Indiana Tribüne, Volume 28, Number 50, Indianapolis, Marion County, 20 October 1904 — Page 5

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Rich.Bartholdt i Spricht in der Germania Halle

Unter den Anspicien der! Roosevelt Liga Und erndtete stürmischen Beifall von seinen zahlreichen Zuhörern. Um 8 Uhr AdendS durchtönte Trommel und Fansarenmufik die Straßen d.3 unteren Stadttheils. ES galt der Einholung des Ehrengastes des GründerS der nationalen RooseveltLiga, der auf Einladung der Noosevelt'Liga von Jndiana gekommen, um für den Ban nerträger der republikanischen Pärtei eine Lanze in öffentlicher Versammlung in der Germania Halle zu brechen. Eine Abtheilung Polizisten führte die stattliche Parade. Das Tromm?l corpS des ÄtkinS Repudlican Club und die Hornisten des AtlaS republikani schen Club folgten mit einem stattlichen Gefolge von Wählern, dann kamen die Mitglieder der Roosevelt-Liga unter Voranmarsch einer Musikkapelle, in ih rer Mitte eine Kutsche mit Richard Bartholot und Morgan WoodS und Capt. Vieler, dem Präsidenten der Roosevelt.Liga von Jndina. Die Germania Halle war für die Gelegenheit mit Flaggenzier in patriotischer Weise geschmückt. Capt. Jac. L. Vieler eröffnete die Versammlung mit herzlichen Worten der Begrüßung an die Anwesenden und stellte unter lautem Beifall des Publi. kums den Hauptredner deS Abends, Herrn Richard Bartholdt, Congreß. Abgeordneter von Miffouri, Präsidenten der Nationalen Roosevelt'Liga vor. Herr Bartholdt sprach wie folgt: Herr Vorsitzender und Mitbürger ! Ich danke Ihnen von Herzen für ihren freundlichen Empfang und für die Ehre, Sie als Prästoent der Nationa. len Roosevelt Liga 'von Jndiana bei dieser patriotischen Gelegenheit begrüßen zu dürfen. Die Bemerkungen, welche ich heute Abend' zu machen habe, sind an die Adreffe von.. Republikanern, Demokraten und Unabhängigen zugleich gerieft tet, in der Voraussetzung, daß wir. Einer und 'Alle, daö gleiche hohe Ziel anstreben, nämlich das Glück und die Zufriedenheit deS Volkes und die Wohl fahrt und den Frieden unseres gemein fernen Landes. Die Deutsch'Amerikaner find niemals Parteitlepper gewesen. Sie haben stets da- Wohl des Landes über die Parteitreue gestellt, aber um gerade darin sei nen Fehler zu machen, haben sie mit wachsamem Auge den Gang der politi schen Entwicklung beobachtet und beide Parteien genau auf ihr Geschick und ihre Fähigkeit, zum Regieren geprüft und aus den Resultaten ihrer Herrschaft die nothwendigen Schlüsse gezogen. Und noch mebr: sie haben sich nie durch lokale Fragen das Auge trüben und sich davon abhalten laffen, in der großen National.Politi! das zu thun, was sie für das Rechte hielten. In. dem gegenwärtigen Wahlkampf ist das Beweismaterial nun alles ge sammelt. Wir können nicht die Entschuldigung vorbringen, die der alte Jrländer machte, als er, vom Richter gefragt, ob er schuldig oder unschuldig sei. antwortete: How the devil can I teil until I hear the evidence!" Unser Beweismaterial liegt vollständig vor. Die Geschichte der beiden großen Parteien ist gemacht. Die Candidaten find im Felde, und der Inhalt ihrer Annahmeschreiben ist dem ganzen Volke bekannt. In der That haben wir jetzt jenes Stadium der Verhandlungen erreicht, an dem die Advokaten beginnen, ihre PlaydoyerS an die Geschworenen zu richten, und Sie, meine Verehrte ften, find die Geschworenen. Run entsteht aber gleich hier die ernne ffraae: Können die Advokaten Ihnen überhaupt etwas sagen, was Sie nicht schon wiffen ? Sie Alle ha. den die Zeit mit durchlebt, während welcher das Beweismaterial gesammelt