beines der arme Kleine seinen Verletzungen erlegen ist. ! Ho stert. Es entstand in dem im . Walde bei Hostert gelegenen Wohn- ( hause der Arbeiterfamilie Weimerskirch Boden auf unbekannte Weise Feuer. In wenigen Stunden war das Wohnhaus sammt, seiner Einrichtung ein Raub der Flammen. Wecker. In der Rächt ist das Maschinenhaus der Duchscher'schen Fabrik abaebrannt..
cidendzeir.
Von Ottilie Grübe?. , Wenn Phöbus' edle Rosse tragen Hinab zum Horizont den Wagen, Wo ihm der Thetis Liebe blüht. Und Hesper, wundersam erstrahlend. Mit Purpurgluth die Wolken malend, Im fernen Westen lieblich glüht. Wenn Zephir' durch die Fluren fächelt. Die Erde sanft im Traume lächelt. Und Philomele klagt im Hain: Dann ist die Stunde sel'aer Träume, Dann blühen edle, schön re Keime Auf m des Herzens Sonnenschein. Da heben sich des Geistes Schwingen, Vom Staube frei empor $n dringen Ins 'schöne Reich der Poesie. ' Wo nicht die rauhen Erdenllänge Den Mißlaut tragen in Gesänge Beseligender Harmonie. - Wo in dem Herbst und winterlosen. Im ew'gen Lenze blüh'n die Rosen, . Der Dichwng Moraenlicht erglänzt. ' Unsterblich in des Ruhmes Hallen Der großen Sänger Geister wallen. Mit Lorbeerreis die Stirn umkränzt. O Abendzeit, du stille, traute. Du stimmst des Tag's oft schrille Laute sin weicher, voller Harmonie. Und aus der Prosa dieses Lebens Nlieh' ich zu dir und nicht vergebens. Du holde Tröst'rin, Poesie. Ein kritischer Tag. von E. G. Glück. Aus dem Französischen - von Dr. Josephsohn. Herr Achilles Roulain, ein kleiner, korpulenter Herr mit rothem, apoplektischem Gesicht, vollem, trotz seiner fünfzig Jahre kaum ergrautem Haar und sanften, etwas philiströsen Manieren, hatte seinen Kaffee getrunken. Jetzt entfernte er sorgfältig die Brotkrümchen von seinen Beinkleidern, schüttelte sein Jackett, auf dem die wollige Serviette weiße Spuren hinterlassen hatte, und machte sich zum Ausgehen fertig. Schon mit dem Hut in der Hand näherte er sich seiner besseren Hälfte, um ihr ein liebevolles Auf Wiedersehn!" zu sagen, als die würdige Gattm mit tragischer Miene und in ängstlichem Ton fragte: Achilles! Du denkst doch nicht im Ernst daran . . . ?" Woran, meine Theure?" Du willst doch nicht etwa heute spazieren gehen?" Warum denn nicht, Liebchen? Selbstverständlich will ich das. Du weißt, der Arzt hat mir ausdrücklich befohlen, nach dem Frühstück zwei Stunden spazieren zu geben." - Er hat Dir nicht befohlen, Dich an einem solchen Tage hinauszuwagen!" . Ach, Unsinn!" Du bist so klein, Achilles! Wenn ich Dich wenigstens begleiten könnte?" Und Madame Roulain konstatirte mit einem gewissen Wohlgefallen im Spiegel ihre gewichtige Korpulenz und ihre respektable Größe. ' Adelaide!" erwiderte Herr Roulain, sich in die Höhe reckend. Ermnere Dich, daß Napoleon nur sechs Centimeter größer war als ich!" ' Ja, aber, der saß auch meistens zu Pferde, während Du Gott, wenn ich denke. Du könntest in den Strudel der Menge gerissen zertreten erstickt werden ... !" Du bist sehr ungeschickt, Adelaide. Was Du mir soeben gesagt hast, zwingt mich erst recht, meinen gewöhnten Spaziergang zu machen. Du könntest 5onst gar auf den Gedanken kommen, ich habe Furcht!" Richt doch! Ich würde nur sagen. Du bist vorsichtig.". Rein, ich würde sicherlich' in Deiner Achtung sinken und auch in der meinigen!" , -Du liebst mich nicht1. Was soll aus mir werden, wenn Dir ein Unglück zustößt?" Mir wird kein Unglück zustoßen. Uebrigens ist es meine Pflicht, mich heute auf der Straße zu zeigen. Ich bin ein Bürger! Dreißig Jahre ununterbrochener Arbeit in der Hosenträgerbranche haben mir zu einemVermögen verholfen. Heute, am 1. Mai, werden sozialdemokratische Horden lärmend