Indiana Tribüne, Volume 28, Number 53, Indianapolis, Marion County, 24 October 1904 — Page 5

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Politische Ankündigungen

Dr. Frank A. Morrison ist Kandidat für das Coroner Amt und ersucht um die Stimmen aller deutschen Bürger bei der Wahl am 8. November.

Demokratische Candidaten. ' Stimmt für Robert M. Maddcn, Demokratischer Candidat für Sheriff von Marion County. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. Chas. E. Cox empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als demokratischer Candidat für Staats-Scnator. Wahl am Dienstag, den 8. November 190. James E. McCullough empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als demokratischer Candidat für County Staatsanwalt. Wahl am Dienstag, den 3. November 1904. Henry C. Cox empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als demokratischer Candidat für Nichter des Jugend.GeriÄts. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. Adolph G. Emhardt empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als demokratischer Candidat für Repräsentant zur Legislatur. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. James E. Berrh (Mltglled deslTelegraphisten. Verein,, Local No. 7.) empfiehlt sichren Stimmgebern von Center Township als demokratischer Candidat für Assessor von 6enter Township. Wahl am Dienstag, den 6. November 1904. Der Tclcphonbetricb der ttJtlt. VeNksZnrechntlze, Gespräche nd ffiBnahmc. . Teutschland, Vorsprung. Laut eiuer Statistik des Werner internationalen Bureaus für Telegra-phen-und Telephonverwaltungen bestanden 1902 in der ganzen Welt 163.255 städtische Fernsprechnetze mit einer Gesammtleitungslänge von 3.407,132 Kilometern (1 Kilometer gleich 0.62 englische Meilen), ferner 19,000 Verbindungen zwischen Städten mit 769,853 Kilometern Leitungslänge und 1,219,099 Fernsprechämter. Auf diesen Drähten wurden rund 2,500,000,000 Gespräche innerhalb der Städte und 16y.990.895 zwischen den Städten geführt. Unter den Ländern Europas stand Teutschland mit seinem Telephonbetrieb in jeder Hinsicht an erster Stelle. Tie Zahl seiner 'städtischen Fernsprechnetze betrug 3692, die der Anschlüsse zwischen den Städten 7593, die der Fernsprechämter 411.534, die der Stadlgespräche 730.340.678, die der Ferngespräche 112.24ö,84ö. ie entsprechenden. Zahlen für die übrigen Länder blieben dahinter weit zurück. An den zweiten Platz war hinsichtlich der Ausdehnung des Fernsprechwesens Frankreich zu setzen mit 2323 stabil scheu und 3471 Zwischennetzen, 100,194 Aemtern, 179,463,000 Stadt- und 9,660,696 Ferngesprächen. Die National Telephone Company" in London hatte nur 958 städtische Netze, 249.817 Aemter und 844.207,104 Gespräche. Die vierte Stelle nahm Schweden in Anspruch mit zwar nur 180 städtischen, aber 1319 ländlichen Netzen, 96.421 Aemtern, 163.266,265 Stadt- und 6,735,016 Fern - Gesprächen. Die Schweiz hatte zwar erheblich mehr Stadinetze (330). aber nur 674 An fchlüsse von Städten untereinander und eine verhältnißmäßig, sehr geringe Gesprächsziffer (insgesammt gegen 30.000.000). Oesterreich stand in der Zahl der städtischen Netze mit 336 nur weniq voraus, in der der zwischenstädtischen (117) noch erheblich weiter zu- " rück, hatte aber mit mehr als 115,000.000 Gesprächen immerhin eine recht starke Benutzung aufzuweisen. - In Rußland ist das Fernsprechwesen noch wenig entwickelt, denn es bestanden 1902 nur 304 städtische Netze, 37 Anscblüsse zwischen Städten, 45.000 Aem . ter. aber es wurden doch 135.000.000 Gespräche geführt, im Verhältniß zur . w , r , , "j. Groke des neimes treuicn eine rncgei kich geringe Zahl. Aehnlich verhalten sich se!bstv:rstanduch Die Einnahmen, die in den verschiedenen Ländern aus . dem Fernsprechverkehr gezogen werden. ftür Deutschland nennt die Statistik von 1902 die Summe von 64.397.121 Francs, für Frankreich etwa 24,000, 000 Francs, für Oesterreich, Schweden. Schweiz, Rußland etwa je 7,000,000

Francs... ' .

