Indiana Tribüne, Volume 28, Number 61, Indianapolis, Marion County, 2 November 1904 — Page 6

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Europäische Nachrichten.

Wayerr. München. Die Wittwe Jda Her hat ihr gesammtes Vermögen im Betrage von ungefähr 180.000 Mark der hiesigen Stadt zur Einrichtung eines paritätischen Kinderasyls vermacht. Der in den vierziger Jahren stehende, zur Zeit stellenlose Steinmetz Johann B. Mayr von hier, wohnhaft Pariserstraße 14, hat sich :m Hofraum emes Anwesens in Ramersdorf erhängt. Mayr war ein sicherheitsgefährlicher Mensch und sollte sich vor dem Landgericht München I wegen zweier Verbrechen des Diebstahls im Rückfall verantworten. Als Motiv des Selbstmordes wird Furcht vor Strafe angenommen. A)er verarmte anoschaftsmaler August Seidel ist, 84 Jahre alt, gestorben. Seidel malte meistens Landschaften aus der Salzburger Gegend. A l g e l s b a ch. Der kürzlich bei Jngolstadt von einem Vahnzuge getödtete junge Mann wurde durch seine von banger Ahnung an die Unglücksstatte getriebene Mutter als der Gütlerssohn Anton Nandelshofer von hier agnoscirt. Der Bedauernswerthe zeigte schon seit langer Zeit Spuren von Trübsinn. V u r g s l n n. Der Sobn des Burgermeisters Schlöder gerieth auf der Straße von hier nach Obersinn Sinter die Räder einer Dreschmaschinen - Lokomobile und wurde derart schwer verletzt, daß er alsbald starb. Groß-Osthelm. Der mesige Maurer Becker war an einem Neubau in Obernau beschäftigt und stürzte hiebei so unglücklich in die Tiefe, daß er an den schweren inneren Verletzungen verschied. L a n d sh u t. Die Soldnerseheleute Joseph und Anna Mooser von Unterthann wurden beim Kiesgrabek von Herabsallenden Erdmassen verschüttet und sofort getodtet. M l e s b a ch. Eine Munchnerm, Fräulein Sophie Eichleitner ssog. Rauscher Sophie), die seit vielen Iahren in unserer Gegend weilte, wurde im Plutzer - Weiher bei Lichtenau ertrunken aufgefunden. Es dürfte Selbstmord vorliegen, da sich bei der Genannten schon längere Zeit Spuren von Geistesstörung bemerkbar machten. P r i e n a. E h i e m s e e. Im sogenannten Schwarzgraben an der Staatsstraße nach Vernau wurde die schon ziemlich stark inVerwesung übergegangene Leiche des 65 Jahre alten Schmiedes PankrazOtt von Schlüsselfeld, Bezirksamt Höchstadt a. d. Aisch, gefunden. Eine Gerichtskommission begab sich an den Fundort der Leiche. Ried. Der Pfarrer Aloys Pritzi feierte das 70jährige Priesterjubiläum. Der Priestergeis ist 94 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. W a l l e n f e l s. In der Scheune des Gastwirthes Lorenz Strötz brach Feuer aus, dem diese und sieben weitere Scheunen und ein Wohnhaus vollständig und ein weiteres Wohnhaus theilweise zum Opser fielen. ZVUrtternverg. Stuttgart. Der Werkführer der Firma F. Waldbauer hier, K. Hafner, feierte sein 25jähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar wurde von seiten des Prinzipals und der Arbeiter der Firma reichlich beschenkt. Former Aug. Raabe feierte in der Eisengießerei der Firma A. Stoß - Kornwestheim sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Aus diesem Anlaß wurde er von seinem Arbeitgeber wie von seinen