Indiana Tribüne, Volume 28, Number 43, Indianapolis, Marion County, 12 October 1904 — Page 6

Judiana Tribüne, 12. Oktober

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Europäische Nachrichten.

Sachsen. Dresden, Ein hiesiger Mitbürger. Kaufmann Louis v. Moisy, feierte mit seiner Lel'ensgefährtin die goldene Hochzeit. Der noch rüstige Herr nahm 1848 als Freiwilliger an den Kämpfen gegen die Dänen in Schleswig - Holstein theil. Tödtlich verunglückt ist in Flur Zschieren der Strohpresser Fr. August Rüssel aus Laubegast. Beim Bedienen einer Dampfdreschmaschine wurde er von der Strohpresse erfaßt und ihm der Brustkorb eingedrückt. Nüssel war sofort todt. In feiner Kammer erschoß sich der bei einem Leutnant als Bursche in Diensten stehende Grenadier Findeisen vom Leib GrenadierRegiment mit einem Jagdgewehr seines Herrn. Der Beweggrund zu dem Selbstmorde ist unbekannt. Findeisens Dienstzeit wäre zumHerbst abgelaufen. Er stammte aus Großenhain. B außen. Maurer Lowke, der am 5. April d. I. seine Ehefrau erstochen hat, wird dauernd in einer Landesirrenanstalt untergebracht werden, da die gerichtsärztliche Entscheidung dahin lautete, daß er die Blutthat in (grundlosem) Eifersuchtswahnstnn" verübt hat. G ö t t w i tz. Der Ziegeleiarbeiter Fritz Meyer gen. Thermann hat sich in seiner Wohnung erhängt. H e r r e n h u t. Archivar Glitsch stierte mit seiner Ehefrau die goldene Hochzeit. . K l i n g e n t h a l. Der Harmonika - Arbeiter Parius ermordete seine Ehefrau durch einen Schnitt in den Hals und durchschnitt sich dann selbst die Kehle. Die That geschah in demselben Hause, in dem vor Kurzem die Leiche eines neugeborenen Kindes gefunden wurde. Beide Vorfälle werden miteinander in Verbindung gebracht. Leipzigs Der Schlosser Adolf Heinrich Karl Friedrich Schnaufer feierte sein 25jähriges Arbeitsjubiläum : in der Maschinenfabrik von Gebrüde? Brehmer. Der 63 Jahre alte Maurer Pfefferkorn stürzte von einem Reubau an der Tauchmtzstraße 12 Meter hoch herab und fand sofort seinen Tod. w i rk a u. Musterzeickner Vlnit- ! re, im ?cacyvaror: Uicylenslem woon!hast, verfolgte die Fleischersehefrau Groher daselbst mit Liebesantragen, Die diese unbeachtet ließ. Kürzlich lauerte er ihr auf und gab einen Schuß auf sie, dann einen auf sich ab. Plattke verschied sofort. Frau Groher wird dem Leben erhalten bleiben. KeflenAarmlZadt. Darmstadt. Der dem Trunk ergebene 50jährige Metzger und Fuhrmann Michael Schmidt, der in seiner in der kleinen Bachgasse gelegenen zoynung mit semer Frau in Streit gerathen war, brachte derselben mehrere Stiche bei und durchschnitt sich dann selbst den Hals. Schmidt ist root und die Frau lebensgefährlich verletzt. Amönebura. Die 9.i&t ho2 Trompeters Grimm von dem Feldarttllerie Regiment Ro. 63 in Kapel, welcher seit Kurzem vermißt wird, wurde hier unweit der Kaiferbrücke gelandet. B ü d e s h e i m i. d. Wetterau. Ein schweres Gewitter aina tuniicü über unsere Gegend nieder. Hierbei wurde der 11 Jahre alte Sohn des hier beschäftigten Taglöhners Hornung, als er am Fenster stand, um dem Wetter zuzuschauen, von einem Blitzstrahl getroffen und auf der Stelle