Republikanische Kandidaten.

Stimmt für Edward G. Sourbier Republikanischer Candidat für Sheriff von Marion (5ounty. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. W. B. Weft empfiehlt fich den Stimmgebern von Center Township als republikanischer Candidat für Trultee von Center Towuship. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. Martin M. Hugg empfiehlt sich den Stimmgeberlt von Maiion County als republikanischer Candidat für Staats-Senator. t Wahl am Dienstag, den 8. November 190t. John McGregor empfiehlt sich den Stimm gebern von Marion County als republikanischer Candidat für Countn-Commissar - des 2. Distrikts. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. Henry W. Klausmann empfiehlt fich den Stimmgebern von Marion County als republikanischer Candidat für County Surveyor. Wahl am Dienstag, den 6. November 1904. M. L. Jcssersou empfiehlt sich den Stimmgebern von Center Townfhip'als republikanischer Candidat für Assessor Wahl am Dienstag, den 8. November 1904 George W. Stubbs empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als republikanischer Candidat für RichUr des Jugend'Gerichts. Wahl am Dienstag den 8. November 1904. Harry D. Tutelmler empfiehlt sich denStimmgebern von Marion County als republikanischer, Candidat für County Coroner. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. John E. McGaughey empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als republikanischer Candidat für Connty Commissar ' des 1. Distrikts. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904 V:arschle:stu:,g. Ein Reserveoffizier hatte sich, nach dem Leipz. T. für das Herbstmanover mit einem Schrittzähler veriehen. den er während ferner 42tägig?n Uebunaszeit stets bei sich trug. Wach ... sr, ;-,. i den ÄngJven res eraiyes wuroen von seinem Träger in den 42 Tagen insgrr i -i n'oo FstO rr&-u l aMNI -L,öö,UUO Nuiiiic ycmuuyi Davon entfallen auf die Zeit des Rc aimentsererzierens 632.636, auf die DCSJOUSUÜtCfCtjlCilJllö XkJ,JJ UHU UUf y ? , . : - ? -i i-f r rrc v r die Zeit der Manöver 435.870Schritte. Im Dienste wurden 887,945, autze Dienste 350.563 Schritte gemacht. Es treffen also, wenn man die neunSonnund Rasttage abzieht, auf ieden der 33 Uebunastage 26.907 ..dienstliche", auf jeden der 42 Einberufungstage 8346 außerdienstliche" Schritte. Rechnet man nach üblicher Weise 1000 Schritte zu 800 Metern, so wurden im ganzen 990 Kilomete? zurückgelegt, und zwar im Dienst 710. außer Dienst 280. Dienst täglich 22 und außer Dienst 6.6 Kilomete? zurückgelegt werden. Nimmt man für die Schrittgeschwindigkeit den Marschschritt (112 in der Minute )an, so erfordert das Zurücklegen der Gesammtleistung 1.238,508 Schritt eine Zeit von 11.058 Minuten oder 7 Tagen und 16 Stunden; es wären also tägliche Marschleistunqen von rund 4'Stunden zu bewältigen gewesen. Die hochsie Marschleistung ergab an einem Taae 55.926 Schritte, also 44.7 Klome ter. Die nächst höchsten Zahlen von im Dienst gemachten Schritten sind 52.828, 46,506, 44,440, 42,508, 37, 832. Zwischen 30,000 und 35,000 Schritten wurden an sechs, zwischen 20.000 und 3O.C0O an eif und zwischen 10.000 bis 20.000 Schritten an neun Tagen zurückgelegt. Der türkische Marinem i n i st e r nennt ein Vermögen von $12,000,000 sein eigen. Sein Jahresgehalt erreicht die Höhe von $SU,WU.

