Indiana Tribüne, Volume 28, Number 54, Indianapolis, Marion County, 25 October 1904 — Page 5
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Politische Ankündigungen
Dr. Frank A. Morrison ist Kandidat für das Coroner Amt und ersucht um die Stimmen aller deutschen Bürger bei der Wahl am 8. November.
Demokratische Kandidaten. Stimmt für Robert M. Madden, Demokratischer Candidat für' Sheriff von Marion County. Wahl am Dienstag, den 3. November 19M. Chas. E. Cox empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als demokratischer Candidat sür Staats-Scnator. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. James E. McCullough empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als demokratischer Candidat für Countn Staatsanwalt. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. Stimmt für Qooro JSfcotl., Demokratischer Candidat für Trustee von Center Townsdip. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. Henry C. Cox empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion' County als demokratischer Candidat für Nichter des Jugend'Gerickts. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. Adolph G. Emhardt empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als demokratischer Candidat für Repräsentant zur Legislatur. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. James E. Bcrry lMitglied dksITelegraphisten . Vereins, Local 9?o. ?.) empfiehlt sichren Stimmgebern von Center Township als demokratischer Candidat für Assessor von Center Tswnship. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. GruttdeigenthumZ Uebertragungen. Rosamond L. Harrison an Lillian Small it., Lot 97, Fletcher'S Addition, Brightmood, 8750. , ' Walter A. Codle zc. an George H. Teeve zc., Lot 3, Muir & Coble's Subdivifion, Haughville, $600. Alexander C. AyreS an JameS I. Brady LotZ 10 bis 15, AyreS' Süd Meridian Str. Addition, nahe der Gürtelbahn, $2000. Frederick Hilkene an Ben Coleman, Theil nordwestliches Viertel, Sect. 15, Tshv. 15, Range 5, Franklin Tshp. $3150. Henry WeM an Tish.i'Mingo Tribe No. 210, I. O. R. M., Lot 77, McCarty'Z 1. Westseite Add., West Indianapolis. S1200. Emil C. Raßmann, Adm., an Jo sephine Brechtel, Theil Lot 17, Sq. 6, Central Park Add., Capital Ave., 1 f f. w rr ' j n s r norollly oer reei. souu. Bridget A. Flaherty an Mary B. Mueller, Lot 50. Arsenal Park Add.. südwestl. von Woodruff Place. $3000. Joseph C. Schaf an George F. MO Culloch. LotS 35 und 36, Ducan's Add., Delaware Str., nahe 14. Str. $25,000. Magdalena Maus u.Ä. an Denfel ben, Lot 59 nnd Theil von 53, Black. ford'S Sub., Außenlot 152, nördlich vom Militär Park. $20,000. Henry Harmening au John W. Warrenberg. Lot 135,. Bradbuiy & Co.'S Südost Add., nahe der Gürtel bahn. $200. William A. Mlck an Lillian F. Thieme, Lot 7, Hyde Park Add., weftl. von Illinois Str.. nördlich von 30 Str. $600. Arthur C. Reid an William E. 'Reid.. Lot 26. Kenwood Add., östlich von Crown Hill. zwischen 32. und 33. Str. $2.800. Joshua C. Standiford an ArtemuZ N. Hadley, Lot 15, Grandview Add. Cornell Ave., na Monon Werkstät . rnfA AA . ' "
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Republikanische (Üandidaten. Stimmt für Edward G. Sourbier Republikanischer Candidat für Sheriff von Marion County. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. W. B. West empfiehlt sich den Stimmgebern von Center Township als republikanischer Candidat für Trustee von Center Township. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. Martin M. Hugg empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion Counch als republikanischer Candidat sür Staats-Senator. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. John McGregor empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als republikanischer Candidat für County-Commissär des 2. Distrikts. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. Henry W. Klausmann empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als republikanischer Candidat für' County Surveyor. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. M. L. Jcsserfou empfiehlt sich den Stimmgebern von Center Township' als republikanischer Candidat für Assessor Wahl am Dienstag, den 8. November 1904 George W. Stubb s empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als republikanischer Candidat für - Richter des Jugend'Gerichts. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. Harry D. Tutctviler empfiehlt sich denStimmyebern von Marion County als republikanischer Candidat für County Coroner. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. John E. MeGaughey empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als republikanischer Candidat für County Commissar des 1. Distrikts. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904 Tie Nörgler in Prcnf'cn. Dan ein preußischer Staaisbürge nicht mit allem glatt zufrieden ist, d--weisen die im letzten Jahre bei den pruefzischen Landgerichten erhobenen Beschwerden, die sich auf nicht weniger als 28.492 belaufen haben; darunter sind 324 Beschwerden. - die bei der Kammer für Handelssachen eingereicht wurden. Mit de?. 1178 überjährigen Klagen stellt sich die Gesammtzahl der erhobenen Beschwerden auf 29.670, von denen 28.370 Fälle erledigt wurden. und zwar durch Entscheidung 5,412. Von den erhobenen BeschwerU.: sind 10,405 für begründet erachtet worden. Aber nickt nur in Zivilsachcn. allein wird der Beschwerdeweg vielfach betreten., sondern auch, und das in annähernd der halben Höhe, in Strafsachen. Hier wurden im Verichtsjahre insgesammt 13.070 Be schwerdcn erhoben . Bon diesen b?ziehen sich 11,788 über' Richter und 1282 über die Zuständigkeit der Gerichte. Interessant, aber auch vielsagend wegen ihrer hohen Ziffer, sind die im letzten Jahre vorgekommenen Straffachen, von denen 72.09 anhängig im Vorverfah'en waren, dazu die neuen Fälle mit 561.701. sodaß sich dje Gesammtzahl auf 633.799 stellt, trotzdem 93.863 Aniraae und Anzeigen ohne weiteres von der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen und 95,708 an die zuständigen Behörden abgegeben worden sind. In amtlichen Kreisblättern, namentlich in solchen der Provinz Posen, werden' noch immer Anzeigen in polnischer Sprache abgedruckt. Der Minister des Innern hat jetzt angeordnet, daß diesem Unfug durch Aufnahme eines entsprechenden Verbots in den Vertrag, den der Landrath' mit dem Kreisblattverleger schließt, gesteuert wird.
Politisches.
Die County'Behörde ' der Wahl. Commissäre . wird heute Vormittaz im Saale des Superior.GerichtZ No. 2 eine Sitzung abhaltend In derselben wird sie entscheiden, ob der Name des Farbigen, George L. Knox, als unab hängiger Candidat für Congreß auf die Stimmzettel gesetzt werden soll oder nicht. Die Wahl'Commissäre haben gestern die Township und CountyStimmzet U mit Ausnahme des Congresfionellen Tickets bewilligt Die Sentinel Print. ing Co. präsentirte ein Muster von ei nem Stimmzettel, auf welchem der Name .von George L. Knox gedruckt war; derselbe stand unter einem Kreis, in welchem sich ein Bild von Abraham Lincoln befand. pt Commissäre ha ben ferner auch das Gesuch des Dr. JameS Carter, Candidat der Volks Partei in Erwägung .zu ziehen. Der selbe wünscht ebenfalls, daß sein Name auf daS Ticket gestellt werde. Das Gesuch meist 300 Unterschriften auf. Es wird angenommen, daß für die bevorstehende Wahl in diesem, County 290.000 Stimmzettel benöthigt sein werden. In der Mangold Halle, Ecke der Prolpect unb Laurel Straße, findet heute Abend eine demokratische