wurde, und der Jüngste unter Ihnen kennt aus persönlicher Erfahrung den Untersaied Mischen demolratl ch:n und republikanischen Zeiten. Daö ganze Volk kennt offenbar diesen UnterjSled, wie sich er künlich an der fernen Küste des Stillen Oceans, in Oregon, ebenso wie an den nordöstlichen Gestaden deS Atlantischen MeereS. rn Marne und Vermont, gezeigt hat. ES ist noch nickt all,u lanae her. daß unsere demo kratischen Freunde hell aufjubelten über die anaeblicke Eleichaültlakelt oder Apa tbie. wie sie eS nannten, der Wähler in Maine, und über die Apathie in Vermont-und demokratische Zeitungen hänselten die republikanische Partei Leitung anläßlich ihrer sicher bevor Gebenden Verluste. WaS aber ereig nete sich ? Von der pacisischen Küste beriQtete der Telegraph einen glänzen den republikanischen Sieg und von den inliaen Septembernaaten neftg ver größerte republikanische Mehrheiten. Die anaebliche Apathie bedeutete ein fach, daß die Wähler ihre Meinung

schon gefaßt hatten und von den Aovo katen und Stumprednern keine Beleb rung brauchten. In der That scheint dies heue? im ganzen Lande der Fall zu sein. Die Wähler singen: Wh: kennen das Lied, wir kennen den Text, wir kennen die Herren Verfaffer", und am Wahltage üben sie doch ihre Bürgerpflicht gewissenhaft aus. Aber komisch ist eS doch: Zuerst sagten unsere Gegner: Paßt aus die Set temberwahlen auf, sie, sind der Stroh-

Halm, welcher den Novemberwind an deuten wird. Jetzt sagen sie, diese lumpigen September Staaten haben nie viel zu bedeuten gehabt. Die republikanische Partei kam lam 4. März 1L97 wieder an'S Ruder, nachdem das amerikanische Volk ihren Gegnern zweimal die Gelegenheit ge geben hatte, ihre RegierungSkunft zu beweisen. Daß Letztere beide Male ein jämmerliches Fiasko machte, ist eine weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannte geschichtliche Thatsache, und so stark wurde der Wunsch, so mächtig die Sehnsucht nach Zurückbe rufung des treuen republikanischen Fridolin. daß die Rovemberwahl von 1896 mit einer fast vollständigen Vernichtung der demokratischen Partei geendet haben würde, wenn nicht Bryan'S versüh rerische Theorien und Bryan's glän zende Beredtsamkeit den Leuten tempo rär die Köpfe verdreht hätten. Seit. dem sitzen die Republikaner wieder im Sattel unter der Führerschaft von William McKinley und Theodor Roosevelt. Sie kennen Alle daö Resultat. In diesen sieben Jahren ist der Wohl stand unseres Volkes em solcher ge wesen, wie eine Regierung und die Macht der Gesetze unter unserer Lan desverfaffung ihn nur gestalten können. Kein Demokrat kann dies in Ab rede gellen, eS fei denn, er ist unauf richtig oder' farbenblind: Nun frage ich Sie, die Geschworenen: Sind die Errungenschaften dieser beiden großen Präsidenten, ist diese gesegnete Profpe rität, ist die Periode dieser sieben fetten Jahre ein stichhaltiger Grund, warum wir die Partei, der wir alles Dies zu verdanken haben, wieder stürzen, wa rum wir zu den Zeiten zurückkehren sollen, die wir in Sack und Asche ver büßten? Sie sagen Nein? Nun, wenn Sie Recht haben, wenn die Republikaner nicht für das Verbrechen bestraft werden sollen, das Volk wieder zu Wohlstand gebracht zu haben, dann, meine ich, könnten unsere demokrati schen Freunde ihr Pulver sowie Groß Vater DaviS' Geld sparen, denn sie ha den Sonne und Wind gegen sich und obendrein keinen Boden unter den Füßen. Doch lassen Sie uns vollständig gerecht sein und sorgfältig Alles in gründlichere ..deutscher Weise, prüfen. Giebt eS vielleicht emen anderen Grund, warum wir das bedenkliche Experiment, die