Geschäftskollegen etc. mit Geschenken bedacht. B r a ck e n h e i m. Die hiesigeOberamtssparkasse feierte das Jubiläum ihres 50jährigen Bestehens. Der Einlagestand belauft sich dermalen auf etwa 2,700,000 Mark. E u t e n d o r f. Das der Wittwe Kronmüller gehörige, mit reichen Frucht- und Futtervorräthen , angefüllte Oekonomie - Gebäude wurde durch Feuer zerstört. Das Vieh konnte gerettet werden. Die Abgebrannte ist versichert. Es ist dies im Laufe des Sommers der dritte Brandfall. Ohne Zweifel liegt wiederum Brandstiftuna vor. R a g o l d. Dem städtischen Baumwart Raaf, der auf eine 25jährige Thätigkeit zurückschaut, wurde aus diesem Anlaß vom WUrttemb. Obstbauverein ein künstlerisch ausgeführtes Diplom überreicht. O e h r i n g e n. Auf dem SteinHauerarbeitsplatz hinter dem Bahnhof gerieth beim Umlegen, eines Steines der 16jährige Steinhauerlehrling Koppenhöfer von Heuberg mit dem Kopf unter den Stein und erlitt einen Schädelbruch, der bald darauf den Tod zur Folge hatte. P f e d e l b a ch. Ochsenwirth . Arnold in Gleichen, der in seinem Schlafzimmer einen Einbrecher überraschte, wurde von demselben nach kurzem Handgemenge erschossen. Der That verdächtig ist ein Bursche, der sich tags-' über in der Wirthschaft aufgehalten hatte. Schwenningen. Gegenüber dem Waarenhaus von I. G. Stähle zum Volksbazar' brach Feuer aus. Zwei Wohn- und Oekönomiegebäude in der Muslen brannten nieder. W.aiblingen. Der Insasse des hiesigen Armenhauses, Schuhmacher Sulzberger, wurde todt aus der Rems gezogen. ) 'Maden. o a r l - u h e. Kanzlei - Assistent

; Felix Link lies beim Mtniltertum des Innern am Rüppurger Uebergang auf die Maschine des eben ankommenden Eilgüterzugs zu. Der Führer hielt an, in der Meinung, es handle sich um eine Unachtsamkeit Link's. Dieser blieb auch alsbald stehen. Doch als sich die Lokomotive wieder in Bewegung setzte, sprang er direkt auf diese zu. Die Lokomotive ging, über ihn hinweg und er war sofort todt. Es muß ein Moment geistiger Störung einaetreten sein, der den lebensfrohen Familienvater zu der That veranlaßte. F r e i b u r g. Die 65jährigeAgathe Flamm aus Wildthal wurde mit dem goldenen Arbeiterinnen - Kreuz bedacht; sie trat als 15jähriges Mädchen in die hiesige Fabrik von Karl Mez &

Sohne ein. Nachdem die treue. Arbei terin viele labre in der Filiale im Münsterthal schaffte, erwarb sie sich das Vertrauen ihres Brotherrn so sehr, daß sie Vorsteherin in der Filiale Christofsthal bei Freudenstadt wurde. Heidelberg. Der 22 Jahre alte Schlosser Heinrich Wagner, welcher kürzlich durch Messerstiche schwer verletzt wurde, ist gestorben. Hornberg. Der 21 Jahre alte Holzschneider Otto Rosenfelder wurde durch einen Messerstich in den Unterleib lebensgefährlich verletzt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Der Thäter ist der verheiratete, 31 Jahre alte Vorarbeiter Luigi Riva aus Porleza; derselbe ist geflohen. Ludwigshafen bei Mannheim. Auf dem Güterbahnhof wurde der verheirathete Wagenführer Sattel beim Rangiren von einem abgestoßenen Wagen erfaßt, der ihm den linken Unterschenkel abfuhr. Außerdem wurde Sattel am rechten Oberarm und am Unterleib so schwer verletzt, daß er bald