Indiana Tribüne, Volume 28, Number 45, Indianapolis, Marion County, 14 October 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne, m. Oktober 190.

M H 4 fi 4 . f tt n tx H 1. K a p i t e l. ' as deutsche Geschwader lief in den englischen Kanal ein. Die .graugrünen, schaumigen Wogen der Nordsee hatten die . mächtigen Panzerschiffe in der vorigen Nacht tüchtig gewaschen. Grobe See" nennt daldie Seemannssprache. Jetzt war die Gefahr der Ansteuerung in Dunkelheit und Sturm überwunden. An dem weiß brandenden Riff voiFGodwin Sand entlang hielten die Schiffe mit südlichem Kurs in das freie Fahrwasser. Äell leuckteten drs weisen KreidefelskN van &r.üh Knr-.7mh im fötrnM der I"" w Morgensonne. Zwischen die steile Küste und die schimmerndeFläche des Godwin Sands schoben sich tiefblau die Downs. In I. rrn rr. , i . c . rr'i . igrcrn imren zaer gianzie oer uioerr,-&: v r'Z ..r i ct-f cm f uciu vci ,yuuC uuu lcui, uuimci und St. Margaret. . Hoch oben auf South Foreland säumte üppiges Grün den Rand der Kreidefelsen. Ein großes Lager blendend weißer Zelte dreitete sich auf der grünen Hochfläche aus. Eine kühle, frische Brise weh!e dem Geschwader ausdem Kanal entgegen. In Doppelkiellinie formirt dampften die Schiffe, breite Schaumstreifen hinter sich lassend, durch die blaue Fluth. Vom .Kreuztopp (Spitze des hintersten Mastes) des vordersten Schiffes wehte die Flagge des Geschwaderchefs, das eiserne Kreuz in weißem Felde. Lustig flatterten die Flaggen und Wimpeln in bunter Folge hoch oben an der Rahe. Durch Flaggensignale leitete der Admiral die Bewegungen' des Geschwaders. Diese stumme Sprache des Ehess war so verständlich und sicher wie Rede und Antwort. Reckts binter dem 5?laaasckiff steuerte das mäcktme Nanj.i v i i i r zerschiff, im Kielwasser desselben, die beiden Avisos. ' An Bord des Flaggschiffes herrschte das rege Treiben des Frühdienstes. Das Deck wurde gewaschen, Geschütze und Handwaffen gereinigt. Um die Panzerbrecher gruppirten sich die Geschützmannschaften in fleißiger Arbeit. Die schlanken, jugendlichen fvftrtTr Vr fsDrtlrns in ihren Inrf? Vl 4l44l,4l Vlt JVIU1V kll 144 ivvo vuvren. ounkelolauen .zacken boten einen.

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hübschen Anblick. Die goldenen Litzen und Tressen auf den Uniformen der - Offiziere blitzten im Sonnenschein; all die jungen und alten wettergebräunten Gesichter trugen den Ausdruck sieV gessicherer Erwartung. Das deutsche Geschwader sollte in dieser bevorstehenden Mittelmeerfahrt die Gleichwerthigkeit der jungen deutschen Marine mit den Leistungen alter, seegewöhnter Nationen heweisen. Auf .der breiten Kommandobrücke stand der wckbabende Offizier. Kavi-

tä'nleutnant ' Kurt v. Hollen. Seme kräftige Gestalt stramm aufgerichtet, i ii i i r r das von einem kurz verschnittenen Bart ' umrahmte Gesicht sonnenbraun, die klarblauen Augen ' aufmerksam in's Weite spähenb. Seine breite Brust dehnte sich in tiefen Athemzügen. ' Der Wind rüttelte . an der Flaggen stange, fuhr in kurzen Stößen über das aufrauschende Wasser. Spritzwellen sprühten Schaum und Gischt über das Deck. Auf den Wogenkämmen schau1Urt WnVnn srntmirtrnhf (XP . fieder glänzte silberweiß im Sonnen4141 4 j;tvivvit( wimmniiv wv schein. Ueber die strahlenden Augen de Offiziers legte sich eine leichte Wolke. .Möwen! Die . schwirrten' im Kieler Hafen fchaarenweife umher; sie suchten nach den Abfällen, die ihnen von den Schiffen aus reichlich zuaewo:fen wurden. Weil man sie so viel fütterte, wurden X? rtnrtt i nfwn -V rt v Üflfmfirnr fallee die kleine, zierliche Villa mit dem weinumrankten Balkon' kannten sie gut. 4k tiUlll aUii. VV Vfc4W' Eine schlanke Frau mit stolz getrage nein Kopf . und nußbraunen Augen ' warf ihnen oft Brotstückchen zu. Die

