Indiana Tribüne, Volume 28, Number 55, Indianapolis, Marion County, 26 October 1904 — Page 5

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Das Goldene Buch" der Deutsihen. Unleugbar ist es. baß weit mehr als lrgend ein anderer Bestandtheil der Bevölkerung die Deutschen dem amerika Nischen Sande die unschäfcbaren Dienste geleistet haben, die Liebe und den Genuß der Kunst anzuregen und zu pflegen. und der Hast und dem Ernst des amerikanischen LedenS da? Licht und die Wärme eine harmlosen Frohsinns beizumischen". Karl Schurz, ein ebenso guter Deutscher, wie treuer Bür ger der Vereinigten Staaten, rief das einst in einer vielbeachteten Rede aus, in der er um Mißstimmungen' zu be feitigen, darlegte, wie kräftig bic Deutfch'Amerikaner an dem Fortschritt des humanen Geistes in den Vereinig ten Staaten mitgewirkt haben. Und feine Ausführungen gewinnen an Be Deutung, wenn man in Betracht zieht, daß gegenwärtig in den Vereinigten Staaten etwa drei Millionen in Deutsch, land geborene Personen wohnen und die Zahl aller aus deutschen Familien stammenden Bewohner mit sieben Mil lionen noch gering angesetzt ist, das macht aber den zehnten Theil der Ge sammtbevölkerung au. Freilich wissen wir auch, daß gerade die deutschem Blute entsprossenen Abkömmlinge leicht ihrer Abstammung, ihres einstigen HeimathlandeS vergessen und sich derart ihrem neuen Vaterlande anzuschmiegen verstehen, daß schon in der zweiten, in der dritten Generation fast jede Spur des DeutfchthumS verwischt ist. Dadurch gehen un? jahraus und jahrein zahlreiche Stammesbrüder verloren, die, wenn auch indirekt, einen bedeutsamen Faktor bilden würden für die Wucht, die Kraft, das Ansehen unsere? jungen deutschen Reiches. Eine Brücke jedoch giebt eS, welche ein starkes Bindeglied bildet zwischen Deutschland und seinen Söhnen jenseits des Weltmeeres, aus der Deutschen Kunst bestehend und dem deutschen Wort, das im deutschen Lied seinen hell fien Ausdruck findet. Mitten im sieber. haft hastenden Getriebe deS unermüdlich regen und strebsamen amerikanischen 'GeschSftslebenS, im tosenden Gewirr des lärmenden Straßenverkehrs, aber auch unter den rauschenden Wipfeln des einsamen Urwaldes und inmitten des Brausens der Wasserstürze deS Niagara schallen unS traute deutsche Weisen ent gegen, und haben manch der Heimath entfremdetes Gemüth wieder mit Stolz erfüllt auf da? theure ferne Land, wo Treue hell Dom Auge blitzt und Liebe warm im Herzen sitzt", und haben in manchem Sohne der deutschen Erde, der von ihr nichts medr wissen wollte, von neuem lebhast erweckt die Freude am deutschen Leben und Weben. Der deutschen Kunst wird es in der Fremde nicht so leicht gemacht, wie dem deutschen Lied. Und doch ist auch sie berufen, unendlich viel beizutragen zur Festigung der Zugehörigkeit zu deutscher Art, zur Pflege nationalen Zu sammenhaltenZ bei den . älteren und zum Verständniß für die Größe des -alten Stammlandes und die rühmvollen Thaten seiner Söhne bei den jüngeren Geschlechtern draußen auf fremder Scholle. Nicht vergebens legte unsere ReichZregierung den größen Werth darauf, daß bei der Weltausstellung in St. LouiS unsere Kunst auf das würdigste vertre ten sein möchte, da sie berusen ist. un ser Vaterland in erster Linie rühmlich zu vertreten, nicht nur in rein künstle rischerBeziebung, denn welch' einStrom warmen deutschen Lebens und StrebenS geht von den Werken unserer Künstler aus, wie quillt aus ihnen hervor der Duft der Heimath und wie wecken sie machtvoll die Erinnerung an all das, was im blutigen Kampfe