die Straßen erfüllen, um durch Schreien . und Schimpfen gegen Macht und Besitz, gegen die bestehende Ordnung zu protestiren. Ich bin kein Feigling! Ich bin keine Memme! Ich scheue mich nicht, meinem erbittertsten Gegner gerade in die Augen zu blicken!" Nach dieser von pathetischen Gesten begleiteten, volltönenden Rede, umarmte Herr Roulain seine Frau und verließ festen Schrittes das Zimmer. Seiner Gewohnheit gemäß wandte er sich nach den Boulevards. Dort herrschte, ein ungewohntes Leben und Treiben. .Eine kompakte Menge erfüllte lärmend die Trottoirs, und die Nationalgardisten und Polizeibeamten hatten die größte Mühe, die Schaulustigen zurückzudrängen und den Fahrweg freizuhalten. Herr Roulain. fragte Jemand nach der Ursache .dieser Menschenansammlung.. Man erwartete eine Kundgebung Arbeiterabordnungen sollten mit flatternden. Fahnen vorbeidefiliren, pnd man fragte.sich ängstlich-neu-gierig: Was wird passiren?". Am Abend, vorher hatten verschiedene Zeitungen in dunklen, orakelhaften Worten angedeutet, man müßte sich für diesen 1. Mai auf ganz besondere Ueberraschungen gefaßt machen. Kein Wunder, daß das gesammte müßiggangerischeParis auf den Beinen war. Das kann heute ein heißer Tag werden!" erklärte vielsagend ein weißhaariger Greis, der in seinem langen
Wüsnn scyon manqes geseyen. yaven mochte. Herr Roulain zuckte die Achseln. Er bemitleidete diefc Leute. Er zürnte ihnen, weil sie den Verkehr hemmten. Gestoßen von dem einen, wiedergestoßen von einem andern, bahnte er sich, lo aut es aina. einen Wea. Aber dieser langsame, jeden Äugenblick durch unfreiwillige Pausen unterbrochene Spaziergang machte ihm kein Vergnügen und k,ar auch durchaus nicht im Sinne seines Arztes, der ihm ein langsames, aler stetiges Tempo für diesen Spaziergang vorgeschrieben hatte. Er beschloß also kurzerhand, umzukehren und nach Hause zu gehen. Im nächsten Augenblick aber fiel ihm Madame Roulakn ein, die nun natürlich triumphiren würde. Er sah deutlich ihr ironisches, leicht verächtliches Lächeln;, er hörte sie rufen: Siehst Du? Was habe ich Dir gesagt?" Vielleicht würde sie so undelikat sein, wieder von seiner zu kleinen Gestalt zu sprechen. Das verletzte ihn stets auf's tiefste. Er litt unsäglich darunter, daß er trotz besonders boher Absätze eine nicht annähernd normal große Figur hatte. Nein, nun gerade nicht! Er setzte seinen Spaziergang fort. Aber dann kam ein Moment, wo eZ ihm einfach unmöglich war, einen Schritt vorwärts zu thun. Er versuchte umzukehren. ebenso unmöglich. Wohl oder übel mußte er auf der Stelle stehen bleiben. So verging eine halbe Stunde. , Herr Roulain begann sich zu langweilen und eine gewisse Müdigkeit zu spüren. Wie lange würde er wohl noch so stehen müssen? Plötzlich nahte sich ihm der RettungLengel in Gestalt eines Hüters der Ordnung, der die Menge ziemlich unsanft und rücksichtslos theilte. Achilles rief ihn an und fragte sehr höflich: . Würden Sie wohl die LiebensWürdigkeit haben und mir dabei behilflich sein, nach dem gegenüberliegenden Trottoir zu gelangen. Eine dringliche Angelegenheit ruft mich." Der Mann des Gesetzes nickte. Wenige Sekunden später befand Achilles sich auf dem Fahrdamm. Er hatte übrigens ohne jeden triftigen Grund darauf spekulirt, daß die andere Seite des Boulevard weniger überfüllt sein würde als diese. Er hatte sich getäuscht. Das ist aber Pech! Allein komme ich in diesem Gewühl doch nicht fort," erklärte er seinem Leibwäckter. Ick wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mich bis zu jener kleinen Nebenstraße bringen möchten." Das ist auch gerade mein Weg," antwortete der Beamte. Er setzte schon einen Fuß auf das gegenüberliegende