Indiana Tribüne, Volume 28, Number 50, Indianapolis, Marion County, 20 October 1904 — Page 6
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Indianer Tribüne, 20. Oktober 190, t
. Ein Wunder der Erleichterung.
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scyasfle Sma vemerue t: vciqxs, Zar nichts brachte sie selbst mit in ihre nzue tzeimath. als ein wenig :infaches Hausstandsleinen. Alles empfing sie aus der gütigen Hand des Mannes. Und ihre derb verarbeiteten Fmaer schloßen sich fester um seine, die schmal und blak waren, ihr Herz wurde groß. Ich will Dir eine gute Fraü sein, Heinrich," sagte sie blos und bot ihm die frischen Lippen zum Kuß.
Es war erstaunlich, wie bald sich die beiden auf sich selbst , angewiesenen Menschen miteinander einlebten. Hinrlch Wittmark hatte unter seiner Familie so lange vereinsamt dagestanden. r hatte von jeher für seme vielseitigen Interessen so wenig Verständniß und Entgegenkommen gefunden, daß er in dieser Beziehung an seine Frau nur ganz bescheidene Ansprüche stellte. Aber roh erstaunt bemerkte er, daß sie eme viel bessere Schulbildung besaß, als er gemeint hatte. 'Was eine gute Landschule bieten kann, das hatte Stme mit Perstand und Fleiß in sich aufgenommen und spater nur sehr wenig vergessen. Mit hellen, aufmerksamen Augen hatte sie, wo immer sie auch geWesen sein mochte, sich über die kleine Welt, die sie umgab, ihre eigenen Gedanken gemacht. - Ihm machte es Freude, sie gelegentlich zu belehren, und sie lernte gern. Schlicht und einfach, wie sie gewesen war, hatte er sie lieb gewonnen, und so wollte er sie auch behalten. Mit Ehrerbietung sah sie auf sein Wissen, mit Wohlgefallen er auf ihren natürlichen Mutterwitz. Ware er selcut in seingebildeten Gesellschaftskreisen aufgewachsen ihm möchte doch wohl auf die Dauer hier und da an ihr etwas gefehlt haben. Aber so war es nicht. Der gesellschaftliche Schliff fehlte dem Mann selbst. und er hatte auch kaum jemals im Leben Gelegenheit gehabt, seinen Werth schätzen zu lernen. Was er in dieser Hinsicht besaß, das eignete sich die junge Frau gleichsam von selbst :m Verkehr mit ihm an. Zuerst ließ man die Beiden allein. Niemand wollte es mit der Familie verderben, die überall im Ort Sitz und Stimme hatte. Sie waren nicht gerade beliebt, die von der Wittmarksippe, dazu ließen sie ihr vieles Geld zu sehr klappern, aber sie wa:n einflußreich. Doch fast unvermerkt geschah es, daß hier und da einer von den alten Freunden wieder zu .Hinrich Wittmark in's Haus kam. Zuerst waren es nur die Männer. Sie fanden es behaglicher, als :3 früher zu sein pflegte, den sonst so schweigsamen Mann fröhlicher und gesprächiger, den gastlich gedeckten Tisch, an dem nach dithmarscher Art immer Platz für einen ungeladenen Freund war, einladender. Und mancher unter ihnen .hätte gewünscht, seine eigene Frau mochte so anspruchslos und freundlich sem, wie Stine Wittmark. Dann kamen aus Neugierde nach und nach unter allerlei Vorwänden auch die Frauen. Halb wider ihren Willen Merkten ' sie, daß . es durchaus mcht schwer sei, mit der einstigen Deenstdeern" zu verkehren. Sie vergab sich so gar mchtS den andern gegenüber, daß man überhaupt nicht dazu kam. herablassend gegen sie zu sein. Man war gekommen, um sich lustig zu ma chen, und wenn man ging, schüttelte man wie selbstverständlich der jungen Frau die Hand wie einer Gleichgestellten. Nur die Familie verharrte