Indiana Tribüne, Volume 28, Number 42, Indianapolis, Marion County, 11 October 1904 — Page 7

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Jndiana Qrlbüne, 11. Oktober 1904U

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KriminalRomcm.

i Qon Reinhold Ortmann lSortsetzung.) Wie können Sie das für möglich halten! Sie würde sich selbstverständlich sofort mit Abscheu von mir gowenbet haben. Und ich wollte sie doch zu meinem Weibe machen." Na, dann finde ich keine Erklärung. Sie muß entweder nicht recht bei Sinnen sein, oder sie hat nach einem Plan gehandelt, über den erst die Zukunft uns Aufklärung bringen wird. Wie aber gedenken Sie sich denn eigentlich nun weiter zu verhalten?" Hcinitz hatte die schmalen, blutlosen Finger in sein lockiges Haar vergraben, und es kam wie ein Stöhnen über seine Lippen: 23cifj ich's denn? Ich bin a nun doch ein verlorener Mensch." Wenn Sie sich selber aufgeben, sind Sie es allerdings'! Ein Anderer an ihrer Stelle würde vielleicht im Gegentheil dem Zufall dankbar sein, der Sie bisher auf eine geradezu wunderbare Weise vor jedem Verdacht bewahrt hat. Ich sollte meinen, daß Sie sich mit ciniger Courage und Selbstbeherrschung besser aus der Affäre ziehen könnten, als Sie es im Grunde verdient haden." Es war mit einemmal etwas treuhcrzig Ermuthigendcs in seiner Redeweise. Zweifelnd und ungewiß sah der Andere zu ihm auf. Glauben Sie wirklich, daß es noch eine Hoffnung für mich giebt? Sie werden mich also nicht verrathen?" Thörichte Frage! Wenn ich nicht Mitleid mit Ihnen hätte, würde ich mich doch wohl von Anfang an anders benommen haben. Ich glaube Ihnen, daß alles mehr ein Werk unglücklicher Zufälle als Ihres bösen Willens gcwescn ist. Und Sie sind wohl auch ohne das Zuchthaus schon hart genug gcstraft. Daß sie vorläufig den Anderen als den vermeintlichen Mörder eingcsteckt haben, ist ja schließlich kein so ge waltiges Unglück. Sie werden ihn schon wieder laufen lassen, und es wird ihm eine nützliche Warnung sein, sich künftig nicht mehr auf verschrobene Phantastereien und auf Verhältnisse mit Vrettlsängerinnen einzulassen. Und Fräulein Rüthling mit ihren Hunderttausenden kann die zchntausend Mark, die ihr schlimmstenfalls jetzt noch entgehen, am Ende auch verschmerzcn. Zurückgeben können Sie's ihr ja döch nicht, ohne sich in die größte Gefahr zu bringen, und wenn Sie sich eines Tages nach Brasilien oder sonstwohin einschiffen, müssen Sie nothwendig etwas Geld in den Händen habcn." Sie sind gut gegen mich ich danke Ihnen! Und was rathen Sie mir zu thun?" 0, Sie dürfen nicht zu viel von mir verlangen. Ich kann Ihnen doch nicht obendrein Rathschläge ertheilen. Worauf es jetzt für Sie ankommt, müssen Sie doch auch schließlich selbst sehen. Je länger dieser Wolfradt des Mordes verdächtig bleibt, desto geringer wird naturgemäß für Sie die Gefahr einer Entdeckung. Sie müßten also zunächst die merkwürdige Geschichte mit den Banknoten aufzuklären suchen und müßten dafür sorgen, daß die Martini, die vielleicht etwas ganz anderes bcabsichtigt hatte als das, was sie wirklich erreicht hat, Ihnen nicht durch eine abermalige Unbercchcnbarkeit den Hals bricht. Was Sie auszusagen haben, wenn man Sie als den Freund und Bummclgenossen des Herrn Wolfradt über seine Lebensweise befragt, wird Ihnen ja Ihre eigene Klugheit vorschreiben." Seine letzten, leicht hingeworfenen Worte hatten denBuchhalter mit neuem Schrecken erfüllt. Sie halten es für möglich, daß man mich darüber verhört? Mein Gott, es wäre schrecklich! Und ich kann ihm doch jetzt, da er so unverschuldet leidet, nicht obendrein noch etwas Schlechtes nachsagen." Francke machte eine geringschätzige Bewegung mit den Schultern. Freilich wenn Sie die Sache unter dem Gesichtspunkte der höheren Moral betrachten! Ich aber meinte, daß es für Sie hier keine andere Moral gäbe als die Pflicht der Selbstcr-