Deutschlands waffeafrohe Krieger hier, was dort in emsig stiller FriedenSarbeitDeutfchlandS Dichter, Gelehrte, Denker für die Größe des Landes, deS Volkes gethan. Auch das ist eine Sprache, . die mit weihevoller Wucht an die Herzen klopft, und die Gedanken zurücklenkt zu Deutschlands Gefilden, zu Deutschlands Geschichte, zu all dem, was von dem lieben, alten, theuren Vaterlande in reicher Fülle aus gegangen. Daß auch diese Sprache fernerhin beredt.und wirkungsvoll ertönt in. den Ver. Staaten, daß sie sich vernehmlich macht, nicht nur in den prunkenden Wohnräumen der Reichen, sondern auch in den schlichten Gemächern jener, die im harten Daseinskampfe stehen, das will die Ausstellung deutfch-natio naler Kunstblätter der unterzeichneten Kunstverlagsanftalt, die deIeitS auf eine über 100jährige Geschichte zurück, blickt, anstreben. - Große Thaten, große

Männer treten in diesen Kunstblättern, welche in herrlichen Photographien her gestellt wurden, vor unS hm, die Zeit Kaiser Wilhelms deS Großen und seiner Paladine, aber auch die volle Gegen wart mit ihren frischen Erlebnissen und Ergebnissen nationalen Charakters. Zunächst werden diese Blätter, deren näheres Verzeichniß in der Anlage folgt, vereint auf der Weltausstellung in St. Louis, zur Ausstillung gelan gen und. zwar' im Palast der freien Künste, in unmittelbarer Nachbarschaft der Ausstellung der deutschen Reichs druckerei. Sie werden sich dort in ge wähltem Rahmen genügende Beachtung erzwingen, aber eö stehtzu hoffen, daß sie sich auch über die Dauer der Aus stellung am Mississippi hinaus daS Bürgerrecht in den Vereinigten Staaten erwerben, und das ihre beitragen zur Stärkung deS Deutschthums und der nationalen Gesinnung. Dazu berechtigen sie ihr hoher künst lerischer Werth, die Wahl der Maler und Bilder, schließlich der erstaunlich niedrige Preis, der für diese umfang reichen Blätter in einer Größe von 1 m Höhe und m Breite nur ein bis zwei Dollar beträgt, während sonst daS Fünf- und Sechsfache gefordert wird, ja solche deutsch'nationalen Kunstblät ter bisher unseren Landsleuten jenseits des Atlantic überhaupt vorenthalten blieben. Ohne wesentliche Aufwendüngen seitens der unterzeichneten VerlagSanftalt geht dies nicht ab, aber da hier mehr ideelle wie materielle Ziele 'n's Auge gefaßt find, werden die Be strebungen der' unterzeichneten Firma hoffentlich auf ersprießlichen Boden fallen, denn Kunst bra-ucht Gunst". DaS Nationale Comite für die Stiftung des Goldenen Buches" der Deutschen: New Jork, Carl Schurz, Senntor ChaS. A. Stadler, HugoRei finger; St. Louis, Dr Emil Preto rius, Dr. Geo. Richter; New Orleans, Professor Hanna Teiler; Indianapolis, Hermann Lieber, Harry O. Thudium; Chicago, Otto C. Schneider, Judge Theo. Brentano; Baltimore, G. W. Gail. L. P. Henningbausen, Dr. E. Henrici; Milmaukee, Edgar W. Cole man, Emil von Schleiniß, Ferdinand Meinecke; San Francisco, Charles Bundschu, Professor Dr. Julius Goebel, Standford University; Philadel phia,- Rudolph Blankenburg,, Dr. Hexamer, G. A. Schwarz; Cincinnati, Bernhard Bettmann, Dr. Arthur A. Knoch, Dr. N. I. Eisenheimei; LouiSville, William Ruedeman, Philipp Hollenbach; Galveston, John Neethe. Das erste Exemplar hier eingetroffen. Das erste Exemplar deS Goldenen Buches- ist hier eingetroffen und bei Herrn Hermann Lieber, welcher die Sammelftelle für dasselbe übernommen hat, einzusehen'. Wie werden Getränke gekühlt? Alle Getränke und andere Flüssigkeiten, die man rasch kühlen will, setzt, man am besten in kaltes, ziemlich starkes Salzwasser.