Ver sammlung statt. Die Herren Jacob Woeßner und George Schauer werden Reden in Deutscher Sprache halten. ' 45 Levi P. Harlan, demokratischer Can didat für Congreß, wird heute Abend in Haughville und später in der Phönix Halle sprechen. Heute Allend findet zur Eröffnung der Congreß'Campagne eine republika nische Parade statt. Die Mitglieder der Roosevelt Liga werden sich in der Germania Halle versammeln, um an de.' Parade theilzunehmen. Unter den Auspicien des Demokrat! schen Clubs von EisenbahnAngestellten fand gestern Abend in det Germania Halle eine Versammlung statt, welche sich eines ausgezeichneten Besuches er freute. Die Hauptredner waren (5r Congreß Repräsentant John E. Lamb von Terre Haute,, John S. Beard von Pensacola, Fla., und L..P. .Harlan, Candidat für Congreß in diesem Di strict. Zu derselben Zeit, in welcher obige Versammlung abgehalten wurde, fand in dem Saal des CriminalgerichtS eine ebenfalls gut besuchte -Versammlung des Republicanischen Clubs der EisenbahnAngestellten statt. Herr Samuel Spoone? warder Sprecher des Abends. ' Heute Abend veranstalten die Re publikaner in Englishs Opernbause eine Massenversammlung; Congreß-Re präsentant Charles B. LandiS und Capt. Wm. E.. English werden die Redner sein. Wm. JenningS Bryan wird noch an zwei Tagen in dieser Woche im Staate Jndiana sprechen und zwar am 25. October in Kendallville, Goshen, Warsaw, Nord Manchester. Bolivar, Rochester, Plymouth und South Bend. 26. October: Knox, Nord Judson. Winamac, Monticello, Rensselaer und Hammond. ' IIH Ein friesischer JbykuS. Auf dem Friedhofe des kleinen Dorfes Büttel bei Eeestemünde befindet sich unter einem grauen Deckfam das weit und breit bekannte Grab von Hacke Bätke. Das Kirchenbuch berichtet über ihn nur: 1618, den 27. Oktober, ist Hacke Bätke auf dem L'sumer Felde, als er aus dem Vraunschweigifchen zum Viehhande! gekommen, ermordet. Das Volk aber erzählt sich dazu noch folgende Geschichte, die durch ein Paar auf dem Grabstein gemeißelte Tauben zugleich bestätigt und immer wieder aufgefrischt w:rd: Kurze Zelt nach der Ermordung des Bätke fand in Dedesdorf ?kabr markt statt, zu dem auch die drei noch unbekannten Mörder Freese. Hilliken und Rlnsel kamen. Plötzlich flog ein Schwärm Tauben auf, und einer der Mörder brach in die Worte aus: Seht, da sind Hacke Bätke stne Duben!" .acke Batke? fragte man von allen Seiten, was wißt Ihr denn von Hacke Bätke?" Trotz ihres Leugnenö wurden die dte: festgenommen, und schließlich gestanden sie auch. Dabei erzählten sie: Als sie eben den Bätke in den Sand gestreckt, sei ein Taubenschwarm aufgeflogen, und brechenden Auges habe der Sterbende gerufen: Ji Duben, it Duben, bringt ji et an den Dag!" So sei es denn auch gekommen.
e : : o o !! Hinnch Bütckmus 4 v t unttr Engrlö" : i K i Erz.hlnnlz vom Ernst SUznvcrt 5 o ; 9 o 5 ! (Schluß.) In unserer Stadt, wo der junge, sechzehnjährige Hinrich Butekom seinen Studien oblag, ganz besonders. Söhne und Töchter zweier reicher Patriziergeschlechter feierten Hochzeit) das Gerücht davon hatte sich weit durch das Land verbreitet, und so strömt: viel fahrendes Volk herbei, an der wohlbestellten Tafel mit zu schmausen. Auf dem großen Marktplatz wa:n Zelte und Lauben errichtet, wozu der Bürgermeister gern die 'Erlaubniß gegeben hatte, denn feine eigene Tochter befand sich unter, den Hochzeiterinnen, und während dort die Bevorzugten tafelten und zechten., konnte das Volk auf dem Platze gleichfalls theilhaben an der Freude der Vornehmen. Hier zeigte ein Tanzbär feine Künste, dort trieb auf einem' Kameel ein bunt?e!leideter Affe sein possirliches Spiel, daneben verrieth das .Gaukelbuchem' eines phantastisch gekleideten Mannes die geheimsten Gedanken desjenigen, der in die Blätter hmernbltes; vor