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Hinrich ZZtttoklNUö wittrngclö" . Erzählung von Ernst Srizuvert s 4 o 5 o o : 5 $ ! 4 uf der berliner akademischen VvL Kunstausstellung im Jahre & 18S9 erregte ein Bild des junaen Malers Reinhold Wintrop großes Aufsehen. Es betitelte sich Jbykus" und stellte, den aus der antiken Mythe und aus Schillers Ballade allgemein bekannten Vorgang dar, wie der gottbegnadete Sänger in Poseidons Fichtenhain" bei Korinth rüchlosen Mördern zum Opfer fällt und brechenden Auges das durch die Lüfte daherziehende Heer der Kraniche als seine Rächer anruft. Wintrop hatte bisher als em hervorragender Vertreter der modernen Kunstrichtung gegolten, welche den antiken Schwindel" als emen völlig überwundenen Standpunkt verachtet, und seine freunde und Bekannten waren deshalb nicht wenig über diesen Rückfall" erstaunt. Aber anerkennen mußten sie doch die geniale Kraft der Ausführung, wie sie in den Gestalten des sterbenden Sangers und seiner Morder hervortrat, wozu der düstere. schwermuthsvoile manenwalo einen außerordentlich wirksamen Hinter gründ bildete. Genug,, was auch aus künstlerischem Parteiinterne Ewige an dem Werke auszusetzen fanden, die all gemeine Anerkennung fiel ihm zu, ja die Jury bewilligte dem Meister eine goldene Medaille, und der Staat kaufte das Gemälde für die Nationalgalleric an. Wer je in Künstlerkreisen verkehrt hat, der weiß, daß solche fröhlichen Ereigmsse ohne festliches Begrüßen und Begießen nicht porübergehen. So war denn eines Abends das Atelier Wmtrops der Schauplatz eines heiteren Ge lages, bei dem es an wohlgemeinten Trinksprüchen auf den weiteren Ruhm des Gastgebers nicht fehlte, aber wie es einmal bei solchen Gelegenheiten ist: der Wein löst die Zunge und bringt manchmal etwas zur Aussprache, was besser verschwiegen geblieben oder doch nicht so derb gesagt worden wäre. Mit guter Absicht .hatte Rauschebart so genannt nach seiner fußlangen, wallenden Gesichtszier das Wort ergriffen, um c;n Hoch auf den Preisae krönten auszubringen, aber unversehens wendete seine Lobrede" sich zu einem kaum verhüllten Angriff. Siehst Du, mein Junge, der große Schinken ist Dir nun famos bezahlt worden, und das freut uns, denn sonst schwelgten wir hier nicht in allen Genüssen des bewohnten Erdballes. Ich aber verspüre einen bitteren Beigeschmack! Wie in aller Welt kamst Du wieder auf die langweilige Antike und den alten Knaben, den Jbykus, mit seinen dummen Kranichen? An solche Geschichte glaubt ja heute kein Mensch mehr! Und eines muß ich Dir noch sagen: den gemeuchelten Sängergreis und die beiden Banditen hast Du ganz famos hingelegt, aber mit Poseidons Fichtenhain kannst Du Dich nur begraden lasten das versteh' ich als Land schafter besser. Schiller- sagt zwar .Fichten, und das darf er auch, denn er hat die poetische Freiheit für sich, aber wir Künstler der Neuzeit, die wir allen Dingen auf den Grund gehen, wissen genau, daß vor zweitausendfunfhunder Jahren bei Korinth nicht unsere nordische Fichte gewachsen ist, sondern die Pinie, welche ganz anders aussieht. Du jedoch malst um Deinen Jbykus einen Fichtenwald, wie wir ihn heute zu Dutzenden in der Mark Brandenburg und in Hmterpommern finden können und das nenn' ich Anachronismus Vergewaltigunavon Zeit und Ort . Die anderen