in ver ächtlicher Zurückhaltung. Mit Hinrich Wittmark sprachen die Schwestern und Schwäger wohl gelegentlich, seine Frau blieb für sie der uneöenburhge Em dringling, über den man hinwegblickte. Zuerst nahm sie's schwer. Dann faud sie sich damit zurecht, nahm es auch dem Mann nicht übel, daß er trotzdem mit den Seinigen nicht ganz brach, sondern dann und wann zu den Schwestern hmging. Nur eins fehlte ihnen Beiden ein paar Jahre. Besonders Stine hätte gern Kinder, gehabt. Manchmal war es doch recht still im Haus Der Mann saß viel bei seinen Büchern, und auch wenn er die beiseite gelegt hatte, war er nicht gerade beredt. Immer hatte sie Kinder überaus lieb gehabt, und es wäre ihr ein Entzücken gewesen, ein paar Blondköpfchen zu haben, für die es stets etwas Neues zu denken und zu sorgen gab, mit denen sie lachen und singen konnte, ihrer fröhlichen Natur gemäß. Der Mann fand sich gelafsener damit ab, daß dieser Segen seinem Haus versagt blieb. Er war den Vierzig nahe, liebte die Ruhe, und was er hatte, genügte ihm. Nach ein paar Jahren legte auch Stine Wittmark diesen Herzenswunsch still beiseite. Sie hatte den g'ten Mann. Es gab andere, die besaßen Kinber, aber der Mann'taugte nichts, trank und spielte es konnte zu nichts führen, sein Herz gerade an das zu hängen, was man nicht erlangen konnte. Zehn Jahre lebten sie so friedlich und beglückt in ihrer kleinen Welt, da begann der Mann zu kränkeln. Allerle kleinere und größere Gebrechen fingen an, sich zu zeigen, die sonst einem spa teren Lebensalter vorbehalten sind Eines Tags, nachdem sich der Fünfzigzahrige bei herbstlicher Gartenarbeit die er sich nicht nehmen lassen wollte erkaltet hatte, trat eine halbseitige Lah mung seines Körpers ein. Der herbeigerufene Arzt zuckte mi den Schultern. Allerlei Experimente wurden mit dem Kranken angestellt, es zeigte sich aber, daß sie die Sache eher verschlimmerten. . Sie beunruhigten Hinrich Wittmark h.los 'durch immer
wieder neu erweckte und zerschellte
Hoffnung auf Genesung, und endlich gab man sie auf. Von augenblicklicher Lebensgefahr sei nicht die Ncde, erklärte der Arzt, der Patient könne bei gu:er Pflege noch monatelang leben, aber gesund nein. gesund könne er niemals wieder werden. Frau Wittmark möge sich, da ia die Mittel dazu reichlich vorhanden seien. eine Diakonissin in's Haus nehmen. Die Pflege fei beschwerlich, erfordere sehr viel Zeit und Geduld, und ihre eigenen Kräfte würden vielleicht erlahmen. cne Wimark die rit ihren vierzig Jahren immer noch eine sehr hübsch: und stattliche Frau war, erröthete bis an ihr blondes Haar hinauf. Das ist wohl nicht Ihr-Ernst. Herr'Doktor." sagte sie, den 5Iopf stolz emporhebend, als hätte man ihr eine Beleidigung zugefügt, meinen Mann Pflegen, das werde ich wohl noch selbst können." Der Arzt sah sie an. Es kann aber lange währen, Frau Wittmark." ..Das gebe Gott!" sagte die Frau und geleitete ihn zu? Hausthür. Dann trat sie m das Schlafzimmer an ihres Mannes Bett. Mein Hinrich, sagte sie, seine gesunde rechte Hand in die ihre nehmend und streichelnd, Du willst doch lieber mich um Dich haben als eme fremde Krankenschwester. Nicht wahr? Er lächelte ihr dankbar zu. Ja, Dich," sagte er. Er konnte sprechen, wenn es ihm auch etwas schwer wurde. Die Beweglichkeit der Zunge hatte gelitten, der Verstand war klar. Muß ich denn sterben, Stine?" Aber sie strich ihm sein Kissen glatt. Noch