starb. Oberachern Dem 78jährigen Christian Falk war beim Mittagessen ein Stückchen Brot in die Luftröhre gerathen, das er nicht mehr herausbrachte. Der Tod trat infolge dessen nach einiger Zeit ein. Wein he im. Im benachbarten Laudenbach feierte der 78 Jahre alte Postschaffner a. D. G. F. Bassann seine goldene Hochzeit. Wieblingen. Zwei von der Kirchweih heimkehrende Italiener erstachen den verheiratheten, 38 Jahre alten Johann Peter Zimmer von hier. Zimmer hatte' an der neu zu erbauenden Eisenbahnbrücke 'Wachedienst ' zu thun und wollte nicht dulden, daß die Italiener Eisenschienen über die Straße legten. 'Ntzeinpfarz. D u r k h e i m. In unmittelbarer Nähe des Bismarckthurmes aufdem Peterskopfe wurde von Ausslüglern eine in den vierziger Jahren siehende männliche Person erhängt aufgefunden. Die Gerichtskommission war alsbald an Ort und Stelle. Der Mann hing an einem Stück Draht, um das er zwei Taschentücher gewickelt hatte. Außer anderen Gegenständen wurde bei dem Erhängten eine noch ganz neue Kleiderbürste gefunden, die folgende Inschrift trug: Otto Voßler, königl. Württemberg. Eisenbahn - Stations vorstand Kirchentellinsfurt. 'Frankenthal. Von einem gräßlichen Unglück wurde die Familie des Tagners Andreas Scherdel in Lambsheim heimgesucht. Ihre zwei Knaben im Alter von 11 und 8 Jahren waren auf die Straße zwischen Lambsheim und Maxdorf gegangen, Pferdemist zu sammeln. Das ein Jahr alte Schwesterchen hatten sie im Handwagen mitgenommen. An der Reubelhuber'schen Mühle kam ein schweres Kahlksuhrwerk der Firma Grübel, das augenblicklich führerlos, indem der Fuhrmann etwa 40 Meter zurückgeblieben war. Die mit dem Mistlesen beschäftigten Kinder hatten das Herannahen des übrigens langsam gehenden Fuhrwerks überhört und wurden sämmtlich überfahren. Der älteste Knabe erlitt nur leichte Schürfungen, der jüngere gerieth aber unter das Hinterrad, das ihm den Brustkorb eindrückte und Lunge und Herz zerriß, sodaß der Tod augenblicklich eintrat. Das jüngste, 1 Jahr alte Kind wurde vom Wägelchen geschleudert und, kam mit tem linken Oberarm unter ein Rad. Der Arm wurde amputirt. Mundenheim. Der verbeirathete37 Jahre alteFabrikarbeiter Johann Waldmann von hier sprang in selbstmörderischer Absicht in denKleinHölzchen Eisweiher und ertrank. Die Leiche wurde nach einiger Zeit geländet. Der Verstorbene zeigte seit einiger Zeit Spuren von Trübsinn. AlsimUnionLeague Club in New York kürzlich die Chancen Parker's, der bekanntlich hellblond ist, besprochen wurden, wetteten mehrere Mitglieder, daß ein rothhaariger Mann nie Präsident der Vereinigten Staaten war." Um sich zu überzeugen, ob Jefferson rothhaarig war, begab sich ein Comite nach Washington, um das Stuart'sche Bild Jefferson's, das sich im Rothen Saale des Weißen Hauses befindet, zu studiren. Die Mehrheit des Comites stellte fest, daß Jefferson Nicht roth, sondern, wie Parker, hellblond war. Mithin haben Jene, die wetteten, daß ein Rothhaariger niemals Präsident war, gewonnen. Die Hauptsache ist, meint dazu ein New Yorker Blatt, daß ein Prastdent Haare auf den Zähnen hat; ob er nun roth, blond oder schwarz ist, bleibt sich gleich.

Schutztrnppenleden in Sudvest-afrika.