Möwen fingen sie geschickt im Fluge. - Der lang aufgeschossene, hübsche Junge.

der sich an die. Mutter' drängte, rief T,,i. CTi .1 v f ! " nS YvH TrtTiS ri zende Mädchen gesicht, das ihnen über die Schulter sah, lachte lupig mit. Ein 'hübsches Bild, die drei. ..... V Ein Seufzer der Sehnsucht kam übe: die Lippen des Offiziers. . Seine Frau, sein Sohn und seine -junge, früh verwaiste Stiefschwester, . die bei ihm lebte dies Dreigestirn wie er, sie scherzend nannte, hatte er in .Kiel zurückgelassen. ' Ellen war. eine tapfere Seele. Mit .einer zärtlichen .Umarmung,- in den 4V4.. ff . " - strahlenden Augen schon ein Glanz ver Wiedersehensfreude,, war sie von ihm , geschieden, und so muß es sein bei einer .echten Seemannsfrau. - - r' . . r nr. ..r -naZn vic jöm u jivij uu ii, v--1 für ihn! An ' diese Mittelweerfahrt knüpften sich viele Hoffnungen. Lief sie' gut ab, so konnte es an Auszeich.nungen und Beförderungen für die Be- ' theiligten nicht fehlen. Und er mußte unbedingt rasch vorwärts kommen. ' denn ihr kleines Vermögen schmolz mit

jedem Jahre mehr zusammen. Ottos . Erziehung wurde' immer kostspieliger, die Zinseneinnahmen geringer. War er . , aber erst Korvettenkapitän, so hatten die

