Indiana Tribüne, Volume 28, Number 62, Indianapolis, Marion County, 3 November 1904 — Page 6
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i II M In deutschen HauAbaltungen so wohl wie in amerikanische ist Dr, Jfugust Koenig's Hamburger KruMlee hoch gtschäyt zur Heilung von Allsten, Erkaltung, Dronchitis, gciscrkeit, Asthma. H 4 De? echte Thee ist ebenfalls bekannt als das best Heil mitrel gegen Grippe. CFr wärmt das Vlut, vermin dert den Skel,, stärkt, stell M . I W . w M M wieder vr uno vriu : ...Warum nicht ihr Heim... anziehend machen, durch den (3e brauch eines . . . . m O Garland Ofen... .... und. ... Wac... Dieselben übertreffen alle andern in Schön heit. Dauerhaftigkeit, Heizkraft und Spar samkeit im Kohlen Verbrauche. , Dieselben werde mit Vergnüge gezeigt, in WILLIQ'S ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straße. TAGG4ÜTS. k l "BREAB Wiegt Euer Brod. DaS Brod welches von Joseph Taggart gebacken ist, gibt Ihnen beides, Qualtiat und Gewicht. , Fragen Sie Ihren 'Grocer dafür. Ebenso für Joseph Tagj'art's Butter Crackers. stchtttng : Achtung : Vittöburg, 04.00 per Tonne ttanakzwa, $4 00 pct Xonnc Ohio Jackson, 64.75 per Tonne Vocahontuö, (Rauchlose) 84.50 per Tonne. Qir gekoren dem Trug nifli an. ...Unsere Preise beweisen dieses.. Jede Tonne 2000 Vfund garantirt. - Home Fuel Co. Incorporirt. . euer Phoe 9291. AlteSPhone, Main 1150.
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Europäische NachrichtenSrsaß.Lsttzringen. Straßburg. Das 25jährige Jubiläum als ordentlicher Universitätsprofessor feierte der Botaniker Professor Dr. Hermann Graf zu Solms - Laubach. Ass akademischer Lehrer wirkt der Gelehrte sejt 1868. B l i e s b r ü ck e n. ' In dem großen Metzgereianwesen der Gebr. Levy kam Großfeuer aus, das in kurzer Zeit drei Wohnhäuser mit Nebengebäuden in Asche legte. Elsaßhausen. Auf dem Schluchtfelde von Wörth. am' 34. Iahrestage der Schlacht, wurde das Dcnkmal des 83. hessischen Jnfanterie-Re5 giments eingeweiht, das in derSchlacht von Wörth ca. 400 Mann verlor. Metz. Oberstleutnant Kotschote vom Generalkommando des 16. Armeecorps ist bei einer Fahrt zur Jagd schwer verunglückt. Er zog sich einen Beinbruch und innerliche Verletzungen zu. In der Zeüghausstraße gerie-
'then vier Italiener miteinander in Streit, bei dem der Italiener Amaho Marino erstochen wurde. Die drei Thäter wurden verhaftet. Die Wäschebüglerin Johanna Henning wurde mit durchschnittenem Halse todt aufgefunden. Sie hatte mit ihrem Bräutigam, einem Italiener Namens Ehini, einen Spaziergang gemacht. Beide sind offenbar in Streit gerathen. Der Mörder war nach der That geflohen, und man fand feine Leiche auf dem Bahndamm, wo er sich von einem Zuge hatte überfahren lassen, nachdem er sich mit einem Messer Verletzungen am Halse beigebracht hatte. Saales. Hier sind 7 Wohnhäuser durch Feuer zerstört worden. Zlleckrenvurg. Schwerin. Der König von Danemark verlieh -dem Hausmeister Ahrendt im großherzoglichen