Indiana Tribüne, Volume 28, Number 47, Indianapolis, Marion County, 17 October 1904 — Page 5
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Die Festordnung M das nächste Bnndestnrüfest. Für das in hiesiger Stadt im Juni stattfindende nächste Tundesturnfest wird die neue Feftordnung in Kraft treten, welche große Aenderungen gegen früher vorschreibt. Eine der wesentlichsten dieser Aenderungen sind die Be stimmungen über Quartier und Ver Vflegung der activen Turner in Massen quartieren, in Zeltlagern (Cincinnati 1893). in Barracken (Milwaukee1903), oder in öffentlichen und Vereinshallen untergebracht und ihre Verpflegung durch die Feftbehörde besorgt. Bei dem nächsten Feste sollen nun nach der neuen Festordnung die Vereine selbst für Quartier und Verpflegung ihrer Act! ven sorgen, und zwar in der Weise, daß sie Zelte mitbringen, in welchen die Turner auf dem Fegplatz einquartiet werden. - Außerdem haben sie für die Verpflegung ihrer Activen selbst zu sor gen. indem sie für da 'nothwendige Küchenpersonal und für die erforderli chm LebenZmittel aufzukommen haben. Zu diesem Zwecke werden die Fleischer, Grocer und andere Händler in LebensMitteln Vertreter auf dem Festplatz ha den. von welchen alles Nothwendige, selbst Eis, Hokz zum Kochen und für die Zeltboden zu Wholesale-Preisen gekauft werden kann. Wasser wird durch eine besondere Leitung von den städtischen Wafferwer ken nach jedem Zelt geleitet werden, und die sanitären Verhältnisse werden die besten sein. Auch für Douche und Schwimmbäder wird gesorgt werden. Für die best eingerichteten Camps" werden Preise ausgesetzt werden. Der Feftplan wird so eingerichtet werden, daß die Uebungen unabhängig von der Witterung durchgeführt werden können, und daS Programm so, daß die eine Hälfte der Turner an einem Tage turnt und die andere am nächsten Tage. Dadurch wird Jedem ein freier Tag gesichert und daS ermüdende Heritmlimrtprn vermieden. 2)ww - Jede? Verein bekommt eine Karte deZ FeftplatzeS und des Turnfeldes. Diese gibt Auskunft über folgende Punkte: 1. Ueber den Vortheil des Cam ping aufdem Festplatze. 2. DaS pünktliche Erscheinen, ein Programm durchzuführen. 3. "Das ' Einrichten der Essenszeit nach dem Programm. 4. Das Schlafen und Essen nach Belieben. , 5. Förderung der Geselligkeit seitens der besuchenden und empfangenden Vereine. E l k h a r t , 16. Ort. Mit der Wahl der Beamten und darauf folgen der musikalischer Unterhaltung schloß vorgestern die jährliche Convention der Jndiana Federation of Women Clubs. Obwohl schon am Mittwoch begonnen, konnte doch erst um 7 Uhr-ÄbendS ein zusriedenstellende Resultat der Wahl erzielt werden. Frau'S. E. PerkinS von Indianapolis wurde zur Directorin gewählt.' DaS neueste Gesellschaftsspiel. Aus London wird berichtet: Die englische Gesellschaft hat ein neues Spiel eingeführt, das an langweiligen Abenden ein jubelndes Entzücken erregen soll. Wie alle großen Erfindungen verdankt auch das neue Spiel seine Erfindung einem Zufall. Ein Amerikaner bekam aus Mexiko ein Paar der schönen Käfer geschickt, die Halticoridä genannt werden, und in den Farben des Regenbogens, bald golden, bald silbern, bald . heliotrop schillern. Nun - sollen die mexikanischen Sennors und Sennoritas sich schon seit langem daran vergnügen, diese Käfer springen zu lassen, doch der Amerikaner hat jetzt ein systematisches Spiel aus dieser Idee entwickelt: Das Spiel - Halticoridä". Ein großer runder Tisch wird durch Linien in einzelne Felder abaetheilt, die mit Numrnern versehen sind. Der Käser wird in eine kleine kreisrunde Vertiefung in der Mitte gesetzt und nun von einem der Mitspielenden ein wenig berührt, worauf er mit einem riesigen Satze, wie ein Akrobat, in die Höhe springt. Während des Sprunges verändert sich seine Färbung und herniederfallend fährt er im Kreise umher auf einer Strecke von fast zwei Zoll, so daß Niemand voraussagen kann, auf welchen Theil des Tisches er sich niederlassen wird. Auf die einzelnen Felder haben die Mitspielenden gesetzt und eine große Spannung bemächtigt sich aller, wenn der kleine Käfer wie ein leuch tender Punkt aufsteigt und im wechselndenFarbensviel eine Zeitlang herumschwirrt, bevor er sich schließlich ein Feld -erwählt im COr Staucht die Tish I Mingo.