Gaste hatten mit stet gender Besorgniß dem Redner zugehört und meinten, jeden Augenblick könne von Seiten Wmtrops. der erns vor sich niederbückte, eine beftiae Unter brechung erfolgen. Erleichtert athmeten sie auf, als plötzlich der Gastgeber ein fröhliches Lachen hören ließ und, dem wuthigen Rauschebart em Brodkuael chen in's Gesicht schnellend, heiter erklärte: Eberhard hat ganz Recht: es in. r fc.r L.m: . i' : . ii u uze? qeimainuajer , icyienwaio, und ich wundere mich nur, daß Keiner unserer gestrengen Kunstschreiber früher dahinter gekommen ist. Im anderen Puncte befindet sich .freilich Freund Rauschebart auf dem Holzwege.. Mög ltch, daß die Kraniche des Jbykus di reine Mythe sind, aber daß Aehnliches wie davon berichtet wird, vorkommen kann und vorgekommen ist, das will ich Euch beweisen, wenn Ihr alte Gerichts akten als vollgiltige Zeugnisse woll gelten lassen. Erzählen, erzählen!" riefen All neugierig, und Wintrop begann: ' Wie Ihr wißt, suche ich für meine landschaftlichen Studien, die ich als Genremaler doch auch brauche, gerne Gegenden auf, die von der Eisenbahn noch möglichst wenig 'berührt 'sind, wo mcht um zeden Landsec ein Dutzend hossuungsvoller Kunstschuler, und nich in jedem Buchenwalde ein 'pinselndes Damenkränzchen sitzt. So that ich auch wieder im vergangenen Sommer, wo ich unsere Kustenlandichaften durch streifte, und manch' schönes Stück ur alter Buchenhallen, düsterer Föhren walder kann ich Euch m meinem Skiz zenbuche weisen, daneben aus den klei nen Nestern hübsche alte Bauwerke mcht zu vergessen . d Stammtische de

sji Awii, isuii jjcutu iuuncy

IA i M. fS-V V hAM Jft - Ä s(tiget Kauz mir mit oder ohne 2 lMa Modell gesessen hat. NamentIwvA&lZ Städten R eddin lieferte mir reiche ' Ausbcuie, und noch , mehr war mir in Aussicht gestellt, denn änderthalb Meilen vom Orte sollte 'sich ein machtiaer Wald mit Seen darin erstrecken, in der Nähe auch eine Art alten Schlosses Vorhände sein. temes Morgens machte ich mich alle dorthin auf den Weg, aber der Tag war übel gewählt, denn die Sonn: brannte heiß herniede?. und die hol perige Landstraße bot keinerlei Schatten. Neckend winkte von fern die breite. dunkle Linie des Waldes herüber, aber endlos schien mir der Weg dorthin, und als ich endlich den Saum erreichte. fühlte ich mich auf's Aeußerste erschöpft. Schnell nur em gutes Fleckchen zum Ausruhen richtig, da lag ein bemooster Stem, über den icy ..ein Plaid breitete, und so war ein behagliches Ruhekissen hergestellt. Drüben die sengende ?onne, hier erquickende Kuhle, die Augenlider fielen mir zu. Doch es war lein sanfter Schlummer. der mich umfing. Schreckhafte Traumgesichter ängstigten mich, ja schließlich glaubte ich zu spüren, wie der Traum in Wirklichkeit überging. Ganz deutllch empfand ich wie Jemand sich über mich beugte vielleicht um mich zu berauben. Jetzt fühlte ich mich gar von der Faust des Räubers gepackt und mit einem Schrei fuhr ich empor. .Gemach, gemach, junger Herr sagte die freundliche Stimme eines alten Mannes. .Ich hörte Sie im Schlaf so jämmerlich stöhnen, daß ich glaubte, Ihnen einen Gefallen zu thun. wenn ich Sie weckte.' ,Jn der That,' erwiderte ich, .mich haben schwere Träume heimgesucht, von Dieben und Mordern.' .Nun ja,' meinte der Alte, ,das kann hier wohl kommen. Sie haben sich