Marstall und dem Futtermeister Lorenz die goldene Medaille des Danebrog-Ordens, dem Staptkutscher Hinrichs die silberne Medaille desselben Ordens. G o l d b e r g. In der Rohlack'schen Sägerei verunglückte der Arbeiter Klevenow von hier bei Bedienung des Gatters. Ein zurückschnellender Hebebaum traf ihn im Gesicht, riß ihm die Oberlippe auf und zerschmetterte das Nasenbein. Der Schwerverletzte wurde in seine Wohnung geschafft. M a r l o w. Im nahen Schulenberg starb der großherzogliche Nevierförster Wendt. Der Dahingeschiedene wirkte seit einer Reihe von Jahren in Schulenburg und genoß als tüchtiger Forstmann in weiten Kreisen große Liebe und Hochachtung. Mirow. In Gaarz gerieth der Arbeiter Zillmann mit der rechten Hand soweit in das Getriebe der Schrotmühle, daß ihm die Hand vollständig zermalmt wurde. Neubukow. Das - zweijährige Söhnchen des Töpfermeisters Appel fand, während die Eltern mit dem Umzüge beschäftigt waren, in einem unbewachten Augenblick eine Flasche mit Opiumtropfen und trank einen Theil der Flüssigkeit. Da es nicht ge lang, sofort ärztliche Hilfe herbeizuschaffen, ist das Kind an den Folgen des Giftes verstorben. Rostock. Das Fest der goldenen Hochzeit feierte das Kapitän Baselow'fche Eöepaar in außergewöhnlicher Frische und Gesundheit. Die Lohgerberstraße zeigte reichen Flaggenschmuck zu Ehren des dort seit Jahren wohnenden Paares, und von nah und fern gingen diesem Glückwünsche und Geschenke zu. W i s m a r. Händler Westphal von hier hatte in Gr. Krankow sein Fuhrwerk auf der Straße unter Obhut seines 16jährigen Sohnes stehen lassen. Die Pferde scheuten und rissen den jungen Westphal zur Erde, sodaß der Wagen ihm über die Brust ging. Der Verunglückte liegt sehr schwer darnieder, da die Lunge verletzt ist. Hrdenvurg. Oldenburg. Der bisherige Landtagsabgeordnete Herr Karl Duden, einer der eifrigsten Vertreter der Socialdemokratie in Rüstungen, ist gestorben. B a n t. Dem pensionirten MarineKasernenwärter Valentin , Pukacki wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Fissau. Auf dem Gewese des Schmiedes Burmeister kam Feuer zum Ausbruch, durch welches Wohnhaus und Scheune bis auf dieGrundmauern zerstört wurden. Jeder. Der Großherzog hat den Rektor Dr. Schnegelsberg zu Schlüchtern und den Oberlehrer Dr. Binnenboeßel zu Barmen zu wissenschaftlichen Lehrern am Mariengymnasium in Je der ernannt. O l d o r f. Die Eheleute Arbeiter Kappe waren letztens auf dem Roggenfelde beschäftigt. Als der Mann das Land auf kurze Zeit verlassen hatte, begab sich die Ehefrau Kappe nach der als Einfriedigung dienenden Hecke und machte dort ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. Die Ursache des Selbstmordes ist unbekannt. ' Die Eheleute Kappe waren dem Trunke ergeben und hatten gegen Nchrungs sorgen zu kämpfen. Sengwarden. Die Eheleute Fähnke begingen die Feier der silbernen Hochzeit. ' . Freie Städte. Hamburg. Die in den weitesten Kreisen bekannte hiesige Kaffee - Im-
Jndisna Tribuns 3.