lange nicht, mein Mann. Damit hat es noch ute Weile. Wir bringen Dich noch wieder auf die Füße." Ja, ia, sagte er dankbar. Er wollte noch gern leben, elend und jammerlich, wie er jetzt war. Oft m ihrer zehnjährigen Ehe hatte die Frau gewünscht, nicht gar so sehr zmmer die Nehmende zu sein. Hatte sie doch nichts mitgebracht als ihre ehrliche Zuneigung, ihren Fleiß und Ordnungssinn. Nun war die Reihe des Gebens an ihr. Hatte sie je über, ihr Verdienst und Würdigkeit" empfangen. wie sie meinte-jetzt vergalt sie zehnfach. Von nun an war sie nur noch für den Mann auf der Welt. Nicht nur pflegte sie ihn täglich und stündlich. sondern sie vermittelte auch seinen spärlichen Verkehr mit der Welt. Sie- las ihm vor. Es war ungewohnte Arbeit, und oft mangelten ihr die Kenntnisse, das zu verstehen, was sie las. Aber von Tag zu Tag gewöhnte sie sich mehr hinein, so zu -lesen, daß es ihm Freude machte. Endlos zog sich das Leiden hin. Von Monaten hatte der Arzt gesprochen, es wurden Jahre daraus. Auf zehn Jahre des Glücks folgten neun Jahre der Krankheit. Dank der vorzüglichen Pflege schritt die Lähmung nur gai.z langsam vorwärts, oft stand sie monatelang still, aber von der Möglicbkeit einer Besserung zu reden, das hatten Beide längst aufgegeben. Trotzdem konnte man nicht sagen, daß diese Jahre ohne Glück gewesen wären. Ein solcher Schatz von immer sich vertiefender, reicher Liebe war in der Frau, daß ihr heller, reiner Glanz seinen verklärenden Schein selbst in dieses endlose Sterben hineinwarf. Zuerst sprach man darüber in der kleinen Stadt,' die ehemalige nakelnde Deenstdeern" wurde von den Börgern" längst nach Gebühr geschätzt. Ein paar Wochen lang war c.lle Welt des Lobes über die brave Frau voll. Nur die Geschwister schwiegen sich auch jetzt aus. Die älteste Schwester ließ sogar gelegentliche Bemerkungen fallen, Stine werde schon wissen,, warum sie sich eben jetzt dem Mann so unentbehrlich mache. Als die Sache einige Wochen gedauert hatte, gewöhnte man sich daran, in der Frau nur noch eine Krankenpflegerin zu sehen, und als die Jahre hingingen, ohne einen Wechsel zu bringen, war man so weit, daß man es emporend ge funden haben würde, . wenn Stine Wittmark die Pflege andern Händen anvertraut hatte. Fast war sie wie eine verschollene Persönlichkeit, um die sich Niemand mehr kümmerte, und kein Mensch achtete darauf, daß ihr volles Haar zuerst grau und dann lange vor der Zeit weiß und dünn wurde, daß sich Sorgenfalten in ihre Stirn gruben. Stine wurde alt, viel schneller, als es ihr die Natur vorgezeichnet hatte, und Niemand merkte es. Doch einer. Hinrich Wittmark, dem sich das Haar schon lange schneeweiß um die, Schlafen legte, fab es, und es grämte ihn. Oft lag er und grübelte darüber, wie viel er ihr schulde. Sie sollte aber auch belohnt werden. Alles, was er an irdischen Gütern besaß, das sollte in ihre Hände fallen, wenn er starb. Was wa ren ihm die Geschwister? Immer hat ten sie seinem Herzen ferngestanden, und sie hatten ja Geld über und über genug. Die Frau aber, seine gute, treue Stine. die besaß nichts als. was er ihr hinterlassen konnte. Von selbst konnte es ihr bei seinem Tod jnqi zufallen; da sie kein Kind hatten, fiel, wenn er ohne Testament starb, seine ganze Habe an die Familie. Selbstverständlich sollte es nicht so sein, und so hatte er es gemeint von jenem Tag an, wo sie ihm angetraut wurde. ,Aber damalL war es nach seine? Meinung viel zu früh, endgiltige Bestimmungen zu treffen. Stine hatte immer scheu abgewehrt, wenn er davon angefangen hatte. Das alles solle er nur ganz so einrichten,
