Indiana Tribüne, Volume 28, Number 49, Indianapolis, Marion County, 19 October 1904 — Page 7
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,JMt I Jl -TE W W TT n J4 m i v vv vv K (Fortsetzung.) (zaltsam sammelte er seine ah schweifenden Gedanken. Jch bin seh: frcb. gnädig? Frau. Sie erst allein zu treffen. Ich habe Ihnen eine Mittheilung zu machen und eine Bitte auszuspicken." Eine Bitte an mich? Was könner wir Ihnen noch gewähren, Herr v. Normann? Wir gleiten aus Ihrem aus dem Leben all unserer früheren Kameraden und freunde heraus." Tos hcffe ich nicht. Wenn die erste Bitterkeit überwunden ist, wird Hollen sich zu uns zurückfinden." Nie! Er verrennt sich immer mehi in seine überspannten Ideen. Jetz! bleibt uns ja auch nichts anderes übrig, als uns von allen zurückzuziehen." m Mich werden Sie jedenfalls nicht abschütteln können, gnädig: Frau. Iu Hollen nnife mit mir eine Ausnahme machen. Ich habe mich nämlich mi! Asta verlobt und komme, um seine Einwilligung zu erbitten." Mit Asta verlobt!" Ellsns Erstaunen zwang Normann ein leises Lluflachen ab. Sie verzwciselten auch schon daran. Ich nicht. Ich habe trotz Astes anfänglicher Weigerung gewußt, daß ich sie noch erringen würde. Freilich, ihre Zustimmung hat noch einen Vorbehalt." Welchen denn?" fragte Ellen gejpannt. Jr blasses Gesicht röthere sich etwas. Endlich einmal eine frohe Botschaft! Durch diese Heirath wurde Asta gut versorgt, später konnte sie Otto behilflich sein. Normann mußte ihm die Wege zum Eintritt in die Marine ebneu. Ich sagte bereits, daß ich Ihre Hilfe beanspruche, gnädige Frau." Hollen gegenüber? Herr v. Nor mann, so wahnsinnig wird er nicht sein, stirer. Schwester Glück im Wege zu stehen." Ich denke nicht. Jede Kleinlichkeit liegt lhm fern. , Meinen Sie? Otto soll nicht bei der Marine eintreten, weil mein Mann !n seiner Karriere Schiffbruch litt." Bis dahin ist noch lange Zeit und inzwischen manches verwunden, was jetzt noch wehe thut. Sie müssen Hollen wie einen Kranken behandeln, gnadige C . U xfxau. Gerade das reizt ihn am meisten." Wenn man es ihm zeigt selbst verständlich. Einem Kranken sagen Sie es auch nicht, wie schwer leidend er ist. Hollen ist nicht körperlich, nicht geistig, aber seelisch krank. Das erfordert eine sehr vorsichtige Behandlung." Ich kann keine 'Seelenstudien ma chen, wenn ich mit der Noth des Lebens rinaen mutz. Gnädige Frau. Hollen leidet sehr ' tief " Aber ganz selbstverschuldet." Das sind die schlimmsten Leiden. In die HNle des Lebens kommt nur der hohe Adel der Menschheit, sagt Hebbel. die anderen stehen davor und wärmen sich." Dann a.eh'öre ich zu dem Proletariat Ich wärme mich lieber, statt in der Hölle selbstgeschaffener Qualen zu brennen, wie mein Mann. Ich kann Hollens Handlungsweisk vom praktischen Standpunkt aus viel- . leicht verurtheilen, vom ethischen muß ich sie billigen. Ellen schüttelte den Kopf. Nein man hat nicht nur Rücksichten gegen sich selbst, auch an andere muß man denken Aber wir schweifen ab, -nicht über unsere trostlose Zukunft wollten wii sprechen, sondern über Ihre und Astas Sie werden wohl bald heirathen wollen'i" ck? fe eher ie lieber! Aoei Asta" Asta muß sich fügen. In unser Leben paßt sie jetzt nicht mehr hinein. Sie will auch nicht bei Ihnen bleiun. .ie mochte wahrend meiner AbWesenheit in Berlin Musit studiren." Billigen Sie das?" Besser eine hinausgeschobene Ber bindung al3 später ewig unbefriedigte Wünsche zur Ruhe sprechen