IN ver Heimaty.
Von A. Koerth. '. ' (13 liegt mein Heimathdörfckcn klein Im Abcndsrrahl zu meinen Füßcn. Hcut werde ich zu Haus dorr sein, Wenn mich auch kcins wird froh begrüßen. Still will ich gch'n die Straß' entlang Bis zu des Vaterhauses Bäumen. Tort steht wohl noch die Nasenbank, Auf der als Kind ich süß durft' träumem Wo i& den Märchen gern gelauscht, Die Grotzmüttcrchen mir erzählte. Wo mit der Maid ich Küsse tauscht, Xic sich zum Lieb mein Herz erwählte. Bon dort schau ich hinab zum Fluß, Umbüscht von Erlen und von Weiden; Tort gab iie mir den letzten Kuß Und schwur mir ewg'e Treu' beim Scheiden. Tann wiegen mich zur Ruhe ein. Wie einst, des Abcndwindcs Lieder. Im Traum darf ich zu Oause seirtTTK ' Und lüss' das falsche Mädchen wieder. Zttau blüht ein ZZttimelcin. Humoreske von Anna Haslelbach. Es war so etwa zehn Jahre vor der Neubegründung ' des Deutschen Reiches, als ich, wohlbestallter SekondeLeutnant des siebenten hannoverfchen Infanterie - Regiments, vom ersten zum zweiten Bataillon versetzt wurde. Das war für mich ein ganz bedeutender Aerger, da das zweite Bataillon seit einer Reihe von Jahren als Stiefkind des Regiments galt. Früher waren die zwei Bataillone in einer größeren Garnison vereinigt gewesen, feit ' aber Se. Majestät die Gnade gehabt hatten, das erste Bataillon .nach Eimshagen, das zweite nach dem etwa drei Wegstunden entfernten Nordbrunn zu versetzen waren in dem sonst so einigen Offizierkorps alle bösen Geister losgelassen. Der Stein des Anstoßes war die Regimentskapelle. Da nämlich der Regimentsstab sich beim ersten Bataillon befand, behauptete dieses auch, ein unantastbares Recht auf die Regimentsmustk, während das zweite Bataillon sich mit einer Anzahl von Trommelschlägern und Signalbläsern begnügen mußte, und wenn wir je auch einmal ein Fest feiern wollten, so schickte man die Kapelle leihweise von Eimshagen nach Nordbrunn. Wie uns dieses reizte und erbitterte, läßt sich schwer beschreiben. Nun waren beim zweiten Bataillon zufälligerweise lauter begüterte Offiziere und als wir eines schönen Sommerabends im Kastno - Garten bei einer Bowle beisammen saßen, rief Leutnant von Hardegsen nach einer abermaligen Debatte über die Benachtheiligung des Bataillons plötzlich energisch: Wozu, meineHerren, sollen wir uns noch länger die Galle in's Blut ärgern? Wer kann uns verwehren, aus eigenen Mitteln eine Kapelle zu gründen? ' Unser Tambour-Major Paqel ist gelernter Kapellmeister, der wird seinen Trommelschlägern und Bläsern schon etliche Märsche und Liedlein beibringen. Viel braucht's ja nicht zu sein. Hundert Thaler zur Anschaffung von Instrumenten stelle ich sogleich zur Verfügung." Famos! Ausgezeichnet! Ich gebe zwanzig Thaler " ' .Ich fünfzi? " .Ich dreißig Sachte n.eine Herren das ist ganz schön c.usgedacht, aber der Bataillonskor.u.iandeur erlaubt's nicht, aus Sorge, daß' der Dienst leidet meinte Regimentsadjutant Leutnant Lübbenau bedenklich, als die Wogen der Begeisterung sich allmählich zu legen begannen.' Ei, man muß ihm die Sache nur geschickt beibringen." Wollen Sie's ihm sagen, Hardegsen?" , Ich gebe hundert Thaler das genügt." Ohne die Erlaubniß des Bataillonskommandeurs nützen die gar nichts." Sie stnd Adjutant, Lübbenau, Sie stehen dem Gewaltigen am nächsten." Jawohl mich schnauzt er am ungenirtesten " ' Wer steckt den Kopf in des Löwen Rachen?" Am besten paßt man die