S p e ck - P f a n n k u ch e n. Man' schneioe Speck ln Scheiben von der Größe eines Kartenblattes (eine für jede Person oder dem entsprechend auch kleinere), lasse sie in der Pfanne einige Minuten lang auf beiden Seiten braten, gieße den Pfannkuchenteig darüter und backe den Kuchen auf beiden Seiten. Ließen denUnrechten begraben. Unlängst fand man bci Iankton, S. D.. die Leiche eines Mannes im Missouri, der allen Anzeichen nach ermordet wurde. Die Leiche wurde von John W. Wasem von Woonsocket und dem Bankier Wasem in Harrisbürg positiv als ihr Bruder Edward erkannt, sie verwandten $200 auf das Vegräbniß und offcrirten $500 Belohnung für die Ergreifung des Mörders. Der Todte hatte wohl längere Zeit im Wasser gelegen, er hatte aber dieselbe Größe' und Gestalt, die Farbe der Haare und besonders eine eigenthümliche, von einer Wunde herrührende Narbe an der einen Hand. Neulich ist indeß der Todtgeglaubte wohl und munter wieder in WoonsaiZet angekommen. Eine Wolkenkratzerschule wird binnen Kurzem in New Fork errichtet werden, welche mehr als doppelt die Anzahl von Schülern als die bis jetzt größte Elementarschule der Welt erhalten soll. Sie wird an dr Grandstraße an der unteren Ostseite zu stehen kommen und zehn oder mehr Stock mit mindestens IS Massenzim-mern-auf jedem Sto hoch werden. Das ganze Gebäude soll 150 Klassen erhalten und gegen 8000 Kinder unterbringen können. Das einzig Vrenn bare in dem Gebäude werden, die Thuren und Schulbänke sein. Sollte einmal ein Vrand ausbrechen, so brautf man nur das betreffende Zimmer absperren und die Flammen ausbrennen lassen. , . , , ' '

e o .5 $ 4 f Das .grab im Walde ! I 4

? jö.o'ocl!c von 5 Max Treu $: ; 9 5 ? : 5 n der Nähe des hessischen Städtchens Hirschhorn am Neckar, das in malenscher Lage unterhalb , . seiner alten Burg in dem engen Flußthal sich hinzieht, liegt hoch oben in den Bergen, umgeben von prächtigem Hochwald, in tiefer Einsamkeit ein vergessenes, stilles Grab. Kein anderes ist ringsum; allein für sich liegt es da. weitab vom Geräusch der Welt. Ein Holzweg führt daran vorüber; der Wald rauscht sein uraltes, ewiges Lied, und im Frühjahr singen die Vögel aus den Zweigen der Bäume ihre sanften Melodien. Sonst alles still ringsum; nichts stört den Schlaf des Todten, der hier oben von allem Leid und Weh der Erde ausruht. Auf dem schlichten Grabhügel erhebt sich ein schmiedeeisernes Kreuz- das in einem Rothsandstein wurzelt. In der Herzstelle des Kreuzes stehen die Worte: Freischärlers Grab." Und auf dem Sandstein . kündet dem Wanderer eir? Inschrift: Hier ruht ein im Juni 1849 gefallener Freischärler, angeblich aus Mannheim. Name unbekannt." Versunken und vergessen also? Nein, doch nicht! Aber nicht aus Mannheim ist der, der da schlummert. Seine Heimath war in dem großen Lande der Ideale; er war ein Denker und ein Träumer, einer von. denen, die sich in dieser Welt der harten Thatsachen nicht zurechtfinden können, und für die ganz besonders dat Wort des alten Weisen gilt, daß geboren zu fein der Uebel größtes ist. Otto Wallrod war der scharfe Gegensatz zu seinem zwei Jahre älteren Bruder Albert; dieser, ein echter Bürger dieser