Port- und Export - Firma 2.,. SSiim zel beging den Tag ihres 50jährmen Bestehens. Dieses Jubiläum ist bestnders erwähnenswerth, weil der jetzt im 75. Lebensjahre stehende Begründer der Firma, Herr L. S. Bunzel, noch heute als Seniorchef in völliger körperlicher und geistiger Frische der Firma angeyori. A)er zu Sonoerourg. gebürtige, auf dem Finkenwärder Fischerewer Anna" bediensteteBestmann I. L. W. Andresen wurde in der Nähe von Helgoland bei stürmischem Wetter von dem hin- und herschlagenden Focksege! über Bord geworfen und ist ertrunken. Am Rangirbahnhof Rothenburgsort überschritt der in der Hessenstraße wohnende - Hilfsrangirer Oldmann die Geleise, ohne auf die ihm entgegenkommende Lokomotive zu achten. Er wurde von der Maschine erfaßt und zu Boden gerissen. Dem Unglücklichen wurden beide Beine vom Rumpfe getrennt; der Tod trat auf der Stelle ein. An Bord seines bei der Gasanstalt liegenden Oberländer Kahnes hat sich der Schiffer Albert Heidenreich aus unbekannten Gründen erhängt. Der Händler Griesel aus der Heinrichstraße 23 zog sich durch einen 'verrosteten Nagel eine Verletzung der rechten Hand zu. Es trat eine Blutvergiftung, hinzu, an der der Unvorsichtige starb. Bremen. Professor Dr. Friedrich Plehn ist im nahen Spotteck im Hause seiner Schwiegereltern im Alter von 42 Jahren gestorben. Er stammte aus Lubochin im Kreise Schwetz. Sein Wissensdrang hat, ihn in die Weite getrieben. Schon 1887 machte er als Schiffsarzt eine Reise nach Süd-Ame-rika; später bereiste erOstindien, China und Japan und wurde dann Regieru)lgsarzt in Kamerun. Danach war er etwa 6 Jahre Regierungsarzt in Tanga. Bei der Rückkehr nach Deutschland vor etwa 5 Jahren zum Professor ernannt, widmete er sich zunächst in Berlin der Lehrthätigkeit. Vor Iahresfrist aber übernahm er die Leitung einer großen Heilanstalt in Helouan bei Kairo, die eine Gesellschaft für ihn hatte herstellen lassen. Krankheit Zwang ihn vor inigen Monaten, das Tropenklima zu meiden, und hat ihn jetzt in der Heimath hingerafft. Lübeck. Landschaftsmaler Professor Rettich ist im Alter von 64 Iahren gestorben. Rettich, der in Mün chen und Weimar studirt hat, war ein trefflicher Schilderer des norddeutschen Waldes. Auch Marinen mit starkem, meist stürmischem, düsterem Stimmungsgehalt hat er geschaffen.' ctzwei. Bern. Hier starb im Alter von 76 Jahren Architekt Emil Probst, pensionirter Gemeinderath und Großrath, ein hervorragender Baumeister. Besanson. Auf dem Montblanc ist der hiesige Kaufmann Niot, seine Braut und feine Schwester abgestürzt.'. Niot undseine Braut blieben sofort todt, seine Schwester ist schwer verletzt. Chatel Sanct Denis. Die kürzlich .hier verstorbene Wittwe Monney bestimmte testamentarisch ihr ganzes Vermögen, etwa 300.000 Francs, zur Gründung eines Spitals für den freiburgischen Veveysebezirk. K l e i b e bei Nendaz. Das hiesige Dorf ist durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Binnen kurzer Zeit war Alles vernichtet, obwohl die Feuerspritzen der benachbarten Dörfer alle auf der Brandstätte erschienen waren. . Leuk (Wallis). Im Alter von 102 Jahren starb hier die Wittwe MariaJosepha Ellet, geb. Loretan. Sie war bis in die letzten Tage geistesfrisch, las ohne Brille