Gelegenheit ab." Wir überraschen ihn mit dem fa.lt accornpli." Und das ganze Offizierkorps wandert in Arrest." Vor allen Dingen müßten wir doch einmal Pagel fragen, was seine. Leute zu leisten imstande sind." Wenn wir Pagel den Kapellmeisterkittel versprechen, wirkt er Wunder." Pagel muß her " Aber es ist Mitternacht der Mann schläft längst." Schadet nichts wenn Alarm geblasen würde, müßte er auch heraus." So erwischt er wenigstens noch ein Glas Bowle." Und die Aussicht auf eine stolze Zukunft." Also her mit Pagel todt oder lebendig!" - Von zw.'i Ordonnanzen aus dem Bett getrommelt, erschien Pagel und versprach goldene Berge. Seine Musik erschien ihm längst minderwerthig. Jetzt,. Pagel, zeig was Du kannst! Unsere Trommle? und Bläser beim Bataillon waren , nach Pagel's Aussage sammt und sonders musikalische
Gen:es,feylte also nur dleEMwttttgung des Bataillonskommandeurs, uns eine eigene Kapelle zir begründen. Keiner der Herren aber unternahm es, .dem Höchstgestrengen, Major von Limburg, die Einwilligung zu entringen. Nichtsdestoweniger aber hatten , wir vor dem Stadtthor .alsbald einen entlegenen Schuppen gemiethet, wo Pagel nach Beendigung des Dienstes allnachmittäglich seine Schaar für die, höhere Kunst drillte, und als nach etlichen Uebungswochen der künftige Ka-. pellmeister meldete, seine Leute seien so weit vorgeschritten, daß man die Melodie zu erkennen vermöge, da zogen wir Väter dieses Unternehmens in geschlossener Reihe hinaus, hockten stundenlang auf den von irgend woher geschafften Blöcken und lauschten andächtig aus die schüchtern sich hervorwagen Tonwellen eines sentimentalen Marsches, der sich' Blau blüht ein Vlümelein" benannte und nach einem damals in den Spinnstuben viel gesungenen Volkslied zu militärischen Zwecken eingerichtet war. Die Mehrzahl der Kameraden hatte sich zwar für die Ersteinstudirung des Radetzky - Marsches ausgesprochen, aber der durchaus lyrisch angehauchte Hardegsen wacht sich als Hauptzahler für die Instrumente ungebührlich breit und' drückte sein Blau blüht ein Vlümelein" mit unerhörter Zähigkeit in den Vordergrund. Aber da die Musiker, von gewaltiger Begeisterung für die Sache getragen, wirklich recht bemerkenswerthe Fortschritte machten, söhnten wir uns mit der' Wahl bald aus und Blau blüht ein Bllimelein" beherrschte bei allen Zusammenkünften, im Kasino, auf Spaziergängen, bei Marschübungen unsere Unterhaltung. War einer mit des Sanges Gabe begnadet, summte er die Melodie sicherlich gefühlvoll vor sich hin, während minder Begabte sich mit Pfeifen begnügten. Aber auf irgend welche Weisemachte jeder feinem Herzen Luft. Wenn nur der Vataillonskommandeur nicht gar so unzugänglich gewesen wäre! Denn war der Major von jeher ein ernster, einsiedlerischer Charakter, so erschien die Abgeschlossenheit und Eigenthümlichkeit seines Wesens in letz ter Zeit geradezu beängstigend. Nach beendetem,Dienst war er für uns ein-' fach aus der Welt, dazu unternahm er von Zeit zu Zeit Reisen, deren Endziel wir nicht kannten, so daß wir allmählich auf den Gedanken kamen,Herr von Limburg wolle den Dienst quittiren und sehe sich nach einem Ruhehasen um. Oder war er am Ende gar verliebt?' Des Räthsels Lösung ließ nicht lange auf sich warten. Eines Morgens- wurde das Städtchen Nordbrunn durch feingestochene Karten, auf denen Major von Limbürg seine Verlobung mit, Fräulein Emma Selteneck bekannt