Welt, ein durch und durch praktischer Kopf, der immer nur das Erreichbar anstrebte, sich nie in weite Pläneund unklare Ziele verlor; jener still und ruhig sich in seine machtvolle Ideenwelt vergrabend, die ihn nie täuschte und trog, die ihn aber auch des realen Lebens mit seinen Förderungen und Folgerungen fast entwöhnte. Sa waren die Beiden zusammen durch's Leben gegangen: Albert hatte Medizin, die materiellste aller Wissenschiften, für sich erwählt; Otto hatte Philosophie studirt und ging in ihrem Gedankenkreise auf. Ter große Königsberger Denker war sein Ideal und das eiserne Gebot der Pflicht sein unbedingter Leöensgrundsatz. Wie fast alle philosophischen Köpfe jener Zeit hatte auch er in stillen Stunden sich für sein geliebtes Vaterland ein politisches Ideal zurechtgemacht, das zu erreichen ihm als das schönste Lebensziel eines Mannes . galt. , Und als nun die Sturm- und Drangjahre im politischen Leben der deutschen Nation,' die Jahre 1848 und 1849, mit ihrer Fülle von Forderungen und Wünschen und mit ihrer ungeheueren Verkennung der realen Thatsachen kamen, da war es für Otto keinen Augenblick zweifelhaft, auf welche Seite er sich zu stellen habe. Die Partei, die ein großes einziges deutsches Reich wollte, in der alle soztalen Ungleichheiten ausgeglichen sein sollten das war natürlich die Partei des deutschen Schwärmers und Traumers. r Im Sturm der Begeisterung, der damals Über den sonst so ruhigen, in sich verschlossenen jungen Mann kam, gelang es ihm sogar, feinen kühlen, bedächtigen Bruder Albert mit fortzureißen; in einem stürmischen Auftritt, in welchem der glühende Idealist vor dem derstandeskalken Realisten stand, wie Marquis Posa vor Philipp II., sanken sich die beiden Brüder in die Arme und beschlossen, gemeinsam in die sich im Frühsommer 1849 in SüdwesiDeutschland bildenden Freischaaren einzutreten, um ihr Leben für ihre große Sache einzusetzen. . Und so geschah es. Treulich trugen sie zusammen das Ungemach der fchweren Tage im Gefecht und auf dem Marsch; es war ihre unumstößliche Ueberzeugung, daß sie für alle Mühen reich entschädigt werden würden: nach allem Lärm der Tage müsse ja schließlich doch der politische Traum zur Wahrheit werden, den so viele, viele damals träumten. Aber es kam alles anders. Die Freifchaar, welcher die beiden Brüder angehörten, war von Heidelberg aus das Neckarthal aufwärts gezogen, um in Verbindung mit den Hanauer Turnern, die von Norden her über den Odenwald kamen, den heranrückenden bayerischen Truppen Widerstand zu leisten. In Hirschhorn wurde Halt gemacht, das Schloß besetzt und alles zur Vertheidigung eingerichtet; das friedliche Neckarthal hallte wider von Wasfenlärm und. Streitruf.' Eines Tages kam Otto mit freudestrahlendem Gesicht zu Albert, einen Brief hoch in der Hand schwingend. Ami ist in der Nähe!" jubelte er. Fragend sah ihn der andere an. Wie kommt sie hierher? Und wo ist sie?" fragte er. .Sie ist aus dem 'Lärm und Tumult, der in Mannheim, herrscht, geflüchtet, und jetzt weilt sie bei Verwandten drüben über den Bergen, in Schönau." Dabei wies er mit der Hand über die grünen Höhenzüge an dem rechten Ufer deö Flusses. .

