Indiana Tribüne, Volume 28, Number 55, Indianapolis, Marion County, 26 October 1904 — Page 7

Jndiaua Tribune, 2 Oktober 1004.

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tt tt 4. T tt .. , . w XX VT 4 j jI j VV (Fortsetzung Mark wechselte schnell das Thema. SSir sehen Beide staubig aus. Weis)! Du. Hansel, ich bin eine alte Freundin Deines Vaters, Du kannst rizhig Tante zu mir sagen, oder auch nur Maria, wie Du willst. Jetzt geh mit in meine Stube, ich wasche Dir die Hände." Asta sah erstaunt auf, als MarZa mit ihrem kleinen Schützling ihr gemeinsamesZimmer betrat und wie ganz selbstverständlich dem Kind die Aerme! aufstreifte, um die kleinen braunen Hände qründlich abzuseifen. 63 ist Hansel Neen, Asta, das Kind von Professor Neen." Ach ist er auch hier?" Um Astas Mund spielten neckische Grübchen. Das nenne ich einen glücklichen Zufall! Oder ist es vielleicht keiner?" Laß das." bat Marka gepreßt. Seit einiger Zeit war das vertrauliche Du" zwischen ihnen eingeführt worden. ' Unten im Garten deckte Liese den Tisch für fünf Personen. Das etwas derbe Leinentuch war leuchtend sauber. Gcgelbe Butter, schwarzes und weißes Brot. Schinken. Eier und eine riesengroße Satte dicker Milch sahen recht einladend aus. Der Rothdornbusch im hohen Glase prangte in der Mitte des Tisches. Mengersky warf schon , hungrige Blicke auf die Speisen. Wenn der Professor nicht bald kommt, fange ich an. Mag er sehen, was übrig bleibt." Aber Marka bat um Geduld. .Ein abgegessener Tisch, ist so unappetitlich." Da kommt der Vater!" schrie Hansel. . Mit ausgebreiteten Armen lief er einem großen, schlanken Herrn in grauem Tcurisienanzug entgegen, der eben, von der Dorfstraße kommend, in den Heckenwez einbog. Mit dem Kind an der Hand betrat Prosessor Neen den Garten. Mengersky und Asta zogen sich unwillkürlich etwas zurück. Marka ging ihm entgegen. Das Kind mochte ihm wohl schon von der guten Tante" vorgeplaudert haben. Mit freundlichem Lächeln ging er ihr ahnungslos entgegen. Erst als sie dicht vor ihm stand, erkannte er sie. ur wollte etwas jagen, aoer er brachte kein Wort heraus. Er hielt ihre Hand in der seinen, unverwandt sah er in ihr Gesicht. Wenig verändert erschien sie ihm. denn die Erregung des Wiedersehens färbte ihre Wangen rosig, ließ ihre Augen glänzen.' Das weiche, dunkelblonde Haar wehte der Wind in kleinen Locken um ihre Schläfen. Mcrfc-S hier?" sagte Reen endlich. Ja ich hab' schon mit Hansel freund sckzaft aescklossen." er ttnch q ucer oas leiqt ergrau . Haar. Wir haben lange nichts mehr voneinander gesehen." Aber doch voneinander gehört. Ich las Ihre Bücher." Und ich bis Konzertiritiken," fiel Reen ein. Wie oft mußte ich an- die letztcn Abende in Moskau denken, wenn Sie mir vorspielten. Ich habe nach Ihren Chopin'schen Nokturnos gedurstet. Marka, der Klang lag mir immer im Ohr." Sie haben e3 nichi vergessen?" Ich