Indiana Tribüne, Volume 28, Number 47, Indianapolis, Marion County, 17 October 1904 — Page 6

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Europäische achrichtew

"gvovirt& Fornrnern. Stettin. Gestorben ist in Bethanien der Vorschnitter Franz Kreja, der auf einem Dorfe in der Umgegend von Arnswalde dadurch verunglückte, daß er in einer Scheune beim Heruntergleiten von einem elngeorachten Erntewagen mit dem Gesäß auf den Stiel einer aufgestellten Forke gerieth und der Stiel ihm in den Leib drang. Eine Darmzerreißung führte zu dem traurigen Ausgang des Unfalles. Brüssoro (Kolberg). Als die Frau Bauerhofsbescher Vorth für kurze Zeit die angespannten Pferde halten wollte, gingen diese durch, die Frau wurde umgerissen und überfahren und derart vorletzt, daß sofortige ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Die Verletzungen sind sehr schwer. D o l g e n. Vor Kurzem schlug der Blitz in das Haus des Eigenthümers Vriesemeister Da das. Haus nur mit 1000 Mark gegen Brandschaden, das Mobiliar aber gar nicht versichert war, erlitt der Besitzer einen bedeutenden Schaden, den er umsomehr empfand, als sein Grundstück schon ziemlich hoch mit Schulden belastet war. Er sah deshalb sorgenvoll in die Zukunft und verrichtete trübsinnig fein Tagewerk. Unlängst war er mit seiner Frau und seinem alten Vater mit Dreschen beschäftigt. Nachdem forderte er feine Frau auf, den Kaffee zu besorgen, während der Vater eine Bestellung beim Nachbar auszurichten hatte. Die Zeit des Alleinseins benutzte BriefeMeister, um sich in der Nähe der Scheune mit einem Rasirmesser die Kehle zu durchschneiden. Die Frau fand den Mann todt in seinem Blute liegen. K l ö s e n (Blltow). Der drei Jährt düt Sohn Dtl Bauerngutbrsitzers Baldt fiel in eine Mergelgrube und ertrank. M a r w i tz. (Greifenhagen). In dem hiesigen Dorfe sind die Gehöfte des Tischlers Salis, deö Sattlers Malitz und des BüdnerS Fiebelkorn, sow'ie eine Scheune des Fleischermeisters Kolbe abgebrannt. Aufgegangen ist das Feuer in der Scheune des Kolbe. Rügenwalde. Ertrunken ist beim Baden in der Wipper der 15jährige Sohn des Eigenthümers Schmidt ln Sellen. StolpmUnve. Das zsmängt Stiftungsfest feierte der hiesige Mili-tär-und Kriegerverein. Ueber 700 Krieger von 13 Nachbarvereinen waren zu dem Feste erschienen. Von den auswärtigen Vereinen sowie von den Jungfrauen von Stolpmünde sind Fahnennägel und Fahnenbänder gestiftet worden. Frovinz Schresxvig'Kc'rstetn. Altona. Der Registraturbeamte im hiesigen Polizeiamt, C. Ehlers, ein alter 48er Kampfgenosse, feierte mit seiner Gattin in voller körperlicher und geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Braaken., Das bei dem Landmann Christian Horstmann in Dienst stehende Mädchen Köhn verunglückte dadurch, daß es mit einem Bein in die Trommel der in Betrieb befindlichen Dreschmaschine gerieth. Das Bein wurde so erheblich verletzt, daß es unterhalb des Knies abgenommen werden mußte. H o l m bei Wedel. Das Allgemeine Ehrenzeichen ist dem 66jahrigenDienstknecht H. Lienau verliehen und durch den Landrath Dr. Schelfs überreicht worden. Derselbe hat ununterbrochen 50 Jahre im Dienste der Familie Lienau gestanden, bei der er noch thätig ist. I tz e h o e. Die Conventualin des hiesigen adeligen Klosters Gräfin Caroline zu Rantzau aus dem Hause Ra storf wurde durch einen sanften Tod von ihren langen Leiden erlöst. Kiel. Der vordere Theil eines vierstöckigen Neubaues im StadttheU Wiek stürzte-plötzlch ein. Die auf dem Gerüste und in dem Hause befindlichen