auch em wunderliches Kopfkissen ausgesucht. " ,Ter alte Stein?' ,Ja, der. Lesen Sie nur die Inschrift!' Ich nahm den Plaid von dem Steine und entzifferte nicht ohne Mühe, indem mir der Alte dabei half, folgende Worte: ,A. D. 1025, den 5. Aug., is an dysse Staed Hmnch Buteiow van Bu tLnoorp oerowt und erstan. worn. Herr neme Rache an sine Minder' das heißt h: unserem Deutsch: ,Jm Jahre des Herrn 1625, den 5. August, ist an Dieser Stätte Heinrich Butekow von Butendorf beraubt und erschlagen worden. Der Herr nehme Rache an seinen Mördern.' Damit aber war die Inschrift noch nicht zu Ende, vielmehr standen darunter, augenscheinlich von anderer Hand gemeißelt und nicht nieverdeutsch, sondern .in der Bibelsprache bie Worte: .Wer Menschenblut ver'Vust, dess Blut soll auch durch Meni r?... , Sv... k t tnor jufui.uiuiunni luciuni. x. iuoü. Fragend blickte ich den alten Herrn den ich erst jetzt näher in's Auge faßte, und es hielt nicht schwerin ihm den Landgeistlichen zu erkennen. ,Ja,' sagte er ernst, ,der Stein redet von Verbrechen und Strafe. An dieser Stätte war die Unthat verübt, und hier fand ,sie ihre Sühne. Falls Sie mehr darüber winen wollen, werd' ich s Ihnen gern erzählen, doch nicht hier, sondern bei mir daheim, wo ich Ihnen einen besseren Ruheplatz' bieten kann als den hier. Aber eine kleine Lehre mögen Sie sich gleich gefallen lassen: nach heißem Marsche soll man den Schlummer Nich im Fichtenwalde suchen; der starke Duft der Nadeln erzeugt Kopfschmerzen, Zum Mindesten schlimme Träume, selbst ohne solch' Kopfkissen, wie Sie es heute gefunden haben.' Was ich' nun von dem würdigen Manne in schattiger, kühler Laube er.fuhr, was ich ferner aus den alten Aktenstücken herauslas, die im sögenannten Schlosse von Reddin aufbewahrt werden, das will ich Euch in Kürze erzählen. Ihr werdet eine merkwürdige Aehnlichkeit finden, eine Aehnlichkeit, welche beweift, daß selbst solche alten Geschichten, an welche nach Freund Rauschebart kein vernünftiger Mensch mehr glaubt, durchaus wahr sein können. Im besagten Schlosse also übngens ist es ein ganz schlichter Bau, er heute dem gräflichen Verwalter als Amtssitz dient hauste im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts Hinrich Butekow, kein ritterbürtiger, aber ein reicher und redlicher Mann,der eine ausgedehnte Pferdezucht betrieb und seine Thiere weithin durch das Land verhandelte. Der dreißigjährige Krieg, der diese Gegenden noch nicht berührt hatte, brachte ihm reichen Gewinn, denn auch die Herzöge von Pommern rüsteten, und manchen Auftrieb hatte Vutekow ihnen zu stellen. ' Anfangs August 1625 hatte sich Butekow wieder nach der Stadt mit einer Koppel tüchtiger Gäule aufgemacht und aus seinem Handel reichen Erlös gezogen, den er in seiner Geldkatze um den Leib gürtete. Die Schwäche ihres Eheherrn kennend, hatte Frau Regine Butekow den 5cnechten aufgetragen, nicht von seiner Seite zu weichen, aber als es zum fröhlichen .Weinkauf' ging, schickte Butekow, den die Aufpasser genirten. sie mit derben Worten heim. Sie ritten auch leichten Herzens zurück, denn sie sahen ihn in Gesellschaft bekannter Nachbarsleuie. welche sich fest verschworen, den Gebieter wohlbehalkn wieder daheim abzuliefern, und sei's nicht heute, so gewiß am andrrcn Morgen. Aber nicht an diesem' Tage kehrt?