machte, überrascht, un wohl Jedermann freute sich über dieses späte Herzensglück des Majors. Nur unser Fähnrich Rippentropp, dessen Cousine die Dame war, ließ den Kopf gewaltig hängen, und auf kameradschaftliches Befragen erfuhren wir, daß Fräulein Selteneck die Jugendliebe unseres Kleinen war. Wie sollte er's ertragen, die Geliebte an eines anderen 'Seite alücklich zu sehen? Wir sprachen dem Fähnrich nach Kräften Trost zu, und begannen sodann, ihm die Vortheile- dieser Berbindung für's Bataillon zu schildern. Ihm, dem Jüngsten, war es durch seine Verwandtschaft mit der künftigen Bataillonsmutter, vorbehalten, die Schmerzen des Bataillons zu stillen, dem Blau blüht ein Vlümelein" zum Daseinsodem zu verhelfen. Durch ihn mußte die Dame die Wünsche des Offizierkorps erfahren, durch ihn mußte sie zur Bundesgenossin geworben werden. In etwa drei Monaten sollte, die Hochzeit stattfinden, zu welchem ZeitPunkt wir einen, wunderschönen .Plan ersonnen hatten. Das junge Paar- sollte am ersten Morgen in der Heimäth durch ein Ständchen überrascht werden. Ein bescheidenes Programm von drei bis vier Nummern versprach. Pagel mit der neuerstandenen Kapelle glanzvoll durchzuführen, und unseres tapferen Tambour - Majors einziger Kummer war, daß er, da die Kapelle so klein war, nicht einzig die KapellMeisterwürde vertreten durfte. Er hatte auch noch die erste Trompete aus sich nehmen müssen. Aber dies war nur Uebergang. Mit dem sieghaften Ausdruck der Eroberer wandelte Pagel unter uns Sterblichen und beantwortete jede Frage nach der Zuverlässigkeit seiner Kapelle mit hochmüthlgem Lächeln. : Der große Tag war gekommen. Majors sind von der Hochzeitsreise in ihr tannenumwimdenes, blumenumkränztes Heim eingezogen. Das Regiment hat sich ungeheuer angestrengt und eine prachtvoll echte Bronzestatue geschenkt, die je zwei Offiziere von ersten und zweiten Bataillon zu überreichen bestimmt sind. Einer der vier Herren ist meine Wenigkeit. Zur elften Morgenstunde sollte die Deputation antreten Der Major war wie umgewandelt, eitel Glück und Verklarung, die jange Frau von sonniger Güte und Herzlich-
kett. Um ihren Mund zucllen rauieno Schelme ' der Fähnrich hatte seine Schuldigkeit gethan. ' Aber wie ward uns beiden Herren vom zweiten Bataillon, als nach geschehener Uebergabe und Gratulation der Major seine Gattin aufforderte, die Deputation zum Frühstück einzuladen.' Dableiben! in der Höhle des Löwen dem kommenden Ereigniß entgegensehen! ' Der Boden brannte uns längst unter den Füßen. Jeden Augenblick konnte das Bataillon, das unter den Klänaen des Blau blübt ein Blümelein" die lange Straße entlang ziehen und am Haus des Majors vorüberdefiliren sollte, anmarschiren. Die Musik sollte dann abschwenken, . Aufstellung nehmen und ihr Programm herunterspielen, während das Bataillon weiterzog. Nun saßen Lübbenau und ich droben beim Major inder Falle. Gott steq' uns bei! Mit entzückender Anmuth, machte die junge Frau die Honneurs, Lübbenau und ich- hatten kein Auge dafür. Wie geistesabwesend stierten wir in die Ferne, daher das Unheil kommen mußte. Wenn uns doch der Erdboden verschlungen hätte! ' 'Lieber Elimar," sagte Frau von Limburg plötzlich, indeß der Schalk um ihre Mundwinkel zuckte, wann erhalt' ich denn meine erste Morgenmustk? Wie ein Kind freu' ich mich darauf." Ach, liebe Emma Du denkst doch nicht, daß das Bataillon eigene Musik hat? Die