Haltung; darüber, daß man Herrn

Wolfradt mcht hinrichten oder ms

Zuchthaus schicken wird, wenn man ihm die That nicht wirklich nachweisen

kann, durften Sie a am Ende ganz berühmt sein."

Sie halten es also für sicher, daß

man um nicht verurtheilcn wird?

Für ganz sicher. Was denken Sie

von unserer Justiz? kmes .lages

wird man nothwendig dahinterkommen müssen, daß man auf falscher Fährtc

gewesen ist, und wird Herrn Wolfradt

mit den gebührenden Entschuldigungen entlassen, um die Nachforschungen nach dem wirklichen Thäter von neuem auf-

zunehmen. Sie aber werden inzwischen Zeit aefundcn haben, sich mit Jh-

rem angebeteten Fräulein Martini, oder ohne sie, was noch erheblich besser

Ware, in Sicherheit zu bringen. Ist

diese Aussicht nicht einiger Willensan

spannung und Selbstüberwindung werth?" Ich habe so große Angst vor einem Verhör! Und was sollte ich denn auch aussagen? Etwas-Sträfliches hat er nie gethan. Und wenn man ihm seinen

Verkehr mit den Mitgliedern des Kabaretts als Leichtfertigkeit anrechnen wollte, so fiele doch gerade dafür die ganze Verantwortung auf mich selbst. Denn ich bin es gewesen, der ihn auf Ihren Wunsch mit diesen Kreisen in Berührung bringen mußte."

Lassen Sie gefälligst meine Person

und meine Wünsche aus dem Spiel!" unterbrach ihn der Prokurist scharf.

Wenn Sie nur ein einziges Mal iraend einem Menschen gegenüber mei-

nen Namen in Verbindung mit diesen

Dingen nennen, so haben Sie Ihr Schicksal besiegelt. Lassen Sie sich's gesagt sein: ich verstehe darin leinen Spaß. Und nun will ich Ihnen zu auter Lckt doch noch einen Rath geben

einen wohlgemeinten und sehr ernst-

haften Rath! Gehen Sie zetzt m rne Apotbcke, kaufen Sie sich etwas Bromkali und. legen Sie sich schlafen, nachdem Sie es eingenommen haben. Und wenn Sie sich trotzdem morgen früh wieder ebenso schlapp und muthlos fühlen wie heute, so trinken Sie eine Flasche Sekt, ehe Sie ins Kontor kommcn. Da" er griff in die Tasche

und warf ein ZwanztgmarkstUck aus Mi

Schreibtischplatte nehmen Sie das, damit Sie nicht genöthigt sind, einen

Ihrer übrigen Tausendmarkscheine zu

wechseln. Es Ware a am Ende nicht

viel Gefahr dabei; aber wenn der Tcufcl seine Hand ins Spiel bringt, könnte

es doch Verdacht gegen S:e erregen. Na, so zieren Sie sich doch nicht! Ich

denke, was ich Ihnen heute Abend schon geschenkt habe, wäre etwas mehr werth

als diese lumpigen zwanzig Mark.

Mit emem undeutlich gemurmelten

Dankeswort nahm Heinitz jetzt wirklich

die zwanzig Mark an sich. Der Prokurist öffnete die Thür des Kasscnraumes, aber der Gefangene, dem er da-

mit den Weg rn die Freiheit erschlos

sen hatte, zauderte noch zu gehen.