den Buden der sahrenden Aerzte ließen die Ausrufer ihre Stimmen erschallen, welche Heilung aller Gebresten vom Gebrauche der Arcän'a verhießen doch all' das Gctümmel mußte schweigen, sobald auf dem quer über den Marktplatz gespannten Tau der Seiltänzer erschien. Was uns heute ganz gewöhnlich däucht, war damals eine außergewöhnliche Kunst, und mit fieberhafter Spannung folgten Aller Augen dem in buntem Flitter in luftiger Hohe Einherscyreitenden. Auch der junge Hinrich Vuiekow befand sich unter der Menge. Sein däterlicher Freund, der Rettor, hatte ihn vom Studiriische aufgejagt mit dem wohlmeinenden Rathes .Sieh Dir auch den Lärm an, er bringt Dich auf andere Gedanken!' So stand nun der Jüngling in der ersten Reihe der Schaulustigen und richtete alle Aufmerksamkeit auf den Seiltänzer. Sicher schritt der bunte Mann daher, schon hatte er die Mitte des Seileö erreicht, und immer triumphirender erschien seine Miene da ertönte ein Geschrei von oben her aus den Lüften. Er stutzte, schaute gen Himmel und 'begann zu straucheln. In starrem Entsetzen verharrten die Zuschauer, kaum ein Athemzug war zu höreiz, deutlich aber klangen an Hinrich Butelows Ohr die Worte: .Kiek, Jürgen, Hinrich Butekow sine witten Engels!' 'Entsetzt drehte er sich um und starrte in die Ssstchier zweier wüster Gesellen, die hinter ihm standen. Ein Sturm wilder Gedanken, vager Vermuthungen überfluthete ihn, und wäre er nicht so eng in die Menge eingekeilt gewesen, er würde wohl zusammengebrochcn sein. Sein Name, feines Vaters Name aus dem Munde dieser fremden Männer gewiß, sie wußten um das Verbrechen! Bevor er sich besann, was er beginnen solle, hatte der Gaukler .auf dem Thurmseile seine Faung wieder gewonnen, winkte dem Fluge wilder Gänse, der schreiend über die Stadt dahinzog, ein heiteres Lebewohl nach und schritt sicher feinem Ziele zu. Damit war das Hauptschaustück vorüber, und di Menge begann sich zu verlaufen. Hinrich'. halb im Taumel, heftete' stch an die Sohlen der Verdächtigen und sah, wie sie meines de? niedrigen Gasthäuser gingen. Was sollte er beginnen? Der Zufall war ihm günstig, denn soeben kam der dicke Stadtsergeant daher und Hinrich vertraute ihm schnell sein Erleoniß und seinen Verdacht an. Der Stadtsergeant holte noch ein paar Kameraden herbei und trat dann in die Spelunke ein, klopfte dem Manne, den ihm Hinrich bezeichnet hatte, auf die Schulter und sagte: ,Na, Kamerad, laß was springen! Oder ist nichts mehr in Butelows, Geldkatze?' Der wüste Geselle sank todtenbleich wie gelähmt in seinen Sessel zurück, sein Kumpan, die Situation begreifend, suchte zu flüchten, wurde jedoch gepackt und -brach nun, gegen den Zusammengesunkenen sich wendend, in grimmiger Wuth los: .Du. Hund, hast uns verrathen mit Aukkown stne witten Engels!'. . Der Andere stöhnte nur: ,Ja, er hatte es gesagt!- Die. witten Engels würden es angeben und sie hab.m's gethan!' So hatten die Uebelthäter in der ersten Ucberraschung ein Geständniß abgelegt, das ste freilich im Gefängniß widerriefen, doch ohne Erfolg. Sie verwickelten sich in Widersprüche, der Eine gab dies Zu, der Andere jenes, Beide in der Meinung, vom Mitschuldigen verrathen zu sein, und noch ehe die ihnen angedrohte peinliche Frage' zur Anwendung kam, bequemten ste stA zum vollen Bekenntniß. Dmch dieses wurde aufgeklärt, wie s den Verbrechern möglich gewesen war. den. kräftigen, trefflich bewaffneten Vutekow ohne Gegenwehr zu bewältigen.Der Vorgang in der Nacht vom 4. zum 6. August 162? hatte sich folgendermaßen zugetragen. Aldie beiden Söldner' ün dem zechenden Butekow die volle Geldkatze gewahrten, hatten sie sofort den Plan gefaßt, ihn zu berauben. Ihn unter den Tisch zu trinken, mißlang, und da kam ihnen das Prahlen des Halbtrunkenen mit der Schnellig.