Musik ist beim Regimentsstab " Keine Musik? Aber das ist ja das schönste im militärischen Leben. Die Morgenmusik, der Vorbeimarsch des Bataillons mit der Musik an der Spitze die Abendunterhaltung im Kasino. Du scherzest, Elimar. Ohne Musik ist gar kein Militär denkbar." .Ich glaube, hätte der Major vermöcht, er hätte in diesem Augenblick eine Kapelle aus dem Erdboden gestampft. Daorch! Musik! .Erst. fern, dann näher und näher klang sie durch die Morgenstille des Städtchens. ' . Ei, sollten die Eimshagener so aufmerksam sein?" sagte der Major, sichtlich angenehm überrascht.. Treten wir auf den Balkon." Und die Balkonthüre öffnend, führte er seine Gemahlin hinaus, während die Deputation mit hängenden Ohren geknickt hinter ihm her schlich. Alle Wetter das ist ja Pagel," sagte der Major plötzlich. Träumte er oder wachte er. Er setzte den Klemmer auf die Nase, guckte die Straße entlang, fuhr sich über die Stirne, aber das ist wahrhaftiq.cPagel, der da, Trompete blasend unft " die Beine nach allerberühmtesten Mustern schmeißend, dem Bataillon voranmärsckirt, dann der, dicke Hartung als Posaunenengel, Beckmann mit der Klarinette lauter bekannte Gesichter -
Hinter der Musik aber, in prächtigJer,' .herzer reuender Linie, m erster Garnitur, lott nach dem Takte der chirend,, das Bataillon. Musik mar Neben den Soldaten' aber zieht alles, was im Städtchen nicht gerade aus den Fenstern guckt. Das Bataillon mit eigener Musik! Das ist Weltereigniß! Der "dicke Bürgermeister hält.Srfrntt mit dem das Bataillon führenden Hauptmann, Bürger ohne Mütze, den Häusern entlaufen, folgen. Dienstmädchen mit dem Korb amArm, Schulkinder, die Polizei des Oertchens, alles schließt sich an. Und jetzt, während das Bataillon weiterzieht, -die Klingen der Offiziere sich vor der jugendschönen Frau auf demBalkon senken, schwenkt die Musik ab, die Marschweise fallt in die wohlbekannte Melodie: Blau blüht ein Vlümelein. - Bis dahin haben die Götter die Leistungen der neugebackenen Kapelle gnadig in Obhut genommen, aber nun das Auge des Gewaltigen über, seiner Schaar ruht, ist's plötzlich, als ob die Musik dünner erklänge. Kein Zweifel Zittern und Zagen befällt Etliche der Künstler. Die Hymne auf die Vlaublümelein tönt magerer und ma gerer. Pagel rollt die Augen, winkt mit der Hand, dreht den Kopf nach allen, Seiten, vergebens! Das zuerst wohlwollende Antlitz des Majors zeigt plötzlich Sturm. Er ahnt fürchterliches. Die Klarinette, die bis dahin unmuthig im Chöre gehüpft, verliert plötzlich die Kourage und verstummt. tJlan vernimmt einen unterdrückten Fluch des Majors. Pagel's Antlitz erhält den Ausdruck eines Märtyrers. Er sieht seine Illusion, die Idee, für die er gekämpft, dahin sterben. Aber ohne Kampf unterliegt er nicht. Wie der Fahnenträger sinkt er mit der Fahne. - Pagel bläst, bläst, daß man meint, die Backen müßten zerspringen! Ob die zweite Trompete,"das Fagot, treulos abfallen, Pagel macht Spektakel für vier. . Der Major giebt em Zei-' chen, daß die Musik schweigt, worauf alles in Entsetzen erstarrt, bis auf den Flötisten und Pagel, der unentwegt weiterstreitet! ' Blau blüht ein Vlümelein." Pagel's Trompete tönt, als ob eine halbe Kapelle im Gang wäre.' So muß einst die Posaune von Jericho geklungen haben,, wie der Wuthschrei dieses tapferen Musikers, der sich nicht ergeben will. Er sieht, nicht das em- ; i