Nationalregierung einer anderen. obendrein mit sich selbst uneinigen Par tei zu überantworten, machen sollen? Ein alter Bahnwärter gab dies Tage einen Grund an, der von feinem Stand punkte allerdings stichhaltig ist. Er sagte, er würde demokratisch stimmen, und als ihn fem Nachbar frug, warum antwortete er: Hm, als die Demokra ten am Ruder waren, kam alle vier Stunden ein Zug hier vorbei, und jetzt, verflucht noch einmal, kommt einer alle vier Minuten". Der . Mann -hat Recht; wer weniger zu thun haben will, muß das demokratische Ticket stimmen. Doch, Spaß bei Seite. Was sind die Einwände gegen die jetzige Adminigra tion? Man sagt, Präsident Rosse velt's Pensionserlaß sei Verfassung? widrig gewesen, 's ist beinahe zum Lachen. WaS immer unseren guten Freunden auf der änderen Seite nicht gefällt oder was sie nicht verstehen kön nen, das nennen sie verfassungswidrig. Sie erinnern sich, daß sie sagten, der Tarif sei unconstitutionell (dieses Jahr nennen sie es zur Abwechslung Raub); dann hieß eS, die Goldwährung wäre unconstitutionell; und wirklich, ich glaube, wenn die Republikaner eS ein mal in ihrer Platsorm abdruckten, so würden sie das Vaterunser als uncon stitutionell verschreien. Und wie klar und einfach ist die Ge schichte jeneS Pensionserlasses. Das Departement deS Innern erließ, unter Gutheißung deS Präsidenten die nöthi gen Bestimmungen zur Ausführung eine? Penstonsgesetzes, dahingehend, daß wenn 'ein alter, ehrenvoll verab schiedeter Soldat ein gewisses Alter er reicht hat.. so soll seine Arbeitsunfähig keit einfach als erwiesen angenommen werden, und er soll dann ohne weitere Beweise eine bestimmte PensionSrate zugesprochen erhalten. Der reinste Sturm im Theekessel. Das ganze Vergehen des Präsidenten besteht darin, daß er ein Naturgesetz anerkannt hat, nämlich, daß ein Veteran, wenn er 62 Jahre alt ist, entweder nicht mer'ar beiten kann oder von Niemandem mehr Beschäftigung erhält. Für Vtt bu mane Auslegung deS- Gesetzes, welche dem armen Mann die Mühe und die Kosten deS Beweises erspart, verdient der Präsident anstatt Tadel, die höchste Anerkennung. Herr Parker will dies "widerrufen, unter uns gesagt, ich glaube ab. r nicht, daß er Gelegenheit dazu erhalten wird. Gönne man doch den wackeren Bater landsvertheidigern das, was ihnen eine hochherzige Nation gerir und freiwillig hingiebt, werden sie doch rasch. Einer nach dem Andern, zur großen Armee versammelt! Wir unsererseits ziehen jederzeit den Hut vor den alten Vetera

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Richard nen und werden nie aufhören, ihnen die ihnen gebührende Hochachtung zu bezeugen, und so lange wir etwas zu sagen haben, wird und soll ihnen der Ehrenplatz am Herde der Nation angewiesen werden. . Weiter wirft man dem Präsidenten vor, er hätte' in. Sachen des PanamaKanals voreilig gehandelt. Du lieber Himmel, voreilig, nachdem das amerikanische Volk hundert Jahre auf diesen Kanal gewartet hat ! Und wie steht es damit ? Der Eongreßhatte den Prüsi denten gesetzlich ermächtigt, die nöthigen Schritte zum baldigen Bau des Kanals durch den Isthmus zu thun, und es ganz seinem Gutdünken anheimgestellt, entweder die Panama oder Nicaragua Noute zu wählen. Unter dieser Autori tät wurde ein Vertrag mit der Regierung von Columbia abgeschlossen, und wir hatten die Versicherung,. daß dieser Vertrag schleunigst gutgeheißen würde. Statt dessen zerriß der columbische Senat aus reiner Habgier und um noch mehr Geld au? uns herauSzu pressen, dieses Document' und warf die Fetzen Uncle Sam zu Füssen. Die Duldsamkeit, mit welcher