und schrieb noch in diesem Jahre eigenhändig Briefe an ihre Verwandten. . .Laufen (Bern). Spenglermeister A. Frey war mit Arbeit an dem im Umbau .befindlichen Gasthaus zum Rößli beschäftigt und stürzte aus beträchtlicherH'öhe ab, wie man annimmt infolae Rutschens der Leiter. Die ffolgen des Sturzes waren so .unglücklich, daß der Verletzte starb. Mülhausen. Der Blitz schlug auf der nahen Napoleonsinsel in einen großen Strohhaufen. Bald standen deren sechs in Flammen und wurden gänzlich eingeäschert. . N e ß l a u. Beim Vlumenpflllcken auf der Alp Selon stürzte der Realschüler Ernst Wild von Wattwil vor den Augen seines Kameraden m den Abgrund, wo später sein verstümmelter Leichnam aufgefunden wurde. Ölten. An. einem Magenleiden im Alter von 76 Jahren verschied hier Oberammann und Alt - Ständerath Franz Trog. Ein an Erfolgen reiches Leben, das aber von schwerem Schicksalswechsel. nicht verschont blieb, hat zamit seinen Abschluß gefunden. Villeneuve. In der Nähe von hier fand man den Leichnam des 20 j'ahrZgenWeichenwarters Henry Rouge, verheirathet und Vater eines. Kindes, dem ein Bahnzug alle vier Extremitäten vom Leibe getrennt hatte. Angepaß t. Bekannter: Dir ist ein Stein auf den Fuß gefallen, hast Du dich nicht verletzt?" Nein, ich bin gerade noch mit einem blauen Hühnerauge davongekommen." -Der Kannibale. Papa, was ist denn das, ein Kannibale?". Das ist ein ungebildeter Mensch, der aber seine Mitmenschen zum Fressen liebt."
November 190'1
Tommy VärkcrS schlimmste Nelse. Von Fritz Karstadt. Ja, Herr, ich hab' mal 'n Malheur gehabt, 'n Unglück, 'n Schlag, was man so nennt, wo die Prügel, die ich als Schiffsjung auf der Kanossa" von d'ie Steuerleute bekam, nix dagegen war. Wir hatten 'n Bark gekauft, Ulrich Nassen und ich . wie hießen ihr Grethe". weil Ulrich seine Schwester so heißen that und er das meiste Geld dazu gegeben hatte. Es war noch 'n ganz kap'tales Schiff, aber sie hatt'n Dach auf der Kambüs, das war zu stark und das würd' mein größtes Malheur auf diese Welt. Wir fuhren zwischen Arkona und Trellebörg, was keine weite Tour Zs 24 Stunden, bei 'n bischen guten Wind und luden Felle oder Heringe, auf unsere Rechnung und Gefahr, dabei machten wir so ein gut Stückchen Geld. An jenem Tag hatten wir Felle in Trellebörg eingenommen; Jan, mein Sohn, fuhr mit auf'm .Schiff, er war 14 Jahre und kochte unser Futter. Herr, 's war 'n gutes Futter, was der Jung kochen that, er verstand's, als wenn er's gelernt hatt, jeden Tag aßen wir unsre Kartoffeln und Fleisch. Nu, wir fuhren los, es war ein schönes Wetter und grad genug Wind, daß die Bark ihre 10 Knoten in der Htund, wie'n Renner nahm. Allens ging gut wie sonst, und ich weiß, daß Jan noch 'n Stücken Fett in die Kartoffeln nahm und 'n Mus- von machte, das schmeckte uns ganz kap'tal, und Ulrich Nassen meinte, Jan könnt' mal 'n guter Marineschiffskoch werden. Wie gesagt, Herr, hatten wir 'n schönes Wetter und !