pörte .Abwinken des Majors, ntcyt das krampfhafte Lachen der Umstehenden, agel würde blasen bis zum jüngsten Gericht, wenn einer unserer Offiziere ihm nicht wuthentbrannt in die Ohren geschrieen hätte: So halten Sie doch endlich Ihr -gottverdammtes Mundstück!" Nun aber war alles rettungslos verloren. Meine Herren, ich fordere eine Erklärung über dieses Fastnachtsspiel," sagte der Major, mit zornrothem Geficht in's Zimmer zurücktretend. Wer hat diese unerhörte Geschichte angezettelt." Herr Major wir alle das Offizierkorps dachte " stotterte Lübbenau. , Ach so. ' Das Offizicrkorps hat gedacht. Glauben Sie nicht auch, meine Herren, daß dies Ereigniß ein Vergnügen für das ganze Königreich abgiebt. Und ich bin der Blamirte der Blamirte! So'n Riesenskandal!" Herr Major es ging so gut keiner dachte " Ja, keiner dachte! Da haben Sie Recht, Herr Vataillonsadjutant! Ich werde den Abschied nehmen' oder ich werd: Sie alle bei Sr. Majestät verklagen " Es sollte eine Freude sein," wagte Lübbenau mit gepreßter Stimme zu bemerken. - Hahahaha ich danke für diese Freude ich " Im tiefsten Grade niedergeschmettert standen wir alle beim Zornausbruch des Kommandeurs, und Gott allein weiß, was wir noch für angenehme Schmeicheleien zu hören bekom men hätten, wenn nicht plötzlich etwas ganz Unerwartetes sich ereigl.et hätte. Flott, frisch, sicher, von aufrichtiger Begeisterung getragen,- schmetterte plötzlich die uns so- wohl bekannte Marschweise des Blau blüht ein Blümelein" in die Lüfte. , Und ehe noch der Major sich von dem abermaligen Schreck erholt hatte, erschien die holde Frau vom Balkon in unserer Mitte und sagte lächelnd: Verzeih, lieber Elimar. ich wollte nicht um - mein Ständchen betrogen werden. ' Auf meinen Wunsch ist nochmals angefangen. Die Leute spielen allerliebst. Nur aus Angst vor Dir ist's vorhin schief gegangen. Bitte, Elimar, mach' ein freundlich Gesicht. Es wird , gut gehen. Die Herren Offiziere haben es so gut gemeint, als sie sich die Ueberraschung für meinen Einzug ausdächten. Mn Vetter, der Fähnrich, erzählte ihnen von meiner Leidenschaft für die Musik lieber guter Elimar " Die Kerle bleiben wieder stecken . Du wirst es erleben," stöhnte der auf einen Sessel gesunkene Gewaltige. Du wirst sehen, es geht." Und es ging.- Die holde Frau hatte durch die Macht ihrer Erscheinung, ihr herzgewinnendes Lächeln den erstarrten Muth unserer Künstler derartig belebt, daß nicht nur Blau blüht ein Vlümelein", auch die Arie der Norma, das Erwachen des Löwen und der Radetzky - Marsch tadellos von statten gingen. Des Majors Antlitz wurde von Minute zu Mirnne freundlicher und mit dem Abschluß des Ständchens war die Existenz der Kapelle gesichert. Frau von Limburg aber, die durch ihr schnelles, liebreiches Eingreifen die Angelegenheit gerettet hatte, ward vom Offizierkorps auf Händen getragen. So lange es uns verstattet war, denn einige Jahre darauf vernichtete das Jahr 66 unsere politische Existenz und .die eben geschilderte Gemüthlichkeit unseres k'einstaatlichen Lebens. Das Bataillon flog auseinander, ebenso die Kapelle, die uns übrigens noch manche reine Freude bereitet hatte. Aber noch heute, wenn ich .auf einem alten Leierkasten noch einmal die alte sentimentale Melodie 'höre, Blau blüht ein Vlümelein" wie eine GeisterMahnung der Vergangenheit , mein Olsr berührt, zieht jene heitere Episode, zieht der Jugendzeit unvergeßlicher Glanz an mir vorüber.