kett fetnes Rosses sehr gelegen. ?:e reizten ihn, biZ er auf, dem sofortigen AuZtrag der Wett' bestand. Einmal in's Freie gelangt, gedachten sie seiner schon Herr zu werden. Butekow verlar.zte, daß der Wettritt ihn in die Nähe seines Heims führen müsse, und ste stimmten zu, als ste von dem Walde börten. der ibnen zur Ausführung ihres Vorhabens günstige Gelegenheit zu vie ten schien. Als von fernher der dunkle Saum sich deutlicher im falben Mondlichte abhob, zügelte Vutekow fein Roß: .So, nun zeigt, was Eure Gäule können. Wer zuerst unter den Bäumen anlangt an welcher Stelle, das soll gleich ftin der hat gewonnen, und zum Zeichen dessen stößt er sein Schwert oder feinen Dolch in den nächsten Baum.' ,Ja,' fügte Jürgen hinzu, feinem Kumpan einen heimlichen Puff verfetzend, ,und. damit die Anderen gleich Bescheid wissen und schnell hinzukommen, schießt er sein Pisto! in die Luft!' .Abgemacht enigegnete Butekow, ,also vorwärts!' Die drei Reite? brausten dahin, zunächst dicht nebeneinander, aber bald gewann Butekow einen 'Vorsprung, und er war es, der zuerstden Waldessaum erreichte. Stolz , auf den Sieg feuerte er, zugleich einen Jubelruf ausstoßend, sein Pistol ab, sprang dann, um dem zitternden Pferde Erholung zu gönnen, aus dem Sattel und stieß sein Schwert in den 'Stamm einer Fichte. Nach kurzer Frist waren auch die anderen Beiden zur Stelle, stiegen gleichfalls von ihren Gäulen und traten zu dem tiefathmenden Sieger heran. ,Wahrlich,' rief Jürgen, ihn bei beiden Händen fassend und diese mit festem Griffe schüttelnd, ,mit Euch ist nicht gut Wettreiten.' In demselben Augenblicke aber traf den Ahnungslosen der Dolch des zweiten Söldners in den Rücken, und aufstöhnend sank Butekow zu Boden. Da plötzlich ertönte ein lautes Geschrei durch die nächtige Stille. Der brechende Blick des Unglücklichen richtete sich nach oben, und dort sah er es flattern und flimmern in lichtem, weißem Gefieder. Ihm war es, als öffneten stch die Weiten des Himmels, als schwebten auf ihren Fittichen die Engel hernieder, und mit letzter Anstrengung der Kraft röchelte der Sterbende: ,Die weißen Engel dort oben sollen Euch verrathen!' . Die Mörder selbst waren einen Augenblick erschrocken, aber Jürgen Bötzow erkannte bald, welcher Art der sonderbare Zug am Mondhimmel war, und höhnisch auflachend rief er: .Wilde Gänse! Die mögen uns nur verrathen!' Dmvn badeten die Frevler ihr graustges Werk, und es gelang ihnen, unbchelligt mit ihrer Beute zu entkommen. Diese war, schnell genug verpraßt, und das alte Söldnerleben nahm wieder seinen Anfang, heute bei diesem, morgen bei jenem Herrn, je nachdem die Zahlung war Zehn Jithre führten ste das wüste Landsknechtleben, da brachte der Waffenstillstand, der nur ein Vorläufer des Friedens zu sein schien, ihnen die Entlöhnung, und ste mußten gehen, einen andern Dienst zu suchen. So führte steder Weg wieder an den Ort ihres Verbrechens, denn daß ste hier entlarvt werden könnten, davor hegten sie nicht die geringste Besorgniß. Zehn Jahre des Kriegs- und Lagerkebens verändern den Menschen gewaltig, und ste waren ja vor zehn Jahren nur wenige Tage in der Stadt gewesen. Auch hatten ste sich längst andere Namen beigelegt, freilich für ihren; vertrauten Verkehr die wirklichen Vornamen beibehalten. Auch dies würde