aetödtet. Ensheim. Landwirth Heinrich Schmitt stürzte beim Abladen von Frucht in der Scheune der Wittwe Zimmermann vom Gerüst in die Tenne und erlitt innere Verletzungen. Gießen. Bei einem Streit, der sich vor dem hiesigen Bahnhofe zwischen dem Rasenden Kehrem von hier und dem Arbeiter Lucht entspann, wurde letzterer von Kehrein erschossen. Mainz. Plötzlich irrsinnig geworden ist der in Himmelgasse No. 3 wohnende Milchhändler Heinrich Weber. Nachdem er zunächst seine Frau, mit der er sonst im besten Einvernehmen lebte, thätlich mißhandelt hatte, begann er in der Wohnung alles kurz und klein zu schlagen. Um das Unglück voll zu machen, fiel dem Unglücklichen auch noch ein Messer in die Hände, mit dem er sich schwere Verletzungen an den beiden Handgelenken beibrachte. W o l l st e i n. Im Apfelbach hier ertrank auf unaufgeklärte Weise die Ehefrau des Schuhmachers P. Weinsheimer. Dieselbe wollte im Felde Bohnen holen und als sie ungewöhnlich lange ausblieb, begab sich Weinsheimer auf den Weg, um nach ihr zu sehen, fand sie aber todt, mit demKopf im Wasser liegend, gar nicht weit von ihrer Wohnung. Wayern. München. Die beiden Vautechniker Karl Wolff und Chemiker Max Heiden von hier, die eine Tour auf den Schinder unternahmen und seitdem vermißt wurden, sind nach lan gem Suchen im Schinderkar todt aufgefunden worden. Die Leichen wurden hierher gebracht. Letztens wurde der Concurs über das Ramschwaa r'engeschäft des Georg Dunsky und dessen Frau eröffnet. Sie hatten drei Geschäfte in der Stadt und brachten es zu einer Ueberschuldung von 150,000 Mark. Das Ehepaar ist flüchtig gegangen mit Hinterlassungdes Mo-

vllmrs und verschievener Waarenbe-

stände, die nicht mehr verschleudert werden konnten. Ein Steckbrief ist erlassen. A i d e n b a ch. Bei der hiesigen Ortschaft wurde der ehemalige Bahnarbeiter Aloys Bootz vom Schnellzuge 30 überfahren und sofort getödtet. Der bereits 70iähriae Mann Wen die Ueversayrt nocy passiren zu wollen. wobei er das Herannahen des Schnellzuges überhörte. B u r g h a u s e n. Die unter dem Verdacht der Brandstiftung seinerzeit verhafteten Brauereibesttzer Leo Rothnagel und Ried, Besitzer der Brauerei Lohner, die einem Großfeuer zum Opfer fiel, sind aus der Haft entlafsen worden. Füssen. Der Jagdgehilfe des Prinzen Ludwig, Fridolin Kafler, wurde in Weissenbach bei Reutte, von seinem jüngeren Bruder, einem zur Zeit dort weilenden Universitätsstudenten, aus Unvorsichtigkeit erschossen. Die beiden waren auf der Jagd; plötzlich entlud sich das Gewehr des Siudenten und der Schuß traf seinen Bruder so unglücklich, daß er kurz darauf starb. Greussenheim. Großfeuer zerstörte hier acht Gebäude. Gangkofen. Der seit kurzer Zeit bei Oberjäger Schmitt hier weilende Friedrich Hermann Pohl hat sich mit seinem Jagdgewehr erschossen. Das Gewehr war doppelt geladen, und zwar mit starken Schrotpatronen. Der erste Schuß wirkte schon tödtlich. Kaufbeuren. Der 47jährige Maschinist Gottlieb Amann wurde hier kürzlich beerdigt. Ein Bruder des Verstorbenen, der 22 Jcchre in Australien weilte, kehrte plötzlich in seine Heimath zurück, und fein erster Besuch sollte dem Bruder