ä ruhige See; so um zwei stand ich auf der Back und spließte 'n Enden Tau, Jan stand am Rüder und und Ulrich mußt' wo mittschiffs sein. , Da hör' ich auf einmal 'n Krachs und 'n donnriges Gepolter und Jan ruft: Die Fockstangen is runter und Ulrich hat ihr auf'm Kopp gekriegt." Ich dreh' mich um, da seh ich, wie Ulrich aufsteht und sich 'n Kopp reibt. Ulrich", sag. ich, als ich sah, daß er kein Lochen nicht hat, Du hast 'n Kopp wie 'n Bomb!" ' Verdämmt", sagt er, schöppt sich 'n Eimer Wasser über Bord und steckt sein Kopp rin. Als er ihn sich gekühlt hatt', half er mir noch 'n neuen Fockstangen zurechtmachen, die Leinwand anthaueu und aufhissen. Nach 'n Weile wird Ulrich auf'nmal still, setzt sich achtern hin und guckt ins Wasser. Als ich zufälligerweis' an ihm vorbeitrödeln, ireht er sich um, guckt mich mit so'n sonderbaren Augens an und sagt: Tommy, wir haben 'n schönen neuen Stengen gemacht, sieht aus wie'n Galgen." Ich wunnre mich wegen sein seltsamen Ton und wie er auf'n Galgen, zu denken kommt, aber's war ganz richtig, was er sagte, ich hatt' nur damals nich drauf aufgepaßt, daß die Fockstäng' wie'n Galgen aussieht. Ich antwort' jhm also' Ja" und kriech' die Trepp' runter in die Back, es war nur 'n kleine Back, aber gemüthlich zum spintisiren, mit zwei Kojens, denn Jan schlief im Raum. Ich leg' die Deckens zurecht, da kommt Ulrich die Treppen runtergekrochen, drängelt sich an mich und sagt, daß ich's kaum hören kann, ganz leise: Tommy, Dein Jung is 'n feiner Jung, 'n excellenter Jung, hab' noch nie gewußt, daß Dein Jan so'n excellenter Jung is!" Ich erschrak, 's war grad so, als wenn er nicht wußt, was er spricht, wie wenn einer zu viel Rum eingenommen hat, und 'n Gefühl kam mir, daß ihm die Fockstang. als runterbrach, den Gehirn in sein Köpp vernickelt hat. Er legte sich in die Koje, so, als wenn er nicht mehr wußte, daß er mit mir. sprach. Ich ließ ihn liegen und kroch wieder an Deck. Der Wind war stärker geworden und die Bark schlingerte 'n bischen, ich zog die Schoten fester an und schlug 'n paar Reff ins Focksegel, da würd' sie wieder ruhig. Vier Stunden, bis sechs Uhr Abends, blieb Ulrich unter Deck, dann -kam er rau. Nu sah er schrecklich aus, die Augen hatt' er weit aufgesperrt und den Mund klappt er' immer auf und zu. Er ging nach'm Heck, legt' sich am Gangspill auf die Planken und sah immersfort aufs Focksegel. Die Sonn' fing an unterzutauchen und Jan macht' den Mus von Mittag warm. Wir hatten noch 8 Stunden Fahrt und ich wünschte mir diesmal, daß Ärkona näher liegen möcht', denn mir würd' so sonderbar gruslich.venn ich dacht', daß Ulrich wirklich verrückt wär, wo er dch noch 'n paar Stunden vorher, nach'm Kurs sehen .'konnt'. Da rief Jan, ich sollt' mal 'n Mus rühren, er wollt' 'n bischen Wasser holen gehen. In diesem Augenblick sah ich, wie Ulrich aufsteht und längs die Reeling an Steuerbord langsam nach'm Stern zugehen thut. Ich kriech' ihnen also in die Kambüs' und nehm' den Löffel, Jan nahm 'n Topp und geht raus Wasser zappen. Ich rühr! Auf einmal hör' ich'n Gelauf und wie Jan ruft: Vater, Vater!" Ich will, raus, da wird die Thür zugehaut, ich bin eingesperrt, denn sie ging ihnen nur von außen aufzumachen Jan ruft immerzu: Vater. Vater!" , Ich bekomm Angst und schlag' das Glasfenster im Dach
mit'n Rührlöffel ein, stetg aus'm Kochherd und steck den Kopp durch's Loch. Ich such'. Vater!" schreit's wieder da am Mast steht Ulrich