zu müssen." Und wenn dieses Studium Asta Ihnen ganz entfremdet?" Das glaube ich nicht. Astas Phan taste malt sich alles kiel idealer aus, als es in Wirklichkeit ist. Sie wird bald erkennen, wie viel Widerwärtigkeiten mit dem Leben einer Berufskünstlerin zusammenhängen und froh, sein, ihre Kunst für sich treiben zu können. Sie mögen recht haben oder sich irren, ein gefährliches Experiment bleib es auf alle Fälle. Asta ist jung und sehr hübsch." Ich will ihr aber voll vertrauen kön nen. Ekn Marineoffizier, der jahrelang seine junge Frau verlassen muß. kann nur ein Madchen wählen, von dem e die felsenfeste Ueberzeugung hat, daß sie sein Vertrauen nie mißbrauchen wird. y Und diese Ueberzeugung glauben Sie Asta gegenüber haben zu können? Ellens Ton klang nicht sehr Zuversicht lich. Tas will ich eben ausprobiren." Ein gefährlicher Versuch." Der Ausgana entscheidet immer Wer nicht wagt, gewinnt nicht. Das
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N N N N N $1 ' V jlmau von V V Henriette v. Meerhcimb j tX t& tt tt Sprichwort ist 'abgedroschen, aber unbestreitbar. Sie müssen meine Verbündete sein, gnädige Frau." Inwiefern?" Asta braucht Geld. Ich kann es ihr nicht anbieten. Thun Sie es für mich." Ellen sah erstaunt auf. Ich habe Vermögen," fuhr Normann hastig, wenn auch etwas befangen fort, bin Niemand m der Welt Rechen schaft schuldig als mir selbst. Wenn Asta meine Frau wird, ist die Sache erledigt. Unb sollten meine Hoffnungen sich wirklich zerschlagen auch dann, gnadige Frau, dürfen Sie nie verrathen, daß ich dazu beitrug, ihren Wunich zu erfüllen. Es geht alles durch Ihre Hand. Auch Hollen darf nichts toiiscn. Spater sage ich ihm dann selber alles." '.Ich verstehe Sie nicht, lieber Normann. Sie selbst bieten die Hand, damit Asta ein Leben wählt, das sie von Ihnen trennen kann?" Das glaube ich eben nicht. Ohne die Aussicht, jetzt sich ganz ihrer Musik widmen zu dürfen, wurde Asta mcht eingewilligt haben, meine Frau zu loerden. Sie war m Verzweiflung über das ihr bevorstehende Leben in der kleinen Stadt. Sie würde uns später stets vorwerfen, ihr keine Gelegenheit gegeben zu haben, ihr Talent auszubilden. Das will ich vermelden'." Ellen sah nachdenklich vor sich hin. Vielleicht wählte William wirklich das einzige Mittel, um Asta gefugig zu machen. Ich will Ihren Wunsch erfullen, Herr v. Normann, aber ich muß die Freiheit behalten, Asta die Wahrheit zu sagen, wenn ich es einmal für unbedingt nothig halten sollte. Gut, gnädige Frau aber auch nur dann! Sonst tiefstes Schweigen." Mein Wort darauf." X Normann beugte sich über Ellens Hand, als Asta, die ihre Ungeduld nicht langer bemeistern konnte, hereinstürmte. Thut sie s? war ihre erste athemlose Frage. Normann nickte. Asta umschlang Ellen mit einem Jubelruf. Du beste, liebste Seele! Du stellst Dich ja nur hart und kalt! Wie soll ich Dir danken?" Nur dadurch, daß Du. Dein Wort hältst und William glücklich machst." Frau Ellen, verehrte Schwägerin das ist gegen die Verabredung! Keine Zwangsmaßregeln!" Normann zog Asta zu sich heran. Sie spielte mit einem Knopf seiner Uniform. Ach Du " sagte sie Plötzlich, ich bin Dir ja schon sehr gut, weil Du Ellen herumgebracht hast." Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und drückte einen Kuß auf seinen Mund ganz sanft und leise, aber ohne zu erröthen. Ellen sah mit ironischem Lächeln, wie beglückt Normann über diesen freiwilligen Kuß war. Er glaubt an erwachende Liebe," dachte sie, und es ist doch nur aufwallende Dankbarkeit, die sie zärtlich macht." .Ellen, komm, hilf mir," bat Asta. So kann es hier nicht bleiben. Wir rücken den Tisch in die Mitte. Hol ein Tischtuch. Deine schönsten Gläser ich besorge Blumen. Wein, etwas Gutes zu essen. Heute wollen wir fröhlich sein. Ich singe Euch vor, wir trinken auf die Kunst, das Leben auf alles, was Ihr wollt. Ich ziehe mir schnell ein Weines Kleid an. Ellen muk auck andere wollene macyen. vnqt wahr. William?" Ohne eine Antwort abzuwarten, war sie schon zur Thur hinaus. Ellen kramte einige schön geschlissene Gläser heraus. Bei Asta geht es stets .himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt lieber Normann. Zwischen diesen Extremen schwankt sie beständig hin und her." Thun Sie ihr den Willen." bat er. Es ist doch naturlich, daß sie unsere Verlobung wie ein Freudenfest feiern will." O, Du blinder Narr-!" dachte Ellen. Sie verbiß mühsam die Antwort, die ihr auf der Zunge lag: Nicht diese stiert sie. nur den Triumph, ihren Wu Hirn durchgesetzt zu haben." Wie ein Hohn auf ihr verdunkeltes Leben kam es ihr vor. den Tisch mit Blumen. Früchten, schnell herbeigeschafften Delikatessen herrichten zu sollen. Hollen und Otto machten erstaunte Augen, als sie von ihrem trübseligen Spaziergang aus den dämmerigen Straßen hereinkamen und den Salon festlich zurechtgemacht .fanden. Brennende Lichter, Blumen; .tlle Kleider verbreiteten schnell einen heiteren Eindruck. Normann begrüßte Hollen so herzlich, daß dieser unwillkürlich etwas aus seiner frostigen Zurückhaltung heraus kam. Ohne ein Wort zu erwidern, ließ er sich alles auseinander setzen. Astas Verlobung, ihr Entschluß, wahrend Normanns Abwesenheit in Berlin Musik zu siudiren, Ellens Vereitwilligkeit, das dazu erforderliche Geld vorzustrecken. Ueber diesen letzten Punkt ging Nor mann etwas schnell und flüchtig fort. Lugen fiel semer Zunge schwer. Hollen wünschte Asta Glück. Er wi dersetzte sich ihrem Vorhaben mit keiner
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Silbe, dankte aber auch seiner Frau nicht. War es ihm ein bitteres Gefühl, daß Normanns Einfluß sie so schnell zu dem vermochte, um das er sie so oft ver-' geblich gebeten hatte? Oder durchschaute er die geheime Abmachung? Noch vor kurzer Zeit wäre es seiner Frau unmöglich gewesen, ihn zu täuschen, jetzt bedürfte es keiner großen Anstrengung dazu. Trotz des funkelnden Weines in den mattgrünen Gläsern, dem Duft der Rosen'die über den Tisch verstreut lagen, wollte keine rechte Stimmung aufkommen. Nur Astas helles Lachen ertönte ost. Sie sah so reizend aus in ihrem weißen Kleid, mit den glänzenden Augen und rosigen Wangen, daß Normann seine Blicke nicht von ihr losreißen konnte. Nach Tisch fang sie einige Lieder. Normanir fand ihren Gesang vollendet schön. Am liebsten hätte er sie gebeten: Gib Deinen Plan auf, für mich singst Du schön genug, singe nur für uns und unser Glück, heirathe mich noch vor meiner Abreise aber er wußte zu gut, wie ihre Antwort lauten würde. Also Geduld' Geduld! , Otto-ließ, das Brautpaar nicht viel .gestört. Flüsternd fragte er Normann beständig nach der unseligen Schiffskatastrophe aus, klagte ihm vor, daß 'der Vater ihn nicht zu der Marine gehen lassen wolle, und schließlich hieß es: Onkel William, Du mußt mir helfen, den Vater umzustimmen." Ich will sehen, was sich machen läßt," beschwichtigte Normann. Warte nur bessere Zeit ab." Hollens