wie er wolle, hatte sie immer wiever gemeint, vorläufig lebe er ja noch, und fo werde es hoffentlich noch lange blei-j ben. Was er thue, fei recht. Es war i
nicht Heuchelei von ihr gewesen, alles Rühren an diesen Dingen war ihrem Zartgefühl peinlich. Wußte sie. doch auch, mit waö für Namen die Familie sie fchelten würde, wenn sie auf den Mann einwirkte. Das fühtte auch der Mann. Vielleicht, so meinte er bei sich selbst, sei es für Stine selbst besser, wenn er auchs T-.r : r' r- -r 1 . rrii I uic ocai:oiic erullsicqiige. 21111 oer Hälfte habe sie genug, sie fei ja fo bescheiden. 'Aber jetzt während der langen Krankheit änderte er seine Meinung. Alles sollte sie haben, alles bis zum letzten Pfennig und das Haus und den Garten dazu. Keinen Menschen auf der weiten' Welt gab es, der es so um ihn verdient habe. trat as ein, wa einen vlönlichen Wandel brachte. ' Die Lähmung fing auf einmal an, sich schnell und erheblich zu verschlimmern. Die Frau sah mit Schrecken, und der Arzt bestätigte es ihr. der Mann fühlte mit Deutlichkeit, es könne nicht mehr lange mit ihm dauern. Am nächsten Morgen ließ er den Notar kommen. Der hatte auf sich warten lassen, und der Kranke, dem nun auf einmal alles die größte Eile zu haben schien, verging fast vor Ungeduld. Die Erregung brannte ihm aus den Augen. Die Frau sah es mit Sorge. So war er noch nie gewesen. Sie blieb auch im Zimmer, während die beiden Männer verhandelten. Es war ihr ja kein Geheimniß, was da beschlossen werden sollte. Viel zu reden gab es auch nicht. Hinrich Wittmark sagte kurz und bündig, wenn auch mit etwas schwerer Zunge, was er wollte und warum es so geschehen sollte. Der Notar nickte dazu. Die Sache war durchaus vernünftig durchdacht und gesetzliche Einsprüche konnten nicht erhoben werden. Verdient hatte es diese Frau, auf die er mi! Respekt blickte, wohl, daß man sie zur Herrin über alles machte. Der mitgebrachte Bureaugehilfe schrieb den kurzgefaßten Entwurf ab, es mußte alles seine Ordnung haben, und heftete das Papier umständlich mit schwarz-weißem Seidenfaden zusammen. Wie längsam es Hinrich Wittmark alles zu gehen schien! Fertig also noch einmal vorlesen. War es nun so sein fester Wunsch und Wille? Der Notar legte das Papier vor ihn hin, tauchte die Feder ein und reichte sie dem Kranken zu, damit er unterschreibe. Mit zitternder Hand langte der Mann danach. Und während er's that, als die dünnen Finger eben den Federhalter umschließen wollten, fiel die Hand plötzlich schlaff herab, durch den hilflosen Körper ging ein fliegendes Zittern. Der Kopf sank vornüber. Er ist ohnmächtig geworden," sagte der' Notar, Papier und Feder vorsichtig auf den Tisch legend, und Stine Wittmark , sprang . hinzu .und bettete den Kranken sanft in die Kissen zurück. Ar.?? er war nicht ohnmächtig. Die hochgradige Aufregung, in der sich Hinrich Wittmark befand, hatte eine plötzliche Herzlähmung herbeigeführt. rz war todt. Es half, nichts, daß sie den Arzt riefen. Er konnte nur bescheinigen, daß der Kranke seinem Leiden erlegen sei. ' Als Hinrich 'Wittmark . begraben wurde, folgte fast die ganze Stadt dem Sarg. Freilich, 'man hatte sich schon lange kaum mehr um ihn bekümmert. Aber er war doch einer der Vörger," da war