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ilomatt von Henriette v. Meerheimb , ,, vv - . v " H XT II II TT XX XX ak& w V V V W W TT pekuniären Sorgen ein Ende. Dann konnte er auch Astas glühenden Wunsch erfüllen, sie zur Konzertsangerrn ausbilden zu lassen. Der Unterricht in Kiel genügte ihr längst nicht mehr. Sie wollte an emem Konservatorium Musik studiren, unbehindert ihrer Kunst leben. Er und Eilen nethen vergebens ab. Es erschien ihnen leichtsinnig, das junge, schöne Mädchen diesen gefahrvollen Weg gehen zu lassen. Aber wie sollten sie es ändern? Vorläufig stand Asta noch unter brüderlicher Vormundfchaft; aber in wenigen Jahren konnte sie ungehindert ihren Neigungen folgen. Da war es also besser, ihr schon jetzt hilfreich die Hand zu reichen, statt ihren Widerspruch zu reizen. Viel lieber hatte er sie ohne Sturme in 'den Hafen der Ehe. einlaufen sehen. Sem iunger Kamerad und Freund William v. Normann. Oberleutnant zur See, der gleich ihm diese Probefahrt mitmachte, bewarb sich um Asta; aber dieser gemale , kleine Querkopf wollte vorläufig nichts von Liebe und Heirath wissen. Sie schüttelte sich vor Entsetzen, wenn man ihr davon sprach. Die Kunst die Kunst, das war ihr das einzig erstrebenswerthe Ziel. Normann ließ die Hoffnung aber nicht sinken, Astas Herz dennoch zu erobern. Hollen glaubte nicht recht daran, er hielt es mit Shakespeare: W liebte je, der nicht beim ersten Anblick liebte?" So., hc.tten er und Ellen es gemacht. Eine thörichte Liebesheirath nannte es die Welt, jedenfalls eine Henath, die nur gut ausschlagen konnte, wenn er Karriere machte. Nun, warum sollte ihm das nicht glucken? Hing er doch mit Leib und Seele an seinem Beruf der Admiral wollte ihm wohl, also Der nachdenkliche Ausdruck m den Zügen des Kapitänleutnants verschwand plötzlich. Wie ein Ruck ging es durch seme Gestalt, eder Muskel straffte sich. In die großen, fehnsüchtig m's Weite gerichteten Augen trat der starre, gespannte Blick höchster Aufmerrsamkeit. Eine norwegische Bark kreuzte von der englischen Küste her den Kanal und i - ry. .vi. ivouie augenill)einnllz recylwining zum Kurse des Geschwaders vor dem Bug das Flaggschiff passiren. Letzteres mußte ausweichen. Das für die Wukung des Ruders sehr empfindliche Schiff folgte schon einer geringen Drehung des Ruders nach Steuerbord oder" Backbord. Kräftiges Ruderlegen aber gab dem Schiff einen solchen Schwung, daß es mit dem Handdrücker sehr schwer war, durch Legen desselben in entgegengesetzter Richtung die Drehung zum Stehen zu bringen. Ruder Steuerbord!" erscholl das Kommando des wachhabenden Ofsiziers. Hollens Stimme klang heiser vor Aufregung. War der Befehl nicht verstanden worden? Noch einmal rief er: Ruder Steuerbord!" diesmal laut und gellend. Die Mannschaft am Nuder griff heftig in die Stichen. Mit Wucht begann das Schiff nach rechts zu drehen. Bald war die Bark voraus und damit der Zweck des Manövers erreicht. Hollens Brust hob sich wie befreit von einer Centnerlast. Aber was war das? Immer weiter, immer heftiger drehte sich der Rammbug. Wie der Kreis eines Karussels flogen die Bark und andere an Steuerbord segelnde Schiffe von rechts nach links am Bug des drehenden Schiffes vorüber. Schon richtete es sich auf den Strand zu, und noch immer wollte die wahnsinnig schnelle Schwingung nach rechts nicht zum Stehen kommen. Hart Backbord das Ruder Maschine Volldampf rückwärts!" . Gellend schrillte der Maschinentelegraph durch die lautlose Stille im Schiff. ' 1 Erst langsam keuchend dann schnell und 'schneller drehten die gewaltigen Kurbeln die 'Schraubenwelle . in entgegengesetzter Richtung. Mit höchster Anstrengung zwangen die Fäuste der Mannschaft am Ruder das Steuer m die entgegengesetzte Lage Aber unwidersiehlich. mit verhangnißvoller Wucht, riß das Bewegungsmoment des Schiffes die hemmende Schraube und das Ruder vorwärts schwingend durch das Wasser. Die lebendige Kraft des Kolosses hatte den zwingenden Menschenwillen abgeschüttelt. . An Bord des rechts hinter dem Flaggschiff segelnden Panzers war die Gefahr der , Lage erkannt worden. .Schotten' schließen!" tönte das Kommando. Mit hart Steuerbord gelege nem Ruder und höchster Maschinen kraft suchte der, Panzer den Abstand innezuhalten und vor dem auf ihn ein drehenden Flaggschiff vorbeizukommen. . Umsonst. Wie ein unabwendbares Verhängniß wuchs der gewaltig? Rammbug an der Flanke seines Opfers tn's Riesenhafte. Lähmendes Entsetzen packte die Be satzung des verlorenen Schiffes. Lang sam . schob sich das Bugspriet das Flaggschiffes über das Oberdeck des Panzers. Knirschend, mit unwidersteblickier Gewalt, drana der Svorn tief