gelten. Als er nach demselben sich erkundigte, läutete das Todtenglöcklein. und man bedeutete dem Heimgekehrten, daß er gerade recht komme, seinem Bruder das letzte Geleit zu geben. Spalt. Während eines Gewitters öffnete die 28jährige Bauerntochter Dommel in Absberg ein Fenster im Wohnzimmer. In demselben Augenblick schlug der Blitz ein und tödtete sie. Weiden. Der taubstumme Glasmacher Rott aus Röthenbach wurde im hiesigen Bahnhof von einer Maschine erfaßt und sofort getödtet. Mürtternverg. Stuttgart. Hilfsweichenwärter Guddcr gerieth auf dem hiesigen Hauptbahnhof unter einen Personenwagen, wobei er mehrere Schritte weit geschleift wurde. Der Verunglückte erlitt am Kopf und an den Beinen schwere Verletzungen und mußte in's Katharinen - Hospital überführt werden. Althausen. In dem Dampfsägewerk des Werkmeisters Friz (vorm. Hoswerkmeister" Reck) brach Feuer aus. Das ganze Sägewesen mit allem Zubehör (Maschinen, verschiedenen Schuppen etc.) wurde ein Raub der Flammen. Calw. Unter Mitnahme von Wertpapieren in Höhe von 102,000 Mark ist die 47jährige Ehefrau des hiesigen Privatiers Paul Rosenhardt, Vertha, geb. Bozenhardt, flüchtig geworden. In ihrer Begleitung befand sich der 39jährige Werkmeister Carl Krauß von hier. Die Flüchtigen versuchten, die dem Ehemann Paul gehörigen Werthpapiere auswärts zu veräußern. Auf die Ergreifung beider war eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt worden. Das Pärchen wurde in Budapest verhaftet. Lorch. Der 72jährige Weber Abele hat sich in seiner Wohnung erhängt. Was den Mann in den Tod trieb, ist unbekannt. Es ist dies der dritte Selbstmord, der im Laufe dieses Sommers hier verübt wurde. R a g o l d. Während eines Gewitters wollte der 80 Jahre alte Gipser Schuler die Läden seiner Bühne schließen; er stürzte dabei in die Scheuer ab und statt). R o t t w e i l. Der verheirathete, 32 Jahre alte Joseph Beck. Aufseher in der hiesigen Pulverfabrik,-der einen freien Tag hatte, benützte diesen dazu, einem Nachbarn bei der Ernte auszuhelfen. Eben war er damit beschäftigt, ein Pferd aufs Feld zu führen, als dieses plötzlich scheute und davonraste. Beck verwickelte sich in die Stränge, wurde geschleift und erlitt so schwere Verletzungen, daß er schon todt war, alö es gelang, das Pferd zum Stehen zu bringen. Eine Wittwe und vier Kinder betrauern den Ernah rer. , S ch e ch i n g e n. In der Michael Voppschen Dreherei brach Feuer aus. wodurch das gcuze Gebäude emge äscbert wurde. Tübingen. In der psychiatrischen Klinik hat sich der Flaschnermeister Allgöwer von Feuerbach, der in nächster Zeit als gebessert entlassen worden Ware, erhangt. Untertürkheim. Der Fuhrmann Firnhaber gerieth bei der Abfuhr vonGtpssteinen aus einem Stein bruch unter seinen beladenen Wagen, der dem Unglücklichen über den Leib ging und ihn so schwer verletzte, daß er bald darauf starb. Kinder der Zeit. Fritzchen: Mama, Hans hat Olga einen Lebkuchen gegeben, den er der Schwester meines Freundes, der Ella, versprochen hätte. Ich bin darüber sehr unglücklich, wir werden uns beide prügeln. Kannst Du das nicht vielleicht in Deinem Roman gebrauchen?

Der Herr Vertheidiger.