Selbsterlebtes von R. Hartmann. Herr Feldwebel! es ist vier Uhr!" mit diesen Worten zieht der Posten dem Schlafenden die Decke vom Gesicht. Ein Strecken und Dehnen unter der Decke, um die von dem harten La-ger-auf Gottes Erdkoden schiefgelegenen Rippen, Schulterknochen u. s. w. wieder in die natürliche Lage zu bringen. Durch den kühlen Morgenwind vollends munter, springt der Feldwebel auf, und laut schallt über die friedlichen Schläfer hin fein Commando: Pferde einfangen!" Tiefe Dunkelheit herrscht noch, die Stille der Nacht wird nur unterbrochen von dem klagenden Geheul der Schakale und dem Geräusch der angetriebenen Pferde Doch schon beginnt es sich zu regen. Einige wenige, die ihren Rock Abends ausgezogen haben, ziehen ihn wieder an,' di: meisten entledigen sich ihrer Sachen . beim Schlafen überHaupt nicht, legen nur den Patronengürtel ab, der nebst dem Gewehr neben dem als Kopfkissen dienenden Sattel liegt. Jetzt aber hoch, rasch werden die Decken und Mäntel ausgeschlagen, Kochgeschirr, Proviant und überzählige Decken in einige Säcke gestopft und auf die Ochsenwagen geworfen, und nun geht es mit der Trense oder Kandare zu den Pferden. Dabei entwickelt sich ein munteres Lild; auch der letzte Zug von Verschlafenheit und Schwerfälligkeit ist verschwunden; jeder ist darauf bedacht, mit Schnelligkeit oder mit List sein Pferd einzufangen. Das ist oft nicht leicht; frofcdem es viele ruhige Thiere gibt, die sich willig greifen .lassen; eine Anzahl ist doch darunter, die die Ehre, sich täglich von einem Menschen in glühendem Sonnenbrande stundenlang das Rückgrat massiren zu lassen, noch nicht zu schätzen wissen. Diese erspähen die kleinste Gelegenheit, um durch die Mauer der ste umgebenden Reiter durchzubrechen und Reißaus zu nehmen. Dies geht dann gewöhnlich nicht anders ab, als daß sie noch einige andere Pferde mit sich fortreißen. Nun heißt es: Lausen! Rasch theilen sich die Reiter der betrefsenden Thiere, ein Theil eilt nach links, der andere nach rechts, um die Pferde in di Mitte zu bekommen. Endlich isties gelungen; unter dem üblichen Geschrei und einigen wohlgezielten Steinwürfen werden dieselben wieder-dem Lager zugetrieben, und schließlich sind auch sie der List des Menschen unterlegen. Inzwischen ist auch der führende Offizier geweckt, Und kurze Zeit darauf steht die Abtheilung marschbereit. Aufsitzen! Zu Zweien rechts brecht ab, marsch! Töte rechts schwenken!" Und los geht's, der nächsten Wasserstelle auf dem Wege zum Ziele entgegen. Tiefe Dunkelheit umgibt die in langsamem Tempo ' dahinreitende Truppe, da plötzlich, ein Heller Streifen am östlichen Horizont, und kurze Zeit darauf steigt die Sonne, alles mit rosigem Schein übergießend, am Firmament empor. In tieser Einsamkeit liegt die Steppe da, kein lebendes Wesen scheint sie zu bevölkern, und doch, welch reiches Leben ist darin verborgen! Eskadron trrrab!" Gott sei Dank! nur nicht dies elende Schrittreiten während einer längeren 3eü, das drückt auf den Menschen wie auf den Pserdekörper, ganz abgesehen davon, daß man bedeutend spater auf den Halteplatz kommt und bedeutend früher wieder-fort muß. So geht es eine bestimmte Zeit in flottem Trabe weiter, um dann wieder mit .dem Schritt abzuwechseln, um die Thiere verschnaufen zu lassen. Rasch wird Tabak geschntten, und die Pfeife, das unentbehrlichste Requisit eines Schutztrupplers, angesteckt. Einige stimmen ein Lied an, muntere, oft derbeScherze fliegen hin und her, übel genommen wird nichts, und die den echten Soldaten in allen Lebenslagen kennzeichnende fröhliche Stimmung ist wieder einmal fertig. Den meisten Stoff liefern natürlich etwaige