Iahn Hay und der Präsident diese Beleidigung hinnahmen, erregte mit Recht die Be wunderung Derer, die mit den Ver Hältnissen vertraut waren. Als darauf das Volk von Panama rebellirte, weil eö fürchtete, den Kanal , ganz zu ver lieren, und seine Unabhängigkeit von Columbia erklärte, war es da nicht das natürlichste Ding' von der Welt, daß der Präsident und sein Cabinet die neue Republik rasch anerkannten ? Alle anderen Nationen thaten in rascher Aufeinanderfolge das Gleiche, und zu behaupten, wie Carl Schurz eS thut, daß dies seitens der anderen Völker nur aus Höflichkeit gegen die Ver. Staaten geschehen sei, ist. mit Verlaub, eine rein zu lächerliche Behauptung. So höflich gegen einander find die Natio nen in ernsten Dingen leider noch nicht geworden. ES wurde dann ein neuer Kanalvertrag mit der neugebackenen Republik Panama abgeschlossen, und der Bundessenat ratisizirte denselben mit mehr als Zweidrittel Mehrheit. Das ist der wahre Sachverhalt, und was immer unsere liebenswürdigen, ober um Argumente so sehr verlegenen Gegner daraus machen können, sollen sie nur machen. Natürlich fuhren die Gormans, die McCarmacks und die TillmanS mit ihrem Redeschwall fort, und ich glaube, sie reden noch immer. Wir unsererseits entschlossen uns, sie schwatzen zu lassen und in der Zwischen zeit den Kanal zu bauen. Die alte Geschichte! Wenn eS gilt, einen Schritt vorwärts zu machen, muß immer erst der Widerstand der Demokraten gebrochen, der Geist, der stets verneint", stumm gemacht werden. Das ist feit 30 Jahren der Fall. Je des weise und fortschrittliche Statut, welches die Gesetzbücher unseres Landes ziert und das heute von beiden Parteien als klug und weise anerkannt wird, ist von republikanischen Händen geschrieden worden; aber eS geschah in fast je. dem Falle gegen den erbitterten Wider stand der Demokraten. Sie machten die Schienen schlüpfrig, warfen Sand in den Dampfkessel, le.en Balken quer über das Geleise und versuchten, die Weichen zu. verstellen; aber der re publikanische Ziift erreichte seinen Bestimmungsort jedesmal zur Programm mäßigen Zeit ! Hier zollte Redner dem VicevräsidentschaftsCandidaten Sena tor FairbankS von Jndiana und dem Congreß'Abgeordneten Jesse Overftreet hohen Tribut für ihre hingebende Thä tigkeit im Dienste des Volkes von -In diana. Dann nahm Herr Bartholdt den Faden seiner Rede wieder auf. Doch fahren wir fort mit dem Sün denregister, das der herrschenden Partei von ihren Feinden vorgehalten wird. Großvater DaviZ spricht von Ver schwendungSsucht und vergleicht unsere heutigen Ausgaben mit der Zeit, da er noch ein Baby war. Das ist' so ziem lich ein Jahrhundert her. Er meint wahrscheinlich, ein Elephant brauche nicht mehr, als ein westvirginischer Hase. Damals hatte das Land 30 Millionen und heute haben wir 80 Millionen Einwohner. Warum sind unsere Gegnernicht ehrlich und sagen. ih ren Anhängern, daß wir 50 Millionen Dollars für dtn PanamaCanal bezahlt haben ohne BondauSgabe, und daß,

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A ' :r . - ; ; . . ' i . - i ' Bartholdt. wenn diese ErtraAuSgabe nicht gewe sen wäre, wir einen beträchtlichen Ueberschus: im Schatzamte haben wür den, trotz der gewaltigen MehrauSga den für freie Pogbeförderung und an dere, dem Wachsthum der Bevölkerung angemessene, nützliche Zwecke. Warum erzählen sie nicht, daß , im letzten Monat allein der Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben mehr als 7 Millionen Dollars betrug ? Fast könnte Einem der Geduldsfaden reißen, wenn die Widersacher über Extravaganz schreien, wo ein