Ekizze von Martin Zöldi. Nach dem Ungarischen von Georg Busse. Was glauben Sie, Herr Rechtsan walt, wie viel kann ich bekommen?" Diese Frage wurde von einem großen, breitschultrigen, sorgfältig gelleideten Herrn an Dr. Alfons Tilbey gerichtet, den berühmten Advokaten, den die Gerichtsreporter mit eiserner Conjequenz unseren großen Criminalisten" nannten. Mit Recht. Dr. Tilbey war nicht umsonst berühmt. Mit seinem wohlklingenden Bariton dermochte er die hartgesottensten Geschworcnen zu rühren, und mit seinen geistreichen Einfällen und Argumenten hatte er schon manches Mal den gesährlichsten Anklagen die Spitze abgekrochen. Wie die meisten Advokaten hing er mit wahrer Leidenschaft an seinem Beruf. Bei den Verhandlune gen brachte er seine Gründe stets mit so hinreißender Ueberzeugung vor, als ob das Verbrechen thatsächlich nur in der Phantasie des Staatsanwalts existire und als ob er ausschließlich gegen falsche Verdächtigungen zu kämpfen hätte. Der Fragesteller strich nervös seinen weichen, seidigen Bart und wartete ungeduldig auf Antwort. Der Herr Rechtsanwalt blätterte ruhig im österreichischen Wechselrecht, das in gar keiner Beziehung zu diesem Falle stand. Hm. lieber Freund, Sie fragen, wie viel Sie bekommen können? Sehen wir nach 391 392 ja, hier ist es, lieber Freund! Ich glaube: zwei Jahre " Der fremde Herr sprang nervös aus dem elastischen Fauteuil. Was? Zwei Jahre?!" Ja, lieber Freund, Fälschung von Staatsakten. Der Staat ist brutal, wenn es sich um seine Papiere handelt. Der Staat ist immer brutal! Das sag' ich Ihnen. Privatakten, das wäre etwas Anderes, lieber Freund " Der große Criminalist nannte jeden seiner Clienten lieber Freund". Aus ehrlicher Ueberzeugung, denn er fühlte, litt und freute sich mit ihnen. Stets behandelte er sieauf das Zuvorkommcndste, mit der gleichen Liebenswürdigkeit, wie ein Geschäftsmann seine Kunden. Er lebte ja von ihnen und verdankte ihnen Vermögen und Carriere. Ja, ja, lieber Freund," fuhr er in leichtem Plauderton fort, wir können sehr zufrieden sein mit znxi Iahren. Wir dürfen nicht vergessen, daß wir bereits sechs Monate wegen Unterschlagung hinter uns haben. Sie verstehen Nun, ich werde alles Mögliche thun Was der Vorschuß betrifft " Jetzt kann ich nur fünfzig Gulden zahlen," sagte der Aktenfälscher scheu. Wenig, sehr wenig, lieber Freund. Aber, da Sie ein alter Client von mir sind 's ist egal. Bringen Sie mir das übrige ur bald. Sie wissen, daß ich große Ausgaben hab', lieber Freund vier Gehilsen! Sonst können Sie aber ganz ruhig sein; ich gratuliere Ihnen dafür, daß wir es mit zwei. Jahren abmachm. Ich wieder hole: zwei Jahre." Aber Herr Rechtsanwalt, zwei Jahre Zuchthaus!" Wer spricht von Zuchthaus? Gefängniß, lieber Freund, einfaches Gefängniß! Gott befohlen, und beunruhigen Sie sich nicht. Gefängniß " Der Herr mit dem seidigen Bart war durchaus nicht ruhig, entfernte sich aber. Ein untersetzter, fetter Kahlkopf trat darauf in das Zimmer und be'grüßte den Rechtsanwalt mit vertraulichem Lächeln. Alles an ihm war alt, sogar seine Zähne waren so rostbraun, als hätte er sich alte einsetzen lassen. Herr Doctor kennen mich nicht mehr?" ,,O ja, gewiß, aber " Ich bin der Goldfinger." Aha, der Tapezier!" Nein, bitte, der Alteisen - Händler aus der Walzgasse," Ich erinnere mich, ja." Herr Doctor haben mich schon einmal vertheidigt." Weiß, weiß man hat Sie freigesprochen " Nein, bitte, ich bekam zwei Monate." Ah, richtig! Betrug, nicht wahr?" Nein, bitte, Hehlerei " Richtig, richtig, die Zeugen sagten schlecht aus " Ja, die Zeugen" lächelte Goldfinger He.rr Doctor haben ein großartiges Gedächtniß." Das gehört zum Beruf, lieber Freund! Nun, was bringen Sie diesmal Gutes?" Ich habe wieder ein kleines Anliegen. Es ist schrecklich, wie man uns Althändler malträtirt! Belieben Sie zu glauben, Herr Doctor: das löbliche Gericht hat es direkt auf mich abgesehen. Ich habe acht lebende Kinder Hat man Sie wieder angeklagt?" unterbrach ihn der Advokat, der sich für seines Clienten . Familienverhaltnisse nicht sehr zu interessiren schien. Ja, bitte, ich kaufte altes Eisen, und darunter waren einige Gewehre " , Verstehe, verstehe! Fahren Sie nur fort!" Was weiß ich von Gewehren? Bin ich ein Jager? Ich dachte, es wäre altes Eisen" Natürlich! Wie viel bezahlten Sie dafür?"