es selbstverständlich, daß man hinter der Leiche ging." wenn man etwas auf sich hielt. .Die Familie vor allem war tief erschüttert. Die mannlichen Verwandten folgten gleich hinter dem Leichenwagen, die Schwestern mit ihren Töchtern fuhren, in schwarzen Krepp gehüllt, im geschlossenen Wagen mit. Die Zahl der gespendeten Kränze und Palmenwedel war unerhört. Man verdachte es der Wittwe, daß sie nicht nach althergebrachter Weise das Leichengefolge reichlich bewirthete und so eine Art Festlichkeit daraus machte, auch mcht mit auf den Klrqhof fuhr, wie es neuerdings für die Frauen aufgekommen war, ' fondern einsam im verödeten Haus zurückblieb, während die Glocken über die kleine Stadt hlnlauteten. Am nächsten Tag kamen die Schwä ger, um nach dem Testament zu fragen. Es hatte ihnen keine Ruhe länger gelassen, die V.esorgniß, wieviel der Wittwe zufallen werde, erfüllte sie ganz. Und dann erfuhren sie, daß ein giltiges Testament überhaupt nicht vorhanden fei. Stine Wittmark machte kcin Hehl daraus. Wozu? Sie konnte die fchlende Unterschrift a doch niegt herbei schaffen. Die einen schüttelten den Kopf Über eine solche Nachlässigkeit des Verstorbenen. Er müsse nicht recht bei Trost gewesen sein," die andern über die Frau selbst, die für ihren Kram hätte sorgen müssen." Es, gab auch solche, die meinten, in der langen Krankheit werde die Frau sich schon vorgesehen haben, auch ohne Testament. Die Familie theilte nicht ohne Krieg im eigenen Lager unter sich, was vorhanden war. Es war mehi. als einst zur Zeit der Hochzeit, denn Stme Wittmark hatte gut gewirthschsf tet. Dann bestellte die Familie ein großmächtiges Marmordenkmal für den Kirchhof und fühlte ihr Gewissen unbeschwert. Die beraubte Frau wandte sich an den Notar, der das verunglückte Testa
menl entworfen, rzane, ver zucne mn den Schultern. Ein letzter Wille ohne Unterschrift war ein werthloser Larven Papier. Ihm selbst war es leid. Die rau, die da mit ihrem früh gealterten Besicht und dem weißen Haar vor ihm stand, war bettelarm, er wußte es wohl. Heimilch hinler tine Wlttmarks Rücken ging er zu den-Schwestern, um ihnen die Sache vorzustellen. Sie blieben ungerührt. Recht müsse Recht bleiben; sie hatten es aus ihrer Seite. Hatten etwa sie die Deenstdeern" aufgefordert, in die Familie einzutreten? Keineswegs! Nun. so mochte sie jetzt auch leyen, wo sie blieb. Da faßte er die beiden Frauen bei ihrer Ehre. Ob sie denn wollten, daß eine, die den Namen Wittmark trage, in Armuth sinke? Wie wobl die Leute darüber reden würden! Er bekam keine rechte Antwort darauf, und ungewiß. ob er Eindruck aemacht babe oder nicht, ging er endlich. Am nächsten Tag erschienen zu Frau Stines großem Erstaunen die beiden Schwäger bei ihr. Sie sprachen vom Wetter, und wie das Korn stände, und fragten endlich, wie beiläufig, ob die Schwägerin schon wisse, was sie künftig beginnen werde. Nein, sie wußte es nicht, oder wenn es der Fall war, so hielt sie es nicht für der Mühe werth, es ihnen mitzutheilen. Und da rückten sie dann endlich herraus mit ihrer eigentlichen Mission. Es seien beim Auftheilen tausend Thaler übriggeblieben, von denen man nicht recht wisse,, wer sie haben soll, da hätte man denn gedacht da Stinedoch ohne Mittel sei und beanspruchen könne sie ja gar nichts und tausend Thaler seien doch ein ganz hübsches Stück Geld und kurz und gut, sie kämen, um ihr diese tausend Thaler anzubieten. Die