Trottoir, als ihn ein Wachtmeister anrief: ..He! Ledru!" Herr Wachtmeister! Ich muß Sie leider verlassen," wandte sich der Beamte zu Roulain. Aber ich werde schon für Sie . . . ." Er winkte einem Kollegen, einem rothbaarigen, unnatürlich breitschulterigen Koloß. Heda! Schlapingerhans! Ich vertraue Dir diesen Herrn an. Führe ihn!" Er stürzte davon zu seinem bereits ungeduldigen Vorgesetzten, so daß Herr Roulainnicht einmal Zeit fand, ihm ein Wort des Dankes zu sagen. Kommen Sie!" forderte Schlapingerhans unseren Helden auf in einem Dialekt, der, seinen Straßburger Ursprung nur zu deutlich verrieth. Und er bahnte dem kleinen Herrn Roulain eine -breite Passage. Sobald sie aus dem Gedränge heraus waren, bezeugte Herr Roulain ihm in honigsüßem Ton seine Dankbarkeit. Danke!" sagte er zu SchlapingerHans, indem er ihm die, Hand reichte. Danke! Sie haben mir einen wirklichen Dienst geleistet." Und er wollte sich verabschieden. Aber die Rechte Schlapingerhans' legte sich gewichtig auf seine Schulter. Wohin?" fragte der Beamte. Na nach Hause, lieber Freund! Nach' Hause Rue des PetitsChamps." Ich glaube wirklich. Sie wollen sich in aller Gemüthsruhe aus dem Staube machen?" Wie?" Na, vorwärts, vorwärts! Nach der Wache!" Nach der Wache?" .Ja!" , Warum?" Darum!" . , Aber warum?" Machen Sie hier keine Geschichten! Das wissen Sie ja besser als ich." Aber' ich bitte Sie! Es ist..-." Keine Widerrede! Sie verschlimmern damit nur Ihre Sache!" Was thue ich?" Ich sage. Sie verschlimmern nur Ihre Sache!" , Widerstand wäre unnütz gewesen. Herr Roulain ergab sich also in sein Schicksal und folgte, nur mäßig beunruhigt, dem Hüter der Ordnung nach der Wache. . Der Herr Kommissär war dienstlich abwesend Statt seiner ' nahm der Sekretär Herrn Roulain in Empfang. Dieser Sekretär war berühmt wegen seiner Arroganz und seiner ewig schlechten Laune.
Er musterte Herrn Roulain von oben bis unten, was bei der Größe desselben nicht lange dauerte, und schrie, bevor der Jnhaftirte nur ein Wort hatte sagen können: Schweige Sie! Lassen Sie den Beamten sprechen!" Schlapingerhans meldete: Dieser Mann ist mir von Ledru übergeben worden. Ledru hat mir gesagt, ich soll ihn fähren." Was hat er begangen?" Das weiß ich nicht, aber Ledru muß es wissen, weil er mir gesagt hat, ich soll ihn führen." Gut . . . Was haben Sie zu Ihrer Vertheidigunq vorzubringen?" fragte der Sekretär in trockenem Tone Herrn Roulain. Lächelnd tron dieses wenig einladenden Empfanges, mit einem gewissen gutmüthigen Humor erzählte Herr Roulain sein Mißgeschick. Der Sekretär hörte ihm zu, ohne eine Miene zu verziehen. Als Achilles geendigt hatte, blinzelte der Beamte verschmitzt mit den Augen und. sagte in ironischem Tone: Ich gratulire Ihnen, mein Herr! Sie besitzen viel Phantasie!" Wie? Sollten Sie etwa an me!nen Worten zweifeln, mein Herr?" Gott behüte!" Also bin ich frei?" Würden Sie sich nicht noch ein wenig aedulden?" Aber ich bab's eilig!", Ich bin untröstlich, indessen . . ." Mein Herr!" erklärte Roulain, dem die Galle in's Blut stieg. 'Mein Herr! Ich ersuche Sie, mich freizulassen auf der Stelle freizulassen! Ich habe gute Freunde in der Presse, ich will Ihnen das im Voraus mittheilen." Diese Worte verwandelten die Jronie des Herrn Sekretärs in heftigsten Zorn. Ah! Sie kennen Journalisten!.. Dann sagen Sie doch diesen Journalisten, sie möchten kommen und Sie von hier befreien. Rufen Sie sie doch zu Ihrer Hilfe!" Im Ernst, mein Herr, Sie beabsichtigen doch nicht etwa, mich hierzuSehalten?" Allerdings beabsichtige ich, Sie hierzubehalten bis zur Ablösung des Beamten Ledru, der über SieAuskunft zu geben vermag." Das ist ja eine schöne Geschichte!" Das Arrestlokal