WaS weiß ich? Ich bezahle ehrlich.

Ich blieb keinen Heller schuldig. Ich wollte, man bezahlte mich so prompt. Von wo sollt' ich wissen, daß es gestöhlen ist? Ich bin doch kein Spiritist!" .Freilich nicht! Und der Dieb?" Goldfinger zwinkerte vertraulich mit den Augen. Ist im Krankenhaus gestorben!" Bravo! Etwas Klügeres konnte der Mann gar nicht thun. Haben Sie keine Furcht! Nicht ein Haar wird Ihnen gekrümmt. Ich notire mir gleich den Sachverhalt. Aber wie viel gaben Sie für die Gewehre?" Was weiß ich? Soll ich mich noch erinnern?" Es ist wahr: Sie, sind keine protokollirte Firma, haben nicht die Pflicht, Bücher zu führen. Aber so beiläufig: fünf Gulden, sechs Gulden?" Goldfinger dachte nach. Ich glaube: sieben Gulden." Sehr gut. Sieben Gulden. Das ist ein durchaus ehrenwerther Preis sür ein altes Gewehr, Ich hätte auch nicht mehr gegeben. Haben Sie nur keine Furcht wir machen die Sache schon!" Belieben zu wissen, Herr Doctor: ich bin nur deswegen unruhig meine Tochter ist Braut " Ich verstehe Sie würden am Hochzeitstage nicht gern sitzen, natürlich wäre sehr unangenehm " Jawohl, bitte: die Partie könnte auch auseinandergehen. Der Bräutigam ist aus peinlicher Familie. Ich würde gern zwei- bis dreihundert Gulden aufwenden, wenn dieGeschichte jetzt -" Richtig, lieber Freund! Mein GeHilfe wird eine Empfangsbestätigung über dreihundert Gulden ausfertigen. Vorschuß ist nicht nöthig. Die Firma Goldfinger ist mir gut. Leben Sie wohl, lieber Freund. Nur keine Furcht!" Der Althändler entfernte sich ebenso lächelnd, wie er gekommen war. Der Schreiber meldete Frau Horn. Schicken Sie die Dame herein!" Die zierliche Gestalt einer auffallend schönen Frau trat in das Kabinett. Unter dem flotten Strohhut thürmten sich schwere, goldblonde Zöpfe, deren Farbe den Eindruck des Künstlichen machten. Sie contrastirte zu stark mit dem dunklen Braun der Brauen und dem unruhig brennenden, schwarzen Auge. Sie verstand sich aber zu kleiden, die kleine Frau! Die Falten der lilafarbigen Seidenbluse waren sorgsam geordnet. In den rosigen Ohrläppchen blitzten große Boutons. Alles war omme il saut. Nur der Sonnenschirm war allzu reich mit Spitzen besetzt. Er war auffällig. Der große Criminalist sah sie aufmerksam, beinahe forschend an. Die eleganteToilette interessirte ihn äugenscheinlich. Freut mich sehr, gnädige Frau! Bitte, Platz zu nehmen!" Die junge Dame zerrte sich nervös die Handschuhe von den Fingern. Herr Rechtsanwalt," sagte sie in beinahe weinerlichem Tone, Sie werdcn sehen, ich begehe noch einen Selbst. mord. Diese Schande u Nun, nun, so etwas darf man nicht thun!" ' Wenn man solch' einen Gatten hat!" Er ist ein nichtsnutziger Mensch. Ich sage das nicht wegen der Unterschlagung, aber gestern sprach' ich im Untersuchungsgefängniß mit ihm und ich wurde böse auf ihn, sehr böse bemahe hatte ich seme Vertheidigung zurückgewiesen." Was hat er denn gesagt?" Ach, reden