Run. worauf warten Sree nagle

Francke. Sie hatten es doch vorhin so eilig. Wollten Sie mir noch etwaZ sagen?"

Ja verzechen Sie Sie haben wohl nicht mehr daran gedacht die

Brechstange"

Nichts da. mein Bester! Die ist

vorläufig bei mir besser aufgehoben als bei Ihnen. Hier in meinem Pult wird Niemand danach suchen. Und Sie wer-

den überdies vielleicht etwas Vorsicht!ger sein, wennSie wissen, daß hier noch so etwas wie ein Damoklesschwert über Ihrem Haupte hängt." Heinitz begriff trotz seiner Aufregung gut genug die wahre Absicht des Prokuristen. Er wollte ihn damit, daß er das Mordinstrumcnt in Gewahrsam behielt, ganz und gar zum willenlosen Werkzeug seiner schurkischen Absichten machen. "Denn darüber, daß nicht Wohlwollen oder Mitleid für seine Person die großmüthige Handlungsweife Franckcs bestimmte, gab er sich keiner Täuschung hin. Er wußte ja, mit wie erbarmungslosem Haß der Prokurist den unglücklichen Wolfradt verfolgte or wußte es, weil er selbst halb gegen seinen Willen der Mithelfer des abscheulichen, klug angelegten Planes gewesen war, der darauf hinauslief, den ahnungslosen jungen Mann in den Augen seines Oheims strafwürdig und verächtlich zu machen. Und er machte sich keine Illusionen darüber, daß Francke ihn unbedenklich in demselben Augenblick opfern würde, wo er aus irgend einem Grunde für seine Zwecke unbrauchbar geworden war. Darum wagte er auch keinen weiteren Versuch, den Prokuristen zur Herausgäbe des gefährlichen corpus delicti" zu bewegen. Er wußte, daß es leichter sein würde, den eisernen Geldschrank durch Worte von der Stell: zu bewegen, als einen Entschluß dieses Mannes durch Bitten zu erschüttern. Ich werde also gehen," sagte er tonlos. Gute Nacht, H?rr Francke." Gute Nacht! Und vergessen Sie nicht, meinen Rath zu befolgen! Mit so erschütterten Nerven, wie es die Jhrigcn augenblicklich zu sein scheinen, können Sie sich selber leicht zum gefährlichen Feinde werden. Vor allem aber setzen Sie sich auf eine vernünftige Weise mit dem Frauenzimmer auseinander. Wo immer ein Mann ins Verderben gcrieth, war es wenigstens in ncunundncunzig Fällen unter hundert durch die Schuld eines Weibes." 16. Kapitel. 5

Schwindlig und taumelnd wie ein Berauschter trat Georg Heinitz auf die Straße hinaus. Als er ein paar Dutzend Schritte zurückgelegt hatte,

horte er, wie em vorübergehender Ar

beiter, der ihn wohl wirklich für betrunken hielt, ihm ein derbes Spottwort zurief, und er raffte all seine Wil-

lcnskrast zusammen, um sich das Aus

schen eines ordentlichen, nüchternen Menschen zu geben. Aber es fiel ihm unsäglich schwer, die Herrschaft über

seinen Körper zu bewahren, der dem

Zusammcnbruch bedenklich nahe war. Die Menschen glitten an ihm vorüber wie undeutliche, vcrschwimmende

Schatten, und die elektrischen Lampen in den durchweg noch erleuchteten Schaufenstern führten einen tollen Flackertanz vor seinen schmerzenden

Auacn auf.