republikanischer Con greß mit freigebiger und unparteiischer Hand das Füllhorn auch über sie auS schüttete und ihnen Millionen über Millionen für neue Bundesgebäude, für nöthige Fluß, und Hafenverbesse rungen zuwandte. Eine demokratische Administration wäre solche Freigebig keit zum Vortheil des Landes und des Volkes freilich nicht fäbig gewesen, denn die letzte, welche wir hatten, konnte unter ' dem WilsoN'Tarif nicht einmal ihre laufenden Haushaltungskosten decken und mußte in Zeiten tiefsten Friedens Schuldscheine ausgeben, um den offenen. Staatsbankerott zu ver hüten. In Geldsachen, sagt ein altes deutsches Sprüchmort, hört die Ge müthlichkeit auf, "wir können unfern Anklägern aber mit solchen weiteren Argumenten dienen, daß ihnen sogar der. Athem ausgeht. Wie steht es denn überhaupt mit der Goldfrage ? Darüber sind unsere Freunde diesmal merkwürdig ruhig. In ihrer Platsorm sind sie stumm wie eine-Auster Über diese hochwichtige Re gierungSsrage. Mit anderen Worten hatten sie weder den Muth, den Frei silber-Humbug abermals gutzuheißen noch denselben zu verdammen. Sie meinen, weil Richter.Parker ein Western Union Telegramm als Platform hat, so betrachte man sie auf einmal als ge fund und verläßlich und den Geld schrank der Regierung als völlig sicher in ihren Händen. Vielleicht haben sie den schönen Carton gesehen, welcher Uncle Sam zeigt, wie er mit ausgebrei teten Armen vor seinen Geldschrank steht und den herannahenden demokratischen Cohorten zuruft: Ganz gewiß ist er sicher!" womit er natürlich meint, solange die republikanische Partei die Finanzgesetze diktirt. Doch lassen Sie uns unseren Gegnern gegenüber großmüthig sein. Lassen Sie uns ihnen von Herzen dazu gratuliren, daß sich, wie Grover Cleveland es ausdrückte, ' die Zeichen wiederkehrender Vernunft bei ihnen bemerkbar machen. . Ihnen aber gleich die Regierung zu überantworten, daS steht auf einem anderen Blatt. Sie mögen ja allmählich wieder, zur Ver nunft kommen, aber nach ihrer tempo rären Umnachtung, nach dem Tob fuchtsanfallpon 16 zu 1 ist eS gewiß ein billiges Verlangen, daß man sie erst ca vier Jahre von Aerzten beobach ten lasse, ebe man sie wieder auf eiuen verantwortlichen Posten stellt. Jawohl, und daS bezieht sich auf Herrn Parker selbst. " Er giebt zu, in den Jahren 1896 und 1900 für Freistlber gestimmt zu haben. Hat er ehrlich daran geglaubt? Wenn er dafür stimmte und daran glaubt, dann, sage ich. sollte er nicht zum Präsidenten gewühlt werden, und wenn er dafür stimmte, ohne daran zu glauben, dann werden Sie gewiß mit mir übereinstimmen, wenn ich sage, daß er bann erst recht, nicht würdig ist, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Diese ganze unparteiische Lo gik hat bis jetzt noch Niemand-beant wortet. Was ist dagegen die demokra tische Logik? Weil Herr Parker 1896 und 1900 nicht verläßlich war, ergo ist er heute ein vollständig sicherer und verläßlicher Mann! Bitte, denken Sie darüber ein wenig nach. Thatsache ist, daß die demokratische Partei, wie in Bezug auf fast jede andere Frage, auch in der Finanzfrage zerrüttet 'und ge fpalten ist. . Von dem Mommt- an, da sie daS Heft wieder in. der Hand hätte, würde die Agitation erneuert, das Geschäft gegört, daS Vertrauen, auf welchem unsere ganze Prosperität beruht, erschüttert werden, und eine ernste CrisiS würde wieder über uns bereinbrechen. ES giebt nur ein Mittel, die. Goldwährung aufrechtzu erhalten als feste, bestimmte und un widerrufliche RegierungSMaxime. und das ist die Erwählung Theodore Rosse

velt'S und des republikanischen Con greßTicketS!