wir lieber nicht davon! Für Alles macht er Sie verantwortlich!" Mich?" Ja, Madame. Er sagt: Bitte, wenn Madame nicht solche Unsummen vergeudet hätte, wenn Madame sich mit seinem bescheidenen Gehalt begnügt hätte, dann " Sechzehnhundert Gulden Gehalt!" murmelte die schöne Frau verächtlich. Dann, sagte er, hätte er auch nicht defraudirt. So spricht dieser Mensch! Denken Sie! Nun, ich machte aus meiner Meinung kein Hehl. Aber vergebens. Er sagte noch Anderes Sachen Sachen " Was kann er mir nachsagen?" warf das Frauchen herausfordernd ein. Habe ich ihn etwa betrogen?" Gott behüte, Madame! Wohin denken Sie? Das traute er sich doch nicht zu sagen, wenigstens nicht direkt, wenn (t auch obzwar " ' Ich werde mich scheiden lassen von diesem Schuft!" Das it Ihr Recht vor Gott und der Welt!" deklamirte der Anwalt pathetisch. Criminelle Anlage ist ein klassischer Scheidunasgrund. In Jhrer Lage würde ich selbst Aber stellen Sie sich vor: vorläufig wünscht dieser Mann, daß Sie die 900 Gulden zahlen, die nothwendig sind, um die Bank zur Zurücknahme der Klage zu bewegen." Ich soll zahlen?. Ich?" ' ; Ja, meine Gnädige, so sagt er. Und leider, man muß es thun! Dieser Mensch ist zu Allem fähig!" Keinen Heller zahl' ich! Meinetwe gen mag man ihn hängen! Ich habe kein Geld!" Vor Zorn schlug sie mit dem Sonnenschirm auf den Fubboden. Ihr

Orient iL...jt von roiy:n Fieaen etdeckt. Aber der Advokat ließ sie ruhig Wüthen. Er war seiner Sache gewiß. Eine Woche haben Sie Zeit, gnädige Frau.' Ich habe das mit der Bank bereits abgemacht." Aber von wo soll ich das Geld nehmen? Und warum eigentlich?" Der Rechtsanwalt antwortete nur auf die letzte Frage: Weil Madame sonst auch unter Anklage gestellt werden.". Die Irau sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Ich?" fragte sie erschrocken. Jawohl. , Madame. Auch Sie. Natürlich nur als Mithelfer. Dieser Mensch behauptet nämlich " Und schön langsam erklärte er ihr, dieser Mensch, nämlich ihr Mann, wäre ein ordinärer Lügner, der es dem Gericht glaubhast machen würde, daß die defraudirten Papiere durch Madame verkauft worden seien, trotzdem diese ihre Herkunft vollkommen kannte. Dafür kann Madame drei Monate bekommen, im besten Falle zwei " Als die Dame sich entfernte, sah der Anwalt ihr zufrieden nach. Die kleine Bestie zahlt! Das ist gewiß. Ob ich die auch noch einmal vertheidigen werde?" Der Schreiber steckte sein:n Kopf schon wieder durch die Thür. Frau Lipstock." Der Advokat eilte selber in das Vorzimmer. Kommen Sie. liebsteFrau Lipstock! Wie ich Sie erwartet habe!" Damit führte er eine noch junge, aber blasse und hagere Arbeiterfrau hinein, auS äderen Bewegungen die tiefste Müdigkeit und Erschöpfung sprach. Bitte unterthänigst, ich habe die Schrift mitgebracht." Zeigen Sie, meine Liebe, zeigen Sie." Die Frau holte ein sorgsam gefaltetes Papier hervor, das der Advokat mit blitzenden Augen