Leute wurden mit in die Tiefe gerissen. Dem 24jährigen Maurergesellen Stoll wurde der Schädel eingeschlagen, so daß der Unglückliche nur alsLeiche hervorgezogen werden konnte. N e u m ü i st e r. Auf dem hiesigen Bahnhofe verunglückte der Rangirer Gottfried Preuß; ihm wurde beim Entkuppeln von Wagen durch die Puffer der Brustkorb eingedrückt und der Tod trat auf der Stelle ein. Er hinterläßt eine Frau und ein Kind, v O l d e s l o Das Fest der Diamanthochzeit feierten die Gastwirth Heinrich Loding'schen Eheleute. Das Jubelpaar erfreut sich noch großer Rüstigkeit. Plon. In Stakendorf starb kürzlich die älteste EinwohnerinSchleswigHolsteins, die Wittwe Lehnke Schneekloth, geb. Lange, im 103. Lebensjahr. Rendsburg. Das im hiesigen Kreise gelegene Dorf Pleissen ist zur Hälfte niedergebrannt. Etwa 20Häufer sind ein Raub der Flammen ge worden. S ch o l d e r u p. Durch einen Blitzstrahl eingeäschert word-n ist das Gewese des Maurermeisters Winker. Provinz Schkelien. B r e s l a u. Bauarbeiter Ernst Kaschik, der beim Abbruch des Hauses Klosterstraße 80 beschäftigt war, stürzte vom Dache aus den Bürgersteig, wodurch er sich schwere innere Verletzungen, sowie anscheinend auch einen Schödelbruch zuzog.

E s d o r'f. Töbtlich verunglückt ist

der Mühlenbauer Göldner beim Einziehen eines Flügelarmes an derWindmühle. Er wollte die schwierige Arbeit allein verrichten und den Arm mit Hilfe eines Flaschenzuges einziehen. Hierbei entglitt das. Seil seiner Hand, der schwere Balken sauste aus betrachtlicher fib've bernieder und traf den Unalücklichen so gewaltig, daß er seinen Geist ausgab. G r a b o f k e (Trachenberg). Der hier zum Besuch weilende 23jährige Besttzerssohn Weiß tödtete sich durch einen Teschingschuß. Der junge Mann war im Begriff, im Garten ein EichHörnchen zu schießen; beim Eindringen in ein Gebüsch entlud sich das Tesching in seiner Hand, und der Schujs drang ihm in den Leu?, vlact) kurzer Zeit war der Unglückliche eine Leiche. I ä tz d o r f (Ohlau). In der hiesigen Mühle wurde im Reinigungsraume der Müllergcselle Heinrich Müller todt aufgefunden. Das Genick war ihm gebrochen und am Kopfe fanden sich große Quetschungen vor. Auf welche Weise Müller verunglückt ist, konnte nicht festgestellt werden. Wahrscheinlich ist derselbe beim Schmieren von dem Triebwerke - ersaßt und gerädert worden. Neifse. Tischler Franz Mende von hier, ein bejahrter Mann, stürzte bei der Arbeit, auf einer Leiter stehend, etwa zwei Meter rücklings auf das Pflaster und erlitt anscheinend schwere innere Verletzungen. Bewußtlos und stark blutend wurde zx in das Fürstbischöfliche Ober - Hospital übergeführt, wo er bald den Verletzungen erlag. R a t i b o r. Eine 87jährige Wittwe. Änna Pietzek, die in dem Vororte Plania in einer Giebelstube wohnte, hat ein gräßliches. Ende gefunden. Jhre Kleider fingen auf nicht festgestellte Weise Feuer. Als die Wirthsleute zu Hilfe kamen, fanden sie die Greisin in Flammen gehüllt. Die Frau erlitt so schwere Brandwunden, daß sie derschied. S ch e l i tz (Ober - Glogau). Die Ehefrau des Königlichen Försters Knitta verstarb infolge einer Vlutörgiftung. Der herbeigerufene Arzt vermochte die kräftige Frau nicht mehr zu retten. ' Wüftegiersdorf. Amtsrichter H. v. Moser, der seit zehn Jahren beim hiesigen Amtsgericht thätig ist und sich allseitiger Beliebtheit erfreute, ist. freiwillig in den Tod gegangen. Der Versiorbene, dessen Verhältnisse in der denkbar besten Ordnung sind, kann den Schritt nur in einem Augenblicke geistiger Umnachtung gethan haben. Er stand im 47. Lebensjahre. Frovinz Fosen. Bromberg. Eisenbahnwerkmeister a. D. Brankmann erhielt den Rothen Adlerorden 4. Klasse. Dieselbe Auszeichnung wurde dem Eisenbahnsekretär a. D. Rechnungsrath Riese verliehen. G n e f n. Dem pensionirten Eisenbahnstations - Nachtwächter Manthei wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. D a n o w i tz. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich in Ulenhof. Das dreijährige Kind des Ansiedlers Dammermann war auf der Dorfstraße eingeschlafen und wurde von einem Fuhrwerk aus Chlebowo überfahren. Das Kind liegt hoffnungslos darnieder. Jnowrazlaw. Am ScharleySee war die Ehefrau des Arbeiters Kanareck mit Wäschespülen beschäftigt, während ihre drei Söhne im Alter von zehn, acht und sechs Jahren im See badeten. Plötzlich gerieth einer der Knaben in die Tiefe, die beiden anderen wollten ihn retten, doch ertranken alle drei vor den Augen der Mutter. Auch diese hatte sich angesichts der Gefahr, in der ihre Kinder schwebten, bereits ins Wasser begeben, um zu retten, mußte aber ihre Mutterliebe mit dem Leben bezahlen, sie ging gleichfalls unter und ertrank. Die Leichen wurden geborgen. Kronea.Br. Der Viehhändler Florian Radtke von hier war mit Getreidegbladen beschäftigt. Als er hierbei vom Wagen sprang und sich an der benutzten Heugabel stützte, glitt er aus und stieß sich die Gabel in die linke Vrustseite, so daß die Gabel im Rücken wieder herausdrang. Radtke ist so schwer verletzt, daß sein Aufkommen fraglich ist. O st r o w o. Ein verheerendes Feuer wüthete in Swielzow. Es brannten gleichzeitig mehrere Wirthschaften. Sämmtliche Wohn- und Wirthschaftsgebäude und das, Inventar, mehrere Stück Vieh und die gesam:nten Ernterertrüge des Ortsschulzen Dudek und des Wirthes Lis sind eingeäschert worden. R a w i t s ch. Nach kurzem Krankenlager starb im Alter von 84 Jahren an Herzlähmung der Baumeister Robert Fischer hierselbst. Der Verstorbene, der bis in, sein Alter hinein eine Reihe wichtiger Ehrenämter in hiesiger Stadt bekleidete, erfreute sich allseitig großer Liebe. 'Frovinz Sachsen. Magdeburg. Dem Regierungssekretär a. D. Rechnungsrath Stutzke ist der Rothe Adlerorden 4. Klasse und dem pensionirten Kanzleigehilfen Gustav Theile das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. Aschersleben. Der seit kurm Zeit vermißte Arbeitsbursche Emil Breitschuh ist als Leiche ' mit Verletzungen in einem Steinbruche bei

Quenstedt aufgefunden worden. Breitschuh ist ermordet worden, wie der gerichtliche Sektionsbefund ergeben hat. Ob ein Lustmord vorliegt, ist noch zweifelhaft. D c l i tz s ch. Ein löjähr. Dienstmädchen . des Kaufmann R. Wener, Namens Schumann, aus Greppin bei Vitterfeld gebürtig, erhängte sich im Garten ihres Dienstherrn. Was die Unselige in den Tod getrieben, ist unbekannt. Eilen bürg. Das achtjährige Töchterchen des Tischlermeisters G. Schwenke gerieth in das Getriebe der Hobelmaschine und verletzte sich an Armen und Beinen so schwer, daß der Arzt seine Ueberführung nach der Leipziger Klinik anordnete. Beim Rangiren verunglückte der Vahnarbei ter Dornbusch und zog sich fchwereVerletzungen am Arm zu. Er wurde nach der Halle'schel: Klinik gebracht. Gutenberg. Auf einer Grube bei Roißsch wurde der hiesige Arbe:ter Gubi von abstürzenden Erdmassen verschüttet. Gubi wurde todt hervor-gezogen.