unter WaM in mt imrt, ungern? ' i m rr . Y W ri I Vä

Hisssieile ein. .prar.i.v is" Vua zersplitterte Vorgeschirr auf das Deck . i rr... - av. des Panzers, oenen eiie.iuuinc s"' schmetternd. Immer tiefer wurde das überrannte Schiff auf die Seite gedränat. Aber auch das Flaggschiff selbst wurde dadurch schwer beschädigt. Mit dröhnendem Getöse barst der ganze Panzerbuz auseinander. Dann glitt es vom getroffenen Panzerschiffe ab, tief, immer tiefer sank der " r ' m . ' 5. geoornene ug in vas ujuumtivt Wasser. In den ersten Augenblicken dachte jeder Einzelne nur an die Rettung des eigenen Schiffes. Das Wasser drang unaufhaltsam ein. Nur die eisernen Querschotten im Innern hielten das Schiff noch schwimmend. Die beiden vordersten Abtheilungen waren aber bald gefüllt, in der dritten stand das Wasser schon über Mannshohe. Stengen und Rahen zerschneiden!" befahl der Kommandant des Flaggschiffs, Kapitän zur See Schliemann. Gegen die eisernen Querwände stemmen!" Hollen und alle übrigen Offiziere arbeiteten mit den Leuten gemeinschaftlich im verzweifelten Kampf gegen das stromweise hercinschießende Wasser. Dutzendweise wurden Hängematten in die klaffende Spalte getrieben, das mächtige Fockftgel wie eine Schürze über den Bug gespannt. In der Aufregung, das eigene Schiff zu retten, sah man zuerst nur flüchtig nach dem Panzerschiff hinüber. Herr im Himmel! Das Schiff legt sich zum Kentern über! Hollen warf einen entsetzten Blick auf den sinkenden Panzer. Die Rettungsboote aussetzen!" schrie er. Ein mühsames Werk, denn das Flaggschiff schien selbst immer tiefer sinken zu wollen. Der Kommandant des Panzerschiffes verließ feinen -Platz nicht. Er hoffte, daß es gelingen könnte, das schwer beschädigte Schiff auf den nahen Strand zu setzen. Die Maschine arbeitete mit böchster Kraft. Bis zuletzt that das unrettbar im Maschinen- und Heizraum eingeschlossene Personal seine Pflicht. Nur wenige Augenblicke noch dann mußte flaches Wasser erreicht sein! Da brachen donnernd und polternd die Deckboote aus ihren Befestiaunaen und kollerten, alles mit sich fortreißend, nach Backbord in's Wasser. Das Schiff legte sich ganz auf die Seite. Noch wehte die laaae über dem leicht beweaten Wasser. Aber vlönlick stiea der scharfe Rammbug hoch auf in die Luft. rX.iaV .rrpr i u yrnujfcuu iuiic uji ;iciu uuuiiliX lich in der blauen Fluth. Dann ein Drehen kieloben versank