(' Dann besuchen wir sie!" entschied Albert. Natürlich!" stimmte Otto jauchzend bei. ,Wie- freue ich .mich' auf die Stunde, sie wiederzusehen!" Ernst legte Albert seinen Arm um den Bruder und sagte: m)u Glücklicher! . Es war eine seltsame Geschichte geWesen. Beide Brüder waren in 'tiefer Neigung für das junge Mädchen, erglüht, das einer guten Mannheimer Familie entstammte, bis Albert zu Gunsten des jü?l.zeren Bruders von seinen Bewerbungen zurücktrat. .Lag es doch deutlich vor seinen Augen, daß Anna dem stillen, träumerischen Jüngling den,Vorzug gab; ihn überhäufte sie. mit scherzen und Neckereien, ihm eilte sie entgegen, wenn er kam, während sie dem Aelteren scheu auswich und nur da oder dort ein flüchtiges Wort mit ihm tauschte. So hatte denn Albert eines , Tages nach einer Stunde schwerer innerer Kämpfe dem Bruder gesagt: Greif zu, Glückskind, und ehalte fest!" Aber Otto hatte nicht zugegriffen. Noch nicht. Der Tumult der Tage und Ereignisse hatte ihn daran verhindert, und seine angeborene Schüchternheit machte ihn zum-schnellen, leidenschaftlichen Werber schlecht geeignet. So war er schließlich in den Kämpf gezogen, ohne daß es vorher zu einer Erklärung gekommen wäre. Wie groß war daher seine Freude, als er nun die' Kunde erhielt, daß das geliebte Mädchen in der Nähe-weile. " Der zu dem geplanten Besuch gewünschte Urlaub wurde, da ringsum noch kein Gegner stand, den beiden Brüdern ertheilt, und schon rüsteten sie sich zum Aufbruch, als plötzlich der Urlaub Alberts zurückgezogen wurde; an Stelle eines anderen, plötzlich erkrankten Freischärler war dem älteren Bruder, dessen Ruhe, Geistesgegenwart und Umsicht in der Truppe wohlbekannt waren, der Befehl über eine StreifPatrouille ertheilt, worden, die zu Erkundigungen nach' dem Feinde flußaufwärts ziehen sollte. So gehst Du allein, Bruder," sagte Albert. Und mit leisem, wehmüthigem Lächeln setzte er hinzu: .Ich bin ja bei dem, was Ihr Euch zu sagen habt, eigentlich auch überflüssig. Nicht wahr?" Herzhaft drückte er dann beim Abschied dem Bruder die Hand und sagte: . Komm mit guten Nachrichten zurück, lieber Otto!" ,: Der aber hatte nur schweigend genickt und war dann davongeeilt. Ueber das in der ganzen Pracht des Sommers ruhende Gebirge führte ihn der Weg nach Schönau. Feierlich rauschende Vergwälder ringsum, und je höher er zum Kamm emporstieg, um so freier und zuversichtlicher schlug sein Herz. " ' -' Die Liebe und der Sieg das wäre das Glück!" sprach er vor sich hin. . . Und als ob es ihm eine Antwort sein sollte, so klang soeben aus einem nahen Busch der schmetternde Ruf einer Amsel, die sich bei seinem Nahen erhob und mit schnellem Fluge empor zum tiefKsauen Himmel strebte. . - Grüß' Dich Gott, Du gefiederter Himmelsbote!" rief er fröhlich. Ja, Dein freudiges Lied soll mir eine freudige Antwort sein!" Und rüstigen Schrittes stieg er zu Thal. Bald hatte er in dem gar lieblich zwischen grüne Berge eingebetteten Flecken Schönau das Haus gefunden, wo die Geliebte wohnte. Aber anders, als sonst, trat sie ihm entgegen. Kein sonniges Lächeln lag über dem feinen, ausdrucksvollen Gesicht, kein frohes Scherzwort flog ihm, wie sonst, bei seinein Kommen entgegen; ernst und bekümmert streckte sie ihm die Hau!, hin: Seien Sie willkommen, Otto!" Einen Augenblick ließ er sein 'Auge in dem ihren ruhen, dann entgegnete er. indem er auf seine Uniform deutete: Waffentragend komme ich heutezu Ihnen, Anna." Sie neigte das Haupt. k.O welch schwere, bange Zeit!" flüsterte sie. Sie wird vorübergehen, und helle, sonnige Tage werden für uns anbrechen, die uns des Glückes Fülle bringen werden." .. Möchte es so fein." sprach sie leise. Und dann