-Halle a. S. Durch das beim Bruch infolge des Brechens eines Stempels niedergehende Gebirge wurde in der Braunkohlengrube Vereinigte Karl-Ernst" der Heuer Jühnemann aus Lettin getödtet. , I e r i ch o w. Im. hiesigen Krankenhause mußte der KossatenfrauWelle aus Schmetzdorf ein Arm abgenommen werden; sie war mit der Hand in das Getriebe der Dreschmaschine gerathen und hatte sich schwer verletzt. P l ö tz k y. Der 18jähr. Sohn des Gastwirths Schuchardt ist beim Baden in der Alten Elbe ertrunken. Ein Herzschlag hatte ihn getroffen. T o r a a u. Ertrunken ist der Husar Pfeiffer von der 6. Eskadron in Pretzfch beim Baden an unerlaubter Stelle. Z e i tz. Die Frau des Kutschers Mieder wurde in de? Schillerstraße, wo ein Haus niedergelegt wird, von einer einstürzenden Mauer erschlagen. Ihr Körper war zu einer formlosen Masse zerquetscht. Hestcrreich''Zlngarn. Wien. In das Ordinationszimmer eines hiesigen Arztes kam eine junge Dame und wollte sich behandeln lassen, da sie von Krämpfen befallen war. Plötzlich stürzte die Dame bewußtlos zusammen. Der Arzt berief sofort telephonisch die Freiwillige Rettungsgesellschaft, doch konnten ihre Aerzte nur mehr den Eintritt des To des feststellen. Man fand bei der Todten drei geleerte Fläschchen, die Kokain enthalten haben dürften. Es scheint ein Selbstmord durch Vergiftung vorzuliegen. Die Dame ist mit der 28jährigen Privaten Anna Valentin. Hietzing, Hadikgasse No. 20 wohnhast, indentisch. Der Kaffeesiede c Josef Meyer, welcher in der Singerstraße von dem Juwelenagenten M. Boden durch Stiche in den Unterleib schwer verletzt wurde, ist im Allge-

meinen Krankenhause gestorben. Aus dem Schwechater Muhlbach in Kaiser - Ebersdörf wurde die Leichz eines Mädchens gezogen.' Sie ist als die der sechsjährigen Josefa Wagner in Klein-Schwechat, Am Grund 124, in Pflege, agnoszirt worden. Die Kleine ist beim Spielen, in den Bach gefallen und ertrunken. Der Assi stent am hygienischen Institut derUniversität Dr. Karl Spitzauer ist vom Monte Zebru in der Ortlergruppe ab gestürzt. Er blieb todt auf dem Suldenjoch liegen. Die zweijährige Josefine Mautner, Tochter eines in Ottakring wohnhaften Kellners, wurde vor dem elterlichen Wohnhause von einem Fiaker überfahren und so schwer verletzt, daß sie bald nachher starb. Fast an derselben Stelle wurde später der fünfjährige Hilfsarbeitersohn Franz Wittmann von einem Eiswagen überfahren und gefährlich verletzt. Der 27jährige Privatbeamte Rudolf Pesauer zagte sich wegen Fammenzwi stes im Jnundationsgebiet in Jedlesee aus einem Revolver eini Kugel in die Herzgegend. Er wurde ins Allgemeine Krankenhaus gebracht und ist dort gestorben. Zwischen der Nordbahn brücke und der Walzmühle wurde die bloß mit Schwimmhose bekleidete Lei che eines Mannes, der beim Boden ertrunken sein durfte, aus dem Donauström gezogen. Sie dürfte mit der Leiche des Aushilfswächters im Brigit tenauer Ranqirbahnhof Johann Rie del identisch sein. Er hat kurz zuvor am rechten Donauufer gebadet und ist plötzlich in den Wellen verschwur den. Vorsichtig. Tochter: Ich werde jetzt das Werk Im ewigen Eise" lesen. Mutter: Du, da binde Dir aber etwas um den Hals. . Der Graphologe. Ich habe einen Drohbrief erhalten, liebe Frau! Man will unser Haus anzünden und uns ermorden!" .Um Himmels willen, HanS!" Beruhige dich nach seiner Handschrift zu urtheilen, ist der Schreiber des Briefes eine Seele vpn Mensch!" D i e Frauenrechtlerin. Sie haben immer so viel auf die Männer räsonnirt, kein gutes Haar an .ihnen gelassen, und nun wollen Sie henathen Da müssen die Manner doch' wohl nicht so schlecht seuu Frauenrechtlerin: Doch, doch! Mein Bräutigam ist eben eine Ausnahme, die nur die Regel bestätigt!"