Englische Kindermädchen an euro päischen Fürstenhöfen. Englische Gouvernanten sind in königlichel Kinderstuben sehr nachgefragt, was. aber wahrscheinlich weni-. ger der Tüchtigkeit dieser Damen, als vielmehr dem Wunsche zuzuschreiben ist, den Kindern von früh auf in rationeller Welse die engliscöe Sprache zu lehren. . Die Söhne des deutsHen Kaiserpaares sind z. V. von englischen Gouvernanten-auferzogen worden und Kaiser . Wilhelm und sein Bruder Prinz Heinrich verdanken ihre vorzüglichen engliscken Sprachkenntnisse der englischen Gouvernante Hobbes". Königin Wilhelmina von Holland,König Alfonso von Spanien hatten ebenfalls englische Erzieherinnen und dasselbe ist der Fall mit den Töchtern des italienischen Königspaares und den Zarentöchtern. Vor Gericht. Ihr Beruf? Ich bin Advokat! Advokat, na ja, vergessen Sie. also, daß Sie Advokat sind, und sagen Sie die Wahrheit. EinJrrthüm. Boireau, an einem Hause vorübergehend, zu dessen Fenstern er emporsieht: Ach, Baronin, in diesem Hause lebt eine Person, die. mir schon viele Leiden verursacht hat." Eine Frau, Herr Boireau?" Nein, mein Zahnarzt."
Varba Jorji, der zerlumpte ttramuratikcr. Zu den charakteristischen Straßent:pcn der griechischen 5auptstadt ge-!-,ö?t der Z:i!ungZrcr:äufcr ZaöaJorji, auch Daskalos(Lchrer) genannt. Wenn man ihn in seinem zcrlu.-np!cn Anzug sieht, womit er schon seit I'.hrzehnten in Athen herumgeht, mit der umgehängten Ledertasche, die kaum noch so viel zusammenhält, um die Last der' vielen Zcungen aufzunch men, mit zerrissenen Stiefeln und seltglänzendem, einmal schwarz gewesenen Filzhut. so empfindet man gewiß Mitleid. Aber zu dem Mitgefühl gesellt sich bald etwas wie Bewunderung, wenn man sich genauer über den Mann erkundigt. Und das kann leicht geschehen, wenn man ihn eines Abends in ein Vierlokal oder Kaffeehaus eintreten sieht, wo der grauhaarige Alte mit heiserer, eintöniger Stimme seine Jeiiungen anbietet und vorn Nachbartische ihn fragen hört: Taskale. wie heißen die Imperative, die den Ton auf der letzten Silbe haben? Hört man dann aus dem schon lückenhaften Gehege ver Zähne die zutreffende Antwort, so fragt man sicher einen erfahrenen Bekannten, wer der zerlumpte Grammatiker sei. Hört man dann, daß BarbaJorji studir seine Prüfung als Gym--nasial-Lehrer bestanden und im Innern Kleinasiens als Lehrer gewirkt hat, so wünscht man seine Lebensschicksale genauer zu erfahren, denn der Eindruck, den das mit einem eisgrauen Barte umrahmte Gesicht machtist nicht schlecht, er sieht nicht wie ein Säufer oder Lump aus. Nachdem Georg , seinen Familiennamen sagt er nicht gern und nur Wenige wissen ihn seine Studien beendet, wurde , er in seiner Heimath in Kleinasien als Lehrer angestellt, nahm ein Weib und gründete Familie und Haushalt. Lange dauerte die Herrlichkeit aber nicht; er verging sich gegen die türkischen Behörden und mußte fliehen, um .nicht Jabre lang in einem der berüchtigten türkischen Gefängnisse zu schmachten; denn mit d:m Rajah, namentlich wenn er Grieche war, machte man im Innern Kleinasiens damals nicht viel Fcdcrlesens. Frau und Kinder blieben zurück, und leben noch heute dort, er aber kam nach Athen, um eine Anstellung als Lehrer zu erhalten. Aber dazu bedurfte es schon damals, es werden 30 bis 40 Jhare her sein, wie auch heute noch der Fürsprache. Georg' fand keine und versuchte es mit allem Möglichen, aber nichts wollte glücken; er hunaerte und dürstete und sparte sich hen R?Nn nnm TTnnh :tm sptwr Ctst-