fragte sie, 1 während eine schnelle Nöthe über ihr Gesicht huschte: Warum kommen Sie allein, Otto?" Die Pflicht hat Albert zurückgehtten," gab er' zur Antwort; und er erzählte ihr weshalb der Bruder nicht hatte kommen können. Mit zur Erde gesenktem Blick' hörte sie ihm zu. Ist Gefahr bei einem solchen Streifzu?" fragte sie dann. Er zuckte mit den Achseln. Wenn man im Felde steht,"' entgegnete er, ist rings um uns Gefahr; hier ist sie kleiner, dort größer, unser Leben aber sieht nirgends in unserer Hand! Die Kugel fliegt, und ein Herz wird getroffen wer mag's vorher wissen?" Sie athmete schneller bei seinen Worten; aber- keine Silbe kam über ihre Lippen. Schweigend säße sie lange nebeneinander; es war ein Schweigen wie vor einer großen Entscheidung. Endlich nahm der junge Mann wieder das Wort: 'Anna!" Sie hob das Auge zu ihm empor, und er sah, daß es feucht darin glänzte. Ich möchte Ihnen etwas sagen," fuhr er fort. : Sprechen Sie,.Otto!" . Anna, es wird wieder , Friede wer-

den im Lande, das ernste Waffenkleid wird abgethan, und seinem bürgerlichen Berufe wird der Mann wieder nachgehen dürfen und dann ja dann wird so mancher, der heute noch allein und einsam durch's Leben geht, sich ein Heim gründen wollen. Auch ich " Schnell erhoö sie sich. Jähe. Röthe schoß ihr über das Gesicht. Er aber ließ sie nicht von sich? ihre Hand hatte er erfaßt, und er hielt sie fest. -Anna, eine Frage will ich thun " . Nein, nein!" rief sie hastig. Fragen Sie nicht!" Tiefe Leidenschaft klang aus seinen Worten: Warum soll ich nicht fragen. Anna?" Weil weil ich nicht antworten könnte!" ' .' . Und schnell entzog sie ihm ihre Hand und, eilte davon. Erstaunt sah er ihr nach. Was war das?" murmelte er. Sie ist so anders als sonst. Was ist in das Mädchen gefahren?" Freilich, der große Idealist war kein Kenner des Frauenherzens; die tiefen Probleme, die in diesem liegen, waren ihm noch immer fremd geblieben hatte er selbst doch noch kaum einen Blick in jene seltsamen Tiefen thun können. Aber auch von seinem Auge sollte der Schleier fallen, noch heute. Die Nachmittagstunden brachten den Abschied. Anna begleitete den Freund ein Stück Weges, und erst da, wo hintcr dem Markt des alten Städtchens der Pfad in dn Wald eintritt, trennte sie sich von ihm.' Leben Sie wohl, Otto!" sprach sie leise. ' Sie hielt ihm die feine, schlanke Hand hin, die er lebhaft ergriff und an seine Lippen führte. Leben Sie wohl, Anna! Darf ich eine Hoffnung, eine leise, stille Hoffnung mit mir nehmen? Der Weg, den ich gehe,' ist ein solcher, von dem nicht alle wiederkehren, Anna!" Ich weiß es, Otto. O, mir ist ja so weh und bang um's Herz." Nicht doch, Anna! Das war der Zweck nicht, warum ich kam. Sie sehen wollte ich, in Ihr liebes Auge schauen, Ihre - süße Stimme ' hören und ein freundliches, hoffnungverheißendes Wort mit auf den Weg nehmen, darum kam ich hierher! Noch einmal frage ich, Anna: Darf ich hoffen?" Sie hatte die Hand, auf das heftig pochende Herz gepreßt. Nun fragen Sie doch wieder! Und ich kann Ihnen ja nicht antworten!" Dann ergriff sie seine Hand, sah ihm groß und offen in das Auge und sagte: Otto, versprechen Sie mir eins: Seien Sie Albert ein treuer Bruder und guter Beschützer! Und und grüßen Sie ihn viele, viele Male von mir!" Ehe er .etwas antworten oder fragen konnte, 4rar sie von bannen geeilt wie ein gescheuchtes Reh. , Er aber vermochte sich nicht vom Fleck zu rühren; wie gelähmt blieb er stehen auf der Stelle, wo er stand. Als ob ein heller Blitz vor ihm niedergefahren wäre, der das Dunkel, in dem er erumgetastet, jählings erhellt hätte, so daß er nun klar um sich sehen konnte so war ihm zu Muthe. Seien Sie Altert