Angewohnheiten oder äußerliche Schönheitsfehler der Angeulkten, wie auch die frühere Zugehörigkeit zu den verschiedenen Truppentheilen vielfach zu Neckereien benutzt wird. Die Witze und Witzeleien bringen Stimmung in. die Kolonne, und bald herrscht die ausgelassenste Lustigkeit, bis die höher steigende Sonne und die damit verbundene Hitze der guten Laune einen kleinen Dämpfer aufsetzt. Nun, lange dauert's nicht mehr, dort hinten hebt sich schon die kleine Kuppe vom weiter entfernt liegenden Gebirge ab, dort ist die Wasserstelle, das nächste Ziel. Noch ein kurzer Trab und Halt, absitzen!" Wasserstelle? Hm, denkt mancher Neuling, Wasser sieht doch in Teutschland klar aus, dies ist ja die reine Mehlsuppe mit allerlei undesinirbaren Bestandlheilen vermengt. Das macht nichts, die Hauptsache ist, daß es eine Flüssigkeit ist," sagt der alte Troupier. Es ist eine Pfanne oder Bley, eine BodenVertiefung mit tonigem Untergrund, in welcher das Regenwasser, da es nicht ablaufen kann, während der trockenen Zeit stehen bleibt. Ganz reines, klares Wasser hat man drüben nicht immer, und trotzdem war seinerzeit der Typhus im Innern etwas Unbekanntes. Nun rasch, wenn vorhanden, ein schattiger Platz gesucht, die Pferde abgesattelt'und es sich bequem gemacht,

wahrend die Gäule unter Aufficht der Pferdcwache zum Wasser und dann in's Gras 'gehen. Oft, namentlich in der Kalahari, geht .es nicht so flink; dort sind die Pfannen noch um 24 Meter durch Löcher vertieft, in welche die Pferde natürlich nicht binunter können, dann heißt es erst Wcsser schöpfen. Ein oder Mei Mann klettern, mit Tränkeimern bewaffnet, hinein, reichen das Wasser einigen etwas höher stehenden Leuten hinauf, und so geht es fort, bis an die Oberfläche. Nun gibt's eine kurze Ruhepause. Kochgeschirr wird, wenn Wagen bei der Truppe sind, auf den Pferden nicht mitgenommen. Er heißt also warten, bis die Wagen heran sind, lange kann es nicht mehr dauern. Gleichzeitig mit den Pferden sind morgens auch die Ochsen angetrieben, unter gellendem Geschrei der eingeborenen Treiber und unter ausgiebiger Benutzung der Karbatsch die verschiedenen, meist 24 Thiere umfassenden Gespanne zusammengestellt, eingejocht, und fort geht's der Truppe nach. Da, eine, große Staubwolke, und unter dem dumpfen Gebrüll der das Wasser witternden Ochsen und dem Knallen der riesigen Peitschen nahen die Wagen heran. Nun beginnt ein rühriges Leben und Treiben. Kaum sind die Wagen angelangt, so sind auch schon die Säcke mit dem Kochgeschirr heruntergeholt. Ein Mann der 46 Köpfe zählenden Kochgruppe schleppt trockenes Holz herbei, ein anderer geht zum Proviantempfang, wieder einsänderer holt Wasser und so fort. Inzwischen ist auch schon ein Schlachtochse heruntergeschossen, abgeledert und zertheilt, daß es eine Lust ist. Angenehm ist es ja zur Mittagszeit allerdings nicht, am Feuer zu hantiren, aber man ist jung, und der Magen will sein Recht haben. Das erste ist Kaffee kochen, denn Kaffee ist das Nationalgetränk und wird viel und stark getrunken, nur Morgens nicht, da man dann gewöhnlich so lange schläft, daß man vor dem Abrücken keine Zeit mehr hat, das stärkende Getränk zu kochen. Doch der gebrannte Kaffee geht zu Ende, nun heißt es, rasch frischen brennen. Ein Kaffeebrenner fehlt allerdings, aber ein Troupier ist in allen Sätteln gerecht, ein Kochgeschirrdeckel oder eine BratPfanne thun dieselben Dienste. Eine Kaffeemühle ist ja meistens vorhanden, fehlt auch diese, so ist auch das kein Unglück. Man stellt sich aufrecht hin, klemmt einen Kochgeschirrdeckel mit gebranntem Kaffee zwischen die Füße und stößt so lange mit' dem Gewehrkolbcn darauf, bis die Bohnen genügend zerkleinert stnd, oder auch, man setzt sich an die Erde, legt einen flachen Stein vor sich hin, schüttet etwas Kaffee darauf und zermalmt ihn, in-