Hmnch Äutekow heim, auch nicht am

dritten, und so machle die gengstigte Frau Regine sich selbst auf den Weg zur Stadt. Waö sie erfuhr, ließ keinen Zweisel. dan ihr Ebeerr das Opfer eines Verbrechens geloorden war. Auf die Männ?r. di: versprochen hatten, ihm das Geleite zu geben, konnte kein Verdacht fallen, denn nach der leidigen Sitte d?r Zeit hatten sie dem Weine so stark zugesprochen, daß sie das Gelage eher aufgaben, als Butekow selbst, und vom Wirthe zum Ausschlafen des Rausches abseits geschafft werden mußten. Butekow aber hatte noch in Gesellschaft Anderer weiter aezemt. und tefmemur waren 'noch em paar Kriegsmänner hinzugekommen, anschnnend neu geworbene Söldner, die Niemand kannte. Butekow hatte mit seinen Gäulen geprahlt, welche die besten seien im ganzen Lande, die Fremden widersprachen, und da sei er die Wetie eingegangen, daß sie aus ihren Pferden ihn auf dem semigen nicht einholen konnten. Und nicht bis zum anderen Tage wollte er mit dem Austrage warten, sondern gleich beim hellen Mondenschem sollte die Wette entschieden werden. Den Einwand des Wirthes, der Thorwart werde sie zu nächtiger Stunde nicht mehr zur Stadt hinauslassen, habe Butekow mit einem Schlag auf seine gespickte Geldkatze beantwortet. So hätten die Drei in der That satteln lassen und feien von bannen geritten, aber weder Butekow noch die beiden Fremden seien wiedergekehrt. Auch über diese ließ sich Einiges ermitteln. Sie hatten in der That herzogliche Dienste nachgesucht, und der Eine sich Jürgen Bötzow, der Andere Klaas Staaken genannt, aber ob das ihre richtigen Namen gewesen, stand dahin. Wer kümmerte in unruhigen Zeiten, wo es galt, kräftige Arme zu gewinnen, sich darum, wie der Mann hieß, dem sie gehörten? Diese Beiden also hatten Hinrich Butekow bei Seite gebracht,- wie aber war ihnen das möglich gewesen? Der Roßkamm war ein bärenstarker Mann, der Wein, der die anderen Zechgenossen unter den Tisch geworfen, hatte ihm noch nicht viel angethan, und außerdem war er, wie immer, stark bewehrt. Außer Schwert und Dolch hatte er ein geladenes Pistol mit sich geführt, und so hätte er es wohl mit zwei Strauchdieben aufnehmen können. Sie mußten ihn hinterrücks überfallen und gemeuchelt haben. Wo aber war die Leiche oes Ermordeten geblieben? Auch dies klärte sich auf. Ein Bote brachte die Nachricht, der, SchafHirt habe am Saume des Butendorfer Waldes ein abgeschossenes 'Pistol und dann, aufmerksam gemacht .durch-das ängstliche Winseln feines Hundes, im niedrigen Gebüsch versteckt die, Leiche des Herrn gefunden. Die Untersuchung ergab, daß Butekow an der Stelle, wo das Pistol gefunden worden, ermordet worden war. dafür zeugte der blutdurchtränkte Rasen; merkwürdigerweise aber fand sich gar keine Spur, daß der starke Mann Gegenwehr geleistet hätte. Denn er mußte doch die feindselige Absicht erkannt haben, weil er sein Pistol abgeschossen hatte; für einen hinterlistigen Uebcrfall sprach dagegen, daß im Rücken der Leiche noch ein Dolch steckte, dessen Klinge allein den Tod herbeigeführt haben mußte. Um den Vorfall noch räthselhafter erscheinen zu lassen, fand man das Schwert des Ermordeten tief in einen Fichtenstamm getrieben. So viel aber erschien sicker: an dieser Stelle war Butekow erfchlagen und beraubt worden. Die Geldkatze fand man an der Leiche nicht vor, und auch