An das, Bcsanftigungsmittel, das

Paul Francke ihm so dringend cmpfohlen hatte, dachte er nicht mehr. Um so

schriller und höhnischer aber klangen die

letzten Worte dcö Prokuristen ihm

fortwährend im Ohre nach. Mit dem Frauenzimmer" vor al

lcm sollte er sich auseinandersetzen;

denn noch immer sei das Weib das Wer derben, des Mannes gewesen, Er mini

derie sich eigentlich, baß ei ihm nicht' an die Kehle gesprungen war bei dieser lästerlichen Rede, und er ballte die

Fäuste in ohnmächtiger Wuth. Denn

er hatte all die Folterqualen, die der

Prokurist ihn bei seinem grausamen

atz- und Maus-Spiel erdulden ließ.

nicht mit so schneidendem Schmerz em-

Pfunden wie die mitleidlose Beschim-

pfung eines Geschöpfes, das er nur noch

wilder, noch unsinniger und leiden-

schaftlicher liebte, seitdem er um feinet-

willen zum todeswurdigen Verbrecher geworden war.

Als er ihr gestern Abend in der Ge-

wißheit, daß durch die wundersamste

Fügung von der Welt die Ermordung Rüthlings und die Beraubung des

Gcldschrankes unentdcckt bleiben wurden, die Hälfte der gestohlenen Summe eingehändigt hatte, damit sie ihren Ver-

trag mit dem Direktor Gregory lösen und die erforderlichen Anschaffungen

sur die Reise nach Wien machen könne. hatte sie sich in der That weder sonderlich erstaunt noch über die Maßen cnt-

juckt gezeigt. Und von emem Parorlsmus zärtlicher Dankbarkeit, wie er ibn

vielleicht erträum hatte, war vollends

kerne Rede gewesen. Sie hatte sich den

Anschein gegeben, seiner Geschichte von

den heimlichen Börsenspekulationen, die um Gottes willen zu keines Men-

schenKenntniß gelangen durften, Glauben zu schenken, und sie hatte es wie etwas ganz Natürliches hingenommen, daß er ihr seinen Besitz zu Füßen legte.

Seine stürmischen Liebesbetheuerungen hatte sie zwar nicht gerade zurückgewiesen, und ihre Worte wie ihr Lächeln waren vielleicht um ein Geringes

ermuthigender gewesen als sonst, wenn er ihr von seiner verzehrenden Leidenschaft gesprochen. Aber es war alles in allem doch viel mehr eine laue Vertrö-

stung auf die Zukunft als die ersehnte Erfüllung seiner hochfliegenden Hoffnungen gewesen. Und er hätte im Grunde nicht einmal ein Recht gehabt, sie der Treulosigkeit und des Verraths zu beschuldigen, wenn Paul Franckcs zynische Vermuthung, daß sie stracks zu dem anderen gegangen sei, um ihm mit dem Gelde ein Geschenk zu machen, sich als zutreffend erwiesen hätte.