scharfe Ohren fingen einige Worte des leisenGesprächs auf. Lieber Normann. rede dem Jungen die Idee aus!" rief er herüber. Ist es nicht genug. wenn einer in der Familie scheitert?" Otto kann feine Gedanken sehr gut konzentriren. Er ist vollkommen gesund und nervenstark. Alle Vorbedingungen zu einer erfolgreichen Laufbahn bei der Marine kann er erfüllen," unterbrach Ellen ihren Mann. Ich sehe nicht ein. warum er seinem Herzenswunsch nicht folgen soll." Hollens Gesicht röthete sich. Er verstand oder glaubte die Anspielung zu verstehen. Er biß sich auf die Lippen und schwieg. Eine schwüle Pause entstand. Otio sah verlegen und unglücklich vom Vater zur Mutter herüber. Er konnte sich in der jetzt stets wie elekrisch geladenen Atmosphäre seines einst so heitersonmgen Elternhauses mcht mehr, zurechtfinden. Geh zu Bett. Otto," befahl Hollen. Ellen stand sofort auf. Ich gehe mit Dir, mein Junge." Dann ist es wohl für mich auch Zeit." meinte Normann. Bleib noch, William," bat Hollen. Asta räumte ihre Notenblätter zufammen und drehte den Herren den Rücken. Ellen und Otto gingen mit einem kurzen Gruß hinaus. Hollen sah ihnen nach. In seinem Vlick lag eine, bittere Resignation. Man möchte keinen dritten zum Zeugen in seiner Ehe haben," sagte er halblaut wie zu sich selbst sprechend. Und doch ist dieser dritte immer da: das Kind! Und ist ost mehr wie ein Zeuge, nämlich Sündenbock." Normann faßte seine Hand. Das zieht sich alles wieder zusammen. Es ist jetzt nur noch zu frisch und unverwunden bei Frau Ellen. Mit der Zeit wird sie Ergebung lernen." Ergebung! Das ist weiter nichts wie die bequemste Lage eines Kranken, der sich lange unter Martern herumwirft und dadurch müdt wird und endlich Ruhe findet. Vorläufig werfen wir uns noch herum und stoßen darum bcständig aneinander," antwortete Hollen gedrückt. .Darf ich Euch in Eurem neuen Wohnort valv auuchen und vor: von Asta Abschied nehmen?" lenkte William ab. Gewiß. Bleib ein paar Tage. Das muß ein langer Abschied werden, weil Euch ja so lange Trennung bevorsteht." Waren die zwei Jahre nur erst vor über!" seufzte Normann. . Früher konnten mir die Reisen nie lang genug sein. iefet kommt es mir wie eine Ewiakeit vor. Bin ich zurück, heiraiyen wir gleich. Nicht wahr, Asta?" Sie sagte weder ja noch nein. Die langen Wimpern blieben über die la chenden Augen gesenkt. Sie biß die Zähne fest in die rothe Unterlippe, um die Antwort festzuhalten, die .in ihrem Herzen jubelte: Bis dahin bin ich längst eine gefeierte Sangerm! Gute Nacht, lieber William, träum recht schon!" sagte sie laut. Wie Taubenlachen klang die .holde Stimme suß und spottisch. Der Ton lag ihm noch im Ohr während seines einsamen Weges durch die zetzt stillen, menschenleeren Straßen. Träum recht schön!" Wenn feine Hoffnungen wirklich nur schone Traume bleiben sollten? Zwei Jahre sind eine lange Zeit, und er ging unerreichbar wett fort. Ein lähmendes Gefühlt der Macht losigkeit wollte ihn beschleichen, aber er schüttelte es gewaltsam ab und ging straff aufgerichtet seinen Weg weiter. Er mußte fest vertrauen! Konnte er das nicht, dann würde sein ganzes spateres Leben, jede neue Reise eine neue Qual und beständig nagende Sorae sein. Das ging nicht an. Man kann den schweren Beruf, eines Seemanns aus fernen Meeren nur frisch und freu dig erfüllen, wenn der Gedanke an die Heimath, die Zurückgebliebenen wie ein fester Schatz, nicht wie ein schwerer Sorgenstem im Herzen ruht.