das stolze Schiff in die aufschäumende Tiefe. In dem kreiselnden, gurgelnden, mit Menschenleibern und Schisfstrummern gefüllten Strudel rangen fünfhundert Menschen mit dem Tode. Gute Schwimmer erreichten das m der Nähe treibende Flaggschiff. Schnell bemannte Rettungsboote kamen auf die Unglucksstelle zu. Entsetzliche Szenen spielten sich ab.. Von allen Seiten wollten sich die Schwimmenden in die Boote schwingen. Um eine Ueberlastung zu hindern, mußte man viele hilflos versinken lassen. Fast stumpfsinnig vor Uebermüduna standen die Offiziere des Flaggschiffs m kleinen Gruppen beisammen. Durch unausgesetzte Arbeit an den Pumpen gelang es, das Schiff über Wasser zu halten. Stunde aus Stunde strich hm, langsam wie das, mühsam vorwärts kriechende Schiff. Die fürchterliche Spannung des Tages hatte bisher keine Erörterung des Unglücks zugelassen Erst jetzt tauchte die unablässig wieder kehrende Frage auf: Wie konnte das geschehen? Der Kommandant. Kapitän Scklie mann, aina mit auf dem Rücken zu sammengelegten Händen unruhig hin und her. Er war verantwortlich für das Unglück, das nur eine Kette unseliger Zufälligkeiten herbeigeführt haben tonnte. Der Abstand zwischen den Schiffen war der vorschriftsmäßige gewesen. Das Kommando zum Auswelchen vor der kreuzenden Bark war ertheilt worden. Aber das Manöver des Drehens schien überhastet ausaeführt worden zu sein. Sollte der wachKabende Offizier die kreuzende Bark nicht rechtzeitig gesehen, den Befehl zum drehen etwas zu spat ertheilt haben? Kapitänleutnant v. Hollen!" rief der Kapitän zu der Gruppe von Offizieren gewendet. Hollen kam sofort m dienstlicher Haltung auf seinen Vorgesetzten zu. Seine Augen lagen tief in den Höhlen. Das Gesicht war grauweiß, die Hände blutig gerissen von den spröden Tauen. der wahnsinnigen Anstrengung des Ru derns zum Bergen der Versinkenden. " waren wachhabender Offizier, Kapitänleutnant v. Hollen?" Der Ton der Frage klang schon bei der Erwähnung dieser Thatsache wie ein Vorwurf. . Zu Befehl, Herr Kapitän." .Warum gaben Sie den Befehl ,Ruder Steuerbord' so heftig? Jeder Befehl muß maßvoll, muß rubia sein! Die Drehung wurde dadurch zu scharf." vJUin erstes Kommando war überhört worden." . Wie ist das möglich?" .Ich erschrak, als ich die norwegische Bark in dem engen Fahrwasser unseren Kurs kreuzen sah. Meine Stimme mag nicht laut genug gewesen sein. 'Darum