Aber Georg Hcmitz war mcht mehr

in der Gemütsverfassung, ruhig abzu

wägen, was er nach ihrem gestrigen Benehmen von ihr zu fordern berechtigt

war. Seitdem er für sie zum Mörder

geworden, betrachtete er sie als sein Eigenthum, das ihm Niemand mehr ent-

reißen dürfe. Und er zwang sich, die Aeußerungen des Prokuristen im Lichte schändlichster Verleumdung zu betrachten, weil er deutlich genug fühlte, daß es mit ihm zu Ende sei in demselben Augenblick, wo er an ihre Richtigkeit glauben mußte. Nora selbst sollte ihm Aufklärung geben, und er war entschlossen, nicht den leisesten Zweifel zu setzen in das. was sie ihm sagen würde. Aber gleich jetzt mußte cs geschehen, noch in dieser Stunde, wenn die grausamen Zweifel, die gegen seinen Willen immer wieder ihre giftigen Schlangenäupter crhoben, ihn nicht zu irgend cmcr That des Wahnsinns treiben sollten. Den Gcdanken, bis zum Schluß der Vorfiellung im Gefilde der Seligen" auf die befreiende Gewißheit zu warten, wies er als eine tolle Unmöglichkeit zurück. Es war ja ganz gleichgiltig, wo er mit ihr sprach, hinter den Kulissen, in ihrer Garderobe oder in sonst einem Winkel des Theaters eine Frage und eine Antwort das war alles, dessen cs in dieser Stunde zwischen ihnen bedürfte, und dazu mußte sich Gelegenheit finden, gleichviel welche Schwierigkeiten man etwa einer Begegnung während der Aufführung in den Weg legen mochte. Er war trotz der empfindlichsten Kälte des Abends in Schweiß gebadet, als er das unansehnliche Vorstadthaus mit dem prahlerischen Namen des Kabaretts über der Eingangsthür erreichte. Die Vorstellung hatte bereits begonn. Heinitz löste eine Eintrittskarte und wandte sich dann, ihm einen Thalcr in die Hand drückend, an den ersten Logenschließer, dcr ihm begegnete, mit der Bitte, ihn durch irgend Jemand bei Fräulein Martini melden und sie um eine kurze Unterredung in dringende: Angelegenheit bitten zu lassen. - Dcr Mann zögerte mit der Antwort, bis cr den Thaler sicher in seiner Westcntaschc untergebracht hatte, dann aber sagte er : Thut mir sehr leid, mein Herr, wird sich indessen wohl nicht machen lassen, da Fräulein Martini eben heute unserem Direktor durchgegangen ist. Der Regisseur hat es vor einer Viertelstunde von dcr Bühne herab dem Publikum mittheilen müssen. Und Sie hätten nur den Skandal hören sollen, das Zischen und Pfcifcn. Hier darf sie sich gewiß in ihrem ganzcn Lcbcn nicht wieder blicken lassen." Georg Heinitz stand, als hätte man ihn mit einem Knüppel vor den Kopf geschlagen. Die Wände des blau tapezirtcn Ganges mit den kleinen, röthlich brennenden Nothlampcn begannen sich um'ihn zu drchcn, daß seine Hände angstvoll nach einer Stütze tasteten. Sie ist durchgegangen?" wiederholte er mit schwerer, lallender Zunge. Durch gc gan gen ?" Und nun taumelte er rückwärts, daß dcr Logenschließer rasch zugreifen mußte, um ihn vor dem Niederstürzen zu bewahren. An das, was während der nächsten Minuten mit ihm vorgegangen war, hatte er nachher nur ein ganz unklares Erinnern. Man hatte sich hilfreich mit ihm beschäftigt, 'mußte aber doch wohl der Meinung gewesen fein,

daß er sich hinlänglich erholt hatte, um feinen Heimweg anzutreten. ' Denn als er, wie aus einem schweren Traum erwachend, mit leidlich klarem Bewußtsein um sich sah, fand er sich mitten im Gewühl der Vorstadtstraße und bereits um ein Beträchtliches von den Gefilden der Seligen" entfernt. Es wurde ihm trotz des wiedcrgewonnenen Bewußtseins schwer, seine Gedanken zu ordnen. Aber das eine wußte er doch, daß man ihm gesagt hatte, Nora Martini sei durchgegangen, und sie würde nie in ihrem Leben hierher zurückkehren. Sie hatte also ihre längst geplante Reise nach Wien angetreten, ohne erst die gütliche Lösung ihres Kontraktes abzuwarten, und ohne sich von ihm zu verabschieden! Es war ein fürchterlicher Schlag; aber nachdem cr einmal den ersten betäubendcn Schrecken überwunden, regte sich's doch wicdcr wie neu crwachende Hoffnung in dem Hcrzen dcs Buchhalters. Er mußte ja zu Hause unfehlbar cinen Brief von ihr vorfinden, der ihm Alles erklärte Und die Hauptsache toar doch, daß sie nicht mit Günther Wolfradt geflohen sein konnte, der glücklicherweise fest und sicher hinter den Mauern des Untcrsuchungsgefängnisses saß. Wohin sie sich auch gewendet haben mochte wenn cr sclder nur seine Freiheit behielt, würde cr sie schon zu finden wissen, und nichts in der Welt sollte sie ihm ent. reißen. So kam cr nach Hause, und seine erste Frage an das Stubenmädchen, das ihm die Entreethür öffnete, war eine Frage nach Nora. Er erfuhr, daß sie schon am Mittag abgereist sei, nachdem sie in großer Hast ihre Koffer ge--packt und ihre Rechnung für den lausenden Monat berichtigt habe. Einen Brief für Herrn Heinitz habe sie allerdings zurückgelassen. Er liege auf dem Tisch in seinem Zimmer. Nie in seinem Leben hatte der BuchHalter mit gleicher Hast den Umschlag eines an ihn gerichteten Schreibens herabgerissen. Das Papier, das denselben feinen, schmeichelnden Wohlgeruch ausströmte, wie ihn Noras Kleidcr zu verbreiten pflegten, knisterte in seinen heftig zitternden Händen. Und trotz seiner wilden Begierde, den Inhalt dieses Briefes kennen zu lernen, der die Entscheidung über sein Schicksal enthielt, mußte er noch ein paar