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f Bläuliches Möndlicht zitterte über 1 . y" r fOT-ft. i i )cr ounnen Hasensiuly. yjuivt, regeneuchte Luft strich kübl um seine Sckläsen. Die massiaen Schiffsleib:? hoben und senkten sich in den leicht wogenden Wellen. I Durch die zerrissenen Wolienfetzen, die über den Mond hinjagten, schoben sich matt glitzernde Sterne. Wie tröstliche Hoffnungsstrahlen aus unenoliehen Fernen grüßten sie herab. ' T 4.K a p i t e l. sta sah aus ihrem durch Staub und Regentropfen halbblinden Fenster auf die Potsdamerstraße herunter. Ihr Zimmer lag im dritten Stock. Sie konnte von ihrer Höhe aus nur die Hutdeckel der Menschen, die eilig die heißen, staubigen Siraßen, entlang eilten, erkennen. Dazwischen jagten Droschken, klingelten elektrische Bahnen, schnll'en die Glocken der Radler. Die Lmdcnbäume, die die Straße einfaßten, sahen welk und matt aus. Gelbe Blätter sanken lautlos von en Zweigen auf den heißen Asphalt herunter. ; Ein glühender Sommer dörrte die Vegetation aus. Obgleich es bereits' Mitte September war. glühte V.e Sonne noch immer erbarmungslos auf die Steinmassen herab. Die ganze schwüle Sommerhitze steckte noch in den Häusern. sta dachte oft mit Sehnsucht an ihr Zimmer in Kiel zurück. Die Seeluft vom Hafen brachte immer erquickliche Kühle. Auch das Häuschen bei Helmstadt mit dem durch Kurts fleißiger Arbeit jetzt üppig blühenden Gärtchen munte erträglicher fern wie ihr Auf enthalt in der Berliner Penston, die sie seit einigen Monaten bewohnte. Die stundenlangen Singubungen griffen auch an. Natürlich befolgte. der Berliner Gesanglehrer eine ganz andere Methode wie der m Kiel und ließ sie fast wieder von vorne anfangen. In dem Konservatorium, wo sie theoretischen Unterricht nahm und Generalbaß studirte, langweilte sie auch die etwas pedantische Art des Unterrichts. Ihren Studiengenossinnen schloß sie sich nicht an. , Die alle betrieben die Sache so schematisch, nur zum Zweck des baldigen Geldverdienens, wie Asta glaubte. Es fehlte ihnen allen der rechte Schwung, die Begeisterung. Vielleicht lag es auch mit an der j drückenden Luft die allen Enthusiasmus lahmte, aber vorläufig kam ihr der ersehnte Berliner Aufenthalt wie eine große Enttäuschung "vor. Das übertrieben viele Singen der letzten Zeit schien ihrer Stimme zu schaden. Erzwingen ließ sich ein schnelleres Vorwärtsschreiten sicher nicht. Bildete sie es sich nur ein oder klang wirklich ihr Gesang oft wie verschleiert in der Mittellage, mühsam hinaufgeschraubt in der noch vor Kurzem so silberhellen Höhe? Trotz der schwülen Hitze fühlte sie ihre Hände eiskalt werden bei diefern Gedanken. Sie glaubte das wohl nur, weil ihr die ewigen Uebungen zum ueberdruß wurden. Sie wollte einmal ein Lied versuchen und sich dabei bemühen, 'ganz objektiv den Klang des eigenen Organs zu prüfen. Unmöglich. Ihre, Stimme