5ab ich den wiederholten Befehl schar

fer." Sie erschraken? Ein wachhabende? Offizier hat nicht zu erschrecken! Kaltes Blut ist.die erste Bedingung, die man an einen Marineoffizier stellt! Die Kommandos sollen deutlich und ruhig gegeben werden." Eine noch tiefere Blässe überflog Hollens Gesicht. Ich gab den Befehl, sobald ich sah, wie die Bark kreuzte," stieß er hervor. So sahen Sie das eben zu spät! Minuten, ja Sekunden können verhängNlßvoll sem. Sie sehen m. was aus Ihrem erst undeutlich, dann zu scharf gegebenen Befehl entsenden ist! Hunderte von Menschenleben ein großes Schiff gänzlich verloren, das unsere furchtbar beschädigt!" Ich werde kriegsgerichtliche Untersuchung gegen mich beantraaen." brauste sollen auf. Der Kapitän lachte bit.er. Diele Untersuchung bleibt uns allen nicht erspart. Glauben Sie venn, daß man Panzerschiffe in den Grund bohren laßt, ohne Rechenschaft dafür zu fordern? Ich will Ihnen wünschen, daß es Ihnen gelingt, sich von jedem Vorwurf zu reinigen. Ich danke." Hollen ging auf seinen Posten zurück. Er knickte nicht zusammen, trotzdem die Vorwürfe mit- zermalmender Wucht seine Seele trafen. Aber er zitterte vor Zorn und vor Erregung. Dumpf hallten die Schläge der Pumpen durch das Schiff. Die Besatzung war auf dem Deck versammelt. Hollen starrte mit leeren Blicken auf die im Abendsonnenschein purpurn und; goldig schillernden Wellen. Er sah wieder die in verzweifelter Angst verzerrten Gesichter der mit dem Tode ringenden Mannschaft des untergesunkenen Schiffes. Er hörte die schrillen Entsetzensschreie, wenn die überlasteten Boote kenterten. Mit eigener Lebensaefahr hatte er geholfen, die Ertrinkenoen zu bergen. Aber was bedeuteten die paar von ihm Geretteten gegen die Hunderte, die hilflos versanken? Vielleicht hatten sie auch zu Hause Frau und Kinder oder eine alte Mutter, die mit zitternder . Angst jeden Abend für sie betete. Ein krampfhaftes, thränenloses Schluchzen schüttelte ihn plötzlich. Der neben ihm stehende Offizier, Leutnant William v. Normann, sah ihn mitleidig an. Hollen ergriff den Arm seines jungen Kameraden. William, sag mir die Wahrheit! Bin ich schuld an dem Unglück?" Du? Wie kommst Du auf die Idee?" Der Kapitän glaubt es." Normann zuckte die Achseln. Warum muß denn bei jedem Unglück durchaus Jemand schuldig fein?" Hollen legte die Hand an die Stirn. Ich werde ganz irre an mir selber. Ich sah die Bark, gab sofort den Befehl. Meine Stimme versagte vielleicht aber zwischen meinem ersten und meinem zweiten Kommando lagen nur Sekünden. Das kann nichts geschadet haben." . Natürlich nicht. Das Manöver des Drehens wurde ja sofort ausgeführt." Aber zu scharf!" .Das war eben ein Unglück." Nein, meine Schuld! So sagt der Kapitän." Nimm das nicht zu schwer. Der erste Aerger. Sie spielen alle um Kopf und Kragen wenigstens um die Kar riere bei dieser Katastrophe." - Hollen nickte vor sich hin. Ich auch," sagte er dumpf. Ack bewahre." Doch doch. Wäre ich nur meiner selbst ganz sicher aber ich habe einen Zweifel, etwas, das mich nicht zur Ruhe kommen laßt. . Was denn?" Ich habe an meine Frau gedacht, an die Heimath. Die Möwen brachten mich darauf. So fliegen sie auch im Kieler Hafen um unser Haus. Ein wach habender Offizier darf aber nicht trau men auch nicht emen Augendlick. -Du sahst doch aber dieBark recht zeitig. Du konntest ja. nicht eher einen Befehl ertheilen, ehe es nicht sicher war. welchen Kurs sie nahm. .Hab' ich nicht aber doch etwas ver säumt? O, William der Zweifel, der schreckliche Zweifel!" . Ein dumpfes Stöhnen kam aus seinem Munde. Haben meine abirrenden Gedanken nicht doch vielleicht dies Gräßliche verschuldet? Ist das nicht denkbar? Der Kapitän hat recht. Ich tauge wohl noch mcht dazu, ein Schiff zu kommaw diren." Deine Nerven sind überreizt. Hollen. Kein Wunder! Die Rettungsme daille" haft Du .verdient .weiter nichts." Hollen schüttelte den Kopf. Das werd' ich nie wieder los nie! Das frißt an mir immerdar. Wie sie um ihr Leben kämpften, all die wackeren Jun gen! So nutzlos sind sie ffngeopfert. Wofür? "Traurig ia. Aber wo gehobelt wird, da fallen Späne. Marinedienst ist mne Lebensversicherung. Du nimmst es sehr leicht. Und Du zu schwer." . Weil ich mich nicht ganz schuldlos fühle. Und war's auch nur ein Au aenolia des Vtlichtverae ens. eme flüchtige Gedankenabirrung sie ge nugte vielleicht, um Hunderten das Leden, mir meine Karriere zu kosten.". xDas sind krankhafte Einbildungen. . 'Wer an krankhaften Einbildungen leidet, darf nie ein Schiff kommandirn (Fortsetzung folgt.)