habe nichts vergessen, Marka." Sie beugte sich zu deei Kinde und drückte ireLippen in sein weiches Haar. Sie mußte ihre selig strahlenden Augen verbergen. Hansel wird hungrig sein." Sie nahm die Hand des Kindes. Wir wollen essen. Darf ich Sie mit meinen Freunden bekannt machen, lieber Professor?" Ihr leichter Plauderton half ihm seine etwas weltfremde Unsicherheit überwinden. Mengersky und Asta traten aus dem Hintergrund auf das Paar. Die Vekanntschaft wurde durch Mengerskys Liebenswürdigkeit leicht vermittelt. Asta sah ihre Freundin erstaunt an. War das noch dieselbe Marka. die vorhin so müde und gleichgiltig in der Wagene lehnte? Jetzt trat sie schwebenden Schrittes an den Tisch. Mit leichter Hand füllte sie die dicke Milch auf die Teller, reichte das Brot herum und belud Hansels Brötchen mit den zartesten Schinkenscheiben. DaS weiche, zärtliche Lächeln, Uz strahlenden Augen und rosigen ' Wangen ließen sie um Jahre jünger erscheinen. Ueber ihrer ganzen Erscheinung, ihrem Reden und Thun lag mit einem Male ein verklärender Hauch holder Weiblichkeit. Die ernste, herbe Künst lerin trat ganz zurück. Seit vierzehn Tagen bin ich schon bier in Partenkirchen, wo wir bereits oft und gerne weilten," beantwortete Neen Mengerskys Frage. Hansi war so blaß und schmal in Marburg ge worden, -daß ich ihn schnell aufpackte und hierher brachte. Uns Beiden that Luftveränderung noth.' Unser H'auschnrtn Marburg ist nicht mehr recht bebaqlich. Nicht wahr. Bubi?Hansel nickte nur. Er kaute zu eifrig an seinem cyintenbrot. ' Jt wollten gewiß Ruhe haben. Herr Professor, und nun schneit Ihnen

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von Hknr!ette v. Mcerheinlb 4 n u w solch Künstlerdott in Ihr Stillleben hinein." meinte Asta. Ich werde dankbar für Musik sein." Professor N?en sah sehnsüchtig auf Markas schlanke Hände Freilich, ein Flügel wird kaum in Partenkirchen aufzutreiben sein." Und Herrn Mengerskys Violine blieb in München zurück." . Schade schade! Aber S' wollten sich gewiß alle hier ausruhen Das wohl. Aber ob wir es ganz ohne Musik aushalten können, ist mir sehr fraglich. Unsere Frau Wirthin besitzt eine Zither, die hole ich nachher. Fräulein Asta singt." Wie schön wird das werden!" Reens Augen leuchteten, sanfte, geniale Dichteraugen, die ' kurzsichtig über alles Häßliche im Alltagsleben hinwegsahen, um voller Enthusiasmus das Schöne in weiter Ferne hinauszufinden. Was Besseres konnte uns nicht passiren. Daß wir dieser Jugendliebe Markas hser in die Arme liefen, ist ein Glücksfall sondergleichen," sagte Mengersky leise zu Asta, als sie nach beendeter Mahlzeit etwas entfernt von den anderen auf der Wiese hin und her gingen. Die ersten Sterne tauchten mattglänzend auf. Die Formen der Berge erschienen immer gewaltiger in dem unsicher schwankenden Dämmerlicht. Hier breite ich das Plaid aus. '.Wir sitzen dem Paar da drüben