In Gesellschaft von ungefähr 250 Mitgliedern europäischer Parlamente machte ich kürzlich eine Reise durch' Land, die sich über 10,000 Meilen und siebzehn verschiedene Staaten der Union estreckte. Wir fanden all überall die untrüglichsten Zeichen wahren bis m alle Schichten der Bevölkerung dringen den Wohlstandes, sodaß die englischen Freihändler, welche von der Partie wa ren. thatsächlich mit offenem Munde reisten und freimüthig zugaben, daß daö, was sie gesehen, ihre kühnsten Er Wartungen überstiegen hätte. Dies, meine Herren, ist das Resultat jenes weisen SchutzzollSyftemS, daS wir der republikanischen Partei zu danken ha den, deS Systems, welches den amerika Nischen Arbeiter gegen den europäischen Concurrenten schützt, der für 50 Cents per Tag arbeitet, und gegen den asiati schen Kuli, der für 10 Cents arbeitet. Dies nennen die Demokraten Raub, trotzdem es sich so glänzend bewährt hat. trotzhem die Arbeiter heute höhere Löhne und der Farmer höhere Preise für seine Produkte erhält, als t zuvor in unse rer wirthschaftlichen Geschichte. 'Kämen unsere Gegner nun aber an'S Ruder, so würde sich ihre Partei sofort zersplittren. Denn die Einen sind für Freihandel, die Andern für Tarif, rekorm, WaS immer das bedeuten möge, und wenn man ihnen den RegierungS zug zur Controlle übergäbe, so würden sie versuchen, die Lokomotive rückwärts und voewärtS zu gleicher Zeit gehen zu machen. Wie der Zug aussehen würde, kann ich nicht voraussagen, aber unser gutes Land würde ungefähr gerade so aussehen, wie jener Zug. Nun, wir wissen Alle, daß eS das größte Problem der Arbeit ist prositable Beschäftigung zu sinden, und die amerikanische Arbeit hat dieses Problem durch die Unter stützung der republikanischen Partei ge löst, . und während sich über alle menschlichen Angelegenheiten streiten läßt, über diesen einen Punkt sind wir, glaube ich, einig: daß kein ver nünftiger Mann, der mit Hand oder Hirn arbeitet, seiner Familie ehrlich in'S Gesicht sehen und wünschen kann, zu .einer Politik zurückzukehren, unter welcher jeder Fortschritt eine Fabel und Schuldenmachen die Hauptbeschäftigung des weniger Bemittelten war ! Wie ein Gummiball am Panzer so werden die Theorien der Politiker, welche die demokratische Platform geschrieben ha ben, diesmal an der Erfahrung des Volkes abprallen. Endlich kommen wir nun zu den Candidaten selbst. Bitte, vergleichen Sie dieselben. Beide find ehrenwerthe Männer, aber der Eine behutsam, fast ängstlich, befürchtend, daß er durch jedes Wort seinen Chancen schaden könnte, der andere fest, männlich, offen, entschlossen, daö Rechte zu thun. unbekümmert um die Folgen. Der eine der gefügige Politiker, gefügig in den Händen der Firma Hill, Belmont & Co., und behemmt und behindert durch die Zweideutigkeit seiner Partei, der andere charakterfest und überzeu gungStreu, so natürlich in Rede unH Wesen, wie Gott ihn geschaffen, eins in Grundsatztreue mit den großen Füh rern und gestützt und getragen von einer in allen Fragen einigen mächtigen Partei. O, heißt eS aber. Roosevelt ist unsicher. DaS stimmt. Er ist unsicher für alle Gesetzesübertreter, reich' und arm, hoch und niedrig. Wenn das Gesetz übertreten wird, verfolgt er nicht nur den kleinen Postdleb, sondern er fürchtet sich nicht,' die größte JnteressenCombi Nation, welche die Welt je gekannt, muthig anzugreifen. Das