Meik ZZabersack's Zchreikebricf.

Ho. SSL Oeohrter Mister Edithor! Wie ich aus meine Feckebschen heim sin komme, do hen ich schuhr genug eckspecktet, daß der Christ un die Selma e wenig ebbes for meine Rieseppschen uffgefickst hätte, awwer gar nicks hen se gedahn, f? hen ihwen mei Ruhm nit uffgestrehtend. gehatt. Mein Bett des Hot geguckt.das war fiers un ich hen ausgefunne, daß es die Kids for en Plehground gejuhst hen. Ich wunner ob ich deß als Bohrder siende muß. Awwer ich hen die Selma for gefickst. Ich hen zu se gesprochn: Selma, hen ich gesagt, ich denke es is Zeit, daß mer emol sickere, wie viel ich Dich noch ohe, bikahs ich will nit hier starte zu lewe, mitaus daß ich meine alte Detts bezahlt hen. Also wie ich fortgange sin do sin ich dich doch zwei Woche schuldig gewese un letzt bezahl ich zwei Woche in Ettwehns, das sin vier Woche zusamme, hier ls dem Geld un ich suhle dann Widder e wenig iesiger. Do hat die Selma große Auge gemacht. Sell is gut genug, awwer Watts die Mätter mit die lange Zeit, wo du fort gewese bist? For die Zeit hen ich mei Bohrd in Rett Hott Springs bezahlt, wann du awwer denkst, ich hätt's zu dich bezahle solle, dann kannst du ja hingeh'n un kannst's kollekte. Ich sin schuhr, wann du den Proppreieter von den Hotel alles ecksplehne duhst, dann settelt er mit dich. Die Selma Hot en ganz rothe Kopp kriegt. Se Hot gesagt, von die Bohrd deht se gar net spreche, awwer se deht denke, es war doch Nit mehr wie sehr, daß ich wenigstens for den Ruhm bezahle deht. Se hätte doch Wege mich das große Hausgerent un mei Ruhm war doch ennihau mei Ruhm, ob ick's juhse deht odder nit. Da sin ich von e differente OppMjien, hen ich gesagt. Es :s fonNie, awwer in Rett Hat Sprmgs do hen ich reffjuhst für mei Ruhm zu bezahle un hen gesagt, ich deht for mei Ruhm in Appel Jack Rent bezahle. Do hen se gesagt, wann ich des duhn deht. war ich e Rindvieh. Wo sie her käme, do deht mer nur Rent bezahle for des Ruhm wo mer juhse buht. Un dann will ich dich noch e anneres Ding sage Selma, kollekt doch die Rent von deine Kids, bikahs die hen mer Ruhm geiuhst. Ich sin lange Zeit zu iestg ge wese un es is jetzt Zeit, daß ich emol itappe en verzollte Fühl aus mich . r - rr. - j. i , :tl W.. macye zu o jei roeiiji uu wie ich in den Kehs denke un wann du mt sattisfeit bist dann kann ich ja muhfe, awwer du kriegst trotzdem kem ver dollte Cent mehr"von mich. Damit hen ich se stehn losse un sin fort.Jch sin erscht emol in den Saluhn gange, bikahs ich sin so drei gewese, wie en geschmohkter Hering. Ich hen mich en Schuhper Bier gewwe losse un wie das-Bierche meine Droht enunner ge laufe is, do Hot's gezischt, als ' wanr mer e retthattes Eise in's Wasser halte duht. Geht mich weg mit all' den Minnerelwasser, hen ich zu mich gedenkt, en deutscher Mann der braucht ebbes annerschter for Sohl un Baddie beisamme zu halte. . For mich is ennihau Bier gut genug un wann ich Bier hen, dann brauch ich gar Nicks besseres. Well, ich hen e paar Gläser getrunke un es sin auch noch e paar gute 'Freunde komme,- wo mit mich Hands geschehn hen un wo sich all ge freut hen. daß ich Widder heim war. Do kann mer doch sehn, daß es auch noch Leut Hot, wo sich freue, wann se . 'i. t. r r . rrs. - n v.jc eim wiooereyn. as in oocn eooes ganz dlffercntes als wie - die Selma. Die Hot nur immer Angst for ihr Geld un ich kann Jhne ftrge, so Leut gleich ich noch kein Penniwerth. So oft ich an die. Selma gedenkt hen, hen ich mich ganz schrecklich geärgert un zur Beru hiqunq hen ich dann immer noch , Glas Bier trinke müsse. . Mit die Freunde, wo ich in den Saluhn gemiet hen, hen ich doch auch ebbes nemme müsse un es Hot gar nit lang genomme, do hen ich en Dust gehatt der war auteseit. Wisse Se, es is meine In tenschen gewese, en Kahl an den Mister Mehr zu .mache un ihnzu sage,' daß ich Widder h(im im rettig for Bißneß wär, awwer in die Kandischen, wo ich drin gewese sin, do hätt ich blos en Schoh aus mich gemacht. Ich hen den Saluhnkieper for die Zeit gefragten do Hot er gesagt, es wär puttinier zwei Uhr. Schie wiß, hen ich gesagt, un ich hen noch gar kein Dinner gehatt. Er Hot mich gefraat e' wenig mit ihn zu tschuhe un ich hen die Jnnwitehschen ackzeptet. Wie ich in sein Diningrühm komme sin,, das meint in sei Preiwet Ruhms, do hen ich e Launsch do stehn sehn. Das is zu e große Temptehschen for mich gewese. Ich hen mich duff gelegt un in e Minnet hen 'ich geschlofe. Ich hen en Driem gehatt, den muß ich Jhne noch schnell verzähle. Es war mich als wann ich uff en Hill -wär UN der Hill wär immer kleiner "und loher geworde un wie