Wohlthö tlgkcit-Orden Titel. Das Vorlinor Tageblatt' schreibt: Vor einigen Tagen haben wir daö Manöver eines Ordens, und Titel raubritters niedriger gehängt, der von Mühlau in Tirol aus Offerten in alle Welt seiidet, in denen er jene, die nicht alle werden, dazu anreizt, unter dein Deckmantel der Wobltbätigkeit sich stolze' Orden und Titel zuzulegen. Dieser Raubritter, ein Herr v. Fröh lich, betreibt sein Geschäft, wie uns weitere Zuschriften zeigen, ganz sausmännisch. Und so sind wir heute auch in der Lage, den Preivkouraut des

Tiroler Herrn vorzuführen. Vorerst sei aber das mlndesteus originelle Ve glcitschrciben - wiedergegeben. Herr v. Fröhlich schreibt unter anderem an einen Freund unseres Blattes, der einmal dem Treiben auf den Grund gehen wollte, und sich als titelsüchtig darstellte, folgendes: Sehr geehrter Herr! Antwortlich Ihrer werthen Zu schrift theile ich Ihn: crgcbenst mit. das; in Rumänien meines Wissens der Hoflieferanteiititel . gegen Erlegung einer gewissen Summe zum Besten der Armen ohne Lieferung von Realien erfolgt, im Gegentheil muß der Betreffende noch einm Revers unter schreiben, daß der Hof dadurch keine Verpflichtung eingeht, bei dem Be' treffenden nun auch Lieferungen zu bestellen. Diesen Titel vermittelt ein Bekannter von mir. in Wien, dem ich Sie daun rckommandiercn werde. Es ist dabei nicht ausgeschlossm, bah Jh nen dieser auch Aufträge für die öortigen Bühnen vermittelt. Zweckmä ßig wäre es, den türkischen oder per fischen Orden vorher zu haben. Diese Orden lasse ich Ihne,i durch die Ge sandtschafter. in Berlin zugehen so daß jeder Zweifel über die Echtheit ausgeschlossen ist. Zahlung hat zu er folgen nach Veröffentlichung in dem betreffenden Regierungsblatte vor Absendung des Diploms an den Ge sandten. Die Jnsignien müssen Sie sich selbst mlschaffen. Ich benöthige nur Angaben über Geburt, Stand. Heimath, Wohnsitz und polizeiliches LeilNiundsattest. So wird's also gemacht. Ter Brief spricht sich selbst und braucht nicht weiter glossiert zu werden. Weit amüsanter 'it der Prciskourant, den Herr v. Fröhlich seinen Abnehmern" zukommen läßt. Er folgt hier wörtlich: Deutsches Reich: Adel eines BundesStaates 150,000 Mk. Freiherr 250.000 Mk, Oesterreich und Jiilmänicn: Hofliefe rant nur für bedeutende Firmen 34000 Mk. Marianerkreuz (Tcutschritter) 1500 Mk. Portugal: ' Graf, Marquis, Baron und Adel, event, nach entspre chender Auskunft. Kgl.Örden der Conception. Kommandeur mit Stern 5500 Mk. Ritter 3000 Mk. Kgl. Christusordcn, ebenso; Kgl. Verdienstorden für Ackerbau und JndustrieKommandeur 4000 Mk., Ritter 3000 Mk. Türkei: (Innerhalb' 1 4 Monaten.) Osmanie.OrdcnGroßoffizicr mit Stern 10,000 Mk. Kommandeur 6000 Mk. Offizier 3000 Mk. Kaiscrl. Medioi-Orden Großoffi zier 6000 Mk., Kommandeur 4000 Mk., Offizier 3000 Mt'. Chefkat'Orden für distiug. Da meix 1. Kl. iu Brillanten 0.000 Mk., 2 Kl. halb in Arillanlcn 12.000 Mk., 3. Kl. 6000 Mk. Konsulate 15.000 