zitterte' vor Aufregung. Sie sang falsch schließlich erstickten Thränen den Gesang. Man kann nicht Künstler und Kunstkritiker zugleich sein. Die Finger klebten an den Tasten. An diesem bleiern-schwülen Tage wurde jede Th'atigkeit zur Qual. Sie hätte eigentlich an William schreiben müssen. Sein letzter Brief war immer noch nicht beantwortet, und er hatte sich doch so dringend häufige Nachrichten bei ihrem Abschied erbeten. Sie glaubte wieder das leise Schwanken seiner Stimme zu hören, den Druck seiner Lippen auf ihrem Munde zu fühlm. Asta fuljr mit dem Taschentuch durch die Luft. Liebesbriefe kann man nicht schreiben, wenn das- Herz kühl, das Zimmer glühendheiß ist. Ein Klopfen an ihrer Stubenthür ließ sie auffahren. Wahrscheinlich verbat sich die nervöse Schriftstellerin von nebenan wieder das Singen. Herein ich bin ja schon still!" ries sie in einem Athem ungeduldig der Ein tretenden zu. Es war aber nicht das überarbeitete Fräulein Ries mit dem Kneifer über den wie gierig nach Romanstoffen herumspähenden Augen und den taktlosen Fragen, ,mit denen sie alles erforschen wollte, um ihrem ausgeschriebenen Talent durch ??remdanleihen nothdürftig aufzuhelfen, sondern Marka Paulsen, die berühmte Konzertspielerin, der Stern der Pension, die erst feit vierzehn Tagen hier wohnte. Asta hatte gleich lebhaftes Interesse für die Künstlerin empfunden. Das blasse, unregelmäßige Gesicht mit dem bauschigen, dunkelblonden Haar, den etwas schweren Lidern über den graubraunen Augen, deren gerade, fernge zeichnete Brauen bis an die Schläfen reichten, zog sie an. Sie wagte aber nicht als so viel jüngere Anfängerin der rühmlich bekannten Klaviervirtuosin näher zu treten, sondern wartete deren Annäherung ab. ' Freudig überrascht sprang sie auf und ging ihrem Besuch entgegen. Hat mein Gesang Sie gestört, Fräulein Paulsen?" , Ja ich konnte das müde, gequälte Stimmchen nicht mehr hören," sagte Marka freundlich. An solchem Tage kann man nur. im dünnen Morgenrock, im verdunkelten Zimmer sitzen und ab gekühlten Thee '.trinken. Ich wollte Ihnen vorschlagen, das bei mir. zu thun. Bei Ihnen hier sind mindestens
dreißig Grad. . Ein Berliner Sommer in einer Berliner Pension das ist eine schauderhafte Zusammenstellung." Asta folgte der Aufforderung nur zu gern. Jede Ablenkung von ihren traurigen Gedanken war ihr willkommen. Auch konnte eine Annäherung an die routinirte Künstlerin ihr ja nur in jeder Weist nützlich sein. Markas Zimmer lag im ersten Stock. Herabgelassene Jalousien verbreiteten ein grün' dämmerndes Licht. .Unzählige herumstehende Photographien, viel Blumen, große rothe und gelbe Dahlien in dunkelblauen Thonvasen von antiker Form gaben selbst der banalen Hoteleinrichtung ein eigenartiges Gepräge. Ich schleppe viel mit mir herum auf meinen Reisen, aber liebe Bilder. Bücher, Blumen muß ich um mich