Frau hörte ihnen zu, bis sie zu Ende waren, dann stand sie auf. Stolz und vornehm sah sie aus, sie, die einst Magd gewesen war, viel, viel vornehmer als die beiden Männ:r mit den vollen Geldsäcken und dm glauen" Gesichtern, die da vor ihr standen, um ihr ein großartiges Anerbieten zu machen, und unter ihren weißen Haaren blitzten die biauen Augen. Danke," sagte sie, und es lag eine schneidende Verachtung in ihrer Stimme, das Almosengeben möchte Euch arm machen!" Und ohne ein weiteres Wort wandte sie ihnen den Rücken und verließ das Zimmer. Ein paar Tags darauf hatte Stine Wittmark eine Stellung als Haushälterin angenommen. Sie diente" wieder. Nevcrsall eines Hcrero-Lagcrs. In dramatisch-bewegter Weise schildert ein sächsischer Offizier, der in Südwestafrika der Abtheilung v. d. Heyde angehört, in einem Brief an seine Schwester ein nächtliches Patrouillengefecht mit den Hereros: Am 6. Juli, noch vor Sonnenaufgang, kamen wir. der Oberleutnant v. Leckow, Leutnant v. Moßner, ich und 20 Mann, bei Okosongoho mit den schwarzen Kerls in Berührung . . Wir sahen plötzlich kleine Feuer in den Sontoks (Hütten) einer Werst fein: Art Dorf) vor uns. Leckow befahl: Halten! Gewehre heraus! und wir drei Offiziere und sieben Mann, also nur zehn Gewehre, die anderen mußten Pferde balten, gingen in gebückter Stellung auf 100 Meter, heran. Wir umstellten den Kraal. Ich mit einem Unte'-fsiner stand ganz .links, wohl am nächsten.' Es war eine Situation voller vannung. hatten wir doch mehrere Tausend Hereros vor uns! Niemand wußte, ob. wir schießen sollten, da wir noch nicht erkundet hatten, wie weit di' anderen feindlichen Werften entfern' waren. Da krachten aber auch schon die Schüsse von mir. und meinem Unteroffizier, 5wei Schwarze fielen zu Boden. Ueberall stürzten nun die Hereros heraus. Es war ein Gewimmel von Schwarzen, theils mit, theils ohne Gewehr. Ein Besinnen für uns gab es nicht mehr, denn ich hatte nun einmal das Zeichen zum Beginnen des Feuerns gegeben, und die einzige Rettung für uns lag nur in den Gewebren. Alfa Schuß. Schuß und so weiter. Es war ein reines Schnellfeuer, aber ohne Uebereilung. denn jeder Schuß war gut gezielt und streckte immer einen der feinde zu Boden. Einige erhielten Schüsse direkt in die Brust. Sie hielten "ich aber mit- beiden Händen die Wunde zu und liefen eilig davon. bis sie zusammenbrachen. Also zähe Nnd die Schwarzen auch. Nickt ganz eine halbe Stunde dauerte das Feuer. Ire Kugeln gingen bei uns vorbei, ohne auch nur einen zu treffen. DieHereros waren verschwunden, nachdem sie sechzig Mann verloren hatten. Wir trieben die dem Oberb'äuvtling Samuels gehörigen dreißig Küheheraus und gelangten am 8. Juli wieder zu unserer Abtheilung. Die Freude war groß: eit zebn Tagen hatten wir nur Konserven, jetzt gab es'für alle wieder Fleisch." Daß' die Brust des rauben deutscken Kriegers av$ tm$ tiefen, menschlichen Empsiydens . fäbia i. beweisen die Sblußsätze seines in den Dresdener Nackrickten" veröffentlichten Briefes: Unser Sieg war ein bedeutender. Es war kühn und schön und doch etwas trauria. da ich das erste Mal auf Menscben schoß. 5lch drehte mich beim Fortschreiten nochms um, da sah ich die jammernden Weiber und die weinenden Kinder, diese , kleinen, nackten Balge. Da ergrisf es mich, und es tbat mir leid, daß ick ibnen den Mann, den Vater geraubt hatte. Diesen Eindruck werde ich nie vergessen!" .