Mk. Persien: (Innerhalb 24 Monaten.) Kaisers cher Sonnenorden Kommandeur 3.500 Mk.. Offizier 2.750 Mk., Ritter 2.200 Mk. Konsulate und Generalkonsulate von 12.000 Mk. aufwärts. Spanien: (Innerhalb 46 Monaten.) Kgl. Orden Karls des III., Jsabellas er Katholischen, Verdienst z. See ctc. Comm. 5.000 Mk., Ritter 4,000 Mk., Adel 20.000 Mk. Kirchenstaat: Orden: Pius IX., Grc görius. Sylvester. Komm. c,50. Mk., Ritter 2,500 Mk., KammerHerr vom Degen St. PeterS 2.50' Mk., Baron 35.000 Mk., Gra, 50.000 Mk. Konsulate: Venezuela 6000 Mk.. 4 Monate Veschzffungsfrist. Paragi ay 6.000 Mk. 5 Monate Beschaffurgfr!st. . Uruguay 6.000 Mk. 5 Monate Besc affuugsfrist. Veneula. Nationaler Orden - der Büste Volivars von Vmezuela. . Kommandeur 3,000 Mk., Offi.' zier 2.000 Mk.. Ritter 1.300 Mk. höhere Ordensklassen urd ander? . Wünsche von Fall zu Fall. Der Mann ist, wie man sieht, durchaus nicht billig; es thut unserm Her zen wohl, daß das deutsche Reich mit den theuersten Preisen aufwartet Das zeigt, daß trotz Mirbach die Nobilitierung bei uns ihre Schwierigknten hat. Venezuela hat sich offenbar durch gar zu minimale Nachfrage die Preise verderben lassen, sonst wü:d.' es nicht möglich sein, daß dort schon für lumpig? 1,300 Mark der Ritterschlag zu e-werben ist. Ad oculos" wird am Rande des Preis kourantZ durch zierli 'ie Illustrationen gezeizt, wie vornehm sict) die Orden und Kreu-

ze erc. ausnemen. Aver der err v. Fröhlich hcru)ch mehr auf Lager. Wir lassen naastehend folgen, was an Titeln und für welchen Preis aus Mühlau gegen Kassa zu beziehen ist. L'Jnstitut du Midi-: Diplom mit " auffallend schönem Orden, Silber .vergoldet 200 Mk. Kleine Dekoration für das Knopfloch 20 Mk.. echt Gold 30 Mk. Orden der Sanveteurs deFrance (vom Papste) 500 Mk. Professortitel (Professeur honoraire) einer königlich italienischen Akademie 250 Mk. Pontificiae acaeemia des Arcadi (Literatur, science et beaux arts) (Pergamentdipl.)" 750 Mk. Pontisiciae academia Tibcrnia (Literatur et scicnee)." Korrespondirendes Mitglied 350 Mk. Kgl. Ordensschaft des Sauveteurs" Protector S. M. der König von Belgien. Diplom mit Decoration autorisirt durch kgl. Erlaß 19. 7. 69. a) Ehrenmitglied 200 Mk. b) Ehrenprotector 400 Mk. Spanische rothe Kreuz-Orden (ofsiziell) mit schöner Decoration 350 Mk. Ehrenkreuze: Societö ,de Toulouse 100 Mk. Eircolo Jean Baptita Vrco Medaille 100 Mk. Ehrenpräsident mit Kreuzdecoration 250 Mk. Unione Humberio I. ebenso. Kgl. Akademie der Wissenschaften zu Madrid. Korrespondircndes Mit glied 600 Mk. Ferner Ehrenkreuze und Medaillen: Societe Neolatine 50 Mk. Eircolo Jean Baptista Vico sowie die Unione Humbertol. 