haben, dann bin ich gleich in dem nüchternsien Zimmer zu Hause." Marka trat zu dem kupfernen Samowar, der in der Ecke dampfte. Goldgelber, echt russischer Thee über eine Citronenscheibe gegossen Sie sollen sehen, das kühlt ah. Nur keine kalten Getränke an heißen Tagen trinken! Das erhitzt immer mehr." Sie reichte Asta die Tasse hin. Der Thee schmeckte wirklich besonders gut. Anders' wie der Pensionsthee, von irgend einer Hecke abgeschnitten und mit Milch und Zucker zusammengepantscht!" lachte Marka. Was immer noch solch trauriges Gesichtchen? Wo fehlt's denn?" Ich fürchte, meine Stimme reicht nicht aus. Ich übe und übe, aber " Vielleicht zu viel! Setzen Sie mal den Unterricht ein wenig aus." Ich muß rasch etwas erreichen Marka zündete sich eine Cigarette an. Asta wies dankend das silberne Etui zurück. Zur Höhe der Kunst führt nur ein langer, mühseliger Weg." sagte Marka ernst, ein paar tadellose Rauchringe aus dem kreisrund geöffneten Mund stoßend. Die bläulichen Wölkchen zergingen langsam in der stillen, warmen Luft. Warum eilt es denn so sehr?"
Asta erzählte in kurzen Worten ihre Verlobung, die zweijährige Frist, m der sie berühmt, wenigstens bekannt werden mußte. Um der Heirath zu entgehen? Eine merkwürdige Abmachung! Nun, wenn ich Ihnen mit meinen Erfahrungen hel sen kann, bm ich gern bereit. Bitte, rathen Sie mir." Ja, liebes Kind, aber Sie müssen mcht entsetzt sem! Vor allem geHort Geld und nochmals Geld zum . VorWartskommen." Geld?" Asta seufzte. Ellen hielt sie sehr knapp. Sie fürchtete, daß das junge Mädchen unnütz Geld verthäte. und sandte kaum die Hafte von Wil liams ausgesetzten Summen. Sie glaubte sicher an die Heirath des jungen Paares, .weshalb also sollten Astas verdrehte Ideen so theuer bezahlt werden? Sie müssen vor allen Dingen zu Herrn Rosengart gehen. Der leitet die Konzerte m der Philharmonie. Tausend Mark wird er jedenfalls nehmen. um Ihr Auftreten zu arranguen. Tausend Mark! Nur für die Erlaubniß. ünaen m dürfen? (Fortsetzung folgt.) jSbumovi&li&ches Her Realist. Papa, was ist das, ein. Park?" E' Park! Nu, das is e' unausgenutz tes Grundstück!" Dns kleinere Z.leliel. Ja, was fehlt Ihnen denn, Herr Gnaunzerl? Sie scheinen ja auch nicht wohl zu sein!" Kopfweh hab' ich zum rasend werden!" Sind S' froh, daß 's Ihnen nicht geht wie mir! Ich hab' Zahnweh! Ihre Frau Gemahlin kann doch wenigstens nicht gut verlangen, daß Sie sich ihn reißen lassen!" Vigentlrütnlicifcr Rauv. Weißt Du noch, Hans, in dieser Laube war es, wo Du mir den ersten Kuß rauben durstest?" , - iderlprttiti. x mFlink, Anna, diese Tischtücher sind zu säumen! WennSie dieselben gesäumt haben, geben Sie sie mir ung'esäumt zurück!" Nw. G e n d a r m ' (zu dem auf der andern Seite des Flusses gehenden Strolch): Halt, ich muß Sie mitnehmen können Sie schwimmen?"
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