ste nicht verrathen haben, "wenn die Lust de& Verbrechers an der begangenen Schandthat und der Hohn darüber, daß sie ungesühnt geblieben, ihnen nicht verhängniHvoll geworden wäre. Noch manchen" anderen Frevel als die Ermordung Hinrich Butekows hatten sie verübt, ohne viel daran zu denken, aber gerade diese That haftete in ihrem Gedächtniß, weil die Prophezeiung des Erschlagenen sich nicht erfüllte, und oft hatten ste im Stillen an dem Triumph ihrer Ruchlosigkeit sich ergötzt. So war es auch jetzt wieder geschehen, als ste, gleich anderen Landfahrern, die Stadt aufsuchten, in der Festlichkeiten in Aussicht standen, bei denen für eine geschickte Hand und eine derbe Faust vielleicht noch eine bessere -Beute zu erHaschen war, als die Schmauserei auf Kosten der vornehmen Geschlechter. Noch am Morgen des. festlichen Gelages hatten sie untereinander gehöhnt über .Hinrich Butekown stne witten Engels'; und nun schritt in lustiger Höhe über den Köpfen der Menge" d?r bunte Mann dahin, der lärmende Flug wilde? Gänse brachte ihm Gefah?, doch schnell gewann er die Fassung wieder, und da löste stch unwillkürlich von den Lippen Klaas Staakens der spöttische, aber Verderbliche Ruf! Die alte Zeit liebte es, die KapitalVerbrecher an derselben Stätte zu strasen, wo sie ihre Unthat begangen hatten, und so büßten .die Mörder Hinrich Butekows ihre Schuld hart neben dem Steine, der davon berichtete. Dem Steine wurde dann auch die Nachricht von der Strafe hinzugefügt, welche der Frevel durch irdisches Gericht erhalten hatte. ' Da habt Ihr." so schloß Reinhold Wintrop seine - Erzählung, 'die Geschichte von den weißen Engeln Hinrich Butekows, eine Geschichte, , die sich ausnimmt, als sei .ste nur eine Nachahmung der Kraniche des Jbykus, und die doch genau so, wie ich ste hier wiedergege? ben, sich zugetragen hat." Nun wohl." meinte Rauschebart.
an der Wahrheit zweifeln wir mcht. aber wider die Wahrheit geschah es doch, daß Du seinen Jbykuö in einen norddeutschen Fichtenwald hineinpinseltest!" Ei," ??wid:rte Wintrcp, mit dem dargestellten Vorgänge die rechte Stim mung hervorzurufen, darauf kommt es an, und das Beiwerk freier zu behandeln, ist das Recht des Künstlers wie des Dichters! Doch." fuhr er nach einem Weilchen des Zögerns fort, Ihr sollt die ganze Wahrheit-wissen! Auch einen Pinienwald hätt' ich wohl mit Hilfe meiner alten italienischen Sfi zenbücher zu Stande gebracht, und wenn ich statt dessen jenes Stück ur alten deutschen Fichtenwaldes wählte, so geschah es aus Dankbarkeit." Wie, aus Dankbarkeit?" wiederholten erstaunt Alle. Nun, hatt' ich es nicht jenem Fleck Erde ?u danken, daß mir die Idee zu meinem Jbykus kam? Und wenn ich auch keine Ahnung des bevorstehenden großen Erfo.zzs hatte, daß es eiutes Werk werden würde, empfand ich wohl. Zweitens aber" Oho, Gründe wie Brombeeren so billig!" riefe Rauschebart dazwischen. Zweitens," wollte Wintrop fortfahren, aber auch er unterbrach den Faden seiner Erzählung, indem er sagte: Doch ja, noch hab' ich Euch gar nicht mitgetheilt, daß ich in der Laube des freundlichen Pfarrers, bei dem ich eine Woche zu Gaste bleiben mußte, nicht immer mit dem alten Herrn allein saß. sondern lieber noch mit seinem Töchterchen " Oho, Du Wetterkerl, läuft es da hinaus?" Ja, um es