Mm man einen runden Stein hin- und herwiegt. Zum Kaffee wird dann em Stück trockenen Brotes oder auch ein Hottentottenbeef" verzehrt. Letzteres ist ein Stück Fleisch, am besten Hammelrippen, das man mit Salz einreibt, auf die Gluth legt und halb durchbraten läßt. Dann spießt man es aus klopft die Aschenreste, welche nicht gutwillig losgehen, am Stiefelschaft oder mit dem Seitengewehr ab, und ein delikates Frühstück ist fertig. Nun geht es auch an die Bereitung des Mittagessens. Es besteht entweder aus Reis und Fleisch oder aus Fleisch und Reis, höchstens, daß es statt Reis einmal Mehlklöße gibt. Das Fleisch wird meistens geschmort und zwar in Talg, Butter gibt's nicht. Aber schön schmeckt's doch! Das beweisen die unheimlichen Quantitäten, die davon verdrückt" werden. Zum Fleisch ißt man dann den ganz trocken gekochten Reis oder Mehlklöße, die mit der delikaten Talgsauce übergössen werden. Den Schauder, welcher die deutsche Hausfrau bei dieser obligaten Talgsauce überfällt, will ich gern noch durch die Erwähnung erhöhen, daß ein von der Natur nicht mit kräftigen Eßwerkzeugen Ausgerüsteter im Verlauf einer solchen Schmauserei durch den im Munde wieder eine kompakte Form annehmenden Talg leicht Kinnbackenkrämpfe bekommen kann! . Nun weiter! Das Essen ist beendet, die meisten liegen regungslos da, um nach den genossenen Herrlichkeiten ein kurzes Verdauungsschläfchen zu halten, doch auch hier finden sich einige Unverwüstliche, und der edle Skat feiert seine schönsten Triumphe! -Ne-benbei geht auch das Vrotbacken vor sich. Eine Grube wird ausgehoben, ein starkes Feuer darin angemacht, und in der Zwischenzeit der Teig ge-. knetet und etwas Sauerteig daran gethan. Nachdem der Teig etwas aufgegangen ist, bringt man ihn in die Backform, einen viereckigen Kasten aus Eisenbleck; diesen stellt man auf die Gluth und läßt den Brotlaib prdentlich von unten durchbacken. Dann wird die Gluth an den Seiten aufgehaust und schließlich der ganze Kasten damit bedeckt. Das Brotbacken übernimmt gewöhnlich ein dafür besonders Talentirter, denn es kommt vor, daß es nicht ordentlich durchölickt oder klitschig wird, dann geht es dem Betrefsenden aber schlecht, alle Strafen des Himmels und der Hölle werden von seinen Kochgruppen - Kameraden auf fern schuldiges Haupt herabgewünscht. Drei Uhr! Um vier wird abgerückt. Es ist also Zeit, an den Nachmittagskaffee zu denken und Plinsen zu backen.' Diese werden in der Weise hergestellt, daß man Weißmehl mit Wasser zu einem Teig anrührt, falls

ooryanven etwas Mcrer unv Bacrpuiver daran thut, und aus dieser Masse in Talg kleine Kuchen bäckt. Nun beginnt wiederum eim? kurze Schmauserei, und dann geht es an's Zusammenpacken! Denn schon werden in der Ferne die Pferde angetrieben. Nun wiederholt sich dasselbe Schauspiel wie am Morgen, und dann geht eS weiter bis Abends 9 bis 10 Uhr, je nach der Entfernung der nächsten Wasserstelle; ist es erforderlich, wird auch Nachts noch ein Treck (Marsch) gemacht. Das Abendbrot bestebt aewöhnlich aus Brot, kaltem Fleisch und Kaffee, wozu dann am Lagerfeuer die unglaublichsten Geschichten erzählt werden. Nicht so gemüthlich ist das Leben auf dem Marsche während der Regenzeit. Dann gießt es. in Strömen, namentlich Abends und Morgens, Zelte kennt man nicht, und so verbringt man die Nacht unter einem Busch zusammengekauert, naß bis auf die Haut, denn gegen einen Tropenreqen helfen auch" wasserdichte Mäntel ,,k Ttt. vii cyn w:. .