außer Seh-, aber nicht außer Hörweite. Nun können sie bei Zitherbeglcitung' da wieder anfangen, wo sie vor acht Jahren aufhören mußten." Glauben Sie, daß das geschieht?" Mengersky stimmte seine Zither. Wir wollen es hoffen schon unsertwegen." Warum?" Weil wir dann ungestörter sein können." Ohne ihr Zeit zur Antwort zu lassen, fing er an zu spielen, die bekannte, wehmüthige Melodie eines alten tliedes:Dn wirst mir'S ja nicht übelttehm'n, vscmx i iiit mehr zu dir komm'n darf Ab und vx sang Asta mit halber Stimme eintTi Vers leise mit. Die wehmüthige Melodie schwebte wie eine leise, ruhrende Klage zu Marka und Reen herüber. Von der Wiese brachte jeder Luftzug wahre Duftwolken des trocknenden Heus, des reifenden Korns Izerllber. Ueber den Bergen lag der funkelnde Sternenhimmel. Hansel, geh jefet zu Bett," sagte Neen. Morgen bleib' ich den ganzen Tag bei Dir. Wir liegen im Heu, sehen m den blauen Himmel hinauf und denken uns was Schönes ja?'" . An Mutti im Himmel?" Ja, Hanst je auch an die." Neen küßte das Kind auf die Stirn, dann schob er es Marka hin. Sie drückte ihre Lippen auf di: Stelle, die sein Mund berührt hatt?. Beide sahen der kleinen Gestalt nach, bis sie im Hause verschwand. Das Kind hat viel an seiner Mutter verloren," sagte Neen ernst. Sie lebte ja. nur für ihn und ihr Haus. Gut. daß sie Ubi nicht sehen kann, w ungepflegt und schient verborgt Beir, sind." Sie empfinden den Verlust Ihrer Frau sehr bitter?" fragte Marka. Ihr Herz schlug laut. In der Seele meines Kindes ja." Und für Sie?" Für mich bedeutet ihr Tod nur den Verlust jeden äußeren Behagens, der Ruhe und Ordnung. Sie wissen ja, daß ich seelisch tief ewsam in meiner Ehe war." Das hat sich in den sieben Jahren, in denen wir uns nicht faben, nicht geändert?" Nein. Wir redeten . eine andere Sprache, sahen jedes Ding mit verschiedenen Augen an. Näumlich eng beieinander innerlich durch Welten getrennt." Konnten Sie nicht versuchen, Ihre Frau zu sich heraufzuziehen?" Er schüttelte müde den Kopf. Sie besaß kein Organ, um übersinnliche Dinae fassen zu können. Ich konnte nur heruntersteigen oder einsam bleiden. Da wa? letzteres besser. Hat sie es nie empfunden, wie fremd Sie sich eigentlich waren? Ich glaube nicht." Was müssen Sie im Stillen gelit ten haben!" Ich hatte' meine Arbeit und die Erinnerung an einen reichen, wundervoll len Frühling Marka, alle Erzeugnisse meines , Denkens sind, nur die fruchte jener Bluthezeit. Kann das wahr sein?" Sie legte . c ' rr ov yano uoer oie ÄUgen. Ja. es ist so," sagte er einfach. Athemlos wartete sie auf seine folgenden Worte. Aber er schwieg und sah ernst vor sich nrn. Warum bat er nicht: Sei meinem Kinde eine Mutter komm m mein em sames Haus!" Jubelnd würde sie ihre Kunst, ihr freies Leben hingeworfen haben ohne Klage, ohne den Gedanken, em Opfer damit zu. bringen. Aber er sprach die erlösenden Worte mcht.