und hält mein Janfest mit seine klammrige Fausten; der, Schaum is ibm vor'm Mund und seine Auaens sind, als wenn sie aus'm Schädel rauswollen! Ulrich", schrei ich laß ihm los, zum Teufel, laß ihm los!" und drück' mit meine Schultern gegen das Dach, es war zu fest, Herr, und rührt sich nicht, 's war verdämmt fest. Vater, Vater, er hängt mich auf, Vater!" ruft Jan. Da sah ich auf'nmal, wie'n Schlingen drin is in die Flaggenlein' auf'm Jockstengen, er mußt ihr schon erstens reingemacht haben. Und ich, Herr, ich stand, that 'n Kopp rausstecken und mußt sehn, wie mein Jung, 'mein eigener Jung, uf mein eigenes Schiff mit mein eigen Flaggenlein' aufgehängt werden sollt'. Herr ich stieß und würd' wild wie'n Tiger und konnt' nichts machen, haut' mit den Fäusten und krallt die Fingers, ' ja, wenn's morsch gewesen wär, Her?, wenn das Dach von die Kambüs' faul oder dünner gewesen wär'. Jetzt hat er ihm die Schling' umgelegt. Vater!" schrie Jan zum letzten Mal und sah aus der arme Jung, daß 's mir bis in die Zehenspitzen ging und in dieGedärme fraß wie Gift: Vater, was kuckst mich an, Vate, was schneidst fllr'n Fratz, Du, was hilfst mich nicht, bist nicht mein Vater, 'n Aas bist, Vater, Vater !" Herr, Herr, das war mir so, als wenn ich in die Höll' faß, das brannt' mir überall, o mein Gott. Er zog ihm in die Höh' mein' armen Jung, da wo sonst die Flagg sttzt oben am Fockstengen ja, 's war 'n richtiger Galgen; seine Beine bummelten in der Luft und die Schuh' waren ihm runtergefallen, das mußt ich allens zusehen, wie sein Gesicht zuerst puterroth würd' und nachher blau und wie . . . Herr, haben sie. schon mal 'n Seemann weinen sehen wie'n altes Weib 's kommt mir immers an, wenn ich dies berichten thu. Ich stieg runter vom Kochherd, wieder in die Kambüs' zurück, nahm'n großen Kessel und haut auf die Thür los, denn ich dacht' ihn vielleicht noch abzuschneiden, bevor er ganz todt war. Es dauerte lang, wohl eine Stunde, bis ich eine Plante los hatte, dann erst nach 'n halbe Stunde konnt' ich an Deck krauchen. Es war- Mondschein und 's ging 'n starke Dünung, daß die Spieren ganz furchtbar knarren thaten, am Focksegel hing mien Jan mit'm Kopf auf der Brust, da wußt' ich, daß er schon todt war, der Glanz vom Mond fiel gerad' auf mein armen 'Jung sein todten Leib ... Entschuldigen Sie, Herr, bis ich 'n bischen ruhiger bin, 's war wirklich selbst zu viel für einem mit 'n steinernen Herz. . . so ganz ohne Schuld. . . So. Ich schnitt ihn ab. Ulrich Nassen war' nirgends zu sehen, ich dacht, er war ins Wasser gegangen, 's war gut, daß ich ihn nicht sah, denn sonst hatt' ich ihn ja, Herr ich glaub', ich hätt' ihn zum Teufel geschickt. Meinen Jan strich ich seine Wolldecke und legt' ihn auf die Back. Wie'n Packen lag er da, todt, mein Jan, der Mond war sein Todtenlicht und sein Vater hielt die Wacht, in jener Nacht, Herr, machte die Dünung ein wunderbares Geräusch, daß mir anfingen die Thönen zu kullern. Er wär'n guter' Mann geworden, wenn er gelebt hätt' 'n Mari neschiffskoch oder sonst was Besseres auf See. Die Bark fuhrgut unter dem scharfen Wind, mit ganz gerefften Segeln, so daß ich schon um 8 Uhr früh in Arkona ankam. Als sie später die Ladung löschten, fanden sie in einer Lederrolle einen halbtodten Mann, es war der Mörder von mein Jung, Ulrich