steht zu Ihrer Verfügung, falls Sie den Aufenthalt darin meiner Gesellschaft vorziehen sollten." Herr Roulain hielt es für gerathen, nichts zu erwidern. Er schwieg. Eine Stunde verfloß, eine zweite. Herr Roulain sah nach der Uhr. Sie ging auf fünf. . . . Sonst war er um diese Zeit schon lange- bei seiner Frau .... Er dachte daran, welch trüben, verzweifelten Gedanken Adelaide sich zweifelsohne hingeben müsse... Es schlug sieben Uhr. Herr Roulain, den der Hunger zu quälen begann, wagte eine Frage: Können Sie mir vielleicht sagen, ob der Beamte 'Ledru bald kommen wird?" ' Nein, das kann ich Jhnennicht sagen." Eine Meile später begann er von Neuem: Herr Sekretär, könnten Sie nicht meine Identität feststellen lassen?... Ich wohne Rue des Petits-Champs 23. Ich war dreißig Jahre in diesem Stadttheil etablirt." Dazu habe ich keine Zeit. Warten Sie, bis Ledru heimkommt!" ' Um 10 Uhr kam ein Theil der Beamten zurück. Sie trugen die Spuren von Kämpfen an ' sich und brachten mehrere Arrestanten. Sie meldeten, ein heftiger Zusammenstoß habe stattgefunden.' Einer von ihnen, Ledru, sei umgestoßen, von den Manifestanten mit Füßen getreten worden, und man hätte ihn in sehr bedenklichem Zustande in's Hospital gebracht. Herr Roulain wurde ohnmächtig. Er blieb die Nacht über auf der Polizeiwache. Am nächsten Morgen kam Madame Roulain, ganz in Thränen aufgelöst, ihn von dort abzuholen. Er veranlaßte keine Preßkampagne. Er strengte keine Klage an. Der Herr Sekretär hatte ihn vollständig mürbe gemacht. Aber er bekam die Gelbsucht. Die Autorität, die er bis dahin in seinem Hause genossen hatte, ist verloren. . Wenn er jetzt nach dem! Frühstück den Wunsch hat. eine kleinePromenade zu machen, fragt er Adelaide: Glaubst Du, meine Theure, daß ich meinen Spaziergang... ?" Dann sieht Adelaide nach dem Himmel, nach dem Barometer, und je nachdem sie guteroder schlechter Laune ist, ertheilt oder verweigert sie die Erlaubniß.... Mit dem Zaunpfahl. Abreisender Passagier (zum HotelHausknecht, der ihm eben seine Sacb?n in den Wagen gebracht): Haben Sie Alles?" Hausknecht: Alles bis auf's Trinkgeld!" 'Schlau. Frau: Du, Max, ich glaube, der Miether im ersten Stock hat Absichten auf unsere Tochter!" Hausbesitzer (bestimmt): Daraus wird nichts; (nach einer Weile überlegend) wir brauchen 's ihn ja nicht merken zu lassen: einstweilen will ich ihn mal steigern!"
der , SicUil Professor yinscnS SicVythum, Selbstlosia teil, Armuth und Ende. Es ist im Allgemeinen nur wenig bekannt, daß das Leben des unlängst gestorbenen dänischen Professors Finsen, des Erfinders der Lichtiherapie. zum großen Theil einer erschütternden Tragödie geglichen hat. Denn dieser Wohlthäter der Menschheit 'war seit mehr als 20 Jahren selbst ein schwer Leidender, und nur im fortwährenden Kampfe mit feinem siechen Körper hat er die Stunden wissenschaftlicher Sammlung die so herrliche Früchte tragen sollten, dem'Tode förmlich abgerungen. Schwächlich schon von Geburt an. wurde Finsen in früher Jugend von chronischen Erkrankungen der Verdauungsorgane, des Herzenö und der Leber befallen, und von dieser Zeit an war eigentlich sein Dasein ein ununterbrochenes langsames Sterben. Im Laufe der Jahre verschlimmerte sich sein Zustand derart, daß er täglich kaum eine oder zwei Stunden der Arbeit widmen konnte, und tagelang vermochte er den kurzen Weg von seiner Wohnuna zu seinem Institut, das der Zielpuntt für Gelehrtenreisen aus aller Welt geworden war, nicht mehr zurückzulegen. Trotzdem Finsen sich in keineswegs glänzenden Besitzverhältnissen befand, hat er keine seiner Erfindungen patcntiren lassen; er hat sie alle der. leidenden Menschheit zum Geschenl gemacht, und