UU Ull XUULL 1LLLLI1. ill UIT VUIIIir erst hoch, dann hat's keine Noth mehr', sie meint es ja drüben besonders aut, und bald ist auch die Kleidung wieder trocken. So geht es weiter, Tag für Tag, bis das Ziel, z. V. Windhuk, erreicht ist. Nun beginnt ein geregelteres Leben, die Pferde werden auf den PferdePosten getrieben, und die Mannschaften beziehen die Feste. Hier war eö zwar meiner Zeit auch nur in der Hinsicht anders als auf dem Marsche, daß man ein Dach über dem Kopfe hatte, aber eine, andere Lagerstelle als auf der Erde, hatte nur der, der sich selbst eine baute oder' bauen ließ: einen viereckigen Rahmen mit vier Beinen daran, einige alte Säcke darüber genagelt. Decken darauf, und das Bett war fertig. Nun glaube aber ja keiner, daß man zu allen Zeiten darauf schlafen konnte. Wer das annahm, hatte nicht mit den unzähligen, kleinen braunen, zutraulichen Thierchen gerechnet, die die Wohnräume der Menschen in den wärmeren Gegenden mit Vorliebe bevölkern. ' In der kälteren Jahreszeit scheinen sie in einen Winterschlaf zu versinken, aber in der heißen! Fahr' wohl, lieber Morpheus! Dann zog man mit seinen Decken auf den Hof, lag sich auf dem harten Bo den sämmtliche Rippen krumm, war aber am anderen Morgen doch froh, daß einem nicht die ganze Haut vom Körper zernagt war. Gegen diese Peiniger sind die kleinen Thierchen, in 'Deutschland öfter Bienen" genannt, die man unterwegs von den Eingeborenen aufliest, immer noch als harmlos zu bezeichnen. Doch nun zurück! Das erste nach der Ankunft ist, reine Wäsche und Drillanzug aus dem Kosfer nehmen, und hinunter geht's nach dem Badebassin, das von den heißen Quellen gespeist wird. Dort wird ordentlich gebadet, reine Wäsche angezogen, die schmutzige wird den eingeborenen Frauen zum Reinigeir übergeben, und nun kommt das ' Beste: Der Löhnungsempfang und, daran anschließend, das Schwelgen in den Genüssen der Civilisation! Dazu zählt der echte Deutsche natürlich in erster Linie das Löschen seines Durstes in Bier, das man auf -dem Marsche zuweilen Monate lang entbehrt hat. Es ist ja billig, die Flafche kostet ja nur 2,50 Mark, dazu eine Büchse Wurst zu 3,50 Mark und dergleichen mehr. An diesem ersten Tage' geht es gewöhnlich sehr fidel zu, so fidel, daß wohl nur die wenigsten am Abend noch langsamen Schritt machen könnten. Am anderen Morgen: Rrrraustreten!" Mit müden, verkaterten Gestchtern kommen die meisten angeschlichen. Nun wird der Dienst eingetheilt, allerdings nicht wie in Deutschland; einige werden als Schreiber verwendet, andere als Maurer, Sattler, Ziegelstreicher, Wegeöauer, Steinbrecher u. s. w., das Handwerkszeug wird vertheilt, und jeder geht seiner Arbeit nach. Das Essen wird auf den Stationen im ganzen bereitet, und man hat nur für sein Frühstück und Abendbrot selbst zu sorgen. Eines Morgens heißt es: Drei Mann vortreten nach Station .!" Dies ist eine kleine Unterstation, das vielen ein buen retiro dünkt. Eine ganze Anzahl tritt 'darum vor, rasch sind drei Mann ausgewählt, die mit frohen Gesichtern abziehen und sich für den Abmarsch fertig machen. Das Leben auf diesen kleinen Stationen, die meist nur wenige Mann Besatzung hatten, war urgemüthlich; als Hauptaufgäbe: Patrouillereiten und Polizeidienst thun und nebenbei schlafen, essen, auf Jagd gehen und Karten spielen. Ganz andere Anforderungen in Bezug auf Strapazen stellt das Leben inKriegszeiten an den Reiter. Da gibt es nur ein Gebot: seine vollej Pflicht als Soldat erfüllen, ob es auch zuweilen tagelang nichts zu essen gibt und Durstesqualen den Körper mit FieberHitze erfüllen. Doch das. ficht den rechten Soldaten nicht an; die Hauptsache ist, daß der Humor nicht verloren geht. Und der ist ja bei der Trupye ZI, Psliii?r tiinn. frnfttsr Männer, da muß es schon hart kommen, wenn trübe Stimmung eintreten soll; selbst im ernstesten Gefecht mit dem listigen, verschlagenen, ..unö'an Zahl zumeist weit überlegenen. Gegner treibt der Soldatenhumor seine erfrischenden Blüthen.

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