Nassen. Er kam in ein Tollhaus, ich hab' ihn nicht wiedergesehen. Das war meine schlimmste Reise, Herr. Die letzte auf'm Segler, ohne Fockmast sährt kein Segelschiff nich. und ich kann kein Focksegel mehr bedienen, deshalben fahr ich jetzt auf'm Dampfer!" - EineP'ostkartenneuheit will eine französische Gesellschaft demnächst vertreiben. Einer gewöhnlichen Ansichtspostkarte ist eine sehr dünne, durchsichtige Gelatinscheibe aufgelegt, die als Platte für ein Grammsphon zubereitet ist. In der Mitte der Scheibe ist ein Loch, womit man sie an dem Phonographen in der üblichen Weife befestigen kann. So wird dem Bildniß eines berühmten Sängers oder Tondichters gleich eine Probe seiner Kunst für den Phonographen oder das Grammophon beigegeben. ' Der Findigkeit sind natürlich keine Schranken gesetzt, aber man darf wohl annehmen, daß die neue Erfindung nicht viel zur Verbreitung guter Musik beitragen wird, denn nach den Erfahrungen, die man mit . den Musikautomaten und Grammophonen gemächt hat, kommen bei diesen vorzugsweiseGassenhauer zu Ehren. Ein englisches Blatt empfiehlt den politischen .Candidaten, ihrenWählern mittels der neuen Postkarte ihre Wahlreden zukommen zu lassen. . Aus derJnstruktionsstunde. Unteroffizier: Eine Salve muß sein wie ein einziger Knall selbst wenn sie von 1000 Leuten abgegeben wird. Aber das, was ich heute von Euch gehört habe, war schon der reine .Schuhplattler"!"
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Für die ttZC)t. Englische Schnittbohnen mit Matjesheringen und Cervelatwurst. Eine beliebige Anzahl Matjesheringe werden so fein als nur irgend möglich geschnitten und dann in siedendem Salzwasser in einer großen, mehr breiten als bohen Kasserolle abgesotten, mit einem Schaumlöffel herausgeholt und auf je 1 QuartBobnen mit Pfund feinster Molkereibutter schnell vermischt und sodann auf runder Schüssel bergartig angerichtet. Die Matjesheringe besserer und frischester Sorte wässert man eine Stunde lang und servirt sie in große Stücke geschnitten ohne Gräten. Hierzu schneidet man den Kopf ab. löst vorsichtig das Rückgrat heraus (nicht schneiden, sondern reißen!) und theilt den Hering erst der Länge nach in zwei Hälften, die man dann in schöne, fingerlange Stücke - schneidet. In ihre vorige Form gelegt und mit Petersilie verziert, werden die Heringe mit einem großen Stück recht klaren Eises belegt und sodann servirt. Bei Matjesheringen kommt alles daraus an, daß sie recht kalt angerichtet werden. Die Heringe, wie recht feine Cervelatwurst wird auf einer ovalen Schüssel zu den Scknittbohnen gereicht. Obiges Gericht bildet ein sehr feines Entree bei Diners. Die Cervelatwurst darf nicht fehlen, da manche die Zusamnttnstellung von Schnittbohnen und Hering nicht lieben. Kalbsleber in Dampfs a u c e. Man häutet eine Kalbsleber und schneidet sie in große, 1 Zoll dicke Scheiben, welche man fein spickt. Alsdann legt man dieselben in steigende Butter, fügt eine Citronenscheibe, ein Lorbeerblatt, Pfefferkörner, englisch Gewürz und eine Nelke bei und gießt nach und nach eine Tasse Bier, eine halbe Tasse saure. Sahne und eine halbe Tasse sauren Wein in die Sauce, die Leber fleißig beschöpfend. Auch kommt eine feingewiegte Zwiebel hinzu. Dies alles schmort man gar, stäubt, etwas Mehl an die Sauce, streicht dieselbe durch ein Sieb und richtet sie über den Leberscheiben an. F?