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Das Zitherspiel verstummte. Nur die Grillen zirpten noch im Grase. ! Ich habe Ihr Leben nur durch Zeitungsberichtc verfolgen können," nahm Reen nach einer Pause das Gespräch wieder auf. .Alles Glanz und Triumph." Vom. Standpunkt eines Zeitungsreporters aus gesehen ja. Ich dächte, das Auge eines Freundes könnte tiefer sehen. Von meiner mühseligen Arbeit, den oft verzweifelten Kämpfen, in denen jede Künstlernatur oft vergebens nach Ausdruck ringen muß, von meiner tiefen Herzenseinsamkeit nein, davon stand in den Kritiken nichts. Auch nichts von dem Durst nach wahrem Verständniß." Wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Sie möchten dochgewiß Ihr Künstlerleben n.'t keinem anderen vertauschen?" Sie .merkte in ihrer Erbitterung nichts von der athemlosen Spannung, mit der er auf ihre Antwort wartete. Natürlich nicht." sagte sie nach einem kurzen Stillschweigen ruhig. Aber es wird kühl ich muß Asta rufen; die könnte sich auf der feuchten Wiese erkälten." Sie stand auf. Reen blieb auf seinem Platz sitzen. Mengerskys Zither lag achtlos im hohen Grase. Er hatte den Arm um Astas Schultern geschlungen. Ihr blonder Kopf lehnte an seiner Brust. Der Mond, der langsam über den Bergen heraufkam, beschien hell ihr liebliches Profil. Er schien ihr etwas zuzuflüstern; ab und zu drückte er seine Lippen leidenschaftlich auf ihren Mund oder in ihr lockiges Haar. Markas Schritte blieben geräuschlos in dem weichen Grase. Sie stand unmittelbar vor dem Paar, ehe Mengersky sie bemerkte. Mit einem halb unterdrückten Ruf des Unmuths gab er Asta frei, die sich wie ein schläfriges Kind aus süßen Träumen aufrichtete.

Schon so spät? Wir sollen schlafen gehen? Gut, Marka ich komme. Mor gen ist ja wieder ein Tag ein himm lisch schöner, sonniger Sommertag. Der Ausdruck der Glückseligkeit in ihrem süßen jungen Gesicht that Marka weh. Ohne Mengersky anzureden, legte sie ihren Arm um Asta und führte sie mit sich fort. Mengersky blieb auf der fast taghell vom Mond beschienenen Wiese stehen. Einer unbezwinglichen Aufwallung seiner exzentrischen Natur nachgebend, warf er sich plötzlich in das Gras und drückte seine Lippen auf die Stelle, wo eben noch der junge, blühende Korper des schonen Mädchens ruhte. - Die Gräser und Blüthen kühlten seine heiße Stirn mit feuchtem Tbau. . 9. K a p i t c 1. oldene Sommertage mit unveränderlich blauem Himmel über grunschimmernden Matten und Gelßbubeniodeln wohin man ging. Marka. Professor Reen und Hansel durchstreifen nur die nächste Umgegend. Langsam schlenderten sie auf den bequemsten Wegen, indeß Han sel, die Hände voll Blumen, vor ihnen her sprang. MengerSky und Asta wagten sich wuter hinauf, hoch hinein in die Pracht der Alpenwelt. Sonnverbrannt, heiß und müde, aber stets sehnsuchtig, neuc Schönheiten der Berge aufzusuchen, ka meic sie meist erst zum gemeinschaftlichen Abendbrot zurück. Stillschweigend verlängerte jeder seinen Aufenthalt hier. Aber Mengersky hielt es auf die Dauer nicht ohne seine Violine aus. Vte liefe lich leicpt aus uicuneyen herschicken. Schwieriger war schon der Transport eines Flügels für Marka. Aber schließlich ist für Geld alles zu habenund so stand denn auch bald ein