Geschrei über Roosevelt S Unsicherheit meine Freunde, ist das Wehegeschrei der Trusts. Diese mißtrauen ihm, weil sie ihn nicht eignen können. Sie konnten schon sein Eingreifen im Kohlenftreik nicht leiden, obwohl er gerade dadurch dem Lande einen unberechenbarenDienst geleistet hat, als er aber gar seinen General'Anwalt instruirte, gegen die Northern SecuritieS Company vorzu gehen, da ergriff eine jähe Panik alle illegitimen Trusts. Sie stießen die heftigsten Drohungen gegen ihn aus und gaben ihm zu verstehen, daß dies das Ende seiner politischen Laufbahn sei. Aber dieser Mann des Volkes war einfach nicht einzuschüchtern, wo ihm seine Pflicht, wie er sie verstand, klar war.' Jene Combination sprach dem Anti Trustgesetze Hohn und er war entschlossen, daß sich jene mächtige Magnaten der Majestät des Gesetzes beugen sogten, ebenso wie ein armer Mann es thun muß. Und das Bun desobergericht stimmte ihm bei. Hätte der Präsident den Prozeß verloren, so würde eS bald eine südliche Security Co.. und eine östliche und westliche Security Co. gegeben haben, und das ganze Eisenbahngeschäft würde binnen ganz Kurzem in den Händen einiger weniger Männer cöncentrirt worden sein. Für den Muth und die Pflicht treue, die er" in diesem Falle an den Tag gelegt hat. verdient Präsident Rcssevelt den Dank und die Unter stützung .jedes amerikanischen Bürgers ohne Unterschied der Partei, denn diese Großthat allein-bat mehr als irgend etwas seit Lincoln'S Zeiten dazu bei getragen. daS Vertrauen der Nation in eine Regierung des Volkes, durch das Volk und für däS Volk neu zu beleben und zu stärken. - Natürlich fchaaren sich die Trusts jetzt um das Banner des Herrn Parker.

Aber wir wollen voch einmal sehen, wer der Stärkere ist: die Trusts oder das Volk. Während wir nun Präsident Roofe delt liehen wegen der Feinde, die er sich gemacht-, haben wir Deutsch.Ame rikaner nicht ganz besondere Veran lassung, ihm zugethan zu fein? Als Einer, der ihn sehr genau kennt und sehr genau beobachtet hat, sage ich mit Entschiedenheit Ja. Von allen Männern, dk je den Präsidentenstuhl innehatten, hat unö noch keiner geistig so nahe gestanden wie er. Er gehört nicht zu jener Klasse von Amerikanern, die sich bei unS einschmeicheln wollen, indem sie vorgeben, daß sie gern Bier trinken und gern Sauerkraut essen, sondern er hat seine Verehrung für deutsches Wesen und germanischen Geist am Born deutscher Literatur und deu scher Philosophie eingesogen. Er ging nach dem alten Vaterlande, um die deutsche Sprache zu erlernen und einen Schlüssel zu gewinnen für Erschließung deS reichen Schatzes unserer Klassiker. Mit Staunen, und Bewunderung überschritt er die Schwelle, und machte sich bald völlig heimisch in den erleuch teten Hallen deS deutschen Genius. Daß ihn dieser Geist- noch beute beherrscht, hat er hundertfach bewiesen. Er spricht offen von den Vorzügen deutscher Ge müthlichkeit und erklärte auf dem Sän gerfeft in Baltimore, er wünsche,, er könne dieselbe zum Gemeinziel des ame rikanischen Volkes machen. Demnach haben die Freunde der persönlichen Freiheit ein volles Recht, ihn zu den Ihrigen zu zählen, und das. meine ich, sei viel werth zu einer Zeit, da der ganze demokratische Süden, nachdem die Republikaner den Muckern den Gehör, sam gekündigt, von der Prohibition?' wölke verdunkelt wird. Seit Roosevelt in's. Weiße Haus eingezogen, brennt zur Weihnachtszeit dort jedes Jahr der deutsche Chriftdraum, und zum ersten Mal in der Geschichte deS Landes ist, während seiner Administration, im, Weißen Hause das deutsche Lied erklungen.. indem er den New Norker Lieder