fein Pferd hatten die Mörder auf ihrer Flucht mitgenommen. Die bekümmerte Wittwe ließ an der Stelle, . wo ihr Eheherr einen so furchtbaren Tod erlitten hatte, einen Stein errichten mit der uns bekannten Inschrift, dte-in dem Wunsche gipfelte, daß die Frevler von der Rache Gottes erreicht werden möchten. Frau Regine selbst sollte freilich die Erfüllung dieses Wunsches nicht erleben. Den ausgedehnten Geschäften, wie sie ihr. Eheherr betrieben hatte, vermochte sie nicht vorzustehen; sie veräußerte ihr Anwesen und zog mit ihrem sechsjährigen Knaben in die Stadt, welche ihrem Gatten so verhängnißvoll geworden war. Der Kummer nagte an ihrem Herzen, und . nach einigen Jahren schied sie dahin. Ihrem Sohne aber, dem jungen Hinrich Butekow, hatte sie oft von dem Tode des Vaters erzählt, und auch die Namen der beiden Mörder hatte sie seinem Gedachtriß fest eingeprägt: . Jürgen Bötzow und Klaas Staaken. Die unglückliche Frau bedachte nicht, mit welcher schweren Last sie die junge Kindesseele belud! Hinrich Butekow war ein stiller, ernster Knabe, dem der an seinem Vater begangene Frevel das Gemüth bedrückte. Selbst wenn er, dem' Dränge der Jugend folgend, sich in die Spiele der Kameraden einließ, schwebte ihm der Gedanke an das Vergangene vor. Am äußerlichen Wohle mangelte es ihm nicht, denn er war ein reicher Erbe und hatte am Rektor des Lyceums, bei dem er in Kost und'Pflege stand, einen gütigen und gcwissenhaftey Vormund. Der grausame Krieg, der später nach seiner Dauer der dreißigjährige genannt worden ist, war auch weiter glimpflich mit diesen Landstrichen verfahren; zudem war zwischen den streitenden Völkern ein lange? Waffenstillstand verabredet worden, und während Bürger und Bauern schon des endlichen Friedens sich zu erfreuen hofften, hatten nur die Söldner Klage, die von diesem und jenem Kriegslag entlassen

wurden. Jetzt waren sie billig, aber nicht Jede? wollte sie nehmen, und so geschah auf dem platten Lande von den .Landstörtzern,' die V':les haben und nichts dastr brjahkn ircllicn, :5.anch:Z Ueble. Doch in den S:äd!en mit t:n festen Ringmauern füh.'ie rnan i. ' sicher, erfreute sich bc anscheinend nahe bevorstehenden Friedens, und nach vielen Jahren trübselige: Sorge und Angst regte sich wieder das Verlangen nach heiterer Lustbarkeit. (Schluß folgt.) Teuts ?e in leutslNasrisa. Ueber die Zahl der Deutschen a afrikanischen Schutzgebieten bringen die Mittheilungen des Allz. Deutschen Schulvereins eine dankenswerthe Zusammenstellung. Danach gab es in? Jahre 1803 in Togo unter 163 weißen Bewohnern 155 Deutsche, gegen das fY V -v

orjayr eine Zunahme um t ecien. Die meisten von diesen sind im Bezirk Lome, nahe der Haupjsicdt, ansässig, an zweite? Stelle kommt der. Bezirk Klein-Popo. an dritter Misahöhe. In Kamerun gab es 1903 unter d0 Weißen 561 Deutsche, 67 mehr als im Voriabre. Auf ' die vier Bezirke der Kolonie vertheilen diese Teutschen sich wie folgt: In Viktoria lebten 212. in Duala 202. in. Kribi 112. in Edea 3-d. Von den 155 Deutschen in Toao waren 20 Frauen, darunter 11 Missionsschwestern und 3 Pslegeschwestern; von den Männern waren 70 Beamte. 37 Missionare. 35 Kaufleute und nur 6 Pflanzer. Von den 586 weißen Männern in Kamerun waren 109 Beamte, 93 Schudtruppen-Angehörige, 71 Missionare. 