überflog. Bravo! Prächtig! Großartig!" Das unterfertigte Gemeindeamt bestätigt hiermit, daß die Mutter des genannten Anton Lipstock geistesgestört war," las er laut vor sich hin. Wissen Sie, süße Frau Lipstock, daß hier jeder Buchstabe Gold werth ist? Zum Tode kann man ihn schon nicht mehr verurtheilen. Das ist ausgeschlossen. Aber was fehlt Ihnen denn?" Die Frau wankte wie eine Betrunkene. . Ich bin sehr müde," sagte sie leise. Ich bin von Losone zu Fuß gekommen." So setzen Sie sich doch! Hier auf den Diwan! Bon Losone zu Fuß? Aber das ist ja fürchterlich!" Ich hatte kein Geld!" Warum haben Sie mir nichts gesagt?" fragte der Anwalt mit zarter Stimme, Ich bin böse auf Sie. Soll ich Ihnen vielleicht etwas zum Essen holen lassen? Schinken und Wein, nicht wahr?" Ich danke tausendmal, Herr Doc-, tor. Ich habe keine Zeit ich muß nach Haus zu meinem Kinde!" Und Sie haben kein Geld? Ei, Frau Lipstock, was sind das für Sachen? Hier, nehmen Sie! Wenn Sie welches haben, geben Sie es mir wieder. Nicht?" Die fünfzig Gulden, die ihm der Aktenfälscher auf den Tisch gelegt hatte, zwang er ihr in die Hände. Er gab sie gern. Ihr Mann hatte einen Mord verübt, und er war sein Vertheidiger. Freilich, er verdiente nichts dabei aber der Fall hatte Aufsehen erregt, und das Schriftstück, das die arme Frau ihm gebracht, war eine mächtige Waffe in feiner Hand. In seinem Kopfe spukten schon die wundervollsten Phrasen herum ererbter- Wahnsinn beschränkte Zurechnungsfähigkeit Lombroso, Krafft - Ebing der Eindruck würde außerordentlich sein, und die Zeitungen Ich bin für Niemand zu Hause!" schrie er in die Schreibstube, als Frau Lipstock gegangen war. Nicht 'mal für den Ministerpräsidenten!" Ein kleines Stubenmädchen mit weißer Schürze und gestärktem Häubchen trat ein. Die gnädige Frau lassen fragen, ob der Herr Rechtsanwalt heut' in's Theater gehen." Man soll mich in Ruhe lassen!" herrschte der große Criminalist sie an. Ich gehe nicht!" Er wird ein Narr sein! In's Theater gehen, um sich allerhand ausgehecktes Zeug anzusehen, wo er selbst in einem großzügigen Drama eine Rolle spielt. , In dem Drama, das Anton Lipstock heißt, schminken sich die Helden nicht die Gesichter, sprechen nicht nach dem Souffleur und veklamiren nicht falsch. Zwei Menschen hat der an einem Abend gemordet! Und er,' sein Vertheidiger wird er etwa nicht einen ebenso großen Erfolg haben wie ein Tragöde? Man applaudirt ihm ebenso, und die Journale loben ihn mehr. Der große Criminalist erhob sich zu einer seiner glänzenden Vertheidigungsreden." So würde überall zu lesen sein! Er nahm die Proceßakten aus dem Schreibtisch und überflog die Anklage. Triumphirend schwenkte er den Bogen über seinem Kopfe. Damit reiß ich ihn dem Staatsanwalt aus den Händen! Vielleicht spricht' man ihn sogar ganz frei !" Sein ganzes Gesicht glühte vor freu diger Spannung.

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