kränz und Arion 'zu diesem Zwecke ein geladen hatte. The Cermans are very kind" sagte er zu General Öfter haus und fürchtet sich nicht, daß dies von Anderen gegen ihn ausgebeutet werden könnte. Wenn die DeutschAmerikaner wirklich keine Parteiklepper sind, hier ist die große und hehre Gele genheit gegeben. eS zu beweisen. Kein Amerikaner ist je unserer Stimme wür diger gewesen, als Theodore Roosevelt. Es mangelt mir die Zeit, Herr Vor siKender, auch nur oberflächlich die gro ßen Errungenschaften aufzuzählen, die in den letzten sieben Jahren der republi kanischen Herrschast zu verzeichnen wa ren. Die Handelsbilanz ist in jedem dieser Jahre um Millionen zu unserem Gunsten gewesen, die Geldumlaufsmit tel sind von 1500 auf 2500 Millionen Dollars gestiegen und die Ersparnisse des Volkes haben damit gleichen Schritt gehalten. Nicht nur ist das Land wie der auf die Höhe der Prosperität geho ben worden, sondern unsere Aktien so wie unser Prestige als .Weltmacht sind in jeder Hauptstadt der Welt gestiegen. Und dieser glänzende Record ist in allerneuester Zeit durch eine Großthat deS Präsidenten gekrönt worden, die ihm und den Ver. Staaten den Beifall und Segen der ganzen menschlichen Familie einbringen wird. Ich beziehe mich auf die feierliche Ankündigung deS Prüsi denten, emen zweiten Völkercongreß im Interesse deSWeltfrieduis einberufen zu wollen. Dadurch hat Theodore Roosevelt die Führerrolle in der großen Kulturbewe gung übernommen, welche inkernatio nale Gerechtigkeit an Stellender druta len Gewalt setzen will, und da wird er dafür sorgen, und zwar durch Schiedst gerichtsanträge. daß die Freundschast zwischen den Ver. Staaten und nicht nur England, sondern auch'unserem alten Vaterlande niemals gestört wer den möge. Mit Stolz können wir, deshalb in dieser Campagne von unserer Partei sagen: Inmitten der beispiellosen Er rungenschaften eines halben Jahrhun dertS stehend, blickt die republikanische Partei triumphirend auf die Bergan genheit und mit Vertrauen in die Zu kunft. Auf ihren wehenden Bannern stehen die glänzenden Siege der Civilisation verzeichnet, und die stolzesten Blätter der Geschichte find von 1)en Händen ih rer Anhänger geschrieben worden. ' und wir sinden volle Inspiration für die Kämpfe der Zukunft in einem Stu dium ihrer wunderbaren Vergangen heit. Deshalb rufen wir in diesem Mahl kämpf mit Stolz und Triumph die amerikanische Geschichte als unsere Zeu gin an, wohl wissend, was die unver meidliche Antwort sem wird! Lauter Beifall unterbrach häusig die Ausführungen deS beliebten Redners und am Schluß erhielt Herr Bartholdt eine'Ovation, wie sie selten zuvor einem deutschen Redner zu Theil wurde. Nun sprach Herr Morton WoodS von Ohio über nationalökonomische Fragen mit Bezug auf die bevorstehende Wahl. Er sprach sachlich und wußte daS Publikum bis zum Schluß zu interessiren. Eine unangenehme Störung der Versammlung wurde dadurch derur sacht, daß eine Anzahl junger Leute, die wohl irgendwo FreiBier witterten, geräuschvoll den Saal gverließen. . Ab gesehen davon, waren die Veranstal tungen in jeder Weise vollkommen.