187 Kaufleute, davon 133 Deutsche, und 100 Pflanzer, davon 94 Deutsche. Von den Mission ren waren 56 Deutsche; Beamtenschaft und Schutztruppe bestanden natürlich aus sauter Deutschen. In Deutsch-Ostafrika gab es 1903: 12757Weiße, darunter 1014 Deutsche. 1902 waren es deren 49 weniger. Am dichtesten sitzen die Teutschen im Norden der Kolonie. Im Bezirk Daressalem gab es 270 Deutsche, in Tanga 122,' in Wilhelmsthal 109. Ueberall sonst ist der deutsche Bevölkerungseinschlag viel dünner. 356 Männer gehören in Deutsch - Ostafrika . zur Schutztruppe und zum Beamtenthum, 262 sind Missionare, nur ,138 Kaufleute und nur 91 Pflanzer, davon 100 und 77 Deutsche. Deutsche Frauen und Mädchen sind 113 in der Kolonie, Kinder 86. Am meisten interessirt natürlich Südwestafrika. Hier waren 1903 im Ganzen 4682 weiße Bewohner, davon 2998 Deutsche, gegen das Vorjahr ein Zuwachs von 403 Seelen. Die Buren, deren 1902 noch 1354 in der Kolonie waren, haben sich um fast 400 Köpfe-, vermindert, weil viele Frauen und Kinder nach dem englischen Südafrika zurückkehrten. Die Zahl der' burischen Männerdie für die Kolonie als Ansiedler von Werth sind, ist jedoch um ein Kleines gestiegen. Zum größten Theil leben die Deutschen im Bezirk Windbuk: hier aiebi es ihrer 1119. Der Bezirk Keetmanshoop hat 514 Deutsche. Gobabis 86. Karibib 259. Outja 160, Gibeon 373, Swakopmund 474, Omaruru 164, Grootfontein 49. Im Ganzen stehen 2L04 erwachsenen deutschen Männern 670 deutsche Frauen und 1166 deutsche Kinder gegenüber. Nach Berufen vertheilen sich die Männer wie folgt: Zu Schutztruppe und Veamtenthu.n gchä" ren 939 durchweg de''.tsche Männer; dann giebt es 54 Missionare, darunter 46 Deutsche, 277 Kaufleute und GastWirthe, davon 253 Deutsche. Von 813 Ansiedlern und Farmern sind 00Deutsche. 306 Buren; endlich giebt es 693 Handwerker und Arbeiter, darunter 578 Deutsche. All' diese Zahlen galten für 1903. Seit dem Ausbruche des Herero-Aufstandes haben sie sich stark verschoben und vermindert. Die ?lffäre der Prinzessin Luise von Kovnrg hat jetzt auch das Koburg-Gothaischö Staatsministerium beschäftigt. Es veröffentlicht folgende Auslassung Von einigen österreichischen Blättern ist die Nachricht gebracht worden, daß ein Koburgischer Familienrath einberufen und von diesem beschlossen worden sei, ein Rcchtsgutachten des Ministeriums über die Angelegenheit einzufordern. Diese Behauptung ist in beiden Theilen unrichtig. Die allein zuständige gerichtlich .Instanz für die Prinzessin ist das Obcrhofmarfchallamt in Wien. Dieses hat seinerzeit die Kuratel über die Prinzessin beschlossen. Die Grundlage für jenen Beschluß bildeten die Gutachten der Wiener Gerichtsärzte und der mediziniSen Fakultät der Universität Wien. Später haben sich dem Gutachten der genannten amtlichen Aerzte die Erpersiten einer Reihe von Anstaltsärzten, und der sächsischen Amtsärzte angeschlossen. Endlich hat eine Uebervrüfung des ce sammten Materials durch eine gemischte Kommission von Psychiatern ersten Ranges aus Oesterreich. Preußen, Sachsen und Belgien stattgefunden. Alle sind zu dem gleichen Ergebniß gelangt. - Der Fehlbetrag, der in der Borbeäer Kredit- und Sparbank infolge der Unterschlagungen des Direktors Hollmann entstanden ist. beläuft sich nach endgültiger Feststellung auf 901.000 Mark. .Die Einleger erhalten vorläufig'cLz Prozent. "Die Aktionäre gehen leer aus.