alter, aber noch wundervoll singender Vechsiein" in Frau Hubers Wohnzimmer. Vor allem verschrieb Marka einen ganzen Posten leichter Blusen und Leinenanzüge für Hansel. Der arme kleine .Kerl schmorte förmlich in seinem dicken Tuchkittel. Reen küßte ihr dankbar dieHand, als er Hansesso vortheilhaft verändert sah. Das Kind lebte förmlich auf. Marka studirte seine Wünsche und Neigungen. Sie verstand es reizend, njii dem kleinen Jungen zu spielen, der bald mit begeistertet; Liebe an ihr hing. In Reens Augen traten oft Thränen. Ein unbefchreiblich sehnsüchtiger Ausdruck lag auf seinem Gesicht, wenn er sein Kind von weiblicher Liebe und Fürsorge umgeb:n sah. Es rührte ihn tief, diese hochstehende Künstlerin schlicht wie jede andere Frau sich dem Kinde widmen zu sehen. Nein, nicht wie jede andere Frau ihr ganzes Sein und Wesen war doch viele Akkorde höher gestimmt wie die der nüchternen Alltagsnaturen. Sie würde stets auch das einfachste, ruhigste Leben künstlerisch schön zu gestalten wissen. Oft, wenn sie in ihrem einfachen weißen Kleide, liebevoll mit Hansel plaudernd, neben ihm her schritt, lag ihm die Bitte auf den Lippen: Sei mein wie in jener seligen Zeit unserer ersten Liebe. Geh nicht wieder aus meinem Leben fort." Aber er fand nicht den Muth, dies auszusprechen. Seine sensitive Natur scheute davor zurück, ein Opfer zu fordern. Der Tag der Abreise rückte immer näher. . Marka errieth den wahren Grund seines Schweigens. Sie merkte, sie mußte selbst die befreienden Worte sprechen, in denen, wie in einem weichen Mollakkord, sich die traurige Dissonanz seines Lebens, die trübe Schwermuth des ihren lösen sollte.. Nach einem langen, einsamen Spa-

ziergang saßen sie zusammen auf einer Bank, um auszuruhen. Hansel klct-

erte am Abhang herum. Er wird sich schwer wieder in Marbürg eingewöhnen," sagte R?en mit inem tiefen Seufzer. Warum? Man kann es dort doch auch glücklich und schön für ihn machen. Ein Kinderleben muß' so sonnig heuer fern wie ein Maltag. Jede Iahreszeit möchte ich zum Fest machen. Wenn der erste Schnee fällt, brät man Aepfel in der Röhre. Das erste Beilchen im Frühling, der Lerchenubel über den Saaten das kann alles zum Freudenfest werden. Man muß es nur verstehen." Solch einem armen Kinde, das Dienstboten überlassen ist, cann man keine frohe Kindheit schaffen." Weshalb müssen Sie ihn denn Dienstboten überlassen?" sagte sie mit sanftem Vorwurf. Geben Ste ihn mir! Ich will einen schönen Menschen aus ihm machen. Schön sein darauf legt man heutzutage gar mcht mehr Werth genug. Schön sein von außen und innen, .voll künstlerischen Gemeßens jeden Augenblicks, schön in jeder Seelenregung, in jeder Auffassung und Lebensrichtung. Das ist mein Ideal. Das Wort ,schön' hat einen weiten Begriff, gutes, hohes Streben ist darin eingeschlossen." Meindeal ist das auch. Aber wie soll ich es verwirklichen? In unserer kleinen, verstaubten Wohnung mit faulen,1vlderhaarigen Dienstboten, da fmdet sich keine Schönheit. Früher hatte ich wenigstens Ruhe, Sauberkeit und Ordnung. Sie sollen sie wieder hacev. Alle Fenster will ich weit aufmachen, die Sonne muß herein, Staub und Spinnweben heraus. Frohes Lachen, Kinderjubel soll klingen das ist doch die scyonste Musik. Einfaches Leben und hohes Denken das sei unser WahlSpruch. 