. " II " r u milie etwas Geld senden zu können. So wurde er endlich Zeitungsverkäufer. Seine Kollegen, die Jungen aus dem Peloponnes, behandeln ihn mit Achtung, und sollte es einem Gassenbuben einfallen, den mit schlürfenden Schritten daherkommenden BarbaJorji mit dem Zuruf: Daskale, Daskale! zu hänseln, so kann er sicher sein, daß er von ' einem der jugendlichen Kollegen des Alten Hiebe bekommt. Was Barbä-Jorji auf dem Leibe trägt, hat er geschenkt erhalten, denn alle seine Spargroschen wandern zu seiner' Familie. Für Essen und Trinken giebt er fast nichts aus, Alles bekommt er geschenkt. Darum trägt der arme Teufel auch des Abends, wenn er zur Essenszeit in den Restaurationen seinf Zeitungen feilbietet, über der zweitem Schulter den Brotbeutel, in dem Alles verschwindet, was ihm von den Speisenden geschenkt wird: Brot, Früchte, nur halb gegessene Mclonenstücke. Kno chen, von denen man nicht alles Fleisch getrennt hat, u. f. w. Oft kehrt er zurück zu einer zweiten Runde, denn er weiß, daß Mancher, der die gekaufte Zeitung gelesen hat,' sie ihm zurückgiebt, und ' dann verkauft er sie noch einmal. Sein Wissen hat er bei diesem Leben noch nicht eingebüßt; was man ihn über die unregelmäßigen ZcitWörter, die Syntax u. f. w. fragt, weiß er noch Alles richtig zu beantWorten, und ganze Reihen von Homervcrsen kann er hersagen, was um so schwerer ist, 'da die Griechen sie nicht im Versmaß lernen. So lebt BarbaJorji nun schon seit vielen, vielen Jahren schlecht und recht, und erhält dabcs seine Familie in der Ferne, seine rv v r " c -oyne Wulfen yeran uno wu:n tüchtige Menschen in Kleinasien bei der Mutter, aber keinen hat er nach Athen kommen lassen. Hat man diese Ausfünfte über sein Schicksal erhalten, so giebt man dem alten Mann für das. Auskramen feines grammatischen Wissens gern ein Scherslcin. Nattcnimportcnre. Daß man durch Rattenimport Geld verdienen kann, dürfte eine ganz neue Erdeckung sein, die ein Konsortium in litxo dc Janeiro gemacht hat. Das Gesundheitsamt der genannten Stadt hatte wegen der großen Rattenplage eine Belohnung von 10 Cents auf jede abgelieferte Ratte gesetzt. Der Erfolg dieses Ausschreibens war ein so überraschend großer, daß man dem Ursprung der Ratten durch geheimeNachforschung auf den Grund ging. Die Untersuchungen ergaben die erstaunliche Thatsache, daß sich ein vollständig organisirtes Syndikat 'gebildet hattet das die Ratten en'gros bezog und an die städtischen Behörden absetzte.'Der Vorsitzende dieses Rattensyndikats und 15 Mitbetheiligte wurden, wie dem Daily Epxreß" gemeldet wird, unter der Anklage des Betruges verhaftet.