100 Mk. (Ehrenpräsident mit Kreuz 250 Mk.) Sauveteurs de la Vienna (Kreuz) 100 Mk. Die Medaille der Gironde 60 Mk. Sauveteurs du Sued-Ouest 75 Mk. Santiajo Espagna 150 Mk. Sauveteurs de la Mediterranc 100 Mk. Sociera dell' arte Drammatika. Eomico, Musicale 60 Mk. Societa del mutuc Socorso 60 Mk.j Eircolo Era Nuoro 75 Mk. Die Ordensschaft des Sauveteursund die kleine Dekoration für das Knopfloch machen sich unseres Erachtens am schönsten und sind preiswerth genug, um begehernswerth zu erscheinen. Daß sich der Humbug 'noch weiter ausdehnt auf goldene Medaillen wilder Ausstellungen ist selbstverständlich. Es werden deren eine ganze Reihe aufgezählt, die uns fürchten läßt, daß unsere lieben Freunde, die Berliner wilden Ausstellungsmacher, einen bedrohlichen' Konkurrenten erhalten haben. Doch Scherz bei Seite. Der Preiskourant ist eine der betrübendsten Erscheinungen auf dem Gebiete der menschlichen Eitelkeiten und des frechen Jndustrieritterthums.

Mathilde 5erao freiqesprollien. Die bedeutendste italienische Schriftsicllerin der' Gegenwach Mathilde Serao, die Gemahlin Edoardo Scarfoglios. des Herausgebers des verbreiteten Blattes Jl Mattino" in Neapel, wurde von den gegen sie aus Anlaß der administrativen Skandale Neapels erhobenen Anklagen freigesprochen. Rauschenden Beifall zollte die große Menschenmenge, die im Gerichtssaale versammelt war, als das Urtheil verkündet wurde. Bekanntlich war der kürzlich verstorbene Senator Saredo der erste gewesen, der bei seinen Veröffentlichungen über die Eorruption in Neapel schwere Anklagen ' gegen die Schriftstellerin erhoben hatte. Sie ist beschuldigt, kleine Leute unterVer sprechungen von Stellen um Geld angegangen und das Versprechen dann

nicht gehalten zu haben. Es wurde ihr unter Anderem vorgeworfen, im Jahre 1897 den Stadtpolizisten Giuseppe Foti zu einem Darlehn an sie unter der Vorspiegelung veranlaßt zu heben, daß sie seine Beförderung zum Gefreiten durchsetzen werde. Das Darlehn bezifferte sich auf 200 Lire. In demselben Jahre soll sie ein Darlehn von 2000 Lire von einem gewissen Giuseppe de Simone erlangt haben. Sie hatte ihm die Ernennung zum Museumsdiener versprochen. Die Hauptentlastungszeugen für Mathilde Serao waren der frühere Bürgermeister Marquis Eampolettari und das Magistratsmitglied Eontreras; sie beide traten in erster Linie für die Ang?klagte ein, und so erfolgte ihre Freisprechung. Mathilde Serao, die vielgebildete und reichbegabte Frau, wurde als Tochter .eines polnischen Flüchtlings 1856 in Patras geboren; schon mit 20 Jahren war sie journalistisch thätig. 1885 gründete sie mit ihrem Gatten den' Corriere di Roma", sech' Jahre spate- in Neapel den Mattl no". Von ihren Romanen gilt Schlaraffenland" als der beste. In letzter Zeit ist Mathilde Serao auch unter die Dramatiker gegangen; sie schrieb nach einer ihrer Novellen mit dem Titel Nach der Vergebung" ein Drama, in dem Eleonora Duse die Hauptrolle spielen soll. Sewo Auffassung. Kommissär Spürnase (fahndet nach einem Verbrecher und fragt deshalb einen ihm bekannten Stromer, de? ihm auf seinem Streifzuge begegnet): Haben Sie fruchte Verdächtiges bemerkt?" S trome r:. Außer zwei Gendarmen nichts. Herr. Kommissär!" r

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