'Ja?" Sie reichte ihm beide Hände. Marka!" Er stand wie im Traum vor ihr Du Du konntest Deine glanzende Laufbahn aufgeben, um mir in meinem kleinen Haus die Wirthschaft zu führen, mein Kind zu erziehen?" Ich will beides thun." sagte sie fest. Und noch viel mehr. Ich werde Dich lieben, Dein Kind lieben. Euer Leben schön und heiter machen." Das Opfer ist zu groß! Deine Kunst"Pflege ich dabei weiter. Meine Musik ist so mit mir verwachsen, da gibt's keine Trennung. Das Konzertegeben bleiben zu lassen, ist kein 'Opfer. O, Du lieber Träumer in Deine? stillen Studirstube, Du ahnst nichts von 'der häßlichen Seite unseres Lebens. Hältst Du mich für so armselig, daß mir an dem Jubel eines meist sehr verständnißlosen Publikums so viel liegt? Was gebe ich auf? Den Staub, die überhitzte Atmosphäre voller Konzertsäle, den Neid, die Reklame, alles Häßliche fällt von meiner Kunst ab nur das Scköne. Ewige nehme ich mit mir in mein neues Leben, mit zu Dir in Dein stilles Haus Hansel, komm einmal her!" Das Kind lief auf sie zu. Mit einem schüchternen Lächeln bot er ihr seine Glockenblumen und Farnblätter, die in der kleinen heißen Hand schon matt die Spitzen hängen ließen. Marka zsg Hansel zu sich heran. Soll ich mit nach Marburg kommen und bei Euch bleiben?" Hansel nickte eifrig. In seinen großen blauen Augen lag ein glückseliger Ausdruck. Sie küßte ihn auf die Lider. Ganz :!:te Augen!" sagte sie. mnia zu Reen aufblickend. Ich will, sorgen, daß diese lieben Kmder- und Dlchieraugen nur noch Schönes und Gutes sehen. Hansel lief wieder zu seinen Blumen. Wirst Du es auch nie bereuen, Marka?" fragte Reen mit stockender Stimme. Sie. schüttelte den Kopf. Ich bin so lange herumgewondert, jetzt komme ich endlich nach Hause zu Dir. Heimathlos war mein Leben, heimathlos meine Seele, seit Du von mir gingst." Stumm saßen sie nebeneinander Hand in Hand und sahen in die sinkende Sonne hinein. Abends wurde die Verlobung bei einem Glase Rhemwem gefeiert. Frau Huber war selig, daß ihr Pro fessor sich bei ihr eine Frau geholt habe. Hab's Mir gleich gedacht, wie ich das Fräulein'geseh'n hab'," meinte sie. Sie war halt gar so lieb mit dem Bübl. Na, mit der ist der Herr Professor nit ang'führt." Mengersky spielte zur Feier des Tages seine schönsten, schwermüthigsten Weisen. Ein Abschiedsgruß für die scheidende Genossin," sagte er. Asta umarmte Marka wieder und immer wieder. Sie wünschte ihr herzlich Glück, und doch klang durch ihre Gratulationen eine deutliche Verwun derung hindurch. Es erschien ihr so unglaublich, daß man das herrliche Leben einer Künstlerin aufgeben mochte, um ein: kleine Häuslichkeit in Stand zu halten, ein Kind zu erziehen. Da ging es ihr doch besser! "Sie konnte ihre Liebe und ihr Künstlerleben vereinen. Nie' kam ihr der leiseste Zweifel 'an Mengerskys Liebe. Nichts störte ihren blinden Glauben. Wie eingesponnen in ein Netz von goldenen Sonnenfäden genoß sie diese himmlischen Tage. Kein Brief der Ihren, der einen Mißklang hätte bringen können, erreichtesie. Hollens .wußten kaum, wo sie augenblicklich war. An William Normann dächte sie fast nie. Ellen würde ihm sicher alles getreu berichtet haben.. Damit war das lästige Band endgiltig gelöst.