ür eine sehr große Personenzahl ist es vortheilhaft,' eine Rindsleber, imt oben angegeben, zu bereiten. Dieselbe ist im Geschmacke kaum von Kalbsleber unterscheidbar, aber viel billiger. Mockturtlesuppe. Ein gro ßer Kalbskopf, btx ganz frisch fein muß, wird gut gereinigt und einige Stunden gewässert. Dazu kommen ein Ochsenmaul, Wurzelwerk und gelbe Rüben, (Möhren). Dies alles wird zusammen gar, doch nicht zu weich gekocht; nach dem Erkalten wird alles Fleisch abgelöst und in kleine, längliche, viereckige Stückchen geschnitten. Dann macht man einige Schalottcn und Mehl in steigender Butter braun, rührt von Bouillon und Kopfbrühe dazu, giebt das geschnittene Fleisch, etwas feingehackten Tragon, Cayenne - Pfe,.r und braunes Gewürz hinein läßt dies y Stunde durchkochen. Zuletzt kommt ein Glas Arrak, sowie, zu feineren Mittagessen, ein Glas Madeira, feine Kalbfleischklößchen und einige hartgekochte, in Würfel geschnitt.ne Eier daran. Diese Suppe muß recht gebunden, doch ja nicht zu dicklich sein.. Man kann, bevor der Wein dazu gerührt wird, entweder noch etwas braungemachtes Mehl oder Brühe hinzufügen. Rinderbrust mit Schnittlaucksauce und Gemüsen. Man :hut die Brust in einen Tops und füllt soviel Wasser darauf, als man Bouillon haben will läßt dieses langsam 45 Stunden kochen, nimmt aber sorgfältig den Schaum ab, falls man die Brühe nicht in einem Topf mit fest schließendem Deckel hat. Nach Verlauf von 3 Stunden erst thut man das Wurzelwerk dazu, nimmt daS Fleisch, das vor dem Ansetzen gut mit Bindfaden umschnürt wird, aus der Brühe heraus, füllt das ausgebrachte und von der Oberfläche der Brühe abgeschöpfte Fett nebst etwas Bouillon darüber, bestreut das Fleisch mit Salz, bedeckt es mit Filtrirpapier, legt dann den Deckel auf die Kasserole und stellt das Fleisch in diesem Sud bis zum Anrichten recht warm, jedoch darf nicht versäumt werden, es öfters zu begießen. Beim Anrichten umlegt man es mit recht verschiedenen Gemüsen, die alle in Salzwasser abgekocht und dann mit frecher Butter durchgeschüttelt wurden, nachdem das Salzwasser gut abgetropft war. Kohlrabi, Selleriestücke, Schwarznsurzeln und Karotten können auch nach einer Weile in brauner Butter mit etwas braunem Zucker durchgedünstet, Blumenkohl mit brauner Butter, in der geriebene Semmel durchgeschmort wurde, Übergossen werden. Für die Schnittlauchsauce macht man eine weiße Einbrenne, wiegt den frischen Schnittlauch ganz fein, giebt ihn in die Einbrenne und rührt diese dann mit starker Bouillon zur Sauce ab, läßt aber diese Sauce nicht zu dick werden, was man dadurch verhindert, daß man sie nur zweimal aus--kochen läßt. Marinirte Rostbraten. Aus einem guim Rindsrippenstuck schneidet man fein gehackte Scheiben, klopft sie tüchtig und legt sie für zwei Stunden in eine Beize von feinem Speiseöl, Citronensaft, Pfeffer und Salz. Dann giebt man sie u:it sehr wenig Butter in die Pfanne und läßt sie unter beständigem Umschüteln im eigenen Saft rasch gar braten, um sie mit dem Sast aufzugeben. .
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