er ganz loh war, do sin ich in t Kehf gefalle un do hen ich aeschlofe un sin

nie nit mehr uffgewacht. Der Driem ls so natlerltch gewese, daß ich doch uffgewacht sin, im do is alles um mich erum dunkel grwese. Ich h?n zuerscht gedenkt, ich deht noch schlofe. awwer ich im so Welt uffqeweckt gewese, wie letzt. Ich hen mit mein Hinnerfuß gekickt un do hen ich ausgefunne, daß ich rn c Backs gelege hen. For Pittisehks, do sin ich awwer verschrocke. Schierussalem. Ken ick aedenkt. du wersckt dock mt begrawe sein. Well, in die erschte Lein hen ich emol en schreckliche Haller von mich gewwe, so en rhgeker Indien Wahrhupp. Ich hen denk ich for e halwe Stund gehallert, befohr daß ich ebbes gehört hen. Dann hen ich Stepps gehört un jetzt hen ich off Kohrs noch mehr gehallert. Ei tell juh, ich hatt in mei ganzes Lewe nit gedenkt, daß ich so Hauls von mich' gewwe könnt, awwer in die Sittjuehschen wo ich drm gewese sin, do hatt en Mensch einiges gedahn. Mit emol ' hen. ich genohtist, daß die Backs, wo ich drin gelege hen geschehkt is worde. Dann hen ich gefühlt wie se dran gehämmert un geschkruht hen un dann all ett wonz Hot's en Schlag gedahn, das Ruhf von die Backs is usfgefloge un es is alles hell um mich gewese. Jetzt hen ich ausgefunne,- was die Matter war. Die Launsch wo ich druff gelege hen, is eine von die Dehwenports gewese, wo mer als Bett iuhse kann. Die Spring nit gefäßtent gewese un do sin ich m die Backs geschuppt, wo das Betting enei kommt. Wie ich drin war, Hot sich der Litt Widder zurückgelegt un ich hen nit mehr autseit gekonnt. Well an die Ecksperlenz will ich denke. Mit allerhand Riegards Juhrs Trulie. Meik Habersack, Eskweier un Scheriff von Apple Jack Holie Terrer Kauntie. Ein FörsterKOrlginal. Aus Förster WLpkes Leben, der ein großes Original war und in Rehsen tn Anhalt seinem schönen Berufe oblag, erzählt eine Jagdschrift folgende hübsche Anekdote: Förster W. hatte auch für die Dämme zu sorgen, welche die Elbe stundenlang begleiten. Bei sehr hohem Wasserstande will aber die Höhe dieser Schutzvorrichtungen nicht mehr ausreichen; in diesem Falle wurden dann immer zwei Reihen Bretter gesetzt, und man trieb zu diesem Zwecke oben in die Dammkrone paarweisePfähle, je zwei; zwischen die Bretter kam die Erdschüttung. Grundsatz ist, daß diese Bretter auf der Wasserseite", d. h. dem Wasser möglichst nahe, gesetzt werden, damit der Rest der Dammkrone vom Wasser freibleibt. ' Eines Tages ist Wassersnoth. Die Elbe steigt und steigt; W. hat seine Anweisungen gegeben und ist für kurze Zekt in's Dorf geritten. Die Dammarbeite?, geschulte Leute, beginnen Bretter zu setzen, da kommt des Weges der Kaminerrath (etwa Regierungs rath) von X., der sieht der Arbeit zu, redet hinein und gibt endlich Befehl, die Bretter auf die Landseite zu setzen. So haben wir's nie gemacht, das geht nicht," antworten die Leute. Der Gestrenge darauf: Und ich befehle es; ich, der Kammerrath v. X." Die Arbeiter gehorchen; aber einer drückt sich zur Seite in's Gebüsch und rennt aus Leibeskräften nach Rehsen. Er bricht förmlich in's Forsthaus ein. Herr Förster, Herr Förster, da ist einer auf dem Damme, der sogt, wir müßten die Bretter auf die Landfeite setzen." Da soll doch ein Donner auf springt der Förster, wirft sich auf sein Pferd und jagt zum Damme. Ihr Esel," ruft er schon von Weitem, wer hat denn schon so eine verfl... Dummheit gesehen!" Wir sollen sie auf die Landseite setzen," antworten die Leute. Dr. v. X. tritt vor: Ich habe es so angeordnet." Da könnte jeder Esel kommen." ruft in größter Wuth der Förster, die Pfähle 'raus; auf die Wasserseite gesetzt!" Um ten Kammerrath kümmert stch Niemand mehr. Am nächsten Morgen klopft der Herzog selbst an's Fenster des Forsthauses. Hast ja recht gehabt, Wöpke," sagte er zum heraustretenden Förster, aber ein ander Mal sei nicht so grob!" Ein Glückspilz. Ein faöelhaftes Glück hat der Baron. Erst verlobt er sich mit einer steinreichen Dame und nachher gewinnt er auch noch das große Loos... jetzt braucht er sie vielleicht gar nicht zu heirathen! AusderSchule. Was für verschiedene. Arten von Brüchen kennst du. Melanie? Den gemeinen Bruch, den Dezimalbruch und den Ehebruch. In der Schneiderwerstatt. Lehrling: Denken Sie.. Meister, diese Nacht hatte ich einen schrecklichen Traums es hätte jemand eine Wasser-V Hose zum Ausbessern gebracht!-

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