Sie suchte jede leise Erinnerung an ihn zu verbannen, und es gelang ihr vorzüglich. Früh Morgens, oft um fechs Uhr schon, trat sie ihre Bergwanderungen mit Mengersky an. Nur selten nahmen sie einen Führer mit. Er kannte alle Wege und Stege hier wie der älteste Bergsteiger. Manchmal ruhten sie unterwegs an einem schattigen Plätzchen aus. Asta pflückte Blumen. Mengersky wand einen Kranz daraus den er ihr in das blonde Haar drückte. Oft sank er in solchen Mcmenten vor ihr weder, küßte ihre Hände, ihre kleinen Füße, trotz ihrer Abwehr. Laß mich doch! Ich huldige der Schönheit der Königin Jugend." Was bedeutete seinen heißen, sinnenbethörenden Liebesschwüren und Küs-

sen gegenüber die blasse Erinnerung ihrer ersten, halbvergessenen Verlobung? Mengerskys sich oft plötzlich verdüsternde Stimmung, in der er nach solchen Ausbrüchen wortkarg und melancholisch neben ihr er schritt, schob sie auf unberechenbare Künstlerlaunen, ohne sich weiter den Kopf zu zerbrechen. Markas Verlobung, der die Heirath fast unmitteloar folgen sollte, änderte aber auch Astas Pläne. Aus dem langen Aufenthalt in den Bergen konnte nun nichts werden. Professor Reen reiste mit Hansel nach Marburg, um alles möglichst in Stand zu setzen. Marka wollte baldigst folgen, um sich dort mit ihm in aller Stille trauen zu lassen. Vor einem Berliner Winter ohne Marka graute aber Asta, und Menßersky stimmte ihr bei. Ich habe ein glänzendes Anerbieten, nach Amerika zu gehen zu einer Konzerttour. Komm mit mir!" bat er. Insgeheim nannten sie sich jetzt du." Ich kann Dir leicht einen guten Kontrakt verschaffen." Nach Amerika?" Asta überlegte unschlüssig. Was werden meine Angehörigen dazu sagen?" Kind, wenn Du bei allen Unternehmungen Deine Basen und Vettern fragen willst, wirst Du me selbständig," lachte er. Schlag ein!" Sie legte zögernd ihre Hand m di? seine. Er trat dicht vor sie hin. Ich halte sie fest, diese kleine Hand," sagte er mit leicht bebender Stimme. Ich lasse sie nicht wieder los. Es ist für uns beide das beste, Asta. wenn wir in einem anderen Erdtheil sind. Wir lassen allen Altweiberklatich. alle kleinlichen Ansichten in der Alten Welt zurück und fangen ein neues Leben an. Nur ich und Du. Willst Su?" Ich möchte schon." Du mußt! Ich will Dir Vm Leben schaffen, Kind, wie Du es Dir me traumen ließest. Laß die kleinlichen Bedenken fahren. Denke groß! (Fortsetzung folgt.) IjIttncnuShttUdjc Intelligenz. Ja, mein Omar ist ein schlaues Thier. Hole ich gestern meinen kleinen Ofen aus dem Salonwagen, um alte Zeitungen und Schriften zu verbrennen, stopfe ihn voll und zünde ihn an. Trotz mehrfacher Versuche wollte das Papier nicht brennen, der Ofen hatte keinen Zug. Ich überlege einen Augenblick undmache ein paar kräftige Züge durch meine Pfeife. Omar fchaute aufmerksam zu. Da fiel mir ein, daß. ich im Wagen.einen Blasebalg hatte Gehe. v V m WcisM ta ;v 4h iiVi.V'Sftfui ! WWM H ; 44 pAh m i m ; a i.W: jVVKlCy'.ytv- tirtVT.it1 ,D 1 -'S? t r, -. ffr" ' ;vm;f . .j X '.!tr-7' VU . ; .iv tiw.v," 1 in 15; 4'j v..- a mfLV'Jh X5 -vi CVÜMf . XL5,U'' 4- " -jr um ihn zu holen, und wie ich wieder herauskomme, was sehe ich? Sitzt mein Omar ganz stolz am Boden, den Ofen als Pfeife in der Pratzen und zieht wie ein Pastor den Papierqualm durch das Ofenrohr. Natürlich hatte er bald den ganzen Ofen doll aufgeraucht und verband so das Angenehme mudem Nutzlichen." . ' Die Z u ch t g ä n s e darf man im Spatherbste mcht mehr berupfen. ... ' M, l I . weil man lonjt vas zelllge lerlegen und das Brüten beemnachtlgt.

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