kurz zu machen! Dieses Mahl zu Ehren der goldenen Medaille und des reichen Goldsegens ist zugleich das Abschiedsmahl des Junggesellen, denn über sechs Wochen ist Hochzeit. Dazu seid Ihr hiermit Alle geladen, und dann mögt Ihr entscheiden, ob ich .Poseidons Fichtenhain in's Pommer'sche übersetzt, gut getroffen habe. Das Stück Fichtenwald hängt mir, da es den Anlaß gegeben, daß ich meine Braut kennen lernte, am Herzen, und deshalb hab' ich es mit dem Pinsel verewigl. Für mich hat es nichts Schauriges, und seitdem ich es auf die Lernwand gebracht, ist mir's, als sei der Schatten Hinrich Butekows erst wirklich versöhnt. Mir haben seine weißen Engel, die den Mördern zum Verhängniß wurden, Segen gebracht, und ihm danke ich mein Glück!" Ja," rief Rauschebart, der bekehrte Nörgler, fröhlich sein Glas schwingend, Hinrich Butekows Witte Engels sollen leben, und Reinhold Wintrops weißer Engel daneben! Hoch hochhoch!" ' 'Keine Bualislkation. Zu dem Regierungspräsidenten einer mitteldeutschen Stadt kam eines schönen Tages ein Eerichtsreferendar, der von de. glühenden Wunsche beseelt war, öur Regierung überzutreten. Da er ein ausgezeichnetes Examen gemacht hatte und als befähigter Jurist bekannt war, so glaubte der Petent, ihm könne es nicht fehlen, und sah stch im Geiste mit offenen Armen empfangen. In ruhigem Selbstvertrauen hielt er daher dem prüfenden Blick des gestrengen Herrn Präsidenten Stand und bemerkte mit Genugthuung, daß der- erste Eindruck, den dieser von seiner Person empfing, unverkennbar günstiger Naztur war. Und nr.n entspann sich folgender Dialog: Sie sind voll Adel?" Ich bedaure sehr, Herr Präsident." Aber Sie sind doch Reserveoffizier?" Wegen eines unbedeutenden körperlichen Fehlers bin ich leider freigekommen, Herr Präsident." Das ist schade! Doch Sie haben jedenfalls einem studentischen Korps angehört?" Ich bin überhaupt nicht aktiv gewesen, Herr Präsident." Na, dann verfügen Sie wenigstens über ein bedeutendes Vermögen?" Ich lebe in ganz behaglichen Verhältnissen. Herr Präsident, bin jedoch keineswegs reich." Aber, mein Gott, was wollen Sie denn da überhaupt bei uns?" Sprach's und entließ den verblüfften Bittsteller in Gnaden.
Hcst und der Zeitungsmann' ' Der unlängst verstorbene Bundessenator Best von Missouri war den Zeitungsleuten wenig hold gesinnt, trotzdem wohl selten ein Mann, der so lang: im öffentlichen Leben zugebracht, so gut. von der Presse im Allgemeinen behandelt worden ist, wie der Missourier Senator. Der Korrespondent eines New Jorker Blattes kam während -der Tariftage von 1894 im Kapitol zu Washington, D. C., auf ihn zu, als er den Korridor zum Elevator hinabging, redete ihn höflich an, und bat um ein paar Minuten Unterredung. Wie können Sie sich unterstehen, mich wie ein Wegelagerer abzufangen?" schnauzte Best ihn an. Ich bin von meinem Blatte beauftragt worden, Sie um einige Dinge zu fragen," erwiderte der Korrespondent, und ich bedaure Sie zu belästigen, aber ich bin gehalten, die Aufträge meiner Vorgesetzten auszuführen" Sie werden dafür bezahlt, daß Sie mich fragen sollen?" fragte Best den Korrespondenten mitzsammengekniffenen Brau..!. "Der -Korre-spondent bejahte. AfcHch werde.nicht dafür bezahlt. Jhmüszu antworten," knurrte der Senator bissig und eilte von bannen.