Sekunden verstreichen lassen, ehe sich vor seinen gleichsam umschleierten Augen das Chaos ameisenartig durcheinander wimmelnder Buchstaben zu lesbaren Worten gestaltete. Nora Martini hatte ihm geschrieben : m ' Daß ich einer nochmaligen persönlichen Begegnung aus dem Wege gegangen bin, werden sie ohne Weiteres begreifen, wenn ich Ihnen sage, daß ich alles errathe. Sie haben mir mit Ihrem sogenannten Geschenk" die furchtbarste, die iödtlichste Beschimpfung zugefügt, die ein Menfch von dem anderen erfahren kann. Ich habe ein Grauen vor mir selbst bei dcr Vorstellung, daß sich dies fluchbeladene Geld auch nur ein paar Stunden lang in meinen Händen befunden. Natürlich habe ich mich seiner in demselben Augenblick entledigt, wo ein Zufall mich seine Herkunft ahnen ließ. Daß ich es nicht dcr Polizei übergab, ist Alles, was ich noch für Sie thun konnte. Und ich warne Sie dringend, jemals etwas Weiteres von mir zu verlangen. Ich will Ihr Verderben nicht) und ich werde schweigen, so wie Sie ja in Ihrem eigenen Interesse schweigen werden. Aber ich schwöre Ihnen, daß ich auf der Stelle den Schutz dcr Behörden gegen Sie anrufcn werde, wenn Sie früher oder später den Versuch wagen sollten, sich mir nochmals zu nähern. Ich werde mich bemühen, Ihren Namen aus meincm Gedächtniß zu tilgen. Möge der Himmel Ihnen Kraft verleihen, die Vorwürfe Ihres Gewissens zu tragen. Auf Nimmerwiedersehen also! N. M. (Schluß folgt.)

buiTiovisti&cie&

Qom Satlredsr. .. . Die alten Griechen hatten so viel Götter, daß sie getrost noch mehr hätten haben können." G dioso ipvofcfsovjcii Wä'schermadel: Ist der Herr Professor zu Haus?" P r o f e f s o r (selbst): Will einmal schaun, ob er da ist!"

Entgegrnkonrnrend. .Meine Frau scheint durchbrennen zu wollen nun, da werde ich heute in auffälliger Weise zehntausend Mark flüssig machen!" Vov Vortrlzt. Amtsrichter: Huberbauer, wann sind Sie geboren?" H überb a u e r : Herr Amtsgerichtsrath, i woas selbst nit genau, so vor 62 Joah. ren, moane selige Mutter lebte a noch!" (DcroiUhltdj. F l ö t i st (einer Dorfmusikkapelle, der um einige Takte zurück ist, als ihn der Kapellmeister einm wüthenden Blick zuwirft): Reg' Dich nicht auf ich hole Euch schon wieder ein!" Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow". ;

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