ein treuer Bruder und guter Beschützer! Und grüßen Sie ihn viele, v::le Male!" So hatte sie ihm gesagt. Ja, freilich, jetzt sah er klar. Aber warum hatte er früher nicht klar gesehen? Warum war auch Albert in der Irre gegangen? Warum nur hatte das Mädchen w.ie eine Sphinx erschien sie ihm jetzt mit ihm, dem jüngeren Bruder, gescherzt und gelacht, 'gespielt und geträumt, und warum war sie dem älteren stets so scheu, und schüchtern ausgewichen? Und wie er sich diese Fragen vorlegte, da wurde ihm klar, daß er das Wesen des weiblichen Herzens nicht kannte, weder er noch sein Bruder Albert. Aber er kam zu keinem Grübeln darüber. Die Thatsache stand hell und deutlich vor seinem Auge; es gab daran nichts zu drehen und zu deuteln, sie liebte nicht ihn, sie liebte Albert. Er hätte aufschreien mögen vor Schmerz und Weh. Todtmüde sank er in das weiche Gras am Wegesrand, barg sein heißes Gesicht an der Erde und ließ seinen Thränen freien Lauf. Warum, warum nur?" stöhnte er. Aber auch auf sein Warum?" erhielt er so wenig eine Antwort wie die ganze übrige Menschheit auf ihre tausend und abertaufend bangen, quälenden, wehmüthigen Warum?" Als er sich endlich vom Boden erhob, um weiter zu gehen, sah er drüben im Westen die Sonne hinter den Bergen versinken. Ihm aber wollte es scheinen, als versinke dort hinten das eine große Ideal seines Lebens, die Liebe, und ringsum werde es Nacht. Nacht? Nein! Noch trug er ja das andere große Ideal unangetastet im Herzen: das große, deutsche Vaterland, von dem er träumte. Das mußte verwirklicht werden, daran mitzubauen hatte er Hand angelegt, dafür wollte er siegen oder sterben. Ein drittes gab es nicht. Und erfüllt von diesem einen lodernden, zehrenden Gedanken, eilte er vorwärts. Nuhigerund ruhiger wurde er im Gehenund fast wollte ihm scheinen, als sei ihm das eine Ideal genommen, damit er für das andere sich mit vollem, ungejchwächter und ungetrennter Kraft einsetzen könnte. Blutete auch das Herz was lag daran? Blut ist nun einmal der Dünger für die große Kulturarbeit der Menschheit! Müde und zerschlagen kam er zu später Abendstunde in Hirschhorn an. 1 . (Schluß folgt.) -

E i n V u b e n ,l r e ! ch.

5 .., " ' " ' - -" t i ;. ---W' . i' ' ' ' lHi! -X&kQ Die Tante schnarcht im erquicklichen Schlafe. Was wollen die Buben?" Denkt Karo, der brave. Geduld und Ruhe, das ist nun dingung. . . O Himmelchen! Welche TantenVerjüngung! Spitz. Fräulein A.: Ich lasse mich, alle drei Jahre pholographiren, das ist sehr interessant. Fräulein V.: Ja, was machst Du denn mit den fürchterlich vielen Bildern?. , Immer nobel. Verschuldeter Baron: Jetzt müssen wir unser letztes Silberzeug auch noch versetzen!" Baronin: Aber um Gotteswillen die Tablette nicht, auf der uns Johann die Briefe überreicht!" G u t e U e b e r s e tz u n g. Kamerad:, Du, was versteht man eigentlich unter nrS arnandi?" Soldat: Die Kunst' von seiner Köchin möglichst viel Wurst zu erlangen." ' Ein Rechtskundiger. Der 7jährige Sohn eines Juristen ist bei Verwandten in den Ferien. Auf einem Spaziergang benimmt er sich ungezogen. Tante Lina gibt ihm deshalb eine Ohrfeige. Da wirft er sich in die Brust und ruft: Du! Bei uns daheim thät' das fünf Mark kosten!" Frech. Dame: So. nun geben Sie daZ .Geld aber nicht wieder gleich für den ordinären SchnapZ aus!" Bettler: Ja, gna' Fräulein,, was thun?" Sekt gibt's nich für so 'nen Sechser!" Widerspruch. Sagen Sie mal, was kostet eS denn in dem Trinkerasyhl pro Monat?" 170 Mark." Ich glaubte.' für die gesummte Pension würden 'nur1S0 Mark gerechnet?" Ganz recht, abe? 20 Mark sind die unvermeidlichen Trinkgelder!" ,

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