einem Besucher hat er einmal in aller Schlichtheit erzählt, daß' er nicht ohne Seelenkampf zu diesem Hochherzigen Entschlüsse gelangt sei. Als für ihn die Möglichkeit der Lupusheilung feststand, lag er, wie er erzählte, eine ganze Nacht schlaflos da. bei sich überlegend, ob er, der arme Gelehrte, das Recht habe, die Früchte seiner Entdeckung für sich und seine Familie zu verwenden, oder ob er sie der Allgemeinheit widmen müsse. Finsen wählte die Armuth. Und als er im vorigen Jahre den Nobel-Preis erhielt, mußten seine Freunde ihren ganzen Einfluß aufbieten, Finsen zu überreden, daß er wenigstens die Hälfte des Preises für seine Frau und seine Kinder anlege. Er wollte ursprünglich die ganze. Summe seinem Institut widmen. Der NobelPreis hat es Finsen ermöglicht, durch junge Hilfskräfte seine theoretischen Untersuchungen im Institut fortsehen zu lassen. Er selbst konnte nur noch Anregungen geben, denn von Tag zu Tag sah man die Flamme seines Lebens niedersinken. Zu seinen anderen Leiden gesellte sich schließlich als Folgeerscheinung die Wassersucht. Jeden einzelnen Bissen feiner Nahrung mußte er zuletzt auf die Waage legen, um nicht das geringe Maß des ihm Zuträglichen zu überschreiten. , Er ist mit der Ueberzeugung aus dem Leben geschieden, daß es möglich sein werde, noch weitere heilende Kräfte des Lichtes zu entdecken. .Die Visitenkarten der Minister. Laut einer Feststellung hat der geflüchtete italienische Unterrichtsminister Nasi in den 32 Monaten seiner Amtsfllhrung 887 Lire (1 Lire gleich 18.8 Cents) zur Anfertigung von 67,900 Visitenkarten ausgegeben. Nasi verbrauchte also in einem Monat 2100, an einem Tage 70 Visitenkarten. In. einem Briefe von der sicheren Schweiz aus suchte Nasi dann nzchzuweisen. daß andere Minister ihn im Verbrauch von Visitenkarten noch übertrofsen haben. Es sind ihrer folgende vier, sämmtlich vom Unterrichtsministerium:' Boselli verbrauchte in 36 Monaten für 1283 Lire 98,600 Visitenkarten, das heißt im Monat 2700 oder an jedem Tage durchschnittlich 90; Villari in 15 Monaten für 700 Lire 54.000, also im Monat 3600. täglich 120; Gallo in 5j Monaten für 322 Lire 24,800, mithin im Monat 4500 und täglich 150; Codronchi vollends, der nur 2ß Monate Unterrichtsminister war. erhob, für Visitenkarten einen Betrag von 1662 Lire, der, nach dem Preise der Nasi'schen berechnet, 127.800 Visitenkarten entsprechen oder einen monatlichen Verbrauch von 49.100, einen täglichen von über 1600 Stück vorausgesetzt haben würde. Fataler Irrthum. Ein Hauptmann in Hamm, Westfalen, sah, daß sich die Zweige eines Obsibaumes in einem Gutsgarten bewegten, obschon kein Wind wehte. In der Annahme, Sperlinge thäten sich an dem Obste cjüt lich, feuerte in Hauptmann emen Schrotschuß nach dem Baume ab, worauf das Wehegeschrei eines Menschen antwoTtete. Der Gutspächter hatte in dem Baume gesessen, um Obst zu pflückm, ein Theil der Schrotladung war ihm in den Leib gedrungen. Der Hauptmann wurde deshalb wegen fahrlässtzer Körperverletzung angeklagt. Die Strafkammer sprach ihn jedoch frei, da er nicht habe annehmen können, daß ein Mensch in dem Baume sitze. Hingegen wurde er wegen Schießens in der Nähe von bewohnten Gebäuden mit 20 Mark Geldstrafe belegt. Die Billards sind in Frankreich in steter Abnahme begriffen. Während in den 80er Jahren noch mehr als 100.000 gezählt wurden, gingen sie 1890 auf 96,000 zurück; nach den Ausweisen für das laufende Jahr gibt es nur noch 89.676 Billards, für die 1.045.000 Francs ($196,460) jährliche Steuern bezahlt werden. Die Verminderung der Billards wird auf die EntWicklung des .Radfahr- und Motv'rwagensports zurückgeführt.
Scr Ersindrr der ZlchUherapic.
